Skip to main content

Full text of "Historische grammatik der englischen sprache .."

See other formats


^"o^ 

0 


•)-. 


r-        ^ 


.y     - 


'  -/Oi.cU, 


DIE  LAUT-  UND  FLEXIONSLEIIRE 


DER 


ENGLISCHEN  SPRACHE 


VON 


C.  FRIEDRICH  KOCH. 


ZWEITE  UNVERÄNDEETE  AUFLAGE. 


KASSEL 
GEORGH.     WIGAND. 

1882. 


Alle  Rechte  vorbehalten. 


0CT2   1970 


Vorrede. 


Die  modernen  Schriftsprachen  sind  auf  gleiche  Weise  ent- 
standen. Ein  Dialect  liegt  zu  Grunde;  politische  Verhältnisse 
oder  literarische  Erscheinungen  oder  beide  heben  denselben  und 
machen  ihn  zur  Gesammtsprache  der  Nation;  aber  die  in  den 
verschiedenen  Landschaften  fortklingenden  Dialecte  führen  dieser 
Gesammtsprache  stets  neue  Elemente  zu.  So  ist  unsere  neue 
hochdeutsche  Sprache  ein  mitteldeutscher  Dialect,  der  zu  offi- 
ciellem  Gebrauche  in  Sachsen  gelangt,  im  öffentlichen  auswärtigen 
Verkehr  Elemente  aus  anderen  oberdeutschen  Dialecten  zuläl^t 
durch  die  religiösen  Kämpfe  sich  über  Deutschland  ausbreitet 
und  Schriftsprache  des  ganzen  Volkes  wird,  der  aber  noch  heute 
aus  den  Dialecten  sich  bereichert.  Der  Dialect  Kastiliens,  der 
durch  die  ganze  Mitte  der  Halbinsel  von  dem  nördlichen  bis 
zum  südlichen  Meere  erklingt,  ist  zur  Gesammtsprache  Spaniens 
geworden.  Einer  der  drei  nordfranzösischen  Dialecte  —  ob  der 
picardische,  lothringische  oder  burgundische,  ist  bis  jetzt  nicht 
festgestellt  —  wird  Schriftsprache  Frankreichs.  Will  man  daher 
eine  Schriftsprache  historisch  begründen,  so  mui^  man  mit  den 
Dialecten  beginnen.  Diese  mül^en  in  ihrem  historischen  Verlaufe 
und  ihren  unterscheidenden  Eigenthümlichkeiten  dargestellt  wer- 
den. Erst  dann  läßt  sich  mit  Sicherheit  bestimmen,  von  welchem 
Dialecte  die  Schriftsprache  ausgeht,  welche  Schriftsteller  zuerst 
aus  den  Schranken  dieses  Dialectes  heraustreten,  welche  Ab- 
weichungen sie  sich   erlauben  und  wodurch  diese  veranlaßt  sind, 


VI 


und  wie  der  so  theilweise  umgestaltete  Dialect  sich  über  die 
anderen  Dialecte  erhebt  und  Gesammtsprache  wird.  Ob  eine 
solche  Darstellung  möglich  ist,  das  hängt  freilich  von  den  noth- 
wendigen  literarischen  Documenten  ab. 

Auch  die  englische  Schriftsprache  hat  sich  so  entwickelt, 
wahrscheinlich  aus  dem  binnenländischen  Dialecte.  Auch  bei 
dem  Versuche,  sie  historisch  zu  begründen,  wird  man  von  den 
Dialecten  ausgehen  müßen,  um  Haupt-  und  Nebencontribuenten 
mit  Sicherheit  herausfinden  zu  können.  Allein  erst  in  späterer 
Zeit  wird  die  reiche  Literatur  die  Durchführung  eines  solchen 
Versuchs  ermöglichen.  Denn  noch  fliei^en  die  historischen  Quellen, 
obgleich  die  englischen  Philologen  in  der  Erforschung  ihrer 
Sprache  sehr  thätig  sind,  nicht  so  reichlich,  um  eine  Geschichte 
der  Hauptdialecte  schreiben  zu  können;  noch  sind  die  gegen- 
wärtigen Dialecte  nicht  ausreichend  willens chaftlich  bearbeitet, 
um  die  Eigenthümlichkeiten  derselben  feststellen  zu  können.  Die 
Behandlung,  die  sie  in  den  zahlreichen  Glossaren  erfahren,  ist 
mehr  lexikalisch  als  grammatisch.  So  lange  nicht  ein  reicheres 
Material  und  eine  genaue  grammatische  -Darstellung  der  Dialecte 
vorliegt,  wird  eine  historische  Begründung  der  Schriftsprache 
unvollständig  sein  und  es  wird  kein  anderer  Weg  übrig  bleiben, 
als  der,  den  der  Verfal^er  eingeschlagen  und  in  der  Einleitung 
dargelegt  hat. 

Die  benutzten  Quellen  sind  besonders  angegeben.  Grein's 
ausgezeichnete  ags.  Arbeiten  hat  der  Verfal^er,  obgleich  er  sein 
Material  sich  schon  gesammelt  hatte,  überall  benutzt,  auch  da, 
wo  nach  älteren  Ausgaben  citiert  ist.  Die  Anführung  nach  diesen, 
wie  Codex  Exoniensis  und  Csedmon  von  Thorpe,  ist  nur  aus 
äui^eren  Gründen  beibehalten  worden.  Der  Codex  Exon.  steht 
nämlich  nur  zum  Theil  in  Grein's  angelsächsischer  Bibliothek 
und  bei  der  zweckmäßigen  Anlage  der  letzteren  kann  man  sich 
hier  leicht  zu  recht  finden,  auch  wenn  nach  den  älteren  Ausgaben 
citiert  ist ;  nicht  aber  in  diesen,  wenn  man  nach  der  ags.  Bibliothek 
citiert.  Jedoch  Beowulf  ist  nur  in  der  Lautlehre  nach  der 
Ausgabe  von  Kemble  citiert,  in  der  Flexionslehre  nach  der 
ags.  Bibliothek,  weil  die  Versangabe  (Kemble  zählt  nach  halben. 
Grein  nach  ganzen  Versen)  nicht  zusammentrifft. 

In  graphischer  Beziehung  hat  sich  der  Verfaßer  einige  Ab- 
weichungen erlauben  zu  müßen  geglaubt. 


VII 


Grimm  hat  für  den  getrübten  ags.  a-Laut  zwei  Zeichen 
eingeführt,  ä  für  die  Kürze,  se  für  die  Länge.  An  sich  schon 
dürfte  nicht  zu  hilligen  sein,  für  einen  Laut  zwei  Zeichen  ein- 
zuführen; so  dann  aber  verstöl«5t  es  auch  gegen  das  sonst  geübte 
Prinzip  der  Quantitätsbezeiclmung,  indem  die  Kürze  unbezeichnet 
gelal^en  (a),  die  Länge  durch  ein  besonderes  Zeichen  (ä)  bezeichnet 
wird.  Da  nun  die  ags.  Urkunden  für  Kürze  und  Länge  das  eine 
Zeichen  ?e  gebrauchen,  so  glaubt  sich  der  Yerfal^er  berechtigt, 
dieses  eine  Zeichen  für  den  gleichen  Laut  beizubehalten  und  die 
Quantität  in  gewöhnlicher  Weise,  also  se  und  se,  zu  unterscheiden. 
Dasselbe  gilt  auch  von  .ce. 

Eine  zweite  Abweichung  findet  in  Bezeichnung  der  ersten 
Steigerung  des  u-Lautes  statt.  Grimm  schreibt  io,  eö  und  diese 
Bezeichnung  könnte  leicht  die  Ansicht  veranlal^en,  dal^  i  oder  e 
ein  leichter  Vorschlag  zu  dem  schwereren  o  sei.  Das  ist  nicht 
der  Fall.  Unzweifelhaft  liegt  diesem  io,  eo  ein  angelsächsisches 
iu  zu  Grunde,  weil  sich  dessen  Verengerung  ü  neben  eo  erhalten 
hat.  Der  Gang  des  Lautes  ist  daher  iu,  io,  eo.  Nun  mag  wohl 
u  etwas  schwerer  gewesen  sein,  weil  gotisches  au  sich  zu  iu 
schwächt  und  weil  einige  angelsächsische  iu  zu  ü  werden.  Die 
dann  eintretende  Verdunklung  des  u  zu  o  in  io,  eo  läßt  aber 
eine  gleichmäßige  Aussprache  beider  Laute  vermuthen,  und  die 
spätere  Vereinfachung  des  eo  zu  e  läßt  keinen  Zweifel  darüber 
zu,  daß  e  nach  und  nach  mehr  hervorgetreten  ist.  Diese  erste 
Steigerung  des  u-Lautes  findet  demnach  in  eo  eine  richtigere 
Bezeichnung 

Endlich  weicht  der  Verfaßer  darin  ab,  daß  er  für  v,  das 
Grimm  für  die  gotische  und  angelsächsische  Rune  eingeführt 
hat,  w  schreibt.  Denn  die  ags.  Rune  scheint  weicher  gelautet 
zu  haben  als  v,  und  da,  wo  sie  schwindet,  tritt  nicht  v,  sondern 
w  ein,  während  v  im  Neuangelsächsischen  vielfach  mit  f  wechselt. 

Anordnung  und  Darstellung  werden  sich  selbst  rechtfertigen. 

In  der  Lautlehre  ist  die  Scheidung  des  angelsächsischen  und 
altnormannischen  Vocalismus  geboten  und  damit  der  doppelte 
Ausgangspunkt.  Der  gleiche  Gang  der  Entwicklung  und  die 
gleichen  Gesetze  für  die  Aussprache  rechtfertigen  die  besondere 
Behandlung  der  neuenglischen  Laute.  Die  Uebereinstimmung 
der  Consonanten  gestattet  die  gemeinsame  Behandlung.  Neben 
dem  Verlauf  der  Lautzeichen   hat    der  Verfaßer  versucht,  auch 


VIII 


den  mit  dem  Zeichen  ausgedrückten  Laut  festzustellen.  Die 
angelsächsischen  Laute  sind  bestimmt  aus  der  Entwicklung  der 
Zeichen  und  ihrer  gegenwärtigen  Aussprache;  die  Aussprache 
um  1600  auf  Grund  der  ältesten  Grammatiker,  der  Schreibung 
und  der  Reime  bei  Spenser  und  Shakespeare;  die  gegen- 
wärtige Aussprache  nebst  den  vielfachen  Schwankungen  nach 
den  englischen  Lexikographen.  So  sind,  abgesehen  von  der 
gegenwärtigen  Lautung,  zwei  feste  Puncte  gewonnen  und  die 
Zwischenräume  lallen  sich  unschwer  ausfüllen. 

In  der  Accentlehre  sind  die  beiden  Accentgesetze  zu  Grunde 
gelegt,  das  angelsächsische  und  das  altfranzösische,  denen  die 
Hauptbestandtheile  des  Englischen  folgen.  Die  beiden  Gesetze 
stehen  im  strengsten  Gegensatze;  ein  Widerstreit  erfolgt;  das 
vorübergehende  Schwanken,  wenigstens  bei  den  alt-  und  mittel- 
englischen Dichtern,  und  die  allmäliche  Befestigung  des  deutschen 
Sprachstoffs,  die  Uebergriffe,  die  Verluste  und  die  Umbildung 
des  französischen  Stoffes  sind  die  nothwendigen  Resultate  dieses 
Widerstreites. 

In  der  Flexionslehre  wurde  versucht,  sowohl  die  alten  angel- 
sächsischen Formen  zu  begründen,  als  auch  deren  Verlauf  bis 
zum  Neuenglischen  darzulegen. 

Der  Verfal^er  fühlt  sich  gedrungen,  den  Herren  Bibliothekaren 
in  Göttingen  und  Weimar,  und  Herrn  Geh.  Hofrath  Dr.  Marshai 
für  ihre  bereitwillige  und  freundliche  Unterstützung  seinen  herz- 
lichen Dank  öffentlich  auszusprechen. 

Eisenach,  den  1.  October  1863. 

Professor  Dr.  Friedrich  Koch. 


Zur  zweiten  Auflage. 


Das  Handexemplar  des  Verfal^ers  vom  ersten  Bande  seiner 
Grammatik  (vergl.  2.  Aufl.  des  2.  Bd.  S.  IX)  ist  nicht  wieder- 
gefunden worden.  Somit  war  bei  einer  neuen  Auflage  nur  ent- 
weder an  eine  völlige  Umarbeitung  oder  an  einen  unveränderten 
Abdruck  zu  denken.  Zu  der  ersteren  hatte  ich  selbst  jetzt  keine 
Zeit  und,  um  aufrichtig  zu  sein,  vorläufig  auch  keine  Lust. 
Deshalb  rieth  ich  dem  Verleger  zunächst  sich  anderweitig  wegen 
eines  Bearbeiters  umzusehen.  Da  er  mir  aber  nach  einiger  Zeit 
erklärte  einen  solchen  nicht  zu  finden,  blieb  nichts  übrig,  als  ein 
unveränderter  Abdruck.  Dieser  sollte  nun  nach  meiner  Ansicht 
wenigstens  durch  Anwendung  von  Cursiv  neben  Antiqua  für  den 
Leser  etwas  bequemer  eingerichtet  werden.  Allein  in  Folge  von 
Umständen,  deren  Auseinandersetzung  zu  weit  führen  würde,  war 
ohne  mein  Wißen  mit  dem  Satz  begonnen  worden,  und  dieser 
war,  ehe  ich  davon  hörte,  schon  so  sehr  vorgeschritten,  daß  eine 
Änderung  nicht  mehr  möglich  war. 

Die  Berichtigungen  auf  S.  499  f.  der  ersten  Auflage  sind 
jetzt  in  den  Text  aufgenommen  worden  mit  Ausnahme  derjenigen 
zu  S.  360  Z.  1:  'es  der  Conjunctiv,  nicht  Indicativ',  weil  diese 
Änderung  offenbar  auf  einem  Versehen  des  Verfaßers  beruht. 
Die  Nachträge  dagegen  habe  ich  hinten  belaßen,  weil  sich  die 
beiden  Auflagen  des  Citierens  wegen  Seite  für  Seite  entsprechen 
sollten.  Freilich  ist  dies  ohne  meine  Schuld  auf  den  ersten  beiden 
Bügen  trotzdem  nicht  ganz  der  Fall.  Es  sei  hier  gl.eich  bemerkt, 
daß  ich  auch  die  Paragraphenzählung  aus  demselben  Grunde  un- 
verändert gelaßen  habe,  sodaß  z.  B.  auch  in  der  zweiten  Auflage 
der  §  215  der  Lautlehre  fehlt. 


Sonst  habe  ich  mir  allerdings  hier  und  da,  wie  schon  im 
2.  Bande,  stillschweigende  Änderungen  in  Kleinigkeiten  erlaubt. 
Natürlich  habe  ich  zunächst  alle  Druckfehler,  die  ich  bemerkt 
habe,  beseitigt;  ferner  solche  auf  der  Hand  liegende  Versehen 
des  Verfal^ers,  wie  z.  B.  in  §  3  (S.  5  Z.  11  v.  u.  -  Z.  4  v.  u. 
der  1.  Aufl.),  wo  es  hiel^:  'In  der  Vorrede  zum  Liber  pastoralis 
klagt  Gregor,  oder  in  §  8,  wo  die  Urkunde  Heinrichs  III.  vom 
Jahre  1258  in  der  Anmerkung  zu  den  Worten:  'Edward  III. 
1363  verordnet'  mitgetheilt  wurde.  So  habe  ich  auch  falsche 
Formen,  wo  dies  durch  blol^e  Streichung  oder  Hinzufügung 
einzelner  Buchstaben  zu  machen  war,  gebelfert,  namentlich  auch 
bei  Wörtern  aus  dem  Sanskrit^  bei  welchen  häufig  in  Folge  des 
Übersehens  eines  diakritischen  Zeichens  z.  B.  b,  d,  s,  statt  bh,  dh, 
sh  zu  lesen  war.  '  Aber  natürlich  mulke  ich  falsche  Formen 
dort  stehen  laßen,   wo   Kochs  Bemerkungen   diese  voraussetzen. 

Der  vorliegende  erste  Band  ist  wegen  seiner  lichtvollen  Dar- 
stellung besonders  geeignet  in  das  historische  Studium  der  eng- 
lischen Sprache  einzuführen.  Allerdings  muii  ich  sogleich  für  den 
Anfänger  die  Warnung  hinzufügen,  daß  er  sich  der  Führung 
desselben  nicht  unbedingt  überlaßen  darf.  Er  geht  zum  Theil 
von  veralteten  sprachvergleichenden  Ansichten  aus,  die  ja  aber 
freilich  auch  noch  in  der  neuesten  Auflage  von  Schleichers  Com- 
pendium  stehen;  er  enthält  mannigfache  Lücken,  an  denen  das 
dürftige  Material  schuld  ist,  aus  welchem  Koch  seinen  Bau  auf- 
führen mußte;  er  ist  endlich  selbstverständlich  nicht  frei  von 
Fehlern,  welche  die  auf  den  in  ihm  gewiesenen  Bahnen  rüstig 
fortschreitende  Wißenschaft  in  der  Zwischenzeit  erkannt  hat. 

Ich  denke,  das  Buch,  das  so  lange  nicht  zu  erlangen  war, 
wird  dann  am  meisten  nützen,  wenn  die  Universitätslehrer  ihre 
Vorlesungen  über  die  englischen  Laute  und  Flexionen  an  dasselbe 
-berichtigend  und  ergänzend  anknüpfen. 

Berlin,  den  8.  October  1881. 

J.  Zupitza. 


Einleitung. 


Uie  Ereignisse,  welche  in  frühester  Zeit  auf  den  brittischen  Inseln    §.  1. 
statt  hatten,   zeigen  uns  die  Elemente,    aus  denen  nach  und  nach  die 
englische  Sprache  zusammen  geflogen  ist. 

Die  Ureinwohner  jener  Inseln  waren  Kelten:  im  Süden  Großbri- 
tanniens saßen  die  Britten,  im  Norden  die  Pichten  (von  den  Römern 
Caledonier  genannt),  in  Irland  die  Galen  (Iren,  Ersen).  Ein  Zweig  der 
letzteren,  die  Scoten,  besiegten  die  Pichten  und  gaben  dem  Lande 
Herren  und  Namen. 

Die  Hilfe,  welche  die  Britten  den  verwandten  Galliern  gewährt 
haben  sollen,  veranlaßte  die  römische  Invasion.  Cäsar  beginnt  (55 
vor  Chr.),  Cn.  Julius  Agricola  (78 — 85  nach  Chr.)  fördert,  und  Kaiser 
Severus  vollendet  (209)  die  Eroberung  Großbritanniens.  Die  ßömer- 
herrschaft  gewährt  zwar  Schutz  gegen  die  räuberischen  Pichten  und 
Scoten,  aber  sie  führt  auch  römische  Sitte  und  Sprache  ein. 

Vom  Sturme  der  Völkerwanderung  erschüttert  ruft  Rom  seine 
Legionen  zurück  (409),  die  Pichten  und  Scoten  drängen  nach  und  die 
Britten,  ungewohnt  und  unfähig,  sich  selbst  zu  schützen,  rufen  ger- 
manische Stämme  herbei.  Früher  in  geringerer  Anzahl,  auf  Vortigern' s 
Bitten  in  größerer,  landen  sie  (449)  auf  Thanet,  nehmen  das  Land  in 
Schutz,  aber  auch  in  Besitz;  die  Britten  erheben  sich;  ein  langer  Kampf 
erfolgt,  der  mit  ihrer  völligen  Unterwerfung  und  der  Vernichtung 
römischer  Bildung  endigt:  Britannien  wird  germanisch. 

Die  Stämme,  die  Vortigern's  Ruf  nach  England  zog,  sollen  Juten, 
Angeln  und  Sachsen  gewesen  sein.  Unter  ihnen  waren  die  Sachsen  wohl 
am  zahlreichsten,  da  sie  mehrere  Staaten  bildeten  und  die  Ureinwohner 
alle   Einwanderer    Sachsen   nannten;  die   Angeln    aber   waren    mächtig 

Koch,  engl.  Grammatik.     I.     2.  Aufl.  1 


2  Einleitung-. 

§.  1.  genug,  um  Land  und  Leute  nach  sich  zu  benennen,  bis  später  beide 
Namen  zu  dem  gemeinsamen  Namen  Angelsachsen  verschmolzen.  Die 
Juten  setzten  sich  in  Kent,  auf  der  Insel  Wight  und  der  gegenüber- 
liegenden Küste,  die  Sachsen  im  Süden  Englands,  die  Angeln  nördlich 
von  ihnen.  Eine  Reihe  kleiner  Staaten  entsteht  (Kent  jütisch,  Sussex, 
Essex  und  Wessex  sächsisch,  Ostangeln,  Mercia,  Deira  und  Bernicia 
anglisch,  gegen  586),  das  Principat  schwankt,  bis  im  Anfang  des 
9.  Jahrh.  Ecgbert,  König  von  Wessex,  sie  alle  zu  einem  Reiche  ver- 
einigte, Mercia  ausgenommen,  und  sie  gegen  die  räuberischen  Einfälle 
der  Dänen  zu  schützen  wuIHe.  Als  aber  nach  seinem  Tode  (836)  sein 
schwacher,  mönchisch  erzogener  Sohn  Ethelwulf  zur  Regierung  gelangte, 
mehrten  sich  die  Angriffe  der  Dänen,  so  daß  selbst  der  tapfere  Ethelred 
es  nicht  hindern  konnte,  dass  sie  sich  festsetzten,  ein  anglo-dänisches 
Reich  (Northumbria)  gründeten  und  ihre  Raubzüge  nach  dem  Süden 
wiederholten.  Glücklicher  war  sein  Bruder  J]]lfred  (871 — 901).  Er 
befreite  sein  Land  von  den  Einfällen  der  Dänen  und  überließ  ihnen, 
nachdem  sie  sich  unterworfen  hatten  und  Christen  geworden  waren, 
Northumberland  und  Ostangeln  zu  Wohnsitzen.  Im  Innern  stellte  er 
die  altgermanische  Verfaßung  wieder  her -und  mit  derselben  Freiheit 
und  Ordnung,  gründete  und  beschenkte  Schulen  und  Kirchen,  berief 
tüchtige  Gelehrte  an  seinen  Hof,  förderte  die  Bildung  der  Geistlichen 
(Sachsenschule  in  Rom),  sammelte  die  alten  Lieder  und  war  selbst 
literarisch  thätig,  überall  bemüht,  die  Bildung  der  Angelsachsen  zu 
heben.  Sein  tapferer  Enkel  ^thelstan  (t941)  unterwirft  durch  den 
glänzenden  Sieg  von  Brunanburg  (937)  Northumbrien.  Als  sich  unter 
Ethelred  IL  die  Angriffe  der  Dänen  erneuern,  erkauft  dieser  von  dem 
Dänenkönige  Sueno  dem  Glücklichen  eine  kurze  Ruhe,  unterliegt  aber 
im  neu  ausgebrochenen  Kampfe  und  muß  zu  seinem  Schwager  Richard  IL, 
dem  Herzoge  von  der  Normandie,  fliehen  (1013).  Sueno  stirbt  schon 
das  nächste  Jahr,  aber  sein  Sohn,  Kanut  der  Große,  behauptet  seine 
Herrschaft  bis  an  seinen  Tod  1035.  Das  altnordische  Element  findet 
Eingang  und  Einfluß. 

Im  Jahre  1042  riefen  die  englischen  Großen  Ethelred's  Sohn  auf 
den  Thron,  Edward  den  Bekenner,  und  da  dieser  sie  durch  seine  Vor- 
liebe für  die  Normannen  erbittert  hatte,,  übergiengen  sie  nach  seinem 
Tode  seinen  Neffen  Edgar  (1066)  und  wählten  des  dänischen  Grafen 
Godwin  Sohn,  den  mächtigen  Harald.  Aber  Herzog  Wilhelm  IL  von 
der  Normandie  behauptete,  daß  ihn  Edward  zum  Erben  eingesetzt 
habe,  und  setzte  über,  um  seine  Ansprüche  geltend  zu  machen.  Harald  fiel 


Keltisch.  3 

bei  Hastings,  mit  ihm  das  Reich  der  Angelsachsen.  Wilhelm,  Herr  von  der    §.  1 
Normandie,  Bretagne  nnd  Maine,  ward  König:  England  wird  normannisch. 

Von  spätem  Ereignissen  sind  die  wichtigsten:  die  Vermehrung  der 
englischen  Besitzungen  in  Frankreich  durch  Vermählung  Mathildens, 
Heinrichs  I.  Tochter,  mit  Gottfried  Plantagenet,  die  blutigen  Erbfolge- 
kriege Edwards  III.  (1327 — 77)  mit  dem  Hause  Valois,  die  1339 
ausbrachen  und  mit  dem  Verluste  fast  aller  Besitzungen  in  Frankreich 
endigten,  und  die  später  mit  gleichem  Erfolge  von  Heinrich  V.  (1413 — 22) 
wieder  aufgenommen  wurden,  die  Vorbereitung  der  Eeformation  durch 
Wycliffe  (1324 — 1387)  und  der  dreil%jährige  Kampf  zwischen  den 
Häusern  York  und  Lancaster  (1452). 

Diese  historischen  Ereignisse  zeigen,  we-lche  Sprachen  und  in 
welcher  Folge  diese  in  England  erklangen:  Keltisch,  Lateinisch,  Angel- 
sächsisch, Altnordisch,  Normannisch-Französisch  und  Englisch. 

1.     Keltisch. 

Das  Keltische  wurde  nicht  nur  von  den  Urbewohnern  der  brittiscben  §.  2 
Inseln  gesprochen,  sondern  auch  von  den  Bewohnern  Belgiens,  Galliens 
und  eines  Theiles  von  Spanien.  Schriftliche  Denkmale  aus  der  ältesten 
Zeit  haben  sich  nicht  erhalten,  denn  die  Druiden  hielten  es  (nach  Cäsar) 
für  unziemlich,  ihre  Lehren  aufzuzeichnen.  Und  selbst  wenn  diese 
aufgezeichnet  worden  wären,  so  würden  sie  sich  schwerlich  erhalten 
haben:  die  nachfolgende  römische  Herrschaft  würde  sie  als  die  Träger 
des  keltischen  Volksthums,  die  christliche  Zeit  würde  sie  als  die  Träger 
des  Heidenthums  angesehen  und  beide  würden  versucht  haben,  die  Ver- 
nichtung derselben  zu  bewirken.  Die  ältesten  altirischen  Denkmäler 
sollen  dem  8.  oder  9.  Jahrh.  angehören. 

Gegenwärtig  werden  zwei  Hauptzweige  des  Keltischen  unterschieden, 
das  Neu-Irische,  die  jetzige  Sprache  der  Irländer,  von  der  das  Schottische 
(Hochschottische,  Gälische,  Ersische)  wenig,  das  Mankische  (auf  der 
Insel  Man)  weiter  absteht;  und  das  Britannische,  das  aus  dem  Kym- 
rischen  in  Wales,  und  dem  Armorischen  oder  Bas  Breton  in  Bretagne 
besteht.  Zu  demselben  gehörte  auch  das  Cornische  in  Cornwall,  das 
gegen  Ende  des  vorigen  Jahrh.  ausstarb.  Die  Sprache  der  alten 
Gallier  scheint  dem  letzteren  Zweige  zu  Grunde  gelegen  zu  haben. 

Die  nahe  und  lang  dauernde  Berührung,  die  zwischen  Kelten  und 
Angelsachsen  stattgefunden  hat,  mag  manches  Wort  eingeführt  haben 
und  zu  ganz  verschiedener  Zeit,  obgleich  dabei  nicht  außer  Acht  zu 
lassen  ist,  daß  solche  Wörter  beiden  Sprachen  als  Gliedern  desselben 


4  Einleitung. 

§.  2.     Stammes    gemeinsam    sein   können.     So   liegen   schon   neben    einander 
ags.  bearu  bewaldeter  Hügel,  kymr.  berfa,  gäl.  barpa,  ne.  barrow;  — 
ags.  clüt  Stückchen  Leinen,  gäl.  clud,  kymr.  clwt,  ne.  clout  Lumpen; 
—  ags.  cylene  Ofen,  kymr.  cyl  cyln,  ne.  kiln;  —  ags.  cröc  Haken,  kymr. 
crög,  afrz.  croc,  altn.  krökr,  ne.  crook;  —  ags.  crocca  Topf,  gäl.  crog, 
kymr.  crochan,  ne.  crock;  —  ags.  grut  Grütze,  alts.  gruti,  lat.  grutellum, 
afrz.  gruel,  kymr.  grual,  ne.  gruel;  —  ags.  mattuc  Haue,  Karst,  kymr. 
mattoq,  gäl  madag,  ne.  mattock  etc.    Andere  finden  sich  nicht  im  Ags. , 
wie   ne.    button  Knopf  (WycL    botoun  Ex.  26,   11),   kymr.  botwn,    gäl. 
.  putan;  —  ne.   cock-,   cockle-boat,   lat.   concha   conchula,   afrz.  coque, 
kymr.  cwoh;  —  ne.  wicket  Pförtchen,  kymr.  gwiced,  afrz.  wiket  guischet, 
fr.  huis;  —  ne.  gown  Kleid,   gäl.  gun,   kymr.  gwn,    afrz.  gone  gune, 
ital.    gonna.     Andere   sind  erst   später  eingedrungen,    wie   ne.   basket 
Korb,  kymr.  basged,  gäl.  basgard;  —  ne.  bran  Kleie,  gäl.  brän;  —  ne. 
clan  Stamm,  gäl.  und  ir.   dann;  —   ne.    clay-more  Schwert,  gäl,    clai- 
dheamhmör;  —   ne.   dainty  Leckerbissen,  kymr.   dantaits;  —  ne.  darn 
stopfen,  kymr.    darn;    —   ne.   fleam    Lanzette,   kymr.    fflaym;    —    ne. 
garran  Gaul,  gäl.  gearran;  —  fillibeg  der  kurze  Rock  der  Bergschotten, 
gäL  filleadhbeg;  —  ne.  plaid  schott.  Mantel;  —  shamrock  Klee,  ir.  gäl. 
seamrag  etc.;  ferner  in  Zusammensetzungen,  wie  gäl.   aber-  Mündung, 
Zusammenfluß:   Aber-deen;   -pen   Kopf:  Penrith;  —  gäl.  srath,   kymr. 
ystrad  Thal:  Strath-aven. 

Obgleich  die  Vocalhäufung  im  Mankischen  an  die  englischen 
Digraphen  erinnert,  so  stehen  beide  doch  in  keinem  Zusammenhange. 
Die  Schärfung  der  zischenden  g  und  ch  läßt  ans  Mankische  eben  so 
gut  denken,  als  an  das  Provenzalische  (coratge);  aber  sie  rührt  weder 
Yon  diesem  noch  von  jenem  her,   sondern  liegt  im  Gang  der  Sprache. 

2.     Lateinisch. 
§.  3.  -^[q  überall,  so  zog  auch  in  England  römische  Sprache  und  Sitte 

mit  den  römischen  Legionen  ein.  Die  lange  Dauer  der  römischen 
Herrschaft  (von  55  vor  Chr.  bis  412  nach  Chr.),  die  stehenden  Lager, 
die  Ansiedlungen  der  Veteranen,  das  Aufblühen  bedeutender  Städte, 
ihre  leichtere  Verbindung  durch  Straßen  fördern  eine  Bildung,  von  der 
noch  jetzt  zahlreiche  Alterthümer  zeugen.  Martial  rühmt  die  Ausbrei- 
tung römischer  Gelehrsamkeit  und  Redekunst  in  Britannien.  Und  doch 
scheinen  aus  dieser  Zeit  kaum  einige  Wörter  in  Compositionen  sich 
erhalten  zu  haben,  wie  colonia  in  -coln:  Lindum  colonia  Lincoln,  castra 
im   ags.   ceaster   und    strata   in   strset.     Erst   mit   der  Einführung  des 


Lateinisch.  5 

Christenthums  und  durch  die  nähere  Beziehung  zwischen  England  und  §.  3. 
Kom  wird  eine  größere  Anzahl  lateinischer  Worte  ins  Ags.  eingeführt. 
Der  Kirchensprache  gehören  an:  antecrist,  ancor  (anachoreta) ,  apos- 
tol  (postol  Durh.,  posstell  Orm),  arcebiscop,  biscop,  aelmaesse  (ii^sri^oavvri), 
calic,  candel,  cliroc,  clustor,  claustre,  creda,  cyrice,  diacon,  discipul, 
deofol,  ele  ale  al,  eiigel,  maesse,  munec,  mynster,  nön,  organ,  päpa, 
paternoster,  paell  pell,  pistol  (epistola),  portic,  predicjan  (praedicare), 
präfost  (praepositus),  prim,  preost,  piirpur  (purple  Joh.  R.  19,  5),  regol, 
salm,  sauet,  tinipana,  ymn.  Seltener  sind  andere  Wörter,  wie  ancor 
Anker,  camell,  culter,  crün,  culufre  Taube,  castell,  dlsc,  dohter  (Durh. 
für  doctor),  fers  Vers,  gigant,  lilge,  leo,  meregreot  (margarita),  persuc, 
port,  pund,  piper,  plant,  torr,  tunece,  peterselige,  ylp,  ynce  (uncia). 
Diese  Wörter  bleiben  meistens ,  bisweilen  nach  den  volleren  fremden 
Formen  zurückgehend,  bisweilen  verkürzt,  und  jetzt  noch  im  Ne.  anti- 
cbrist,  anachoret  und  anachorite,  apostle,  archbishop,  bishop,  alms, 
calice,  candle,  clerk,  cloister,  church,  creed,  deacon,  disciple,  devil,  oil, 
angel,  mass,  monk,  organ,  pope,  paternoster,  pall,  epistle,  porch, 
priest,  preach.  provost,  purple,  rule,  psalm,  saint,  tympanum  und  tympan, 
hymn;  anchor,  camel,  culter  und  colter,  crown,  Castle,  dish,  doctor, 
verse,  giant,  lily,  lion,  margarite,  peach,  port,  pound,  pepper,  plant, 
tower,  tunic,  parsley,  elephant,  inch. 

In  den  nächsten  Jahrhunderten  scheinen  lateinische  Studien  nicht 
sehr  allgemein  gewesen  zu  sein,  denn  Beda  bittet  seinen  Freund  Ecgbert, 
Erzbischof  von  York  (von  732  bis  766)  eine  strengere  Kirchenzucht  ein- 
zuführen und  wenigstens  das  Credo  und  Paternoster  zum  Besten  der 
Laien  wie  des  Clerus  ins  Ags.  übersetzen  zu  laßen.  Zu  ^Ifred's 
Zeit  war  die  Kenntniss  des  Latein  so  gesunken,  daß  selbst  die  Priester 
die  Messe ,  die  sie  täglich  lasen ,  nicht  verstanden.  In  der  Vorrede 
zum  Liber  pastoralis  klagt  Alfred,  daß  Niemand  die  reichen  literärisclien 
Schätze  der  Kirchen  nützen  könne,  weil  sie  nicht  ins  Angelsächsische 
übersetzt  seien.  Erst  später  kam  Latein  durch  das  Auftreten  der 
klassischen  und  theologischen  Studien  in  allgemeinen  Gebrauch:  es 
ward  Sprache  der  Wißenscbaft  und  des  Rechts.  Bis  1275  wurden 
die  Urkunden  ausschließlich  lateinisch  abgefaßt,  unter  Edward  IL  auch 
französisch,  doch  unter  Edward  III.  und  Richard  IL  tritt  das  Lateinische 
zurück.  Aus  dieser  Periode  mögen  die  Rechtsausdrücke  stammen. 
Zur  Zeit  der  Königin  Elisabeth  heben  sich  wiederum  die  Studien  und 
diese  führen  neue  Elemente  in  solchem  Umfange  ins  Englische  ein, 
daß  Thomas  Wilson  (System   of  Rhetoric   1553)    die    allgemeine  Sucht 


6  Einleitung. 

§.  3.  rügt,  ausländische  Wörter  zu  gebrauchen,  besonders  an  solchen,  die 
gereist  sind  oder  die  sich  den  Schein  der  Bildung  und  Gelehrsamkeit 
geben  wollen,  sodaß  sie,  obgleich  sie  ihre  Muttersprache  sprechen, 
schwerlich  von  ihren  Müttern  verstanden  werden  würden ;  daß  Shakespere 
sich  veranlaßt  fand,  den  Gebrauch  fremder  Wörter  lächerlich  zu  machen, 
indem  er  sie  Personen  in  den  Mund  legt,  die  sie  nicht  kennen;  daß  Sir 
Thomas  Browne  (1605 — 1082  Chambers  cyclop.)  behauptet,  wenn  das 
Streben  nach  Eleganz  in  gleicher  Richtung  fortdauere,  so  werde  man  bald 
Lateinisch  lernen  müßen,  um  Englisch  zu  verstehen.  Auch  zu  Johnson  s 
Zeit  sind  manche  Wörter  in  den  allgemeinen  Gebrauch  übergegangen. 
Der  Einfluß,  den  das  Lateinische  auf  die  Wortbildung  übt,  ist 
nicht  zu  verkennen,  denn  manche  Wörter,  die  in  französischer  Form 
eindrangen,  sind  zu  ursprünglicheren  oder  volleren  Formen  zurückgekehrt. 
Ae.  vertew,  ne.  virtue;  ae.  confermi,  ne.  to  confirra;  ae.  acorde,  ne. 
accord;  ae.  onour,  ne.  honour;  ae.  socour,  ne.  succor;  vilenye  villany; 
doute  doubt;  paume  palm;  dette  debt. 

3.     Angelsächsisch. 

§.  4.  Von   den  Sprachen  jener   vier   germanischen  Völker,   die  sich   in 

England  niederließen,  wißen  wir  nichts  Sicheres,  kein  Denkmal  aus 
der  Zeit  der  Einwanderung  ist  geblieben.  Schlüße  aus  den  Dialecten 
der  Orte,  wo  jene  sich  niederließen,  sind  gewagt  und  mögen  bei  dem 
vielfachen  Wechsel,  den  zahlreichen  Störungen  ruhiger  Fortentwicklung, 
den  unbekannten  fremden  Einwirkungen  zu  wenig  sichern  und  bedeuten- 
den Resultaten  führen. 

Die  Juten  haben  wahrscheinlich  einen  niederdeutschen  Dialect 
gesprochen,  da  in  Kent,  einem  Theile  von  Hampshire  und  auf  Wight 
sich  keine  Eigenthümlichkeiten  erhalten  haben,  die  auf  das  Altnordische 
hinweisen ,  und  die  Gemeinsamkeit  des  Zuges  auf  Gemeinsamkeit  der 
Sprache  deutet.  Freilich  kann  sich  die  geringere  Anzahl  der  Juten 
in  der  Menge  und  Ausbreitung  der  Sachsen  verloren  haben  und  ihre 
besondere  Sprache  verklungen  sein. 

Die  Angeln,  die  früher  im  westlichen  Schleswig  saßen,  hatten  zu 
Nachbarn  im  Westen  die  Inselfriesen  und  im  Süden  die  Sachsen.  Sie 
ließen  sich  nieder  im  Norden  der  Themse  und  nahmen  das  ganze 
Küstenland  ein  und  zum  Theil  auch  das  dahinter  liegende  Binnenland. 
In  Anglia,  das  zwischen  Themsemündung  und  Wash  halbinselartig 
vorspringt,  zerfallen  sie  in  ein  Süd-  und  Nordvolk  (Sufifolk,  Norfolk), 
breiten   sich  über  das  Innere  bis  zur  Gränze  von  Wales  (Mercia)  und 


Ang:elsächsisch.  7 

füllen  das  Gebiet  zwischen  Humber  und  dem  Römerwall  (Bernicia  und    §.  4. 
Deira    oder   Northumbria).      Sie    mögen    einen    dem    Sächsischen    und 
Friesischen  nahestehenden  Dialect  gesprochen  haben. 

Auch  über  die  Sachsen  sind  wir  nicht  genauer  unterrichtet.  Sie 
selbst  nennen  sich  Sachsen,  die  in  Deutschland  zurückbleibenden  Alt- 
sachsen. Hatten  sie  mit  diesen  gleiche  Sprache  oder  einen  verschiedenen 
Dialect?  Die  Verbindung,  in  der  sie  mit  den  Angeln  genannt  werden, 
der  gemeinsame  Zug  und  das  gleiche  Ziel  läßt  vermuthen,  daß  sie 
Nachbarn  der  Angeln,  also  transalbinische  Sachsen  waren,  die  sich 
schon  dialectisch  von  den  weiter  südwestlich  wohnenden  Stammesgenoßen 
unterschieden.  Allein  hätten  sie  auch  die  gleiche  Sprache  hinüber 
getragen,  so  läßt  sich  doch  der  Unterschied,  wie  er  in  der  Sprache 
Beowulf  s  und  Heliand's  vorliegt,  ausreichend  erklären.  Die  Altsachsen, 
bald  mächtig  genug,  ihre  Wohnsitze  zu  erweitern,  bald  gezwungen, 
sie  zu  verengern,  bleiben  im  Allgemeinen  in  ihrer  Heimath,  die  den 
gleichen  Character  trägt  vom  Meeresstrande  bis  zum  Fuß  des  deutschen 
Berglandes.  In  der  Heimath  hält  sich  Sitte,  Sage  und  Sprache,  die 
Fortbildung  ist  eine  ruhigere  und  langsamere,  die  nur  gestört  wurde 
durch  die  langen  unglücklichen  Kriege  mit  den  Franken  und  durch 
die  Einführung  fränkischer  und  obotritischer  Elemente  in  das  entvölkerte 
Land.  Die  auswandernden  Sachsen  dagegen  ändern  ihre  Wohnsitze 
und  mit  diesen  ihre  Sitte;  sie  verlieren  die  alte  Heimath  und  mit  dieser 
den  Schauplatz  ihrer  Sage  und  Geschichte;  die  harten  blutigen  Kämpfe 
im  neuen  Lande  drängen  die  Lieder  von  ihren  alten  Helden  zurück 
und  machen  sie  vergeßen.  Sie  breiten  sich  von  der  Meeresküste  über 
Ebenen  und  Hügellandschaften  aus  bis  zum  walisischen  Gebirgslande. 
Sie  mischen  sich  mehr  oder  minder  mit  den  brittischen  Ureinwohnern. 
Mehrere  Staaten  entstehen  und  bleiben  lange  getrennt  neben  einander, 
bis  äußere  Gewalt  sie  vereinigt.  Es  war  kein  Wunder,  wenn  hier  der 
Entwicklungsgang  der  Sprache  ein  ganz  anderer  war,  als  auf  dem 
Festlande. 

Diese  deutschen  Dialecte,  welche  seit  dem  5.  Jahrh.  in  England 
erklangen  von  der  südlichen  Küste  bis  zum  schottischen  Gebirgslande, 
von  der  Ostküste  bis  zu  den  Bergen  von  Cornwallis,  Wales  und  Cumber- 
land,  benennt  man  mit  dem  gemeinsamen  Namen  des  Angelsächsischen 
—  ein  Name,  der  erst  später  eintritt  und  das  einfachere  Sächsisch, 
wie  die  Britten  sagten,  oder  Anglisch,  Englisch  (on  englisc,  MUred) 
verdrängt.  Es  laßen  sich  zwei  Perioden  desselben  unterscheiden,  die 
am  bezeichnendsten    mit   Altangelsächisch   und  Neuangelsächsisch   ge- 


S  Einleitung. 

§.  4.    nannt   werden.     Englische   Grammatiker  nennen  letztere  Halbsächsisch 
(Semi-saxon). 

§.  5.  1)  Das  AAgs.  (=  Altangelsächsisch)   liegt  in  einer  reichen  Lite- 

ratur vor  aus  früher  Zeit  bis  gegen  1100.  Die  schriftlichen  Denkmale 
sind  zum  Theil  frühe  abgefal^t,  wenn  auch  die  Handschriften,  die  wir 
besitzen,  wohl  schwerlich  über  das  10.  Jahrh.  hinaufgehen.  Ein  Beowulf 
konnte  z.  B.  nur  niedergeschrieben  werden,  als  das  Interesse  an  der 
alten  Heldensage  noch  nicht  geschwächt  war  durch  die  schweren 
Kämpfe  in  Britannien  und  der  alte  Heidenglaube  der  neuen  christlichen 
Bildung  noch  nicht  als  ein  Greuel  erschien.  Auch  die  Sprache  weist 
Abfal^ung  und  Handschrift  weit  aus  einander.  Die  kurzen,  abgeril^enen 
Sätze,  die  oft  unverbunden  sich  folgen,  der  sparsame  Gebrauch  der 
Mittel,  deren  die  ^Ifred'sche  Sprache  sich  zu  logisch  genauerem  Aus- 
drucke bedient,  wie  Artikel,  Pronomen,  Präposition  und  Conjunction, 
weisen  auf  eine  frühe  Zeit  hin,  während  die  Wortformen  denen  des 
9.  Jahrh.  fast  gleich  stehen.  Eine  so  geringe  lautliche  Aenderung  im 
Verlaufe  einiger  Jahrhunderte  neben  so  großer  syntactischer  Verschieden- 
heit läßt  sich  nur  durch  die  Annahme  erklären,  daß  die  frühern  Satz- 
formen geblieben,  die  Wortformen  aber  fortgeschritten  sind. 

Im  Altangelsächsischen  laßen  sich  zwei  Hauptdialecte  unterscheiden, 
ein  südlicher  und  ein  nördlicher;  jener  der  sächsische,  dieser  der  ang- 
lische.  Der  erstere  mag  sich  wohl  auch  in  mehrere  Mundarten  gespalten 
haben  und  unter  diesen  ragt  offenbar  durch  Ecgbert  und  mehr  noch 
durch  iElfred  der  westsächsische  hervor,  so  daß  man  wohl  annehmen 
darf,  ältere.Werke  sind  in  denselben  umgeschrieben.  Er  ist  enthalten 
besonders  in  folgenden  Werken : 

B.  ==  The  Anglo-Saxon  Poems  of  Beowulf,  the  Traveller's  Song, 
and  the  Battle  of  Finnesburh,  edited  by  John  M.  Kemble.  8.  London 
1833.  See.  edition  1835.  —  Bibliothek  der  ags.  Poesie  in  kritisch 
bearbeiteten  Texten  von  C.  W.  M.  Grein.     B.   1.  S.   255  ff. 

C.  =  Caedmon's  Metrical  Paraphrase  of  Parts  of  the  Holy  Scripture, 
in  Anglo-Saxon,  by  B.  Thorpe.  London   1832.  —   Grein   1,   1   ff. 

M.  =  Andreas  und  Elene.  Herausgeben  von  J.  Grimm.  Cassel 
1840.  —  Grein  2,  9  ff. 

Exon.  =  Codex  Exoniensis.  A  Collection  of  Anglo-saxon  Poetry 
from  a  Manuscript  in  the  Library  of  the  Dean  and  Chapter  of  Exeter. 
By  B.  Thorpe,  London   1842.  —  Grein  1,   115  ff. 

SC.  =  Chronicon  Saxonicum,  ed.  by  Petri  in  den:  Monumenta 
Britannica.     Dem   Lihalte  nach  bilden   die   sieben  Handschriften   drei 


Angelsächsisch.  9 

Gruppen:  AG,  BC  u.  DEF.  AG  stimmen  fast  ganz  überein  bis  auf  §.  5. 
Unbedeutendes  (an.  547,  560,  626,  688,  465,  755)  und  laßen  gleiche 
Zusätze  und  Nachrichten  fehlen.  B  und  C  gehen  mit  einander  bis 
zum  Schlußjahre  von  B.  977,  nur  mit  dem  Unterschiede,  daß  die  Ein- 
schiebsel in  B  hinter  896  in  C  an  der  rechten  Stelle  stehen  und  die 
Chronologie  genauer  ist.  C  erscheint  als  sorgfältigere  Ueberarbeitung 
von  B,  und  letzteres  schließt  sich  bis  975  AG  an.  Weiter  ab  stehen 
DEF.  Sie  ruhen  auf  einem  ms.,  das  A  oder  G  sehr  ähnlich,  aber  mit 
vielen  Zusätzen  versehen  ist.  In  D  läßt  es  sich  erkennen  bis  924,  in 
EF  bis  891.  Während  aber  letztere  dann  bis  975  nur  dürftige  Notizen 
haben,  bringt  D  die  Thaten  ^^elfled's  und  einige  besondere  Nachrichten 
aus  Northumbrien.  Von  der  Mitte  des  10.  Jahrh.  an  gehen  CDEF 
ziemlich  zusammen.  —  Sprachlich  steht  B  dem  westsächsischen  Dialecte 
am  nächsten,  dem  C  folgt.  AG  gehören  dem  nördlichen  Dialecte  an. 
DEF  sind  orthographisch  sehr  ungenau. 

Or.  —  The  Anglo-Saxon  version  from  the  historian  Orosius  bj 
Alfred,   ed  Dan.  Barrington,  Lond.   1773. 

Bed.  =  Bedse  historia  eccl.  Anglorum.  Latine  et  Saxonice.  Cura 
et  studio  Joannis  Smith.     Cantabrigae   1722.     Fol. 

Die  Gesetze  der  Angelsachsen.  Herausgegeben  von  Eeinhold  Schmid. 
1.  Thl.  Leipzig   1S32.     Die  Gesetze  sind  nach  den  Königen  citiert. 

Da  Haigan  Godspel  on  Englisc.  The  Anglo-Saxon  Version  of  the 
Holy  Gospels  ed.  by  Benjamin  Thorpe.     London   1842. 

-^Ifric's  Homilien  in:  Analecta  Anglo-Saxonica.  By  Benjamin 
Thorpe.      London   ls46. 

Der  nördliche  Dialect  ist  der  anglische  und  da  sich  diesem  im 
Norden  Dänisches  beimischt,  so  zerfällt  er  in  einen  süd-  und  nord- 
auglischen  oder  in  den  Dialect  von  Mercia  und  Anglia  und  in  den  von 
Northumberland.  Im  Dialecte  von  Mercia  scheinen  AG  der  Sachsen- 
chronik geschrieben  zu  sein,  in  dem  von  Northumbria  das  Durham- 
Book  : 

Die  vier  Evangelien  in  alt-nordhumbrischer  Sprache.  Herausge- 
geben von  Karl  Wilhelm  Bouterwek.  Gütersloh  1857.  Es  ist  sehr 
zu  bedauern,  daß  dies  Denkmal,  das  viele  alterthümliche  Züge  enthält, 
erst  in  später  Zeit  und  von  einem  unwißenden  Schreiber  abgeschrieben 
worden  ist. 

Die  erste  Periode  des  Ags.,  oder  das  Altangelsächsische  charac- 
terisiert  sich  dadurch,  1)  daß  der  Sprachstoff  fast  durchaus  deutsch 
ist    und    daß   das  geringe  lateinische  Element  deutsche  Betonung  und 


10  Einleitung. 

§.  5.  meist  auch  deutsches  Gewand  annimmt;  2)  daß  der  Consonantismus 
mit  dem  Gotischen  auf  gleicher  Stufe  steht  und  das  Vocalsystem  ein 
ganz  eigenthümliches,  vielfach  gegliedertes  und  fein  durchgeführtes  ist, 
besonders  im  Westsächsischen,  während  der  nördliche  Dialect  sich  durch 
einfacheren  und  dunkleren  Vocalismus  auszeichnet;  3)  daß  in  Bildungen 
und  Flexionen,  wenn  auch  vielfach  geschwächt,  doch  noch  volle  Vocale 
erhalten  sind,  daß  die  Flexionen  noch  größere  Mannigfaltigkeit  darbieten 
und  der  syntactischen  Hilfsmittel  noch  weniger  bedürfen;  4)  daß  von 
der  Reduplication  noch  deutliche  Spuren  vorliegen  und  der  Ablaut 
ziemlich  durchgreifend  ist,  daß  dagegen  in  der  schwachen  Conjug.  der 
Bindevocal  ai  aufgegeben,  i  zu  e  geschwächt  ist  und  ö  sich  nur  im 
Prät.  erhalten  hat.  —  5)  daß  die  Nominalflexion  vielfach  gestört,  die 
adjectivische  geschwächt  ist. 

§.  6.  2)  Die  zweite  Periode,    das  Neuangelsächsische,    reicht  etwa  von 

1100  bis  gegen  die  Mitte  des   13.  Jahrh.    Die  Entwicklung  der  beiden 
Dialecte,  des  südlichen  und  des  nördlichen,  zeigen 

Lag.  =  Lagamon's  Brut,  or  Chronicle  ofBritain;  a  poetical  semi- 
saxon  Paraphrase  of  the  Brut  of  Wace.  Bj  Sir  Frederic  Madden.  3  vols. 
London  1847  und 

Orm.  =  The  Ormulum.  Now  first  edited  from  the  original  manu- 
script  in  the  Bodleian  with  notes  and  a  glossary  by  Robert  Meadows 
White.     2  vols.     Oxford  1852. 

Lagamon  war  Priester  in  Ernlege  am  Severn,  südöstlich  von 
Bewdley,  Worcestershire.  Der  Schluß  seines  Werkes  fällt  in's  Jahr 
1205  (cf.  Vers  31977).  Der  Herausgeber  stellt  zwei  Handschriften 
neben  einander,  A  und  B ;  die  geschwächten  Formen  der  letzteren  laßen 
diese  jünger  erscheinen.  Lag.  vertritt  die  Sprache  des  Südens  und 
Westens  im  12.  Jahrh.  —  Orm  soll  im  Anfang  des  13.  Jahrh.  in 
Northumbrien  gelebt  haben.  Man  bringt  die  Abfaßung  seiner  Para- 
phrase in  Verbindung  mit  dem  1229  auf  dem  Concil  zu  Toulouse  erfolgten 
Verbote,  daß  die  Laien  die  Bibel  haben  sollen.  Allein  entweder  muß 
die  Abschleifung  der  Bildungen  und  Flexionen  im  Norden  rascher  erfolgt 
sein  oder  die  Abfaßung  fällt  in  eine  spätere  Zeit.  Orm  zeichnet  sich 
aus  durch  sichere  und  einfache  Vocalisation  und  durch  genaue  Bezeich- 
nung der  Lautverhältnisse,  besonderes  der  der  Quantität. 

Der  Sprachstoff  ist  fast  durchgehends  deutsch,  Lagamon  hat  etwa 
nur  90  französische  Wörter,  und  Orm  fügt  nordische  Elemente  hinzu. 
Die  Formen  erfahren  durchaus  Schwächung,  die  vollen  Yocale  werden 
zu  einförmigen  e  und  auch  diese  fallen  bei  Lag.  oft  ab.    Lag.  bewahr* 


Altnordisch.  11 

noch  den  Unterschied  zwischen  starker  und  schwacher  Substantivflexion  §.  6. 
und  die  Unterscheidung  des  Genus;  Orm  giebt  sie  auf  und  die  Flexionen 
mindern  sich  zum  Genitiv  Sing,  und  zum  Plural.  In  der  Pronominal- 
flexiou  werden  die  Genitive  und  der  Dual  selten.  Lag.  hat  die  doppelte 
Adjectivflexion,  aber  ohne  Unterscheidung;  Orm  beide  zerrüttet.  Die 
Ablaute  beginnen  in  Lag.  zu  schwanken,  während  Orm  sie  in  auffallender 
Reinheit  bewahrt.  —  Das  geringe  französische  Element  scheint  sich, 
bis  auf  die  Eigennamen,  deutscher  Betonung  zu  fügen. 

4.     Altnordisch. 

Die  öfteren  Einfälle  der  scandinavischen  Normannen  d.  i.  Norweger  §.  7. 
und  Dänen  seit  787,  die  festen  Wohnsitze,  die  sie  fanden,  und  die 
Herrschaft  dänischer  Könige  von  1002  bis  1041  waren  geeignet,  vieles 
Altnordische  einzuführen.  Wenn  auch  die  Gesetze,  welche  Kanut  gab, 
fast  in  reinem  Ags.  geschrieben  sind,  wenn  auch  das  Durham-Book  nur 
geringen  nordischen  Sprachstoff  nachweist,  seist  doch  gerade  in  letzterem 
unleugbar,  dal^  das  Altnordische  den  grölUen  Einfluß  auf  das  ganze 
Lautsytsem  des  Northumbrischen  ausübte.  In  der  zweiten  Periode  auch 
zeigt  Orm  eine  nicht  bedeutende  Zahl  nordi.^cher  Wörter,  welche  Ein- 
gang gefunden  haben:  afell  (altn.  afl)  Kraft,  afledd.  erzeugt  (altn.  afla 
erzeugen),  segede  Ueppigkeit  (altn.  ägseti),  beggsc  bitter  (beiskr),  braJ^J^e 
Zorn  (braedi,  bräd:-l3^ndr) ,  bule  Stier  (boli),  bun  fertig  (büinn),  blunnt 
dumm  (at  blunda  schlafen),  bulaxe  Axt  (bolöx),  flittenn  wegziehen  (altn, 
flytja,  dän.  flytte),  kide  Böckchen  (kid),  kinndlenn  anzünden  (at  kynda), 
gengenn  unterstützen  (gengi  Hilfe),  lasst  Verbrechen  (löstr),  leggtenn 
untersuchen  (at  leita),  logho  Flamme  (logi,  ags.  lygj,  meoc  sanft  (miukr), 
mune  muli  (mun) ,  occ  und  (oc),  rowwst  Stimme  (raust),  sannenn  be- 
haupten (at  sanna),  scald  Dichter  (skald),  shetenn  sich  zutragen  (ske-di, 
dän.  skje) ,  skemmting  Vergnügen  (skemtan) ,  skirrpenn  zurückweisen 
(at  skirpa),  sieh  schlau  (dän.  slu),  ro  Ruhe  (rö),  ti)?ennde  Zeitung 
(ttdindi),  )7e);enn  daher  ()7adan)  u.  a.  —  Orm  hat  ferner  das  im  Ags. 
ungebräuchliche  swarenn  (=  and-swarjan),  denn  dän.  sware.  —  Ags. 
Wörter  bilden  sich  unter  nordischem  Einflute  um,  wie  heglenn  grüßen, 
das  nord.  heill  näher  steht,  als  ags.  häl,  reggsenn  aufrichten  (altn.  reisa), 
ags.  äreeran;  greggfe  Bote  (altn.  greifi),  ags.  gerefa;  geregg)?enn  be- 
reiten (ags.  geräd,  altn.  at  greida)  u.  a.  —  Altnordisch  sind  die  Bil- 
dungssilben -legge  und  -sunnd,  ferner  die  Verbindungen  agg  occ  agg 
immer  und  immer,  hallf  feor];e  (ags.  feorde  healfj  vierthalb,  die  Flexionen 


12  Einleitung-, 

§.  7.  enn  im  Präs.  Plur.  und  ennde  im  Part.  Präs.,  das  bei  Lag.  nach  inde, 
inge  schwankt. 

Manche  von  diesen  Wörtern  haben  sich  erhalten,  wie  Ne.  bull, 
blunt,  kid,  kindle,  meek,  scald,  sly,  tiding  etc.  und  noch  mehrere  führen 
die  Schriften  der  späteren  Perioden  ein.  Freilich  darf  man  dabei  nicht 
außer  Acht  laßen ,  daß  nicht  bloß  Dänen  sich  hier  niederließen,  daß 
der  Frith  of  Forth  friesische  See  hieß  wohl  nicht  deshalb  allein,  weil 
Friesen  und  Dänen  hier  landeten  und  in  Gemeinschaft  mit  den  Pichten 
und  Scoten  Northumbrien  verheerten,  und  daß  Friesen  manche  Elemente 
einführen,  die  sie  mit  den  Scandinaviern,  aber  nicht  mit  den  Angel- 
sachsen gemeinsam  hatten. 

Auch  in  den  spätem  Perioden  ist  den  nördlichen  englischen  Dia- 
lecten  in  Folge  altnordischen  Einflußes  ein  einfacher  dunkler  Yocalismus, 
ein  härterer  Consonantismus  und  manches  andere  eigenthümlich. 

5.     Normannisch-Französisch. 
§.   8.  Schon  vor  der  Invasion  begann  das  Französische  in  England  ein- 

zudringen. Die  Normannen,  obgleich  sie  erst  seit  150  Jahren  in  dem 
nach  ihnen  benannten  Lande  saßen,  hatten  ihre  nordische  Sprache 
aufgegeben  und  die  langue  Romane  angenommen.  An  dem  Hofe  des 
Normannenherzogs  Eichard  ward  Edward  der  Bekenner  erzogen  oder 
vielmehr  (nutritus  in  Normannia  et  diutissime  immoratus  pene  in  Gal- 
licum  transierat.  Ingulph)  zum  Normannen  verzogen.  Mit  zahlreichem 
Gefolge  kehrte  er  nach  England  zurück,  französische  Sprache  und  Sitte 
ward  am  Hofe  heimisch  und  der  Adel  (gewiß  nicht  die  ganze  Nation: 
coepit  ergo  tota  terra,  wie  Ingulph  übertreibt)  ahmte  nach.  Als  aber 
die  Normannen  in  die  wichtigsten  Stellen  eingeschoben  wurden  und 
das  Nationalgefühl  der  Einheimischen  verletzt  ward,  beschloß  das  ags. 
Parlament  (witena  gemöt)  die  Verbannung  aller  Normannen  1052. 
Wahrscheinlich  wäre  daher  der  Gebrauch  des  Normannischen  am  engli- 
schen Hofe  nur  vorübergehend  gewesen,  wie  derjenige,  der  es  einführte, 
wenn  nicht  die  Eroberung  Englands  durch  die  Normannen  1066  erfolgt 
wäre. 

Wilhelm  der  Eroberer  wurde  in  Baieux  erzogen,  weil  hier  noch, 
nicht  aber  in  der  Residenz  Ronen,  dänisch  gesprochen  wurde;  er  war 
daher  wohl  des  Dänischen  kundig.  In  England  bemühte  er  sich,  Angel- 
sächsisch zu  lernen,  um  ohne  Vermittler  Beschwerden  des  Volkes  an- 
nehmen zu  können.  Seine  Fortschritte  mögen  nicht  groß  gewesen  sein, 
da  Wulstan,  Bischof  von  Worcester,  dessen  Absetzung  beschießen  war, 


Normannisch-Französisch.  13 

1072  seine  Vertheidigung  vor  dem  Könige  nicht  in  ags.  Sprache  führen    §.  8. 
konnte,  sondern  sie  einem  des  Normannischen  d.  i.  Französischen  kun- 
digen Mönche  übertragen  mußte.    Aber  sicherlich  lag  es  nicht  in  dem 
Willen   des  Königs,   das  Normannische  einzuführen  —  denn  dazu  war 
er  zu  staatsklug  — ,  sondern  in  den  Verhältnissen. 

Das  Normannische  war  also  schon  Hofsprache  und  muß  es  nach 
und  nach  so  ausschließlich  geworden  sein,  daß  der  Bischof  William 
Yon  Ely  Kanzler  und  erster  Minister  Richards  I.  sein  konnte,  ohne 
Ags.  zu  verstehen.  Mit  der  Macht  und  dem  Einfluße  der  Normannen 
yerbreitete  und  befestigte  sich  auch  ihre  Sprache.  Die  Belehnung  der 
normannischen  Barone  mit  den  Gütern  der  unzufriedenen  Sachsen,  die 
Verleihung  der  Gerichtsbarkeit  an  jene,  die  Veröffentlichung  der  Gesetze 
in  normannischer  Sprache,  der  Aufbau  vieler  Schlößer  durch  Wilhelm 
und  seine  Barone,  die  starken  und  zahlreichen  Besatzungen,  die  Ent- 
fernung der  weniger  gebildeten  Sachsen  auch  aus  den  höheren  Kirchen- 
ämtern und  die  Verleihung  derselben  an  Normannen,  die  Verlegung 
der  Bischofssitze  in  die  Städte,  die  Gründung  von  Kirchen  und  Klöstern 
durch  Normannen  und  die  Berufung  normannischer  Geistlichen  an  und 
in  dieselben,  die  enge  Verbindung  zwischen  Adel  und  Geistlichkeit  — 
das  alles  verbreitete  das  Normannische  schnell,  es  ward  die  Sprache 
des  Ranges  und  der  Bildung.  Beide  Sprachen  liegen  neben  einander: 
das  Normannische  in  den  oberen  Ständen,  am  Hofe,  in  den  Gerichtshöfen, 
in  den  Kirchen,  an  den  Bischofssitzen,  in  den  Garnisonen;  die  sächsische 
in  den  niedern  Ständen  der  Unterdrückten*).  In  dem  Verkehre  zwischen 
den  Ständen  muß  sich  eine  Mischsprache  bilden,  wie  sie  die  Nothwendig- 
keit  schafft. 

Allmählich  beginnt  aber  eine  natürliche  Reaction  einzutreten  und 
diese  wird  durch  politische  Verhältnisse  gefördert  und  beschleunigt. 
Der  Verlust  der  Norman  die  unter  Johann  1206  mindert  die  normannische 


*)  Schon  unterWilliam's  Regierung  sagt  Robert  of  Gloucester  7703  ff.: 
And  )7e  Normans  ne  couj^e  speke  )?o  böte  her  owe  speche, 
And  speke  French  as  dude  atom,  and  here  chyldren  dude  also  teche, 
So  )?at  hey  men  of  j?ys  lond,  J7at  of  her  blöd  come, 
Holde]?  alle  )?ulke  speche,  J^at  hü  of  hem  nome, 
Vor  böte  a  man  couJ?e  French,  me  told  of  hym  wel  lute. 
Ac  lowe  men  holde)?  to  Englyss,  and  to  her  künde  speche  gute. 
Ich  wene  ]>er  ne  be  man  in  world  contreyes  none, 
Bat  ne  holde)?  to  her  künde  speche,  böte  Engelond  one. 


14  Einleitung-. 

§.  8.    Einwanderung",     und     die    Bestimmungen    König    Heinrichs    III.    und 
Ludwigs  IX.,  dal^  die  Unterthanen  der  einen  Krone  keinen  Grundbesitz 
auf  dem  Gebiete  der  anderen  haben  dürfen,  machen  derselben  ein  Ende. 
Die   politischen  Bewegungen    unter  Johann   und  Heinrich  III.  mindern 
den    normannischen   Adel.     Der    Absolutismus    der   englischen   Könige 
drängt  die  Normannen,  sich  mit  den  Sachsen  zu  verbinden.    Hierdurch 
erstarkt  das  sächsische  Element  so  sehr,  daß  schon  um  die  Mitte  des 
1  3.  Jahrh.  der  Erzbischof  von  York  Geistliche,  die  der  Papst  empfohlen 
hatte,   zurückwies,   weil    sie   der   englischen   Sprache  unkundig  wären. 
Und  selbst  der  Normanne,  der  zu  Richard's  I.  Zeit  fluchend  versicherte : 
Da  will  ich  ein  Engländer  werden!  und  irgend  ein  unstatthaftes  Ansinnen 
mit   den  Worten    abwies:     Hältst   du  mich  für  einen  Engländer?,  war 
hundert  Jahre  später  stolz  auf  diesen  Namen.     Das  BewuJHsein  seiner 
Nationalität   oder  wenigstens  der  Stolz   darauf  war  so  vollständig  ge- 
schwunden  und   seine  Interessen   mit  denen  des  Sachsen   so  eng  ver- 
bunden, er  fühlte  sich  so  sehr  als  Engländer,  daß  er  1308  ,  als  Edward 
viele  Franzosen  und  Gascogner  in's  Land  rief  und  diese  begünstigte,  mit 
den  Sachsen  gemeine  Sache  machte  und  den  König  zwang,  jene  zu  entladen. 
Dieses  Nationalgefühl  steigerten  die  französischen  Successionskriege,  die 
1 839  unter  Edward  III.  begannen,  zum  Haße  gegen  Frankreich,  seine  Sitte 
und  seine  Sprache.   Der  Fall  des  Normannischen  war  entschieden.  Wie  es 
vordrang,  weicht  es  zurück  und  das  Englische  dringt  nach.    Schon  1258 
sieht  sich  Heinrich  III.  veranlaßt,  die  Beschlüße  des  tollen  Parlaments 
nicht  nur  in  lateinischer  und  französischer,  sondern  auch  in  der  Volks- 
sprache zu  veröffentlichen*).  Bei  den  Verhandlungen  in  Norham  1291  muß 
man  sich  neben  der  französischen  ebenfalls  der  Volkssprache  bedienen. 
Zwar  soll  (Higden   und  Trevisa)   noch    1357  das  Französisehe  in  den 
gebildeten  Familien,    in   den  Schulen   und   selbst  von  Landleuten  ge- 
sprochen worden  sein;  allein  das  ist  wenig  glaublich,  weil  Edward  III. 
1363    verordnet,    daß    alle  Processe    künftig    in    englischer    Sprache 


*)  Dieses  merkwürdige  Document  enthält  noch  den  reinen  säch- 
sischen Ausdruck,  abgesehen  von  einigen  Eigennamen;  es  kann  deshalb, 
da  es  keine  französische  Beimischung  enthält,  nicht  englisch  genannt 
werden,  sondern  es  ist  Ags.  mit  abgeschwächten  Formen.  Es  lautet: 
Henry  Durg  Godes  fultume,  king  on  Engleneloande,  Lhouard  on  Yrloand, 
Duke  on  Normand,  on  Acquitain,  Eorl  on  Anjou,  send  igreeting,  to  alle 
hise  holden,  ilaerde  and  ilewede  on  Huntingdonschiere. 


Normannisch-Französisch.  1 5 

verhandelt,  in  lateinischer  Sprache  aber  eingetragen  und  verzeichnet  §. 
werden  sollen,  da  das  Französische  zu  unbekannt  sei;  und  weil  Chaucer 
in  der  Einleitung  zum  Testament  of  Love  das  in  England  geübte 
Französisch  als  selten  und  schlecht  bezeichnet.  Aus  den  Schulen 
schwindet  es  1385,  aus  dem  Parlamente  1483,  nachdem  das  Englische 
zum  erstenmal  bei  Eröffnung  des  Parlaments  1362  gebraucht  worden 
ist.     Mit   1483   wird   das  Englische   herrschende  Sprache   in  England. 


Dat  witen  ge  wel  alle,  j^set  we  wellen  and  unnen,  )?aet  ure 
raedesmen  alle  oder  ]:'e  moare  del  of  heom,  |?8et  beod  ichosen  ]?urg  us 
and  fjurg  |?öet  landesfolk  on  ure  kuneriche,  habbid^  idon,  and  schullen 
don,  in  J^e  wordnes  of  God,  and  ure  treowde,  for  ])e  freme  of  ]>e  loande, 
)7urg  ]}e  besigte  of  J?an  toforen  iseide  raedesmen ,  beo  stedfaest  and 
ilestinde  in  alle  )?inge  a  butan  aende,  and  we  heaten  alle  ure  treowe, 
in  [76  treowde,  ]78et  heo  us  ogen,  )?et  heo  stedefaestliche  healden  and 
sweren  to  healden  and  to  werien  J^e  isetnesses,  )?et  beon  makede  and 
beon  to  makien,  J?urg  j^an  toforen  iseide  raedesmen,  oder  j^urg  J7e 
moare  del  of  heom  alswo,  alse  hit  is  before  iseide.  And  J^et  sehe  oder 
helpe  ]>ei  for  to  done  bi|7am  ilche  ode  aganes  alle  men  in  alle,  J?at 
heo  ogt  for  to  done,  and  to  foangen.  And  none  ne  nime  of  loande, 
ne  of  egete,  where]?urg  )?is  besigte  muge  beon  ilet  oder  iwersed  on 
oniewise.  And  gif  oni  oder  ni  cumen  her  ongenes,  we  willen  and  heaten, 
p»at  alle  ure  treowe  heom  healden  deadliche  ifoan.  And  for  |?at  we 
willen,  )?at  this  beo  stedfaest  and  lestinde,  we  senden  gew  j^is  writ 
open,  iseined  wid  ure  seel,  to  halden  amanges  gew  ine  hord.  Witnes 
usselven  aet  Lundaen,  ]?aene  egetetende  day  on  j^e  monde  of  October ; 
in  J?e  two  and  fowertigde  geare  of  ure  crunning.  Uebersetzung: 
Heinrich,  durch  Gottes  Gnade  König  in  England,  Herr  in  Irland, 
Herzog  in  der  Normandie  und  in  Aquitanien  sendet  Grull  an  alle  seine 
Getreuen,  gelehrte  und  ungelehrte,  in  Huntingdonshire. 

Das  wil^et  alle  wohl,  daß  wir  wollen  und  wünschen,  dal^  alles, 
was  unsere  Eäthe  alle  oder  die  Majorität  derselben,  welche  durch  uns 
und  durch  diese  Landesgemeine  gewählt  worden  sind,  zur  Ehre  Gottes 
und  in  der  Treue  gegen  uns  durch  die  Verordnungen  der  vorgenannten 
Rätho  zum  Besten  des  Landes  gethan  haben  oder  noch  thun  werden, 
immer  und  ohne  Ende  fest  und  bleibend  sein  soll  in  allen  Dingen; 
und  wir  gebieten  allen  unseren  Getreuen  bei  der  Treue,  die  sie  uns 
schuldig  sind,  daß  sie  die  Gesetze,  welche  durch  die  oben  genannten 
Eäthe  oder  die  Majorität  derselben,  so  wie  es  zuvor  gesagt  ist,  gemacht 


16  Einleitung. 

§.  9.  Es   war   ganz    natürlich,    daß  beide  Sprachen,    die  von   1041  bis 

1483  neben  einander  lagen,  gegenseitig  auf  einander  wirkten.  Der 
Normanne  nahm  aus  Noth  oder  Bequemlichkeit  eine  Reihe  sächsischer 
Bezeichnungen  auf.  So  Wilhelm  schon  in  seinen  französisch  gefaßten 
Gesetzen;  1.  en  Merchenelae  (für  Myrcena  läge  oder  Myrcen  läge,  l»ge, 
nach  mercischen  Gesetze),  herafare  (hämfare)  =  hamsocna  (est,  si  quis 
praemeditate  ad  domum  eat,  ubi  suum  hostem  esse  seit,  et  ibi  eum  in- 
vadat);  3.  en  Danelae  (Dena  läge)  nach  dänischem  Gesetze,  sac  e  soc 
Gerichtsbarkeit  und  Gerichtsbezirk,  toi  e  tem  (teäm)  jus  telonii  sive 
emptionis  et  sequelae ,  infangene)?eof  Recht  den  Dieb  zu  greifen  und 
abzuurtheilen;  4.  West  sexenelae;  5.  hengwite  (hengen-wite)  Kerker- 
buße: 6.  forfengen  (forfangan)  an  sich  nehmen;  8.  manbote  Mannbuße  ; 
9.  de  la  were  vom  Wehrgeld;  12.  sarbote  Wundenbuße;  25.  heuvelborh 
(heäfodborh)  Hauptbürge;  26.  murdre  (=  myrdrung)  Mord,  32.  hundred 
Hundertschaft,  streward  Steward  (für  strset-weard  oder  stig-weard)  Wege- 
wart,  wardireve  (weard-gerefa)  Bezirksbeamter.  —  Ferner  in  den  lateinisch 
geschriebenen  Gesetzen: 4.  an  hlote  et  an  scote;  12.  ran  Raub;  14. 
ceapgyld  Kaufgeld;  und  noch  größer  ist  die  Zahl  sächsischer  Rechts- 
benennungen in  den  lateinischen  Gesetzen  Heinrichs  I.  —  Was  auf  dem 
Gebiete  des  Rechts  uöthig  oder  bequem  war,  das  war  es  gewiß  nicht 
minder  im  lebendigen  Verkehr.  —  Dieses  sächsische  Element,  in  die 
fremde  (französische  oder  lateinische)  Sprache  aufgenommen,  kleidet  sich 
natürlich  auch  in  die  Form  derselben.  So:  la  were  das  Wehrgeld,  la 
manbote,  und  in  einer  Urkunde  von  1258:  nous  giveons  wir  geben. 
—  Ferner  in  den  lat.  Gesetzen:  aldermannus,  wera,  soca,  halsfangium, 
murdrum,  utlaga,  wita  etc. 


sind  oder  noch  gemacht  werden,  beständig  halten  und  sie  zu  halten 
und  zu  schirmen  schwören,  und  daß  jeder  dem  andern  helfe  nach 
demselben  Eide  gegen  alle  zu  handeln ,  Recht  zu  üben  und  zu  empfangen, 
und  daß  keiner  an  Land  und  sonstiger  Habe  etwas  nehme,  wodurch 
diese  Verordnung  auf  irgend  eine  Weise  gehindert  oder  entwerthet 
werde,  und  wenn  sich  einer  oder  einige  hiergegen  vergehen,  so  wollen 
und  gebieten  wir,  daß  alle  unsere  Getreuen  sie  als  Todfeinde  be- 
trachten. Und  weil  wir  wollen,  daß  dies  fest  und  bleibend  sei,  senden 
wir  euch  diesen  Brief  offen,  mit  unserem  Siegel  bedruckt,  bei  euch  im 
Schatze  aufzubewahren. 

Dessen  sind  wir  selbst  Zeuge  zu  London  am    18.    October   im 
42.  Jahre  unserer  Krönung. 


Mischsprache.  17 

Ebenso  dringt  aus  dem  Französischen  ein  bedeutendes  Element  in  §.  9, 
das  Sächsische  ein.  Die  ersten  Spuren  finden  sich  in  der  Sachsenchronik 
(anno)  1051  castelle;  1006  dubben  (adouber);  1135  pais,  acorden ; 
1137  tresor,  canceler,  prisun,  justise,  castle,  carited,  rente,  privilegie, 
miracle  n.  a.  Lagamon  hat  in  5(),800  Versen  nur  etwa  90  Wörter 
und  Orm  fast  keins.  Dagegen  Robert  von  Gloucester,  der  gegen  das 
Ende  des  i'^.  Jahrh.  seine  Chronik  schrieb,  hat  in  den  ersten  500  Versen 
etwa  100  Wörter  und  Peter  Langtoft's  üebersetzung,  abgefalU  von 
Robert  Manning,  und,  weil  er  zur  Zeit  Edward's  I.  und  II.  im  Kloster 
Brunne  in  Liucolnshire  war,  aurh  Robert  IJrunne  genannt,  enthält  sogar 
schon  in  500  Versen  170  französische  Wörter.  Diese  werden  natürlich 
sächsisch  flectiert,  wenn  auch  ihre  ursprüngliche  Accentuation,  weil 
mündlich  eingeführt,  ihnen  bleiben  mul^. 

Als  Einwirkung  des  französischen  auf  den  deutschen  Sprachstoff 
lälU  sich  annehmen:  die  zischenden  g,  ch  und  c,  das  Stummwerden 
das  ags.  b  oder  späteren  cj,  gh,  gh,  sowie  des  1  besonders  vor  k  und 
f,  der  allgemeinere  Gebrauch  des  pluralen  -s,  und  die  gebundene  Wort- 
stellung,   die    freilich  auch  mit  der  Flexionslosigkeit  eintreten  mußte. 

Für  die  Sprachverhältnisse  jener  Zeit  ist  übrigens  die  Satire 
characteristisch,  weil  sie  mit  dem  Leben  in  unmittelbarster  Beziehung 
steht.  Sie  beginnt  Inteinisch  um  die  Mitte  des  12.  Jahrb.,  wird  im 
13.  Jahrh.  französisch  und  im  14.  Jahrh.  englisch.  Zuerst  ist  sie 
nur  Ausdruck  geistiger  Ueberlegenheit  und  richtet  sich  an  die  Intel- 
ligenz, im  Französischen  will  sie  auf  die  höheren  Stände  wirken,  im 
Englischen  auf  die  Gesammtheit  des  Volks. 

Die  bedeutendere  Abschwächung  der  ags.  Formen  und  die  Bei- 
mischung des  französischen  Sprachstoffs  characterisieren  das  Englische. 
Beide  treten  allmählich  ein;  ein  Jahr  als  Beginn  des  Englischen  kann 
nicht  angegeben  werden. 

6.     Englisch. 

Drei  Perioden  werden  unterschieden:  Ae.  =  Altenglisch,  Me.  =  §.   10, 
Mittelenglisch  und  Ne.  =  Neuenglisch. 

1)  Die  ältesten  gröl^eren  Werke  des  Ae,  sind: 

RG.  =  Robert  of  Gloucester's  Chronicle.  Transcrib'd,  and  now 
first  publish'd  from  a  Ms.  in  the  Harleyan  Library  by  Thomas  Hearne, 
2  vols.     Oxford  1724. 

PL.  =  Peter  Langtoft's  Chronicle  (as  illustrated  and  improv'd 
by  Robert  Brunne)   from    the  Death   of  Cadwalader   to   the  end  of  K. 

Koch,  engl.  Grammatik.     I.    2.  Aufl.  2 


1 8  Einleitung-. 

§.  10.  Edward  the  First's  Reign.  Transcrib'd  and  now  first  publish'd  from  ;i 
Ms.  in  the  Inner-Temple  Library  by  Thoraas  Hearne.  2  vols.  Oxford 
1725. 

Ps.  =  Anglo-Saxon  and  Early  English  Psalter.  London  2  vols. 
1843.   1847. 

Wir  dürfen  sie  wohl  als  die  Repräsentanten  der  früheren  drei 
Hauptdialecte  betrachten.  RG.  vertritt  den  Süden  und  Westen,  PL. 
und  Ps.  die  beiden  nördlichen  Dialecte. 

Die  Periode  des  Ae.  umfallt  gegen  100  .Jahre,  es  ist  die  Periode 
des  Schwankens  in  Laut  und  Schrift  und  Darstellung;  die  Periode,  in 
der  zwei  Accentuationsgesetze  einander  gegenüberstehen;  die  Periode 
fortschreitender  Schwächung  der  alten  Formen.  In  der  starken  Con- 
jugation  mindert  sich  der  plurale  Ablaut  und  in  der  schwachen  geht 
der  vollere  Ableitungsvocal  des  Präteritums  in  das  flachere  e  über; 
die  Pluralendung  des  Präsens  fehlt  schon  bisweilen,  der  Infinitiv  stöl-'t 
sein  n  oft  ab  nnd  im  activen  Particip  steht  ing  neben  nördlichem 
ende,  an  de  und  selbst  französischem  ant.  Die  Substantivflexion  zeigt 
nur  Trümmer,  den  singularen  Genitiv  auf  -s,  es,  is  und  den  pluralen 
auf -ene,  letzteren  selten,  aber  beide  oft  vertreten  durch  Präpositionen. 
Die  adjectivische  Flexion  zeigt  noch  Spuren  der  früheren  doppelten 
Declination,  aber  ohne  "Unterscheidung.  Die  unverstandene  Doppelform 
des  Superlativs  m-est  setzt  sich  in  das  begreifliche  most  um.  Auch 
die  Pronominalflexion  schwächt  sich.  Die  Genitive  der  Personalpronomen 
schwinden,  Dativ  und  Accusativ  fallen  zusammen,  der  Dativ  wird  durch 
Präpositionen  unterschieden  und  der  Genitiv  ersetzt.  Auch  die  Posses- 
siven sind  geschwächt,  doch  macht  sich  eine  substantivische  Form 
bemerklich.  Der  Artikel  zeigt  noch  Ueberreste  alter  Flexion.  —  Die 
eindringende  französische  Accentuation  greift  in  das  deutsche  Gebiet 
über. 
§.  11.  2)  Für  das  Me.  legen  wir  zu  Grunde:  Wycl.  =  The  Holy  Bible, 

containiug  the  Old  and  New  Testaments,  with  the  Apocryphal  Books, 
in  the  Earliest  English  Versions  raade  from  the  Latin  Vulgate  by 
John  Wycliffe  and  his  Followers;  edited  by  the  Rev.  Josiah  Forshall 
and  Sir  Frederic  Madden.    4  vols.    Oxford   1850  (Wycl.   1324—1384). 

Ch.  =  The  Poetical  Works  of  Geoffrey  Chaucer.  With  notes  and 
a  glossary   by  Thomas  Tyrwhitt.     London   1841   (1328—1400). 

Mau.  =  The  Voiage  and  Travaile  of  Sir  John  Maundeville.  Re- 
printed  from  the  Edition  of  A.  D.  1725  with  an  Introduction,  Additional 
Notes,  and  Glossary,  by  J.  0.  Halliwell,  London   1839  (1300—1371). 


Alt-  u.  Mitteleng^lisch.  19 

Die  Periode  des  Mittelenglischen  roiclit  bis  in  das   1  6.  Jahrhundert;   §.   11. 
sie  ist  im  Gegensatz  zum  Altenglischen  die  Periode  der  Reconstruction. 

Gewöhnlich  stellt  man  an  die  Spitze  derselben  Chaucer,  den 
„Vater  dei  englischen  Dichtung",  jedoch  mit  Unrecht.  Man  kann 
recht  wohl  zugeben,  daß  der  „Morgenstern"  durch  seltene  Lebendigkeit 
der  Schilderung,  durch  reizende  Anrauth,  in  die  er  selbst  bekannte 
Stoffe  zu  kleiden  weiß,  durch  echt  englischen  Humor  entzückt  und  daß 
er  in  vollkommener  Meisterschaft  die  Sprache  beherrscht;  aber  solche 
Eigenschaften  machen  keine  Sprache  zum  Gemeingut  der  Nation.  Es 
muß  etwas  Neues  sein,  das  eine  neue  Sprache  verbreiten  soll,  „neuer 
Most  in  neuen  Schläuchen",  etwas,  worauf  das  Wohl  und  Wehe  des 
Menschen  beruht,  das  Glück  im  Leben  und  die  Hoffnung  im  Tode, 
das  darum  auch  Jeden,  den  Höchsten  wie  den  Niedrigsten  im  Volke, 
unwiderstehlich  ergreift  und,  mit  Luther  zu  reden,  das  Herz  satt  macht. 
Es  müßen  sittlich-religiöse  Ideen  sein,  die  in  neuen  Formen  Aufnahme 
und  Verbreitung  finden.  Wie  unser  Luther  in  Deutschland,  so  konnte 
—  und  das  ist  bezeichnend  für  den  germanischen  Stamm  —  nur 
Wycliffe  und  seine  Schule  Gründer  der  modernen  Sprache  werden. 
Chaucer  und  Maundeville  sprechen  die  Sprache  ihres  Standes  oder 
ihrer  Heimath.  Auch  Wycliffe  schreibt  die  Sprache,  die  damals  in 
Oxford  gewöhnlich  sein  mochte,  und  seine  Gehilfen  verrathen  vielfach 
ihre  Heimath,  so  daß  in  der  Uebersetzung,  die  1383  unter  Wycliffe's 
Leitung  vollendet  wurde ,  mehrere  Dialecte  ohne  Zweifel  vorliegen. 
Aber  die  von  Wycliffe  veranlaßte  und  wahrscheinlich  von  John  Purvey 
besorgte  Revision  verwischt  schon  viele  dialectische  Verschiedenheiten. 
Beide  liegen  vor  in  der  von  Sir  Fr.  Madden  herausgegebenen  Holy 
Bible.  Daß  in  der  Wycl.  Uebersetzung  schon  die  Grundzüge  des  Ne. 
liegen,  wird  aus  folgender  Zusammenstellung  klar.  A  und  B  bezeichnen 
die  von  Sir  Fr.  Madden  zusammengestellten  Texte,  C  die  unter  James  L 
approbierte  Bibel. 

Mtth.  4.  AI.  Thanne  Jhesus  was  led  in  to  desert  of  a  spirit,  that 
B  Thanne  Jhesus  was  led  of  a  spirit  in  to  desert,  to  be 
C         Then  was  Jesus  led  up  of  a  spirit  into  the  wilderness 

A     he  shulde  be  temptid  of  the  deuel.     2.  And  whanne   he  hadde 
B     temptid  of  the  feend.  2.  And  whanne  he  hadde 

C     to  be  tempted  of  the  devil.  2.  And  when  he  had  fasted 

2* 


20  Einleitung. 

§.   11.   A  fastid  fourty  days  and  fourety  nigtis,  afterward  he  hungride. 

B  fastid  fourti  daies  and  fourti  nygtis,  aftirward  he  hungride. 

C  fourty  days  and  fourty  nights,  he  was  afterward  an  hungred. 

A  3.  And  the   tempter    cumraynge   nig,    saide   to   hym,   gif  thou   be 

B  3.  And    the    tempter    came   nyg    and   seide    to   hym,    If  thou   art 

C  3.  And   when    the   tempter   came   to  him,  he  said,   If  thou  be  the 

A  Goddis  sone,  say  that  these  stoons  be  maad  looues.     4.  The  whiche 

B  Goddis  sone,  seie  that  thes  stoones  be  maad  looues.     4.  Which    an- 

C  son  of  God,  command  that  these  stones  be  made  bread.   4.  Bat   he  an- 

A  answerynge    said    to    hym,    It    is    wryten,    A    man  liueth   not   in 

B  sweride,  and  seide  to  hym,  It  is  writun,  Not  oonli  in  breed  lyueth 

C  swered  and  said,  It  is  written,  Man  shall  not  live  by  bread  alone, 

A  breed  aloou,   bot  in  euery  word  that  cometh  forth  fro  the  mouthe 

B  man,  but  in  ech  word  that  cometh  of  Goddis  mouth. 

C  but  by  every  word  that  proceedeth  out-  of  the  mouth  of  God. 

A  of  God.     5.  Thanne  the  deuyl  toke  hym  in  to  an  hooly  citee  and 

B  5.  Thanne    the  feend  took   hym   in    to   the  hooli    citee, 

C  5.  Then  the   devil    taketh   him    up   into    the    holy    city, 

A  sette    hym    on    the    pynacle   of  the   temple,    and  saide   to    hym, 

B  and  settide  hym  on  the  pynacle  of  the  temple,  and  seide  to  hym, 

C  and  setteth  him  on  a  pinnacle  of  the  temple,  and  saith  unto  him, 

A  gif  thou  be  Goddis  sone,  sende  thee  doun;  sothely  it  is  wryten,  For 

B  If  thou  art  Goddis  sone,  sende  thee   adoun,   for  it  is   writun,  That 

C  If   thou   be  the   son  of  God,   cast  thyself  down;  for  it  is  written, 

A  to   bis   aungels  he   comaundide    of  thee,    and   thei    shulden  take 

B  to   hise   aungels   he   comaundide   of  thee,    and   thei  schulen   take 

C  He    shall   give   his   angels   Charge    concerning   thee,   and   in  their 

A  thee  in  hoondis  lest  perauenture  thou  hurte  thi  fote  at  a  stoon. 

B  thee  in  hondis,  lest  perauenture  thou  hirte  thi  foot  at  a  stoon. 

C  hands   they    shall  bear   thee  up,    lest  at  any  time  thou  dash  thy 

foot  against  a  stone. 


Mitteleng^lisch.  21 

Ps.  1.     AI.     Blisfnl  tlie    man,   tliat   went   not   awei  in  the  counseil  §.   11. 
B   1.     Blessid    is    the   man,   that   gede  not  in  the  councel  of 
C   1.     Blessed    is   the   man   that   walketh   not  in  the    counsel 

A  of   unpitouse    and   in    the   "wei    off    sinful    stod    not;    and   in   the 

B  -wickid   men   and   stood   not   in   the   weie  of  synneris,   and  sat  not 

C  of  ungodly,  nor  standeth  in  the  way  of  sinners,  nor  sitteth  in  the 

A  chager  of  pestilence  sat  not.     2.  Biit  in  the  lawe  of  the  Lord  his 

B  in  the  chaier  of  pestilence.        2.  But   his   wille   is  in   the  lawe  of 

C  seat  of  the  scornfiü.  2.  But  his  deliglit  is  in  the  law  of 

A  wil;  and  in  the  lawe  of  hym  he  shal  sweteli  thenke  dai  and  nygt. 

B  the  Lord;  and  he  schal  bithenke  in  the  lawe  of  hym  dai  and  nygt. 

C  the  Lord;  and  in  his  law  doth  he  meditate  day  and  night. 

A  3.  And   he    shal   ben   as  a  tree ,   that  is  plauntid  biside  the  doiin 

B  3.  And  he  schal  be  as  a  tree,  which  is  plauntid  bisidis  the  rennyngis 

C  3.  And   he   shall  be  like   a  tree,  planted'by  the   rivers  of  water, 

A  rennyngis  of  watris;  that  his  frut  shal  giue  in  his  time.     And  the  lef 

B  of  watris;  which  tre  schal  gyue  his  fruyt  in  his  tyme.         And  his  leef 

C  that  bringeth  forth  his  fruit  in  his  season:  his  leaf  also 

A  of  hym  shal  not  fade;  and  alle  thingus  what  euere  he 

B  schal  not  falle  doun;  and  alle  thingis  which  euere  he 

C  shall  not  wither;  and  what  soever  he  doeth 

A  shal  don  shul  waxe  welsum.         4.  Not  so  the  unpitouse,  not   so; 

B  schal  do  schulen  haue  prosperite.   4.  Not   so   wickid    men ,   not   so; 

C  shall     prosper.  4.  The  ungodly  are  not  so; 

A  but   as   poudre,   that   aferr  throwith  the  wind  fro  the  face  of  the 

B  but   thei    ben    as   dust,   which  the  wynd  castith  awei  fro  the  face 

C  but  are  like  the  chaff,  which  the  wind  driveth  away. 

A  erthe.  5.     Therfore  eft  rijsen  not  the  unpitouse  in  dom ; 

B  of  erthe.        5.     Therfor  wickid  men  risen  not  agen  in  doom ; 
C  5.     Therefore  the  ungodly  shall  not  stand  in  the 


22  Einleitung. 

§.11.      A     ne  sinful  in  the  counseil  of  rigtwise. 

B     nethir  syiineres  in  the  councel  of  iust  men. 

C     judgement,  nor  sinners  in  the  congregation  of  the  righteous. 

A     6.  For    the  Lord  hath   knowe    the    weie   of  the   rigtwise;  and  the 

B     6.  For  the  Lord  knowith  the  weie  of  iust  men;  and  the 

« 

C     6.  For  the  Lord  knoweth  the  way  of  the  righteous;  bat  the 

A     goyng  of  the  unpitouse  shal  pershen. 
B     weie  of  wickid  men  schal  perische. 
C     way  of  the  ungodly  shall  perish. 

Gen.  I  A  1.     In  the  firste  made  God  of  nougt  heuene  and  erthe. 

B  1.     In  the  bigynnyng  God  made  of  nougt  heuene  and  erthe. 
Gl.     In  the  beginning  God  created  the  heaven  and  the  earth. 

A  2.  The  erthe  forsothe  was  veyn  with  ynne  and  void,  and  derk- 
B     2.  Forsothe  the  erthe  was  idel  and  voide,  and  derk- 

C     2.  And  the  earth  was  without  form,       '  and   void;  and  dark- 

A  nessis  weren  vpon  the  face  of  the  see;  and  the  Spiryt  of  God 
B  nessis  weren  on  the  face  of  depthe;  and  the  Spiryt  of  the  Lord 
C     ness  was  upon  the  face  of  the  deep.    And  the  Spirit  of  God  moved 

A  was  born  vpon  the  watrys.  3.  And  God  seide,  Be  maad  ligt; 
B  was  borun  on  the  watris.  3.  And  God  seide,  Ligt  be  maad, 
C     upon  the  face  of  the  waters.     3.  And  God  said,  Let  there  be  light; 

A  and  maad  is  ligt.  4.  And  God  saAvg  ligt,  that  is  was  good, 
B  and  ligt  was  maad.  4.  And  God  seig  the  ligt,  that  it  was  good, 
C     and  there  was  light.    4.  And  God  saw  the  light,  that  it  was  good; 

A     and  deuydid  ligt  fro  derknessis.  5.  And    clepide  ligt 

ß     and  he  departide  the  ligt  fro  derknessis.     5.  And  he  clepide  the  ligt 

C     and  God  divided  the  light  from  the  darkness.  5.  And    God    called  the 

A     day,  and  derknessis  nygt.  And  maad  is  euen  and  moru, 

B     dai,  and  the  derknessis  nygt.  And    the    euentid    and    mor- 

C     light  Day,  and  the  darkness  Night.     And     the    evening    and    the 


Mittelenglisch.  23 

A     0  day.  6.     Seide  forsothe  God,   Bo  maad  a  §.   11, 

B     wetid  was  maad,  o  daie.  6.     And    God  seide,    The  firmament 

C     morning  were  the  first  day.      6.     And  God  said,  Let  there  be  a  fir- 

A  firmament  in  the  myddel  of  watres,  and  dyuyde  it  watres  fro 
B  be  maad  in  the  myddis  of  watris,  and  departe  watris  fro 
C     mament  in  the  midst  of  waters,  and  let  it     divido  the  waters  from 

A     watrys.  7.  And  God  made  the  firmament,  and  dyuydid  watris, 

B     watris.  7.  And  God   made   the   firmament,    and  departide  the 

C     the  waters.    7.  And    God    made    the    firmament    and    divided    the 

A     that  weren  vndre  firmament  fro  thes  that  weren 

B  watris  that  weren  vndur  the  firmament  fro  these  watris  that  weren 
0     waters  which  were  under  the  firmament  from  the  waters  which  were 

A     aboue  the  fermament;  and  it  is  maad  so. 
B     on  the  firmament;  and  it  was  don  so. 
€     above  the  firmament;  and  it  was  so. 

Die  Frage,  aus  welchen  Dialecten  sich  nach  und  nach  die  Schrift- 
sprache gebildet  hat,  läl^t  sich  noch  nicht  beantworten.  Nur  dann 
wird  dies  möglich  sein,  wenn  ein  Einheimischer  sich  der  mühevollen, 
doch  auch  dankbaren  Arbeit  unterzieht,  eine  genaue  Darstellung  der 
Dialecte  und  ihrer  Eigenthümlichkeiten  zu  geben. 

In  den  Lautverhältnissen  zeigt  das  Me.  noch  keine  Uehereinstim- 
mung  und  selbst  Sponsor  uüd  Shakespere  haben  noch  keine  feststehende 
Orthographie.  In  der  verbalen  Flexion  mindern  sich  die  starken  Verben, 
der  plurale  Ablaut  beginnt  zu  schwinden  und  die  Infinitive  stolzen  oft 
ihre  Endungen  ab.  Bei  den  Substantiven  schwindet,  die  umlautenden 
Plurale  ausgenommen,  der  plurale  Genitiv.  Das  Adjectiv  gibt  seine 
Flexion  fast  ganz  auf  und  behält  nur  ein  plurales  e.  Die  Flexion  der 
Pronomen  beschränkt  sich  auf  Nominativ  und  Accusativ,  nur  im  Inter- 
rogativ bleibt  noch  der  Genitiv.  Der  Gebrauch  der  Substantivform 
des  Possessivs  ist  entschieden.  Die  durch  die  französische  Accentuation 
ins  Schwanken  gerathenen  deutschen  Elemente  mindern  sich,  die  Eeac- 
tion  beginnt  und  zahlreiche  französische  Wörter  können  von  Dichtern 
auch  mit  deutscher  Betonung  gebraucht  werden.  Wenn  der  Dichter 
eine  solche  Betonung  wagen  darf,  dann  muß  die  Sprache  des  Öffentlichen 
Lebens  schon  längst  eine  solche  Aussprache  geübt  haben. 


24  Einleitung. 

§.   12.  3.     Auf  diesem   Wegre   schreitet   das   Neuenglische   fort.     Höchst 

einflul^reich  wurde  die  auf  James  I.  Befehl  1607  —  Kill  verfal^te 
Bibelübersetzung,  der  die  Bischofsbibel  (1568  von  Matthew  Parker, 
Grindal,  Bentham,  Sandys,  Cox  u.  a.  übersetzt)  zu  Grunde  gelegt  und 
in  der  die  Uebersetzungen  von  Tyndale,  Matthew,  Coverdale,  Cranmer 
und  die  Genfer  Bibel  nur  dann  benutzt  werden  sollten,  wenn  sie  beider 
als  die  Bischofsbibel  mit  dem  Texte  übereinstimmten.  Sie  wurde  1611 
veröffentlicht.  Cromwell's  Parlament  setzte  1057  einen  Ausschult  nieder 
und  dieser  berichtete  an  das  Haus,  dal*,  im  Ganzen  genommen,  die 
üebersetzung  des  Königs  James  „die  beste  von  allen  Uebersetzungen  in  der 
Welt"  sei  In  lautlicher  und  orthographischer  Beziehung  zeigen  die  lexiko- 
graphischen Arbeiten  seit  dem  Anfange  des  16.  Jahrh.  mehr  und  mehr 
Uebereinstimmung  und  in  technischer  Beziehung  hat  das  Englische  im 
17.  und  18.  Jahrh.  eine  solche  Durchbildung  erfahren,  dal^  es  die  Kraft 
der  germanischen  Sprachen  mit  der  Geschmeidigkeit  der  romanischen 
vereinigt  und  für  jede  Aufgabe  in  Poesie  und  Prosa  völlig  ausreichend 
erscheint. 

Die  characteristischeu  grammatischen  Eigenthümlichkeiten  des  Ne. 
sind:  die  starken  Verben  mindern  sich,  wie  der  Unterschied  zwischen 
singularem  und  pluralem  Ablaute  im  Präteritum,  so  dai^  nur  ein  Ab- 
laut bleibt  und  dieser  mischt  sich  oft  mit  dem  des  passiven  Particips. 
Von  der  verbalen  Person-  und  Modusbezeichnung  erhält  sich  nichts  als 
die  2.  P.  Sg.  Ind.  Präs.  und  Prät.  und  die  3.  P.  Sg.  Ind.  Präs.;  Imperativ 
und  Infinitiv  haben  keine  Kennzeichen;  die  activen  Participien  werden 
mit -in g  gebildet,  die  passiven  schwacher  Verben  mit  -ed,  die  starken 
Verben  haben  oft  en,  n  abstellen,  s.  Flexionslehre.  Die  adjectivische 
Flexion  ist  ganz  verschwunden  und  die  substantivische  bis  auf  einen 
im  Gebrauch  beschränkten  singularen  Genitiv,  dessen  Form  auch  auf 
die  umlautenden  Pluralformen  (man  man's  men  men's)  übertragen  worden 
ist.  Die  Comparation  ist  beschränkt.  Personal-  und  Demonstrativpro- 
nomen fliei^en  zusammen,  der  Accusativ  you  verdrängt  den  Nominativ 
ye.  Im  Possessiv  tritt  ein  strenger  Unterschied  ein  zwischen  adjecti- 
vischer  und  substantivischer  Form.  Die  grollte  Veränderung  aber  tritt 
in  der  Accentuation  ein,  denn  eine  grolle  Anzahl  romanischer  Wörter 
unterliegt  deutscher  Accentuation.  Mit  der  Accentuation  ändert  sich 
auch  die  Lautung  des  Worts. 
§.   13.  Interessant   ist   es,    einen    flüchtigen  Blick  auf  die  Mischung  der 

beiden   Hauptelemente,    des  Deutschen    und  Französischen,    zu   werfen 
und  das  Verhältniii  zu  beachten,  in  dem  sie  zu  einander  stehen. 


Neuenglisch.  25 

Da  das  Französische  in's  deutsche  Element  übergegangen  ist,   so  §.   13. 
ist  die  gesammte  Flexion,  so  weit  sie  sich  erhalten  hat,  deutsch. 

Pronomen  und  Hilfsverben  sind  alle  deutsch. 

Bei  den  Numeralien  ist  second  zu  other  getreten,  und  die  Sub- 
stantiven million  und  billion  sind  eingedrungen. 

Die  Conjunctionen  sind  alle  deutsch,  und  nur  wenige  Substantiven, 
wie*  the  moment,  in  case,  und  Verbalformen  wie:  admit,  suppose, 
granting,  providing,  provided,  können  im  Sinne  von  Conjunctionen  ge- 
braucht werden. 

Zu  präpositionalem  Gebrauche  gelangt  sind:  across,  spite,  despite, 
because  of,  round  around,  according,  bating,  concerning,  considering, 
during,  excepting,  facing,  passing,  pending,  regarding,  respecting,  saving, 
tending,  touching ;  except,  save,  traverse,  opposite,  past ;  ferner  viele 
Substantiven  werden  verwandt,  um  präpositionale  Verhältnisse  zu  be- 
zeichnen. 

Deutsche  Benennung  herrscht  vor  in  den  Namen  der  Naturgegen- 
stände und  Naturerscheinungen,  wie  der  Mineralien,  Pflanzen,  Thiere, 
Theile  des  Menschen,  des  Himmels,  Wetters;  in  den  Namen  für  Kleidung 
und  Waffen.  Characteristisch  ist,  dal^  der  Landmann  seine  Geräthe  nur 
deutsch  nennt:  plough,  ploughneck,  ploughtail,  furrow,  rake,  harrow, 
sickle,  scythe,  sheaf,  barn,  flail,  waggon,  warn,  cart,  thill,  wheel,  felloe, 
spoke,  nave,  yoke;  und  fast  ebenso  auch  der  Schiffer.  —  Die  Namen 
für  Nahrungsmittel  sind  gemischt,  aber  bezeichnend  ist  hier,  dall  einige 
deutsche  Namen  für  das  lebendige  Thier  beibehalten  sind,  wie  ox,  calf, 
swine,  sheep,  während  die  französischen  Namen  das  Fleisch  dieser 
Thiere  bezeichnen:  beef,  veal,  pork,  mutton. 

Dagegen  herrscht  bei  Benennungen  des  Staates  und  seiner  Orga- 
nisation, der  Titel  und  Würden,  der  Künste  und  Wil^enschaften  ent- 
schieden das  französische  Element  vor. 

Durch  diese  Mischung  treten  ursprünglich  gleichbedeutende  Wörter 
neben  einander,  wie  to  begin  und  commence,  die  aber  geAvöhnlich  zu 
specielleren  und  unterschiedenen  Begriffen  verwandt  werden. 

Die  lange  Entwicklung  der  Bildung  und  Sprache,  und  die  Gemein-  §•  14. 
Schaft,  in  der  die  einzelnen  Grafschaften  Jahrhunderte  lang  gewesen 
sind,  haben  bis  auf  den  heutigen  Tag  die  dialectischen  Verschiedenheiten 
nicht  verwischen  können,  die  schon  in  der  ags.  Periode  horvortraten. 
Noch  jetzt  lallen  sich  drei  Gruppen  unterscheiden  und  in  diesen  Gruppen 
zeigen  sich  Verschiedenheiten,  die  sicherlich  schon  in  früher  Zeit  sich 
bildeten,  wenn  auch  ihre  Entstehung  nicht  nachgewiesen  werden  kann« 


26  Einleitung-. 

§.  14.  Die  erste  Gruppe  umfaßt  den  Süden  und  Westen,  die  zweite  die  mittleren 
Grafschaften  und  Ostangeln,  die  dritte  den  Norden  Englands  und 
Schottland. 

§.   15.  In    der   ersten  Gruppe   treten   uns   drei   dialectische    Gebiete   ent- 

gegen: ein  südwestliches  in  Cornwall,  Devon,  Dorset  und  Somerset  bis 
zum  Parret;  ein  südliches  in  Hamps,  Sussex,  Surrey  und  Kent;  ein 
westliches  in  Gloucester,  Monmouth,  Shrops.  Die  Eigenthümlichkeiten 
des  ersten  sind,  1)  daß  oft  i  oder  e  einfachem  a  vorgeschoben  wird  (die 
Beispiele  sind  meist  aus  HalliweH's  Dialectproben):  neame,  deance,  I 
dear,  sneare,  bearnedoor,  feace,  measter,  meake,  teake.  Cornw. ;  yarm, 
niame,  shiame,  tiale,  tiake,  miake,  shiake,  liate,  shiade,  pliace.  Dorset; 
measter,  Meary,  aber  late  Som.  — 2)  ä  =  ä:  vale  (fall),  jae  (jaw),  strae 
(straw),  lae  (law),  wake  (walk),  take  (talk).  Dors.  ä  für  e:  agg,  lag, 
bag,  bagger,  kag,  sar  (serve).  Dors.  —  3)  daß  die  o- Laute  oft  getrübt 
sind:  aloane,  goa,  whoale,  choak,  oald  und  ould,  hoam,  toald  und  tould, 
Goad,  I  roade,  noase.  Cornw.,  smoak,  to  morra,  huome,  luonesome  und 
da  thun,  carn,  starm,  marning,  harn,  var,  barry  (borrow),  farked, 
archet  (orchard),  Dors.,  I  da,  auver,  knawn,  awn,  zawld  (sold),  rawze 
(rose);  —  4)  ee  für  i:  cheem,  sheen  (für  chime,  shine).  Dors.  —  äi 
für  ai,  ei,  oi:  mä-iden,  mä-iu,  hä-il,  awä-it,  plä-y,  da-y,  vä-ice  (voice), 
nä-ise  (noise).  Dors.  —  5)  z  ist  oft  für  s  eingetreten:  zet,  zay,  zend, 
zerve,  bezide,  zun,  zure,  zwallow  Dors.,  zay,  zee,  zure  Dev.,  za  (zo), 
zay,  zee,  zill  (seil).  Som. ;  —  6)  v  steht  für  f:  vind,  vor,  vriend,  vrom. 
Dors.,  vor  bevore.  Devon,  vor,  vair,  vashion,  vine,  voke.  Som.  —  7)  r 
vor  s  assimiliert  sich:  hoss  für  horse  Dev.  Som.,  bust,  vust,  vess,  fuoss, 
vuss,  nussd,  meth,  eth,  beth,  woth  für  burst,  first,  verse,  force,  furze, 
nursed,  mirth,  earth,  birth,  worth.  Som.  —  8)  in  den  Participien  des 
Präsens  fällt  g  ab  und  in  Wörtern  mit  gleichem  Ausgange:  smiten, 
weepen,  nothin.  Dors.  —  9)  Mehrfache  Consonanz  im  Auslaute  ver- 
einfacht sich:  boun(d),  chile  (für  child)  Dors.,  lor(d).  Dev.  —  10)  Pur 
th  steht  d  in  droo  Dors.  Som.  —  11)  Metathesen  in:  to  ax,  to  urn, 
Purnce  Pirnce  Som.,  ferner  claps,  haps,  crips.  Dors.  Som.  —  Wilts. 
schließt  sich  zum  Theil  an,  wie  in:  measter;  in  dunklerem  o  in  marning, 
shart,  vauk,  bowld,  owld,  whoam;  zung,  zet,  zay,  zee,  grawin(g), 
passin(g),  vine,  vly,  yuUy,  vor,  vamous,  vather;  dagegen  dehnt  es  o 
zu  wo,  wie  in  Glouc.:  twoad,  stwory,  gwo,  cwoat. 

In  dem  südlichen  Dialecte  fällt  Folgendes  auf:  1.  Dehnung  des 
ai  zu  aiy:  daiy,  plaiy,  waiy  Kent,  dee  Süss,  day  Hamps.  —  2.  d  für  th 
in  Kent  und  Süss,  den,  dat,  dey,  de  church,  wid.  — .  3.  Verklingendes  r: 


Neuenglische  Dialecle.  27 

gal  für  girl  Süss,  hoss  für  horse.  —  4.  Vereinfachung'  mehrfacher  §.  15, 
Consonanz  im  Auslaute  :  roun(d),  han(d),  carrin(g)  Kent.  Auffallend 
ist  die  Abweichung"  des  Dialects  von  Wight,  der  es  liebt,  mitten  im 
Worte  y  einzuschieben  und  f  mit  v  zu  ersetzen:  neyam  (name), 
meyastur  (master),  keeas  (case),  leyarn  (learn),  vor,  vool ;  bisweilen 
auch  z  für  s:  zee,  zay,  zunce  (since);  er  für  auslautendes  ow:  feller. 
Essex  macht  den  Uebergang  zum  ostanglischen  Dialecte. 

Der  westliche  Dialect  erklingt  in  Gloucester,  Wilts,  Oxford  und 
einem  Theil  von  Berks.  Kurz  a  wird  o:  mon;  ä  läßt  e  vortreten 
neaum,  pleace,  peart,  mead,  meauk,  greauve;  ai  wird  oi:  moid;  e 
wird  eea,  I  ey,  ö  ooa;  ferner  steht  z  für  s:  zon,  zing;  d  für  th  in 
dree  und  w  ist  vor  o  eingeschoden :  stwons,  gwoo,  mwothir,  cwoat, 
pwoot  (pot). 

In  den  mittleren  Grafschaften  ist  der  ostanglische  Dialect  in  Suf-  §•   16. 
folk    und   Norfolk,   Cambridge,    Huntingdon,   Leicester    und  ßutland  zu 
unterscheiden,  dann  der  in  den  Innern  Grafschaften  Hereford,  Warwick, 
Northampton  und   Nottingham    etc.     Fern    ab    steht   der    Dialect   von 
Cheshire. 

Im  ostangl.  Dialecte  ist  the  Suffolk  whine  sprichwörtlich  ge- 
worden: man  spricht  in  einem  singenden  Tone;  und  in  Norfolk  fallen 
die  dünnen  Vocale  auf  gegenüber  den  volltönenden  Vocalen  der  nörd- 
lichen Dialecte.  Suff,  hat  yeou  für  you,  a  für  ai  in  pah,  sah  (==  sah 
u.  saw),  prah  ;  unasy  für  uneasy,  frinnd  für  friend;  r  verklingt  oft: 
wahd  für  word,  wutha  für  wether.  Leicester  schiebt  oft  h  vor  vocalische 
Anlaute,  hat  oi  für  i:  foine,  meine;  hat  ea  für  a:  pleace,  feace,  a  für 
e  in  marry,    desarve. 

Die  Innern  Grafschaften  scheinen  große  Mannigfaltigkeit  zu  haben. 
Die  Lautverhältnisse  sind  noch  nicht  genau  festgestellt.  Bedford  hat 
ew  für  ow,  ea  für  a,  ow  für  o,  oi  für  i,  -er  für  -ow,  ss  für  rs.  Staff. 
mon,  sheame  (shame),  neame,  feyther  (father),  quoiet  (qui-et),  loif,  oi 
(I),  moind,  whoy  (why),  feller  (fellow).  Derby  hat  sehr  gedehnte  Vocale : 
mee  (me) ,  we  (way) ;  cood ,  towd,  aw  (cold  told  all) ;  dunner,  didner, 
conner,  hanner,  shanner,  wooner  für  do  not,  did  not,  can  not,  have 
not,  shall  not,  will  not.  —  Warw.  sheeam,  Jeeams,  leeane,  feul  für 
shame,  James,  lane,  fool. 

In  Cheshire  o  für  a:  mon,  con,  mony,  raonner;  ee  für  i:  meet  (might), 
fleet  (flight),  see  (sight)  oder  oi:  twoine,  foine;  besonders  sind  Doppel- 
laute häufig:  veeol  (veal),  deeal  (deal),  heeod  (head),  cheeons  (chains), 
cheeop  (cheap),   cleeon  (clean),   deeod  (dead),    deeoth  (death),   dreeomt 


28  Einleitung. 

§.  16.  (dreamt),  feear  (fear),  leeof  (leaf)  etc.;  1  fällt  aus:  aw-ways,  bowd  (bold), 
cauf  (calf),  caw  (call),  cowd  (cold),  cowt  (colt),  gowd  (gold),  fow  (foul), 
foo  (fool),  haw  (hall);  ferner  -ink  für  -ing. 

Im   Osten    (Lincoln)   trennt   der  Witham,    im  Westen   der  Mersey 
die  mittleren  Dialecte  von  den  nördlichen. 

§.   17.  Die    nördlichen    Dialecte    Englands    haben   viel    Eigenthümliches, 

der  Norden  von  Durham  und  Northumberland  nähern  sich  dem  Schotti- 
schen (Scotish  bur).  Sie  haben  durchaus  breite  Vocale  und  oft  noch 
Gutturale,  wo  im  Süden  Zischlaute  eintretreten  sind.  Torksh.  aa  für 
a:  paaper,  plaace,  naative,  saale,  draaper;  eea  für  ea:  eeasy,  meeat, 
heead,  leearn,  meoan,  ageean,  heeard,  deeal;  a,  oa  für  o:  knaw,  ga, 
gawn,  wark,  noa,  soa,  hoam,  noation,  noate,  noase,  roase  (rose),  (und 
in  Cumberl.  bisweilen  wo:  Jwohn,  Iwose,  mwornin);  o  für  a:  monny 
onny;  ee  für  i:  neet  (night),  enleeten,  freeten;  auch  a  in  ah  oder  aw 
(I);  00  für  Ol],  ow:hoose,  aboot,  coont,  oor,  roond,  oot,  h<>o,  thoosand; 
ooi  für  00 :  sooin,  schooil,  fooil,  gooid;  ee  für  e  in  Aveel  etc.  West- 
moreland  aspiriert  bisweilen:  hedditur,  und  hat  oft  d  für  th:  udder 
(other),  fader,  mudder,  whedder,  wedder. 

Am  meisten  weicht  Lancash.  ah:  eaw  für  ou,  ow:  abeawt,  acceawnt, 
beawnty,  beawt,  ceaw,  ceawrse,  ceawnsil,  cleawd,  cleawt,  creawd,  creawn, 
creawtch,  deawn,  dreawn,  dreawsy,  eawer  (our),  eawl,  eawnce  (ounce), 
eawt,  feawl,  fleawer,  geawn,  heaw,  heawl,  heawnd,  heawer  (hour),  leawd, 
meawse,  meawth,  neaw,  peawer, seawer,  seawnd  etc.;  oa  für  a:  choamber, 
choance,  choange,  doance,  bisweilen  o:  mon,  monny,  hong,  hondle, 
hommer;  oa,  eaw,  auch  für  o:  dreawps,  geaw  gooa,  poand;  ee  für  e: 
eend,  neest;  oi  für  i:  droy,  hoir,  doch  auch  neet,  hee  heegh.  Ferner 
ist  1  ausgestol-^en  und  der  Vocal  durch  w,  u  gedehnt:  awter  (alter), 
bawk,  bawm,  cawve  (calf),  hawt,  sawt,  behoud  (hold),  bowster,  bowt, 
cowd,  owd,  fowd;  w  ist  eingeschoben  vor:  bwoth,  bwort  (board),  cword, 
cwoarse,  cwot,  acword  (accord),  cwort  (court);  eben  sO  y  vor  e:  bryeth 
(breath),  byeds  (beads),  byem  (beam),  byen  (bean),  byert  (beard),  byest 
(beast),  lyeend  (lend),  Ijen  (lean) ;  t  für  d:  chilt,  bwort,  byert;  r  aus- 
gestol^en  in  hawse  (horse) ;  in,  en  für  -ing. 

§.  18.  Das  Schottische,  die  Sprache  Niederschottlands,  gelangt  früh  zur 

Ausbildung  und  zu  selbständiger  literarischer  Verwendung.  Seit  der 
Vereinigung  Schottlands  mit  England  beginnt  es  zu  einem  Dialecte 
herabzusinken.  Es  bewahrt  am  treuesten  viele  alterthümliche  Züge. 
Es  bewahrt  noch  oft  a  für  engl,  o:  amang,  langer,  blaw,  gane,  ane  ae, 
nane,  alane,  harne,  stane,  maw  (mow),  saw,  snaw,  nae,  wae,  thae  (those), 


Neuenglische  Oialecte.  Runen,  Buchstaben. 


29 


claes,  frae,  sae,  saft;  bisweilen  ai:  ain  (ags.  ägen),  baith,  mair,  sair;  §.  18. 
au  für  0,  oii:  auld,  saul,  fauld;  u,  eu,  ui  für  oo :  binde,  gude,  wud, 
piiir,  buik,  iieuk  (nook);  1  fällt  im  Auslaute  ab :  sma',  ca',  fa',  a',  fu', 
pu' oder  auch  im  Inlaute:  saut,  fause,  liaud,  faut  (fault),  gowd  (gold); 
die  Gutturalen  bleiben  :  kirk  (church),  birk  (bircli),  bink  (bencli),  mickle 
(mucli),  tboclit  (tliought),  heclit,  dochter,  nicht,  eneuch  (enough).  I 
canna,  winna,  dinna  (1  cannot,  will  not,  do  not).  Die  besonderen 
politischen  Verbindungen  Schottlands  und  Frankreichs  haben  auch  fran- 
zösische Wörter  eingeführt,  die  dem  Englischen  fehlen,  wie:  bon  allie 
Abschiedstrunk  vor  der  Abreise,  corbie  Rabe,  fasheous  verdrießlich, 
lurdon  Tölpel  etc. 

Die    Angelsachsen    bedienten    sich    ursprünglich  der   Kunen    (rün   §•   l^« 
Geheimnili,   magisches   Zeichen,    Buchstabe),   die  noch   im  Ags.,   aber 
selten,    entweder  als  Buchstaben    oder  als  Begrififsbezeichnungen   vor- 
kommen.   Cynewulf  bezeichnet  seinen  Namen  mit  den  einzelnen  Zeichen 
(Juliane,  Elene).     Sie  sind: 


Y  feoh  Vieh  f 

r^  ür  Auerochse  u 

\>   Jjorn  Dorn  th 

\^  öS  Gott  0 

R  räd  Reiten  r 

h  cön  Kien  c 

^  gifu  Gabe  g 

P    wen  Wahn,  Hoffnung  w  (v), 

N  H  t  lisegl  Hagel  h 

<P    +  nyd  Noth  n 

I  Is  Eis  1 

<|>  ger  Jahr  g  j 
S  Z  eoh  Eibe  i,  eo 


AAgs. 

NAgs. 

Engl. 

Ne.  Name. 

F  F 

F  f  (V) 

F  f 

ef 

V  V 

vee. 

U  u 

U  u  (w) 

U  u 

1^ 

D  )7  d 

D  }7  d 

Th  th 

tee-aitch 

0   0 

0  0 

0  0 

0 

R  ]\ 

R  r 

R  r 

ar 

Ir    C 

C  c  K  k 

C  c  K  k  cee,  kay. 

05 

G  g 

G  g 

gee 

vv 

W  w 

W  w 

double  u 

r>  h 

H  h 

H  h 

aitch 

N  n 

N  n 

IT  n 

en 

A 

I       1 

I  i 

I  i 

eye 

J       J 

J  j 

Jj 

jay 

I  i 

___ 

__ 

Einleitung. 

AAgs.  NAgs. 


P  p 
X  X 

S 

T  r 
B  b 

e  e 

M  m 
L    1 

§ 
D 
7C  a 

M    88 

Yy 


P  P 

X  X 

S  s 

T  t 

B  b 

E  e 

M  m 

L  1 


D  d 
A  a 

M    se 
Y  y 


Engl.      Ne.  Name. 

P  p         pee 
X  X         eks 


S  s 
T  t 
B  b 
E  e 
M  m 
L    1 


D  d 

A  a 

A  a 

Y  y 


es 

tee 

bee 

ee 

em 

el 


30 


§•   ^^'     K     peord  (ein  Gegenstand  im 

Spiele)  p 
Y  eolh(s)  Elk  x? 
H     sigel     Sonne     (mit    segel 
Segel  verwechselt)  s    . 
t  tir  Glanz  (Sternbild?)  t 
B   beere  Birke  b 
1^  eh  Pferd  e 
M  man  Mann  m 
1*-  lagu  Meer  1 
$  ing  (Eigenn.)  ing 
j^  edel  Erbgut  e 
M  d£Bg  Tag  d 
fi    äc  Eiche  ä 
1^  8esc  Esche  Lanze  a,  se 
F^  yr  eine  Waffe?  y 
)lf  jör  ein  Fisch  iö 
y  ear    Tod?    Erde,    Grabes- 
decke? ea 
^  cweorn  Mühle  cw 
^  calc  Schuh,     c 
[^    stän  Stein  st 
^    gär  Ger  g 


§.  20.  Die  Aussprache  der  neuenglischen  Lautzeichen  bezeichnen   wir  in 

folgender  Weise: 


dee 
ay 

wy 


CwcwCwcwkwqu.      kw  qu.     kew-u. 


Lautzeichen,  31 

Vocale.  §.  20. 

1.  ä  =   langes  e  :  fäte,  äid,  pläy. 

2.  a  =   kurzer  zwischen  a  und  ä  lieg'ender  Laut:  fät,  man,  carry. 

3.  ä  =  etwas  breiter  als  ä,  nur  vor  r :  färe,  rare,  päir,  beär. 

4.  ä  reines  italienisches  a:  fär,  fäther,  pärt,  cälm. 

5.  it  ein  zwischen  ä  und  ä  liegender  Laut :  fast,  bränch,  gräss. 

6.  ä  breites  tiefs  a:  fall,  häul,  w^älk,  wärm. 

1.  e  ^  langes  i:  mete,seal,  keep. 

2.  e  =  kurzes  e:  met,  seil,  kept. 

3.  e  =  breites  e:  there,  heir. 

4.  e  kurz  und  nach  ö  geneigt:  her,  herd,  fern. 

1.  1  =  ei:  pine,  fine,  fire,  find. 

2.  i  kurzes  i :  pin,  fin,  iniss,  mirror. 

3.  i  langes  i:  machine,  mien,  marine. 

4.  i  kurz  und  trüb :  fir,  bird,  virtue. 

1.  ö  =  langes  o:  nöte,  föal,  töw,  söre. 

•  2.  ö  =  kurzes  tieferes  o:  not,  cön,  ödd,  börrow. 

3.  ö  ^  langes  u:  möve,  pröve,  föod,  söon. 

4.  ö  =  ä :  nör,  form,  sört,  öught. 

5.  ö  =  ü;  sön,  döne,  come,  money. 

1.  ü  =  juh:  tübe,  tüne,  süit,  pure. 

2.  ü  =  kurzes  oe:  tüb,  tun,  hüt,  hürry. 

3.  ü  =  mittleres  ü:  pull,  füll,  püsh, 

4.  ü  kurzes,  trübes  oe  vor  r:  für,  turn,  mürmur,  hürt. 

5.  u  =  0,  langes  u :  rule,  rüde,  trtie. 

1.  y  =  i:   type,  style,  lyre. 

2.  y  =  i:  syl-van,  sym-bol,  crys-tal. 

3.  y  =  i:  myrrli,  myr-tle. 

Lautliche  Schwächung  eines  Yocals  wird  durch  einen  Punct  un- 
ter demselben  bezeichnet,  daher:  a,  e.  i,  9,  u,  y:  li-är,  fü-el,  lög-ic, 
äct-or,  sül-phur,  trü-ly. 

öi,  öy  ==  oi:  boil,  boy. 

öü,  öw  =   au:  bound,  town. 

ew  =  ü:  few,  new. 


32  Lautzeichen. 

§.  20.  Consonanten. 

9  =   s:  ägid  g  weicher  K-Laut:  get,    give. 

c   =  k:  cäp.  8  scharf:  sing,  hörse. 

9h  =  sh:  9häise  §  weich:  hö§e,  löge 

0h  =   k:  0häracter  th  scharf:  thin,  pith. 

ch  =   ish:  chärm  th  weich:  this,  then. 

j   =  dsh:  Jüne.  x  =  ks:  äx,  äxle. 

g  =  j :  gender,  gi-ant.  5  =  gs :  e^-ist,  ex-ämple. 


Lautlehre. 

Erstes  Buch. 

Vocalismus. 

Dem  Vocalsystem    des  indogermanischen  Stammes  liegen  die  drei  §.21, 
Kürzen  a,  i,  u  zu  Grunde,  die  durch  zwiefache  Steigerung  mit  a.  und 
ä  folgende  Lautreihen  bilden. 

Grundlaut.         Erste  Steigerung.         Zweite  Steigerung, 
a  aa  ==  a  aa  =  a 

i  ai  (e)  äi 

u  au  (ö)  au. 

Im   Sanskrit   fließen    ai   und   au   zu    e   und    ö   zusammen   und   a 
schwächt  sich  überdies  bisweilen  zu  i  und  u. 
Diesen  Lautreilien  entsprechen  im  Gotischen 
a  e  ö 

i  ei  äi 

u  iu  äu 

Die  beiden  Steigerungen  des  a  sind  in  e  und  ö  strenge  geschie- 
den, ei  ist  durch  Assimilation  des  a  zu  i  aus  ai  entstanden,  sowie 
iu  durch  Schwächung  des  a  zu  i,  sodaß  es  für  au  eingetreten  ist. 

Diese  neun  gotischen  Laute  haben  sich  im  Ags.  auf  nicht  w^eniger 
als  24  vermehrt:    a,   ä,    se,  se,    e,   e,  i,  1,  o,  ö,  oe,  oe,  u,  ü,  y,  y;    ea, 
eä,  eo,  eo,  io  (ie),  ei^  eu.   Von  diesen  laßen  sich  als  Hauptlaute  d.  h. 
als  solche  Laute,  die  den  gotischen  entsprechen,  folgende  bezeichnen, 
se  a(o)  a  ea  .ae  (ä,  e)  ö 

i  e  eo  1  ä  (se) 

u  0  eo  io  ü  eä. 

Koch,  engl.  Grammatik,    1.     2.  Aufl.  3 


34  Ags.  Vocal  »,  a. 

§.21.  Und  diese  weisen  auf  folgende  als  die  ursprünglichen  ags.  Laute 

zurück: 

a  ä  ö 

i  !  äi 

u  iu  ü  ä(u). 


Erster   Abschnitt. 

Ang-el sächsischer   Vocalismiis. 

A-Laut. 

§.  22.  I.     Gotisches  a  wird  ags.  x,  a  und  ea. 

1)  Ags.  ae  steht  a)  in  einsilbigen  Wörtern  mit  einfachem  con- 
sonantischen  Auslaute  (qi  und  n  ausgenommen).  Daher  als  Ablaut  in 
stsel  stahl,  bser  gebar,  gescser  schor,  taer  zerriß,  sprsec  sprach,  set 
aß,  fröet  fraß,  sset  saß,  trsed  trat,  baed  bat,  cwaed  sprach,  wraec  rächte, 
Iseg  lag  etc.;  ferner  in  hwael  Wallfisch,  graef  Grab,  daeg  Tag,  baed 
Bad,  graes  Gras.  Dieses  ae  bleibt  auch  dann,  wenn  in  zweiter  Silbe 
e  hinzutritt:  daeg.  Gen.  daeges,  haeled  Mann,  hraegel  Kleid,  naegel  Nagel, 
faeder  Vater,  faeger  schön;  auch  wenn  dieses  e  ausgestoßen  wird: 
waeter  Wasser,  Gen.  PI.  waetra,  naegla.  —  b)  in  einsilbigen  Wörtern 
vor  mehrfacher  Consonanz,  besonders  vor  ft,  sp,  st  und  pp,  bb,  ss: 
craeft  Kunst,  gaest  Gast,  sesp  Espe,  gaers  Gras,  bahrst  barst,  maest  Mast, 
J^aersc  drasch ,  aesc  Esche ,  aeppel  Apfel ,  naesse  Vorgebirge ;  ferner  in 
naedre  Natter,  faemne  Frau. 

Manchmal  steht  es  noch  neben  a:  ic  habbe  und  haebbe,  jenes 
die  ältere  Form  und  noch  mit  erhaltenem  dunkeln  Vocale  zweiter  Silbe: 
ic  hafa,  hafo,  hafu,  s.  Flexionsl.  §.  52.  rad  und  raede;  öfter  aber 
wechselt  ae  mit  e:  gescaer  B.  3052,  gescer  5942,  draep  drep  5756, 
Luc.  12,  24  waes  wes  Hlod.  9.  hraefn  hrefn.  Exon.  329,  18.  gaest 
gest  313,  28  und  oft  in  Ps,  todege  2,  7.  efter  5,  11.  hwet  8,  11. 
wes  3G,  25  u.  in  Durh.  aeft  eft,  aefter  efter,  gaers  gers. 

§.  23.  2)  Ags.  a  erhält  sich  a)  vor  m  und  n,  mögen  diese  einfach  oder 

verdoppelt  oder  mit  anderen  Consonanten  verbunden  sein:  fram  von, 
gram  grimmig,  tam  zahm,  nam  nahm,  wam  Flecken,  swan  Schwan, 
wan  kämpfte,  man  Mann,  clamm  Band,  swamm  schwamm,  ongann 
begann,  lann  hörte  auf;  lamb  Lamm,  camb  Kamm,  camp  Kampf, 
wang  Feld,    J?anc  Dank,   land  Land;   die  Ablautformen:   band,   grand, 


Ags.  Vocal  a.  35 

swand,  wand,  dranc,  s.  Fl.  §.   9;  liama  Bedeckimg,  nama  Name,  bana    §.  23. 
Mörder,  gamen  Freude,  baraor  Hammer,  samod  zusammen,  manig  viel, 
hwanon  woher,  standan  stehen.    Daher  wird  auch  das  Prät.  frsegn  von 
frignan  fregnan  nach   Ausfall  des  g  zu  fran,  befran  Cudb. 

Dieses  a,  im  Altfries,  gewöhnlich  o,  schwankt  überall  nach  o, 
nicht  nur  in  den  westsächsischen  Quellen,  sondern  auch  im  ostangli- 
schen  Dialecte  (s.  Thorpe  Anal.  p.  119),  selbst  in  den  Ps.  und  in 
Durh.  Das  Northumbrische  Priestergesetz  aber  behält  a,  wie  im  Nor- 
dischen. Trotz  der  Verbreitung  des  o  mul^  a  hier  ursprünglich  sein 
und  namentlich  bleibt  es  vor  vollerem  o:  hamor,  während  geschwächtes 
e  auf  0  folgt:  homer,  gamol  gomel. 

b)  vor    andern    einfachen  Consonanten,  wenn  in  zweiter  Silbe  ein   §.  24. 
dunkler  Vocal  (a,  o,  u)  folgt:  atol  furchtbar,  sadal  sadol  Sattel,  hafoc 
Habbicht,    nacud    nacad    nackt.      Daher    ist    es    auch    in   einsilbigen 
Wörtern  mit  einfacher  Consonanz   geblieben,   wenn  ein  dunkler  Vocal 
folgte:    dseg,   Nom.    PI.   dagas,    Gen.    daga.   Dat.    dagum;    Adj.    glsed, 

Nom.  Sg.  Fem.  gladu.  Dat.  PL  gladum.  Sogar  vor  e  zweiter  Silbe 
hat  sich  a  bisweilen  erhalten  und  jenes  mag  deshalb  aus  einem  dunkeln 
Laute  abgeschwächt  sein.  So  beim  Adjectiv,  wie  glaed,  Gen.  Sg.  glades 
(alts.  gladas),  PI.  Nom.  und  Acc.  glade  (alts.  glada),  s.  Flex.  §.  138; 
beim  Verb,  im  Präsens:  ic  bace  (got.  -a),  mace,  im  Part.  Präs.  bacende 
(got.  -ands),  im  Part.  Prät.  bacen  (got.  -ans).  Wenn  demungeachtet 
doch  manche  se  eingetreten  oder  neben  a  getreten  sind,  wie  hafen 
hsefen,  grafen  graefen,  hladen  hlseden,  wascen  waescen,  s.  Flex.  §.  24; 
ferner  in  Gen.  Sg.  daeges  (alts.  dagas),  Instr.  daege,  (alts.  dagü  Sanskr. 
ä)  und  in  den  synkopierten  Adjectivformen  glaedre  und  glsedra  (alts. 
gladäro),  so  können  die  ae-Formen  erst  später  eingetreten  sein. 

Dieses  a  tritt  gewöhnlich  nicht  nach  o  über,  orn  und  born 
neben  arn  und  barn  erklären  sich  aus  der  Metathese  ran,  ron  lief 
und  bran,  bron  brannte.  In  änhoga  Exon.  288,  32  ist  die  Vocal- 
schwächung  aus  vorgerücktem  Accente  zu  erklären  für  änhaga  Ein- 
siedler und  nosu  neben  nasu  Nase  aus  altnord.  noes.  Für  aef  ist  o  f 
eingetreten  und  jenes  hat  noch  Durh.  in  aef-dall  (HG.  nyder-stige) 
Abhang,  B.  in  sef-|?anca,  aef-J7unca. 

c)  ausnahmsweise  in  ac  aber,  |;rag  Gelegenheit,  singal  dauernd^ 
arn  und  barn  für  ran  und  bran;  ferner  in  den  fremden  carcern  Kerker, 
marmstän  Marmor,  raartyr  Märtyrer,  calc  Schuh,  calc  (calic  D.  Mtth. 
20,  22.  caelc   10,  42)  Kelch,  Aprelis,  aspide  etc. 

3* 


36  Ags.  Vücale  ea. 

§.  25.  :i)  Ags.  ea  tritt  ein  vor  1,  r  und  h.    Vor  verdoppeltem  1:  ealle  alle, 

feallan  fallen,  gealla  Galle,  lieall  Halle  und  ebenso  vor  vereinfachter 
Geminate:  eal,  heal,  steal  Ort;  vor  einfachem  1:  bealu  Uebel,  ealu 
Bier,  fealu  fahl,  gearu  bereit,  mearu  zart,  cwealm  Mord,  healm  Halm, 
sonlm  Psalm,  bearm  Schoß,  earm  Arm  arm,  hearm  Harm,  swearm 
Schwärm,  wearm  warm,  )?earm  Darm,  bearn  Kind,  earn  Adler,  fearn 
Farrenkraut,  gearn  Garn,  die  Ablautformen  mearn,  spearn ,  s.  Flex. 
§.  9;  cealf  Kalb,  hearpe  Harfe,  gealga  Galgen,  scealc  Diener,  earc 
Arche,  mearc  Gränze,  spearca  Funken,  stearc  stark,  hearh  Tempel; 
auch  wenn  h  hinter  1  und  r  abfällt:  eal(h)  Tempel,  weal(h)  fremd, 
-  ear(h)  Pfeil,  mear(h)  Mähre,  tear  (aus  tajher,  got.  tagr,  ahd.  zahar, 
Durh.  ta3her  Luc.  7,  38.  teher  Mrc.  9,  23.  tehr  Luc.  7,  44.  teör 
Mth.  9,  28).  Ferner:  beald  kühn,  wealdan  walten,  eard  Erdboden, 
beard  Bart,  heard  hart,  weard  Wart,  sweart  schwarz,  healt  lahm,  heals 
Hals,  bears  ein  Fisch.  Ebenso  in  den  Ablautformen:  gealp,  healp, 
sweall,  dealf,  mealt,  swealt,  swealh,  fealh,  wearp,  cearf,  hwearf,  stearf, 
weard,  bearst,  swearc,  bearh,  s.  Flex.  §.  9.  —  Endlich  vor  h:  gefeah 
freute,  seah  sah,  geneahhe  genug,  eahta  acht,  hleahtor  Gelächter, 
feaht  focht,  meaht  Macht,  eax  Achse,  eaxel  Achsel,  feax  Haar,  leax 
Lachs,  weax  Wachs.  Außerdem  selten,  wie:  atol  eatol  furchtbar, 
beadu  Krieg,  ceaster  Stadt,  eafora  Nachkomme. 

Für  dieses  ea  hat  Durh.  oft  a:  all,  gallo,  hall,  halm,  salm,  halt, 
härm  etc.,  auch  die  Ps.  dalf,  set-falh;  überhaupt  steht  vor  1  mit  nach- 
folgendem Consonanten  öfter  a. 

Der  ursprüngliche  Laut  muß  im  Ags.  a  gewesen  sein ,  da  dieses 
noch  neben  den  Abweichungen  3e,  o  und  ea  liegt.  Aber  die  Lautung 
desselben  muß  sich  geändert  haben  und  schreitet  nach  verschiedenen 
Kichtungen  aus,  nach  e  und  nach  o.  Für  den  nach  e  geneigten  Laut 
tritt  ae  ein,  für  den  dunkleren  o.  Wenn  im  Ags.  reines  a  geblieben 
ist,  so  kann  es  nur  da  sich  erhalten  haben,  wo  es  vor  dunkeln  Yocalen 
zweiter  Silbe  steht  und  hier  bisweilen  neben  ae  in  Einsilbigen  (daeg, 
dagas),  und  in  Fremdwörtern.  Das  Schwanken  zwischen  a  und  se  ist 
in  dem  Vordringen  des  letzteren  begründet. 

Schwierig  ist  es,  die  Erweiterung  (Brechung)  des  a  zu  e  a  zu 
erklären.  Sie  geht  von  a  aus  und  steht  vor  den  oben  genannten 
Consonanten;  sie  geht  auch  wieder  bei  Orm  und  meist  auch  bei  Lag. 
nach  a  zurück.  Der  Laut  muß  daher  dunkel  gewesen  sein.  Aber 
ist  e  ein  leiser  Vorschlag  zu  dem  vollen  a?  oder  ist  e  der  Haupt- 
laut,  vielleicht  für  se   eingetreten,    und  a  ist  der  dunkle  Nachschlag, 


Ag-s.  A-Schwächungcn.  37 

den   die    consonantische   Begleitung   bewirkte    und    der    das   hellere    e   §.  25. 
wieder  dunkel  färbte?    Im  Koimliede  gevvaef:  forgeaf,  frajtwum:  geatwum. 

Neben  diesem  ea  liegt  eine  andere  Erweiterung,  die  durch  ein 
hinter  g  und  sc  eintretendes  e  entsteht :  geaf  gab,  geat  erhielt,  sceada 
Räuber,  sceanca  sceonca  Schenkel,  sceand  sceond  Schande,  sceapjan 
schaffen,  sceaft  Lanze,  sceacan  schütteln. 

In    einigen  Kürzen  ist  Dehnung  eingetreten,   wie  ]m  da,    swä  so. 

II.  Wie  sich  ursprüngliches  a  schon  im  Sanskr.  und  im  Goti-  §.  26. 
sehen  zu  i  und  u  schwächt,  so  auch  im  Ags.  So  in  scire  Theil, 
scirjan  theilen ,  wilhen  willen  Dienerin,  wilhisc  fremd,  scilcen  gemein, 
scippan  erschaffen,  scippend  Schöpfer,  miht  kannst,  niht  Nacht,  sliht 
Mord,  ombiht  Diener,  hlihhan  lachen,  gist  Gast,  sigel  Sonne.  Im 
Ags.  selbst  stehen  bisweilen  a-Formen  daneben,  wie  sceare,  scearjan, 
meahte  meahton,  hleahhau;  die  andern  werden  nachgewiesen  durch 
ahd.  scara,  walah,  walhisc,  scalk,  slahta,  got.  skapjan,  mäht,  sauil, 
alts.  sugil  Sonne. 

Hierher  gehören  ferner  die  Präsensformen  der  drei  ersten  Klassen 
ablautender  Verben  (Grimm  10,  11,  12),  die  schon  im  Gotischen 
geschwächtes  i  haben.  Im  Ags.  bleiben  diese  i  fast  nur  vor  m,  n 
und  Geminaten;  vor  1  und  g  gehen  sie  nach  e  und  vor  r  und  h  nach 
eo  über,  s.  Flex.  §.  9.  Ferner  in:  onginn  Beginn,  blinn  Aufhören, 
spinn  Spinnen,  spindel,  winna  Kämpfer,  drinc  Trunk,  swinc  Arbeit, 
stinc  Geruch,  swing  Schlag,  )?ring  Drücken;  cwlld  Verderben,  gifa 
Geber,  gifu  gift  Gabe,  wif  wef  Gewebe,  ongit  Verstand. 

Ursprüngliches  a  hat  sich  schon  im  Gotischen  zu  u  geschwächt 
im  Prat.  PI.  der  ersten  und  im  Part.  Prät.  der  ersten  und  zweiten 
Klasse  der  ablautenden  Verben.  Jenes  u  bleibt  fast  durchgängig 
auch  im  Ags.:  hulpon,  dulfon,  swummon,  ongunnon,  burnon,  bundou, 
druncon,  sungon,  wurpon,  curfon,  wurden,  burston,  swurcon,  burgon, 
fuhton;  dieses  vor  m  und  n;  swummen,  clumben,  ongunnen,  bun- 
den  etc.,  und  außerdem  geht  es  nach  o  über.  In  urnen  und  burnen 
bleibt  es  neben  runnen  und  brunnen.  Ferner  in  brunna  burne  Quelle, 
Born,  bund  Bund,  grund  Grund,  drunc  Trane,  druncen  trunken,  burh 
Burg,  numa  der  nimmt,  cuma  Ankömmling. 

III.     Die   erste  Steigerung  von   a  (got.  e,    fries.  e,   alts.  ä,   altn.   §.  27. 
ä,  ahd.  ä)  ist  im  Ags.  te:    sei  Aal,   b^l  Scheiterhaufen,   m^l  Zeichen, 
seel  Glück,   str«l  Pfeil,   beer  Bahre,   hser  Haar,  msere  berühmt,   sefen. 
Abend,  sl«p  Schlaf,  wsepen  Waffe,  csbge  Schlül^el,  grseg  grau,    mseg, 
verwandt,  waig  Woge,  Isece  Arzt,  spraec  Sprache,  blsed  Frucht,  brsfedan 


38  Ags.  A-Steigerungen. 

§.  27.  braten,  difed  Tliat,  gnedig  gierig,  iiifedl  Nadel,  rAd  Rath,  stfed  Saat, 
w^d  Kleid,  ssfeta  Einwohner,  ssete  Sitz,  strset  Straloe,  ifedm  Atliem. 
—  Durh.  hat  hier  gewöhnlich  e:  her,  her,  mere,  efern,  slep ,  meg, 
lece,  spröc,  nedle,  sed,  stret,  ded,  selten  strset,  cseg;  falsch  ist  offen- 
bar wcjepen  Luc.   11,    22,    weil   es   fries.  wepen  und  altn.  väpn   heilet. 

Ferner  ist  dies  se  (got.  e,  alts.  ä,  altfries.  e,  altn.  ä)  der  plu- 
rale  Ablaut  der  zweiten  und  dritten  Klasse:  cwselon,  htfelon,  stselon, 
bsferon,  scieron,  t^ron,  spr^con,  breecon;  und  auch  hier  läßt  Durh. 
ö  eintreten:  forstelun,  gebrecan,  s.  Flex.  §.  14.  Neben  gsefon,  gseton 
stehen  auch  geäfon  und  geäton  wahrscheinlich  unter  nordischem  Ein- 
flute, und  ongeton  C.  183,  12.  Ferner  schwanken  l«gon  lägon  legon, 
Söegon  säwon  segon,  gefcßgon  gefegun,  s.  Flex.  §.  19.  —  Vor  m  und 
n  stand  hier  ä,  wie  cwämon  Ps.  34,  15.  nämon  B.  5967  beweisen, 
die  sodann  zu  ö  wurden.  Dies  legt  die  Vermuthung  nahe,  daß  hier 
überall  ä  stand  als  erste  Steigerung,  das  erst  später  nach  sb  auswich, 
wie  a  nach  se. 

Selten    hat   das  Ags.   als    erste  Steigerung   mit   dem  Gotischen  e 
gemein,   wie  in  cweman  gefallen,   gecweme  bequem,    angenehm,  cwen 
Königin,  wen  Hoffnung  (altfries.  wen),  mece  Degen  (alts.  mäki). 
§.  28.  Die  zweite  Steigerung  von  a  (got.  ö,  alts.,  altfries.,  altn.  ö,  ahd. 

uo)  ist  im  Ags.  ö:  gol  Gesang,  for  Reise,  scöp  Dichter,  höf  Huf  und 
Hufe,  gröf  Grube,  cöl  kalt,  dorn  Urtheil,  mör  Sumpf,  blöma  Blume, 
dön  thuen,  blöwan  blühen,  röwan  rudern,  hröf  Dach,  böce  Buche, 
hoc  Buch,  höc  Haken,  blöd  Blut,  födor  Futter,  göd  gut,  möd  Muth, 
mödor  Mutter,  föt  Fuß,  brödor  Bruder.  —  Hierzu  gehören  die 
Ablautformen  der  vierten  Klasse:  ägöl,  för,  swör,  stop,  s.  Flex. 
§.  24. 

Bisweilen  ist  hinter  sc,  sp  und  w  ein  e  eingeschoben:  scöp  sceöp 
C  9,  11.  spön  speön  37,  12.  scöc  sceöc  138,  31.  wöx  weöx  B.  15. 
hlöd  hleöd  1784.  Gewiß  war  e  nur  ein  leichter  Vorschlag  zu  dem 
schweren  ö. 

In  einigen  Wörtern  aber  enthält  das  Ags.  die  zweite  Steigerung, 
während  andere  deutsche  Sprachen  die  erste  Steigerung  enthalten,  wie 
in  möna  (got.  mena,  ahd.  mäno)  Mond,  söna  bald  (mhd.  sän),  fön 
(ahd.  fähan)  fangen,  hön  (ahd.  hähan)  hangen. 

Ferner  ist  ö  da  eingetreten,  wo  das  ausfallende  n  durch  voca- 
lische  Steigerung  ersetzt  wurde:  öder  (got.  an)7ar)  andere,  söd  (für 
sanad)  Wahrheit,  töd  (ahd.  zand  Zahn),  gös  (für  gans)  Gans,  softe 
(ahd.  sanfti)  sanft.     §.40. 


Ags.  1  lusprüng-lich,  geschwächt,  erweitert.  39 

I-Laut. 

I.  UrsprüDgliches  i    (=    got.   i)    bleibt    oft   im   Ags.:    bite   Bil^,    §.  29. 
slite  Ril^,  wlite  Gestalt,  writ  Schrift,   writere  Schreiber,  ridda  Reiter, 
scride  Schritt,  swic  Betrug,  swicol  betrügerisch,  );icce  dick;  lim  Glied, 

cinn  Kinn,  ficol  betrügerisch,  wiht  Sache,  cild  Kind,  glitjan  glistjan 
glänzen.  —  Es  steht  ferner  im  pliiralen  und  participialen  Ablaut  der 
5.  Klasse:  dwinou  dwinen,  hrinen,  seinen  etc.,  s.  Flex.  §.   29. 

Den  ursprünglichen  i  zur  Seite  treten  die  Schwächungen  aus  a, 
und  hier  erhält  sich  i  vor  m  und  n,  s.  §.  26. 

II.  Ursprüngliches,    wie    geschwächtes    i   verdunkelt   sich   zu    e    §.  30. 
und    das    mag   wohl    zuerst   durch  einen   dunkeln  Laut  zweiter   Silbe 
veranlal^t  sein:  stelau  stehlen,  helan  hehlen,  fela  viel,  cwelan  sterben, 
swellan  schwellen,  delfan  graben,  gelpan  sich  rühmen,  meltan  schmelzen, 

heran   tragen,    drepan    schlagen,    brecan   brechen,    plega   Spiel,    etan  • 
essen,    tredan   treten,   wesan   sein;    a   ist  geschwächt  oder  abgefallen: 
feld  Feld,    heim  Helm,   wer  Mann,   weder  Wetter,   weg  Weg,    weder 
Widder;  endlich  auch  im  Auslaute:  he  er,  me  mir,  ye  dir,  ge  ihr,  be 
durch,  we  wir. 

Noch  oft  stehen  i  und  e  neben  einander,  wie  gilp  gelp  (und  aus- 
geartet zu  gylp,  gielp)  Prahlerei,  smilt  smelt  ruhig,  flögen  Diener, 
)7ignen  Dienerin _,  regen  Regen,  rinan  regneu,  gif  gef  ob,  sillic  sellic 
selten.  Ferner  bewahren  die  synkopierten  Formen  starker  Verben  das 
ältere  i:  ic  ete,  ]?u  itst,  he  it,  we  etad.  So  in  mete,  lese,  sprece 
brece,  cwede,  bere,  stele,  helpe,  gelde,  berste. 

Durh.  verwechselt  oft  diese  aus  i  erwachsenen  e  mit  dem  Umlaut 
von  a  und  setzt  deshalb  (altnord.)  oe:  weg  und  woeg,  wel  woel,  we 
woe,  acwoella,  wer  woer,  fela  fcela.  — 

Viele  i  (e)  erweitern  sich  zu  (io)  eo  vor  1:  fela  (got.  filu)  feola  §.  31, 
viel,  til  teola  gut,  geolo  gelb,  silf  seif  seolf  selbst,  seolfor  Silber, 
seolh  seol  Seehund,  geolca  Dotter,  meoluc  meolc  Milch,  seoloc  Seide; 
vor  r:  sweor  Schwäher,  wer  weor  Mann,  weorold  Welt,  steorra  Stern, 
ceorl  Landmann,  eorl  Graf  (altn.  iarl),  weorpan  werfen,  beere  Birke, 
deorc  dunkel,  weorc  Werk,  beorht  berühmt,  sweord  Schwert,  heorot 
Hirsch,  heorte  Herz,  eorde  Erde,  heord  Heerde;  vor  Muten,  besonders 
vor  f  und  h:  eofor  Eber,  efne  eofne  siehe,  gifa  geofa  Geber,  gifu 
giofu  geofu  (giefe  Exon.  116,  21)  Gabe,  heofon  Himmel,  seofon  sieben, 
eoh  Pferd,  fioh  feoh  Vieh,  cniht  cneoht  Diener,  weoduwe  Wittwe, 
freodu  Friede,  nidan  neodan  hernieder,  forgeotol  vergeßlich,  meotud 
Schöpfer,  sweotol  offenbar. 


40  Ags.  I-Stcig:erungcn. 

§.31.  Diesem  eo  liegt  io  zu  Grunde,    der  Laut   ruht  auf  i  oder  e  und 

der  dunkele  Vocal  wird  nachgeschlagen.  Diese  io  finden  sich  noch 
oft  bei  Durh.,  wie  limu,  lioma  Glieder,  liofan  leben,  hiona  von  hinnen, 
iorde  Erde,  niodaweard.  Veranlal^t  sind  sie  nicht  nur  durch  1,  r  und 
h,  sondern  auch  durch  dunkle  Vocale  zweiter  Silbe  und  daher  finden 
sich:  brimu  breomu  Meer,  him  heom  ihnen,  meomor  eingedenk, 
niinan  nioman  neoman  nehmen;  ferner  in  den  nördlichen  Quellen: 
cweodad  Ps.  4,  5,  spreocad  5,  7.  breocu  17,  43.  —  Durham  läl^t 
sogar  manchmal  a  nachklingen,  wie  beara,  eatta,  gefreatta,  geafa, 
geata,  begeatta,  gedearsca  und  dieses  ea  erinnert  an  altnord.  ia,  s. 
-     GG.  p.  450. 

Als  Schwächung  von  io  erscheint  ie:  hira  ihrer,  hiora  B.  2330. 
hiera,  SC.A.  hat  gewöhnlich  hiera,  G.  hiora.  Da  io  aus  i  hervorgeht, 
so  hat  sich  ie  bisweilen  neben  i  gestellt:  gild  gield,  gilp  gielp,  sindon 
siendon  C.  234,  5, 

§.  32.  III.     Die  erste    Steigerung  von    i  ist  im   Got.   ei   (Alts.,    Fries., 

Altn.,  Ahd.  1)  und  im  Ags.  i:  hwll  Weile,  mil  Meile,  Iren  Eisen,  wir 
Draht,  lim  Leim,  rim  Zahl,  tima  Zeit,  sclma  Glanz,  lln  Lein,  scrin 
Schrein,  swln  Schwein,  cnlf  Melker,  lif  Lerb,  wif  Weib,  wiga  Kämpfer, 
llc  Körper  Leiche,  rice  Reich,  bridels  Zaum,  idel  eitel,  slde  Seite, 
wid  weit,  hwlt  weil^,  bilde  froh,  nid  Neid,  Is  Eis,  wls  weise,  liht 
leicht;  ferner  die  Präsensformen  der  5.  Klasse  starker  Verben,  s. 
Elex.  §.  29. 

§.  33.  Die  zweite  Steigerung  von  i  ist  got.  äi  (alts.  e,  altfr.  ä  e,  altu. 

ei,  ahd.  ei  e),  ags.  ä:  gräp  Greifen,  dräf  Treiben  Heerde,  bäd  Pfand, 
räd  Eeiten,  täcen  Zeichen,  hläf  Laib,  swäpan  schweifen,  ägen  eigen, 
lad  leid,  häl  heil,  häm  Heimat,  läm  Lehm  Leimen,  bän  Gebein,  stän 
Stein,  swän  Schweinhirt,  gät  Geil^,  ad  Eid,  cläd  Kleid,  gast  Geist. 
Hierzu  gehören  die  singulären  Ablautformen  der  5.  Klasse:  gän,  hrän, 
s.  Elex.  §.29. 

Auch  hier  hat  sc  und  h  die  Einschiebung  eines  e  verursacht: 
scän,  sceän  schien  Mth.  17,  2.  täh,  teäh  er  zieh  Oros.  4,  11.  J?äh, 
l?eäh  Luc.  2,  52.  wräh,  wreäh  C.  83,  28. 

Für  ä  steht  in  einigen  Wörtern  £e,  wie  snsed  Schnitt,  hseto  Hitze, 
hsel  Heil,  hselan  heilen,  seelan  binden,  cleene  rein,  gem^ne  gemein- 
sam, rsepan  binden,  hseden  Haide,  flsesc  Fleisch  etc.  Der  Wechsel 
zwischen  gedäl  und  dsel,  säl  und  ssel,  läßt  se  als  die  Trübung  von 
ä  erscheinen,  wie  ae  von  a,  oder  als  einen  Laut,  in  den  vielleicht 
das   ursprüngliche   äi   zusammengefloi^en  ist,   während  ä  dadurch  ent- 


Ags.  U-Laiil  ursprünglich,  geschwächt.  41 

standen    ist,    dai^    das    leichte   i    hinter    dem    schweren   Laute   in    äi   §.  33. 
unterdrückt  wurde. 

U- Laute. 

L     Ags.  u  ist,  wie  im  Gotischen,    wurzelhaft:    gumjan   vergeben,   §.  34. 
sunu    Sohn,    lufu    Liebe,    lust    Verlangen,    cruft  Höhle,    clufe   Aehre 
(clove  of  garlic),  suht  Krankheit,  bucca  Bock,  llugol  Vogel,  sugu  Sau, 
fiigol  Vogel,  guttas  Eingeweide.    Viel  öfter  ist  u  aus  a  hervorgegangen: 
sum  einer,  guma  Mann,  wulf  Wolf,  s.  §.  2G. 

Hierzu  treten  noch  andere  u,  die  unter  dem  Eiuflul^e  eines  vor- 
stehenden w  aus  i  sich  entwickelt  haben:  wudu  (widu)  Holz,  wuduwe 
(got.  viduvo)  Wittwe,  wuton  uton  (witon)  laßt  uns  gehen,  wiht  wuht 
Sache,  swira  (D.  Mt.  18,  6)  swura  Hals.  Bisweilen  ist  vor  u  dann 
w  ausgefallen:  fulwiht  fulluht  Taufe,  cwiman  cuman  kommen,  cwic 
cwuc  cuc  lebendig,  hwilic  hulic  welcher,  twiwa  tuwa  zweimal  (Tiwes- 
daeg,  Tuesdaeg)  Dienstag,  betwix  betwux  betux  zwischen,  swister  swuster 
suster  Schwester.  Durh.  läl^t  auch  anlautendes  w  vor  u  bisweilen 
wegfallen:  wudu-hunig  und  uduhunig  Mth.  3,  4.  wuldor  uldor  Joh. 
11,  4.  ä-wunduu,  ä-undun  19,  2.  ge-undraden  Mth.  22,  22.  —  Sogar 
auf  eo,  das  aus  i  entstanden  ist,  wirkt  w  ein,  wenn  man  nicht  lieber 
annehmen  will,  daß  die  dunkle  Färbung  älter  ist  als  eo:  weorpan 
wurpan  werfen,  hweorfan  h\vurfan  zurückkehren,  weordan  wurdan 
C.  28,  4.  222,  23.  werden;  ebenso  murnan  meornan  trauern,  obgleich 
daneben  got.  maurnan  steht. 

IL     Sehr  viele  u,   wurzelhafte  wie  spätere,   sind  nach  o  überge-    §.  35. 
gangen:    hlot    Looß,    bod   Gebot,    bada    Bote,    bodjan    melden,    cora 
Wähler,    frost    Frost,    loca    Gefängniß,    smoca    Rauch,    loga    Lügner, 
molcen  Molke,   hol  hohl,   bora  Träger;    ferner   sehr   viele   Part.  Prät. 
der   1.,  2.  und  6  Klasse,  s.  Flex.  §.  9.   14.  34. 

Manche  o  werden  durch  den  daneben  liegenden  Umlaut  y  als 
frühere  u  nachgewiesen:  gold  gylden  golden,  ];orn  ];>yrnen  dornicht, 
hold  hyldu  Huld,  coren  cyst  Wahl,  boda  bydel  Bote,  hlot  hlyta  Wahr- 
sager, snotor  snytro  Klugheit,  mordor  myrdra  Mörder. 

Auch  hier  ist  hinter  sc  bisweilen  ein  e  (i)  eingetreten:  scucca 
sceucca  sceocca  Mtth.  4,   10.  sculon  sciolo  D.  Luc.   13,  3. 

Manche    u    im    Auslaute    oder    vor    einfacher    Consonanz    haben   §.  36. 
Dehnung    zugelaßen:    nü    nun,    f>ü    du,    mül  Maulthier,    fül   faul,   bür 
Wohnung,    scür  Regenschauer,   sür  sauer,  rüm  Raum,  |?üma  Daumen, 
brün   braun,    dun   Düne    Berg,  rün  Geheimniß,   tun   Zaun,   ruh   rauh, 


42  U-Steig-erung. 

§.  36.    füht  feucht,    lilüd  laut,  scrüd  Kleidung,  üt  aus,  hüs  Haus,  lüs  Laus, 
müs  Maus,  p>üsend  Tausend.    In  tu  ist  ü  durch  Vocalisierung  aus  twä 
entstanden  und  dies  hat,  mit  bä  verbunden,  auf  letzteres  gewirkt  bütü 
und  butu. 
§.  38.  III.     Die  erste  Steigerung  des  u  ist  im  Got.  iu  (für  au,  Alts,  iu, 

Altfries,  iu,  Altn.  iu,  y)  und  im  Ags.  e  o  (Grimm  e  ö).  Da  got.  a  sich 
vor  u  zu  i  schwächt,  so  dürfte  man  wohl  annehmen,  dal^  der  schwe- 
rere Ton  auf  o  gelegen  habe  und  deshalb  eö  zu  schreiben  sei.  Beachtet 
man  dagegen,  daJß  die  gotischen  Laute,  die  beide  kurz  sind  und  zusam- 
menklingen, sich  zu  ags.  eo  schwächen,  daß  diese  eo  sich  theils  zu 
e,  theils  zu  o  weiter  entwickeln,  so  ist  wohl  die  Annahme  begründet, 
daß  beide  gleichstark  gesprochen  wurden  und  in  dem  einen  Fall  e, 
im  andern  o  sich  geltend  machte.  Als  Unterscheidungszeichen  mag 
e  ö  gelten ,  als  Aussprachezeichen  ist  es  schwerlich  richtig-,  e  o  steht 
in:  creopan  kriechen,  creopere  Schlange,  deop  tief,  deoful  Teufel,  reofan 
rauben,  leof  lieb,  breowan  brauen,  geotan  gießen,  hleotan  loßen, 
sceotan  schießen,  beodan  bieten,  beod  Tisch,  leod  Volk,  ceosan  kiesen, 
freosan  frieren,  fleogan  fliegen,  fleoge  Fliege,  fleohan  fliehen,  leogan 
lügen,  leoht  Licht.  —  Diesen  eo  liegt  io  zu  Grunde  und  dies  steht 
noch:  neotan  niotan  C.  15,  18  genießen,  ciosan  B.  4745.  und  bis- 
weilen ist  dies  zu  ie  (Gr.  ie)  geschwächt  —  ein  weiterer  Beweis,  daß 
0  in  eo  im  Tone  nicht  überwog:  streonan  strionan  strienan  (strynan) 
Exon.  85,  6  erzeugen.  —  Durh.  mischt  io,  eo  und  ea. 

Manche  Wörter  haben  ü  neben  und  für  eö;  wahrscheinlich  ist 
dies  die  Verengerung  des  älteren  iu:  gedüfan  tauchen,  scüfan  schieben, 
lütan  neigen,  strüdan  rauben,  lücan  schließen,  sücan  sügan  saugen, 
brücan  brauchen,  bügan  biegen.  —  Der  Gang  des  Lautes  scheint  ge- 
wesen zu  sein:  iu  (ü),  io  und,  indem  sich  i  zu  o  assimilierte,  eo. 

Der  Keduplicationsvocal  eo,  s.  Flex.  §.  2. 

Wie  verhalten  sich  eo,  der  Keduplicationsvocal  eo  und  eo 
(=  eö)?  Die  Brechung  eo  aus  i  wird  schon  im  NAgs.  meist  zu  e, 
und  nur  vorstehendes  w  und  nachfolgendes  r  stützen  den  dunkeln  Vocal. 
Es  muß  daher  wohl  e  vorgeklungen  haben,  also  eigentlich  eo  und  dies 
kurze  e  erhält  sich  meistens.  —  Der  gleiche  Verlauf  des  Eeduplica- 
tionsvocals  läßt  auf  gleiche  Lautung  schließen.  —  Dagegen  eo  (got.  iu) 
bleibt  neben  e,  das  im  NAgs.  eintritt,  bis  ins  Ae.  und  hier  stehen 
noch  e  und  o  neben  einander.  Beide  befestigen  sich  nach  und  nach, 
und  dehnen  sich  jenes  zu  neuengl.  e,  dieses  zu  ö.  Beide  Laute  müßen 
daher  gleichmäßig  gesprochen  worden  sein. 


U-Steig^erung-.     Einflü(?e.  43 

Die  zweite  Steigerung-  des  u  ist  im  got.  äu  (Alts,  ö,  Altfries,  ä,  §.  38. 
Altn.  äu)  und  im  Ags.  oä:  deäf  taub,  reäf  Raub,  neät  Vieh,  leäs  los, 
leäc  Lauch,  dreäm  Freude,  befim  Balken,  fleäm  Flucht,  teäm  Zucht, 
beäh  Ring,  nefid  Noth,  deäd  Tod.  —  Diese  eä  verengern  sich  bis- 
weilen zu  e:  geleah  er  log  a-löh  B.  157.  beäh  beh  bog,  sceät  of-scet 
B.  4874  scholl,  teäh  teh  Joh.  21,  11  zog,  geceäs  geces  Luc.  10.  42. 
feäh  feg  Ps.  17,  19.  neäd  ned,  reäc  rec.  Auch  Durh.  läl^t  eä  oft 
nach  e  und  <fe  gehen. 

Dieses  eä  ist  wohl  nicht  (GGr.  I.  S.  366)  entstanden  durch 
Schwächung  des  äu  erst  zu  äo  und  weiter  zu  äe  und  dann  durch 
jetzt  erst  eintretende  Umstellung.  Vielleicht  fiel  auch  hier,  wie  in  der 
I-Reihe  (äi),  der  Grundvocal  ab  und  zur  Zeit,  als  man  die  Verwandt- 
schaft der  beiden  Steigerungen  noch  fühlte,  veranlai^te  eo  ein  eä; 
also  u,  eo,  eä. 

Ea  und  eä  sind  in  ihrem  Ursprünge  und  in  ihrer  Entwicklung 
verschieden.  Jenes  gehört  der  A-Reihe,  dieses  der  U-Reihe  an;  jenes 
wird  wieder  a  in  seinen  verschiedenen  Schattierungen,  dieses  dagegen 
geht  durch  ab  nach  e  und  wird  zu  gedehntem  I-Laut,  während  Kürzungen 
den  E-Laut  festhalten.     Aber  im  Reimliede:  eäcnade,  weacnade. 

Aeul^ere   Einwirkungen. 

Die  Einflüße,  welche  sich  auf  die  Gestaltung  des  ags.  Lautsystems   §.  39. 
geltend  machen,  sind: 
L  vocalische. 

1)  dunkle  Vocale  zweiter  Silbe  verdunkeln  die  vorhergehenden 
Vocale.  Daher  ist  i  zu  e  geworden:  got.  stilan,  ags.  stelan;  got. 
vig(a)s,  ags.  weg;  got.  itan,  ags.  etan,  Durham  sogar  eatta;  got.  brikan, 
ags.  brecan  selten  breocan.  s.  §.  10,  12.  —  Ebenso  hat  a  auf  u 
gewirkt  und  o  veranlaßt:  got.  hulpans  und  ahd.  holpaner,  ags.  holpen; 
:got.  stulans,  ags.  stolen. 

Diese  verdunkelnde  Kraft  erhält  auch  ursprüngliches  a  und  läl^t 
■es  nicht  zu  3e  werden:  daeg,  dagas,  dagum,  s.  §.  24. 

2)  i  zweiter  Silbe  erhellt  den  vorhergehenden  dunkeln  Vocal  und 
bewirkt  den  Umlaut. 

Der  Umlaut  von  a  ist  e:  hei  (got.  halja)  Hölle,  ben  (got.  banja) 
Wunde,  fen  (fani)  Sumpf;  nemnan  nennen,  scencan  schenken,  sendan 
senden.  Das  Umlaut  zeugende  i  ist  hier  ausgefallen.  —  Ferner: 
bere  (got.  baris)  Gerste,  sele  Hof,  here  (got.  harjis)  Heer,  fremede 
fremd,   engel  Engel,   wedde  Pfand,   enge  enge,   ende  Ende,     Hier  hat 


44  L'inlaule. 

§,  39.  sich  i  noch  erhalten  in  e.  —  Bisweilen  wird  es  consonantisch  und 
assimiliert  dem  voranstehenden  Consonanten:  seljan  sellan  geben,  tellan 
erzählen,  steppan  schreiten,  hebban  heben,  lecgan  legen,  weccan  wecken, 
hwettan  schärfen.  —  Dnrh.  zeigt  hier  selten  zwei  Ausschreitungen, 
indem  für  e  der  altnord.  Umlaut  oe  eintritt,  wie  in  geswcenca  Mrc.  1, 
34.  oder  eine  Verdunklung  des  e  durch  nachfolgendes  a:  sela,  sella, 
sealla  Mtth.  4,  9.   7,  6.     Mrc.   12,   14. 

Der  Umlaut  von  u  ist  y :  wulf  Wolf  wylfen  Wölfin,  fyligan  folgen, 
mylen  Mühle,  bnrh  byrig  Burg,  cuman  cyme  Ankunft,  cyn  (got.  kuni) 
Geschlecht,  cyning  König,  gylden  golden,  wyrm  Wurm,  )?yrnen  dor- 
nicht,  p>yrstan  dürsten,  ymbe  um,  byrden  Bürde,  yfel  Uebel,  yfera 
(ufor  D.  Luc.  14,  10)  obere,  cycene  Küche,  lytel  wenig,  yppan  öffnen, 
bycgan  kaufen,  brycg  Brücke,  hrycg  Rücken,  cyss  Kul^,  lyft  Luft, 
tyht  Zucht,  cyst  Auswahl,  lystan  gelüsten.  Durh.  hat  bisweilen  u 
und  y  neben  einander:  fullgia  Joh.  11,  21.  und  fylgia  Mtth.  8,  19 
folgen,  burig  5,  14  byrig  Mrc.  5,  20,  gedrugia  4,  6  gedrygia  Joh. 
11,  2  trocknen.  —  Auch  die  nach  o  übergegangenen  u  haben  oft 
Umlautbildungen,  s.  §.  35. 

Der  Umlaut  von  ä  ist  £e;  fäm  fsemig  schaumig,  an  £enig  einer, 
räp  rgepan  binden,  fittor  Ottern  giftig,  läc  Itscan  spielen,  täcen  tt^cnjan 
bezeichnen.  Selten  steht  e  wie:  enig  Edw.  1,  2  oder  ä,  wie  hläfdia 
(=   hleefdige)  D.  Luc.   1,  60. 

Der  Umlaut  von  ö  ist  e,  wie  im  Friesischen:  cele  Kühle,  felan 
fühlen,  werig  müde,  deman  urtheilen,  cene  kühn,  grene  grün,  drefan 
trüben,  efest  Eile,  frefrian  trösten,  wepan  weinen,  recan  sorgen,  secan 
suchen,  bredan  brüten,  fedan  füttern,  gled  Glut,  hedan  hüten,  spedan 
sputen,  gretan  grüi^en;  in  der  Substantivflexion  der  Dativ  von  brödor, 
mödor,  döhtor:  breder,  meder,  dehter;  Nom.  PI.  föt  Fuß  fet,  töd 
Zahn  ted,  böc  Buch  bec.  —  Durh.  und  Ps.  haben  hier  den  altnor- 
dischen Umlaut  de:  wderig,  ddema,  grdene,  froefria,  woepa  und  dieses  de 
ist  auch  für  e  (=  got.  e,  ahd.  ä)  eingedrungen:  cwcen,  wden,  gecwdema. 
Im  ostanglischen  Dialecte  scheint  ee  im  Gebrauche  gewesen  zu  sein: 
S£ecan  (Eadm.  Thorpe). 

Der  Umlaut  von  ü  ist  y  (=  altn.  y):  cü  Kuh,  cy  Kühe,  fül  gefylan 
besudeln,  rüm  geryman  räumen,  geryne  Geheimniß,  bryd  Braut,  hyd 
Haut,  ytemest  äul^erste,  gemyd  Mündung,  yd  Welle,  mys  Mäuse.  — 
Wenn  y  oder  y  auch  neben  eo  steht,  so  ist  es  wohl  als  Umlaut  des 
ursprünglichen  iu  (ü)  anzusehen:  fleohe,  flyhst,  flyhd,  wenn  man  nicht 
annehmen  will,  dali  es  aus  dem  Altnord,  eingedrungen  sei.  — 


I 


Consonantische  EinflüGe.  45 

Merkwürdig  ist  ferner,  daß  y  auch  neben  der  zweiten  Steigerung  §.  39. 
des  u-Lautes  liegt,  neben  efi:  lieälian  erhöhen,  hyhan  vermehren,  heän 
niedrig,  hynan  erniedrigen.     Klingt   hier   der   alte  ü-Laut   der  zweiten 
Steigerung  durch?  oder  liegt  e  vermittelnd  zwischen  eä  und  y:  (heänan) 
henan  h}^nan?  und  ist  es  schlechte  Schreibung  (s.  §.  41)? 

Das  Altsächsische  hat  nur  einen  Umlaut  (a  :  o),  das  Friesische 
vier  (a  :  e,  u  :  e,  0  :  e,  ü  :  e),  das  Altnordische  sieben  (a  :  e,  a  : 
oe,  u  :  y,  ia  :  ice,  ä  :  ^,  ö  :  de,  ü  :  y).  Es  ist  unverkennbar,  dai^ 
letzteres  auf  das  Ags.  eingewirkt  hat. 

IL     Consonantische. 

1)  m  und  n  zeichnen  sich  dadurch  aus,    daß  sie  die  Vocale  am  §.  40. 
reinsten  erhalten,  a,  i  und  u,  s.  §.  23.  26. 

2)  sc  läßt  oft  die  Einschiebung  von  e  zu,  so  daß  nachstehendes 
a  zu  ea  wird:  scamu  sceamu  Schaam,  o  zu  eo:  scand  scond  sceond, 
u  zu  eu:  scucca  sceucca,  ä  zu  eä:  scän  schien  sceän,  6  zu  eö:  scöp 
schuf  sceöp,  scöc  schüttelte  sceöc,  scö  sceö  Schuh,  ü  zu  eü:  scür 
(sceür)  scyür  D.  Luc.   12,  54. 

3)  Auch  g  hat  bisweilen  die  Einschiebung  eines  e  gestattet:  gador 
ongeador  B.  3190,  gang  geong  D.  Mtth.  4,  10.  geat  für  gaet,  geaf 
für  gaef,  s.  Elex.  §.   19, 

4)  w  färbt  nachfolgendes  i  dunkel,  wiht  wuht,  s.  §.  34.  —  Hinter 
i  erzeugt  es  ein  u  und  iu  wird  dann  eo:  ags.  niwi  (ahd.  niuwi),  neowe 
neu,  ahd.  triwi  triuwi,  ags.  triwe  treowe  treu. 

5)  h,  1  und  r  bewirken  Erweiterung  des  i  zu  eo  §.  31,  des  a 
zu  ea  §.  25. 

6)  Consonantische  Elisionen  w^erden  durch  vocalische  Steigerung 
oder  Dehnung  ersetzt. 

Es  wird  n  (m)  ausgestoßen  und  für  a  tritt  die  zweite  Steigerung 
ein:  öder  ander,  söd  Wahrheit,  töd  Zahn,  ös  (ans)  in  ös-beorht,  gös 
Gans,  softe  sanft  (=  ahd,  andar,  sand?,  zand,  kans,  samfti),  oder  der 
Umlaut:  sefte  sanft,  est  Gunst  (anst),  ges  Gänse.  —  Dehnung  tritt 
ein  und  i  wird  zu  I  in  flf  fünf,  hriSer  Rind,  lide  linde,  sid  Reise, 
sld  nachher,  swid  geschwind  (=  got.  ahd.  fimf,  ahd.  hrindir,  lindi, 
got.  sinjjs,  svinJ)S,  ahd.  swind);  —  u  zu  ü  in  cüd  bekannt,  cüde 
wußte,  güd  Kampf,  hüd  Beute,  müd  Mund,  süd  Süden,  üde  gönnte, 
füs  bereit,  hüsl  Opfer,  üs  uns  (=;  ahd.  kund,  kunda,  gund,  hunda, 
mund,  Sund,  unda  onda,  funs,  uns,  got.  hunsl).  —  Ferner  g  ist  ausge- 
fallen:   wiegen    wsen    Wagen,    l)egen    Jjen    Diener,  regen    ren    Regen, 


46  Laul\\eclisel. 

§.  40.  regnjan  renjau  regiieu,  frignan  frliian  fragen,  l>egnen  I>Inen  Dienerin, 
bregdan  bredan  bewegen,  stregdan  stredan  ausbreiten,  Prät.  brajgd 
brifed,  sffigde  ssede  sagte,  legde  lede  legte ;  Part.  Prät.  gesegene  gesene 
B.  2511.  —  Auch  w  in  cwam  com. 

7)  Im  Gegensatz  kann  mehrfache  Consonanz  im  Auslaute  Yocal- 
länge  verkürzen.  So  wird  die  Wurzel  gä  in  der  Reduplication  und 
mit  eingeschobenem  Nasale  zu  ganga-n  und  stä,  dem  ein  Bildungs  -d 
antritt  und  n  eingeschoben  wird,  zu  standan,  —  Sanskr.  mä  wird  got. 
mat  und  daher  ags.  metan  meinen,  met  mitta  maet  Mali. 
§.  41.  Zuletzt  ist    noch    des  Lautwechsels  zu  gedenken,  der  nur   in  der 

Aehnlichkeit  des  Lautes  seinen   Grund  hat. 

Die  Aussprache  von  i  und  y  mag  sich  nahe  berührt  haben  (im 
Reiraliede :  nimed:  cymed)  und  daher  erklärt  es  sich,  dal^  beide  Laute 
sich  sehr  oft  mischen.  So  steht  y  fälschlich  für  i  in  Part.  Prät. 
gyfen  B.  128,  gyldan  21,  syndon  472,  dyde  5039,  scyppend  211  etc. 
und  umgekehrt  i  für  y  in  cime  Ankunft,  ein  Geschlecht,  ciniug  König, 
sin  Sünde,  lige  Lüge,  bicgan  kaufen,  dihtig  tüchtig,  drihten  Herr. 
Ebenso  haben    sich   in    späteren   Handschriften  oft  i  und  y  gemischt. 

Diese  Vermischung  hat  andere  veranlaßt. 

Da  e  aus  i  hervorgegangen  ist  und  bisweilen  noch  mit  demselben 
wechselt,  so  tritt  auch  y  für  e  ein:  silf  seif  sylf,  ic  ete,  ])u.  itst, 
)7ü  ytst. 

Und  diese  y  treten  auch  dann  ein,  wo  nicht  e,  die  Schwächung 
von  i,  steht,  sondern  e,  der  Umlaut  von  a:  fyll  neben  gefeall  Fall, 
wyll  well  Quelle,  fyllan  fellan  fällen,  syllau  sellan  geben,  byldo  Kühn- 
heit von  beald,  yldo  ildo  eldo  Alter  von  eald,  yldan  eldan  zögern, 
myre  mere  Mähre,  gyrwan  girwan  gerwan  gearwan  bereiten. 

Aus  i  entsteht  eo:  und  da  i  und  y  sich  mischen,  so  tritt  auch 
eo  für  y  ein:  yfel  eofol  übel,  byrne  beorne  Panzer  etc.  und  umge- 
kehrt y  für  eo:  ä-hwyrfan  für  ä-hweorfan  Exon.  262,  3.  —  Ferner  y 
für  eo  (iu) :  fyr  flr  Feuer  (ahd.  fiur)  tlr  tyr  Glanz,  strionan  streonan 
strienan  strynan  zeugen,  J^eostre  (p>iostro  D.  Mth.  6,  13),  J^ystre- 
dunkel. 

Wie  y  für  e,  so  tritt  auch  y  für  e  ein  da,  wo  es  Verengerung 
von  eä  ist:  heran  liyran  (got.  häusjan),  beme  byme  Trompete,  flema 
flyma  Flüchtling,  gelefan  gelyfan  glauben,  nedan  nydan  zwingen,  ecan 
ycan  vermehren. 

Solche  lautlichen  Ausschreitungen  mögen  in  dialectischen  Eigen- 
thümlichkeiten  einen  Halt  gefunden  haben. 


47 

Zweiter   A  b  s  c  li  n  i  1 1. 

Historische  Entwicldung-  der  angelsächsischen  Vocale. 

Nachdem  der  ags.  Vocalismus  dargelegt  worden  ist,  lälU  sich  die 
weitere  Entwickhing  desselben  zeigen. 

A-Laut. 

Das  gotische  a  wird  ags.  a),  a,  e  a  und  umlautendes  e.   Die  Schwä-  §.  42, 
chungen  i  und  u  mischen  sich  mit  den  ursprünglichen  i  und  u. 

Ags.  ae  schwankt  bei  Lag.  zwischen  ae,  a  und  e,  selten  ea:  (II.  Conj.) 
bar  ibser  ber,  brac  braec  breac,  spac  spaec  spec,  tar,  scar,  stal,  Flex. 
§.  15;  (III.)  gaet  gat,  qued  quad,  baed  bad  bed  bead  abed,  gaf  gaef 
gef  geaf,  sat  säet  set  seaet,  laei  lai  lei  leai,  s.  Flex.  §.  20;  ferner 
lasse  laesse,  what  whaet  whet,  gras  graes,  craft  craeft  etc.,  selten  a 
allein,  wie  in  whales  2363,  smale,  bad,  päd  u.  s.  w.  —  Orm  hat  fast 
durchgängig  a:  forr-hall,  barr,  bracc,  spacc;  gaff,  bigatt,  satt,  tradd, 
badd,  cwal)}),  lagg,  nur  et  11549,  gesst-hus  7040  und  gresess  15468 
Gräser.  —  Ae.  RG.  hat  meist  a,  oder  e;  in  IL  liebt  EG.  e:  stel, 
ber,  brek,  spec,  PL.  und  Ps.  a:  stal,  bare,  brak,  spak;  (III)  RG.  gaf 
gef,  et,  fret,  quad  qued  quod;  Ps.  und  PL.  gate,  sat,  gaf,  trad, 
quathe,  wrake.  Aul^erdem  hat  RG.  gewöhnlich  a:  smal  2514,  bar 
frei  2677,  bewar  11526,  abbe  haben  192,  hauen  Hafen  1484,  apple 
5913,  stake  Pfosten  1176,  fader  581,  ]7at  7373,  at  1484,  water 
1792,  Ps.  hat  a,  selten  au:  lauh  Gesetz.  —  Me.  Meist  a:  (II.)  stale 
PP.  staal,  bar  baar  beer,  schar,  tare,  brake,  spac  spake;  (III.)  gat 
gate  geet,  gaf,  sat,  trad,  bad,  lai  Wycl.,  quath  Cr.  195  quod  PP.  319, 
what,  gras  grass,  raven,  craft,  lasse  lesse,  gest  Gh.  8214.  —  Im 
Ne.  bleibt  noch  in  grellem  Umfange  der  ags.  Laut  in  dem  nach  und 
nach  zur  Geltung  gelangenden  a,  wenn  er  seine  Kürze  bewahrt:  bade 
gäve,  sät;  bäd,  säd,  gläd,  ät,  thät,  cät,  craft,  äpple,  häppy,  äsh, 
äss,  gläss,  päth.  Man  darf  daher  wohl  annehmen,  daß  der  ursprüng- 
liche Laut  von  ags.  ae  =  neuenglisch  ä  war  —  eine  Annahme,  die  durch 
die  strenge  Unterscheidung  des  ags.  ae  von  a  und  durch  die  öftere 
Berührung  jenes  mit  e,  s.  §.  2,  gestützt  wird.  Im  Ae.  scheint  der 
Laut  des  letzteren  sich  geändert  zu  haben  und  a  tritt  an  die  Stelle 
von  iß.  Die  Formen  stale,  bare,  brake,  spake,  tare,  gat  und  trad 
sind  jetzt  veraltet.  Die  Ausschreitungen,  welche  eintreten,  sind  folgende  : 

1)  Eintretende  Vocallänge  steigert  den  A-Laut  nach  beiden 
Richtungen,    entweder    nach   e    hin,    wie    whäle,    gräve,    awäre,    äte 


48  Hist.  Entwicklung  d.  ags.  Vocale.     A-Laut. 

§.  42.  (=  ät  S.  J.  Ja.  K.  R. ,  et  Sm.,  ät  et  W.),  to  lade,   läte,  räven  oder 
nach  0  hin,  denn  ags.  ä  wird  ne.  ö:  stöle,  bore,  bröke,  spöke,  to  löad. 

2)  Auslautendes  11  und  anlautendes  w  verdunkeln  den  A-Laut: 
smäll,  wbat  (=  hwöt),  was  (wöz),  wäter  und  a  ist  deshalb  o  geworden 
in  quoth  (kwoth  F.  Ja.  K.,  köth  S.,  kwüth  und  kwöth  W.,  kwiith 
J.  Sm.). 

3)  Einfaches  g  erweicht  zu  i  und  flielU  mit  a  zusammen:  däy,  näil. 

4)  e  bleibt  in  guest,  elf  und  egg,  und  tritt  ein  in  less,  -ness; 
französische  Schreibung  hat  dort  u  eingeschoben. 

§.  43.  Ags.  a  steht  nur  vor  den  dunkeln  Vocalen  zweiter  Silbe,  sodann 

in  einigen  Wörtern  und,  nach  o  schwankend,  vor  m  und  n.  Letzteres 
bleibt  bei  Lag.  fram  from,  man  mon,  lang  long  und  bisweilen  schiebt 
sich  e  vor:  heond  A.  3S07,  leand  A.  3238.  Der  Ablaut  in  I  heißt  ge- 
wöhnlich o:  ilomp,  a-gon,  bond,  a-swond,  wond ,  fond,  swonc,  dronc, 
sprong,  stong,  Jn'ong  und  sogar  in  orn  und  born,  s.  Flex.  §.  10, 
seltener  a,  wie  be-wan,  at-ran,  swang,  sprang.  Dagegen  in  andern 
Wörtern  steht  zwar  a,  wie  makede,  care ,  nakede,  sadele,  sadeli; 
ac  ah,  martir  und  zu  marmestan  bringt  B.  marblestan;  doch  tritt  da- 
neben auch  38  und  e  ein,  so  dal^  der  Ableitungs-  und  Flexionsvocal 
keinen  Einflul^  mehr  übt,  wie  glad  B  gled  A  3962,  glaed  4950,  faren 
fasren  A  4401,  habben  hsebben,  rade  rrsde.  Orm  aber  hat  durchgän- 
gig a,  das  weder  nach  se  noch  nach  o  ausweicht:  mann,  cann,  lamb, 
lannge,  lannd,  hannd;  ferner  in  den  ablautenden:  bi-lammp,  gann,  blann, 
wann,  rann,  drannc,  swannc;  nur  band,  fand,  wand,  sprang  scheinen 
lang  geworden  zu  sein  und  nakedd,  care,  name  sind  es  ohne  Zwei- 
fel. —  Im  Ae.  hat  RG.  zahlreiche  o,  PL.  seltene  o  und  Ps.  nur  a 
vor  m  und  n,  s.  Flex.  §.  10.  Aul^erdem  fallen  diese  a  mit  den  aus 
ags.  36  entstandeneu  zusammen.  —  Me.  Der  Wechsel  zwischen  a  und 
0  vor  m  und  n  dauert  bei  Wycl.,  Ch.  und  Mau.  noch  vielfach  fort: 
man  mon,  lamb  lomb,  band  hond,  land  lond,  straud  strond.  Ebenso 
im  Ablaut  der  I.:  drank  Job.  4,  12.  drank  B.  drank  A.  Gen.  25, 
34,  gan  Jer.  prol.,  sang  Ch.  712,  the  sänge  95,  sprang  14050  sprong 
12045  etc.  Wycl.  bestätigt  die  bei  Orm  angedeutete  Dehnung  in 
foond,  soong,  sproong.  —  Im  Ne.  zeigen  sich  die  beiden  Laute ,  die 
im  Ags.  schon  hervortreten,  o  und  a;  beide  sind  weiter  gebildet: 
jenes  zur  lautlichen  Steigerung,  dieses  zur  Dehnung,  o  hat  sich  fest- 
gesetzt, wie  in  clömb  er  klimmte,  long  lang,  among  unter,  söng  Sang, 
ströng  stark,  töng  Zange,  thöng  Riemen,  thröug  drängen.  Steigerung 
des    o-Lautes,    die    schon   Wycl.   andeutet,    ist    eingetreten    in    föünd. 


Verlauf  des  ag-s.  ca.  49 

böOnd,  gröünd,  woünd,  während  mittele,  soong,  sproong  wieder  auf  §.  13. 
sang,  sprang  zurückgeben.  Dagegen  ist  a  geblieben  und  steht  dem 
vorigen  a  vor  andern  Consonanten  völlig  gleich,  wie  in:  man,  cän, 
camp,  sang,  thänk,  Tmd,  h^ind,  sänd,  land,  hang,  stand,  hämmer,  dämp, 
band.  Vorstehendes  w  färbt  den  Vocal  dunkler:  wan  (ö),  swan.  — 
Vocalverlängerung  macht  a  zu  ä:  täme,  läme,  näme,  fäne,  väne,  säme, 
läne  und  Schlul^-e  ist  Längezeichen;  ebenso  in:  to  mäke,  to  bäke  etc. 
—  a  vor  andern  Consonanten  steht  dem  vorigen  gleich:  gläd,  säddle, 
und  gedehnt  in  cäre,  färe  etc. 

Das  für  got.  a  vor  1,  r  und  h  eintretende  ags.  ea  geht  bei  Lag.  §.   14. 
meist  nach  a  zurück:    al,   halle,  wal,   ale  (Bier),   falewe,  salm,  scalc, 
salt,  härm,  warm,  gadere ,  scade  (Ungeheuer).     Bisweilen  stehen  auch 
a,    ae,    e    daneben:    heard    hard    haerd    herd,    eax   sex,    teares   teres 
(Thränen),    balu   baelu.     Die  Ablaute  in  I   sind:    gealp,   halp,   swselt, 
baelh   balh,    warp,   caerf   carf,   ward,   feaht  faht;    IIL  sseh;   IV.  lehge 
(lache),   waxe  (wachse).     Manche  Wörter  schwanken  nach  o  über  und 
das  deutet  auf  Dehnung:  halde  haelde  holde,  pp.  halden  holden,  qualm 
A  cwaolm    B  (Mord),    ald   aeld   old,   salde   saelde   sold;  —  chestre  ist 
schon  geschwächt.  —  Orm  hat  überall  a  bis  auf  chesstre  (Stadt),  sern 
(Adler),    aerd    (Land).    —    Im   Ae.    mindern    sich    die    Schwankungen 
nach   ae  und   e,    a  wird  fast  allgemein:   al,    alle,   halle,   walle,    falle, 
half,   ferner  als  Ablaut   in  I   halp   help,    dalf,   gald   gold,    carf  kerf, 
warp,  fagt  faght  (fauht  PL.,  die  e-Formen  hat  RG.,  PL.  nur  a);  sagh 
saw,   sau,   sauh   PL.   s.  Elex.  §.  21.  —  e   steht  selten    wie   in  gerde 
RG.  512,    0   in    old,    bold,   holden    etc.   —  Auch    im  Me.    ist   a   der 
gewöhnlichere  Laut,  wie  in:  alle,  halle,  ale,  fallen,  calf,  halt,  falde, 
Walde,   walke,   harpe,    arm,  härm,  harde,  sharp,  barm.     Die  Ablaute 
in  I  sind:    swall,    swalt,    malt,   starf,   faught   Gh.,   fagt,    halp,    dalf, 
karf  Wycl.,    foughte   Mau.,  gald,    worth  ward  PP.     Selten    e,   wie  in 
erme  (sich  erbarmen)  Ch.   12246,  derne  (verborgen),  berd  (Bart)  Mau. 
3.  etc.  —  Im  Ne.  bleibt  meistens  a,  aber  verschieden  lautend,  dunkel 
vor  1  und  11,    wie  in  all,   hall,    stall,   fäll,    hält,    malt;    und  obgleich 
1  stumm  geworden  ist,  in:  walk,  tälk;  und  in=:  säw,  auch  in  dem  gra- 
phisch abweichenden  fou^ht  (=  fät);  —  reines  a  vor  r:   arm,    bärm, 
härm,    färm,    yärn ,    härp,    mark,    härd,   shärp    und    in    Wörtern,    in 
denen   1   stumm   geworden   ist,    wie:  sälm,    cälf,    half,    auch  in  läugh, 
läughter,  wo  a  zu  au  geworden  ist;  —  helleres  nach  e  zugeneigtes  a: 
äx,  äxle,  wäx,  shäll,  shädow,  und  selbst  e  in  to  belch,  stern,  Berk- 
shire  und   mit  aus  dem  Guttural  vortretendem  i  in  eight  (=  ät)  und 

Koch,  engl.  Grammatik.     I.     2.  Aufl.  4 


50  Verlauf  des  ags.  e. 

§.  44.  bei  eintretender  Vocallänge  steigert  sich  a  zu  reinem  e-Laiite:  scäle, 
shäme,  äle.  Den  Gegensatz  bildet  langes  o,  das  sich  festgesetzt  hat 
in  öld,  böld,  föld,  hold,  wöld.  Lautlich  weicht  ab:  beard  (=  berd). 
Ags.  ea  geht  nach  a  zurück,  das  im  NAgs.  kurz  bleibt 
und  daher  nach  ae  und  e  schwankt  oder  lang  wird  und  deshalb  zu 
0  sich  neigt.  Jener  Laut  entwickelt  sich  wie  ags.  se,  indem  die  con- 
sonantischen  Einflüße  auf  die  Lautung  hervortreten  und  Dehnung  ä 
bewirkt;  ö  dagegen  erhält  sich. 
§.  45.  Der  ags.  Umlaut  von  a,  e,  bleibt  durchgängig  bei  Orm  und  meist 

auch  bei  Lag.,  bisweilen  steht  se  daneben,    das  aber  nicht  als  Rück- 
gang  zum  A-Laut   zu   nehmen  ist,    weil  das  aus  i  entstandene  e  die- 
selbe Neigung  hat:    eft  seit,   Serien  A  herien  B  (pflügen)  10030,   bete 
(Hall)   4042   hsete  A   hate  B  20441,   mete   18093    maete  4466,    teilen 
14  ttellen  12946,  nur  hsengest  und  hsehuen  (heben)  11601,  aber  seilen 
seollen  31053  und  suUen  29057,  seggen  (sagen)  512  suggen  983.  — 
Im  Ae.   und  Me.   befestigt  sich  e:   helle,    hen,  fen,    men,    ende,    net, 
bet,   derien,    eft,  sweren,  bench,  mete  (Speise),  seilen,  webbe,  letten, 
whetten,    senden,    wenden,    scenchen,    setten    etc.     Auch    im    Ne.   ist 
e   meist  geblieben.     Die   ältere  Schreibung  denne,   henne,   fenne,    die 
schon  Smith  (1568)   für  falsch   erklärt,    da  e  stumm  und  die  Doppel- 
consonanz  Zeichen   für  Vocalkürze  sei,   hat   sich   vereinfacht    zu   den, 
hen,  fen;  ferner  men,  hell,  bed,  net,  better,  neb,  web,  eft,  bench,  to 
drench,    so  seil,    to  teil,    to  quell,    step,    edge,    to  wed,   to  whet,   to 
Set,    to  send,   end;   bend   steht   noch   in   bendlet,   bench  neben  bänk. 
Nach    a  zurückgegangen    sind   to   bare,    to  täme,   band,  to  bäte,   to 
quäke,  ängel,  entweder  weil  ein  gleichlautendes  Wort  daneben  lag,  wie: 
bare  (nackt),  tarne  (zahm),  band  (band),  oder  weil  e  sich  dehnte  und 
den  bezeichnendem  Ausdruck  in  a  fand,  oder  weil  sich  die  ursprüng- 
liche fremde  Form  aufdrängte  wie:  angel.    In  to  läy,  to  säy  (für  ley, 
sey  ]aus  lecgan  leggen  lege  leye  leie,    secgan  seggen  sege  seie),    hat 
sich  a  festgesetzt,  nicht  etwa  dem  Prät.  Iseg  Iseg  Isei  lay  entsprungen, 
sondern  weil  ai,  ay  die  gewöhnlichere  Form  für  ä  ist.  —  In  meat  und 
to  heave  (Wycl.  mete)  muß  frühe  Dehnung  eingetreten  sein  und  darum 
gelangen  beide  zu  gedehntem  i-Laute. 

Meistens  erhält  sich  kurzer  e-Laut,    bisweilen  hat  sich 

derselbe  gedehnt  und  nur  selten  ist  langer  i-Laut  eingetreten. 

§.  46.  Die  erste  Steigerung  von  a,  ags.  se  (gotischem  und  fries.  e,  altn. 

und  ahd.  ä  entsprechend),  bleibt  bei  Orm  meist  se:    msel,  hser,  baere, 

msere,    wsepenn ,  graef,    spseche,    laeche,  straete,  daed,  raed,  waed;   bis- 


Verlauf  des  ag-s.  ce,  a?  u.  o.  51 

weilen  e  wie  in  sei,  efenn,  gredi^,  nedle  und  sed,  und  selten  weiteres  §.  46. 
Scliwanken,  wie  sliep  slep  slap,  diele  del  dal.  Bei  Lag.  dagegen 
schwanken  ae  und  e  in:  sail,  baere,  la)clie,  spa3clie,  straete;  ae,  e  und  a 
in:  diele  und  miere;  e  und  a  in  wepen ;  se,  e,  a  und  ea  in  ried,  slaep 
und  iefen.  Auch  die  pluralen  Ablaute  der  2.  und  3.  Klasse  beharren 
bei  Orm:  ba^renn,  spa^kenn,  giefenn,  (eten),  ga3tenn,  saetenn,  traedenn, 
bißdenn,  cwiej^enn,  laeghenn,  saeghenn,  während  sie  bei  Lag.  schwanken: 
stalen,  beren,  toren,  brecon,  braken,  spaeken,  specen,  geuen,  aeten, 
getan,  freten,  seten,  to-treden,  beden,  queden,  awreken,  laeien,  isegen. 

—  Im  Ae.  und  Me.  tritt  gewöhnlich  e  ein;  ele,  euen,  slepe,  speche, 
ded(e),  red(e) ,  strete,  dede,  deede,  nedle,  mele.  —  Im  Ne.  ist  dies 
lauge  e  zu  gedehntem  i- Laute  geworden,  dessen  Bezeichnung  ver- 
schieden ist,  mit  ee:  eel ,  sleep,  leech,  speech,  greedy,  needle,  seed^ 
weed,  deed  oder  mit  ea  in:  read,  meal  und  deal  oder  mit  e  in  even(ing), 
key  (y  ist  erweichtes  g  im  ags,  ceege,  altengl.  keye),  oder  mit  ie  in 
hier;  kurzes  i  in  riddle  (ags.  rsedels).  Langer  e-Laut  (ä)  bleibt  in 
häir,  were,  there,  sträit,  grey  und  kurzer  (e)  in:  weapon.  Hierher 
scheint  auch  ags.  brser  (brer)  zu  gehören,  me.  brere,  das  sich  durch 
das  nachklingende  r  zu  ne.  bri-ar  erweiterte. 

Der  ags.  Laut  muli  ursprünglich  gedehnter  breiterer 
e-Laut  gewesen  sein,  der  sich  selten  in  Dehnung  erhält 
oder  verkürzt,  gewöhnlich  zu  langem  i-Laute  wird.  Wann 
trat  dieser  ein?  s.  §.   100.     Auffallend  sind  riddle  und  briar. 

Die  zweite  ags.  Steigerung  ö  erhält  sich  auch  im  NAgs.  bei  Lag.  §.  47. 
und  das  in  to  rouwe  A  rowe  B  7813  hervortretende  u  ist  durch  w 
veranlal^t;  Orm  hat  nur  ö  in  sho,  to,  flor,  blome,  dom,  don,  boc,  blöd, 
fode,  god,  gode,  mod,  moderr,  rode,  fot,  bro)?err,  bosemm.  Auch  die 
Ablaute  in  der  IV.  bleiben  ö,  nur  in  wessh  1103  und  wex  8853  hat 
sich  e  (aus  weox)  befestigt  und  bei  Lag.  steht  neben  einander  weox 
und  weax,  swor  und  swar,  ahof  heof  haef  und  heaf,  stop  und  stepen. 

—  Im  Ae.  steht  o  und  im  Me.  o  und  oo;  shoo  Ch.,  schoo  shoo  WycL, 
doon,  dome  doom,  boke  book,  blöde  blood,  gode  good,  mode  mood, 
moder,  brother.  Auch  in  den  Ablauten  bleibt  o,  ausgenommen  in  alt- 
engl. wed,  Step  stap,  drewe  neben  drowe,  wex  und  wax  und  in 
mittelengl.  slewe  (wahrscheinlich  mit  erweichtem  w)  neben  slowe  und 
drewg  neben  drowe.  —  Im  Ne.  ist  der  lange  o-Laut  geblieben  in 
soft,  gröve,  glöve,  flöor,  to  gröw,  to  röw,  to  low.  Er  ist  zu  ge- 
dehntem U-Laut  geworden  in  shöe,  tö,  to  dö,  cool,  möor,  blöora, 
döom,  röof,  bröok,  möod,  röod,  föot,  söoth,  töoth,  göose.   Zu  dunkelem 

4* 


52  Verlauf  des  ag^s.  e  und  i. 

§.47.  Laute  (=  ä)  ist  er  geworden  in:  sought,  thought,  deren  ursprüng- 
liche Längen  im  Ags.  (söhte  }7öhte)  sich  bei  Orm  in  sohhte  und 
)70hhte  verkürzt  finden  und  mit  Ausstellung  des  Gutturals  wieder  lang 
werden.  Einige  Wörter  haben  die  Vocalkürze  eintreten  laßen  und 
zwar  o-Laut:  bröther,  möther,  öther,  flöod,  blöod,  oder  u-Laut:  book 
(=  buk),  hook,  rook,  bosom  (=»  büzum  und  bözum).  Die  Ablaute 
s.  Flex.  §.  28:  stood  (stüd),  forsook,  took,  shook,  drew  (dru),  slew, 
swöre,  höve. 

§.  48.  Der   ags.  Umlaut   von    ö,    e,   schwankt    zwar   bei  Lag.   bisweilen 

nach  se  und  schränkt  sich  ein:  boc  Buch,  bsec  bokes,  fot  fet  fset 
fuoten  etc.,  bleibt  aber  bei  Orm.  —  Im  Ae.  und  Me:  kemeling  KG. 
583.  to  deme,  to  feie,  chele,  grene,  to  wepe,  to  kepe,  to  seche,  fot 
fet,  te)7,  brej^re,  swete,  to  mete;  bei  Ch.  deme,  kene,  grene,  wepe, 
seke,  fede,  feto,  grete,  tethe,  to  mete;  feet  Wycl.  Mt.  5,  35.  bretheren 
und  britheren  Gen.  9,  22.  —  Im  ISTe.  ist  für  e  langer  i-Laut  einge- 
treten in  to  teem,  keen,  green,  to  weep,  to  seek,  to  beseech,  to  breed, 
to  feed,  to  heed,  to  speed,  feet,  teeth,  geese;  weary.  Auch  brethren 
war  auf  dem  Wege  (nach  Wycl.)  den  i-Laut  anzunehmen,  die  einge- 
tretene Kürze  aber  hat  den  e-Laut  bewahrt.  Nur  wenige  Wörter 
gehen  nach  ö  oder  dem  daraus  entspringenden  oo  zurück:  (ags.  smede) 
smöotli,  (ags.  cele)  cool. 

Da  die  Verkürzungen  den  e-Laut  haben,  wie  wept,  bred,  fed, 
brethren,  so  mu£i  auch  ags.  e  diesen  Laut  gedehnt  gehabt 
haben  und  e  tritt  erst  später  ein,  s.  §.   100. 

I-Laut. 

§.  49.  Der  einfache  i-Laut  tritt  schon  im  Ags.  in  i,  e  und  eo  aus  einander. 

Organisches  ags.  i  bleibt  im  NAgs.  wie  bei  Orm  in  wlite,  writt, 
shriffte,  swifft,  child,  tritt  aber  bei  Lag.  bisweilen  nach  e  über:  cliff 
clef  etc.  Auch  die  Schwächung  von  a  bleibt  hauptsächlich  vor  m 
und  n  und  die  bei  Lag.  eintretenden  Schwankungen,  wie  lim  lern 
leom,  aginnen  agunnen,  climben  clemben,  finger  fenger,  swenchen 
swinken  etc.,  verschwinden  später  fast  gänzlich  (Me.  leme  Mau.  14) 
und  i  befestigt  sich.  —  Im  Ae.  mischen  sich  i  und  y  bei  RG. :  him, 
hym,  his  hys  ys,  ring  ryng,  wind  wynd  etc.  und  ebenso  im  Me.  — 
Ne.  Kurzes  i:  bit  (Biß),  writ,  drift,  smith  und  v.  a.;  gedehnt  in  shield 
(Me.  scheeld  Mau.).  Nach  zwei  Richtungen  hin  hat  i  lautlich  Ein- 
buße erlitten.  1)  Nachfolgendes  r  trübt  den  Laut  und  bringt  ihn  e 
nahe:  bird,  birch,  girl.  2)  Kurzes  i  wird  zum  diphthongischen  ei 
vor  -nd:  to  wind,  to  bind,  to  find,  behind,  hmd,  kind,  blind,  mmd. 


Verlauf  des  ag-s.  e.  53 

nur  in  tlie  wind,  hinder  hat  sich  kurzes  i  erhalten;  ferner  vor  -Id:  §.  49. 
child,  mild,  wild;  als  vocallscher  Ersatz  für  consonantische  Verluste: 
I  (ags.  ic),  to  lie  (licgan),  nine  (nigon) ,  knight  (cnilit),  night,  might, 
bright,  weil  in  letzteren  der  Guttural  stumm  geworden  ist;  endlich  in 
shire  (auch  shire  W.  P.  J.  Sm.),  ivy  (ags.  ifig)  und  climb.  Unregel- 
mäloig  erscheint  die  verschiedene  Aussprache  in  den  gleichen  climb 
und  limb.  Aber  sie  erklärt  sich  daraus,  dal^  in  climb  der  Auslaut  b 
organisch  ist  und  sein  Verklingen  Lautsteigerung  nach  sich  zog;  da- 
gegen in  limb  ist  b  erst  hinzugefügt  worden,  um  die  Kürze  zu  befestigen. 
Abweichend  verläuft  Ags.  micel  mycel  mucel  (got.  mikils,  St.  mah). 
Lag.  muchel  muche,  0.  mikell;  Ae.  muchel  muche,  Me.  meche  Mau. 
und  moche.  Von  den  beiden  a-Schwächungen  hat  u  überwogen  und 
im  Ne.  hat  sich  müch  befestigt,  im  Schott,  muckle,  mickle,  meikle. 

Die   Kürze    bewahrt    den  ursprünglichen  Laut;    r   trübt 
diesen;  mit  Dehnung  tritt  Lautsteigerung  ein. 

Das  aus  i  erwachsene  ags.  e  unterliegt  im  ISTAgs.  manchen  §.  50. 
Schwankungen:  es  bleibt  in  he,  me,  ]>e,  spei,  beren,  sweuen,  stefne, 
breken,  freten;  es  geht  in  bi  nach  i  zurück.  Neben  e  stellt  sich  eo: 
Stelen  steolen  2353,  seif  seolf  608  und  sulf  2135,  gefan  geouen  28273. 
Es  stellt  sich  dem  aus  a  umlautenden  e  völlig  gleich:  deinen  daelfen 
5813,  sceren  schaeren  14216,  eten  seten  13456;  heim  haelm  23979 
halm  21141  heim  A  healm  B  23965,  awreken  5770  wraeken  7750 
wracken  20256,  speken  26329  spsecken  14758,  specken  20880.  Einige- 
mal stehen  sogar  beide  Schwankungen  nach  eo  und  se  hin  neben 
einander:  helpen  695  halpen  17991  heolpen  15031,  ebenso  gelpen, 
bernen,  werpen  etc.  Orm  behält  e  bei:  stelenn,  forr-helenn,  berenn, 
brekenn,  spekenn,  scerenn,  terenn.  —  Im  Ae.  und  Me.  selten  i,  wie 
in  bi  und  hile  altengl.  Ps.  16,  9,  hile  hele  Wycl.  B  Ex.  10,  5.  1  Kgs 
3,  17,  gewöhnlich  e.  Das  e  beginnt  sich  im  Me.  vielfach  zn  verlängern: 
wee,  yee,  thee,  breke  breek,  tere  teer,  trede  treeä,  wreche  wreek  Wycl. 
pleye  Mau.  3,  weye  1  und  way  4,  bere  2.  —  Im  Ne.  gehen  diese 
Wörter  lautlich  wenig,  graphisch  weit  aus  einander.  1)  Kurzer 
e-Laut  bleibt  in  well,  knell,  spell,  to  swell,  heim,  to  delve,  seif,  to 
help,  yelp,  seldom,  to  thresh,  to  fret,  yet;  her,  herd;  wealth,  wea- 
ther  (ags.  weder  Wetter),  wether  (ags.  weder  Widder),  leather,  to 
tread;  to  bürst  (berst  Wycl.),  bürn  (bern  aus  brenne),  rün  (Me.  renne). 
Gedehnter  Laut  ist  in  to  break  und  to  beär.  In  pläy,  wäy,  räin  ist 
a  für  e  eingetreten,  y  und  i  sind  erweichte  g:  (plega  pley)  pläy, 
(weg  wey)  wäy,    (regen  rein)  räin.     2)  Gedehntes  i  steht  in:   he,   me, 


54  Verlauf  des  ag-s.  eo. 

§  50.    ye;  thee,  fiöld,  to  yield,  shield,  sieve,  to  speak,  to  weave,  to  eat,  to 
wreak,  to  steal  und  in  dem  dialectischen  heal,  hole  (hehlen). 

Kürze  bewahrt  ursprüngliches  e,  Dehnung  ist  meist 
mit  Lautsteigerung  verbunden. 

§.  51.  Das  aus   i    entstandene   ags.   eo  bleibt  selten  im  NAgs. ,   wie  in 

eorl,  feorme,  eornest,  heort  (Hirsch),  heorte  (Herz),  eotend  (Riese). 
Gewöhnlich  verengert  es  sich  1)  zu  e  und  seinen  Schwankungen:  feole 
feie  (viele),  weole  wele  (Schatz),  seoluer  seluer  (Silber),  beornen  bernen, 
cheorl  chaerl  (Landmann),  kernen  (schneiden),  swaerken  (verdunkeln), 
sweord  swerd,  eorde  erde  earde  (Erde),  heouene  heuene  (Himmel),  seouen 
seuen  (sieben);  —  2)  zu  o(u):  seolke  solke  (Seide),  sweore  swure 
(Schwäher),  weoruld  weoreld  world,  steorre  sterre  storre  (Stern),  weorc 
werc  worc.  Orm  hat  e  o  noch  seltner,  dafür  und  daneben  gewöhnlich 
e;  weorelld  werelld,  steorrne,  cherrl,  georne  gerne,  werrpenn,  berrghenn, 
weorrc  werrc,  swerd,  heorrte  herrte,  eor]?e  er)?e,  seffne,  eornenn  ernenn. 
Sutell  durch  Erweichung  des  w  in  ags.  sweotol  und  wurr}>enn  unter 
dem  Einflul^  des  w  neben  werrpenn.  —  Im  Ae.  tritt  gewöhnlich  e  ein: 
erl,  swerd,  lerne,  hert,  herte,  leue,  clepe  (clupe  RG.  4719  rufen), 
heven,  werpe;  selten  o,  wie  in:  work,  world,  und  selbst  bisweilen  in 
her  (ihr)  RG.  10655  und  hom  (ihnen)  10651  für  die  gewöhnlichen 
Formen  her  und  hem,  wor)?e  (werden)  12019.  —  Auch  im  Me.  gewöhn- 
lich e:  feie,  yelwe,  seife,  sterre,  erle,  swerd,  hert,  herte  (Herz),  erthe, 
cherl,  ernest,  kerve,  sterve,  heven  hevene,  derk,  gerne,  lerne  etc.; 
neben  einander  cherle  PP.  310,  chorl  Creed  439,  werc  werken  to 
werche  PP.  511  Mau.  wark  Cr.  104.  to  worche  Mau.,  werld  Cr. 
1592.  world  PP.  7,  worthe  12,  spornen  und  mournen  Wycl.  Manche 
aber  gehen  nach  i  zurück:  silver,  milk  etc.,  es  muli  wohl  altes  i  da- 
neben gelegen  haben.  —  Im  Ne.  haben  sich  die  Laute  sehr  zerstreut: 
1)  der  i-Laut  ist  geblieben  in  silver,  silk,  milk,  widow,  frith,  birch 
und  erweitert  in  knight;  diese  weisen  auf  erhaltenes  i  hin.  2)  e  hat 
sich  festgesetzt  in  yellow,  seif,  seven,  denen  chürl,  earl,  earnest,  earth 
und  heaven  lautlich  nahe  steht,  während  es  sich  verdunkelt  hat  in 
heärt,  heärth,  stär,  to  cärve,  to  stärve,  därk,  hart;  —  3)  o  hat  sich 
befestigt  in  yölk,  wörld,  wdrk  und  swörd. 

Das  frühe  Hervortreten  des  e  im  NAgs.  erweist  dieses  als 
überwiegend  in  eo.  Dieses  e  wird  in  den  Kürzen  bewahrt 
und  durch  r  verdunkelt.  Anlautendes  w  aber  wirkt  den  dunkleren  o-Laut. 

§.  52.  Die  erste  Steigerung  von  i,    got.  ei  entsprechend,   ist  ags.  1  und 

diese  bleibt  bei  Lag.  und  Orm,  nur  in  lihht  (leicht)  10544  hat  sich  i 


Verlauf  des  ags.  i  u.  a.  55 

verkürzt.  —  Auch  im  Ae.  steht  i  oder  y  und  im  Me.  wird  Vocallänge,  §.  52. 
besonders  bei  Wycl.  und  PP.  durch  Verdoppelung  des  i  bezeichnet: 
lif  lijf  Tob.  4,  5.  abide  abijde  Isa.  28,  10.  wif  wijf  Gen.  3,  20.  while 
T-hijle  Mt.  5,  25.  shjyno  Mt.  5,  16.  myis  Mäuse  Jud.  14,  12.  —  Im 
Ne.  ist  die  Verdoppelung  gewichen,  aber  fast  überall  hat  sich  der 
gesteigerte  I-Laut  (=  ei)  erhalten:  while,  mile,  ire,  iron,  wire,  lime 
time,  line,  to  shine,  shrine,  swine,  knife,  to  drive,  life,  to  shrive,  wife, 
like,  to  abide,  bridle,  to  glide,  idle,  to  ride,  side,  to  slide  etc.,  langes 
i  bewahrt  free  und  three,  to  cleave  (kleben)  und  wreathe;  außer  den 
veralteten  sith  und  swithe  haben  kurzes  i  erhalten:  stiff,  rieh,  to  nip 
(hnlpan),  withy,  withe,  with,  witness,  wisdom. 

Kürze  und  Dehnung  bezeichnen  offenbar  den  Laut,  der 
mit  ags.  1  verbunden  war.  Die  Steigerung  zu  ei  kann  erst  spät 
eingetreten  sein,  s.  §.   103. 

In  ags.  Iw  ist  1  consonantisch  geworden:  Ne.  yew. 

Die  zweite  Steigerung  von  i,  ags.  ä,  bleibt  selten  bei  Lag.,  wie  in  §.  53. 
ba  (beide),  tacning  (Zeichen),  wac  (schwach)  etc.,  gewöhnlich  neigt 
sich  ä  nach  ö:  snau  A  snowe  B  (Schnee),  hal  hail  hol  (Heil),  halie 
holie  (heilig),  bar  baer  A  bor  B  (Eber),  hser  hör  (grau),  lare  lore 
(Lehre),  sar  saer  A  sor  B  (Schmerz),  harn  hom  (heim),  ban  A  bon  B 
(Bein),  stan  ston  (Stein),  rap  A  rop  B  (Tau),  agen  A  oge,  owe  B 
(haben),  agene  A  owe,  ogene  B  (eigen),  brad  braed  brod  (breit),  ad 
aed  oad  (od)  Eid,  clad  clod  (Kleid),  gast  gaest  gost  (Geist).  Dasselbe 
Schwanken  findet  auch  im  Ablaut  der  V  statt:  scaen  scean  A  son  B, 
igrap  A  igrop  B  und  igraep,  abad  abed  A  abod  B,  to  glad  glaed  A 
glod  B,  rad  raed  A  rod  B,  draf  draef  drof,  smat  smaet  smot,  ras  araes 
aros.  Die  Formen  mit  ae  erklären  sich  aus  der  Neigung  des  reinen 
a  zu  ae,  während  ä  sich  zu  ö  hinwendet.  Letzteres  tritt  besonders 
in  B.  hervor.  Auch  andere  ä,  die  durch  Dehnung  aus  a  entstanden 
sind,  wie  ags.  cnäwan,  mäwan,  bläwan  gehen  nach  o:  icnawe  icnowe, 
sawe  sowe,  mawe  mowe,  ga  go.  Orm  bewahrt  durchgängig  ä,  auch 
in  dem  Ablaute:  ran,  shan,  grap,  draf,  ]7raf,  wrat,  bat,  abad,  sna)?,  ras, 
biswac,  stah,  strac.  —  Im  Ae.  bleibt  a  in  den  Ps.  an,  nane,  stane, 
hali,  laverd  etc.;  auch  im  Ablaute  haben  Ps.  und  Tr.  a:  draf,  bäte, 
smate,  bade,  gnade,  während  RG.  und  PL.  o  haben:  drof,  ssrof  (shrof), 
)?rof,  smot,  abod,  rod,  ros,  agros ,  nur  in  stegh  stey  setzt  sich  ein 
hellerer  Laut,  auch  noch  bei  Wycl.  steig  Mt.  3,  16.  —  Im  Me.  macht 
sich  fast  überall  für  ags.  ä,  woher  es  auch  stammt,  o  geltend,  dessen 
Länge  meist  entweder  durch  stummes  e  hinter  einfacher  Consonanz  im 


56  Verlauf  des  ags.  ae. 

§.  53.  Auslaute,  oder  durch  oo  bezeichnet  wird:  on  oon  one  (ein),  none  noon, 
hone  boon,  stone  stoon,  boor  (Eber),  owen,  clothe  clooth,  oke,  too 
(Zehe),  goost  gost;  auch  in  den  Ablauten:  schoon  schon,  droof  drove, 
stroof  strove,  smoot  smote,  wroot  wrote  etc.  Ch.  hat  gewöhnlich  o, 
Wycl.  und  Mau.  beide  Bezeichnungen.  Ferner  bei  Wycl.  growe,  blowe, 
knowe,  crowe,  sowe  und  sewe,  throwe.  Neben  ogt  nogt  tritt  nougt 
ought  noughte  Mau.  4.  aught  naught  PP.  —  Im  Ne.  bleibt  auch 
meistens  der  lange  o-Laut,  freilich  in  verschiedener  Schreibung:  höly, 
söre,  hörne,  böne,  stöne,  röpe,  töken,  clöth,  ghöst;  röe,  töe,  föe,  wöe; 
to  blöw,  to  cröw,  to  söw,  to  thröw,  to  knöw,  to  möw,  snöw,  Söul,  öwn; 
öar,  böar,  höar,  föam,  löan,  löaf,  söap,  öak,  töad,  öat,  böat,  göat,  öath; 
in  höt  hat  sich  o  verkürzt.  —  In  wrath  und  wroth  stehen  noch  beide 
Laute  neben  einander;  den  dunkeln  a-Laut  (ä)  hat  in  Folge  des  ver- 
stummten Gutturals  angenommen  ought  und  nought  oder  bei-er  aught 
und  naught;  kurz  ist  bläck.  —  Der  Vorschlag,  den  one  jetzt  hat 
(=  wön),  ist  erst  im  Ne.  eingetreten  und  das  Wortspiel  von  on  und 
one  Sh.  TG.  2,  1  läßt  auf  damals  gleiche  Aussprache  schliei^en:  my 
gloves  are  on  —  why,   then  this  may  be  yours,    for   this  is  but  one. 

—  Das  lat.  pavo,  angeis.  päwa  lautet  noch  bei  Mau.  5  poo-cock  neben 
pe-coke  20,  Ne.  pea-cöck. 

Der  Uebergang    des    ä   in   6  beginnt  schon  im  NAgs.  und  nimmt 
mehr  und  mehr  zu.     Das  Schottische  hat  noch  haly,  sare  sair,  hame, 
baue  bain,  stane,  rape ,  gaist  ghaist,  tae,  fae,  wae;  blaw,  craw,  saw, 
thraw,  maw,  snaw,  saul,  faem,  laif,  saip  etc. 
§.  54.  Die  ags.  sb,  welche  für  got.  ai,  ahd.  ei  eingetreten  sind,  schwan- 

ken bei  Lag.,  wie  die  ab  der  a-Laute:  sse  see,  h8ef>en,  daelen  delen, 
msenen  menen,  braede  brede,  ilaesten  ilesten  ilasten  etc.,  auffallender 
ist  die  Verschiedenheit  bei  Orm:  sse  (See),  hsete  (Hitze),  hsej^enn  (Haide), 
flsesc  (Fleisch),  ahhte  (Besitz),  menenn  (meinen),  leden  (leiten).  —  Im 
Ae.  und  Me.  tritt  gewöhnlich  e,  ee  ein :  see  se,  delen  deelen ,  menen, 
brede,    flehs,   fleisch  Wycl.  Gen.  2,    23.  fleish   Creed  449,    lede  Mau. 

—  Im  Ne.  haben  gedehnten  i-Laut:  to  deal,  to  mean,  to  lead,  heat, 
heathen;  kurzen  e-Laut  flesh  und  gedehnten  lädy,  bäit,  swäin,  häil 
(neben  whöle). 

Diese  Bildungen  theilen  also  nicht  mit  ä  die  gleiche  Entwicklung, 

obgleich  sie  in  gleichem  Lautverhältnisse  zum  Gotischen  stehen.  Vielmehr 

verlaufen  sie  wie  die  eigentlichen  se,  die  erste  Steigerung  von  a. 

§.  55.  Ein    drittes   ags.    sb   ist    der  Umlaut   von    ä:    stän    stsenig  stsenen 

(steinig  steinern).    Dieses  schwankt  bei  Lag.  in  gewohnter  Weise:  haelen 


Verlauf  des  Ag"s.  u.  57 

helen,  lajren  leren,  clffine  clene,  ima3ne  imene,  laifdi  lafdi  lefdi.  Auch  §.  55. 
bei  Orm  setzen  sicli  verschiedene  Laute  fest:  haelenn,  loerenn,  taecenn, 
imaen,  whiete;  an  (aber  Adv.  aeness,  und  doch  naness)  anig,  stanenn 
attric^,  hiffdig;  clene  und  doch  claennesse.  —  Im  Ae.  und  Me.  setzt 
sich  e  und  eo  fest:  teche  Mau.  clene  clense  14.  whete  18  bis  auf 
any  eny  und  lady.  —  Im  Ne.  steht  gewöhnlich  gedehnter  i-Laut  in 
den  Wörtern,  deren  Stamm  nicht  vorliegt:  to  heal,  teach,  raean,  wheat, 
clean;  aber  any  und  lädy.  Hat  sich  der  Stamm  erhalten,  dann  folgt 
auch  die  Ableitung  demselben:  stöne  stöny,  föam  föamy. 
Die  drei  ags.  se  verlaufen  in  gleicher  Weise. 

U-Laut. 

Die  ursprünglichen,  wie  die  durch  Schwächung  aus  a  entstan-  §.  56. 
denen  entwickeln  sich  auf  gleiche  Weise.  Sie  bleiben  zum  Theil  bei 
Lag.  wie  in:  sum,  |?unre,  sunne,  tunge,  grund,  mund  (Schutz),  under, 
sunde  (gesund),  sunder,  wulf,  sculdre  A  scoldreB,  duged  (Kraft);  oft  aber 
tritt  0  und  selten  ou  auf:  frume  forme  (Anfang),  gume  gome,  inume 
inomen,  slumen  slommen,  sumer  somer,  dumbe  dombe,  sune  sone 
(Sohn),  nunne  nonne,  fülle  folle,  dure  dore,  wurm  worm,  burh  borh, 
fugel  fogol,  dust  A  doust  B  27646.  Der  plurale  Ablaut  in  I  ist  manch- 
mal durch  0  verdrängt  und  noch  öfter  im  Particip;  s.  Flex.  §.  10. 
Orm  behält  gewöhnlich  u,  auch  im  Ablaut;  minenn  für  munenn  rührt 
von  altn.  minnir,  J^irstenn  für  )7yrstenn  veranlai^t  auch  j^irst  j^risst 
für  )?urst.  —  Im  Ae.  mindert  sich  u,  o  und  ou  werden  gewöhnlicher : 
sum  som,  ful  fol,  dure  dore,  burgh  borgh  bourgh.  —  Im  Me.  steht 
u,  wie  in:  ful,  under,  hungre,  to  cursen,  culvre,  shuldre  schuldre 
und  scholdre  Mau.,  bunten,  dust,  lust;  o:  dore,  worm,  wonder,  note, 
nonne,  oder  o  und  u:  sune  sone  (Sohn),  sunne  sonne  (Sonne),  sume, 
some  und  threst  (Durst)  Mau.  21.  —  Ne.  Dieser  Wechsel  von  u  und  o 
erklärt  die  jetzige  Lautung  des  nahe  an  o  liegenden  u :  to  slümber, 
dümb,  Summer,  dün,  sün,  tun,  thünder,  sündry,  ünder,  hünger,  türf, 
cürse,  üp,  cüp,  bück,  stüd,  nüt,  düst,  lüst,  tüsk,  und  nur  sehr  sel- 
ten ist  reines  ü  geblieben  in  wolf,  wool  und  wound.  Jenem  Laute 
schliessen  sich  die  Wörter  mit  o  an:  söme,  s6n,  töngue,  wönder.  — 
Dehnung  des  o-Lautes  ist  in:  döor,  Shoulder  und  to  möurn  eingetre- 
ten; Lautverstärkung  (=  au)  wie  bei  ags.  ü  in  gröünd,  höünd,  söünd, 
föiind,  böünd,  wöünd  (wand).  Thirst  ist  für  thurst  eingetreten,  lautet 
ihm  übrigens  gleich. 

Selten  ist  der  reine  Laut  geblieben,   meist  hat  er  sich  zu  ü  ge- 


58  Verlauf  des  ags.  u,  o,  y. 

§.  56.   trübt,    bisweilen   zu  reinem   ö   gedehnt.     Die    Lautsteigerrng    au    er- 
wächst nach  Wycl.  aus  gedehntem  o,  s.  Flex.   13. 

§.  57.  Die  ags.  u,  welche  unter  dem  Einfluße  eines  w  für  i  eingetreten 

sind,  bleiben  entweder  und  schwanken  bei  Lag.  nach  o:  wude  wode, 
fulluth  A  foUoht  B,  cumen  comen,  hwulche  A  woche  B,  huge  heowe  (Farbe), 
swilc  swulc  swlc  sulch  soch,  swure  sweore  (Hals),  suster  soster 
(Schwester),  J?us  ]70s;  oder  sie  treten  nach  i  zurück:  wike  (Woche), 
widewe,  wiht,  quike,  twien  (zweimal).  Ebenso  Orm:  wuke,  wude,  fuUht- 
nenn,  cumenn,  susster,  |7uss;  widdwe,  wihht,  cwicc,  whillc,  twiggess, 
swillc.  —  Im  Ae.  und  Me.  dauert  das  Schwanken  fort:  woko  wuke 
wyke  Creed  25,  wude  wode  wood,  to  cume  to  come,  whilk  wuch 
wich,  swilk  sulk  such  etc.,  bis  sich  im  Ne.  befestigen:  wöod,  to 
c6me,  which  (schott.  whilk),  hüe,  such,  sister,  thüs,  week,  widow, 
wight,  quick,  twice. 

§•  58.  Das  aus  u  hervorgegangene  ags.  o  erhält  sich  im  NAgs.  und  be- 

ginnt im  Ae.  in  einzelnen  Wörtern,  wie  es  scheint,  Dehnung  zuzu- 
laßen ,  wie  bei  EG.  ifogte  ifought,  die  im  Me.  durch  foogte  fougten 
fought,  throte,  cole,  fole  aul^er  Zweifel  gestellt  werden.  —  Im  Ne. 
bleibt  gewöhnlich  o  wie  in  höl'löw,  mör'röw^  sör'röw,  oft,  dröp,  to 
höp,  Göd,  böttom,  löt;  for-lörn,  för,  förmer,  störm,  hörn,  hörse,  shört, 
north;  stöln,  swöllen,  hölm,  göld,  möld,  holt,  öpen,  över,  bröken; 
föal,  cöal,  thröat,  böard,  höard;  böw  (Bogen),  flöwn.  In  bought  ist 
früheres  o  gedehnt  und  verdunkelt  (=  ä)  und  in  should  und  would 
erhellt  (=  ü). 

Kürze  und  Dehnung  weisen  auf  einen  Laut  zurück. 

§.  59.  Ags.  y  ist  der  Umlaut  von  u  und  da  letzteres  oft  zu  o  wird,  so 

erscheint  y  auch  neben  diesem:  gold  gylden.  —  Im  NAgs.  hört  der 
Umlaut  auf.  Lag.  läiit  entweder  u  wieder  eintreten,  wie  in  buri 
(Burg),  brune  (Brand),  cun,  dune,  sunne  (Sünde),  burne,  wüst,  burdene, 
umbe,  )7unchen,  munster,  ufele,  ufere,  lutel,  brugge,  rugge,  cussen, 
custe,  lusten  und  dies  nach  o  übergehen:  füllen  folien  folgen,  )?urlud  A 
i)?orlod  B  (durchstochen),  wurhte  A  worhte  B  (Arbeiter),  cume  come  (An- 
kunft); oder  er  behält  den  Laut  in  i  bei:  birle  (Mundschenk),  king,  bisne 
bysne  (Beispiel),  drihten,  chirche  cherche.  Manchmal  stehen  sogar  u 
und  i  neben  einander:  wunne  winne  (Freude),  gülden  gilden  (golden) 
cuchene  A  kichene  B  (Küche),  bisi  A  busi  B  (geschäftig),  buggen  A 
biggen  B  (kaufen).  Orm  hat  gewöhnlich  i:  birrless,  kirke,  king,  sinne, 
wirrhte,  mirr]?ren,  ifell,  biggen  etc.  und  daneben  duhhtig  und  goldenn. 
y  kommt  bei  ihm  oft  in  fremden  Namen  vor  und  i  völlig  entsprechend: 


( 


Verlauf  des  ags.  y,  ü.  59 

Ananyas,  Helyas,  Herodyas  Herodias,  Kayfass,  Moysaes,  Yturea,  Za-  §.  59. 
cariass  Zacaryass  Zagarif^e  Zagarie.  —  Im  Ae.  stehen  KG.  und  PL. 
in  gleichem  Verhältnisse,  wie  La^.  und  Orm;  jener  hat  u  und  oft  y 
daneben,  dieser  i  und  selten  y:  churche  chyrche,  kun  kyn,  sunne 
synne,  munster  mynster,  uuel,  Intel,  brugge,  rugge,  putte  (Grube) 
RG. ;  kirke,  litel,  bigge,  brigge,  list,  birie  (begraben),  mylne  (Mühle), 
mynster  PL.  Der  Mischung  von  u  und  y  hier  ist  es  wohl  zuzuschrei- 
ben, dalj  auch  andere  u  sich  neben  i  stellen,  wie  dide  dude  RG. 
636S,  sulue  7437,  \>\i\ke  9609.  Bei  Brutons  4882  neben  Britones 
1296  und  Bretons  liei^e  sich  ans  Normannische  denken.  Auslauten- 
des ie  wird  oft  durch  y  ersetzt.  —  Im  Me.  dauert  die  Mischung  fort, 
doch  überwiegt  i:  mill  millere,  king,  kin,  din,  wright,  brigge,  biggen 
bie  bye  Mau.,  litel  lytel,  kisse  kysse,  bury  birie  Tob.  4,  5.  burie 
Mau.  4.  byrie  Creed  1608;  besy  Ch.  Mau.  bisi,  yuel  Gen.  19,  19 
eville  Mau.  pr.  —  Im  Ne.  hat  sich  i  befestigt  in:  mill,  kin,  king, 
din,  sin,  to  thirst,  methinks,  minster,  kitchen,  little,  bridge,  ridge, 
midge,  kiss,  und  klingt  fort  in  busy  (=  bisy),  evil  und  beadle;  u 
in  -büry,  to  bury  (=  bery),  chürch,  bürthen,  fürther,  mürder.  Beide 
Lautzeichen  stehen  noch  neben  einander  in  mirk  mürky,  to  list  lüst. 
Gesteigerter  i-Laut  (=  ei)  ist  in  mind  und  lie  eingetreten.  Woolen, 
golden  und  hörnen  werden  von  ihren  Substantiven  wool  (=  wül), 
güld  und  hörn  getragen.  —  Umlautendes  y  gibt  es  also  nicht,  das 
jetzt  noch  gebräuchliche  ist,  abgesehen  von  Fremdwörtern,  nichts  als 
Schluß-i,  wie  in  to  fly,  why,  oder  (für  -ig)  in  ivy  (ags.  ifig)  twenty 
(ags.  twentig),  heavy  (ags.  hefig),  sörry  (ags.  särig),  oder  in  -ly  (für 
like):  wörldly.  Der  alte  Umlaut  ist  meist  in  das  ähnlich 
klingende  i  oder  in  den  Grundvocal  übergegangen. 

Im  Ags.  treten  gedehnte  ü  zahlreich  auf,  kurzen  gotischen  u  §.  60. 
entsprechend.  Neben  diese  läßt  Lag.  A.  bisweilen,  B.  oft  o  u  treten : 
hu  hou,  nu  nou,  ful  A  foule  B,  )7u  )?ou,  ure  eure,  tun  toun,  mud  A  mouj^e  B, 
US  GUS.  Orm  behält  u  und  bezeichnet  es  durch  einfache  Oonsonanz 
als  gedehnt:  ful,  bure,  sur,  ure,  rum,  dun,  run,  tun,  bughenn,  bru- 
kenn,  cludess  (Hügel),  lutenn  (sich  beugen),  ut,  but  und  butt,  hus, 
)7usennde  etc.,  aber  uss  und  ruhh  9211.  —  Im  Ae.  und  Me.  befesti- 
gen sich  ou  und  ow,  und  u  oder  o  scheinen  nur  zu  stehen,  um  Vocal- 
kürze  zu  bezeichnen,  wie  us,  bute  RG.  622  böte  PL.  1478,  otemoste 
EG.  11595,  rowe,  he  ende  Ch.  etc.  —  Im  Ne.  bleibt  gedehnter  u-Laut 
in  twö,  röom,  to  brook  (ü),  müle,  rune  (ö),  coüth  in  uncoüth;  in  coüld 
ist  der  Laut  kurz.    Gesteigert  zu  au  ist  er  in  cöw,  höw,  nöw,  bröwn, 


60  Verlauf  des  ags.  y,  eo. 

§.  60.  down,  töwn,  öwl,  söw,  böw,  böwer,  sliöwer,  thöü,  foul,  söür,  öür, 
löüd,  shröüd,  öüt,  höüse,  löüse,  möüse,  thöüsand,  möüth,  söüth. 
Kurz  und  nach  o  geneigt  ist  er  in  thümb ,  biimper  (ags.  büme),  büt, 
to  sück,  üs,  ütmost,  hüsband,  roügh,  soüthern,  und  volles  o  in 
to  lock. 

Der  ursprüngliche  Laut  liegt  in  den  ersten  Wörtern 
vor:  Lautsteigerung  ist  wohl  später  und  Verkürzung  früher  einge- 
treten, da  die  Laute  mit  eigentlichen  ags.  u  gleichen  Klang  haben. 

§.  61.  Der  ags.  Umlaut  von   ü,  y,  schwindet  ebenfalls  im  NAgs.     Lag. 

läßt  den  Laut  nach  u  zurücktreten:  rumen,  brude,  hude,  scrudeu, 
utemseste,  ude,  fusen,  während  Orm  den  näheren  i-Laut  eintreten 
läi^t,  wie  brid,  shridenn,  hidenn,  fir.  —  Im  Ae.  dauert  dies  Schwan- 
ken fort  wie  hyde  und  hude,  fyl  und  ful,  ryme  rume,  für  fyr  füre  fuyr 
RG;  brid  bride  brud,  kie  PL.  596.  So  auch  im  Me.  —  Im  Ne.  hat 
man  zwei  Laute  zu  erwarten,  i-  und  u-Laut.  Jener  steht  gesteigert 
in  bride,  to  hide,  to  defile  (fylan),  mire,  ßre,  hide,  mice,  lice;  verkürzt 
in  fist,  to  wish  und  -hithe  Gestade  Hafen,  ßotherhithe,  Lambhithe 
Lambeth.  Gesteigerter  u-Laut  (=  au)  steht  in  shröüd,  föül;  gedehn- 
tes u  in  to  röom  rührt  wohl  vom  Substantiv  her  und  ags.  ryman 
würde  eher  neuengl.  to  röam  umherschweifen  entsprechen;  kurzes  u 
in  to  blüsh. 

Die  Entwicklung  mul^,    da   y    entweder  i   oder  ü  wird, 
mit  letzteren  zusammenfallen. 

§.  62.  Die    erste    Steigerung   von   u   ist  im  Ags.  eo  (Grimm  eö).     Dies 

hat  Lag.  noch  sehr  oft:  J^eof,  deop  deap,  feond,  seoc,  beoden,  sceo- 
ten,  cheosen,  breost,  cleovien;  oder  neben  eo  auch  e:  fleo  fle,  deor 
der  (Thier),  leof  lef;  oder  eo,  eou,  eu:  |?eowe,  eow,  feour,  neowe, 
treowe,  reowe,  J?eow,  deor  dur  (Thüre).  Orm  hat  selten  eo  wie  reo- 
wenn  (reuen),  j^eoww  (Diener),  sondern  gewöhnlich  e  neben  eo:  treowwess 
treos  tres,  neow  new,  wheol  whel,  deor  der  (Thier),  deore  dere  (theuer), 
leom  lern  (Licht),  deofell  defeil,  leof  lef,  deop  dep,  beodenn  bedenn, 
leode  lede,  seoc  sec;  e  allein  in  cnewwe  (Knie),  chewwenn  (kauen), 
leghenn  (lügen),  chesenn  (wählen),  forlesenn  (verlieren),  brest  (Brust) ;  eow 
wird  auch  guw.  —  Das  Ae.  hat  selten  e  o  wie  in  heo,  eode,  deol, 
weoles  Eäder  RG.  8605 ;  vielmehr  überwiegt  der  eine  oder  der  an- 
dere Laut.  Daher  steht  e  in  tre,  kne,  y)?e  (gedeihen),  fle,  rewe,  leue, 
deuele,  crepe  etc. ;  e,  u  oder  o  in  loute,  lese  und  lose ;  forlese  forlose, 
loke  (verschließen),  abuye  RG.  2256  abowe  1766,  und  i  in  lie  PL.  7039. 
—  Im  Me.  verschwindet  eo  und   es   bleibt    entweder  e,    wie   in  tree, 


Verlauf  des  ags.  eo.  61 

kne,  newe,  dere,  J^e,  seke  (siech),  thefe,  preest,  leue,  meede,  frend,  §.  62. 
fend  feend  Mau.  S,  feiid  14,  breeste  8,  derthe  5,  dere,  meke,  to 
lese  Ch.  4439,  to  diese  6480,  to  shete  3926,  oder  ou:  foure  (fertlie 
PP.  13551),  yoiith,  to  loute,  to  brouke;  und  to  lie.  —  Die  beiden 
Laute  bleiben  auch  im  Allgemeinen  im  Ne.  Der  i-Laut  steht  gedehnt 
in  knee,  tree,  to  flee,  to  thee,  wheel,  meek,  deer,  to  creep,  deep 
to  reek,  reed,  to  fleet,  to  seethe,  dear  (Sh.  Momras.  4,  2  auch  deer), 
to  reave,  thief,  lief,  fiend,  priest;  sick  und  grit  (neben  groats)  ha- 
ben i  verkürzt  und  der  e-Laut  ist  geblieben  in  friend,  devil  und 
breast.  Gedehntes  u  dagegen  befestigt  sich  in  to  löse,  to  chöose,  to 
shöot,  yöuth,  to  chew,  new,  true  und  to  rue.  Zu  ö  geworden  in  to 
smöke,  to  söw  (sew)  und  föur.  —  To  lie  und  fly  erklären  sich  aus 
erweichtem  Guttural,  s.  G, 

Ganz  eigenthümlich  verlaufen  eow  und  eower.  Lag.  hat  noch 
gewöhnlich  eow  eoure,  daneben  aber  auch  geow,  letzteres  durch  den 
Nomin.  ge  veranlai^t.  Orm  dagegen  hat  e  zum  Consonanten  werden 
lallen:  guw,  gure.  Im  Ae.  bleibt  es  gou  gour  oder  g  wird  mit  y, 
yh  wiedergegeben:  you  yhou.  Me.  you  und  yow,  gou  gow,  youre, 
Ne.  you,  your. 

Da  eo  schon  im  NAgs.  vielfach  auf  e  zurückgeht,  letzteres  sich 
mehr  und  mehr  ausbreitet  und  o  unter  dem  Einfluß  eines  nachfolgen- 
den w  zu  ö  sich  dehnt,  wenn  man  in  letzterem  nicht  vielmehr  ein 
vocalisiertes  w  sehen  will,  so  darf  man  wohl  annehmen,  daß  ags.  eo 
gleichmäßig,  und  nicht  eö  gesprochen  wurde.  Der  erste  Vocal 
überwog,  ward  gedehnt  und  entwickelte  sich  wie  e. 

Der  ßeduplicationsvocal  (oder  der  Ablaut  bei  den  redupli eieren-  §.  63. 
den)  verläuft  in  folgender  Weise.  Lag.  hat:  feollen  füllen  feilen,  heold 
held  huld,  unfeold,  walde  weide,  weolke,  feng,  heong  heng,  leop 
leoup  leup  lep,  weop  wep,  forheow  A  hew  B,  greow  greu,  slsep  A  sleap  B, 
bleou  bleu  A  blewe  B,  icneow  cnew  cneou,  seow  A  sew  B,  meow  A  mew  B, 
J^reou  A  |7reu  B.  Orm  hat  fast  nur  e :  feil,  held,  feng,  henng,  het,  laec, 
let,  cnew  cneow.  —  Auch  im  Ae.  fast  nur  e:  fei,  held  huld  RG. 
7722,  aueng  auong  7743,  slep,  het,  dred,  grew,  knew,  blewe,  seu, 
)?reu.  Ebenso  im  Me.  feile,  held  heeld,  welke,  lepe  leep,  beet,  sleep, 
leet  let,  dred,  heew,  grew,  blewe,  knew,  crew,  sew,  threw.  Die  Erweichung 
des  w  scheint  im  NAgs.  schon  begonnen  zu  haben.  —  Im  Ne.  steht  daher 
e  in  feil,  held,  leap-t,  wep-t,  slep-t,  let;  u  in  blew,  knew,  threw;  also 
steht  überall  e,  das  nur  erweichtem  w  gewichen  ist.  Der 
Reduplicationsvocal  mag  daher  eo  (eo),  nicht  eö  gewesen  sein. 


62  Verlauf  des  ag^s.  eä. 

§.  64.  Die    zweite    Steigerung    ist    eä,    die  Lag.  mit   ae,    nach  a  und  e 

schwankend,  wiedergibt:  Orm  hat  ae,  selten  e,  faewe  (wenige),  ae  (Flui-), 
dcew  (Thau),  haewen  (hauen),  shaewenn  (zeigen),  »re  (Ohr),  sunnebsm  (Son- 
nenstrahl), raem  (Schrei),  sa3m  (Saum),  stram  (Strom),  taim  (Nachkomme), 
laen  (Lohn),  daef  (taub),  haefedd  (Haupt),  laef  (Laub),  raifenn  (rauben),  ha^p 
(Haufen),  laepenn  (laufen),  staep  (steil),  brajd  (Brot),  aedig.  (reich),  ae)7e  (leicht), 
aest  (Osten).  —  Im  Ae.  kommt  selten  ea  vor,  wie  in  gleam,  eam  PL., 
RG.  hat  e  und  ebenso  im  Me.  Ch.  e:  streme,  ere,  depe,  hepe,  chepe, 
defe,  cheke,  eke,  leke,  brede.  WycL  hat  oft  ee:  need,  breed,  reed  etc. 
Mau.  seme  2,  bene  14,  ere  19,  chepe  19,  leve  5,  heved  heed  2, 
leed  leede  Blei  2,  reede  rede  4,  bred  3,  ded  2,  dethe  1,  Estre  3. 
—  Im  Ne.  gehen  die  Laute  sehr  auseinander :  1)  dunkler  a-Laut  steht 
in  to  chäw,  räw  und  gäwk,  also  vor  w,  während  dieses  hinter  e  er- 
weicht ist  und  e  verschlungen  hat,  so  dal^  u-Laut  eingetreten  ist  in 
dew  few  und  to  hew;  in  to  chew  und  chäw  liegen  beide  Formen  ne- 
ben einander.  2)  Gewöhnlich  aber  ist  gedehnter  i-Laut  eingetreten, 
der  Ausläufer  des  ags.  e:  ear,  beam,  steam,  stream,  seam,  team,  bean, 
heap,  to  leap,  beacon,  to  beat,  east,  easter,  steep,  cheek,  leek,  reek, 
need,  eke.  Kurzes  e  steht  in  deaf,  head,  bread,  dead,  lead,  death 
und  red.  Durch  Erweichung  des  g  zu  i  ist  eye  (=  ei),  height 
(heähdo)  und  to  dye  färben  (ags.  deägian)  eingetreten,  to  shew  ist  zu 
shöw  geworden.  —  Mannigfaltige  Formen  hat  ags.  )7eäh,  Lag.  J^aeh 
]?ah  )7aih  J^eih  ]?eh  ()?oh),  Orm  )7ohh  )?ehh,  KG.  f>egh  pei,  )?ogh,  PL. 
]?awg,  )7of.  Me.  tho  though.     Ne.  though. 

Ags.  eä  trübt  sich  zu  ab  und    dies  verläuft   wie   die    ur- 
sprünglichen se,  wenn  nicht  consonantische  Einwirkungen  statt  finden. 

§.  65.  Den  Ablaut  in  der  VI.  eä  gibt  Lag.  auch  mit  ae  und  den   daran 

liegenden  a  und  e  wieder:  scaef  scef  scaf,  claef,  chaes,  laec  A  loc  B,  saec  A 
SOG  B,  forbaed,  -bad,  -bed,  raes  to-ras,  laes  les,  baeh  bah  beb,  laeh 
leh,  flah  fleah  fleh,  flaeh  flah  fleih  flei.  Orm  stets  ae:  claef,  bilaef, 
raew,  flaet,  forbaed,  chaes,  forlaes,  baeh,  laeh,  flaeh,  flaeh.  Im  Ae.  er- 
halten diese  e:  to-clef,  sehet,  flet,  bed,  ches,  les,  frese,  flegh ,  flew 
fley;  belac  scheint  zur  V.  übergetreten  zu  sein.  —  Im  Me.  meist  noch 
e:  cleef,  brew,  forbeed,  sethe,  schete,  fleet,  chees,  frees,  lees,  leigh, 
fleig  flew,  fleig.  —  Im  Ne.  bleibt  e  in  clef-t,  fled;  in  flew  ist  w  Vocal 
geworden;  for-bäde  ist  durch  Vermischung  mit  to  bid  entstanden. 
Woher  aber  kömmt  o,  das  man  im  Präsens  eher  als  im  Präteritum  zu 
erwarten  hat,  wie  in  shöt,  chöse,  löst,  fröze,  söd? 


Uebersichtlicher  Verlauf. 


63 


(     ^ 

«XI 

o 

© 

O     (D 

<x> 

o 

o 

o 

K 

c?' 

o 

13 
O 

CD 

o 
o 

o 

o 

lo    o 

<o 

O 

o 

o   o 

o 

o    o 

-*3 

CS 


(35    <a3 


<®     <KK<K(Da>©©a)a)a) 


o 

(33     O 


oo<i>o®o®a>c?a> 


<x>   a>   o 


O    .^    .rH    .P^    .^ 

>-v  !i    ;z!    fz!    ?3    -j 


P    fS    Ö  .^ 


o 

:3   :3   ^ 


ffi 


!=(     !3    !=! 
O     O     O 

0-3:3 

?3     O     O 


cö©GjQ5©©a)a)<i> 


Co     Cä 


O     o     O 


S2         o   o 

o 


ce< 


o  a^ 


o 
o 


C3    O  O    O    O 

cöc3c30eÖD3eöcöc8 


o 

CS 


Co 


o 

cö 


o 


O 


c3 


c3 


C3  (D  <X»  O 


CS  03 


ee  <?3 


eö 


eö 
o 
O 


•^"^^cöeöcöocöcöcö 
<?6    9i<d^(S>Q;)<sa><v<DCO 


- 


■*8^SB<8^ai<Da><Da)a) 


<D     <D 


O     O 
O     O     O     O     O 


eö 


13 
eö 


eö 

© 


C3 
O 


<cöcö<cöcöcöeöOOOO 


>> 
>> 


eö 
o 


!3 
cö 


«—4     «—I     «-4    «l— ( 


^'-s 

o 

Ö 

eö 

^«-^^^~,^ 

O    ^"^  ^«"N  x— V /'"S /""^ 

..~s  cö 

a>   03   o   o   o   o   o 

O    03 

o    o 

a> 

•Q^    O    0?    ©    ©    ®    o    o 

a>    .rH 

o 


© 
© 

^-^^^  © 


;©©©©©©©©©(X> 


f3 

oT 


o 

!=»    eö 


«2  03  a 


*^     _^'^J::!^i-4cQk^^^© 


§•  66. 


64 


Uebersichtlicher  Verlauf. 


§.   67. 


«    '=^  p  t:^  .^    tr"  Q  »^r   E3   cro     Jir 


C     o 


c:     S     c:  c  C  o  o 

'='     o     o  o  "^  ?::  ^i 

o     o     o  o  ^^  o  o 

ff     c  c  o  -  f= 

ff    ^^  s: 


ff     ff  1 

o 

o 


oooooooo 

o   o   o   o  '^r^  -^  't^ 

p    ff    ff    ff    2    2    2 


ff    —  ff  *<1 


ff       V<1       ^       ^       «-<       ^         H" 

Cü      CD       CS      CD       ff      ff 


ff       ff 

o     o 


ff    ff 


o     o     o 
ff    ff    ff 


ff    ff> 

o 


o     o 

ff    ff 


ff     ff 


ff    ff    ff 


ff  «^>; 


o 

83 


<t> 

CD 

CD 

CD 

CD 

CD 

CD 

CD> 

CD 

CD 

o 

CD 

CD 

O 

O 

O 

o 

>—•• 

'o^ 

O 

O 

ff 

O 

C 

CD 

^_^ 

o 

O 

ff 

ff 

ff 

ff 

ff 

CD 

^,_,^ 

^    ^ 

^^^^X 

CS, 

ff 

CD 

<D 

CD 

^ 

SO 

CDCDCDCDCDCDCDSfl>E3CD        ?0> 


<T> 

CD 

CD 

CD 

CD 

CD 

ert- 

CD 

CD 

CD 

CD 

Si3 

Ci 

CD 

?3 

Verlauf  der  Lautzeichen  und  der  Laute.  65 

Betrachtet  man  zunächst  den  Verlauf  der  Lautzeichen,  so  ent-  §.  67. 
wickeln  sich  diese,  wenn  man  von  La^amon,  der  offenbar  sich  abmüht, 
den  Laut  genau  zu  bezeichnen,  ziemlich  regelmäl^ig  durch  das  NAgs., 
Ae.  und  Me.  Erst  im  Ne.  tritt  allmählich  eine  große  Verwirrung  ein. 
In  einem  Zeichen  läuft  eine  grolle  Anzahl  früherer  Zeichen  aus.  Als 
Beleg  führen  wir  neuenglisches  e  an.     Dies  steht 

1)  für  ags.  Umlaut  e:  hell,  hen,  bed. 

2)  für  ags.  e':  he,  me;   well,  heim,  to  thresh. 

3)  für  ags.  i  in  desk  (disc),  sher'iff. 

4)  für  ags.  eo:  yel'low,  sev'en,  herd. 

5)  für  ags.  y:  e'vil,  fledge. 

6)  für  ags.  se:  eg§,  guest. 

7)  für  ags.  ea:  -ches'ter,  stern,  to  belch. 

8)  für  ags.  ä  in  em'met  (ä-meete). 

9)  für  ags.  äe:  there,  ere,  e'vening,  flesh,  let. 

10)  für  ags.  e:  to  reck,  to  bless. 

11)  für  ags.  eo  (eö)  :  dev'il,  theft. 

12)  für  ags.  eä:  red. 

13)  für  ags.  6  in  Wed'nesdäy,  werkin. 

Fügt  man  dazu  noch  altfrz.  e,  a,  ei,  ai,  ie,  i  und  neufranz. 
oi  und  u,  wie  in  repent  (afrz.  repentir),  merchant  (marcheant),  vessel 
(lat.  vascellum,  afrz.  vaissel  veissel  vascel  vessel,  sketch  (esquisse), 
perry  (frz.  poire)  und  ferret  (frz.  füret),  so  begegnen  sich  in  e  nicht 
weniger  als  21  Vocale.  —  Besonders  häufen  sich  seit  dem  Me.  die 
Vocale.  Wycl.  hat  aa,  ee,  ij,  oo;  au  aw,  ai  ay,  ei  ey,  ie,  oi  oy, 
QU  ow  und  diese  mehren  sich  noch  im  Ne.,  s.  Neuenglisches  Laut- 
system. 

Mit  gröi^erer  Strenge  entwickelt  sich  die  Lautung,  von  den  con-  §.  68. 
sonantischen  Einwirkungen  abgesehen. 

1)  Ags.  i  bleibt  i:  j^icce  thick,  singan  to  sing.  Ags.  e  bleibt  e: 
swellan  to  swell,  wel  well.  Ags.  e  bleibt  e:  den  den,  net,  better. 
Ags.  0  bleibt  o:  song,  strong;  drop,  God.  Man  darf  daher  wohl  an- 
nehmen, daß  auch  in  ä  ags.  se  enthalten  ist,  ags.  glsed  ne.  glad.  Die 
Kürzen  haben  somit  ihre  Lautung  behalten  bis  auf  u,  das 
durch  französischen  Einfluß  getrübt  worden  ist,  aber  noch  in  einzelnen 
Wörtern  den  ursprünglichen  Laut  zeigt. 

2)  Es  muß  daher  auch  den  Längen  ursprünglich  derselbe  Laut 
zugekommen  sein,  natürlich  gedehnt,  und  dieser  Laut  erhält  sich, 
wenn   die  Länge   sich  verkürzt  hat:  daher  wird  ags.  se  zu  e  in  dread, 

K  och,  tng\.  Granitnatik      T      2.   Aufl.  5 


66  Verlauf  der  Laute. 

§.  68.  weap'on,  flesh;  ags.  ö  zu  ^  in  brother,  mother,  other,  blood  und 
flood;  ags.  e  zu  e  in  brethren;  ags.  i  zu  i  in  sith,  stifif,  rieh,  nip, 
withe  witby,  witness,  wisdom;  ags.  eä,  das  im  NAgs.  zu  sfe  und  im 
Ae.  zu  e  geworden  ist,  zu  e:  deaf,  head,  bread,  red;  ags.  ü  zu  ü: 
thumb,  but,  suck,  us,  rough,  southern. 

3)  Die  Brechungen  ea  und  eo,  die  wieder  zu  einem  kurzen 
Vocale  zusammenflielien,  behalten  dessen  Laut:  ea  wird  zu  ä:  ags.  eax 
ne.  axe,  sceal  shall;  eo  wird  zu  e:  eorl  earl,  heofon  heav'en,  ceorl 
chürl  (=  e),  seofon  seven. 

Ebenso  vereinfacht  sich  der  Reduplicationsvocal  eo  und  der 
Diphthong  eo  (got.  iu)  zu  e  und  beide  bewahren  den  Laut  desselben:  feoll 
feil,  heold  held,  weop  wep-t,  hleop  leapt;    deoful  dev'il,    ]7eofd  theft. 

4)  Die  Längen  dagegen  bewahren  selten  ihre  Laute  unverändert; 
wie  ags.  se  in  hair  und  strait,  ags.  ö  in  soft,  glöve,  gröve,  to 
gröw;  ags.  ü  in  röom,  uncöuth.  Gewöhnlich  steigt  oder  steigert  sich 
der  Ton. 

Derselbe  steigt  und  ags.  ä  wird  zu  ö:  bän  böne,  gast  ghöst, 
räh  röe,  bläwan  to  blöw,  säwel  Söul,  är  öar;  ags.  ö  wird  zu  neuengl. 
ö:  scö  shöe,  dön  to  dö,  döm  doom;  ags.  e  wird  zu  e:  deman  deem, 
grene  green,  fedan  feed,  cwen  queen;  und  da  ags.  eä  und  se  auch  zu 
altengl.  e  werden,  so  werden  beide  ebenfalls  zu  e:  streäm  stream, 
steäp  steep,  hleäpan  to  leap,  eär  ear;  sei  eel,  beer  hier,  Isfece  leech, 
dselan  to  deal. 

Lautsteigerung  tritt  ein  und  ags.  i  wird  zu  ei  (i),  hwU  while, 
wir  wire,  lim  Urne,  lin  line,  wlf  wife;  ags.  ü  wird  zu  au  (öü):  nü 
nöw,    ]?ü  thöü,  scür  shöwer,  sür  söür,  tun  töwn. 

5)  Kurze  Vocale  mit  einfacher  Consonanz  oder  mit  Liquida  und 
Muta  im  Auslaut  werden  lang.  Der  eintretende  Laut  hängt  dann  haupt- 
sächlich von  der  Zeit  ab,  wann  die  Dehnung  eingetreten  ist.  So  dehnt 
sich  ags.  ae,  a  oder  ea  früher  zu  ä  und  geht  mit  diesem  nach  o:  stael, 
Lag.  stal,  Wycl.  staal,  ne.  stole;  healdan  Lag.  halden  und  holden,  ne. 
to  hold;  eald  old,  beald  bold;  we  ne.  we;  bindan  ne.  to  bind.  Ags. 
0  wird  mittelengl.  oo  und  das  steigert  sich  im  Ne.  zu  öü:  fand  fond 
foond  found.  Es  tritt  dann  die  Dehnung  dem  Vocale  zur  Seite,  der 
ihr  gleicht  und  hat  mit  diesem  gleichen  Verlauf.  Spätere  Dehnung 
dagegen  bleibt  im  Laute:  hrsefn,  me.  raven  ne.  rä-ven,  tarn  ne.  täme, 
brecan  ne.  tö  break;  wice  ne.  week,  fild  feld  ne.  field,  duru  dore  ne. 
döor,  sculdor  ne.  Shoulder. 


Consonantische  Einwirkung  auf  den  Laut.  67 

AeuJßere  Einwirkungen.  §.  69. 

Aul^er  der  Quantität  wirkt  noch  Anderes  auf  die  Lautung  der 
Vocale  ein. 

A.     Die  begleitenden  Consonanten  w,  b  (cb),  1,  r. 

1)  Die  Spirans  w  verdunkelt  schon  im  Ags.  den  nachfolgenden 
hellen  i-Laut,  s.  §.  34. 

Dieselbe  Kraft  übt  es  auch  später,  obgleich  nicht  in  derselben 
Weise,  im  Anlaute,  und  ags.  a,  ae  und  ea  werden  neuengl.  ä  oder  ö: 
wan  (wön,  ags.  wan),  want  (ä  und  ö,  ags.  wana),  wash  (ö,  ags.  was- 
can),  was  (wöz,  ags.  waes),  wäter  (ags.  waeter);  wärm  (ags.  wearm), 
warn  (wearnjan),  wärt  (ags.  weart).  In  ags,  eo  erlangt  o  durch  w  das 
Uebergewicht,  wenn  man  nicht  eine  dunklere  Färbung  des  e  durch  w 
annehmen  will:  ags.  weorold  ae.  werld  ne.  world  (ü),  ags.  sweord  ae. 
swerd  ne.  swörd. 

In-  und  auslautend  wirkt  es  sehr  verschieden. 

Hinter  ags.  ä,  das  regelmäl^ig  nach  ö  verläuft,  hat  es  alle  Schwan- 
kungen fern  gehalten  und  ags.  bläwe,  cnäwe,  cräwe,  säwe,  mäwe, 
)7räwe,  in  denen  bei  Orm  ä  bleibt,  bei  Lag.  aber  schon  o  wird,  be- 
halten dies  unverändert  in  ne.  to  blöw,  knöw,  cröw,  söw,  möw,  thröw. 
Hinter  der  Länge  ist  w  stumm  geworden. 

Kurzes  a  dagegen  dehnt  sich  und  wird  ne.  ä:  ags.  ]7awan  ne.  to 
thäw,  ags.  straw  streaw  streow  ne.  sträw,  ags.  clawu  ne.  cläw.  Hinter 
der  Länge  verstummt  es.  Eben  so,  wenn  es  für  g  (h)  eingetreten  ist, 
wie  in  mäw,  law,  to  dräw,  säw  (Säge),  häw-thorn,  säw  (sah). 

Hinter  dem  Reduplicationsvocal  eo,  der  sich  bei  Orm  zu  e  ver- 
engt, vocalisiert  w,  oder,  wenn  man  auf  die  Formen  bei  Lag.  beson- 
deres Gewicht  legen  will,  so  muli  man  annehmen,  daß  u  aus  w  her- 
vortritt und  hinter  diesem  w  abfällt,  ganz  wie  im  ahd  niwi  niuwe, 
nhd.  neu.  Ags.  cneow,  Lag.  cneow  cneou  cnew,  'Orm  cneow  cnew, 
RG.  knew  kneu,  Wycl.  knew  kneg  (im  Wechsel  mit  w)  kneew,  ne. 
knew.  Ebenso  ags.  greow,  bleow,  creow,  j^reow,  meow,  seow;  ne. 
grew  (ö),  crew,  threw,  blew;  mew  und  sew  sind  nur  noch  dialectisch 
und  verdrängt  durch  möwed  und  söwed. 

Ebenso  hinter  eo  (eö  got.  in),  wie  ags.  breowe  ae.  brewe  ne. 
brew,  ceowjan  chewe  chew;  auch  hinter  eo  eowu  ewe. 

Auch  hinter  i  und  1,  wie  ags.  niwe  niowe  neowe.  Lag.  niwe 
neowe  neouwe  (neuwe,  newe),  Orm  neow  new,  ne.  new.  —  Ags.  hiw 
hiow  heow  hio  heo.  Lag.  heowe  heuwe  huge  (euhe)  hewe,  Orm  heowe 
hewe  hew,   ae.  hewe  hue,   ne.  hüe.  —  sti-ward  (von  altn.  stia  Werk, 


68  Consonantische  Einwirkung  auf  den  Laut. 

§.  69.  steowien   to   administer  [Lag.]    oder   ags.   stig  Weg),   Lag.  stiward  ae. 
und  ne.  steward. 

Sogar  hinter  cä  Yocalisiert  es,  nachdem  eä  sich  zu  e  verengert 
hat,  wie  ags.  heuwe,  Lag.  hseuwe  hewe,  Orm  haewe,  ae.  me.  hewe, 
ne.  hew.  Auch  Jiier  tritt  bei  Lag.  u  aus  w  hervor.  —  Ebenso  ags. 
streäwjan,  deäw,  feäwe,  screäwa,  sceäwjan,  die  im  Ne.  lauten:  (strew 
und)  ströw  (letzteres  ist  eigentlich  die  Form,  die  ä  erwarten  läßt), 
dew,  few,  shvew-mouse,  (shew  und)  shöw.  —  Ebenso,  wenn  es  mit  g 
im  Plur.  wechselnd  in  den  Sing,  vordringt:  ags.  Prät.  fleäh,  PI.  flugon; 
Lag.  flaeh  fleh,  Orm  flseh,  RG.  fiegh,  Wycl.  fleig  flewen,  neuengL 
flew(u). 

§.  70.  2)  Nach    der  Einwirkung,    die  h  im  Ags.  in  der  Brechung  des  i 

zu  eo  zeigt,  sollte  man  erwarten,  dai^  es,  aus  tiefer  Kehle  gesprochen, 
den  Vocal  verdunkelt,  aber  das  findet  nur  statt  da,  wo  es  mit  w 
wechselt.  Seine  Wirkung  ist  fast  eine  entgegengesetzte,  denn  es 
erweicht  zu  g  und  i  oder  fällt  ab;  es  erhellt  daher  den  Vocal. 
So  eo  und  eä:  ags.  |?eöh,  Lag.  J?ews  (w  vocalisch?),  Orm  j^eh  ]>e,  RG. 
)?y  5054,  Mau.  thye  16  und  thighe  18,  ne.  thigh  (Schenkel).  —  Ags, 
heäh  heh  (hoch),  Lag.  hah  ha^h  heh  h«ge  hege  heih  hey,  Orm  heh, 
RG.  hei  hye,  ne.  high.  Ebenso  ags.  neäh  neue.  nigh.  Hierdurch 
erklären  sich  auch  die  schwankenden  Formen,  in  die  ags.  seah  sich 
verläuft,  wie  Lag.  sah  saeh  seh  saeih  seih,  Orm  sahh ,  alte,  sei  iseigh 
RG. ,  sagh  sauh  saw,  me.  saw  sawg  sag  saeg  saie  seg  seie  sig  Wycl, 
saghe  saughe  Mau.,  ne.  saw.  Die  dunkeln  Laute  sind  entweder  dialec- 
tisch  oder  durch  w  bewirkt,  die  hellen  durch  erweichendes  h. 

§.71.  Da  1  11  im  Ags.  die  Brechung  des  i  zu  eo  bewirkt,  so  darf  man 

vennuthen ,  dal^  es  auf  den  Vocal  verdunkelnd  einwirkt.  Dies  zeigt 
sich  aber  ohne  Zweifel  nur  bei  ea,  das  nach  a  zurückgeht.  Unter 
dem  Einfluß  des  1  werden  schon  bei  Lag.  manche  a-Laute  zu  o,  andere 
erhalten  sich  nicht  nur,  wie  die  ags.  sealm,  cealf,  healf,  hleahhan,  die 
noch  im  Ne.  ä  haben:  psalm,  calf,  half,  to  laugh,  sondern  manche 
werden  sogar  zu  neuengl.  ä  wie  ags.  eal,  heall,  steal,  feall,  healt, 
mealt  etc.  neuengL  all,  hall,  stall,  fäll,  hält,  malt. 

§.  72.  3)  Größer    ist    die   Einwirkung    des    r,     das    ebenfalls    im    Ags. 

Brechung  bewirkt. 

Es  erhält  nicht  nur  in  a  aus  ags.  ea  den  reinen  italienischen 
Laut,  wie  in  neuengl.  arm,  bärm,  härm,  härp,  mark,  härd,  sondern 
bringt  auch  ags.  eo,  altengl.  e  diesen  Laut,  wie  ags.  steorra,  alte, 
sterre,    neue,   stär;    ceorfe    kerve   cärve,    steorfe   sterve  stärve,    heord 


Consonantische  Einwirkung:  auf  den  Laut.  69 

hertli   heärth,  hoorte   herte    heärt,  höort  hert  hart.  —  o  wird  dunkler  §.  72. 
wie  in   ör,  nör,  oder  es  trübt  sich  wie  word  (ü). 

Die  Vocale  i,  e,  u  trübt  r,  so  dali  sie  gleich  klingen.  Daher 
auch  das  sonderbare  Schwanken  im  Ne.  im  Gegensatz  zum  Ags.:  ags. 
ceorl,  eorl,  eornost,  beorce,  eorde,  rinnan  eornan,  brinnan  beornan, 
beorstan  etc.,  werden  im  Ae.  cherl,  erl,  ernest,  berche?,  erde,  rennen, 
bernen,  bersten  und  im  Ne.  churl,  earl,  earnest,  birch,  earth,  run, 
buru,  burst.  —  r  vor  ü  hat  den  Vorschlag  unterdrückt.  Ags.  creow 
wird  alte,  creu  crew  und  nach  Wycl.  muli  e  vor  w  (also  =  ü)  hörbar 
sein  in  creew;  im  Ne.  aber  crew  =  crti  oder  crö. 

4)  Die  Gutturale  g  (cg)  wirkt  dadurch  auf  den  vorstehenden  Vocal  §.  73. 
ein,  dal^  sie  entweder  ausfällt,  und  dann  tritt  Dehnung  ein,  s.  §.  40, 
oder   mit   w   wechselt,    und   dann   tritt  Verdunklung    des  Vocals    oder 
eigene  Vocalisierung  ein,  s.  §.  69,  oder  dali  sie  im  In-  und  Auslaute 
zu  g  und  i  erweicht  und  den  Vocal  heller  färbt. 

Die  ersten  Spuren  der  Erweichung  liegen  in  Durh.  vor:  es  tritt 
nämlich  i  aus  g  hervor,  wie  daeig,  deiglice  Mt.  5,  14;  deign  Joh.  1, 
45,  oder  i  tritt  selbst  für  g  ein,  wie  in  maiden  (wests.  msegden  mseden) 
Mth.  9,  24,  beira  (begra).  In  weiterem  Umfange  geschieht  dies  im 
NAgs.;  Lag.  hat  i,  Orm  g  oder  gg,  das  Ae.  i  oder  y  etc. 

Ags.  ae-g  wird  äi:  Iseg  (lag).  Lag.  Isßi  lai  lei,  Orm  lagg,  alte.  me. 
lai  lay  leie  ley,  neue.  läy.  —  Ags.  msegden  mseden,  Lag.  mseiden,  Orm 
mieggdenn,  alte,  mseiden  maiden  maid  mayd,  neue,  mäiden  maid.  So 
maegen  mäin,  nsegel  näil,  brsegen  bräin,  fsegen  fäin,  faeger  fair,  hsegel 
häil,  snsegel  snäil,  taegel  täil,  wsegen  wäin. 

Ags.  e-g  wird  ne.  äi:  ags.  weg  (Weg),  Lag.  wseie  weie,  Oi'm 
wegge,  alte,  weie  wey,  neue.  wäy.  —  Ags.  secge  (sage),  Lag.  segge, 
Orm  segge,  alte,  seie,  mittele,  seie  sey,  neue.  säy.  —  Ags.  legde 
lede  (ich  legte),  Lag.  Iseide,  Orm  leggde,  alte,  leide,  mittele,  leide  laide, 
neue.  läid.  —  So  ags.  saegde  stede  neue,  said,  plegan  to  pläy,  regn 
räin,  eglan  to  äil.  —  Selten  bleibt  ei,  wie  ags.  wegan,  alte,  weie, 
neue,  to  weigh  (wä)  und  hier  tritt  die  verstärkte  Gutturale,  aber  ?iur 
als  Längenzeichen,  wieder  auf. 

Ags.  i-g  wird  neue,  i:  ags.  licgan  (liegen),  Orm  liggen  lin,  alte, 
liggen  lie,  mittele,  liggen  lien  lie,  neue,  to  lie.  —  Ags.  nigon  (neun), 
Lag.  nigen,  alte,  nien,  neue.  nine.  So  higjau  higen  to  hie, 
rige  rye. 

Ags.  u-g  steigert  sich  zu  neue,  öü:  ags.  fugol  (Vogel),  Lag.  fugel 
fogel  fowel,  alte,  fowl,  neue.  föwl.  —  Ags.  sugu  (Sau),  neue.  söw. 


70  Consonnntische  Einwirkung  auf  den  Laut. 

§.   73.  Ags.  y-g  wird  ne.  y:    ags.  bycgan  (kaufen),  Lag.  abuggen,  Orm 

biggenn,  alte,  bigge  bugge,  mittele,  bigge  bie,  neuengl.  biiy.  —  Ags. 
dryge  (trocken),  Orm  dringe,  alte,  drie  drye,  neue.  dry. 

Ags.  sb-g  wird  im  Ne.  cäi,  ei  und  i:  ags.  csfege  (Schlüßel),  alte, 
keie,  neue.  key.  Ebenso  ags.  stseger  stseier  stäir-s,  hnsegan  to  neigh 
(ä),  clsfeg  cläy,  grjEg  gräy  und  grey. 

Ags.  eo  (eö)-g  wird  i:  ags.  leoge  (lüge),  Orm  leghe,  alte,  leie  lie, 
neue,  to  lie.  —  Ags.  fleoge  fleo  fle  to  fly  (fliegen). 

Ags.  eä-g  wird  i  (ei) :  ags.  eäge  (Auge),  Lag.  aegene  egene,  Orm 
ehge  (wohl  für  eghe),  alte,  eie  eye,  neue,  eye  (=  i).  Ebenso  deägan 
(färben)  deien  to  dye. 

§.  74.  B.     Synkope   bewirkt   nicht    nur,    wo   es   möglich   ist,    Dehnung, 

sondern  wirkt  auch  auf  den  Laut,  indem  sie  die  consonantische  Um- 
gebung des  Yocals  ändert,  wie  in  ags.  (hläf-weard)  hläford,  Orm 
laferrd,  alte,  lauerd  louerd,  neue.  lörd.  —  Ags.  (hläf-weardige)  hlaef- 
dige,  Lag.  lafedi  lefedi,  Orm  laffdig,  RG.  leuedy  etc.,  neue.  lädy.  — 
Ags.  läverce,  alte,  laverock,  neue.  lärk.  —  Ags.  ä-hwseder  äwdor 
äwder  äder,  Orm  oww)?err,  alte,  other  outher  or,  neue.  ör.  Ebenso 
n-ä-hwseder,  neue.  nör.  —  Ags.  ä-ge-hwseder  seg-hwseder  segder,  Lag. 
seider,  Orm  eggj>err,  alte,  eyther  either,  neue,  either  (e-ther) ,  ebenso 
n-ä-ge-hwseder  neither. 

§.75.  C.    Metathese  ändert  ebenfalls  die  consonantische  Umgebung  und 

wirkt  dadurch  auf  den  Laut.  Ags.  rinnan  muß  zu  eornan  werden, 
das  zu  alte,  ernen  rennen  wird  und  im  Ne.  in  anderer  Schreibung  zu 
to  rün.  Ebenso  brinnan  beornan,  alte,  bernen,  neue,  bürn;  ags. 
brestan  be(o)rstan,  alte,  bersten,  neue,  to  bürst.  —  Ags.  j^ridda  würde 
reines  i  behalten,  aber  schon  Durh.  hat  dirda  Mrc.  12,  21  und  der 
i-Laut  trübt  sich  in  neuengl.  third.  Auch  das  ags.  bridd  ist  im  Ne. 
bird  geworden,  s.  §.    197. 

Die  schon  bei  Lag.  und  Orm  eintretende  Metathese  des  ags.  hw 
ist  deshalb  ohne  Einfluß  auf  die  Lautung  geblieben ,  weil  die  Aus- 
sprache die  ursprüngliche  Folge  der  Consonanten  beibehalten  hat:  ags. 
hwset  neue.  what. 

§.  76.  D.     Der  Abfall  des  consonantischen  Auslauts  oder  Vereinfachung 

mehrfacher  Consonanz  gestattet  Steigerung  oder  Dehnung  des  Yocals: 
ags.  ic,  Lag.  ich,  Orm  icc,  UG.  ich  ych  y,  PL.  I,  mittele,  ich  und  I, 
neue.  I.  —  Ags.  tind  (Spitze)  neue.  tine.  —  Ne.  märe  (Mähre)  kann 
von  ags.  mearh  oder  von  merihe  herrühren. 

E.    Consonantenhäufung  im  Auslaute  kürzt  den  Vocal  und  erhält 


Normannisch-französische  Vocale.  71 

den  Laut  der  Kürze.  Das  erste  tritt  besonders  bei  Orm  hervor.  Ags.  §.  77, 
cweman  (gefallen),  Praet.  cwörade,  h^ran  (hören)  hyrde,  l^dan  (führen) 
h^dde,  fedan  (nähren),  fedde,  redan  (lesen)  redde,  h^dan  (verbergen) 
hydde.  Bei  Orm  aber  wird  der  Vocal  im  Praet.  durchgängig  kurz; 
cwemenn  cwemmde,  herenn  herrde,  ledenn  ledde,  fedenn  fedde,  redenn 
redde,  hidenn  hidde.  Die  langen  Laute  haben  dann  die  Steigerung 
eintreten  laßen,  während  die  mehrfache,  jetzt  wieder  vereinfachte  Con- 
sonanz  die  Kürze  festgestellt  hat.  Daher  im  Neue,  hear  heard,  lead 
led,  feed  fed,  read  read,  hide  hid.  —  In  neue,  thumb  ist  es  zweifel- 
haft, ob  in  Folge  des  angeschobenen  b  (ags.  I)üma  Daumen)  der  Vocal 
sich  verkürzt  hat  oder  ob  die  Kürzung  des  Vocals  den  verwandten 
Laut  hat  antreten  lallen.  Dagegen  kurz  ist  der  Vocal  geworden  in 
ags.  leenan  alte,  lenen  neue,  to  lend  und  in  ags.  sil?|?an,  Laq.  se|7en 
sef>)?en  swuj^j^en,  Orm  sij7)7enn,  RG.  sij?j7e  siththe,  PL.  sitben,  Mau. 
siththen,  neue,  since. 

Die  bedeutendste  Einwirkung  auf  den  Laut  übt  der  Accent. 

Dritter  Abschnitt. 

Normannisch-französische  Vocale  im  Englischen. 

Um   einen  Anfang   zu   haben,    von   dem   aus  die  Entwicklung  der  §.  78. 
Vocale   beginnt,    legen  wir   den  Vocalismus    zu  Grunde,    der  in   dem 
ältesten  normannischen   Documente,    den   Gesetzen    Wilhelms   des  Er- 
oberers, vorliegt.     Hier  finden  sich  a,  e,  i,  o,  u,  y;  ai  ay,  au,  ei  ey, 
eu,  oi,  ou  und  ui. 

A  entspricht  1)  lat.  a:  franc  (francus),  estrange  (extraneus), 
wage  (vadium),  arere  (ad  retro),  savoir  (sapere);  2)  lat.  i  in  chascun 
(quisque  unus). 

E  entspringt  1)  lat.  e:  arere,  erithed  (hereditat),  per,  ententi- 
vement  (intentiva  mente),  feste  (festus),  Service  (servitium);  2)  lat. 
i:  semble  (simulat),  evesque  (episcopus):  envers  (inde  versus),  entre 
(intra).  —  3)  latein.  a:  engleis  (anglicus),  chef  (caput),  per,  peire 
(pater);  —  4)  latein.  ae  oder  oe;  present,  plege  (praedium),  femrae 
(foemina). 

I,  dem  1)  latein.  i  vorliegt,  wie  in  file  (filia),  fin  (finis),  vie 
(vita),  justice  (justitia),  service,  folie  (follitia),  lige  (ligius),  religion; 
—  2)  latein.  e:  berbis  (verveces),  dis  (decem),  denie  und  deneie 
(denegat). 


72  Normannisch-französische  Vocale. 

§.  78.  0    entspringt    1)    aus    latein.    o:    non,    uncore   (unquam    horam), 

provost  (praepositus) ,  force  (fortia),  mort;  —  2)  aus  latein.  a:  sot 
(sapuit),  gros  (crassus);  —  3)  aus  lat.  au:  tor  (taurus),  chose  (causa), 
ores  (aurei);  —  4)  aus  lat.  ae:  provost. 

U  ist  entstanden  aus  latein.  u :  escuz  (scutum),  custume  (consue- 
tudin-),  tenure,  sur  (super),  juger  (judicare);  —  2)  aus  lat.  o:  ure 
(hora) ,  larun  (latron-),  puple  (populus),  vescunte  (vicecomes),  mus- 
trer  (monstrare). 

Y  in  yclise  neben  eglise  (ecclesia)  entspricht  ganz  i. 

AI,  ay  entsteht  aus  lat.  a:  vilain  (vilianus),  fait  (factum),  Saint, 
pais  (pacis  und  pagus),  baillie  (bajulia),  raison  (ration-). 

Ei,   ey  aus  lat.  e:   plein  (plenus),    leis  (leges),   dreit  (directus); 

—  aus  i:  abbeie  (abbatia). 

Au  gewöhnlich  für  al,  wie  faus  (falsus),  doch  auch  defaute 
(defectus). 

Eu  für  lat.  o:  apeleur  (appellator),  chaceur  (captiator),  queur  cor. 

Ol  in  paroisse  (parochia),  oil  (oculus). 

Ou:  jour  (diurnus). 

Ui:  nuis,  (noctes),  juice  (Judicium). . 

Unter  den  einfachen  Vocalen  ist  nur  die  Aussprache  des  u  zweifel- 
haft. Der  Wechsel,  den  es  mit  ui  eingeht,  wie  in  fust  fuist,  pusque 
puisque  und  connustre  connuistre,  erinnert  an  das  jetzige  französische 
u,  während  das  bisweilen  daneben  liegende  o  auf  einen  dunklern  Laut 
hindeutet,  wie  in  lur  lor,  ure  uncore,  trover  truver  (finden),  doner 
duner  (geben).  Dazu  tritt  noch  ou,  das  mit  u  und  o  wechselt:  pot 
pout  (kann),  son  soun  sun  (sein),  seignor  (senior)  seignour  und  seignur. 

—  eu  scheint  schon  ein  getrübtes  o  zu  sein. 

Die  Diphthongen  ai,  ei  und  oi  mögen  fast  mehr  etymologische 
als  phonetische  Unterscheidungen  sein,  denn  ai  und  ei  stehen  neben 
einander  in  derainer  dereiiier  (von  ratio,  anklagen),  plaidant  pleide, 
main  mein,  sainte  seinte,  forfait  forfeit;  ferner  ei  und  oi  in  rei  roi 
(König),  dreite  droite  (gerade),  saveir  savoir  (wißen),  seit  soit  und  alle 
drei  in  faiz  feiz  foiz.  Da  ai  und  oi  sonst  nicht  wechseln,  so  ist 
anzunehmen,  dal^  diese  beiden  lautlich  mehr  auseinander  liegen,  wäh- 
rend e  i  vermittelnd  zwischen  ihnen  liegt. 

Lat.  au  ist  o  geworden.  Wenn  nun  wieder  au  auftritt  für  al, 
wie  altrei  autrei  und  au  neben  a,  wie  in  vailant  vailaunt,  so  kann  es 
wohl  nicht  auch  o  gleich  gewesen  sein.  Vielmehr  weist  letzteres  auf 
dunklen  a-Laut  hin. 


i 


Normannisches  a.  73 

Das  AAgs.  bietet  nur  geringe  Iranzösischo  Elemente  dar.  Die  §.  79. 
SC.  erhält  von  a.  1100  an  folgende  Wörter:  canonie  (afrz.  canono 
Canonicus),  canceler  (Kauzler),  marc  (Mark),  capitel  captel  (Domcapitel), 
capelein  (Kapellan) ;  procession,  legat,  tresor  (Schatz),  emperice,  prisun, 
miracle;  acorden  (versöhnen);  duc,  justice,  cuntesse  (Gräfin),  tur 
(Thurm),  curt  (Hof) ;  werre  (Wirre,  Krieg),  pais  (Friede). 

Obgleich  Lag.  nur  wenige  französische  Wörter  hat,  so  mögen  sie 
doch  eingeordnet  werden.  Erst  im  Ae.  tritt  das  Französische  in  grellem 
Umfange  auf. 

A.  Laq.  changen  (lat.  cambire),  canele  (afrz.  cenele  von  cocci-  §.  80. 
nella),  anue  anoy  (afrz.  anoi  anui  enui  aus:  in  odio  esse),  manere, 
granti  (von  lat.  credent-,  afiz.  creanter);  falsie  fausie  (sich  falsch  er- 
weisen), male  (Beutel);  marc  marca  (Münzwerth),  parc,  harsun  (afrz. 
ar^un  Sattelbogen),  barun;  abbey,  chapel,  scapie  achape  (entfliehen), 
tauel  (Tisch);  grace,  machunes  (Maschine);  latinier  latuner  (Dol- 
metscher), admirail,  passi.  —  Ae.  blame,  fame,  dame  dam,  to  calangy, 
change,  langage;  valei,  malissoun,  baron,  to  marie,  mariage,  quarel 
(lat.  querela),  part;  to  ascape,  to  saue,  pauelon,  to  baptise,  grace, 
tabernacle,  bacheler,  place,  acorde,  age,  rage;  to  chasti,  cas  ßG.  — 
Vor  n,  seltener  m,  mit  nachfolgender  Consonanz  tritt  oft  au  neben  a: 
granti  graunti,  enchanter  enchaunter,  ranson  raunson,  ebenso  chaumbre, 
daunger,  perauntre,  merchaundie  PL.  —  Das  Me.  behält  a  meist  bei: 
blame,  fame,  dame,  challange,  valei  etc.,  bezeichnet  aber  bisweilen  die 
Quantität,  wie  paas  paast,  chaarge  Wycl.,  caas  PP.  etc.  Der  Wechsel 
mit  au  nimmt  noch  zu:  maundement,  commaundement,  to  enhaunce, 
Wycl.,  contenaunce,  chauncelrie,  penaunce,  haunten,  servauntz, 
chaumbre  PP.  —  Im  Ne.  bleibt  gewöhnlich  a,  freilich  verschieden 
lautend:  bläme,  fäme,  däme  und  dam,  chänge,  to  escäpe,  to  säve 
gräce,  rage,  cäse;  chäl'lenge,  väl'ley,  bär'on,  mär'riage,  pävil'ion  etc.; 
enchänt'ment ,  ärt,  pärt  etc.;  quär'rel.  —  au  steht  nicht  selten  bei 
Sh.  (Momms.),  wie  in  aun'cient,  aun'cestor,  chaunge,  daunce  und 
dance,  daungerons,  straungere  u.  a.,  allein  es  ist  einfachem  a  ge- 
wichen: äncient,  äncestor,  chänge  etc.  Wenn  einzelne  a  nach  e  über- 
gehen, so  wird  dies  veranlalU  durch  die  Accentuation,  indem  in  unbe- 
tonter Silbe  das  tonreiche  a  dem  e  weicht,  wie  '  ae.  ascape  ne. 
esca'pe,  calangy  to  chäl'lenge,  oder  durch  das  trübende  r:  frz.  mar- 
chand  ae.  marchand  und  merchand,  me.  marchaunt  Mau.  3,  ne. 
mer'chant. 

In  diesem  Verlaufe  fällt  nur  das  eindringende  a  u  auf.    Da  daneben 


74  Normannisches  e. 

§.  80.  ein  au  liegt,  das  aus  al  entstanden  ist,  so  kann  die  Einführung  des- 
selben Zeichens  für  a  keinen  andern  Zweck  haben  als  zu  bezeichnen, 
daß  franz.  a  einen  dunkleren  Laut  hatte,  als  der  war,  den  man  mit  a 
in  englischen  Wörtern  bezeichnete.  Als  dann  im  Ne.  die  Laute  sich 
noch  mehr  auf  a  häuften  und  der  Laut  selbst  sich  änderte,  so  wurde 
au  hier  nicht  blos  überflül^ig,  sondern  es  mußte  weichen,  weil  es  den 
Laut  nicht  mehr  deckte.  Dehnung  und  Steigerung  (ä)  solcher 
Laute  kann  erst  im  Ne.  eingetreten  sein. 

§.81.  E.     Lag.   pensiles    (Fahnen),    werre   werri  (Krieg   führen),    werre 

weorre  worre  (Krieg),  tresur,  chevetaine ,  servy  sarvy  (dienen).  —  Ae. 
amendi,  assent,  emperor;  tempest,  venom;  servise,  eritage,  debonere, 
werre  worre,  werrour,  appere,  perce;  acheue,  puple  peple,  cheventeyn, 
meve  (Afrz.  mover  mouver  muevre,  prover  prouver  pruver),  preve,  fefif, 
preche,  regne;  beste,  resun,  sesun,  treson  (traison  RG.  2850),  tresour, 
preson  prisun,  leoun  lyon.  Me.  dieselben  Formen,  bisweilen  mit 
Bezeichnung  der  Vocallänge:  amende,  assent,  emperour,  tempest, 
venom,  servise,  debonere  und  dibonaire  (de  bon  air),  werre  worre  und 
Mau.  29  auch  warren,  appere,  perce,  perse,  acheue,  peple  etc.  presoun 
Mau-  4  und  prisoun  5,  tresoun  8,  cesoun  5,  lepard  Ch.  libard  Mau. 
22,  best  3,  pese  pece  4,  geaunt  4,  beest  WycL,  meve  move,  preve 
prove.  —  Im  Ne.  gehen  diese  graphisch  und  phonetisch  auseinander, 
e  bleibt  in  amend  mend,  assent',  em'perour,  tem'pest,  ven'om;  her'itage; 
treas'ure,  leop'ard,  ser'vice;  also  fast  überall  vor  mehrfacher  Conso- 
nanz.  —  Dehnung  ist  eingetreten  in  reign  (=  ä).  —  Langer  i-Laut 
ist  eingetreten:  appear',  pierce,  preach,  achie've,  peo'ple,  beast, 
rea'son,  sea'son,  trea'son;  kurzer  in  chieftain,  pris'on;  gesteigerter 
i-Laut  (ei)  in  li'on  und  gi'ant.  Unter  dem  Einfluß  des  w  befestigt 
sich  war(ö)  und  warrior;  und  das  Französische  entscheidet  für  to  möve 
und  pröve. 

Roman,  e  (lat.  tat,  afrz.  teit  tet),  wie  in  plente,  pouerte,  cite  etc. 
werden  im  Me.  ee:  plentee,  citee  (wohl  auch  ie),  und  im  Ne.  zu  ver- 
klingenden y:  plen'ty,  pöv'erty,  cit'y. 

Sieht  man  von  den  letzten  Wörtern  ab,  deren  Aussprache  und 
Schreibung  von  außen  beeinflußt  wird,  so  muß  man  anerkennen,  daß 
franz.  e  sich  ganz  gleich  mit  dem  ags.  entwickelt;  in  Kürzen 
bleibt  es  (e),  in  Längen  wird  es  e;  nur  li'on,  gi'ant  und  ümpi're 
(Afrz.  par,  pair,  das  noch  in  Sh.  (Momms)  4,  1  umpeere  heißt),  müßen 
frühe  i  zugelaßen  haben,  so  daß  dieses,  wie  überhaupt  langes  i,  sich 
lautlich  steigerte. 


Normannisches  i.  '5 

In   lat.   cavea   afrz.   cave   hat  sich   e  consonantiert    zu    g:    cage    §.  81. 
neben  cave. 

I.  Lacj.:  ginne  (afrz.  engin,  ingenium),  cri,  gile,  ire,  siro,  guyse,  §.  82. 
gis-arme  (Streitaxt).  Ae.  alie  aliance,  Image,  rainistre,  prince,  vilenye, 
peril,  miracle,  visitte,  richesse,  oblige,  tricherie,  victorie,  cite  etc. 
Diese  bleiben  auch  im  Me.  Im  Ne.  bleibt  i-Laut  und  zwar  kurz: 
min'ister,  prince,  im'age,  per'il,  riv'er,  vir'gin,  mir'acle,  vil'lany,  vis'it, 
riches,  vict'ory,  fig'ure,  cit'y,  oder  gedehnt:  treachery,  oder  gesteigert 
(=  ei)  to  ally,  alliance,  to  oblige,  sign,  vi'age  etc.  Also  gleiche 
Entwicklung  mit  ags.  i-Laute. 

Die  romanische  Substantivendung  ie  (lat.  ia) ,  wie  in  Ae.  glorie, 
envie,  vilanie,  victorie  bleibt  dem  Me.  und  selbst  noch  bei  Sh.  (Momms.): 
enmitie,  mutinie,  glorie,  envie  etc.  und  wird  dann  zu  verklingendem  y : 
en'mity,  mu'tiny,  glo'ry. 

Auslaut  des  i  im  altengl.  Infinitiv,  wie  amendy,  defendi,  enfermi, 
vverri,  feffi,  deliveri,  obligi,  conquery,  norysy,  fyny,  conseyly  etc.  werden 
im  Me.  entweder  zu  stummen  e:  amende,  defende,  enferme,  werre, 
fefife,  oder  erhalten  sich  in  der  erweiterten  Bildungssilbe  ish:  noryshe, 
fine  finishe  —  eine  Erweiterung  aus  romanischem  ss.  Im  Ne.  bleibt 
ish:  noür'ish,  fin'ish,  floür'ish,  admön'ish  etc.;  dagegen  e  fällt  gewöhn- 
lich ab,  amend',  defend',  war,  cön'quer,  deli'ver,  enfeoff'  etc.,  wenn  es 
nicht  zur  Bezeichnung  der  Aussprache  nothwendig  ist,  wie  Quantitäts- 
zeichen für  i  und  Lautzeichen  für  g  in  to  oblige. 

In  Afrz.  doairiere  ist  i  zu  g  geworden.     Ne.  döw'ager. 

0.  Lag.:  honure,  contrei,  montaine,  nonnerie,  corune  coroune  §.  83. 
crune,  povere  pore  poure,  fol  folie.  —  Ae.  honour,  contass,  crony 
crouny,  montayne,  conseil;  acorde,  ordre;  pover  poore,  robbery,  boteler, 
porpos,  porchas,  cosyn.  Hier  schon  schwankt  o  bisweilen  nach  ou, 
und  noch  mehr  im  Me.  Im  Ne.  geht  es  graphisch  und  phonetisch 
auseinander.  Kurzes  o  in  hön'our,  röb,  röb'bery  etc.,  langes  in  nö'ble, 
accörd',  ör'der  etc.,  getrübt  zu  ü:  pür'pose  pür'chase,  büt'ler,  jüg'gler 
(Me.  jogulour  Mau.  22),  coüs'in.  Dehnung  des  u-Lautes  in  pöor  und 
lautliche  Steigerung  wie  bei  ags.  ü:  cöunt  cöün'tess,  cröwn,  möün'tain, 
cöün'sel.  Also  Kürze,  Dehnung,  Trübung,  Erhellung  und  Stei- 
gerung, wie  in  ags.  Wörtern. 

U.    Lag.  bunne  (afrz.  bodne  [bodina]  bonne  Gränze,  scurmen  (afrz.   §.  84. 
eskermir  kämpfen)  etc.  —  Ae.  cuntre,  uncle,  custume,  turnen,  truage, 
vertu,  armure,  suffren,  studio,  juge,  justice,  use;  aber  bisweilen  auch 
o:  contre  EG.  207  und  neben  u  in  offener  Silbe  eu  oder  ew:   truage 


76  Nurmaniüsches  n,  y,  ai,  au. 

§.  84.  RG.  !)I5.  treuage  PL  113.  verte>v  PL.  342.  Mehr  noch  nehmen  die 
Schwankungen  im  Me.  zu:  unclc  encle  WycL,  studyen  PP.  Cr.  1177 
stodyen  1171,  turne  Ch.  2450  tourne  5001,  cnrtesie  courtesie,  turment, 
habundant  habound  14066,  numbre  noumbre  5612.  —  Im  Ne.  bei 
Sh.  (Momms.)  oft  schwankend  wie  tuche  touche,  tung  tongue,  tritt 
meist  kurzer  nach  o  geneigter  Laut  ein:  coün'try,  ün'cle,  cüs'tom, 
coiir'tesy,  turn,  ar'mour,  süf  fer,  stdd'y,  jud'ge,  jus'tice,  skirmish  (i  =  u), 
und  nur  in  offener  Silbe  ü:  vir' tue,  trü'age,  üse;  Lautsteigerung  in 
aböünd.  Franz.  u  scheint  der  alteng].  Zunge  ebenso  unbequem  gewesen 
zu  sein  als  der  neuenglischen.     Es  verläuft  wie  ags.  u. 

§..85.  Y  kommt  sehr  oft  vor  im  In-  und  Auslaute,  aber  gewöhnlich  für 

i  und  stimmt  überhaupt  mit  demselben  überein:  fyne  (Ende),  fyny 
(endigen),  symple  (einfach),  to  gye  (führen).  Im  Ne.  hat  es  sich  nur 
im  Auslaute  erhalten:  ae.  alie,  ne.  ally. 

§.  86.  Ai,    ay.      Ae.    paye,    mainten    PL.    404,    clayme,    aray,    payns. 

Beide  Laute  mül^en  noch  gehört  worden  sein,  obgleich  es  in  minder 
betonten  Silben  a  gegenüber  liegt,  wie  in  compaynie  companye;  denn 
es  wechselt  oft  mit  oi,  wie  quaynte  quoynte  und  mit  ei:  Londrais 
Londreis,  pais  peis.  Auch  im  Me.  dauert  dieser  Wechsel  vielfach 
fort,  wie  fainen  Ch.  707  feinen  738,  soveraine  15215  sovereine  07, 
darraine  1611  darreine  1033,  certain  3495  certein  13506,  obay  14396 
obey  8407,  palays  Mau.  3  paleys.  4,  depeint  Ch.  depainted  WycL, 
counsail  counsel,  bataille  und  daneben  proclame.  Im  Ne.  klingt  es 
nach  Smith  noch  diphthongisch,  allein  der  Wechsel  bei  Sh.  (Momms.), 
wie  in  curtain  curten  4,  3,  counsaile  counsell  5,  5,  sodaine  soden 
sudden  etc.,  zeigt,  daß  der  e-Laut  einzutreten  beginnt,  mag  die  Schrei- 
bung ai  oder  ei  sein:  päy,  cläim,  arräy',  päin(ä),  feign(ä),  obey', 
päint,  procläim',  selten  kurz  wie  in  main'täin;  aber  in  unbetonten 
Silben  verklingt  es:  sov'ereign,  cer'tain,  päl'ace,  com'pany,  cöünsel, 
bättle,  tnivel.  Pais  gelangt  durch  mittelen glisch  pees  zu  langem 
i-Laute:  peace. 

Die  Vereinfachung  des  diphthongischen  ai  zu  e-Laut   erinnert   an 
denselben  Vorgang  im  Ags.,  des  äi  zu  ä. 

§.87.  Au   im   Ae.    und   Me.    steht    entweder   neben   a,    wie   in   graunti, 

enchaunter,  raunson,  daunger,  hauiite  RG.,  evaungelist,  enchauntement, 
servaunt,  graunt,  marchaunt,  aungelle,  braunche  etc.  Mau.,  Wycl.,  oder 
es  ist  aus  al  entstanden,  wie  in  hauberk,  haut,  autere,  paume,  caudron, 
aumener,  heraud  etc.,  me.  awteer  Mau.  3,  awtiere  1,  emeraude  5, 
sawtere  3,  assaut,  oder  lat.  au:  cause  Mau.  3.  —  Im  Ne.  gehen  die 


Normannisches  ei,  en,  oi,  ou.  77 

ersten   au   auf   a    zurück  wie    grünt   etc.,    selten  bleibt  au,    wie  in  to   §.  87. 
häuut.     Für  das  zweite  au  tritt  gewöhnlich  al  wieder  ein,  s.  §.   152; 
das  dritte  bleibt:  cause,  author. 

Ei,  ey  schreiten  im  Ae.  und  Me.  oft  nach  ai  und  oi  aus.  Ae.  §.  88. 
veyne,  feyntise,  to  ordeyne,  enqueyntance,  susteine,  despeirable,  deceit, 
contrey  contre,  valoy  etc.  Me.  veyne,  greyne,  conteyne,  ordeyne, 
pleynly,  cheyne,  peinture,  constreyne,  disceyven,  streyt,  forneys, 
contreye  contree  Mau.  —  Ne.  Sh.  (Momms.)  schwankt  auch  hier 
noch,  wie  convay  4,  5.  convey  conveigh  3,  5.  Es  tritt  langer  e-Laut 
ein  (=  ä):  vein,  feint,  to  ordain' ,  acquäin'tance,  sustäin',  gräin,  con- 
täin',  pläin,  sträight,  chäin,  consträin';  langer  i-Laut  (e):  deceit,  de- 
ceive;  in  Folge  vorschreitendes  Accents  verklingt  der  Vocal:  für'nace, 
coün'try,  väl'ley. 

Der  ursprünglich   diphthongische  Laut   vereinfacht  sich 
zu  e-Laut  und   dieser  verläuft  regelmäßig. 

Eu  ew  erscheint  im  Ae.  neben  u,  wie  in  truage  treuage,  vertu  §.  89. 
vertue,  oder  neben  iw,  wie  in  gewe  giwe,  oder  nach  Erweichungeines 
dazwischen  liegenden  g,  wie  in  reule  (regiüa).  Sie  bleiben  im  Me. 
nicht  immer,  da  wahrscheinlich  einfaches  u  zu  dem  Laute  von  eu 
gelangte:  truage,  vertue,  Jew,  rewle,  rewel.  Ne.  truce,  vir'tüe,  Jew^ 
rüle.  Hierher  gehört  fief  feof  (got.  faihu,  ags.  feoh  [Vieh],  im  lat. 
mit  eingeschobenem  d:  feudum  feodum,  altfrz.  feu  für  fieu  und  daraus 
mit  consonantiertem  u:  fief). 

Afrz.  ie  inlautend  wird  oft  zu   ae.  e:    chef,  pes  pece,  doch  auch    §.  90. 
grief.    Im  Ne.  erweitern  sich  jene  und  Sh.  (Momms.)  hat  griefe  greefe 
2,  1.  4,  1.  grievance  greevance,  peece,  jetzt  grief,   grievance,  piece. 
—  Auslautendes  ie  s.  §.  82. 

Oi,  oy  wechselt  im  Ae.  einerseits  mit  ei,  wie  crois,  croyserye  §.  91. 
creyserye  RG.  8245,  quointys  queintis,  andrerseits  mit  ui  in  destroie 
PL.  130  stroie  966  destrui  RG.  47,  destrye  1279.  Es  hat  daher 
nichts  mit  dem  jetzigen  franz.  oi  in  der  Aussprache  gemein,  oi  bleibt 
im  Me.  und  Ne.  cröis,  deströy',  vöice,  jöy,  anöint',  pöint.  Doch  afrz. 
loisir  leisir  wird  ae.  leisure,  und  schwankt  bei  Sh.  (Momms.)  4,  1 
noch  zwischen  leasure  und  leisure  (also  e-Laut),  letzteres  befestigt  sich 
und  der  Laut:  leisure. 

Ou,    ow..     Ae.    noumbre,   crounement,    town,    soupere,    towching   §.  92. 
RG.  1014,    outrage,  doute,  spouse.     Me.  bountee,  to  count,  countour, 
fourme,    powder,    coursere,  journeye,    tour,   virtuouse,    dragoun,    tre- 
sour.     Aber  im  Ae.  wechselt  es  noch  oft  mit  o,  wie  to  crony  .corouny 


78  Normannisches  ou,  eu. 

§.  92.  coroune,  oder  mit  u,  wie  dosse  dusze  duze  (Dutzend),  purchas  por- 
chas  pourchas;  eben  so  im  Me.:  doutous  dowtous  dotous  Wycl., 
numbre  (=  encombre)  Ch.  R.  5438  und  enourabre.  —  Auch  Sh.  lälH 
es  schwanken:  cosen,  cousen,  yong  young  1,  3.  coffing  coughing  3,  1. 
Im  Ne.  steht  kurzer  Laut:  nümber,  süp'per,  döz'en,  pür'chase,  toücb, 
joür'ney;  oder  ö:  cöurt,  form,  cöur'ser;  oder  Lautsteigerung  (au): 
crö'^n,  Öütrage,  döübt,  spöüse,  böünty,  cöünt,  pöwder,  töwer.  Mit 
dem  Verlauf  des  Accents  schwächt  sich  der  Ton:  dräg'on,  treäs'ure, 
vir'tuoüs. 

Wie  au  aus  al,  so  bildet  sich  auch  ou  aus  ol  im  Me.  soudan, 
sowdan,  das  im  Ne.  zur  franz.  Form  sultan  zurückkehrt. 

§,  93.  Ui  ist  im  Ae.  selten  und  bisweilen  mit  oy  wechselnd:   fruyt,   to 

anuye,  puyson.  Me  fruyt  frute  Mau.  fruyt  froyt  PP.,  destruie  destroie, 
circuyt  Mau.  5.  —  Im  Ne.  befestigt  sich  entweder  oi:  an-nöy',  de- 
ströy',  pöi'son;  oder  u-i:  cir'cü-it,  oder  u-Laut  mit  Unterdrückung  des 
i:  fruit,  suit  (Sh.  Mms.   1,  2.  B.  sute). 

Für  die  französischen  Wörter  ist  es  wichtig,  zu  beachten,  1)  wann 
sie  ins  Englische  übergetreten  sind,  denn  sie  tragen  das  Gepräge  ihrer 
Zeit;  2)  wie  sie  eingeführt  wurden,  denn,  die  mündliche  Ueberlieferung 
der  frühesten  Zeit  hält  den  fremden  Laut  fest,  während  die  schriftliche 
Einführung  nur  die  Form  bewahrt  und  diese  englischer  Aussprache 
überliefert;  3)  in  welchen  Kreisen  sie  gebraucht  werden,  denn  tech- 
nische Ausdrücke  erhalten  gewöhnlich  das  Fremde  in  Form  und  Laut; 
4)  ob  sie  englischer  Accentuation  verfallen,  denn  diese  verändert  Form 
und  Klang  des  Worts. 

§.  94.  Die    französischen    Vocale    entwickeln    sich    in    vielfach    gleicher 

Weise,  wie  die  deutschen  — ■  ein  Beweis,  daß  die  lautlichen  Verän- 
derungen erst  in  der  späteren  Zeit  eingetreten  sind. 

1)  Die  Kürzen  erhalten  den  Laut  des  Vocals,  wie  välley 
märriage,  tempest  amend,  image  prince,  röb  hönour  hömage. 

2)  Dehnung  bewahrt  selten  den  ursprünglichen  Laut, 
wie  reign(ä),  treachery,  noble,  örder,  trtie,  üse;  sondern  gewöhn- 
lich ist  Steigerung  damit  verbunden:  bläme,  beast,  reason, 
pöor,  aböünd.  Bisweilen  ist  ein  so  vorgeschrittener  Vocal  mit  den 
Genoi^en ,  denen  er  sich  zugesellte,  auf  die  nächste  Stufe  gerückt, 
wie  li'-on,  gi'-ant,  wenn  man  nicht  eher  annehmen  muß,  daß  bei  fran- 
zösischer Accentuation  leicht  der  Vocal  erster  Silbe  zu  wenig  klingen- 
dem i  werden  konnte,  le-on'  zu  li-on',  ge-ant'  zu  gi-ant',  und  daß  dann, 
als  der  Accent  zurückgeschritten  war,  i  den  vollen  Laut  erhielt. 


Neuenglischer  Vocalismus.  79 

3)  Auch   die   consonantischen  Einflül^o  machen  sich  geltend,    wie    §.  94t 
r:    Charge,    ärt,  pärt,  serve,  Service,  virgin;   w  und  qu:    Warrant  (ö), 
quantity.     Anschaulich    liegt   die   verdunkelnde   Kraft   des   w   vor  in: 
Lag.  werre,   ae.  werre  weorre  worre,   me.  werre  worre  warre  Mau.  29. 
ne.  war.     Ebenso  1:  fälse. 

Vierter  Abschnitt. 

Neuenglischer   Vocalismus. 
I.    Lautzeichen. 

1.     Einfache  Vocale. 

Jedes  Zeichen  hat  zwei  Hauptlaute,  die  durch  die  Beschaffenheit 
der  Silben  bedingt  sind,  in  denen  sie  stehen.  §.  95. 

1)  Der  Laut  ist  kurz  in  geschloÜener  Silbe. 

ä  lautet  fast  wie  ae,  ein  etwas  nach  e  sich  neigender  Laut:  man, 
fat;  —  e  hat  den  Laut  des  deutschen  e:  men,  bed;  —  eben  so  fällt 
i  mit  dem  deutschen  Laute  zusammen:  bid,  fit;  —  o  ist  etwas  dunkler 
als  im  deutschen:  pöt,  not,  stop;  —  ü  klingt  etwa  wie  ce,  nur  etwas 
dunkler  nach  o  hin:  büt,  tüb,  bück,  üs;  —  y  fällt  lautlich  mit  i  zu- 
sammen.    Wir  bezeichnen  diese  Laute  mit  dem  Kürzezeichen. 

2)  Der  Laut  ist  lang  oder  gedehnt  in  offener  Silbe; 
zu  einfacher  Silbe  tritt  stummes  e  als  Längezeichen  des  vorhergehenden 
Vocals: 

ä  wird  dann  helles  e:  fäte,  fä-tal,  mäne;  —  e  lautet  wie  i  oder 
ih:  he,  me,  Bede,  de-cent;  i  wie  ei:  bite,  mine  mi-ner;  ö  wie  oh: 
nö,  nöte,  nö-ting;  ü  wie  juh:  üse,  tübe,  dü-cal;  y  wie  ei:  by,  fly, 
style,  ty-rant. 

Manche  Vocale  haben  Nebenlaute  und  diese  sind,  abgesehen  vom 
Accente,  durch  die  consonantische  Umgebung  und  Dehnung  veranlalU. 
Selten  klingt  im  Nebenlaute  der  alte  ursprüngliche  Laut  fort. 

1)  Die  bedeutendste  Einwirkung  übt  nachstehendes  r,  es  trübt 
fast  alle  Vocale;  ä  wird  zu  reinem  Italien,  a,  man  mär,  fät  fär;  ä 
wird  breiter,  wie  deutsches  aeh:  mäne  märe;  e  trüber,  wie  ü:  hen  her, 
herd;  i  zu  demselben  Laute:  bid  bird',  girl,  birch;  ö  wird  dunkler  und 
länger:  störm,  mörning;  nur  ü  behält  seinen  dunkeln  Laut,  wird  aber 
etwas  gedehnt:  büt  bür.  Selbst  hinter  e  und  i  schlägt  r  wie  in  ver- 
klingender Silbe  nach:  here,  fire  (=  he-er,  fi-er).  Vor  ü  hebt  es 
den  Vorschlag  auf:  rue  =  ruh. 


80  Neuenglisches  a. 

§.  96.  Diese  Dehnung-    und  Trübung  findet  nicht   statt,    wenn  ein  r  die 

Silbe  schliei-^t  und  ein  anderes  die  nächste  Silbe  beginnt:  tär-ry, 
mer-ry,  mör-row,  fiir-row. 

2)  Vorstehendes  w  (qu)  hat  u  verdunkelt  zu  einem  zwischen  a 
und  0  liegendem  Laute  (ö):  wan,  quan'tity;  den  alten  u-Laut  erhalten 
in  wolf(ü),  und  nachstehendes  o  oft  getrübt:  wdrä,  wörth,  wön. 

3)  Nachstehendes  11  wirkt  dunkles  aus  tiefer  Kehle  klingendes 
a  (ä):  all,  ball;  und  färbt  auch  e  und  i  etwas:  well,  feil,  will;  wäh- 
rend der  U-Laut  sich  öfter  erhält:  ffill,  pull. 

4)  In  Stämmen  mit  einfacher  Consonanz  oder  mit  -nd  und  -Id  im 
Auslaute  hat  Dehnung  und  Lautsteigerung  eintreten  können,  während 
in  Bildungen,  Ableitungen  und  Zusammensetzung  durch  Consonanten- 
häufungen  der  kurze  Laut  sich  erhalten  oder  festgesetzt  hat.  So  child 
children,  wild  wilderness,  wise  wisdom,  kmd  kindred,  Christ  Christian; 
clean  cleanly,  »deal  dealt,  feel  feit. 

§.  96«  A.    Smith   (De   recta    et    emendata    linguae    anglicae    scriptione 

dialogus,  Thoma  Smithio  equestris  ordinis  Anglo  authore.  Lutetiae, 
ex  officina  Eoberti  Stephani  typographi  Eegii.  1568.)  gibt  nur  zwei 
a-Laute  an:  a,  das  entweder  kurz  ist,  wie  man,  far,  to  mar,  bar, 
to  pas,  bak  (Eücken),  oder  lang,  wie  in  man  (Mähne),  farwel,  mar 
(Mähre),  bar  (nackt),  hat  (haßen),  pas  (Schritt),  bak  (backen).  Da- 
neben stellt  er  au,  av,  a  wahrscheinlich  mit  schwach  nachschlagen- 
den u;  in  clau  (Klaue),  rau  (roh),  lau  (Gesetz),  mau  (Magen),  sau 
(Säge),  au  (Schrecken),  strau  (Stroh),  nauht  (nichts),  tauht  (gelehrt), 
fauht  (focht),  lauhter  (Lachen). 

Damit  stimmt  die  Schreibung,  und  auch  der  Eeim  bei  Spenser 
und  Shakespeare  im  Allgemeinen  überein.  Aber  man  muß  von  der 
gegenwärtigen  Orthographie  absehen.  Beide  haben  nämlich  tonloses 
e,  das  man  im  Ne.  als  Längezeichen  zu  verwenden  pflegt ,  in  großem 
Umfange  und  entschieden  nicht  in  jener  Verwendung.  Es  steht  bei 
Sh.  (EJ.  von  Mommsen)  bisweilen  hinter  langem  Vocale,  wie  tode 
B.  2,  4.  rore  B.  2,  5.  grone  A.  1,  1.  chuse  etc.,  aber  gewöhnlicher 
wenn  die  Länge  schon  auf  andere  Weise  bezeichnet  ist,  wie  in:  feele, 
steele,  heele,  seeme,  umpeere,  keepe,  weepe,  seeke,  clieeke,  meete, 
neece  oder  beame,  dreame,  meane,  heare,  feare ,  weake,  speake,  heate 
oder  poore,  noone,  toombe,  knowe,  looke,  noyse  oder  paine,  raine,  veine, 
villaine;  und  es  steht  sogar  hinter  Kürzen  mit  mehrfacher  Consonanz: 
seife,  lampe,  darke,  worme,  burne,  turne  und  selbst  hinter  dem  Kürze- 
zeichen der  Doppelconsonanz:  backe,  necke,  farre,  starre,  egge,  lesse, 


Neuengl.  a.  81 

stirre ,    incke,    tricke,    kisse,    thiniie,    stocke,    cocke,    sonne,    runne,  §.  96. 
siinno;   Ben  Jons,    bezeichnet   es  in  made,    stripe  als  Dehnungszeichen 
aber   noch   nicht   tonlos   (it   soundeth  obscure  and  faintly);    Wallis  er- 
klärt  es   für  stumm.     Es   dient   letzterem   zur  Bezeichnung   der  Quan- 
tität,   der  weicheren    Aussprache   von  c,    g    und   th,    und    zur   Unter- 
scheidung des  consonantischen  vom  vocalisclien  v:  save  sau.  —  Ferner 
würde    dem     oben    angeführten    au    bei    Sh.    aw    entsprechen:    law, 
paw,  jaw   und  mit  diesem  aw  reimt  bisweilen  au:  laws  cause.     Dane- 
ben   aber    stehen   auch    andere  au,   die   mit  a  wechseln,  wie  daunger, 
slaundre,    chaunge,   straunger,  auncient,  daunce,  aumbling  etc.     Sind 
sie  von  jenen  verschieden  (und  das  scheinen  sie),  so  können  sie  nichts 
anderes   bezeichnen   als  reines   a,   das   mit   dem  Französischen   einge- 
drungen  ist   und  in   der  Mitte  zwischen  a  und  aw  steht.     Smith  be- 
achtet das  nicht,  oder  die  Schreibung  dieser  Wörter  erscheint  ihm  falsch. 
Dieses   dreifache   a   zeigt   auch   der  Reim.     Sp.  lam(b)   sam   dam 
1,    10,   57.   starre   farre  arre  carre  1,    2,1.    farre  warre   1,  11,  32. 
past   cast   hast   1,   4,  34.    was  pas   1,   1,  30.    ward  prepard  1,  3,  9. 
tall  funerall  1,  1,  8.    withdraw  law  5,  5,  50.    countenaunce  mischaunce 
1,    2,   21.    —    Sh.    (Delius   VII):    are  prepare,   are  care,   past  waste, 
taste   last,    fast   taste,    grapes    mishaps ,    wanting    granting,    war    jar. 
warm   härm,   war   bar,   fault   halt,    call   all,    laws   cause,    paws  jaws. 
Beachtet   man    daneben,   dal.)  sehr   selten    ai   und   a  reimen,    in   mane 
again    (YA.   und   Sp.)    dazd  raizd  1,   1,   18.  chaire  fare   1,   3,   16,  so 
darf  man   annehmen,   dal^   der   helle  a-Laut   erst   im  Anfang   des    17. 
Jahrhunderts  eingedrungen  ist. 

Ben  Jonson  (1637)  theilt  die  Vocale  ein  in  sharp  und  flat,  hate 
und  hat,  mete  met,  bite  bit,  note  not,  pule  pull;  fügt  aber  nur  zwei 
a-Laute  bei,  der  eine  less  than  the  french  a,  wie  in  art,  act,  apple, 
ancient,  und  der  andere  vor  1:  all,  small,  salt,  malt,  balm,  calm.  — 
Wallis  (1672)  kennt  nur  ein  a  apertum  (=  au,  aw)  in  fäll,  call, 
law,  cause,  säw'd  und  a  exile ,  wie  in  bat  bäte,  pal  pale,  lamb  lame, 
dam  dame ,  bar  bare.  Die  Laute  scheinen  in  den  letzteren  Wörtern 
nur  in  der  Quantität  verschieden;  a  klingt  nach  Wallis  wie  der  Laut 
im  franz.  entendement  (nur  paulo  acutius  et  clarius). 

A  hat  jetzt  einen  vierfachen  Laut.  §-97, 

1)  a  hat  den  kurzen  nach  e  geneigten  a-Laut  (ä)  in  geschielt enen 
Silben,  der  dem  Ags.  m  entspricht:  man,  lärab,  händ,  thänk ,  gläd, 
blädder,  cät,  hat,  äpple,  back,  säddle,  shäll,  tällow,  fällow,  fläx; 
männer,  märry,  fräntic,  sälly. 

Koch,  eng-1.  Grammatik.     1.    2.  Aufl.  6 


82  Neugl.  a. 

ß    97,  Ausgenommen    sind    einige    französische    Wörter,    welche    den 

langen  e-Laut  haben  wie:  chrmge,  grfmge,  ränge,  stränge,  ängel,  dän- 
ger,  mänger,  äncient,  Chamber  (ä  S.  E.),  cämbric,  ämbs-ace  (span. 
ambos  ases),  bäss  Bali,  to  chästen. 

Schwankend  sind:  chäp  (Sra.  Wb.,  chöp  S.  W.  P.  J.  F.  Ja.), 
scäth  (scäth  S.  K.),  släb'ber  (J.  E.  F.  Ja.  Wrc,  slöb-ber  S.  P.  K. 
Wb.,  släb'ber  und  slöb'ber  W.  Sm),  wräth  (J.  F.  Wb.,  räth  S.  P. 
Sm.,  röth  und  räth  W.,  wräth  und  wräth  Ja.  K.  Wrc). 

2)  In  offener  Silbe  den  hellen  e-Laut  und  um  die  Silbe  als 
offen  zu  bezeichnen,  ist  den  einsilbigen  Wörtern  stummes  e  ange- 
schoben oder  dies  e  ist  ursprünglich  Endung  gewesen ,  stumm  ge- 
worden und  beibehalten:  cäme,  läme ,  bäne,  äle,  gäte,  thäne,  äcre, 
säfe,  säve. 

Nur  einige  deutsche  Wörter  sind  ausgenommen ,  wie  fä'thom  (ags. 
faedm),  läth'er  (leador)  und  shäd'ow  (scadu)  behalten  kurzen  Vocal; 
ferner  die  holländischen  gräv'el  (graveel) ,  pän'el  (panneel)  und  räv'el 
(raveel). 

Zahlreicher  sind  die  romanischen  Wörter:  äc'rid,  äd'age,  ä'gile, 
äl'um,  än'ise,  är'id,  bär'on,  cäl'id,  cäl'end ,  cäm'el,  cäv'ern,  cläm'or, 
dispär'age,  fragile,  lat'in,  mät'rice,  päl'ate,  pät'ent,  pläc'id,  räb'id, 
räp'id,  stät'ure,  stät'ue,  täb'id,  täc'it,  täl'ent,  täv'ern,  äg'ate, 
alär'um  lär'um,  äm'ice,  äppär'el,  bärance,  cäb'in,  cär'at,  cäv'il, 
chä'pel,  clär'et,  däm'age,  däm'ask ,  enäm'el,  exäm'ine,  fäc'ile,  fäg'ot, 
fäm'ine,  fäm'ish,  fläg'on,  gäm'ut,  grän'ite,  häb'it,  häg'ard,  här'ass, 
häz'ard,  imäg'ine  inhäb'it,  invärid,  läv'ish,  mäl'ice,  manage,  mäuQr, 
mär'iner,  mät'in,  päl'ace,  päl'ette,  pär'ish,  plan' et,  räv'age,  räv'in, 
säl'ad,  sät'in,  säv'age,  shäm'ois,  spän'ish ,  täb'let,  täl'on,  träv'el, 
träv'erse,  väl'et;  italienisch:   cär'ol  etc.     Ebenfalls   kurzvocalisch   sind 

die  griechischen  än'ärch ,  ät'om ,  cän'on  und  das  celtische  häv'ock. 
Eadish    (ags.    rsedic),    any,    many    und   Thames    (Temese)    haben 

kurzes  helles  e. 

Schwankend  sind  nach  den  engl.  Orthoepisten  folgende  1)  ita- 
lienische Wörter,  die  neben  ital.  ä  engl,  ä  zugelal^en  haben:  bravö 
(W.  P.  J.  F.  Ja. ,  bra  vö  Sm.  E.  Wb.),  desperä-dö  (P.  E.  F.  Sm.  Wb., 
-ä-do  Ja.),  inämorä-tö  (J.  P.  Ja.  K.  Wrc,  -ä'tö  P.  E.  Sm.),  cäntata 
(S.  W.  P.  J.  E.  F.  Sm.  Wrc,  -ä'-ta  Ja.  K.),  S9na-ta  (J.  Ja.  K.  Sm. 
Wb.  Wrc,  -ä-ta  S.  W.  P.  F.),  passä-dö  (S.  W.  P.  J.  E.  F.  Wrc, 
-ä-do  Ja.  K.  Sm.),  tiä'ra  (W.  J.  E.  K.  Sra.  Wrc,  ti-ä-ra  Ja.),  gä'-la 
(W.  F.  Sm.  Wrc,  gä-la  Ja.,  gä'-la  J.);  —  2)  ferner  andere  fremde  Wör- 


Neuengl.  a.  83 

ter,  in  denen  der  ursprüngliche  und  der  englische  Laut  schwankt:  §.  97. 
fa-cade  (Ja.  Sm.  Wrc,  -äde  P.  E.  K.  Wb.),  pom'äde  (S.  W.  P.  J. 
F.  Sm.  Wrc,  -ä'de  Ja.),  drä'-ma  (S.  F.,  drä-ma  P.  Ja.  K.  Wb.,  drä-ma 
E.  Sm. ,  dnVma  und  drä-ma  W.  Wrc),  rä'-jah  (Ja.  K.,  rä'-jah  Sm., 
rä-und  räjah  Wrc),  ä'-ga  (S.  F.  J.  Ja.  Sm. ,  ä-ga  P.  K.;  beides  Wrc), 
e-cläf  (e-clä'  P.  J.  Ja.  Sm.  Wb.  Wrc,  e-cläw  S.  W.  E.  F.  K.),  müs- 
tä'ches  (S.  W.  P.  J.  F.  Ja.,  -äches  Ja.  Sm.  R.,  beides  Wrc) ;  —  3)  solche 
Wörter,  in  denen  in  Folge  doppelter  Consonanz  oder  veränderter  Ac- 
centuation  der  Laut  schwankt:  brä'celet  (W.  P.  E.  J.  F.  Ja.  Sm.  Wb. 
Wrc,  bräs-let  S.),  expä-tricäte  (E.  Ja.  K.  Sm.  R.,  -pät'-  Wb.),  fäb'ric 
(S.  P.  J.  E.  F.  K.  Sm.  Wb.  Wrc,  fäb-  und  fä-  W.  Ja.),  grän'ary 
(S.  W.  J.  E.  F.  K.  Sm.  Wrc,  granary  P.  Ja.),  illa  queate  (illä'queäte  P. 
Sm.),  lac'onism  (Lä'conism  Wb.),  mä'-crocösm  (mäc'rocösm  Ja.  Wb.),mä'tron 
(mät'ron  Wb.),  pä'tron  (pät'ron  Wb.),  sa-tire  (=  sä-ter  S.  P.  J.  F., 
sät'er  K.  Sm.,  sä'-ter  Ja.,  sät-ir  Wb.,  sä-ter  sät-er  sä'tir  sät-ir  W.)  etc. 

3)  Der  kurze   a-Laut  der  geschlol^enen  Silbe  wird  zu  reinem  ita-  §•  ^^' 
lienischem  a,  kürzer  in  geschlol^ener  Silbe  vor  r,  länger  vor  stummem 

1  und  weichen  Lauten  und  in  offener  Silbe:  stär,  fär,  jär,  arm, 
härm,  bärm,  shärp,  härp,  pärt,  regärd,  ärgüe,  älms,  älmond,  bälm, 
pälmer,  cälm,  mälmsey,  half,  cälf,  to  hälve,  to  cälve;  päth,  bäth, 
fäther. 

In  einigen  Wörtern  schwankt  es  zwischen  dem  reinen  ä  und  ä  (Wrc). 
Nares,  Jones  und  Perry  geben  demselben  den  italienischen  Laut, 
wie  in  fär,  Walker  und  Jameson  meistens  ä,  Fulton  und  Knight 
bemerken  ausdrücklich,  dal^  es  zwischen  ä  und  ä  stehe,  und  Smart 
bezeichnet  es  zwar  mit  ä,  fügt  aber  bei,  dal^  der  Laut  etwas  breiter 
sei,  doch  nicht  so  breit  als  in  ä.  Worcester  zählt  hierher  fol- 
gende W^örter:  ad-vänce,  advant,  Alexander,  änswer,  änt,  blänch,  brauch» 
Chance,  chändler,  chant,  dänce,  enchänt,  enhänce,  ensämple,  gäntlet, 
glänce,  gränt,  länce,  länch,  mischänce,  pänt,  pränce,  säl'amänder, 
sample,  sländer,  slänt,  träuce;  äfter,  cräft,  dräft,  dräught,  gräft, 
häft,  räfter,  shaft,  wäft,  pär'agräph,  chäff,  dniff,  gräff,  quäff,  stäff; 
a-läs',  amäss,  äss,  gläss,  gräss,  läss,  mäss,  päss,  passive,  brass,  cläss; 
aghäst,  älabäster,  bästard,  bläst,  bömbäst,  cäst,  Castle,  conträst,  das- 
tard,  disäster,  fast,  ghästly,  last,  mäst,  mästiff,  nästy,  päst,  piistor, 
pästure,  piläster,  pläster,  repäst,  väst;  ask,  bäsk,  fläsk,  mäsk,  täsk, 
cäsk,  cäsket;  äsp,  cläsp,  gäsp,  gräsp,  häsp. 

4)  A  hat  den  tiefen  dunkeln  a-Laut  und  zwar  kurz  (=ö),  wenn  a  zwi-  §.  99. 
sehen  w  (qu)  und  b,  p,  d,  t,  1,  m,  n,  s  steht:  swab,  squabble,  swap,  wad, 

6* 


84  Neuengl.  a,  e. 

§  99.  swaddle,    wliat,  squatter,    wallow,    swallow,    quality,  quantity,  swamp, 
wan,  swan,  was,  wash,  squash;   ferner  auch  in  chaps  und  yac//t  (yot). 

Ausgenommen  sind:  twäng,  twänk. 

Langer  dunkler  a-Laut  steht  vor  1,  11:  all,  also,  ball,  call,  fäll  etc.; 
shäll,  Mull  und  Päll-MtUl  sind  ausgenommen;  vor  Id,  It:  bald,  älder, 
hält,  hälter,  auch  vor  Ik,  Im,  obgleich  1  stumm  geworden  ist  in  bäZk, 
chäZk,  stäZk,  iiilk  (sprechen,  aber  tälk  [Talkstein],  Wallis  verlangt  noch 
to  walk,  to  tälk),  wäZk,  häZm,  quäZm,  wä/m;  oft  zwischen  w  und  r: 
war,  wärble,  ward,  swärm,  quärt,  quärter  und  in  wäter. 

Ausgenommen  sind  dälly,  gällows,  tällow,  pället,  bällast,  gällic 
und  andere  mehrsilbige  Wörter. 

Schwankend  sind  lat.  basält'es  neben  engl,  ba-sält'  (Ja.  Sm.  R. 
Wrc,  ba-sält  K.,  ba-zölt  Wb.),  basäl'tic  (J.  Sm.  R.  Wrc,  basäl'tic 
R.,  ba-zöl'tic  Wb.),  equal'ity  (ö  W.  P.  J.  Wrc.  F.  Ja.  Sm.,  ä  S.  E. 
K.),  häl'berd  (häl-berd  Ja.  Sm.),  mäll  (mäll  S.  W.  F.  Sm.),  päl'frey 
(J.  F.  Wb.,  pälfre  S.  P.  E.  K.  Sm.,  beides  W.  Wrc),  psäl'ter  (säl'ter 
Sm.),  quäd'rant  (quöd'rant  S.  J.  Sm.),  swath  (=  swöth  P.  K.  Sm. 
Wb.,  swäth  E.,  swäth  Ja.),  quash  (quösh  S.  W.  J.  Ja.  K.  Sm.  Wb., 
quäsh  P.  E.  F.). 
100.  E.     Smith   führt   schon   einen   dreifachen  Laut  an:    1)  kurzes  e, 

wie  in  men,  red  (roth  und  gelesen),  led  (geführt),  whet  (schärfen), 
hei  (Hölle),  sei  (verkaufen),  les  (weniger);  —  2)  langes  e:  men 
(mittelmäßig,  gering),  bred  (Brot),  led  (Blei),  red  (lesen),  hei  (heilen), 
sei  (Siegel),  les  (Pachtung),  whet  (Weizen);  —  3)  e,  das  zwischen  e 
und  i  steht:  me  (mich),  se  (sehen),  she  (sie),  be  (Biene),  fei  (fühlen), 
quen  (Königin),  men  (meinen),  dep  (tief),  step  (steil),  shep  (Schafe), 
bef  (Rind),  Sek  (suchen),  lek  (Lauch),  wek  (Woche),  met  (begegnen), 
fet  (Fül^e),  nez  (niel^^en).  Letzteres  wäre  also  schon  der  beginnende 
i-Laut,  den  jetzt  auch  manche  unter  2)  angenommen  haben,  wie 
mean,  read,  heal,  seal,  lease,  wheat,  während  nur  bread  und  lead 
ihren  Laut  behalten  haben.  Sh.  Momms.  bezeichnet  den  i-Laut  mit 
ee:  hee,  shee,  mee,  bee,  see  und  bisweilen  stehen  ee  und  ie  neben 
einander:  griefe  A.  greefe  4,  1.  Auch  im  Reime  teeth  with  VA. 
Dieses  eintretende  i  ist  aber  schon  älter.  Wycl.  veranschaulicht  so- 
gar den  Uebergang  in  seke  oder  seek  (ags.  seöc)  seik  Mt.  25,  36. 
39  A.  und  in  B.  sijk,  das  sich  zu  sick  verkürzt  hat  u.  Mau.  hat 
mees  neben  mise  (Mäuse).  —  BenJonson  führt  in  betonter  Silbe  zwei 
Laute  an,  e  (==  franz.  i)  in  offener  Silbe,  e  in  geschloßener:  me, 
:ßee,   agree,    ye,   she;   intent,    amend.    —    Wallis    führt   neben   e   vor 


Neuengl.  e.  85 

r,  ^vie  vertue,  noch  kurzen  e-Laut  an  in  seil,  teil,  set,  best,  red,  und  §.   100. 
gedehnten  in  seal,  steal,  seat,  beast,  receive,  deceive;  e  lautet  =  ee 
und  bisweilen  ea,  wie  noar,  dear,  hear. 

1)  In  geschlol^ener  Silbe  lautet  e  im  Ne.  kurz  (e):  hell,  bell,  hem, 
melt,  men,  pen,  web,  step,  theft,  t^gg,  beckun,  reck,  bed,  hedge,  let, 
vessel,  pledge,   sketch,  repent'. 

In  England,  English,  pretty  (Sh.  Mms.    1,  3  pretie)  lautet  e  =  i. 

Schwankend:  yes  (P.  E.  Ja.  Sm.  R.  Wrc,  yis  S.  W.  J.,  yes  und 
yis  F.  K.),  yest  (J.  W.  F.  Ja.  Wrc,  yest  und  yest  Ja.  P.,  yest 
K.  Sm.). 

2)  In  offener  Silbe  hat  e  langen  i-Laut:    he,    we,    me,    be,    eve,  §.   101. 
even  evening,  eke,  equal,  re-al,  theatre,  auch  in  demesne. 

Ausgenommen  sind  folgende,  die  kurzes  e  behalten:  nur  einige 
deutsche  Wörter,  wie  dev'il,  elev'en,  ev'er,  nev'er,  lev'el  (ags.  Isefeld), 
neth'er,  sher'iff,  sev'en,  to-geth'er,  wheth'er;  aber  zahlreiche  latein. 
und  roman.:  al-leg'e,  assev'er,  bev'y,  bev'erage,  blem'ish,  cem'etery 
cred'it,  crev'ice,  clem'ent,  deb'ile,  deb'it,  decrep'it,  del'uge,  des'ert, 
dis-hev'el,  em'anäte,  em'uläte,  energet'ic,  envel'op ,  fel'on ,  gel'id, 
gen'eral,  gen'erous,  gen'esis,  gen'et,  her'ald,  her'on,  hes'itäte,  inher'it, 
intrep'id,  med'al,  mel'on,  men'ace,  mer'it,  met'al,  meth'od,  leg'ate, 
leg'acy,  lem'on,  lep'er,  lev'ee,  lev'y,  lev'en ,  nec'essary,  neph'ew, 
ped'ant,  per'il,  per'ish,  preb'end,  preface,  prem'iss,  pres'age,  pres'ent; 
reb'el,  rec'ord,  refüge,  ref'üse,  rel'ict,  rel'ish,  replen'ish,  res'in,  sec'ond, 
sen'ate,  sev'er,  sev'eral,  sterile,  spher'ule,  ten'ant,  ten'ure,  ten'et, 
tep'id,  ven'om,  ver'y. 

Es  schwanken:  alle'gro  (ä  Ja.),  le-gend  (led'-jend  E.  Sm.  Wb. 
A.),  le'ver  (lev'-er  Wb.),  pe'-dal  (ped'al  K.  Sm.),  te-trar^h  (tet'rär^h 
Sm.  und  auch  W.  Ja.)  tre'mor  (trem'or  Sm.),  ze'nith  (zen'ith  Sm. 
Ja.),  e'-go-tism  (eg'.  Sm.  E.  beides  Wrc.  W.  F.),  e'quable  (eq'uable 
Sm.),  e'quinöx  (eq'uinöx  Sm.),  re'qui-em  (req'uiem  Sm.),  te-lary  (tel'. 
R.  Wb.),  äb-bre-'vi-ate  (äb-brev'iate  P.),  re-me'diable  (med'.  P.)  — 
Cem'ent  (ce'ment  E.  Ja.,  ce-ment'  Sm.),  deb'it  (de'-bit  Ja.),  ep'och 
(e-poch  P.  W.,  ep'och  e'poch  W.  Wrc),  fet'id  (fe'tid  P.),  hel'ot  (he- 
lot  Wb.),  ped-'als  (pe'dals  S.  P.;  beides  W.  Ja.),  prei'-ate  (pre'late 
Wb.),  prel'ude  (pre'lude  Wb.),  scen'ic  (se'nic  Sm.),  ten'et  (te'net  S. 
Ja.  Wrc  K.),  treb'le  (trib'ble  Wb.);  cec'-i-ty  (P.  F.  J.  W.,  ce'city 
S.  Ja.  K.  Sm.  Wb.),  cel'ature  (Wrc.  Ja.  K.  W.,  cö'lature  S.  P.  Sm. 
Wb.),  gel'able  (ge'lable  S.  P.),  her'oine  (he'roine  P.  A.),  nep'otism 
(ne'potism    S.   P.   K.),    plen'ary   (ple'nary  Ja.    Sm.   Wb.),    ret'ro-gräde 


86  Neuengl.  e,  i. 

§.  101.  (re'.  Ja.  Sm.),  ret'rospect  (re'.  S.  E.  Ja.  K.  Sm.) ,  teii'able  (te'nable 
S.  Ja.);  ophem'eral  (e-plie'meral  S.),  in-del'iblG  (in-de-lible  P.),  sed'entary 
(so'.  Ja.),   ster'eotype  (ste'.  W.). 

§.  102.  3)  Auch    hier   übt    r    seinen  Einfliilo:    kurzer   e-Laut  wird  breiter 

und  neigt  sich  nach  ö  hin:  her,  herd,  fern,  deter,  merchant;  daher 
never,  aber  ne''er  =  näre.  So  lauten  ere  (är),  there,  their,  where. 
Hinter  langem  i-Laute  schlägt  ein  dumpfes  r  nach:  möre,  here,  severe 
=  me-er. 

Schwankend:  clerk  (=  clärk  S.  W.  P.  J.  E.  F.  Ja.  K.  Sm., 
Clerk  Wb.,  beides  Wrc),  er-'rand  (P.  E.  J.  Ja.  K.  Sm.  Wrc. ,  är'rand 
S.  W.,  er-'  und  är'rand  F.),  ser'geant  (=  sär-jent  S.  W.  P.  J.  E.  F. 
Ja.  Wb.,  ser-jent  und  sär-jent  K.  Wrc.) 

§.103.  I.     Smith    führt   zwei  i-Laute    an,    einen   kurzen    in  quit  (ruhig, 

frei),  bit  (Biio),  fit  (Anfall),  bil  (Schnabel),  gil  (Kieme),  lim  (Glied),  fin 
(Flol-^e),  sin  (Sünde);  und  einen  langen  in  quit  (befreien),  bit  (beulen),  fit 
(fechten),  bil  (Geschwür),  gil  (List),  lim  (Kalk),  fin  (fein),  sin  Zeichen, 
bi  (kaufen).  Wahrscheinlich  meint  er  mit  i  nur  den  gedehnten  i-Laut, 
nicht  die  Steigerung  zu  ei,  sonst  würde  er  den  Laut  gewiß  in  Ver- 
bindung mit  ai  und  ei  gebracht  haben.  Auffallend  aber  ist,  daß  er 
die  Steigerung,  wenn  auch  nur  misbilligend,  nicht  erwähnt.  Der 
Laut  selbst  nämlich  mußte  nach  und  nach  häufig  werden  im  NAgs. 
durch  die  vielen  Erweichungen  des  g:  daeg  daei  dei  dai,  laeg  Isei  lai, 
ferner  im  Ae.  durch  die  Erweichung  auch  des  ch:  drenchen  dreinte, 
blenchen  bleint,  quenchen  queinte,  s.  ch.  Sodann  treten  die  franz.  ai 
und  ei  hinzu,  und  von  dem  deutschen  und  franz.  ai  sagt  Smith  aus- 
drücklich, daß  beide  Vocale  kurz  gesprochen  worden  seien  und  daß 
ei  sich  wenig  von  ai  unterschieden  habe.  Also  der  Laut  war  da. 
Und  dieser  Laut  scheint  schon  im  Me.  aus  i  hervorzutreten,  figte  feigte 
Gen.  49,  19.  airn  (Eisen)  Mau.  4.  Auch  im  Eeime  bei  Ch.  stehen 
sich  gegenüber  hight  (hieß)  und  height  (Höhe)  R.  1247,  might  sleight 
2971,  hie  eie  ß.  3912,  eye  philosophie  5666. 

Hat  sich  also  i  im  Me.  zu  ei  gesteigert,  so  muß  es  wohl  auch 
im  Gebrauche  geblieben  sein  und  Spenser  und  Shak.  bestätigen  es. 
So  reimt  Sp.  spy  safety  enimy  1,  11,  33.  toil  whjle  1,  10,  17. 
Sh.  lies  eyes,  eye  sky,  eye  by,  nigh  eye,  swine  groin,  und  I  wird 
oft  für  ay  gebraucht.  Aber  viele  i  wurden  noch  nicht  gesteigert,  wie 
umpeere  Sh.  Momms.  4,  1  beweist,  jetzt  umpire.  —  Ben  Jonson 
unterscheidet  sharp  i  in  binding,  mine,  thine,  und  flat  i  in  bill,  bit- 
ter,   little.   —   Wallis    unterscheidet   einen   dreifachen    Laut:    i    exili 


Neucngl.  i.  87 

sono,  wie  in  bit,  will,  still,  win,  pin;  derselbe  Laut  gedehnt  wird  nicht  §.   103. 
durch  i,   sondern  durch  ee  und  ie  bezeichnet:   steel,   field;   gesteigert 
klingt  e  und  i  nach  einander:  bite,  wile,  stile,  wine. 

I  hat  1)  den  kurzen  i-Laut  in  geschloloenen  Silben,  wie  ill,  limb, 
thin,  dip,  lift,  mist. 

Ausnahme.  Der  ei- Laut  ist  eingetreten  in  allen  Wörtern,  in 
denen  gh  stumm  geworden  ist,  wie  lügh,  rngh,  sigh,  üügh,  hligJit, 
figJit,  fnght,  \igJit,  night  (aber  se\emüght  -=  sen'nit)  etc.;  die  mit 
stummem  g:  malT^n,  maligner  (aber  malig'nant,  malig' nity),  si^n, 
assi^n  (aber  sig'nal,  ässigna'tion  und  selbst  ässignee'),  condi^n  (aber 
condig'nity),  auch  mit  stummem  c:  indkt.  Ferner  in  den  Wörtern 
auf  -nd:  find,  bind,  kind  (kindred),  to  wind  (aber  the  wind  (P.  Sm. 
E.  Wb.,  wind  und  wind  S.  W.  J.  E.  F.  Ja.  K.  Wrc.)  und  selbst 
windlass,  rescind);  auf  -Id:  Avild  (daneben  wilderness),  child  (chil- 
dren),  mild,  doch  auch  gild,  build;  ferner  in  climb,  ninth,  whilst, 
Christ,  isle,  island,  Viscount. 

Gedehntes  i  (e)  ist  geblieben  in  romanischen  Wörtern:  äl'guazil, 
bömbasin,  Brasil'  (e,  Brasil  P.  Wb.),  cäpuchin',  chagrin'  (i  Wb.),  che- 
quin',  chopin',  fusil  (fu -zil  S.  Ja.  Sm.  Wb.,  fu-ze'  S.  W.  J.  F.),  gläcls', 
invalid',  pälanquin',  violin'. 

2)  Es  hat  den  gesteigerten  Laut  ei  in   offnen  Silben:   lime,   line  §.   104. 
(aber  linen,    lint,  lintseed  linseed,   lingle),   bribe,   drive,   Wide,   bite, 
nice,  di'-al,  di'-adem,  vari'-ety. 

Dagegen  die  Participien  risen,  driven,  riven,  shriven,  thriven; 
ferner  bishop ,  give,  live,  hither,  shiver,  shrivel,  sinew,  snivel,  spigot» 
stithy,  trivet,  widow,  wizard.  Viele  romanischen  Wörter,  wie  to 
attrib'ute  (con-,  distrib'ute) ,  Brit'ain,  brig'and,  big'ot,  chis'el,  cit'rul, 
cit'j  ,  civ'et,  civ'ic,  civ'il,  civ'ilize,  consid'er,  contin'ue,  crit'ic  (Kriti- 
ker), deliv'er,  dig'it,  dimin'utive,  elic'it,  empir'ic,  exhib'it  exhibi'tion, 
explic'it,  famil'iarize,  fig'ure,  fil'ial,  fin'ish,  frig'ate,  frigid,  implic'it, 
inclin'atory,  inhib'it,  insip'id,  illic'it,  im'age,  It'aly,  lib'ertinism ,  lily, 
lim'it,  liquid,  liq'uor,  liz'ard,  min'im ,  min'ute,  opin'ion,  prolific, 
pacif'ic,  partic'ipate,  ^tis'an,  pit'y,  prim'er,  priv'y,  prohib'it,  rib'ald 
rib'and,  rig'id,  rig'our,  riv'er,  sig'il,  spin'age,  solic'it,  spir'it,  tim'id, 
trib'une,  vic'ar,  vig'our,  vis'ard,  vis'or,  vis'age,  viv'id. 

Manche  romanische  Wörter  behalten  ihr  gedehntes  i:  cöl-ber- 
tine,  gäb-ardin'e,  häberdin'e,  machin'e,  mändarin'e,  mägazin'e,  marin'e, 
(träns-,  ultra-),  röutin'e ,  täbourin'e,  tämbourin'e,  terrin'e,  tontln'e, 
trephin'e   (Sm.   E.,    tre-fin   P.  A.,  beides  K. ,   treffin  Wb.),   antiq'ue, 


88  Neuengl.  i,  o. 

§.  104.  critiq'ue  (die  Kritik),  pique,  unlq'ue;  capric'e,  chomis'e,  frlze,  polic'e, 
fatlg'ue,  intrig'ue  u.  a.  Der  Landesname  lautet  regelmäloig  Chi'-na 
(China),  cliina  (Porcellan)  =  chi-iia  P.  E.  Ja.  K.  Sm.  Wb.,  chi-iia 
und  chä-na  W.  F. 

Schwankend:  shive  (shiv  Wb.),  bi'-son  (biz'-on  Ja.  Sm.),  sli'- 
ver  (sliv'-er  Wb.,  auch  Wrc),  ti'-ny  (tin'-ny  Wb.),  tri'-fid  (trif-id  Ja.), 
tri'-pöd  (so  und  trip'-od  W.  F.),  be-di'zen  (be-diz'zn  Wb.),  0hir'-9- 
man-cy  (W.  J.  F.  Wb.,  ki'-ro-män-cy  S.  E.  Ja.  K.  Sm.,  ki-röm'-ancy 
P.),  in-clin'-atöry  (W.  Ja.  Wrc,  in-cli'natöry  S.  P.  K.  Sm.),  o-bli'ge 
(Ja.  K.  Sm.  R.  Wb.  Wrc,  o-bli'ge  J.  E.,  beides  S.  W.  P.  F.),  li'vre 
(li'-vur  S.  W.  P.  J.  F.  Sm.,  le'-vur  E.  K.,  le'vr  Ja.,  li'-vur  und  le'- 
vur  Wrc),  mi'-äsm  (S.  W.  E.  Sm.  Wb.  Wrc,  me-äzm  Ja.),  shire 
(=  sher  W.  P.  J.  Sm.,  shir  S.  E.  Ja.  Wb.,  shir  und  sher  F.  Wrc), 
ob-liq'ue  (J.  E.  Ja.  Sm.  R.,  ob-lik'  S.  W.  F.  Wb.,  beides  P.  K.  Wrc), 
nit-id  (S.  W.  J.  F.  Ja.  Sm.  Wrc,  ni'-tid  P.  K.),  is'-o-läte  (iz'-o-late 
W.  J.  F.  Sm.  Wrc,  is'-o-läte  E.  Wb.,  i'-so-Lät  K.),  phil'o-mel  (S.  W.  P. 
J.  E.  F.  K.  Sm.  Wrc,  phi'-lö-mel  Ja.  Wb.),  priv'ative  (S.  W.  J.  E. 
F.  Ja.  K.  Sm.  Wrc,  pri'-va-tive  P.),  lith'-o-män-cy  W.  J.  F.  Ja.  Sm. 
Wrc,  li'-tho-män-cy  S.,  li-thöm'ancy  P.  K.),  min'-a-töry  (W.  P.  J.  F. 
K.  Sm.  Wb.  Wrc,  mi'-ua-tö-ry  S.  E.  Ja.),  de-pil'atöry)  W.  P.  K.  Sm. 
Wb.  Wrc,  de-pi'-latöry  S.  Ja.). 

§.   105.  3)  Auch   hier  trübt    r  den   kurzen  i-Laut,    so  daß  er  mit  e  und 

u  gleichklingt:  für,  sir,  girl,  firm,  chirp,  birch,  girt,  gird,  mirth, 
first  etc.     Hinter  gesteigertem  i  klingt  r  nach:  fire  =  fi-er. 

Diese  Trübung  muß  alt  sein,  da  Sh.  Momms.  sturres  A  5,  3 
neben  stirres  hat  und  fier  B.  2,  5  neben  fire. 

§.  106.  0.  Smith  unterscheidet  nur  zwei  Laute,  kurzen  in  smok  (Frauen- 

hemd), hors  (Pferd),  hop  (hüpfen),  sop  (Bißen),  not  (nicht)_,  rob  (rauben) 
und  langen  in  smök  (Rauch),  hörs  (heiser),  höp  (Hoffnung),  söp  (Seife), 
not  (Merkmal),  röb  (Kleid),  bot  (Boot).  Aber  die  schwankende  Schrei- 
bung bei  Sp.  und  Sh.  Mms.  tung  A.  tongue  B.  3,  5,  coughing  cof- 
fing,  blood  bloud,  cosen  cousen  etc.  und  andererseits  notes  noa- 
tes  3,  5,  sowie  die  Reime  done  sun  Sonn.  35,  gone  sun,  come  sum, 
nurse  worse  A.,  hong  young  Sp.  1,  10,  31,  front  mount  1,  10,  53 
laßen  auf  Trübung  des  reinen  o-Lautes  schließen.  Unterstützt  wird 
diese  Vermuthung  dadurch,  daß  Chaucer  franz.  ou  gewöhnlich  nach 
0,  selten  nach  u  übergehen  und  u,  ou  auf  o  öfter  reimen  läßt: 
numbre  encombre  R.  5439,  about  swote  1705.  Wallis  stellt  1)  o 
dem  aw  im  Laute  gleich,  nur  ist  jenes  kurz,  dies  gedehnt:  fölly  fäll; 


Neuengl.  o.  89 

2)  gedehntes  o  dem  franz.  au:  sole,  more;  3)  o  dem  getrübten  u,  wie  §.   106. 
in  London,  condition,   compasse  und  etwas  gedehnt  in  to  come,    done, 
some,  sonne  (Sohn). 

1)  In  geschlol^ener  Silbe  bezeichnet  o  den  kurzen  dunkeln  o-Laut: 
on,  Song,  söb,  stop,  pöt,  lödge. 

Anlautendes  w  hat  die  Trübung  zu  ö  veranlal-^t  in  w6n,  wdnder, 
wörm,  wörd,  \YÖrld,  wörse ,  \YÖrship,  w6rst,  wört,  wörth,  wörry;  auch 
in  önco,  weil  in  der  Aussprache  w  sich  vorgeschoben  hat.  —  Ferner 
ist  dieses  ö  eingedrungen  vor  m  und  n,  wie  in  adn,  tön  (auch  mön'ey, 
mön'etary),  frönt,  affront',  mön'day,  mönth ;  mönk,  mön'key,  mön'ger, 
mön'grel,  amöng',  amöngst',  bön'gräce,  spönge,  allön'ge ;  lömp',  rhömb, 
bomb,  böm'bast,  bömbasin',  pöm'mel  =  pum'mel,  pöm'pion  püm'pion; 
auch  iu  einige  con-  und  com-,  wie  cöu'duit,  cön'jure,  cön'stable, 
cöm'fit,  cöm'fiture,  com'panj,  cömpass  etc.,  sowie  in  cöm'rade,  attör'- 
ney,  döst,  döes,  döth. 

Trotz  mehrfacher  oder  doppelter  Consonanz  hat  sich  o  gedehnt 
vor  SS,  st,  th,  11,  Id,  It  und  selten  vor  1:  gross,  töss,  glöss,  möss, 
ghöst,  höst,  löst,  möst,  pöst,  böth,  löth,  dröll,  knöll,  pöll,  ströll,  roll, 
bölster,  hölster,  böld,  cöld,  cölt,  scöld,  söl'dier;  fö^k,  comb,  dön't 
(=   do  not),  wön't  (will  not),  önly,  whölly. 

In  einigen  Wörtern  lautet  o  wie  u,  und  zwar  kurz  (ü)  in  wolf, 
Wolston,  Wolsey,  Wolverhampton;  lang  in  tömb,  whöm,  wömb. 

Schwankend  sind:  clöth  (cläwth  S.  J.  K.  Wb.),  cöst  (cäwst 
.J.  K.  Wb.),  cröss  (cräws  J.  Wb.),  fröst  (fräwst  K.  Wb.),  fröth  (fräwth 
S.  K.  Wb.),  tröth  (träwth  S.,  tröth  Ja.  K.),  tt^röth  (S.  W.  J.  F.,  röth 
E.,  i6'räwth  Ja.  K.  Sm.),  höspital  (P.  Ja.  Sm.  Wb.  Wrc,  ös'pital  W. 
E.  F.  K.  R. ,  äws'pital  S.  J.) ,  off  (äwf  J.  K.  Wb.),  soft  (säwft  S.  K.) ; 
slöth  (slöth  Wb.),  cüffer  (ö  S.),  com'bat  (=  cümbat  S.  W.  J.  F.  Sm., 
cöm'bat  P.  E.  Ja.  K.  Wb.). 

2)  In  offnen  Silben  ist  der  Laut  gedehnt;   gö,  lö,  nö,  so;   möle,  §.  107. 
whöle,  stöne,  glöbe,  slöpe;  potent,  sonörous,  crösier,  ambrösial,  cor- 
pöreal,  explösion. 

Kurzes  o  steht  in  einigen  deutschen  Wörtern ,  wie  göne ,  böd'y, 
böd'ice,  bör'ough,  för'est,  gröv'el,  höv'el;  möther,  bröther,  öther, 
öv'en,  slöven,  smöther,  shövel,  thörough;  in  vielen ,  fremden  Wör- 
tern, wie  cöl'our,  cöv'ey,  cöv'-et,  cöv'er  (re-),  cöv'ert,  döz'en,  göv'ern, 
hön'ey,  mön'ey,  plöv'-er,  stöm'ach,  aböv'e,  döve,  glöve,  löve,  shöve 
und  colonel  (=  cörnel);  aböl'ish,  äpostöric,  astönish,  clös'et,  cöl'our 
corumn,  cöl'ar,  cöm'et,  cöp'y,  demöl'ish,  depös'it,  döc'ile  (dö.  P.  Wb.), 


90  Neuengl.  o,  u. 

§.  107.  flör'id,  for'age,  glob'iile ,  liistör'ic,  höm'age,  hoii'est,  hön'our,  jöc'und, 
löz'enge,  uiöd'el,  möd'est,  möd'ern,  mod'ule,  mön'areh,  mon'ade,  ad- 
mön'ish,  mor'al,  nod'ule,  növ'el,  növ'ice,  pörish,  pröb'lem,  proc'ess, 
pröd'uce,  prod'uct,  prof'it,  prog'ress,  proj'ect,  prom'ise,  pröp'er,  proph'et, 
pröv'erb,  pröv'ince,  rob'in,  rös'in,  söl'ace,  söl'id,  söremn,  ton'ic,  vörume, 
vöm'it;  ferner  in  drittletzter  Silbe  corröb'orate,  cüriös'ity,  pröp'agate, 
prös'ecüte,  aströn'Qmy,  biog'raphy  etc. 

Einige  Wörter  haben  u-Laut  (ü),  kurz  woman  (PI.  women  = 
wim'men);  lang  whö,  dö,  adö,  tö  (aber  töward,  töwards),  lose,  mOve, 
pröve,  beböve  (beboove),  whöse,  auch  in  itiv. 

Einige  o  schwanken  wie  in  bos'om  (büz'-um  S.  Sm.  N.,  bö'-zum 
W.  P.  J.  F.  Ja.  R.  Wb.,  büz'um  und  büz-um  K.),  cöb'alt  (S.  W.  P. 
J.  E.  F.,  kö'-bält  Ja.  Sm.),  cö'latüre  (J.  P.  J.  F.  Sm.,  cöl'a-türe  W. 
Ja.  R.  Wrc),  flö'-rist  (flör-ist  Ja.),  nö'-table  (nöt-able  S.  E.),  ö'-bit 
(W.  P.  E.  K.  Sm.  E.,  öb'-it  S.  F.  Wb.,  beides  Wrc),  prö'ba-töry 
(S.  P.  E.  K.  Sm.  Wb.  Wrc,  pröb'-a-töry  W.  Ja.  R.),  pro-vf/ca-tive 
(S.  W.  P.  J.  F.  Ja.  K.  R.  Wrc,  pro-vöc'-a-tive  Sm.),  con-sör-a-töry 
(con-sö'la-töry  S.  P.)  döc'ible  (do'cible  P.  Wb.j,  dön'a-tive  (dö'na-tive 
S.  K.  Wb.),  möb'le  (S.  Ja.  Sm.  W^b.,  mö'ble  W.  J.  F.  R.,  beides 
Wrc),  prog'ress  (prö'gress  Ja.  R.),  re-vöit'  (S.  F.  Ja.  Sm.  R. ,  re-völt 
S.  P.  E.  K.  Wb.,  beides  W.  Wrc),  shöne  (shöne  E.  Wb.,  shün  P., 
shön  und  shon  W.  Wrc),  nothing  (nöth'ing  Wb.),  sov'ereign  (söv'er-än 
Ja.,  söv'-er-in  Sm.),  con'y  (cö'ny  Wb.,  beides  Sm.  Wrc),  nöne  (nöne 
Wb.),  to  sol'der  (söl-der  W.  P.  J.  Ja.,  säw'-der  R.  Sm.,  beides  Ja. 
Wrc,  söd-der  S.,  söl-der  F.),  höv'er  (höv'er  S.  P.  E.  Ja.  K.),  pröl'ogue 
(S.  W.  P.  J.  E.  F.  Sm.  Wrc,  pro' -log  Ja.  K.  Wb.),  twopence  (tüp'- 
pens  S.  W.  P.  J.  F.  Ja.,  tö-pens  K.,  beides  Sm.  Wrc). 

§.   108.  3)  Der   kurze    o-Laut    wird    durch   r   berührt;    er  wird   tiefer  und 

länger,  wie  ör,  nör,  för,  form,  förth,  hörse,  pörk,  pörch.  Schwankend 
sind:  worsted  woU.  Garn  (wörst'-ed  Ja.  ,  K.  Sm.  Wrc,  wür'sted  W., 
wüs'ted  J.  F.),  im-pör-tant  (ö  Ja.),  sör'-el  (sö'rel  S.  W.  J.  F.). 

§.   109.  U.   Smith   führt   drei  Laute,    oder  vielmehr   zwei   u-Laute   und  y 

an.  Jene  beiden  nennt  er  kurz  und  lang.  Kurz  ist  u  in  but  (aber), 
luk  (Glück),  buk  (Bock),  mud  (Schmutz),  ful  (voll),  pul  (pflücken), 
to  (zu)  und  to  (Dativzeichen).  Dieses  u  bezeichnet  er  als  offenes 
lateinisches  u,  das  aber  die  Engländer  verkannt  hätten:  jam  longo 
tempore  a  Gallis  magistris  decepti.  Und  Wallis  p.  57  sagt:  u  quando 
corripitur,  effertur  sono  obscuro:  but,  cut,  bur,  burst,  curst  etc. 
und    erinnert   an   das    franz.   eu    in    serviteur.     Man  wird    wohl    nicht 


Nouony:!.  ii.  91 

irren,  wenn  man  annimmt,  dal^  kurzes  u  in  obigen  Wörtern  wie  ö  §.  109. 
gesprochen  wurde,  eine  Aussprache,  die  Smith  als  französisch  ver- 
wirft. —  Langes  u  steht  nach  Smith  in  büt  (Stiefel),  lük  (sehen)» 
buk  (Buch),  müd  (Affect),  fül  (Thor),  pül  (Fischteich),  tu  (zwei,  auch) 
—  dieselben  Wörter,  die  jetzt  noch  ü  und  6  haben.  Daneben  stellt 
Smith  das  griechische  v  oder  französische  y,  das  kurz  ist  in  v 
(Taxus  yew-tree)  und  lang  in  snr  (schneite),  sli'  (tödtete),  tri;  (wahr)» 
ti'n  (Ton),  vv  (Raute),  mv  (Käfig  für  Falken),  nv  (neu),  dilk  (Herzog), 
mvl  (Mauleselin),  mrlet  (Maulesel),  flt't  (Flöte),  dv  (Schuld),  bri3 
(brauen),  h\v  (blau),  accüz  (anklagen).  Wallis  erklärt  dies  franz.  ü 
dahin,  als  ob  es  aus  i  und  w  zusammengesetzt  wäre,  also  das  jetzige 
ü  mit  seinem  Vorschlage,  oder  ü.  —  Diese  drei  Laute  lallen  sich  auch 
bei  Sp.  und  Sh.  nachweisen,  das  mit  o  (ou)  wechselnde  und  reimende 
u ,  wie  tung  tongue  Sh.  3 ,  5.  touch  tuch  1 ,  5 ,  das  in  offener  Silbe 
beharrende  u,  wie  in  chuse  cruill,  und  das  mit  iu,  ew  wechselnde  u: 
adieu  adue  3,  5.  bewtie  1,  5.  slue  slew  3,  2.  —  Für  die  Schreibung 
bemerkt  Ben  Jons,,  dass  u  in  auslautendem  eu  durch  w  vertreten 
wird,  und  daß  einfaches  u  im  Auslaute  e  antreten  lälU:  süe. 

1)  In  geschlol-^ener  Silbe  klingt  u  wie  oe:  büt,  büd,  cüt,  nun, 
numb,  düll,  türf,  lüxury. 

Einige  Wörter,  besonders  vor  1,  11  und  s  haben  den  kurzen 
u-Laut:  ball,  büllace,  büllock,  bullet,  bülletin,  bülly,  bül'rush,  bül- 
wark,  füll,  füUage,  füller,  füUery,  fülling-mill,  püU,  pullet,  pülley,  pül- 
pit,  Fülham;  büsh  büshel,  cüshion,  püsh,  püss ,  bütcher,  cuck'oo,  to 
put,  püdding. 

Lang  ist  es  in  ruth  und  truth  und  vor  stummen  g,  wie  in  ex- 
pu^n',  impü^n',  oppu^n',  propü^n',  repu^n'. 

Für  crüp'per  hat  Wb.  crüpper,  und  für  fülsome  fülsome. 

2)  In  offener  Silbe  lautet  u  wie  iü  oder  yu:   düke,  müle,  mü'let,  §.   110. 
düe,  düke,  accü'se,  excü'se,  repü'te. 

Vorstehendes  r,  rh  hebt  den  Vorschlag  auf  und  läßt  reines  u 
hervortreten:  rue,  rüde,  true,  ru'mour,  frugal;  bisweilen  auch  1:  blüe, 
ludicrous  (Sm.,  nach  andern  Orthoepisten  aber  ü).  In  stire  und  sti'gar 
verbindet  sich  der  Vorschlag  mit  s  zu  sh  und  dort  folgt  der  lange, 
hier  der  kurze  u-Laut  =  shür  (ö),  shügar. 

Es  lautet  wie  i  in  busy,  busily  und  business;  wie  e  in  bury, 
burial  und  burier;  wie  ü  in  pün'ish,  stüd'y,  düc'at,  aber  regelmäßig 
in  Student,  stü'dious. 

Es  schwanken:   buoy'  (böy  P.  E.  Ja.),   cucümber  (E.  Ja.  K.  Sm. 


02  Neuengl.  y,  aa,  ae,  ai. 

§.  HO.  R.,  coücum-ber  S.  W.  P.  F.,  cüc'.  J.),  cui'rass  (=  kwe-räs'  W.  E.Ja. 
Wb.,  ku  ras  S.  K.,  kwe'ras  P.  J.  Sm.). 

§.111.  Y  als  Vocal   hat   sich  nur  in  fremden  Wörtern  erhalten  und  ver- 

tritt i  im  Auslaute.     Es  theilt  die  Lautung  des  letztern. 

1)  Es  lautet  wie  i  in  geschlol^ener  Silbe:  gyp'sy,  auch  gip'sy. 

2)  Es  lautet  wie  ein  i  in  offener  Silbe:  my,  thy,  de-ny  ,  ap-ply, 
type,  ty'rant,  cy'press. 

Den  i-Laut  haben  chym'ist,  lyr'ic,  phys'ic,  Syb'il,  syn'9d,  syr'inge, 
typ'ic,  tyr'anny,  hyp'ocrite.  Es  schwanken:  dy'nasty  (dyn'asty  J.  Ja. 
Sm.  R.),  elysian  (==  e-lizh'e-an,  e-le'-zhan  S.  K.),  pyr'omäncy  (py'rom. 
S.  E.  Ja.  K.),  Pyth'oness  (Py -thoness). 

3)  Nachfolgendes  r  trübt  den  kurzen  Laut:  myrrh,  myrthe, 
Myrmidon;  nicht  rr,  wenn  das  zweite  r  zur  nächsten  Silbe  gehört: 
Pyr-rho. 

2.     Mehrfache  Vocal e. 
Sie   sind  entweder  Verdoppelungen  wie  aa,  ee,  oo  oder  Vocalver- 
bindungen  wie  ae,  ai  ay,  ao,  au  aw;  ea,  ei  ey,  eo,  eu  ew;  ie  ye;  oa, 
oe,  oi  oy,  ou  ow;  ue,  ui  uy;  eau,  ieu  iew,  oeu. 

§.112.  Aa   (im  Me.    oft,    aber   nicht   hei  Smith,    Ben.  Jons,   und  Wallis) 

steht  nur  als  reiner  a-Laut  in  to  bäa,  in  Aar,  Aärhuus,  bazaär';  sonst 
in  Namen  wie  ä  in  Aäron;  in  Baal,  Gääl,  hört  man  zweites  a  nach- 
schlagen; dunkel  in  Aälborg  (=  äl). 

§.   113.  Ae    kömmt   ebenfalls  nur  in  Fremdwörtern  vor  und  steht  lautlich 

e  gleich. 

Es  hat  wie  dieses  in  geschloßener  Silbe  den  kurzen  e-Laut: 
Aetna  Maestri^ht  oder  den  langen  i-Laut  in  offener  Silbe:  Ae'ac-us, 
ae'on,  Ae'olus,  aerie  (e'-re  W.  Ja.  K.  Sm.,  ä'-e-re  J.  F.  Wb.,  ä're  S.), 
Cae'sar,  dae'mon.  In  beiden  Fällen  ist  bisweilen  auch  e  eingetreten, 
wie  est'iväl,  E'gypt. 

Wie  e  (ä)  klingt  es  in  Mäes,  gäelic  (gä-e-lic  Sm.),  während  aber 
beide  Laute  noch  hörbar  sind  in  ä-e'rial,  ä'eromancy  (är'.  Ja.  K.  Sm.), 
ä'-e-riförm,  ä'-e-ronäut,  ä-e-rög'raphy. 

§.   114.  Ai  und  im  Auslaute  ay.     Smith  führt  eine   dreifache  Aussprache 

des  ai  an.  Gebildete  lallen  beide  Laute  kurz  gesprochen  hören,  also 
ai;  Ungebildete  sprechen  a  lang  und  lallen  i  leicht  nachklingen  ä'-i, 
gezierte  Aussprache  lautet  wie  lateinisches  ae.  Sm.  führt  es  an  in 
pai  (bezahlen),  dai  (Tag),  wai  (Weg),  mai  (mag),  lai  (legen),  sai  (sa- 
gen), esai  (versuchen),  tail  (Schwanz),  fail  (fehlen),  fain  (gern),   pain 


Ncueng-1.  ai,  an.  93 

(Strafe),  disdain  (misachteu),  claim  (beanspruchen),  plai  (spielen),  arai  §.  115. 
(kleiden).  Auch  Wall,  bezeichnet  es  als  einen  Laut,  der  aus  kurzem 
a  und  y  besteht.  —  Allein  das  gerügte  ae  muß  durchgedrungen  sein, 
da  Sp.  öfters  mit  ä  reimt,  wie  rare  faire  compaire  1,  6,  15.  aire  rare 
spare  1,  3,  32.  ayre  prepa(y)re  l,  5,  2.  payre  prepare  1,  3,  38. 
chaire  fare  1,  3,  16.  dazd  raizd  1,  1,  18.  Bemerkenswerth  ist,  daß 
der  Gleichklang  zwischen  a  und  ai  fast  nur  vor  r  stattfindet.  Sh. 
hat  ebenfalls  ai  und  e  neben  einander,  wie  pree  pray  2,  2.  curtain 
curten  4,  4.  counsaile  counsell  1,  3.  sodaine  sudden  3,  1.,  freilich 
meist  in  unbetonten  Silben. 

Ai  und  ay  lauten  wie  gedehntes  e  (ä):  päy,  pläy,  cläim,  päin, 
fäin,  bäil;  r  trübt  den  e-Laut:  fair,  chäir,  läird. 

Verkürzt  hat  sich  der  e-Laut  (e)  in  wainscot  (wen'skot  S.  W.  J. 
F.  Sm.,  wän'skot  E.  Ja.  Wb.  Wrc),  said,  says,  saith,  again  (ä  Ja.), 
against.  Wie  kurzes  a  klingt  es  in  pläid,  pläin'tifif;  wie  ei  in  ay  und 
aisle  und  wie  e  in  quay,  quay'-age.  Er  schwankt  in  de-main' 
(==  de-men  W.  J.  F.  K.  Sm.,  -man'  S.  E.  Ja.,  man  und  men  P.), 
main'tenance  (=  man',  men',  S.  W.),  raillery  (räl',  räl'.,  Wb.),  raisin 
(rä'zn,  rä'zin  P.  Ja,  rezn  W.  J.). 

Ao  steht  nur  in  gaol,  gaoler,  die  auch  jail  und  jailer  geschrieben 
werden.  Letztere  Schreibung  entspricht  dem  Laute  =  jäle.  In  chä-os, 
ä-orist  klingen  die  Laute  getrennt.     Caoutchouc  (=  kö-chük). 

Au,   im  Inlaute    bisweilen  mit  aw  wechselnd,   im   Auslaute   nur  §.  116, 
aw.     Smith  bezeichnet  mit  au,    av  in  clau  (Klaue),   rau  (roh),   nauht 
(nichts),   tauht   (gelehrt),    lau  (Gesetz)  etc.  wohl   schon   ä  und  Wallis 
meint,  es  sollten  eigentlich  beide  Laute  hörbar  sein,  aber  man  spreche 
nur  ä.     Sh.  läßt  brall  und  brawl  3,  1  wechseln. 

Beide  bezeichnen  das  tiefe  dunkle  gedehnte  a,  wie  in:  cläw,  räw, 
sträw,  äwe,  säuce,  väult  und  besonders  vor  stummem  gh :  cäught,  täught, 
däughter;  kurz  (ö)  lautet  es  meist  in  cauliflower,  laurel  (läw'rel  P.  K. 
Wb.),  laudanum  (läu-danüm  P.  E.). 

Wie  reines  ä  klingt  es  in  draugh  (=  dräff),  dräughts  (dräfts)  und 
läugh  (=  läf).  Fast  so  auch  in  äunt,  däunt  (ä  S.  E.  K,),  fläunt 
(aw  P.  E.),  gäunt  (äw  S.  P.),  gäuntlet  (äw  P.  Ja.),  häunt  (äw  E.  K.), 
täunt  (äw  S.  P.  E.  K.),  jäunt,  täunt,  säunter,  Stäunton,  jäundice, 
läundress,  mäund,  cräunch,  läunch,  päunch  etc.  Vaunt  meist  äw, 
ä  nach  J.  und  Wb. 

In   gauge    hat  es    hellen   e-Laut  (=  gcäge)   und  in  einigen  franz. 


94  Neuengl.  ea. 

§.   IIG.  Wörtern  luit  es  den  o-Laiit  behalten:  hautboy  (=  hö-boi),  roquelaiire; 
mar-au'der  (äw'  J.  E.  F.  Ja.  E.  Sm.  Wb.,  rö'  W.  P.j. 

§.117.  Ea    kömmt    bei    Smith    nicht    vor,    und    in     den    Wörtern,    in 

denen  es  später  auftritt,  steht  langer  e-Laut,  wie  in  bred  (Brot),  led 
(führen,  Blei),  red  (lesen),  sei  (siegeln),  whet  (Waizen)  etc.,  selten 
i-Laut  men  (meinen).  Ea  scheint  eingedrungen  zu  sein,  als  e  den 
i-Laut  annahm  und  Avurde  verwandt,  um  den  dunkleren  Laut  zu  be- 
zeichnen, daher  wohl  auch  deaw  für  dew  Sh.  Mms.  3,  5.  Zur  Zeit 
Wallis  wurde  ea  noch  wie  e  gesprochen  und  jenes  wurde  nach  sei- 
ner Meinung  nur  gebraucht,  um  die  Länge  zu  bezeichnen.  Daher 
sind  gleichen  Lautes,  aber  verschiedener  Quantität:  met  meat,  set 
seat.  S.  59.  Nach  den  Keimen  in  Sp.  muß  ea  noch  wie  e  gespro- 
chen worden  sein:  beast  brest  1,  8,  15.  beast  detest  1,  11,  49. 
best  brest  1,  2,  8.  beam  teme  1,  4,  36.  great  eat  1 ,  2,  ö.  dear 
to  beare  1,  5,  13.  to  beare  cleare  1,  10,  28.  Auch  die  Sh.-Eeime 
weisen  auf  e-Laut:  tears  hairs,  intreats  frets,  swears  tears,  heat  get, 
ear  hair,  steps  leaps,  fear  there,  beast  blest,  guest  feast,  jest  beast, 
confess  decease,  dead  to  lead  VA.  und  sehr  selten  heaveth  relieveth 
VA.  Ferner  steht  ea,  bisweilen  neben  e,  in  Wörtern,  die  nie  den 
i-Laut  gehabt  haben:  herbes  hearbes  Sh.  Momms.  2,  3.  hed  head  2, 
3.  term  tearme  3,  5.  shed  shead,  eleaven  1,  3.  tearme  3,  5. 
jeast  1,  3. 

Es  hat  keinen  eigenthümlichen  Laut,  sondern  entweder  die  mit  e, 
oder  die  mit  a  verknüpften  Laute. 

1)  Langer  e-Laut  (ä)  steht  in  break,  greät,  steäk  und  getrübt 
vor  r  in  beär,  beärer    peär,  sweär,  to  teär,  weär. 

2)  Kurzer  e-Laut  ist  enthalten  in  bread,  breadth,  break' fast, 
breath,  breast,  cleanse,  dead,  deaf,  deafen,  dealt,  death,  dread, 
dreamt,  endeavour,  feath'er,  head,  health,  heav'en,  heav'y,  lead  (Blei), 
leant,  leath'er,  leapt,  leav'en,  mead'ow,  meaut,  meas'ure,  peas'ant, 
pheas'ant,  pleas'ant,  read'y,  realm,  spread,  stead,  stealth,  sweat,  threat,^ 
thread,  tread,  treas'ure,  wealth,  weap'on,  weath'er.  Nachfolgendes  r 
trübt  auch  hier  den  Laut:  earl,  early,  ear'nest,  earth,  learn,  heard, 
rehearse',  yearn. 

3)  Wie  reines  a  in  heärt,  heärken,  heärth  und  ihren  Ableitungen. 

4)  Oft  bezeichnet  es  langen  i-Laut:  pea,  plea,  sea,  flea,  each, 
peace,  tear  (Thräne)  etc. 

Es  schwankt  in  beard  (beard  S.  Wb.,  bärd  W.  Jst.),  fear'ful  (fe'r. 
S.,  fer.  und  fer.  W.  F.);    deaf  (def  Wb.),  seamstress  (sem.  P.  E.  Wb.),      | 


Ncucngl.  ee,  ei,  eo.  95 

weär  (Wehr,  W.  Ja.  R.,  war  F.,  wer  E.  Sm.);  yeä  (yö  S.  W.  P.  Wb.),  §•   117. 
zeal'ous  (zel'-  und  ze'lus  W.). 

Ee  dient  (Mau.  mees  niyse  Mäuse)  schon  bei  Sh.  zur  Bezeich- §.  118. 
nung  des  hingen  i,  wie  in  hee,  mee,  theo,  wee,  shee,  bee,  neece, 
peece,  yeeld  und  bisweilen  steht  ie  daneben,  wie  griefe  greefe  4,  1. 
daneben  aber  auch  e,  wie  in  thred  threed  2,  1.  oder  ea,  wie  deare 
deere  3,  3,  neere  neare  3,  1,  oder  ai,  wie  pree  pray  2,  2.  Auch  dem 
Reime  nach  schAvankt  die  Aussprache:  sin  been  Lucr.  und  sheds  deeds 
Sonn.  34.  teeth  with  VA.  —  Wallis  stellt  ee  und  ie  ganz  gleich: 
fiend,  Seen. 

Jetzt  bezeichnet  es  gewöhnlich  langes  i:  free,  bee,  eel,  feel, 
queen;  nur  in  been  (e  P.  F.  Ja.  K.  R.),  threepence,  breeches  (e  P.) 
ist  es  kurz,  und  in  Beelzebub  werden  beide  e  regelmäßig  gelesen 
Be-erzebüb. 

Ei  und  im  Auslaute  oder  in  fremden  Wörtern  ey,  hatte  im  §.  119. 
16.  Jahrh.  mit  ai  fast  gleichen  Laut  und  beide  wurden  daher  oft 
verwechselt.  Smith  führt  sie  an  in  fein  (erdichten),  deinti  (Lecker- 
biioen),  peint  (malen),  feint  (schwach).  Sh.  schreibt  convay  4,  5. 
convey  und  conveigh  3,  5.  slay  sley  3,  3.  auch  im  Reime:  complain 
reign,  day  survey  Sonn.,  prey  day  VA.  —  Nach  Wallis  sind  ent- 
weder beide  Laute  hörbar,  und  dem  a-i  ziemlich  gleich  oder  sie  lauten 
wie  e:  receive,  seize,  deceit. 

Es  hat  daher  jetzt  auch  gewöhnlich  den  langen  e-Laut  ä:  grey, 
obey' ,  cpnvey',  vein,  rei^n ,  ei^ht,  nei^Abour,  das  vor  r  breiter  wird: 
Äeir,  /^eiress,  their  theirs,  eyre  (ire  Wb.),  eyry  (e  Sm.,  i  Wb.). 

Nur  in  einigen  Wörtern  lautet  ei  wie  e:  cell,  cei'ling,  conceit', 
deceit',  deeeive',  conceive',  receive',  perceive,  inveigle ,  seize,  seisin, 
seignior,  seine,  key,  lei'sure  (leis'ure  N.  Barcl.,  lä'-surp  E. ,  les'ure 
und  le'sure  Wb.)  und  ihren  Bildungen,  ferner  in  Eigennamen  wie  Leiffh, 
Leith,  Keith;  wie  ei  (i)  in  heiffhi,  slei^At  und  hei^7i-ho,  eye,  und  wie 
e  in  heifer.  —  either  schwankt,  es  lautet  entweder  e-ther  oder  i-ther 
(Kenr.  und  für  beide  Sm.),  ebenso  neither,  obei'sance  (bä'  W.  J.  F. 
Ja.  K.  Sm.,  be'  S.  P.  E.  Wb.),  Pleiads  (=  ple'yadz  W.  P.  F.  Sm. 
Wb.  Wrc,  pla  adz  E.  Ja.,  pli-adz  S.). 

Eo    steht  in   keiner  Beziehung   zu   dem    alten   ags.   Laute.     Ben  §.  120. 
Jons,  findet  es  nur  in  drei  Wörtern  yeoman,    people  und  jeopard  und 
räth   diese  yeman,    peple  und  jepard  zu  schreiben.     Es  ist  die  Erwei- 
terung von  e,    wie  in  feoff_,    feoffer,  leopard,  jeopard  (jeu  parti) ,  und 
lautet  hier  wie    kurzes   e   oder  wie  langes  i  in  people,    Theobald.     In 


96  Neuengl.  eu,  ie,  oa,  oe. 

§.  120.  George  bezeichnet  e  den  Zischlaut  und  in  yeöman  ist  wahrscheinlich 
0  eingedrungen  (alte,  geman,  nemanyeman;  daher  S.  und  Scott  yem'mun). 
Vor  0  ist  e  geschwunden,  so  daß  beide  Wörter  den  o-Laut  haben. 
Galloon  lautet  bisweilen  =   gal-öon,  gewöhnlich  gal'-le-on. 

§.121.  Eu  und  im  Auslaute,  selten  im  Inlaute  ew  lautend,  wahrschein- 

lich auch  bei  Smith  der  es  bringt  in  feu  (wenige),  deu  (Thau) ,  meu 
(miauen),  sheu  (zeigen).  Sh.  bezeichnet  es  noch  genauer  in  adieu 
adue  3,  5.  Wallis  bezeichnet  beide  Laute  als  hörbar  und  zieht  e-ü 
dem  i-ü  vor.  Es  lautet  iü  oder  yu:  dew,  few,  Eu'rope,  jew'el.  Vor- 
stehendes r  läßt  den  Vorschlag  vor  ü  unterdrücken:  brew,  shrewd, 
rheümatism.  Verdunkelt  hat  sich  der  Laut  zu  ö  in  sew  shew,  die  des- 
halb auch  beßer  söw,  shöw,  geschrieben  werden. 

sewer  (Abzug  shör,  sü-er  E.,  sö-er  K.,  sör  und  shör  Sm.),  to 
strew  (stru  S.  J.  Ja.  K.  Sm.,  strö  W.  E.  F.). 

§.   122.  ie  bezeichnet,    auch  nach  Wall.,    langes  i  (e),   das  Sh.  noch  oft 

durch  ee  bezeichnet,  wie  in  piece,  niece,  mlen,  bier,  f ield ,  thief; 
wie  kurzes  i  klingt  es  in  sieve  und  wie  kurzes  e  in  friend  (Sh.  frend) 
und  gier'falcon,  gier'eagle  (alte,  gerfauk).  Im  Auslaute  ie  ist  e  nur 
beigefügt  und  i  behält  seinen  Laut:  die,  tie,  lie;  ebenso  ye:  dye 
(=   die),  rye. 

Es  schwankt  in  fierce  (ferce  S.,  e  und  e  W.  F.),  to  pierce  (pars 
und  pers  W.  J.  F.,  pers  S.),  tierce  (ters  S.  W.  F.). 

§.123.  Oa,   das    Smith    nicht   anführt   und    Ben   Jons,   durch   o  ersetzt 

wißen  will,  aber  bei  Sh.  für  und  neben  o  vorkömmt,  wie  grone  2,  2. 
approch  1,  1.  cole  coale  1,  1.  post  poast  5,  3,  ist  das  Zeichen  für 
ö:  söap,  löaf,  cöat,  böat,  öak,  pöach,  böast,  löath  (ö  Wb.),  cöax.  Es 
hat  sich  verkürzt  in  der  Comp,  öat'meal.  r  übt  seinen  gewöhnlichen 
Einfluß:  öar,  cöarse. 

Wie  tiefes  dunkles  ä  klingt  es  in  broäd,  abroad  und  groät 
(gröat  Ja.). 

§.  124.  Oe  kömmt   nur  in    fremden  Wörtern  vor  und  steht  englischem  e 

ganz  gleich.  Daher  bezeichnet  es  langes  e,  wie  in  Antoe'ci,  diarrhoe'a, 
oder  e,  wie  in  assafoet'ida,  diarrhoet'ic  und  foet'id. 

Im  Auslaute  wird  e  oft  an  o  angeschoben,  um  Vocallänge  zu  be- 
zeichnen, so  daß  es  hier  keinen  Einfluß  ausübt  und  oe  nicht  als 
Diphthong  zu  betrachten  ist,  wie  in  döe,  röe,  föe,  slöe,  shöe,  canöe. 
Ebenso  bedeutungslos  ist  es  in  does  (=  duz),  in  welchem  noch  das 
ags.  e  trübe  fortklingt  und  e  eingeschoben  ist,  wie  in  göes,  ohne  den 
Laut  von  o  zu  beeinflußen. 


Neucng-1.  oi,  oy,  oo,  ou.  97 

Oi  bezeichnet  schon  Smith  (auch  Wallis)  als  einen  Diphthong,  §.  126. 
in  dem  beide  Laute,  o  und  i,  kurz  gehört  werden,  wie  in  boi,  toi, 
toil,  foil,  seil,  broil,  point;  und  so  lautet  es  noch  jetzt.  Auslautendes 
oy  steht  jenem  völlig  gleich:  boy,  toy,  toil,  voice,  noise,  devoir.  Nur 
in  choir  klingt  es  heller,  wie  ei,  also  =  quirc,  wie  e  in  turkoise 
(aber  =  turkäz'  S.  E.  J. ,  turköiz'  Sm.)  und  Iroquois  und  wie  langes 
ö  in  scrutoire  oder  escritoire  (=  es-cru-tor  S.  W.  J.  E.,  scrütör'  F., 
es-cru-twör  Ja.  K.,  es-cre-twär'  Sm.). 

Oo  lautet  (Wallis  =  franz.  ou)  wie  langes  u,  coo,  döom, 
röom,  spöon,  stöop,  röof,  röot,  föod,  böoth,  röot  (ü  Wb.),  höop 
(ü  P.  Wb.). 

Kurzes  u  (ii)  klingt  vor  k  in  book,  brook,  cook,  crook,  hook, 
look,  nook,  rook,  shook,  took  (manche  Orthoepisten  aber  bezeichnen 
es  auch  hier  als  lang,  wie  brook  S.  W.  E.  Ja.,  book  S.  W.  Ja.  K. 
R.,  cook  S.  W.  E.  Ja.,  crook  S.  W.  E.  Ja.  K.  etc.);  ferner  in  foot, 
good,  hood,  stood,  wood,  wool. 

Wie  ö  klingt  es  in  döor  (Sh.  Moms.  dore  1,  5.)  und  flöor;  wie 
kurzes  oe  (ü)  in  blood,  flöod.  Es  schwankt  in  soot  (=  söt  W.  K.  E., 
süt  J.  E.  F.  Ja.  Sm.  Wb.,  süt  S.  P.) 

Ou  besteht  nach  Smith  aus  zwei  Kürzen  in  bou  (biegen),  boul  §.  127. 
(Kugel),  could  (konnte),  mou  (Heuschober),  sou  (Sau)  oder  aus  lan- 
gem 0  mit  nachklingendem  u,  wie  in  böu  (Bogen),  cöuld  (kalt),  möu 
(mähen),  söu  (säen);  jenes  also  ist  der  beginnende  au-Laut,  in  diesem 
wird  von  dem  langen  o  das  nachfolgende  u  unterdrückt.  Wallis 
unterscheidet  einen  helleren  Laut,  aus  o-ü  bestehend  in  soul,  snow, 
know,  sow  und  für  diesen  werde  auch  ö  gesprochen,  und  einen  trü- 
bern, aus  ü-ü  bestehend,  wie  in  house,  mouse,  foul,  fowl,  sow. 
Aber  in  would,  should,  could,  course,  court  klinge  es  wie  oo 
(=  franz.  ou). 

ou  bezeichnet  hauptsächlich  au:  thöü,  föünd,  böünd,  möünt,  föül, 
pröüd,  döü&t,  möüth. 

Daneben  aber  ist  es  verwandt  als  Zeichen  dreier  verschiedener 
Laute.  1)  Es  bezeichnet  tiefes  ä  und  zwar  lang  vor  stummem  gh  in 
honghi,  hrought,  fonghi,  nou^Ät,  ou^/it,  sou^Ät  (be-),  fhoxight;  und 
kurz  vor  gh  =  k:  lough,  hough,  to  hough;  nur  drougJit  (Dürre) 
=  dröüt.  —  2)  Es  lautet  wie  o,  und  zwar  lang  vor  gh  und  1: 
döu^/i,  ihöugh,  Söul,  möuld,  Shoulder,  pöult,  pöultry;  und  vor  r: 
böurn,  Court,  cöurtier,  cöurse,  föurth,  möurn;  oder  kurz  mit  getrüb- 
tem o:    choügh  (gh  =  ff),  enoügh',  roügh,  toügh;  coüp'le,  accoüp'le, 

Koch,  engl.  Gramnialik.    I.    2.  Aufl.  7 


98  Neuengl.  ou,  ow,  ue,  ui,  eau,  icu. 

§.  127.  coüp'let,  doüb'le,  troüb'le;  yoüng,  yoün'kor,  adjoürn',  joür'nal,  joür'ney^ 
coür'age,  floür'ish,  noür'ish.  Bisweilen  ist  der  Diphthong  au  im  Sim- 
plex verkürzt  zu  ce  (ü)  in  Ableitungen  und  Compositionen,  wie  soiith 
soüth'ern,  hoüse  hoüswife  (=  hüzwif),  gröund  groündsel  (grünsei).  — 
3)  Es  lautet  wie  u  und  zwar  lang  in  yöu,  yöur,  thröugh,  wOund, 
höup,  yöuth,  öusel  öuzel,  bönse;  capöuch',  cartöuch',  cöu'chee,  cröup, 
gröup,  söup,  tröu'badour;  bOuge,  böu'gie,  göuge,  röuge;  accöutre, 
güu^,  ragüu^',  surtöu?',  röute,  söus;  töur,  amöur',  contöur'  etc.;  kurz  in 
coüM,  shoii/d,  w^oü/d. 

Es  schwankt  in  cloügh  (=  klüf  Ja.  K.  Wb.  Sm. ,  klöf  P.  F., 
klöü  W.),  cough  (köf,  käwf  J.  Wb.),  slöügh  (slöü,  slüf  Ja.  K.)  Sumpf, 
soügb  (=  süf,  söf  P.  Sm.),  trough  (tröf,  trö  E.,  trüf  Ja.);  göuge  (göj^ 
göuj  P.  Wb.),  güurd  (görd  Sm.  Wb.),  scoürge  (scorge  Ja.),  söurce 
(söurce  P.  Kenr.),  töur'ney  (S.  K.  E.  Wrc;  töurney  Ja.,  ö  und  ü 
W.),  wöund  (öü  E.  Wb.,  ö  und  öü  W.  P.  J.  Wrc),  coür'teous 
(kür'che-us  W.  P. ,  kür-chüs  S.,  kür'te-us  J.  Wb.,  kör'tjais  E.  K.  Sm., 
kör'te-us  Ja.). 

§.  128.  Ow,    eigentlich    ou    ganz   gleich,   aber  von    geringerem  Umfang. 

Es  bezeichnet  entweder  au:  höw,  nöw,  böw,  bröw,  cöw,  pröw,  vöw; 
cöwl,  föwl,  höwl,  gröwl,  öwl,  löw'er  (Verdüsterung),  shöw'er;  clöwn 
döwn,  göwn,  töwn,  cöw'ard,  pöw'der  etc.  oder  langes  o:  böw  (Bogen), 
blöw,  flow,  cröw,  glöw,  gröw,  knöw ,  low,  to  löwer  (mindern),  röw» 
öwe,  shöw;  öwn,  flöwn,  gröwn,  gröwth.  In  knöwledge  (auch  ö  W.  F. 
K.)  ist  0  kurz  geworden;  schwankend  in  böwl  (böül  P.  E.  Ja.,  beides 
F.),  to  low  brüllen  (J.  S.  E.  Ja.  K.  Sm.  Wb.  Wrc,  löü  und  lö  W.  F.). 

§.  129.  Ue  ist  einfaches  u,  dem  im  Auslaute  e  als  Längenzeichen  beige- 

fügt ist,  wie  in  hüe,  rue,  true,  blue,  ensüe. 

§.   130.  Ui  lautet  gewöhnlich  wie  iu  (ü):  süit,  süi'tor,  süi'table,  nüi'sance; 

hinter  r  fällt  der  Vorschlag  weg:  brtiise,  bruit,  crtiise,  fruit,  recrüit; 
ebenso  hinter  j  und  1:  juice,  sltiice.  Eingedrungen  ist  u  in  build 
(«=  bild,  bilden,  bauen),  in  buy  (=  bi). 

Scheinbar  geht  u  noch  mehrere  Verbindungen  mit  Vocalen  ein, 
eigentlich  aber  gehört  es  zu  Consonanten  und  tritt  mit  diesen  vor 
jene,  wie  gu,  qu,  su. 

§.131.  Eau    lautet,    wie    ö,    in    französischen    Wörtern:    beau,    bureau, 

rouleau;  nur  in  beauty  (auch  Wall.)  wie  iu  (Sh.  bewtie  B.  1,  5.). 

leu,  iew  lautet  wie  iu:  adieü  (Sh.  Mms.  adue  3,  5.),  view, 
lieü,  aber  anders  in  lieutenant,  das  lev-ten'ant  (W.  Sm.)  oder  lif-ten'ant 
(S.  E.),  lü-ten'ant  (Ja.  Wb.),  liv-ten'ant  (P.  J.)  gesprochen  wird. 


Neueng-1.  Laute  u.  ihre  Zeichen.  99 

Oeu  nur  in  mauoeuvre,  das  man  entweder  französisch  ausspricht,  §.  131. 
oder  manövre. 

II.  Laut. 

Da    das   eine  Zeichen    zur  Bezeichnung  von    zwei  und  mehr  Lau-  §.  132. 
ten    verwaudt    wird,    so    berühren    sich    die    einzelnen    Zeichen    nicht 
nur,  sondern  sie  fallen  bisweilen  lautlich  zusammen.     Geht  man  daher 
vom  Laute    aus,    so    findet    dieser    seinen  Ausdruck   in   verschiedenen 
Zeichen. 

1)  Kurzes  nach  e  geneigtes  a  =  ä  wird  nur  durch  a  bezeichnet: 
sad,  command. 

2)  Reiner  a-Laut  (ä)  ruht  meist  in  a,  wie  in  arm,  shärp;  bis- 
weilen in  ea:  heart,  hearken  etc.;  in  e  in  clerk  und  sergeant;  in  au 
in  laugh. 

3)  Tiefes  ä  wird  gewöhnlich  durch  a,  au  oder  aw  ausgedrückt: 
all,  fall,  taught,  law,  lawn,  selten  durch  ou:  fought;  oa:  abroad;  aa: 
Aalborg  und  o  in  George.  —  Kurz  erscheint  derselbe  Laut  in  a: 
quantity,  wand;  in  au:  cauliflower  und  fast  in  o:  not. 

4)  Kurzer  e-Laut  (e)  wird  gewöhnlich  mit  e  bezeichnet:  men, 
bed;  seltner  durch  ea,  wie  breast,  heavy;  eo:  leopard;  a  in  any, 
many;  ae:  Aetna;  ai  oder  ay  in  wainscot,  says;  ei  in  heifer;  ie  in 
gierfalcon. 

5)  Langer  e-Laut  (ä)  wird  gewöhnlich  dargestellt 'mit  a:  tame, 
danger,  fate;  sowie  durch  ai,  ay:  day,  maid  und  ei,  ey:  they, 
vein,  rei^n;  selten  durch  ea,  wie  in  great,  break;  und  ae,  wie  in 
Gael,  gaelic. 

6)  Kurzer  i-Laut  (i)  findet  seinen  Ausdruck  in  i  ^und  y:  thin, 
city,  System;  ausnahmsweise  in  e,  wie  in  England;  in  ee,  wie  in 
threepence;  in  u  wie  in  busy;  in  o,  wie  nach  Einigen  in  chorister 
(=  kwir'ister  W.  F.,  kwer -ister  S.,  kör' -ister  J.  E.  Ja.  Sm.  Wb.  Wrc, 
kör'ister  kwir'-ister  P.  K.);  und  in  ui,  wie  in  build. 

7)  Gedehnter  i-Laut  (i)  liegt  in  i:  chagrin,  Czarina,  magazine; 
in  ie:  mien,  priest;  in  e:  he,  equal,  fever;  in  ee:  free,  needle;  in  ea, 
wie  sea,  peach;  in  ei,  ey,  wie  seize,  receive,  key;  selten  in  ae,  wie 
in  daemon;  in  eo:  people;  in  oe:  foetus;  in  oi:  turquois. 

8)  Gesteigerter  i-Laut  (ei)  wird  gewöhnlich  mit  i,  y  bezeichnet: 
fine,  spi-der,  fly,  try;  oder  durch  ie:  die,  tie;  selten  durch  ei  oder 
ey:  slei^Ät,  hei^Ät,  eye;  durch  ai,  ay  in  aisle,  ay;  durch  oi  in  choir. 

9)  Kurzer  o-Laut  liegt  gewöhnlich  nur  in  o:  coffee,  fol'low, 
lodge,  not;  ausnahmsweise  in  oa  in  oat'meal  und  in  ow  in  knowl'edge. 


100  Neuengl.  Laute  u.  ihre  Zeichen. 

§.   132.  10)  Langer  o-Laiit  erscheint  in  o:   no,   po-et,  stroll,  folk  und  in 

auslautendem  oe:  roe,  doe;  ferner  in  oa:  oak,  coat,  groan,  oder  in 
ou,  ow:  low,  flown,  growth,  soul  und  in  oo:  floor,  door;  in  eo  in 
yeoman;  und  in  franz.  au,  eau:  haufboy,  beau. 

11)  Kurzer  reiner  u-Laut  (ü)  wird  ausgedrückt  mit  u  in  bull, 
pull,  füll;  mit  0  in  wolf,  to,  bosom;  mit  oo  in  book,  took  etc.;  mit 
ou  in  would,  sbould,  could. 

12)  Kurzer  getrübter  u-Laut  (ü)  wird  dargestellt  gewöhnlich  mit 
u:  but,  dun,  dumJ;  ferner  mit  o,  wie  in  money,  love,  word;  selten 
mit  00,  wie  in  flood,  blood;  mit  ou  in  rough,  enough  etc.;  mit  oe  in 
does;  auch  mit  den  durch  r  getrübten  e,  i,  ea:  her,  girl,  earn. 

13)  Gedehnter  u-Laut  (ü)  juh  wird  meist  durch  u  bezeichnet:  use, 
tube  und  im  Auslaute  mit  ue:  blue;  daneben  mit  eu,  ew:  flew,  Europe, 
new,  feud;  selten  mit  eo  in  feo'dal  und  ui,  wie  in  suit;  mit  ieu, 
iew:  adieu,  view. 

Der  gedehnte  u-Laut  ohne  Vorschlag  des  i  liegt  in  u,  ue,  ew, 
ui,  hinter  r:  truth,  true,  grew,  fruit;  ferner  in  o:  whom,  tom&, 
move;  in  oo:  too;  in  oe:  shoe;  in  ou:  you,  soup;  und  in  aou  in 
caoutchouc. 

14)  Der  diphthongische  Laut  oi  beschränkt  sich  auf  oi,  oy: 
point,  boy. 

15)  Der  diphthongische  Laut  au  wird  nur  mit  ou  oder  ow  be- 
zeichnet: now,  owl,  shower,  out,  found. 


Zweites    Buch. 

Consonantismus. 

§.  133.  Die  Consonanten  unterscheiden   sich  nach  ihrer  Entstehung   und 

nach  der  Dauer  ihrer  Lautung.  Sie  entstehen  entweder  durch  Schliel^ung 
und  Oeffnung  der  Sprachorgane,  beschränken  sich  im  Laut  auf  diesen 
Vorgang  und  sind  der  Dehnung  nicht  fähig  —  momentane  Laute: 
k,  g,  t,  d,  p,  b  (mutae);  oder  sie  entstehen  dadurch,  daß  sich  die 
Organe  nicht  schJii^lv^nv  sondern  nur  verengern  und  den  Laut  fortklingen 
laßen,  wie  j,  s,  w  (v),  h,  th^^^^ J[„_iSi)iranten) ,  n,  Ri^^asale),  1,  r 
(Linguale).  »p:>.-'-'"       ^..c  p^    ^ ^'"-^^^^^^^^  '■■'^ 


Consonantcn.     Spirans  w.  101 

Nach   den    sie   bildenden  Spracliorganen  unterscheiden  sich  Gut- §.   133. 
turale  (k,  c,  g,  h),  Palatale  (j),  Linguale  (1,  r),  Dentale  (t,  d, 
th,  s,  z,  n),  Labiale  (p,  b,  f,  w  (v),  m). 

Nach  der  greiseren  oder  geringeren  Anstrengung  der  Sprachorgane 
unterscheidet  man  harte  Laute  (tenues):  k,  c,  t,  p,  Aveiche  (mediae): 
g,  d,  b.  Verbindet  sich  mit  diesen  der  Hauch,  so  entstehen  die 
Aspiraten  kh  eh,  ph  f,  th  (zj. 

Da  die  Aspiraten  sich  oft  mit  den  Muten  berühren,  so  stellen 
wir  sie  neben  letztere.  Wir  beginnen  mit  den  Spiranten  w  (v),  j,  s, 
h,  lallen  dann  die  nasalen  und  lingualen  Spiranten  folgen  (Liquiden): 
n,  m,  1,  r  und  dann  die  Muten  mit  ihren  Aspiraten. 

Da  die  ags.  und  normannisch-französischen  Consonanten  vielfach 
zusammen  fallen,  so  schliei^en  wir  die  letztern  den  erstem  an. 


Erster    Abschnitt. 

Die    Spiranten    w,    j,    s,    h. 

W.     Der  Ags.  schreibt  die  labiale  Spirans  mit  der  Rune  p,  Durh.  §.  134. 
mit  u,   uu  und  w  (der  Gote  mit  v).     Im  NAgs.    schwindet   die   Eune 
und  es  tritt  für  dieselbe  w  ein.   Es  empfiehlt  sich  deshalb,  wenn  man 
die  Eune  nicht  schreiben  will,  gleich  w  eintreten  zu  lai^en  und  nicht 
V,  da  letzteres  sich  im  NAgs.  mit  f  mischt. 

1)  Ags.  w  steht  im  Anlaute  sehr  oft  und  wechselt  hier  mit 
keinem  andern  Consonanten:  wacan,  wsecce,  wascan,  waeter,  wearm, 
weaxan,  widu  wudu,  weorold,  weorc,  wiht,  willa,  wulf,  weepen,  wä, 
wepan,  weod,  win,  wise;  in  uton  ist  es  durch  Assimilation  des  i  zu 
u  abgefallen:  witon  wuton  uton.  Durh.  lälU  u  öfter  für  w  eintreten 
und  vor  u  fällt  w  bisweilen  ganz  aus:  uldor  Joh.  11,  4.  ulf  Luc.  10, 
3.  ge-undradon  Mt.  22,  22.  ge-unede  Joh.  11,  6.  neben  wuldor,  wulf, 
ge-wundradon  etc.  Dagegen  schiebt  Durh.  bisweilen  auch  w  vor  u  ein: 
smeaung  smeawung,  ge-urnon  ge-uurnun  ge-wurnon,  sogar  vor  dem 
Umlaute,  Avytmesta  Mth.  8,  12.  —  Es  erhält  sich  im  NAgs.  in  glei- 
cher Weise  auch  wnder  A  Lag.  1154,  wlf  A  2599  neben  wunder,  wulf, 
und  selbst  noch  bei  Mau.  5  wlcanes.  Nach/ einigem  Schwanken  im 
Ae.  (was  vas,  wassayl  vassail,  wende  vende,  und  selbst  fond  wond, 
wast  fast  EG.)   befestigt   es  sich  wieder  und  beharrt  im  Ne.  to  wäke, 


102  Spirans  w,  hu  An-  und  Inlaute. 

§.  134.  watch(6),    to  wasli(ö),   wäter,    wärm,   to    wäx,   \vood(ü),   wöiid,   w6rk, 
wi^Ät,  will,  wolf(ii),  weapon,  wo,  weep,  weed,  wine,  wlse. 

Es  ist  consonantiertes  u  und  seine  vocalische  Natur  zeigt  sich 
nicht  nur  im  Wechsel  mit  letzterem,  sondern  in  seiner  Einwirkung 
auf  i,  seinem  Wegfall  vor  u  und  in  seinem  Zurücktreten  (s.  unten) 
nach  u.  Es  hatte  wohl  im  Ags.  denselben  Laut,  den  es  noch  hat: 
es  setzt  vocalisch  ein  und  geht  in  einen  von  den  Lippen  eigenthüm- 
lich  gestalteten  Hauch  über  =  uw.  Vor  u-Laute  aber  fällt  der  vo- 
calische Ansatz  weg,  wie  wolf,  wool,  oder  w  wird  ganz  stumm,  wie 
in  who,  lühose,  «hom,  und  in  to  ooze  (ags.  wös  Saft)  ist  es  abge- 
fallen. In  ?t*höle  (ags.  häl)  ?6'h5lly  tühölesome,  ?(;höop  neben  höop 
(franz.  houper),  whöre  (ags.  höre)  ist  w  erst  im  Ne.  eingedrungen  und 
deshalb  stumm. 

Der  deutschen  Spirans  liegt  bisweilen  roman.  g,  gu  gegenüber, 
wie  ags.  weard  (Wart),  weardjan  afrz.  warde  garde  guarde,  warder 
garder  guarder ;  ags.  warjan  (wehren),  afrz.  garir,  warison  garison;  ahd. 
widarlön  (Ersatz),  ags.  wider-leän  hat  lat.  widerdonum  veranlal^t  und 
afrz.  werredon  guerredon;  ags.  wile  (List),  afrz.  guile,  ags.  wise  (Weise), 
afrz.  guise.  Daher  treten  bei  Lag.  bisweilen  schon  Doppelformen  ein, 
wie  gile  16382  und  wigel  19250,  guyse  wise  19641  etc.  Im  Ne. 
stehen  noch  neben  einander:  war'rant(ö),  warrantee',  war'ranty,  war- 
rantor'  und  guärantee'  guär'anty  guärantor';  ward,  wärden,  wärd'robe, 
wärd'room,  wärd'ship  und  guärd,  guärdian,  guärdröbe,  guärdröom, 
guärdship;  guise  und  wise;  re-wärd  und  guerdon. 

Inlautend  tritt  auch  im  Ags.  bisweilen  g  für  w  ein:  trugude  D. 
Job.  2,  24  =  truw^ede;  j^riga  für  j^riwa;  ferner  bei  Bosw.  niwancuma 
(Ankömmling),  nig-bacen  (frisch  gebacken). 

Verhärtet  hat  sich  w  zu  b  in  William  (ahd.  Wili-helm)  Bill  Billy 
?ürängle  brängle. 

§.   135.  2)  Inlautendes  ags.  w  steht  meist  hinter  langen  Vocalen,    wie 

heäwe  (haue),  röwe,  blöwe  (blühe),  spöwe,  flöwe,  bläwe,  cnäwe,  cräwe, 
säwe,  mäwe,  )?räwe,  hiwe  (bilde),  trüwe  (vertraue),  selten  hinter  Kür- 
zen, wie  clawu  (Klaue),  triwen  (hölzern),  gesewen  (gesehen).  Im  NAgs. 
tritt  aus  w  bisweilen  ein  u  hervor,  wie  bei  Lag.  hewe,  hseuwe  16968, 
rowe  rouwen  7813,  blawe  blaewe  blauwe  4462,  das  aber  meist  hin- 
ter a  und  0  wieder  verschwindet.  Lag.  icnawe  icnowe,  sawe  sowe, 
mawe  mowe,  ];rawe  J^rowe,  growe,  rouwe  rowe;  Orm:  blawe,  cnawe, 
sawe,  flow^e;  ae.  blowe  blawe,  knowe  knawe,  sowe,  mowe,  crowe, 
]?rowe,    rowe,    growe   grewe  etc.     Im  Ne.   ist  hinter   dunklem  Vocale 


Spirans  w,  im  Auslaute.  103 

w  überall  stumm  geworden:    to  blöw,  knöw,  söw,  möw,  tliröw,  gröw,  §.   135. 
röw;   nur  hinter  e  vocalisiert  es:  ags.  heawe,  Lag.  hewe  ha3uwe,  Orm 
ha^we,  RG.  hewe,  me.  hewe,  no.  hew  =  hü. 

Ausgefallen  ist  es  iu  ags.  hlwerce  (Lerche),  feower  (vier),  säwel 
sfiwul  Ps.  118,  20.  sawl  Exon.  126,  30.  saul  Boeth.  30,  2.  (Seele), 
hwöowol  (Rad).  Die  ältesten  Spuren  zeigt  Durh.  in  j^ea  (Dienerin  ags. 
))eowe),  feoer.  —  NAgs.  feower  fewer  feouwer  feour  feor  four,  saule 
Lag.,  fowwer,  sawle,  wheol  Avhel  Orra  etc.  Ne.  lärk  (schott.  noch 
laverock),  four,  Söul,  wheeL  —  Auch  in  Compositionen  fällt  es  bis- 
weilen aus,  wie  ags.  ä-wiht  ä-wuht  äuht  äht.  Lag.  cht,  Orm  ohht, 
ae.  ogt  ought  etc.,  ne.  äught.  Ebenso  n-ä-wiht,  neuengl.  näught.  — 
Ags.  ne  witon  nyton  und  noch  im  Me.  I  n'ot  (ne  wot);  ags.  ne  waes 
nses,  noch  Sp.  n'as;  ags.  ne  wille  nille,  noch  neuengl.  will  he  nill 
he.  In  Folge  der  Accentuation  wird  es  stumm  in  neuengl.  lee'?<;ard, 
south'?6-ard  und  pen'ny-^^'örth. 

Ne.  äwkward.  Ist  w  aus  u  verhärtet  in  abuk  (got.  ibuko  rück- 
wärts, ahd.  abuh)  oder  ist  das  Wort  Verstümmlung  aus  adverse, 
aquarde  Skelt.  1,  331? 

3)  Auslautend  ist  w  im  Ags.  verschieden.  Es  beharrt  in  den  §.  136. 
Imperf.  bleow,  cneow,  creow,  seow,  meow,  |7reow,  in  eaw  (got.  avi 
Mutterschaf),  cräw  (Krähe),  J?eow  (Diener),  hiw  (Gestalt),  eow  (euch). 
In  treow  und  cneow  ist  es  aus  den  abhängigen  Casus  vorgedrungen, 
denn  got.  triu,  kniu  läl^t  nur  ags.  treo,  cneo  erwarten.  Während 
nun  der  got.  Gen.  trivis,  knivis  heißt,  so  behält  das  Ags.  den  Aus- 
laut in  doppelter  Form,  in  vocalischer  und  consonantischer:  treowes. 
Andere  Wörter  dagegen  laßen  auslautendes  u  zu  inlautendem  w  wer- 
den, wie  bealu  Gen.  bealwes,  fealu  (fahl)  fealwes,  gearu,  geolo,  bearu 
(Hügel),  malu  (Malve),  calo  (kahl).  —  Vor  den  Flexionen  und  Bildungs- 
silben bleibt  es:  arewa  und  earh  (Pfeil  got.  arhvs),  hyrwe  (Egge), 
maedewe  (Wiese),  melewe  (Mehl),  spearwa  (Sperling),  swalewe  (Schwalbe). 

Diese  w  verlaufen  ganz  verschieden.  Von  treow  und  cneow  fällt 
schon  im  NAgs.  w  ab:  treo  tre,  cneo  cne  und  nur  im  Plur  hat  Lag. 
treos  treowes,  Orm  tres  treos  trewwes.     Ae.  tre,  kne,  ne.  tree,  knee. 

Hinter  e  vocalisiert  es:  ags.  bleow,  cneow,  creow,  seow,  meow, 
)?reow,  greow,  heow.  NAgs.  Lag.  bleou  bleu,  cneou  cneu,  seow, 
meow,  )?reou  |7reu,  greow  grow  greu,  heow  hew;  Orm:  cnew  cneow. 
Ae.  blewe,  knewe,  sewe  seu,  |?rew  )?reu,  hew,  grew  greu.  Me.  blew, 
knew  kneew,  crew  creew,  sew,  threw,  hew  heew,  grew.  Ne.  blew, 
knew,  crew(ü),  threw,  grew  (mew,  sew  dialectisch).    Ebenso  ags.  eäw, 


104  Verbindung-cn  der  Spirans  w. 

§.  136.  feawe,  hlw,  dio  zu  neuengl.  ewe,  fevv  und  hüe  werden.  In  eow  wird 
e  aul^erdem  zu  consouantischem  y:  Lag.  eow  eou  geow  gou,  Orm  guw, 
ae.  gou  yhou  yow,  ne.  yöu. 

Die  Wörter,  welche  es  vocalisch  oder  consonantisch  in  der  Bil- 
dungssilbe haben,  lallen  es  nach  ö  gehen,  wie  ags.  geolo  geolwes, 
bearu,  arewa  etc.  NAgs.  berghe,  borewe,  arewe,  medewe,  sparewe.  Ae. 
gelwe,  barwe,  arwe,  harwe,  medewe,  sparewe,  swalewe  etc.  Ne.  yellöw, 
bär'röw,  tir'röw,  här'röw,  mead'öw,  spär'röw,  swallöw  (6).  Seltener  ist 
w  (u)  abgefallen,  wie  in  ags.  balu,  nags.  balu  baluw  balew  balo,  ne. 
bäle;  ags.  melewe,  nags.  mele  miele,  ae.  mele,  ne.  meal. 
§.   137.  4)  Ags.  w  verbindet  sich  mit  1,  r,  h,  t,  d,  ]>  und  s. 

Ags.  wl,  wie  in  w4anc  (stolz),  wlisp  (lispelnd),  wlitan  (sehen)  etc. 
mindern  sich  schon  im  NAgs.  Lag.  hat  nur  noch  wlite  (Schönheit) 
und  wlset  (sieht)  (wleoted  ist  Schreibfehler  für  fleoted);  Orm  hat  keine 
wl.     In  neuengl.  lisp  ist  w  abgestol^en. 

Dagegen  wr  ist  geblieben:  ags.  wrsecca  Lag.  wreche,  Orm  wrecche, 
ae.  wrecche,  ne.  ?d?retch.  —  Ags.  wraenna  wTenna,  ne.  ivren.  —  Ags. 
wrseddo  wräd,  Lag.  wrad  wrod,  Orm  w^ra}?)?e  wra]?,  ae.  wra):'e  wrol?, 
ne.  ivmih.  (ä  und  ä)  t^röth.  —  Ags.  wrecan,  Lag.  wTeken,  Orm  wTe- 
kenn,  ne.  to  wreak.  Ebenso  in  t^restle, '  ?mst,  ivrmg,  tmnkle,  ?6Tit, 
wYiie,  itTeathe  etc.  Da  w  in  dieser  Verbindung  nicht  ausfällt  und 
doch  im  Ne.  überall  stumm  ist,  so  kann  dies  erst  im  Ne.  nach  be- 
festigter Schreibung  eingetreten  sein.  Ben  Jons,  erwähnt  wr  nicht, 
Wallis  deutet  es  aus  (wr  obliquitatem  quandam  seu  distortionem  in- 
nuunt);  es  mul^  deshalb  wohl  noch  hörbar  gewesen  sein. 

Ags.  cw,  wie  in  cwellan  (tödten),  cwacjan  (zittern),  cwen  (Köni- 
gin), cwencan  (vernichten),  cwic  cuc  (lebendig),  cweorn  (Handmühle), 
cwysan  etc.  erhalten  sich  bei  Orm,  beginnen  aber  bei  Lag.  nach  qu 
zu  schwanken:  cwellen  quellen,  cwakien  quakien,  cwene  quene,  cwic 
quic.  Im  Ae.  verschwindet  cw  und  dafür  steht  qu.  Ne.  to  quell 
(neben  kill),  quäke,  queen,  quench,  quick,  quem,  quash(ö).  Nur  von 
ags.  cwiman  cuman  bildet  sich  letztere  Form  fort,  Lag.  cumen  comen, 
Orm  cumenn,  ae.  comen,  ne.  cöme;  ebenso  ags.  cw^ämon  cömon, 
ne.  Game. 

Ags.  hw  ist  zahlreich,  wie  hwa  (wer),  hwser  (wo),  hwettan  (wetzen), 
hwider  (wohin),  hwset  (was),  hwelp  (junges  Thier),  hwlstle  (Pfeife), 
hwseg  (Molke),  hweete  (Waizen),  hwil  (Weile),  hwit  (weil^),  hwy 
(warum).  Bei  Lag.  bleibt  es  nur  vereinzelt  stehen,  wie  hwailche,  ge- 
wöhnlich tritt  h  hinter  w,  wie  in  wha,  whser,  whetten,  whuder,  whset, 


Verbindung'en  der  Spirans  w.  105 

whelp,  Avhite,  ^vbilo,  whi  und  bisweilen,  besonders  in  B.,  steht  w  allein:  §.  137. 
wo,  war,  wetten,  wuder,  wite,  wil,  wi.  Orm  hat  stets  wh,  nur  watt 
neben  whatt.  Im  Ae.  werden  die  Schwankungen  häufiger:  gew'öhnlich 
ist  wh,  bisweilen  w  allein,  wie  wat,  wen,  weol  wheel,  wer,  w^o,  woder> 
selten  h  allein,  wie  in  ho  neben  w^ho  und  wo.  RG.  Uebrigens  tritt 
bei  KG,  oft  wh  für  w  ein.  Im  Me.  und  Ne.  befestigt  sich  wh:  ivho 
(=  ho),  where,  whet,  whither,  w^hat(ö),  whelp,  w^histle,  whey(ri),  wheat, 
while,  white,  why.  Die  ursprüngliche  Stellung  hw^  klingt  noch 
in  der  Aussprache  fort. 

Ags.  tw,  wie  in  twigges  (zweimal),  twinn  (Zwilling),  twig  (Zweig) 
erhält  sich.  Xe.  twice,  twin,  twig.  Nur  ags.  twä  erweicht  zu  tu 
tüfeald  und  der  Laut  bleibt,  wenn  auch  im  Ne.  noch  das  vollere  two 
(==  tö)  steht.  Auch  twisc  wird  im  Ags.  schon  tusc  tux  und  erhält 
sich  im  neuengl.  tüsk.  Ne.  thwäck  ist  durch  Vermischung  von  ags. 
J^accjan  (streicheln)  und  twiccjan  (zwicken)  entstanden. 

Ags.  dw^  bleibt,  wenn  auch  nur  in  wenigen  Wörtern,  wie  dwellan 
(wohnen),  dwinan  (schwinden),  dweorh  (Zwerg).  Ne.  to  dwell,  dwindle 
dwcirf. 

Ags.  )7w  ist  selten;  es  ist  nur  geblieben  in  ]7weorh  (quer),  Orm 
}>weorrt  (t  ist  aus  altn.  )?vert  herübergekommen),  me.  overthwart  Mau., 
athwart,  ne.  athwart.  Dagegen  ist  w  ausgefallen  in  ags.  ]?wang  ]?wong 
(Riemen),  Lag.  J7wang  )7wong  ]?ong,  ne.  thöng. 

Ags.  sw  bleibt  meistens:  swalewe,  swan  (Schwan),  swäpan  (fegen), 
swellan  (schwellen),  swin  (Schwein),  swimman  etc.  werden  im  Ne. 
swallow  (swöl'lö),  swan(ö),  sweep,  swell,  swine,  swim.  Dagegen  ags. 
swister  wird  schon  swustor  swoster;  Lag.  suster  soster,  Orm  susstre, 
ae.  suster  sister,  ne.  sister.  —  Ags.  swä  erhält  sich  bei  Orm,  wird 
aber  bei  Lag.  swo  so;  letzteres  befestigt  sich  im  Engl.  —  Ags.  swilc 
bleibt  bei  Orm,  wird  bei  Lag.  swilc  swulc  sulc  such  soch,  im  Ae. 
swilke  such,  im  Me.  swiche  suche,  im  Ne.  such.  —  Ags.  sweord, 
Lag.  sweord  swerd  sword,  ae.  swerd  sword;  im  Ne.  s^üörd  ist  w 
stumm  geworden;  Wb.  auch  swörd. 

J.     Ags.   j    entspricht    got  j.     Im    Laute   muß   es    ags.   g   sehr  §.  138. 
nahe  stehen. 

1)  Anlautend  steht  es  selten  allein,  wie  in  4en  got.  ja  (ja), 
jaind  (dorthin),  jer  (Jahr),  juggs  (jung),  junda  (Jugend),  juk  (Joch), 
aber  im  Ags.  steht  g  gewöhnlich  daneben:  ja  geä,  jand  geond,  jung 
geong,  jugöd  geogöd,  ju  geo  (ehmals),  juc  geoc,  jul  geol  (Christfest)? 
Jutas  Eotas  Geotas.    Manchmal  ist  j  völlig  verdrängt,  wie  in:  ge  (ihr), 


lOG  Spirans  j,  im  An-  und  Inlaute. 

§.   138.  gese    (ja),    git    (ihr   beide),   gist  (Gischt),    gif  (wenn),    gicel  (Zacke), 
geomer  (traurig),  denn  got.  jus,  ja,  jut,  jabai,  mhd.  jest  gist,  jämer. 

Im  Nags.  verschwindet  consonantisches  j  fast  gänzlich  und  für 
g  tritt  die  Erweichung  g  ein:  wie  bei  Lag.  ge,  guse  (ja),  get  git, 
gif,  gyere  ger,  gend  geond,  geong,  gugede;  Orm:  ga,  ger,  giflF,  gocc, 
gound,  gunng,  gol.  —  Im  Ae.  bleibt  g  oder  es  wechselt  mit  y,  yh, 
wie  ge  ye  yhe  (ihr),  ge  ga,  get  gut  yet,  gef  gif  etc.,  es  tritt  auch 
oft  für  ursprüngliches  g  ein,  s.  §.  176,  das  sich  aber  im  Me.  wieder 
befestigt.  —  Im  Ne.  steht  y  für  ursprüngliches  j  in  yea,  yond,  young, 
youth,  yoke,  yoke ,  yokelet  (a  little  farm  in  some  parts  of  Kent. 
Bosw.),  yule. 

§.139.  2)  Inlautendes    j    steht    bei    den    schwachen    kurzvocalischen 

Verben  a)  im  Infinitiv,  wie  ner-jan  oder  ner-i-an,  selten  bei  langvoca- 
lischen  Verben:  secan  sec-e-an,  ecan  ycan  ec-e-an.  Letzteres  (e) 
spricht  für  i,  das  auch  im  Nags.  noch  hervortritt  und  sich  noch  heute 
in  manchen  südlichen  Dialecten  erhält.  Die  Assimilation,  die  hinter 
einigen  Consonanten  eintritt,  weist  entschieden  auf  consonantisches  j 
hin,  s.  Elex.  §.  60.  —  b)  in  der  1.  P.  Sg.  und  dem  Plur.  Präs. 
Ind.  und  dringt  weiter  vor,  s.  Flex.  §.  53.  Hier  fehlt  es  schon  oft 
im  Nags.  und  erscheint  (als  i)  im  Ae.  nur  dann,  wenn  es  sich  im 
Infinitiv  erhält.  —  c)  Ags.  j  assimiliert  dem  vorstehenden  Consonanten, 
wie  seljan  sellan  (geben),  dynjan  dynnan  (tönen),  hwetjan  hwettan 
(wetzen),  lecgan  (legen),  d3^ppan  (eintauchen),  cyssan  (küssen).  Diese 
Verdoppelungen  verhärten  sich  und  verlaufen  regelmäi-^ig  zu  neuengl. 
to  Seil,  din,  whet,  läy,  dip  und  k^fss. 

In  der  Nominalflexion  erhalten  sich  im  Ags.  kaum  noch  Spuren 
der  i-Stämme,  s.  §.   101.   139. 

§.  140.  3)  Fremde  j  oder  i  behält  das  Ags.  bei,  wie  iabal  C.  66,  2.  iafeth 

75,  18.  iudas  198,  30.  iudisc  197,  25.  Caius  Julius,  Pompeius,  Troia, 
Oros.  und  bisweilen  wechselt  es  mit  g,  wie  iared  C  71,  22.  geared 
72,  3.  31.  —  Lag.  hat  j  und  y,  Orm  j,  g  und  y:  Jacob,  JafseJ?, 
Jericho,  Jesuss,  Job,  Johan,  Joppe,  Jorrdan,  Jossep,  Juda,  aber 
gerrsalsem  neben  Jerusalem,  Zacharias  Zacliarige,  Marie  Marge.  — 
Ae.  behält  im  Auslaute  j,  bisweilen  jh:  Jhesu  RO.  1425,  vielleicht  ist 
h  eingeschoben,  um  zu  bezeichnen,  dal^  j  nicht  zischt.  —  Ne.  In 
biblischen  Namen  klingt  j  zischend  (=  dsh):  Jä'-ir,  Jehö'vah,  Jez'ebel, 
Josi'as,  Jü'bal;  selten  vocalisch,  wie  in  I-o'-ta  (i-ö-ta)  oder  wie  y  in 
Hällelü'jah.  In  griechischen  und  lateinischen  Namen  ist  j  schwan- 
kend,   vocalisch    in    I-a-ni'ra,    I-an'the,    I-äm'be,    I'o^    I'-on,    lö'-nia, 


Franz.  j.     Spirans  s.  107 

I-uhis;    Zischlaut   in   Janic'ulüm ,    Janüs,    Jason  (W.  I-a-son  Wrc),  §.    140. 
Jocäs'ta  (W.  I-o-cas'ta  Wrc),  Joseplius,  Jövianiis,  Julius,  Juba,  Jü- 
dae'a,  Jarclias  (T-är'chas  Wrc.)- 

4)  Mit  dem  französischem  Sprachstoff  ist  das  zischende  j  einge-  §•  141. 
drungen.  Lag.  und  Orm  haben  es  nicht;  bei  RG.  wechselt  es  oft  mit 
g:  Gywes  Gewes  Jews,  Gywerie,  gywel  jewol,  justice,  jugge  etc.  und 
3883  sogar  mit  y:  yoe  =  joie.  Im  Me.  mehren  sie  sich:  jambeux, 
jangle,  joconde,  jogelour,  jowels,  joye  (ioge  Wycl.),  juge  etc.  und 
wechseln  bisweilen  mit  i,  g  und  ch:  subjettes  Mau.,  suget  sochet 
Wycl.,  chargeous  charious  Wycl.,  (juniperus)  gynypre  Mau.  28.  magestee 
27.  —  Im  Ne.  steht  es  nicht  nur  in  romanischen  Wörtern,  wie  jöy> 
jäunt,  jäy,  jär'gon,  jüg'gler,  just,  joüst,  jöstle,  jest,  jäw,  sondern  es 
ist  selbst  in  germanische  Wörter  vorgedrungen,  wie  to  jäb'ber  (neben 
gäbble),  jümp  (holl.  gumpen).  —  Es  stehen  g  und  j  noch  neben  ein- 
ander: jäil  gäol  (lat.  caveola  gabiola,  afrz.  gaiole  jaiole),  jennet  genet 
(lat.  genista,  franz.  genet),  Jill  Gill  Abkürzung  von  Gillian,  jmgle 
gingle  etc. 

Im  Me.  mögen  j,  g  und  ch,  weil  sie  mit  einander  wechseln,  in 
der  Aussprache  gleich  gewesen  sein.  Da  hier  erst  d  vor  g,  und  t 
vor  ch  erscheint,  so  mag  auch  um  dieselbe  Zeit  j  seinen  französischen 
Laut  (=  sh)  verstärkt  haben. 

S.  Ags.  s  steht  überall:  sand  (Sand),  sellan  (geben),  sealt  (Salz),  §.  142. 
segen  (Zeichen),  siht  (Gesicht),  singan  (singen),  söna  (bald),  sunne 
(Sonne),  sse  (See),  sär  (Schmerz),  secan  (suchen),  seoc  (siech),  sican 
(seufzen),  sefte  (sanft),  sür  (sauer),  isern  (Eisen),  wis  (weise),  is  (Eis), 
und  erhält  sich  meist  durch  alle  Perioden,  daher  im  Ne.  sänd,  seil, 
Salt,  si^n  (frz.  sign  und  ags.  sögen  mischen  sich),  siffht,  sing,  söon, 
sün,  sea,  söre,  seek,  sick,  söür,  wise. 

Schon  im  Ags.  gehen  einige  s  nach  r  über:  die  Imperfecta  ceäs 
(erkor),  hreäs  (stürzte),  forleäs  (verlor),  dreäs  (fiel),  begreäs  (zitterte), 
haben  im  Plural  curon,  hruron,  forluron,  druron  und  begruron  und 
im  Part,  coren,  hroren,  forloren,  droren,  begroren ;  ferner  in  cyre 
(Wahl),  cora  (Wähler),  hryre  (Fall),  dryre  (Fall),  dreorig  (traurig)^ 
gryre  (Schauder).  —  Lag.  hat  noch  euren  und  icoren,  iloren,  dane- 
ben aber  auch  im  Part,  ichosen,  ilosed;  Orm:  bifrorenn,  forrlurenn 
forrlorenn.  Im  Ae.  schwindet  r  aus  den  Imperf.  und  erhält  sich  noch 
im  Part.,  wie  ycorn,  lern,  ifrore  neben  frose,  und  im  Me.  dringt 
auch  s  hier  ein:  chosen,  lorne  und  lost.  —  Im  Ne.  steht  r  nur  in 
forlörn,   sonst  überall  s  (oder  z):  chöse  chösen,  löse  löst,  fröze  frözen 


108  Spirans  s. 

§.  142.  —  Ags.  s  in  isern  Avird  r:  La^.  irene,  Orm  irenn,  ae.  iron,  ne.  Iron. 
—  Ags.  dearr  (wage),  steht  für  dears  (got.  darsj;  nachfolgendes  t  hat 
s  bewahrt  in  ags.  dorste,  Lafi.  durste,  ae.  durste,  ne.  dürst. 

Manche  s  gehen  an  c  verloren,  schon  bei  Orm,  wie  in  blettcen 
(ags.  bletsjan  segnen),  Part,  blettcedd  und  blettsedd,  millcenn  für  ags. 
miltsjan  und  Lag.  hat  z:  milze  A.  milce  B.  16837.  Oefter  geschieht 
es  im  Engl.,  wo  beide  Zeichen  gleichlautig  sind.  Im  Ne.  haben  sich 
folgende  c  befestigt:  ags.  adese,  ne.  äd'dize  ädze.  —  Ags.  müs  PI. 
mys,  lüs  lys,  me.  mees  myse  Mau.,  myis  Wycl. ,  lys  PP.  lyzs  Mau. 
ne.  möüse  mice,  löüse  lice.  —  Ags.  penig,  PI.  penigas,  Lag.  peniges, 
ae.  pens,  ne.  pence.  —  Ags.  Is,  me.  ise,  ne.  ice.  Auch  in  einigen 
Adverbien  wird  genitivisches  s  zu  c:  ags.  äne  side  (Instr.),  Lag.  senes, 
me.  onis  oones  Wycl.,  ne.  once.  —  Ags.  twigges.  Lag.  tweien ,  Orm 
twiggess,  me.  twies,  ne.  twice.  —  Ags.  }>riga,  Lag.  f»rien  ]?ries,  Orm 
J7riggess,  ae.  ]?ries,  ne.  thrice.  —  Ags.  hinan,  Lag.  henne  hinnes,  me. 
hennes,  ne.  hence.  Aehnlich  bilden  sich  thence,  whence  und  since 
(sid-dan,  me.  sithens). 

§.  143.  Zahlreiche  Verbindungen   geht  s  ein:    1)  sl,    sm,    sn:    ags.  slean 

(schlagen),  slumerjan  (schlummern),  slsepan  (schlafen),  smsel  (klein), 
smede  (glatt),  snäw  (Schnee);  bösm  (Busen),  blöstma  blösma  (Blüthe). 
Die  vorstehenden  Verbindungen  bleiben:  Lag.  slaen,  slumen,  slaepen, 
smal,  snau,  bosme;  Orm:  slan  slaepenn,  sme)?e,  aber  nachstehendes 
sm  erweitert  sich  zu  bosemm,  doch  blostme.  —  Ne.  släy,  slümber, 
sleep,  smäll,  snöw,  bösom,  blössom. 

2)  Sw.  s.  §.   137. 

3)  Sc:  ags.  asce  (Asche),  aesc  (Esche),  fleesc  (Fleisch),  fisc 
(Fisch),  äscjan  (fragen),  scamu  (Schaam),  sceran  (trennen),  scild 
(Schild),  sc^p  (Schaf),  scür  (Eegenschauer),  scrobb  (Strauch),  scrüd 
(Kleid),  scridan  (schreiten),  scrifan  (schreiben),  scrin  (Schrein).  — 
Im  Nags.  wird  es  schwankend.  Lag.  läßt,  besonders  in  B.,  oft  s  ein- 
treten: scal  sal  soll,  sceld  seald  (Schild),  scenc  senche  (Trank),  sceort 
sort  (kurz),  scep  seep  (Schaf);  bisweilen  auch  ss:  brutisc  brutisse, 
fiscEere  fisssere  (Fischer);  auch  seh:  scheid,  schep,  fisc  fisch;  aber  nur 
sc  vor  r.  Allein  steht  skenting  (altn.  skemtan  Vergnügen).  —  Orm 
hat  sc,  sk  und  sh.  Sh  entspricht  im  Allgemeinen  ags.  sc:  shall, 
shame,  shsedenn,  shep,  shilldenn,  shorrte,  shuUdre,  shrifenn;  auch 
steht  es  bisweilen  für  altn.  sk:  shetenn  (skedi  zufallen),  shifftenn  (at 
skipta  vertheilen).  —  Sc  steht  vor  a,  o  und  r:  scald  (altn.  skald), 
scone  (ags.  scene),  scorrchnedd  (vielleicht  afrz.  escorchier).  —  Sk  steht 


Verbindungen  der  Spirans  s.  109 

in  altnordischen  Wörtern,  wie  skemmting  (Freude),  sket  (skiotr  rasch,  §.  143. 
schnell),  skirrpenn  (at  skirpa  ausspucken),  scerren  (erschrecken);  oder 
in  ag"S.  Wörtern  unter  nordischem  Elnflui^e  ska)>lais  (skadlauss  schadlos), 
skill  (skil  Kenntniß),  skinn  (skinn  Schien-,  Haut)  skir  (klar).  Auffallend 
ist  shene  und  scone.  —  In-  und  auslautend  hat  Orm  gewöhnlich  sk: 
asskenn,  asskess  (Asche),  fissk;  doch  auch  Pontisske  Pontisshe,  judisske 
judewisshe,  ennglissh  enugliss.  — 

Im  Ae.  (RG.)  stehen  sh  und  seh,  sc  und  sk  gewöhnlich  neben 
einander,  bisweilen  auch  sc,  seh,  sk  und  sh:  shryue  schryue,  skam 
schäm,  ship  schip,  und  oft  hat  RG.  ss,  wie  ssaft,  ssame,  ssende, 
ssip,  ssire,  ssoldren,  ssriue.  —  Im  Me.  w^echseln  sh,  seh  und  ssch, 
und  treten  sc  und  sk  gegenüber,  letztere  besonders  vor  e  und  i.  — 
Im  Xe.  tritt  für  ags.  sc  1)  gewöhnlich  sh  ein:  shäke,  shäme,  shärp, 
shear,  sheep,  shield,  ship,  shöt,  shört,  shöwer,  shüt,  shrüb,  shröüd, 
shrive;  ferner  in  andern  deutschen  Wörtern:  shätter,  shive,  shrill, 
shüdder,  shy;  äsh;  flesh,  fish,  Brit'ish;  2)  sc  hat  sich  in  wenigen 
ags.  Wörtern  erhalten,  wie  scräpe,  scürf,  scäle,  scäth,  scüttle;  ferner 
iu  scald,  score,  screech,  scülk,  scöop,  scöwl;  screen  und  shrine;  — 
3)  sk  steht  in  skin,  skip,  skew,  skirt,  skull,  sky,  äsk. 

4)  Mit  p  (pr):  spada  (Spaten),  spendan  (spenden),  spearca  (Funke), 
spell  (Erzählung),  sprecan  (sprechen),  springan  (springen),  spreotan 
(spriel^en),  aesp  (Espe).  Diese  Consonanzverbindung  im  Anlaut  bleibt 
unverändert,  daher  ne.  späde  spend,  spärk,  spell,  speak,  spring, 
sprit,  spröüt. 

5)  St:  ags.  steppan  (schreiten),  starjan  (starren),  sterne  (strenge), 
straw  (Stroh),  sträng  (stark),  ceaster  (Stadt),  nest  (Nest),  gaest,  lust, 
dust  (Staub),  eäst  (Osten),  eästre  (Ostern).  Auch  st  bleibt  überall, 
ne.  Step,  stäre,  stern,  sträw,  ströng,  —  ehester,  nest,  guest,  lüst,  düst, 
east,  easter. 

Im  In-  und  Auslaute  tritt  bei  sc  und  sp  bisweilen  Metathese 
ein,  wie  ags.  husc  hucs  (Spott),  sespe  sepse  (Espe),  cosp  cops  (Feßel) 
hnescjan  hnexjan  (erweichen,  verzärteln),  wlisp  wlips  (lispelnd),  fros- 
cas  froxas  (Frösche),  flascas  flaxas  (Flaschen),  masc  max  (Masche), 
äcsjan  äscjan  äxjan  fragen,  auch  in  ricdels  (ahd.  rätisal)  Räthsel.  — 
Lag.  hat  nur  hux,  aber  askien  und  axien,  Orm  nesshenn  und  asskenn. 
Sie  befestigen  sich  nach  und  nach,  und  während  die  neuengl.  Schrift- 
sprache höax,  nesh,  lisping,  äsk,  äspen-tree,  häsp,  cläsp  hat,  so  hat 
Som.  claps,  haps,  aps  und  Hall,  to  ax. 


110  Romanisches  s,  ti,  sc,  squ. 

§.   144.  In    romanischen    und    andern    fremden  Wörtern    steht    s  sehr  oft, 

allein  und  in  obigen  Verbindungen. 

1)  Einfaches  s  entspricht  meist  romanischem  s:  lat.  (ne-)sapius, 
afrz.  saive  saige,  alte,  und  neue.  säge.  —  Lat.  sedes,  afrz.  sed,  se, 
alte,  se,  see,  neue.  see.  —  Lat.  servire,  afrz.  servir,  Lag.  sarevi,  neue, 
serve.  —  Lat.  senior,  afrz.  signeur  sieur,  alte,  sire,  neue.  sir.  — 
Lat.  thesaurus,  afrz.  tresor,  Lag.  tresur,  neue,  treasure.  —  Lat. 
prensio-n,  afrz.  prisun,  alte,  prisun,  neue,  pris'on. 

Aus-  und  inlautend  ist  s  oft  c  geworden:  lat.  pax  pac-is,  afrz. 
pais,  alte,  pais  peis,  mittele,  pes,  neue,  peace.  —  Lat.  palatium,  afrz. 
paleis,  alte,  palais  palas,  mittele,  palays  paleys,  neue,  päl'ace.  —  Lat. 
fornax,  mittele,  forneys,  neue,  für'nace.  —  Lat.  vox  vocis,  afrz.  vois 
vuis,  alte,  vois,  neue,  vöice.  —  Lat.  pretium,  afrz.  preis  preiz,  alte, 
pris,  neue,  price.  —  Afrz.  alte,  fantasie,  neue,  fän'cy. 

Romanisches  s  wird  zu  neue,  sh:  lat.  capsa,  afrz.  casse  chasse, 
neue.  cäsh.  —  Lat.  coxa,  afrz.  cuisse  quisse,  neue,  cuisse  und  cuish. 
—  Ne.  räd'ish  kann  von  lat.  radix  herrühren  oder  von  frz.  radis.  — 
Lat.  finire,  afrz.  fenir,  alte,  fyny,  mittele,  finishe  (aus  frz.  versteck- 
tem s  in  finissons),  neue,  fin'ish.  —  Lat.  nutrire,  afrz.  nurir  norir, 
alte,  norysy,  mittele,  noryshe  nurshe,  .neue,  noür'ish.  —  Lat.  perire, 
afrz.  perir,  mittele,  pershe  WycL,  neue,  per'ish.  Ebenso  lat.  florere, 
mittele,  florishe  PP.  9503.  Anriehen  Cr.  963.  neue,  floür'ish.  —  Lat. 
blandiri,  afrz.  blandir,  mittele,  blandise  Gh.,  neue,  bländ'ish.  —  Afrz. 
cherir,  mittele,  cherice  Gh.,  neue,  cher'ish. 

Eomanisches  s  wird  neuengl.  -ge:  lat.  cabusia,  frz.  cabus,  mittele. 
neue,  cäb'bage.  —  Lat.  salsicia,  frz.  saucisse,  engl,  säu'sage. 
§.  145.  Das   lat.   zischende   ti  wird   franz.   s  und  englisches  s,    sh:   Lat. 

satio-n,  afrz.  saison  seison  seson,  alte,  sesoun,  neue,  sea'son.  — 
Lat.  ratio-n,  afrz.  raison  reson,  alte,  resun,  neue,  rea'son.  —  Lat. 
redemptio-n,  afrz.  raian9on  ranchon,  alte,  ramson,  neue,  rän'som.  — 
Lat.  factio-n,  afrz.  faceon  fazon,  mittele,  neue,  fäsh'ion.  —  Lat.  an- 
gustia,  frz.  angoisse,  alte,  angusse,  neue,  än'guish. 

Lateinisches  -ticum  wird  afrz.  und  engl,  -ge:  lat.  usaticum,  afrz. 
usage,  engl,  ü'sage.  —  Lat.  staticum,  afrz.  estage,  engL  stäge. 

Eomanisches  sc,  seh,  squ:  afrz.  escadafalte  eschafault,  mittele, 
scaffaut,  neue,  scäfföld.  —  Lat.  scala,  afrz.  eschele,  engl,  scäle.  — 
Afrz.  eschaper  escaper,  Lag.  scapie  achapie,  alte,  ascape,  neue,  scäpe 
und  escä'pe.  —  Afrz.  escarlate,  mittele,  neue,  scär'let.  —  Lat.  schola, 
ags,   scöl,   mittele,   scole,   aber   neue,   schöol.  —  Ital.   scherze  bleibte 


Roman,  s  in  Verbindung'en.  111 

—  Lat.   schedula,    neue,   schedule.   —   Lat.   scutarius,    afrz.   escuier,  §.   145. 
esqiüer,    engl,   squire   esqiüre.  —  Lat.   sciurulus,    afrz.  escurel,    engl, 
squirrel.  —  Frz.  escadron,  neue,  squadroii(ö). 

Bisweilen  berühren  sich  germanische  und  romanische  Formen. 
Ne.  scöt  kann  von  lat.  scotura,  afrz.  escot  herrühren  und  von  ags. 
scot  sceot.  —  Ebenso  neue,  scärf  von  ags.  scearfe  oder  afrz.  escharpe, 
escerpe. 

Romanische  sc,  squ  werden  engl,  sk:  frz.  esquisse,  neue,  sketch.  §.   146. 

—  Ahd.   scirman,   afrz.   escremir   eskermir,    Lag.   scurmen  etc.,   neue, 
skir'mish.  —  Lat.  muschetta,  afrz.  mos'chete  mosquete,  neue,  müsket. 

—  Lat.   masca,   frz.  masque,   neue.    mäsk.   —  Lat.   taxa,   afrz.  tasque 
tasche,  neue.  täsk.  —  Lat.  squalidus,  neue,  squalid  (ö). 

Griechisches  sk  bleibt  in  neue,  skel'eton,  in  skep'tic  skep'tical 
neben  der  lat.  Form  scep'tic  —  Auch  seh  bleiben:  gr.  Schema,  schisma, 
neue.  S0heme,  s<?/asm. 

Einige     orientalische    seh    werden    im    ne.    sh:     sher'bet    (arab.  §.  147. 
scharbat),  shawl  (pers.  schäl),  skek'el  (hebr.  schekel). 

Sp  und  st  sind  im  Anlaute  sehr  zahlreich  und  bleiben:  lat.  his- 
paniolus,  franz.  espagneuil,  neue,  spän'iel.  —  Lat.  stabulum,  afranz. 
estable,  neue,  stähle.  —  Nicht  immer  im  Auslaute:  ahd.  brusta,  afrz. 
broce  broche,  neue,  brüsh. 

In  einigen  Wörtern  ist  s  abgefallen,  wie  in  den  neuengl.  riddle 
(ags.  rsedels),  pea  (ags.  peose,  afrz.  peis),  cher'ry  (lat.  cerasus,  ags. 
cirse,  afrz.  cherice,  cherie  Mau.  4).  Hierher  gehören  auch  die  jetzt 
als  Plurale  geltenden  älms  (ags.  seimesse,  aelmes  Lag.)  und  riches 
(afrz.  richesce,  mittele,  richesse).  —  Ferner  haui^boy  (frz.  hautbois), 
he'ro  (lat.  frz.  heros),  re-läy  (frz.  relais).  —  Ausgestol^en  ist  es  in 
nöi'söme  für  noise  (lat.  noxa  oder  nausea,  afrz.  noise)-some,  und  öfter 
in  lateinischen  Compositionen  mit  Partikeln ,  die  auf  einen  Zischlaut 
ausgehen,  wie:  ex'-e-cüte  (lat.  exsecutum),  ex-ült'  (exsultare),  exile 
(exsul),  trän'sept  etc. 

Dagegen  tritt  s  in  einigen  Wörtern  ein.  Vorgeschoben  ist  es  in 
neuengl.  smelt  neben  melt  (ags.  meltan  und  smeltan),  Scratch  crätch, 
creak  screak  shriek,  quash  (ö)  squash,  squeeze,  squeak,  sneeze 
(niesen). 

Eingeschoben  ist  es  in  neuengl.  island  (ags.  eäland,' igland,  wahr- 
scheinlich aus  frz.  isle),  aisle  (frz.  aile),  isle  (insula,  isola,  isle,  aber 
im  Ae.  und  Me.  yle),  demesne  neben  demäin  (lat.  dominium,  afrz. 
domaine  demeine). 


112  Lautung^  der  Spirans  s. 

§.   147.  Angeschoben  ist  es  besonders  in  Namen  und  hier  ist  es  entweder 

genitivisches  s,  wie  Ed'munds,  Philips,  oder  plurales,  wie  Woods, 
Flowxrs. 

§.   148.  Im  Ags.   liegt   nichts  vor,    das  auf  eine  verschiedene  Aussprache 

hindeutete.  Bei  Lag.  aber  tritt  s,  ss  für  sc  auf  und  weist  auf  stär- 
keren Zischlaut  hin  und  im  Normannischen  tritt  als  weicherer  Laut 
das  plurale  z  ein.  Hierin  und  in  den  begleitenden  Consonanten  haben 
wir  wohl  die  Anfänge  der  verschiedenen  Aussprache  zu  sehen,  wenn 
auch  die  Entwicklung  nicht  nachgewiesen  werden  kann. 

Das   Ne.    unterscheidet   in   s    einen    scharfen   und  einen  weichen 
Zischlaut,  die  sich  beide  verstärken: 

1)  Scharfes  s  steht  a)  im  Anlaute:  säme,  sänd,  sea,  send,  side, 
Sit,  söl'dier,  söl'id,  sün;  nur  in  süre  und  sügar  hat  sich  s  zu  sh  ver- 
stärkt. Ferner  in  Zusammensetzungen,  wie  sea'-sänd,  be-sid'e.  Doch 
in  manchen  mit  romanischen  Partikeln  zusammengesetzten  Wörtern 
hat  sich  der  weichere  s-Laut  festgesetzt  (Walker),  wie  in  ab-§ölv'e 
(aber  äb'solüte),  de§'ert  und  de§ert'  und  'allen  Ableitungen,  de§ir'e, 
dis§ölv'e  (aber  dis'solüte),  ob§er've  und  allen  Ableitungen,  pres'ent, 
to  pre-sent',  pre-sent'ment,  pre-§er've,  pre§'ident  (aber  pre-side,  Wrc.  §), 
pre-§ü'me;  re-§em'ble,  re-§er've,  re-§i'de,  re-§ign,  re-gil'ient,  re-|ist, 
re-söl've,  re§'olüte,  re-§ört,  re-§ült',  re-§ü'me,  re-§ürrec'tion.  Das  Be- 
wul^tsein,  daß  diese  Wörter  zusammengesetzt  sind,  ist  verschwunden, 
und  deshalb  hat  s  den  weicheren  Laut  angenommen.  Wenn  daher 
die  Partikel,  wie  re,  in  ihrer  Bedeutung  hervortritt,  so  folgt  der 
scharfe  s-Laut,  sodaß  re-söünd'  wiederum  hallen  heißt,  re-söünd' 
zurückhallen,  re-sign  wiederzeichnen  (W.  nicht),  re-§Tgn  auf- 
geben. —  b)  im  Auslaute  und  aa)  hinter  kurzen  Vocalen:  yes,  this, 
üs,  thüs,  mis-,  träns-,  jedoch  nicht  in  a|,  das  früher  (ags.  eal-swa, 
also,  alse,  als,  as)  lang  war;  —  bb)  hinter  harten  Lauten:  lips, 
whips,  röofs,  whiffs,  häts ,  gätes;  —  cc)  in  der  Verdoppelung:  op- 
press';  —  dd)  in  den  Verbindungen  Is,  ns,  rs:  pulse,  sense,  hörse; 
—  ee)  in  dis,  wenn  es  betont  ist  oder  vor  einem  harten  Consonan- 
ten steht:  dis'solüte,  dis'abil"ity,  dis-sät'isfy,  dispö'se,  disträct',  dis- 
cöv'er.  —  c)  im  Inlaute,  und  zwar  in  ss:  oppres'sing  (jedoch  nicht 
in  po§-§ess',  scis'sars,  hu§-§är',  hüs'§y  und  de§-sert'),  in  den  obigen 
Consonantenverbindungen:  lisp,  haste  (aber  mistletoe)  und  vor  den 
Adjectivendungen  -ive  und  -ory:  deci'sive,  deri'sory. 
§.  149.  2)  S  hat  den  w^eichen  Laut  und  gew^öhnlich  a)  im  Inlaute  zwischen 

Vocalen:  ea'sy,  ri'ser,  sea'§on;  scharf  klingt  es  in  vielen  Substantiven, 


: 


Lautung  des  Spirans  s.  113 

wie  bä'sis,  cri'sis,  thö'sis,  är'gosy,  pö'esy  (neben  pö'§y),  ex'tasy,  lep'-  §.  149. 
rosy,  animös'ity,  cüriös'ity;  obeisaiice  (e  und  fi),  crusä'de,  palisä'de, 
sau'sage,  bä'sin,  mä'son,  pär'son,  per'son,  capar'ison,  gär'rison,  phi- 
lös'ophy;  —  b)  im  auslautenden  Flexions-s  hinter  Vocalen  und  wei- 
chen Consonauten:  sea§,  driy§,  wills,  fen§,  fäthers,  headg,  cüb§,  rägg, 
wtves;  he  flies,  stealf,  treadg,  röb§,  löve§;  auch  in  -es  hinter  Zisch- 
hiuten:  glasses,  chfirche§,  boxes,  he  pusscs ,  hü  märchc§.  Ferner  in 
dis-  vor  betonter  Silbe,  die  mit  einem  Vocale  oder  weichen  Consonan- 
teii  beginnt:  di§-ä'ble,  di§-bänd',  di§-däin',  di§-grä'ce;  —  vor  m:  en- 
thu  siä§m ,  prism;  —  im  Auslaute  vor  stummem  e:  wi§e,  ri§e;  scharf 
aber  ist  es  in  lease,  decease,  crease,  bäse,  cäse,  chäse,  döse,  göose, 
gröüse,  höuse,  söüse;  ferner  in  unbetonter  Silbe:  än'ise,  prem'ise, 
pröm'ise,  mör'tise,  präc'tise,  pür'chase,  pür'pose,  pär'adise,  pür'poise, 
tör'toise  und  in  den  Adject.  löose,  debäse,  und  in  to  erase  und 
to  söüse. 

Die  englischen  Orthoepisten  schwanken  bei  to  design'  (W.  P.  J, 
F.  Sm.  Wb.,  z  S.  E.  Ja.  K.),  to  desist'  (z  S.),  fu'§ible  (s  S.  W.),  per- 
sua'sible  (S.  P.  F.  Sm.  Wb.,  z  W.  J.  Ja.  K.  R.),  pismire  (z  W.  J. 
F.  Ja.  Sm.  R.,  s  S.  P.  E.  K.),  nVible  (s  Wb.  E.),  valis'e  (z  Sm., 
s  K.  Wb.),  väse  (z  W.  P.  J.  F.  Sm.  R.,  s  S.  E.  K.  Wb.,  z  und  s 
Ja.  Wrc). 

Verschiedene  s-Laute  haben  sich  festgesetzt  in  denselben  Wort- 
formen ,  so  dali  jene  zur  Unterscheidung  der  Wortarten  dienen.  Die 
Nomina  haben  den  scharfen  Laut  in  abüse',  clöse,  devise',  diffuse' 
excüs'e,  greas'e,  höüse,  löüse,  möüse,  refüs'e,  rise,  üse;  die  Verben 
den  weichen  to  abü§e,  to  clö§e  etc. 

3)  Beide  s-Laute  verstärken  sich,  der  scharfe  wird  zu  sh,  der  §.  150. 
weiche  zu  zh.  Letzterer,  mit  i  oder  u  verbunden,  steht  gewöhnlich 
zwischen  Vocalen:  co-he'-sion  (=  zhün),  eva'sion,  decis'ion,  confü'- 
sion;  plea'sure  (-zhure  W.) ,  meas'ure,  trea'sure,  rä'sure;  ü'sual, 
u  surer,  ü'sury;  crö'sier,  ö'sier,  hö'sier,  rö'sier,  brasier,  grä'sier; 
auch  in  ambrö'sia  (zhe-a) ,  ambrö'sial,  elys'inm,  elys'ian,  ä'sia.  — 
Der  harte  Zischlaut  steht  hinter  Consonanten:  diver'sion,  expül'sion, 
dimen'sion,  pres'sure,  Per'sian,  sen'sual,  commen'surable,  trän'sient. 

Stumm  ist  s  in  ai.sle,  deme'sne,  höstel'  hötel',  isle,"  island,  mesne,  §.   151. 
pü'isne   (=    puny),   Viscount,    Louis-d'or;    in    avis,    chamois    shamois, 
Corps,    gläcLs',   päs,    ren'de^^vöu?   (ren'-de-vö    S.   J.   K.,    ren'de-vö    Sm., 
ren-de-vöz'  W.  F.  Ja.),  söus,  vi§-a-vis  (viz'-a-ve'). 

Koch,  engl.  Grammatik.     1.    2.  Aufl.  8 


1 14  Liquida  1. 

1')!.  Sil    klingt  wie    seh:    sluill,    sinne,    nnr   cuish,   dem  W.  die  fran- 

zösische Form  cuisse  vorzieht,  =-  kwiss,    auch  in  k-ash  (Lederriemen) 
will  S.  nur  s  lauten  lallen. 

Die  Spirans  h  s.  Gutturale. 


Zweiter   Abschnitt. 

Die  Liquiden. 

§.   152.  L  wurde  wahrscheinlich  im  Ags.  mehr  aus  der  Kehle  gesprochen 

und  bewirkte  deshalb  Brechung.  Es  erhält  sich:  ags.  löedan,  ceorl, 
eorl,  helpan;  alte,  leden,  cherl,  erl,  helpen;  neue,  to  lead,  chürl, 
earl,  help. 

Aber  in  französischen  Wörtern  erweicht  1  zu  u.  So  schon  in 
Wilhelm's  Gesetzen  faus  (falsch),  aut  (hoch).  Laf^.  hat  falsie  und 
fausie  23967  und  das  Ae.  bietet  zahlreiche  Beispiele,  wie  haut,  autere, 
assaut,  malgre  maugre  magre,  fealte  faute  etc.;  zahlreichere  das  Me., 
Avie  paume,  säume  psaume,  sawtere  psawtere  Mau.  8.  psaltere  5,  fau- 
kons  22.  fauchen  PP.,  caudron,  awtier, 'emeraude,  souldyoure  sowdier 
sowd  14,  skaffaut  und  scaffold,  heraud,  reme,  awmener  etc.  Mau.  — 
Im  Ne.  sind  diese  Formen  zum  Theil  geblieben:  häuberk  (afrz.  hal- 
bere halbert,  alte,  hauberk  haubert  RG.,  ahd.  hals-perc),  äuburn 
älburn  (lat.  alburnum),  powder.  Gewöhnlich  aber  ist  1  wieder  einge- 
treten und  ist  hörbar  in  fault  (falte  faute,  fawty  Mau.),  assäult'  (as- 
saut RG.),  väult  (frz.  volte  voute  vaute,  vowt  Man.);  oder  es  ist 
stumm:  pä^m  (ags.  palm,  afrz.  palme  paume,  mittele,  paume  Wycl.), 
psdilm  (ags.  psalm  salm  sealm,  afrz.  salme  säume),  j:>salmist  (säl'mist 
W.  J.  F.  Sälmist  S.  E.  Ja.,  säm'ist  P.  K.  Sm.  Wb.),  cä^m,  chäik  (lat. 
calx,  afrz.  chaux),  äu/n  (afrz.  alne  aune),  ätoond  (frz.  amande),  mäto- 
sey  (frz.  malvoisie),  säZmon  (frz-  saumon),  chäldron  (P.  J.  E.  Ja.  Sm. 
Wrc.)  und  chäudron  (W.  F.  S.),  bä/m  (mittele,  bawme  Mau.),  älms 
(ags.  seimesse  afrz.  almosne),  falcon  (fäw'kn  S.  W.  J.  E.  F.  Ja.  Sm. 
Wrc,  fälkn  P.  K.,  fäl'kon  Wb.). 

In  Folge  dieser  wurde  1  auch  in  einigen  deutschen  Wörtern 
stumm,  wie  qua?m  (ags.  cwealm,  kwäm  P.  J.  Ja.  Sm.  Wb.,  kwäm  W. 
E.  F.),  cäZf,  hä^f,  to  cä^ve,  to  hä^ve,  wä^k,  Ulk,  hälsa  häwse,  häl- 
ser  häwser,    fö^k,    yo/k   (yök    S.  W.    P.  F.  Ja.  K.  Sm.  E.  Wrc,   yölk 


Liquida  1,  m.  Hö 

Wb.),  wofi/d  (Ch.  reimt  noch  would  hehold  R.  Uli),  slioüZd  (scliode  §.  152. 
Mail.  27).  —  Wallis  (S.  46)  verlangt,  daU  1  in  talk  und  walk  etc. 
aiisgosproclien  werde,  und  meint,  dai^  Nacliläl'«igkeit  und  Nachahmung 
des  Französischen  1  unterdrücke.  —  Später  aufgenommene,  wenn  auch 
verwandte  Wörter  behalten  1,  wie  pälmet'to ,  palmif'erous,  pul'- 
m ister   etc. 

Ausgefallen  ist  l  in  ags.  k\c,  Laq.  a^lc  und  ech,  alte,  eche 
ech,  neue,  each;  —  ags.  hwylic  hwylc,  La^.  whilc  whulc  woch ,  Orm 
whillke,  alte,  whilke  whiche  wiche  etc.,  neue,  which;  —  ags.  swylic, 
Lan-  swulche  sulche  soche ,  Orm  swillc,  alte.  SAvilke  such,  mittele, 
swiche  suche,  neue,  such;  —  ags.  eal-swa,  Lag.  alswa  also  alse  ase, 
Orm  alswa  alls ,  alte,  also  als  as,  mittele,  also  als  as,  neue,  äl'sö  äs; 
—  ags.  Engla  land,  Lag.  Englelond,  alte.  Englelond  und  Engelond, 
neue.  England,  —  Während  der  Schotte  in  whilk  und  ilk  das  1  be- 
hält, stößt  er  es  son-st  oft  ab,  wie  haud,  shouther,  gowd,  häuf,  saugh, 
tauch,  für  hold,  Shoulder,  gold,  half,  sallow  (ags.  sealh) ,  tallow  (ags. 
tealg);  besonders  oft  im  Auslaute,  wie  fa',  ba',  ca',  row',  know',  woo', 
howe',  fu',  für  fäll,  ball,  call,  roll,  knöll,  wool,  höUow  hole,  füll. 

Auslautendes  el  hat  hinter  p-  und  t-Lauten  nur  in  der  Schrei- 
bung Metathese  erfahren:  ags.  aeppel,  mittele,  appelle  appuUe  Mau., 
neue,  äp'ple.  So  noch  im  Me.  marbelle,  catelle,  batelle,  brydille, 
gravelle,  camelle  camayle;  im  Ne.  mär'ble,  cät'tle,  bät'tle,  bri'dle, 
aber  gräv'el,  cäm'el. 

Es  ist  1  zu  r  gew^orden  in  neue,  läv'ender  (lat.  lavendula),  sin'ople  §.  153. 
und   sin'oper   (lat.  sinoplum)  und  zu  n  in  pös'tern  (lat.  posterula  afrz. 
posterle  posterne).   In  neue,  colonel  (^  kürnel)  klingt  noch  das  span. 
coronel  fort,  das  noch  Sp.  S.  536  in  coronell  hat. 

Eingeschoben  ist  es  in  neue.  coüM,  s.  Elex.  §.63  (ags.  cüde, 
alte,  cude)  und  bisweilen  in  den  Ausgängen  hinter  k-,  p-  und  t-Lau- 
ten, wie  neue,  män'ciple  (lat.  manicipium,  afrz.  mancipe),  myr'tle 
(lat.  myrtus),  pär'ticiple  (participium),  prin'ciple  (principium) ,  syl'lable 
(syllaba). 

M.     Ags.  m  erhält  sich  meist  überall;   ags.   man,   smid,    deman,  §.   154. 
beäm;  neue,  man,  smith,  deem,  beam. 

Im  Ags.  ist  es  bisweilen  ausgefallen,  wie  in  fif  (got.  fimf). 
softe  (ahd.  samfto),  osle  (ahd.  amisala)  und  daher  noch  im  Ne.  flve, 
soft,  Ou'sel.  Wie  es  ferner  in  allen  Flexionen  verklingt,  so  mui^  es 
auch  in  den  Verhärtungen  verschwinden,  wie  ags.  on  middum  (inmit- 
ten), betweonum  (zwischen),  hwilum  (einst),  limmselum  (stückweise),  Lag. 


1  IG  Liquida  m,  n. 

§.  151.  ammidden  betwenon  whilen  liramele,  alte,  amiddc  betwene  \vhilom  while 
lymemele  (Wycl.  Wysd.  18,  23  noch  hipyll-melum  A.  bi  heepis  B.);  neue. 
amid(st),  between,  while  (veraltet  whilom),  lim^meal. 

In  einigen  deutschon  und  französischen  Wörtern  ist  m  zu  n  ge- 
worden: ags.  semete,  Wycl.  ampte  amte  empte,  neue,  em'met  und 
jint.  —  Lat.  comes  afrz.  cumte  cunte,  alte,  cunte,  neue.  cöCint.  — 
Lat.  nomen,  frz.  noni,  neue,  nöün;  Sp.  3,  1.  3,  Marlowe  1,  27  und 
sogar  noch  Sli.  Momms.  3,  5  haben  renowmed  (renornmej,  das  jetzt  zu 
renöwned  geworden  ist.  —  Lat.  computare  (afrz.  conter  cunter)  ist 
noch  erkennbar  in  neue,  compt,  accompt;  p  fällt  aus,  Dehnung  tritt 
ein  und  unter  Einwirkung  des  Franz.  entsteht  to  cöünt,  accöünt. 
Comptrol'ler  ist  wohl  aus  control'ler  entstanden  (frz.  cbntre-röle)  und 
lautet  auch  so.  —  Lat.  redemptio-n,  afrz.  raan9on,  alte,  ramson, 
neue,  rän'som. 

Die  öftere  Verbindung  von  m-  und  p-Lauten  mag  den  Wechsel 
derselben  veranlaßt  haben,  wie  neue.  Meg  (Margaret)  Peg,  Meggy 
Peggy,  Mät  (Matthew  und  Martha)  Pät,  MöUy  (Maria)  PöUy;  so  auch 
in  märble  (ags.  marm,  marmanstän,  Lag.  marmestan  marblestone, 
mittele,  marble.  Mau.   11). 

m  vor  n  ist  im  Ne.  stumm:  mnemön'ic,  mnemön'ics,  wmemön'ical. 
§.   155.  N.    Es  wird  im  Ags.  vor  f,  s  und  d  stets  ausgestoßen:  ags.   gös 

(Gans),  müd  (Mund),  töd  (Zahn),  öder  (andere),  lide  (linde),  üs  (uns), 
üser  (unser)  (ahd.  gans,  got.  mun]?s,  tun|7us,  an])ar,  ahd.  lindi,  got. 
unsis).  Daher  erklären  sich  auch  die  scheinbar  unregelmäßigen  Prä- 
terita:  ags.  unnan  üde,  cunnan  cüde.  Natürlich  bleiben  diese  Formen 
bis  zum  ne.  göose,  möüth,  töoth,  öther,  lithe,  üs,  öür,  coüM  (mittele, 
noch  coude);  üde  nur  bei  Lag.  und  Orm. 

In  den  nachfolgenden  Perioden  wird  n  nicht  nur  in  den  Flexio- 
nen abgestoßen,  sondern  auch  in  den  verhärteten  Formen,  die  zu 
Adverbien  und  Präpositionen  wurden ,  wie  ags.  bi-sidan  (bei  Seite), 
neän  and  feorran  (von  nah  und  fern),  seftan  (hinten),  foran  (vorn),  be- 
foran  tö-foran  wid-foran,  hinan  heonan  (von  hinnen),  hwanan  (von  wan- 
nen), innan  (innen),  be-innan  widinnan,  nidan  (nieder),  widneodan  under- 
neodan,  ütan  (außen),  J^anan  (von  dannen).  —  Nags.  Lag.  biforen,  bisef- 
ten,  heonne  (hej?enn  Orm  altn.  hedan),  wonene  wanene  (whe)7enn  Orm, 
analoge  Bildung),  binnen  binne  widinnen  widinne,  binoden  bineode, 
uten,  l^onene  )7anene.  —  Ae.  afer,  after,  before  biforn  PL.  932,  henne 
RG.,  hither  PL.,  of  wanne  KG.  2414,  inne  wij^inne,  bene))e ,  ute  out 
aboute  withoute,  fram  }?annene  ßG.  8384.  )7ienPL.  1651.  |7e)7en  Ps.  131,  17 


Liquida  n.  117 

fro  ]>ieii  PL.   7.  (altn.  )>a(tau,    ])adaii  af).   —   Me.  afer,   after ,    beforne  §.   155. 
before,    honen    lienuen   hennis   hennes    hens,    behind,    whennes   whens 
from  wlieus,  withinne,    binetlien  binethe ,    out  aboute,  withoute,  tben- 
nes.   —   Ne.  afär',  after,  be-före',  hence,  whence,  in  within',  beneath', 
Öüt  aböüt'  witb-öüt',  thence. 

Der  Verlust  der  Flexionen  mag  dazu  beigetragen  haben,  auch  §.  156. 
ableitende  n  abzustoßen.  So  werden  ags.  rj^den  (Unterweisung),  westen 
(Wüste),  drosen  (Hefe),  gamen  (Scherz),  mylen  (Mühle),  sefen  (Abend), 
ein  (Elle)  —  Lag.  rajd,  west,  gomen  game,  Orm.  raed,  wesste.  — 
Ae.  rede,  \Teste,  game,  mille,  even,  eil  etc.  —  Ne.  read,  wäste,  dröss, 
gäme,  mill,  eve,  elL 

Auch  in  Compositionen  ist  oft  n  ausgestoßen  worden.  Ags.  and- 
lifun,  end-lif  (Durh.  schon  aellefen),  Lag.  elleouene,  alte,  elleue, 
ellene,  neue,  elev'en.  —  Ags.  )?unres  dseg.  Lag.  )7unresd9ei  |;orisdai, 
Orm  )7urrsdagg,  alte,  j^oresday  RG.  10559  etc.,  neue.  Thürsday.  — 
Ags.  angnaegl,  neue,  agnäil.  —  Ags.  Oxna-ford,  alte.  Oxenford  EG., 
neue.  Ox'ford.  —  Ags.  Sunnandaeg,  Orm  Sunenndagg,  alte.  Sonenday, 
Mau.  Sonday,  neue.  Sün'day.  —  Ags.  gestrandseg,  Lag.  gerstendsei, 
neue,  yes'terday.  —  Ags.  feowertene  niht.  Lag.  feowertene  niht  A  four- 
teniht  B  25672  etc.,  neue.  förtni^At.  —  Ebenso  ä/m'ry  neben  äl'monry 
(altfrz.  almosue). 

Anlautendes  n  ist  abgefallen:  ags.  niedre,  mittele,  naddre  Mau.  19, 
edder  eddre  Wycl.,  neue,  äd'der.  —  Frz.  naperon,  neue,  apron 
(=  ä'pürn). 

Bisweilen  ist  n  hinzugetreten  und  zwar  vorgeschoben:  ags.  efete 
(Eidechse),  alte,  evet,  mittele,  ewt  Mau.,  neue.  newt.  —  Ags.  awul, 
awel,  sei,  äl,  eäl,  alte,  aul,  mittele,  alle  A.  nal  B.  Exod.  21,  6,  ne.  äwl 
näwl.  —  Alte,  ehu  (Pferd),  dän.  ög,  neue.  nag.  —  Lat.  impar,  mittele, 
noumpere  Wycl.  Rom.  prol.  neue,  um'pire.  —  Frz.  oche ,  me.  nowche 
Wycl.  S.  Exod.  28,  4.  neue,  öüche;  ebenso  lat.  uncia  B.  nounce  Wycl.  A. 
Exod.  30,  3.  neue,  öünce.  In  Dialecten  steht  es  öfter:  üncle  nüncle 
Hall,  eam  neam,  äunt  näunt  Crav. 

In  verkürzten  Eigennamen  ist  es  auch  vorgeschoben:  Ed'ward  Ned, 
Hüm'phrey  Nümp,  Obadi'ah  Nöb,  Isabella  Nib,  An'na  Nän'ny  Nän'cy. 

Bisweilen  ist  es  eingeschoben:  ags.  nihtegale,  mittele,  nightin-  §.   157. 
gale  Gh.,  neue,  nigh'tingäle.   —   Ae.  messager  (afrz.  messagier)  messa- 
ger  Mau.,   neue,  mes'senger.  —  Ae.  passager  (passagier),    neue,  päs'- 
senger.  —  Afrz.   papegai,    mittele,    popegay  Mau.  27    und    papyngaye 
22.  Ch.  neue,  pop'injäy.  —  So    dringt   auch   in  Lag    chevetaine  (afrz. 


118  Liquida  n,  r. 

§.    157.  clievetaine,  chataigne,  cataigno,  cataine  aus  capitanus),  im  Ae.  ii  ein: 
cheuentain,  auch  noch  bei  Mau.,  und  im  Ne.  chieftain. 

Angeschoben   ist   n  in  ags.  meard  (Marder),  neue,  märten  und 
martern;  ferner  alte,  bitore  (frz.  butor),  neue.  l)ittern. 

§.    158.  Einige   n   sind  zu  m  geworden:   ags.  snacc  (Boot),    frz.  semaque, 

neue,  smäck.  —  Oefter  vor  p-Lauten:  ags.  hanep  (Hanf),  neue.  hump. 

—  Ags.  Cantwara  —  oder  Canta-brycg,  alte.  Cambrugge,  neue.  Cam- 
bridge. —  Lat.  tentare,  afrz.  tenter  tempteir  etc.  neue,  tempt,  at- 
tempt'.  —  (Lat.  confortare),  afrz.  confort,  engl,  comfort.  —  Auch 
im  Auslaute:  ags.  lind  (Linde),  neue.  Urne.  —  Frz.  randon  neue,  rän'- 
dom.  —  Ae.  ramson  mittele,  ransoum,  neue,  rän'som.  —  Lat.  vene- 
num,  alte,  venym,  neue,  ven'om.  —  Frz.  velin,  neue,  vel'lum.  —  Frz. 
migraine,  neue,  me'grim. 

N  hat  meist  seinen  einfachen  Laut:    näme,    en'emy,    mäne,    man. 

—  Mit  Gutturalen  verbunden  erhält  es  einen  nasalen  Laut:  unger, 
thänk,  bän'quet,  än'xious,  än'guish.  Die  auf  -ng  ausgehenden  Wörter 
lai-en  nur  das  nasale  n  hörbar  werden  und  unterdrücken  g:  sing, 
söng,  und  so  in  singer  singing.  Doch  Comparationsformen  lallen  g 
hervortreten:  long,  lönger  (-=  longger),  löngest  (=  long-gest). 

Auslautend  hinter   m  ist   es   stumm:    sniiiimn,   coYumn,    to    con- 
dem'w,    contem'^i,    hynm,   to  linm,    söl'emw,   lautet    aber,   sobald   eine 
vocalisch   beginnende  Endung  antritt;   äutüm'nal,    cplüm'nar,   condem- 
nation  etc.;  ferner  in  klln,  br]LCk'kil?^  und  to  kilndry. 
§.   159.  R-    Iii^  ^S^'  treten  viele  r  für  ursprüngliches  s  ein,  wie  in  märe 

(mehr),  eäre  (Ohr),  hyran  (hören),  hara  (Hase),  deor  (Thier),  iren 
(Eisen),  nerjan  (nähren)  (got.  mais,  auso ,  hausjan,  dius,  eisarn,  nas- 
jan  und  ahd.  haso).  Diese  bleiben  überall.  Ne.  möre,  ear,  to  hear, 
häre,  deer,  i'ron.  Im  Ags.  steht  noch  neben  s  im  Prät.  r,  s.  §.  142. 
Manche  ursprünglichen  s  sind  im  Ags.  abgefallen:  we  wir  (got.  vei-s, 
ahd.  wi-r),  ge  ihr  (got.  ju-s,  ahd.  i-r),,)?e  dir  ()?u-s,  di-r),  me  mir 
(mi-s,  mi-r),  ä-(us-,  ar-  er).     Ne.  we,  ye,  thee,  me,  a-. 

Ausgefallen  ist  r  in  ags.  sprecan  sprechen,  Lag.  speken  und 
so  noch  im  Ne.  to  speak.  —  Ags.  preon  schott.  prin  (Pfrieme),  neue, 
pin.  —  Gr.  paralysis,  frz.  paralysie,  mittele,  palasie,  neue,  pälsy.  — 
Afrz.  cocart  neue,  cöck'ard  cöckä'de. 

Eingeschoben  ist  r:  ags.  guma  (Mann),  Lag.  gume  gome, 
Orm  bridgume,  alte,  gome,  neue,  gröom,  bri'degröom.  —  Ags. 
swadu  neue,  swath(ö)  und  swärth.  -  Ags.  sefen  Durh.  efern.  —  Fer- 
ner  in    lat.    perdix    frz.   perdrix   neue,   pär'tridge.   —  Frz.   cartouche 


Liquida  r.     [.autverschiebiingsgesetz.  119 

neue,    cär'tridgo.    — ■    Frz.    caporal    (caput)    neue,    cör'poral.    —    Lat.  §.   159. 
culpa,  neue,  cürprit. 

Die  doppelte  Aussprache,  die  Ben  Jons,  angiebt,  mag  sehr 
alt  sein.  Vielleicht  ruht  sie  in  ursprünglichen  und  in  den  aus  s  her- 
vortretenden r.  Im  Ne.  lautet  es  scharf  im  Anlaute:  rün,  rät,  bring, 
prat'tle,  free,  true,  drfiw,  gröw,  crow;  weich  hinter  Vocalen:  nU  tär, 
bride  bird,  heir,  f;Uher,  lörd,  heärt.  Vor  stummem  e  im  Auslaute 
dehnt  es  sich  daher  fast  zur  nachklingenden  Silbe:  fire  (==  fi-er), 
lyre,  pure,  here. 

Auslautendes  tre,  ehre  etc.  wie  in  theatre,  sep'ülchre,  wird  ter 
gelesen.  Ebenso  lautet  iron  =  i'ürn,  ä'pron  =  apurn  (aber  bei 
E.  Ja.  i'ron,  bei  S.  E.  Ja.  ä'-pron)  und  in  der  Umgangssprache  findet 
Metathese  statt  in  children  und  hundrod.  Es  schwankt  saffron  (säf- 
fürn  W.  P.  J.  F.,  säf-rün  S.  Ja.  K.  Sm.). 

Stumm  ist  neue,  r  in  Marlborough  und  Worcester  (aber  Wrc. 
Wurster),  früher  auch  in  worsted  (wollenes  Garn,  wüsted  J.  F., 
würsted  W.,  worsted  Ja.  K.  Sm.  Wb.)  zur  Unterscheidung  von  worsted 
besiegt  (==  würsted),  und  in  roquelaure  (rök'elö  P.  F.  rök'lo  S., 
röke-lör'  W.  J.  Sm.).     Das  titelhafte  Mrs.  (mistress)  lautet  mis'sis. 


Dritter    Abschnitt. 

Die    Muten. 

Nach  dem  von  J.  Grimm  entdeckten  Lautverschiebungsgesetze  §•  1 60. 
ist  die  Media  erster  Stufe  Tennis  der  zweiten  und  Aspirate  der  drit- 
ten; die  Tennis  erster  Stufe  Aspirate  der  zweiten  und  Media  der 
dritten;  die  Aspirate  erster  Stufe  ist  Media  der  zweiten  und  Tennis 
der  dritten.  Die  erste  Stufe  bilden  Altindisch,  Altbaktrisch,  Griechisch, 
Lateinisch,  Altirisch,  Altbulgarisch,  Litauisch;  die  zweite  Stufe  Go- 
tisch, Altsächsisch,  Angelsächsisch,  Friesisch  und  Altnordisch;  die 
dritte  das  Althochdeutsche.  Demnach  entsprechen  sich  die  Muten  in 
folgender  Weise: 

Erste    Stufe       b       p       f  d         t       th  g       c       ch 

Zweite      „  p       f       b  t         th       d      •     c       ch       g 

Dritte       „  f       b       p  th  (z)   d        t  ch       g       c 

Die  mannigfachen  Abweichungen  können  hier   übergegangen  wer- 
den;  nur   ist    zu   bemerken,    daß   das    Gotische    die    Gutturalaspirate 


120  Labiale. 

§.   100.  nicht  hat  und  sie  bald  durch  h,  bald  durch  g  ersetzt  und  daß  neben 
th  und  f  bisweilen  d  und  b  steht. 

Das  Ags.  steht  mit  dem  Gotischen  auf  gleicher  Stufe  und  weicht 
nur  selten  ab.  So  ist  ags.  f  eingetreten  für  got.  b  in  leof  lieb  (got. 
liubs),  j/eof  Dieb  (j^iubs),  seofon  sieben  (sibun),  gifan  geben  (giban), 
grafan  graben  (graban),  drifan  treiben  (dreiban);  —  ags.  bb  für  ff, 
weil  letzteres  (offrjan  und  Eigennamen  ausgenommen)  nicht  vorkommt: 
hebban  (got.  hafjan).  —  Ferner  ist  ags.  d  für  got  ])  eingetreten: 
neäd  Noth  (got.  näuj?s),  deäd  todt  (däuj^s),  nsedl  Nadel  (nej^la),  hladan 
ladan  (hlaj^an),  beald  kühn  (bal)?s).  Uebrigens  mischen  sich  oft  ags. 
d  und  d,  s.  Flex.  §.  9,  19. 

1)  Die   Labialen. 

§.   101 .  P.  Anlautend  bleibt  es  überall:  ags.  penig  (Pfennig),  pyccan  (picken), 

pund  (Pfund),  puUjan  (ziehen),  preost  (Priester);  Lag.  peni,  punde,  preost; 
Orm.  peninng,  preost  prest.  —  Ae.  peni,  piche  pike,  pund  pound, 
pulle,  prest.  —  Ne.  pen'ny,  to  pick,  pöünd,  to  pull,  priest.  —  Oft 
bleibt  es  auch  im  Li-  und  Auslaute:  ags.  scapan  (schaffen),  dropa 
(Tropfen),  aeppel  (Apfel),  deop  (tief),  scearp  (scharf)  etc. ;  neue,  shäpe, 
dröp,  äp'ple,  deep,  shärp. 

Für  p  ist  b  eingetreten:  ags.  loppestre  loppystre  (Hummer),  neue, 
löb'ster.  —  Ags.  dropjan  (tröpfeln),  neue,  to  dröp  drip  drib'ble.  — 
Altn.  slapp  (Schmutz),  neue.  släb.  —  Lat.  leopardus  schwankt  nach 
mittele,  libbard  libard  Mau.  lepard  Ch.  und  wird  wieder  im  Ne. 
leop'ard. 

Die  Verbindung  ps  liebt  das  Ags.  nicht  und  deshalb  wird  p 
hier  schon  abgestoßen,  wie  in  salm,  saltere,  ja  selbst  in  bsestere  D. 
Mth.  3 ,  1  für  bapstere.  Auch  hier  tritt  später  p  aaf ,  wie  in  andern 
fremden  Wörtern.  Ne.  jpsälm  j?;sälter;  ^tis'an,  ^neumät'ics,  ijsychöl'ogy, 
^seüdo-.  —  Es  ist  ferner  ausgestoßen  in  corse  (afrz.)  neben  corpse 
(körps  S.  W.  P.  J.  E.  F.,  körps  und  körs  Ja.,  Sh.  Momms.  4,  5 
coarse)  und  daneben  das  militärische  corps  (kör).  Ferner  lat.  recep- 
tum,  afrz.  recet,  wird  im  Ne.  wieder  receij?t',  ohne  aber  daß  p  lau- 
tet, während  deceit'  (alte,  deceipt,  deceptum)  es  nicht  hat. 

Eingeschoben  ist  p  öfters  zwischen  m  und  t.  Ags.  emtig 
(Lag.  cemten  leeren),  alte,  amti,  emti,  neue,  emp'ty.  —  Ags.  gleäm 
neue,  glimpse.  Im  Ae.  kömmt  es  häufig  vor,  wie  sempster  (ags. 
seämestre),  solempne,  sompnon;  nemped  Mau.  13;  im  Ne.  aber  seam'ster 
söl'emn,   süm'mon.  —  Lat.   tentare,   afrz.  tenter  tempter,   engl,  tempt 


i 


Labiale.  121 

attempt'.  —  Ags.    biina   neue,   büra'per  (Beclier).  —  Frz.  banqueroiite  §.   161. 
Sh.  Moms.  3,  1  banckrout,  jetzt  bank'rüpt-cy. 

B.  Es  steht  anlanteud  oft,  selten  in- und  auslautend;  ags.  beald,  §.  102. 
baec,  beran,  bindan,  botm;  alte,  bold,  backe,  beren ,  binden,  botme; 
beste,  böte,  bataille.  —  Ne.  büld,  back,  tö  beär,  to  bind,  böttom, 
beast,  böot,  bättle.  —  Ferner  ags.  tiinber,  climban,  bremel  und  brem- 
bel,  camb,  lamb,  wamb,  dumb.  Durh.  stöl^t  es  im  Auslaute  bisweilen 
ab:  dum  Mrc.  4,  39;  wom  Mth.  12,  40.  Luc.  2,  23.  Im  Nags.  er- 
hält es  sich:  Lag.  climben,  wombe,  dumbe,  umbe.  Orm:  timmbrenn, 
camb,  lamb,  wambe,  dumbe,  umbe.  —  Im  Ae.  und  Me.  fällt  es  oft 
ab:  lam,  dum,  warn  etc.  und  sogar  Sh.  Moms.  lam,  clime  climbe 
und  Sp.  reimt  1,1,4  lambe  auf  came,  und  1,  10,  57  lam  sam.  — 
Im  Ne.  behält  es  inlautend  seinen  Laut  wie  in  tim'ber,  bräm'ble,  doch 
im  Auslaut  gelangt  es  zur  Schreibung,  nicht  aber  zum  Laute:  comb, 
\amb  lämZ)'-kin  läm&'-like,  wöm&,  düm&,  comb  cöm&-er.  —  Auch  in 
einigen  romanischen  Wörtern  tritt  es  aus  etymologischem  Grunde  wie- 
der hervor,  wie  lat.  debita,  afrz.  dete,  alt-  und  mittele,  dette  dettour 
Gh.  Mel.  detted  Wycl. ,  neue,  äebi,  de&t'or,  deöt'ed.  —  Lat.  dubi- 
tata,  afrz.  dote  dute  redoter,  mittele,  doute,  doutous  Wycl.,  redoute 
undoubtous  Gh.,  neue,  döütt,  redöü&t'.  —  Lat.  subtilis  subtilitat, 
afrz.  sutil  subtiliteit;  mittele,  subtil  sotyltee  Mau.  20,  neue,  subtle  «= 
süt'tle,  subtile  (süb'til  S.  W.  J.  E.  F.  Ja.  Sm.,  süb'til  und  siittl'  P.  K.). 

—  Stumm  ist  b  in  neue,  töm^,  chüm6,  b6mb  und  a  m5§-äce. 

Die  zahlreichen  Verbindungen  von  mb  bringen  manchmal  dem  m 
ein  b  zu:  ags.  slumerjan  (schlummern),  Lag.  slumen,  Gh.  slomber, 
neue,  slümber.  —  Agc.  ^emyrje  (Asche),  neue,  em'bers.  —  Ags.  scamol 
(Bank),  neue,  shäm'bles.  —  Ags.  lim,  ebenso  bei  Lag.  und  Orm,  im 
Ae.  und  Me.,  neue.  \imb  (Sp.  1,  6,  10  und  Sh.  Moms.  lim  limme).  — 
Ags.  ]7üma  (Daum),  neue.  thüm&  (thoum  Grav.,  theawm  Lanc).  — 
Ags.  cruma  (Krume),  neue,  crüm  crümö  crüm'pet  crüm61e.  Ebenso  in 
neue.  nüm&,  benüm6'  (wahrsch.  von  ags.  beniman),  fäm'ble  füm'ble 
(holl.  fommelen),  müm'ble  (mummeln),  tüm'ble  (tummeln),  stüm'ble 
(stumlen  Creed  1178).  —  Ferner  altfrz.  humele  (humilis),  engl,  hüm'ble. 

—  Lat.  cumulare,  afrz.  combrer,  engl,  encüm'ber.  —  Lat.  memorare, 
afrz.  membrer  remembrer,  engl,  remem'ber.  —  Lat.  numerus,  afrz. 
nombre,  engl,  nüm'ber. 

In  frz.  soubresaut  (Sprung  eines  Pferdes)  ist  sogar  b  zu  m  ge- 
worden in  neue,  süm'merset. 

Bisweilen   hat  sich  b  verhärtet  zu   p,    wie  altfrz.  borse  zu  engl. 


122  Labiale. 

§.  102.  pürso  (danc])Gn  im  Ne.  bür'sar,  bür'sary,  bürse ,  to  disbürse',  to  em- 
bürse').  —  Ags.  boars  (Barsch),  frz.  perclio,  neue,  percli  pearch.  — 
Ags.  godsib,  neue,  gös'sip.  —  Frz.  abricot,  neue,  ä'pricöt.  —  Ne.  to 
hrive,  to  beave  sind  wohl  eher  aus  f  entstanden,  ags.  ic  hafe,  hefje, 
als  aus  habban  hebban. 
§.   103.  F.    Ags.  f  wechselt  selten  mit  v,  u  wie  nafel  navela  (Nabel),  sefre 

sevre  seure  (immer),   eefen  ^ven  (Abend),   und  geht  vor  n  selten  nach 
m:  stefn  stömn  (Stimme),  hraefeii  hremn  (Rabe). 

Anlautendes  f  wechselt  bisweilen  mit  v  (u)  bei  Lar;.,  wie  faeder 
uader,  feht  ueht,  fa)irnesse  uae^ernesse,  fsein  usein  uain,  feond  ueond, 
fisc  uisc,  flajm  ulem,  fogel  uoqel,  ful  uul  und  im  Ae.  sehr  oft.  Meistens 
aber  befestigt  sich  f  im  Ne.  wieder  wie  father,  fight,  fairness,  fain, 
fowl,  füll;  nur  in  einigen  Wörtern  ist  es  durch  v  verdrängt,  wie  in 
väne  (ags.  fana),  vörse  (lat.  versus,  ags.  fers),  föx  vix'en. 

Häufiger  noch  ist  der  Wechsel  zwischen  inlautendem  f  und  v  im 
Nags. ,  Ae.  und  Me.  Obgleich  auch  eine  grolle  Zahl  zu  f  zurück- 
kehrt, so  bleiben  doch  zahlreichere  v  im  Ne.  wie  röeve  (ags.  gerefa), 
five  (fif)  fifty,  elev'en  (andlefen),  twel've  (twelf)  neben  twelfth,  heave 
(hefjan),  dev'il  (deofol)  ==  got.  f ;  sil'ver  (seolfor),  seven  (seofon),  drive 
(drifan),  dove  (dufe),  e'vil  (yfel),  give"  (gifan),  e'ven  (efen),  raven 
(hrffifen),  reave  (reäfjan),  to  believe  belief  (gelefan)  =  got.  b.  —  Im 
Ae.  und  Me.  steht  inlautend  meist  v  (u),  uu,  fu.  Hierauf  beruht 
noch  der  Wechsel  von  f  und  v,  der  sich  im  Ne.  erhalten  hat,  wie 
wife  wives,  cälf  cälves,  cälf  to  cälve.  Er  stammt  aus  einer  Zeit,  in 
welcher  der  Plural  noch  vollsilbig  war,  sodali  der  auslautende  f-Laut 
härter,  der  inlautende  zwischen  zwei  Vocalen  weicher  klang. 

Einige  inlautende  f  werden  ausgestol^en,  wie  im  ags.  heäfod, 
Lag.  haeued  haefued  haefd  hefd,  Orm:  haefedd,  EG.  hefed  hefde  hed, 
PP.  heved  heed,  neue.  head.  Ferner  ags.  hafoc,  hläford,  hleefdige, 
neue,  häwk,  lörd,  lädy.  Ags.  wif-man,  Lag.  wifmon  wimmon,  Orm: 
wifmann  wimmann,  RGr.  wimman  womman,  neue,  woman  (ü).  —  Ags. 
hafast  haefst  (hast),  hafad  haefd  (hat),  haefde  (hatte)  etc.,  neue,  hast, 
häs,  häth,  häd. 

Afrz.  jolif,  PL.  Wycl.  jolif  hat  f  verloren  im  Ne.  jöl'ly. 

In  ags.  efete  (Eidechse)  ist  f  zu  w  geworden,  ewtes  Mau.  5.  neue, 
eft  und  newt. 

In  der  Aussprache  weichen  nur  ab  im  Ne.  of  =  öv,  nicht  aber 
in  there-of,  und  halfpenny  (hä'penny  S.  W.  P.  J.  E.  F.  Ja.  Sm., 
häp'penny  oder  häfpenuy  K.  Wb.). 


Labiale.  123 

Ph  gebraucht  der  Ags.  nur  in  fremden  Namen,  wie  Pharao,  §.  Ifil. 
Philosoph  und  ersetzt  es  auch  durch  f:  Eufrates,  in  Filistea  folce, 
Fariseo  und  Pharisee.  Auch  Orm  wechselt  mit  beiden:  Pharisew  Fa- 
risew,  Philip  Filippc,  Faraon«',  Efesus,  Kayphas  Kayfas.  Im  Ae.  und 
Me.  dringt  für  ph  franz.  f  ein,  wie  in  fantome,  fantasie,  fermacie, 
frenetike  Gh.,  fantasie,  fantum,  filateries  Wycl.  —  Im  Nc.  haben 
sich  einige  f  befestigt,  wie  in  frenzy,  fäntora,  frmtasy  filncy;  oder  f 
und  ph  stehen  neben  einander,  wie  in  gülph  gülf,  Guclfs  Guclphs; 
hier  wie  iu  ci'pher  deci'pher  ist  ph  für  f  eingetreten  (frz.  golfe  chiffre, 
dtsch.  Weif).  Dagegen  behalten  ph:  phe-nöm'enon ,  pheas'ant,  phi'al 
philös'ophy,  phrüse,  phys'ics.  —  f  und  v  stehen  neben  einander  in 
vi'al  phi'al. 

In  neue,  neph'ew,  w^o  ph  für  f  eingetreten  ist  (ags.  nefa,  afrz. 
alte,  neuew)  und  in  Ste'phen  (afrz.  Estevenes,  alte.  Ste'vene)  wird 
ph  wie  V  gesprochen.  —  Wie  p  klingt  es  in  diphthong  (dip'-thong 
S.  W.  P.  J.  F.,  dif'-thong  E.  K.  Sm.),  triph'thong,  naph'tha  und 
ophtharmic  (op.  W.  P.  Ja.  Sm.,  of-  S.  E.  K.  R.).  —  Stumm  ist  es 
in  i?Äthi'sis,  ^/ithis'ic,  j;/<this'ical  und  äp'o^ithegm. 

V.  Wenn  man  den  gotischem  v  entsprechenden  Laut  mit  w  wieder-  §.  165. 
gibt,  das  bei  Lag.  und  Orm  für  die  Rune  eintritt,  so  ist  v  dem  Ags. 
fremd.  Der  seltene  Wechsel  zwischen  f  und  v  erscheint  als  Aus- 
artung und  erweitert  sich  bei  Durh. ,  wie  deuil  diabul  diowbol  diowl 
diowul  diul  diwbl  diwl  ags.  deofol;  ceofl  und  ceoul  R.  cewal  cewl  etc. 
ags.  ceafl.  Im  Nags.,  Ae. ,  Me.  und  Ne.  tritt  ein  häufiger  Wechsel 
zwischen  f  und  v  ein  und  im  Neue,  befestigt  sich  das  eine  oder 
andere,  s.  f. 

Fremde  v  gibt  das  Ags.  mit  u:  Ena  C.  58,  28  wieder,  Orm  mit 
v:  vipera,  Davi)?,  Eve,  Oliveti  mens,  Vienne.  Im  Ae.  mehren  sich 
die  romanischen  v:  veray,  vertew,  venime,  vessel,  vilanie,  servise, 
revel,  meve,  mevable  etc.  und  diese  bleiben  auch  im  Ne.,  wie  ver'y, 
vir'tue,  ven'om,  ves'scl,  vil'lany,  möve;  im  Auslaute  folgt  stets  stum- 
mes e:  arrive',  häs'tive. 

Romanisches  v  ändert  sich  selten.  Es  ist  zu  w  gew^orden  in  lat. 
perivinca,  frz.  pervenche,  neue,  per'iwinkle  und  zu  m  in  mälm'sey 
(frz.  malvoisie  alte,  malvesie). 

Es  hat  seinen  romanischen  Laut  behalten.  In  twelve-month  schwankt 
es  (twel'month  S.  W.  E.  Ja.,  twelv'm.  P.  J.  F.  K.  Wie),  sevennight 
=   sen'nit. 


1 24  Dentale. 

2)    Die    Dentalen. 

§.   166.  T.     Das    ags.    t    entspricht   got.    t    und    bleibt  fast  überall:    ags. 

täcen,  tj^can,  trcJan ,  treow,  treowe.     La^.  token,  taken,  techen,  tre- 

den,   treo(w).      Ae.    token,    techen,    treden,    tre.      Ne.    töken,    teach, 

tread,  tree.    —  Ags.  sweostor,   bltau,   geat;    neue,  sister,    bite,    gäte. 

Selten  ist  es  zu  d  geworden:  ags.  prüt,  Lag.  prut  pruttest,  alte, 
prout  proute,  neue,  pröüd;  —  frz.  bout,  neue,  büd;  —  frz.  diamant, 
me.  dyamand  Mau.  14.  neue,  di'amond;  —  frz.  jeu  parti,  Ch.  jupar- 
tie  jupardie,  jeopardie,  jeopardise;  —  neue,  jeop'ardy.  —  Selten  zu 
th:  ags.  Temese,  alte.  Temese,  neue.  Tham'es;  Tenet  Than'et;  ferner 
An'thony  (lat.  Antonius),  äuthor  (lat.  auctor),  län'tern  und  länt'horn 
(lat.  laterna,  frz.  lanterne).  —  Afrz.  marcheant,  alte,  raarchant,  nimmt 
aber  im  Me.  auch  d  an:  marchand  und  im  Ne.  wieder  mer'chant, 
während  afrz.  marchandise  sich  bis  zu  ne.  mer'chandise  erhält. 

Es  ist  t  zu  s  geworden  vor  s  und  t,  schon  im  Ags.  witan  wit-s 
wiss  (gewiß),  möt  mos-te  (mußte),  wät  wis-te  wisse  (wußte);  ferner 
in  glitan  glitjan  und  glisjan,  glitnjan  glisnjan  (glänzen),  beodan  bysen 
(Beispiel).  Hier  bleibt  s  bis  zum  Neue,  im  veralteten  ywiss',  wist, 
glist'en,  müst. 

Im  Ao.  und  Me.  tritt  für  ti  roman.-  oft  ci  auf,  wie  pacience, 
deuocion,  inspiracioun,  destruccioun,  nacioun,  proteccioun  etc.  Mau., 
die  im  Ne.  wieder  zu  ti  werden:  pä'tience,  devö'tion,  destruc'tion. 

Stumm  ist  t  oft  in  neue,  stl,  stm,  stn,  stc,  tsw:  hösf'ler, 
mis^'le-toe,  cäs^'le,  wresfle,  Chrisf'mas,  chesf'nut,  boafswain  (=  bösn); 
ferner  in  den  franz.  billef-döux',  cür'ranf,  debü^',  ecläf',  gout,  haufboy, 
rägöuf,  toupe^  (töpe'  S.  P.  J.  F.,  Hö-pet'  W.  Ja.,  tö-pä  K.  Sm.), 
träi^,  mör^' gäge.  8 

Ausgefallen  ist  t  in  ags.  bet-est  betst  (Stamm  bat),  best  (best), 
und  so  überall;  ags.  Eästseaxan,  alte.  Estsex  EG.,  neue.  Es'sex; 
ebenso  Westseaxan  Westsex  Wes'sex.  —  Ferner  vor  i- Lauten:  ags. 
eahtoda,  alte.  eigte]?e  RG. ,  eigtith  Wycl.,  neue,  eighth;  ebenso  wird 
ags.  eahtatyne  eighteen,  eabtatig  eighty.  —  Im  Auslaute  fällt  es  ab: 
ags.  anfilt  (Amboß),  mittele,  auvelt,  neue,  än'vil.  —  Auch  im  Frz.  petife 
pet'ty;  frz.  dent  de  lion,  neue,  dändeli'on.  ':! 

Angeschoben  ist  es  oft,  t  an  s:  ags.  beh»s  (Geheiß),  neue, 
be-best;  besonders  an  die  genitivischen  -s  in  Partikeln:  a-gainst', 
a-möngst',  midst,  amidst',  alöngst',  whilst,  betwixt'.  Auch  once  (änes) 
hat  dialectisch  wonst  und  das  mittelengl.  anen  ebenfalls  anent  und 
anenst.     Zu    ags.    J^weorh    ist   os  aus  dem  altnord.  (j?wert)  hinzugetre- 


II 


Pentale.  125 

ten:  neue,  thwärt  athwärt.  —  Ferner  auch  in  einigen  romanischen  §.  166. 
Wörtern:  lat.  tyrannus,  afrz.  tiran  und  tirant,  alte,  tyrant,  tyrauntic 
RG.,  im  Ne.  aber  ty'rant  tyr'anny.  —  Afrz.  parcamin  parchomin,  alte, 
parchemin,  neue,  pärch'ment.  —  Frz.  cormoran,  neue,  cör'morant.  — 
Afrz.  ancien,  mittele,  auncyen  Mau.,  neue,  ün'cient.  —  Afrz.  phaisan, 
alte,  fosaunt,  neue,  pheas'ant. 

1).     Ai;s.   d    entspricht   theils   got.   d,    theils   ]?   und    erhält   sich  §.  167. 
stets  im  Anlaute,  unterliegt  in-  und  auslautend  manchen  Veränderun- 
gen.    Die   ags.  Verschmelzungen   der  t-Laute  in  der  Flexion  (td  zu  t, 
dst  zu  st,  dd  zu  t,  dst  zu  st,  dd  zu  d,  sd  zu  st,  std  zu  st),  welche 
bis  ins  Me.  wirken,  s.  Flexion  §.   58. 

Bisweilen  ist  d  zu  t  geworden:  ags.  abbod  (Abt),  Lag.  abbod 
abbed,  ae.  abbed  und  abbep  RG.,  neue,  äb'bot;  ags.  edisc  (Spätheu), 
neue,  ed'dish  und  etch,  frz.  perdrix,  neue,  partridge.  In  den  Dialecten 
kommen  Verhärtungen  viel  häufiger  vor,  wie  wint,  chilt,  hont  etc.  in  Lanc. 

Ein  Schwanken  des  d  nach  d  tritt  schon  früher  ein.  So  wech- 
seln beide  schon  im  Ags.,  indem  auslautendes  d  inlautendes  d  wird: 
weard  wurden,  cwaed  cwsedon,  ein  Lautwechsel,  der  aber  schon  im 
Nags.  aufhört.  Durh.  hat  oft  d  für  d:  Bethsaida,  Dauid  Dauid, 
llerodes,  Judas,  dune  duna  Luc.  5,  l'J.  duru  duro  Mth.  16,  18.  — 
Andere  d  werden  erst  später  zu  th:  ags.  hider,  |7ider,  hwider  hwieder 
haben  noch  im  Me.  so  und  werden  erst  im  Ne.  hith'er,  thith'er, 
whith'er.  Ebenso  ags.  weder  (Wetter)  erst  im  Ne.  weath'er,  tog^edere 
tögeth'er ;  ags.  faeder  (Vater),  Lag.  fseder,  Orm  faderr  ist  im  Me.  fader 
und  father  und  letzteres  befestigt  sich  im  Ne. ;  mödor  wird  im  Ne. 
raother.  —  Ags.  sweard  (Schwarte),  geard  (Hof,  Umzäunung),  im  Ne. 
swärd  und  swärth,  yärd  und  gärth.  —  Auch  ein  romanisches  d  wird 
th:  lat.  fides,  afrz.  feid,  fei  foi,  alte,  fay  faith,  mittele,  fey  fay  faith, 
neue,  fäith. 

Ausgefallen  ist  d  in  ags.  god-spell,  Orm  godd-spell,  alte,  gos-  §.  168. 
pell,  neue,  gös'pel;  —  ags.  and-swarjan  an(on)swarjan.  Lag.  and- 
swaerien  answerien,  Orm  anndswerenn,  alte,  answeren,  neue,  to  än'swer; 
—  ags.  tind  (Zinke),  neue.  tTne;  —  ags.  wudu-bind,  neue,  wöod'-bine 
(Waldwinde).  —  In  Dialecten  fällt  d  hinter  n  oft  aus,  wie  in  Somm. 
brans,  vine,  wine,  mine  für  bränds,  find,  wind,  mind. 

Eingeschoben  ist  d  in  ags.  ]?unor  )?under  (Donner),  J7unjan 
)7undian  (donnern).  Lag.  )?unre,  neue,  thün'der:  —  ags.  gös  (für 
gans  Gans),  gandra  (Gänserich),  mittele,  gose  gandre,  neue,  göose 
gän'der.  —  Auch   in    den  plur.   Genitiv  ealra  dringt  d  ein,    zuerst  bei 


1 26  Dentale. 

§.  108.  La(j.  of  l^an  aldre  liexten  4 ISO,  dann  oft  alder  im  Ae.  und  Me.,  das 
sich  aber  im  Ne.  verliert.  —  Ags.  eilen  oUarn  (Erle),  neue,  c'l'der-tree; 
ags.  alr  alor,  neue,  el'ler  jirder  (Birkenart).  —  Auch  in  lat.  genus, 
afrz.  genre,  aber  engendror,  neue,  gen'der;  —  afrz.  jaune  (galbinus 
gelblich),  frz.  jaunisse,  neue,  jaundice. 

Angescliol)en  ist  es  in  ags.  hina  (Diener),  Lajj.  hine,  alte,  hyne, 
neue,  hind;  —  alte,  fon  (altn.  fäni),  neue,  fond;  —  ags.  benan  Lafj. 
Isenen,  alte,  lenen,  neue,  to  Icnd;  —  ags.  rünjan  (zuraunen),  La^. 
runen,  alte,  rounen,  neue,  to  round;  —  ags.  sOn  (sonus),  alte,  soun, 
mittele,  soun,  sowne  Sp.  1,  1,  41  sound  1,  2,  28,  im  Ne.  söünd.  — 
Ebenso  in  afrz.  astoner,  alte,  astonen,  im  Ne.  astön'ish  und  astöünd'; 

—  frz.  ruban,  neue,  rib'bon  rib'and  rib'band. 

Die  Aussprache  ist  insofern  verschieden ,  als  d  in  der  verbalen 
Flexion  hinter  p,  f,  k,  ch,  s,  ss  und  x  wie  t  klingt,  wie  whip'ped, 
paffed,  plück'ed,  märch'ed,  snätch'ed,  kis'sed,  mix'ed.  Man  schrieb 
auch  sonst  whipt. 

Im  Ne.   ist   d  stumm  in  grounrZsel,   hanf?sel  (Wrc.  nicht),   han^- 
kerchief  (häng'kerchif),    hanrrsome,    WerZnesday   (wenz'dä   S.  W.  P.  J. 
F.   K.   Sm.  Wrc,   wed'dnz-dä   E.   Ja.);    in    ribbancZ,    Dnieper   (ne-per), 
Dniester  (nester). 
§.   169.  ]>.     Für    gotische   Aspirate    stehen   im   Ags.    ])    und   d,    vielleicht 

ursprünglich  verschieden  als  die  härtere  und  weichere.  Grimm  führt 
die  erstere  als  Anlaut,  die  letztere  als  In-  und  Auslaut  ein.  Die 
ags.  Mss.  kennen  diesen  Unterschied  nicht.  Lag.  gebraucht  beide 
Zeichen  ohne  Unterscheidung,  Orm  nur  ]?,  das  noch  im  Ae.  fortdauert, 
aber  im  Me.  und  Ne.  von  th  vertreten  wird.  Die  Aspirate  erhält  sich 
meistens. 

In  nordhumbrischen  Eigennamen  hat  Beda  manchmal  d  für  west- 
sächsisches d:  Aedelbald,  Aedelfrid,  Suid-,  -frid,  -gyd,  -Jn-yd;  in  Durh. 
auch  in  brodro,  hsedno,  gedyrstig  etc.  Selbst  im  Westsächs.  stehen 
beide  Laute  bisweilen  neben  einander,  wie  in  der  Verbalflexion  (§.  9), 
in  mseged  ui^gden,  hrsed  hrsed,  lide  lide,  byrden  byrden.  Von  diesen 
befestigt  sich  gewöhnlich  eine  Form:  La.g.  maeide,  rsedi  raede;  Orm 
maggdenn  und  magg]7-had,  rsedig  ra]?e;  alte,  mayde  mayden,  redio, 
rather  etc.,  im  Ne.  mäid,  read'y  räth'er,  li'the,  bür'then  bür'den. 

Für  ursprüngliches  ]>  ist  ferner  d  eingetreten:  ags.  myrdra  (Mör- 
der), Lag.  murdren  (morden),  Orm  mirr]?renn,  neue,  mür'der  mür'derer; 

—  ags.  cüde,  Lag.  cu]?e,  alte.  cou)?e,  mittele,  cude,  neue.  coü?d;  — 
ags.   fidele   (Fiedel),    fidelere,   neue,    fid'dle   fidd'ler;    —   ags.    )?eccan 


Dentale.  127 

(docken),  neue,  thatch  und  to  dock;  ags.  |>wöorli  (Zwerg),  mittele,  dwergli,  §.   1G9. 
neue,  dwarf.  —  Ags.  cwa3d  wird,    alte,  quod,    im  No.  quotli;  —  aus 
Beth'Ioliom  hat  sich  Bedlam  gebildet. 

Einige  Wörter  laßen  ]>  nach  t  übergehen,  besonders  bei  f,  h,  s, 
r:  ags.  l>cofit,  Lac\.  |>oof(le,  neue,  thoft;  ags.  hefihdo  liei^At;  ags.  nos- 
|»yrl  nost'ril;  ags.  darad  därt;  ags.  Südseaxan  Süs'sex;  —  ags.  cwödan 
cwids  cwiss,  neue,  bequest'.  —  Ags.  ficdem  schwankt  im  Me.  fadme, 
im  Ne.  fath'om.  —  Ebenso  fremde  Wörter,  lat.  thesaurus  afrz.  tresor, 
mittele,   tresour   und  thresonr  Mau.  21.  thresorye  3.  im  Ne.  trea'sure. 

—  Griech,  thronos  wird  im  Me.  tron   troon  Gh.  Wycl. ,   neue,   throne. 

—  Lat.  panther,  mittele,  pantere  Mau.  20.  im  Ne.  pän'ther. 

In  der  3.  Sg.  Prät.  Ind.  ist  d  durch  s  fast  ganz  verdrängt,  s. 
Elex.  §.  57. 

Ausgefallen  ist  ]?  in  ags.  Nord-folc,  alte.  Norj^folc  RG. ,  neue. 
Nör'folk.  Ebenso  ags.  Nord-waegas  (Norwegen),  Nord-wic,  Nord-man, 
weord-scipe  etc.,  im  Ne.  Nör'way,  Nör'wich,  Nörth'man  und  Nör'man, 
vfdi  ship. 

Es  bezeichnet  th  einen  ganz  eigenthümlichen  Laut  oder  vielmehr  §.  170. 
eine  Gestaltung  des  Lautes,  die  dadurch  entsteht,  daß  man  die  Zunge 
zwischen  die  Zahnreihen  legt  und  die  t-Laute  ausspricht.  Die  stärkere 
Berührung  der  Organe  erzeugt  den  harten,  die  sanftere  den  weichen 
Laut.  Diese  doppelte  Lautung  wird  von  Ben  Jons,  und  Wallis 
schon  angeführt  und  ist  wahrscheinlich  ursprünglich. 

Der  härtere  schärfere  Laut  steht  1)  im  Anlaute:  thün'der,  thänk, 
thrice,  nur  nicht  in  den  Pronomen  und  deren  Bildungen:  thöü  thee 
thy  thine,  the  they  them  their  theirs,  this  these,  thät  thöse,  then 
thän  thöugh,  thüs  there  thith'er  thence;  —  2)  im  Auslaute:  death, 
filth,  breath;  ausgenommen  sind  beneath,  böoth,  with  und  die  mit 
ihren  Nomen  gleichförmigen  Verben  to  wreath,  to  löath',  unclöth'e, 
seeth,  smöoth,  sOoth,  moüth;  —  3)  inlautend  vor  oder  nach  einem 
Consonanten:  filthy,  southly;  jedoch  ist  th  weich  hinter  r:  bür'then, 
fär'ther,  fär'thing,  wör'thy  etc.  und  vor  pluralem  s:  päths,  bäths. 

Der  weichere  th-Laut  steht  besonders  inlautend  zwischen  Voca- 
len:  fä'ther,  mo'ther,  hith'er;  nur  in  bröth'el  und  in  griechischen 
und  lateinischen  Wörtern  klingt  es  hart:  äm'ethyst,  ämphithe'atre, 
änäth'ema,  antip'athy,  apöth'ecary,  antith'esis,  äpothe'osis,  Ath'ens, 
atheist,  äuthcn'tic,  äu'thor,  cathe'dral,  Cäth'erine,  cäth'olic,  e'ther, 
eth'ics,   hypoth'esis,   leth'argy,   Le'the,   le-vi'athan ,  lithög'raphy,  ma- 


128  Dentale,  Gutturale. 

§.    170.  the'sis,  meth'od,  pathöt'ic,  pdthognomon'ic,  pathol'ogy,  pä'thos,  pleth'ora, 
protliön'otary,  syra'pathy. 

Wie  t  lautet  th  in  T^Athisis  (thi'sis  S.  W.  F.  Ja.  K. ,  ti-sis  Sra.), 
pJiünsicsil ,  Thames,  Thoraas  (th  Wb.),  An'thony,  ästh'ma,  Deraöst'- 
henüs,  Est'her,  Isth'mus. 

Es  schwankt  in  clothes  (kh")z  S.  E.  Ja.,  klöthz  und  klöz  W.  Ja., 
clothz    P.    F.    Sm.),    nicht    in    cloths.    —    Stumm    ist    es    in    corin^A 
(=   cür'ran). 
§.171.  Z.     Es   ist   kein   ags.  Laut.     Wenn   demungeachtet    sich  btedzera 

baezere  (Täufer)  R.  Mth.  3,  1  fif.  findet,  so  ist  das  ein  Versuch,  ags. 
j?  zu  umschreiben  (bsedere);  sonst  kommt  z  nur  in  fremden  Namen 
vor,  wie  Jacobus  Zebedei  Mth.  4,  21.  Ebenso  Lag.  und  Orm:  Zabu- 
lon,  Zacarias,  Zacheus.  Im  Ae.  werden  sie  zahlreicher,  indem  sie 
in  französischen  Wörtern  eindringen,  aber  auch  für  g  eintreten:  dog- 
ter  dozter,  geres  zeres  und  selbst  für  g:  zimmes  (gems).  Im  Me. 
verschwinden  letztere  wieder  und  z  beschränken  sich  allmählich  auf 
Fremdwörter,  erweitern  sich  aber  wieder  im  Ne.  auf  Kosten  der  Zisch- 
laute (s  und  c).  Daher  steht  neuengl.  z  1)  in  fremden  Wörtern,  die 
meist  durch  das  Franz.  hindurch  gegangen  sind:  zeal  (griech.  zelos), 
zeph'yr,  zest,  zöne,  Z90g'raphy,  ä'zure;  —  2)  für  ags.  s:  ags.  ha^sel 
(Hasel),  freosan  (frieren),  dreosan  (fallen),  dysig  (thöricht);  im  Me. 
hasel,  frese;  im  Ne.  hä'zel,  to  freeze,  to  driz'zle,  diz'zy;  ebenso  von 
wTse  wiz'ard.  Bisweilen  stehen  noch  s  und  z  neben  einander:  gläss 
gläze,  ädz  ädze  äd'dice,  glöss  glöze;  —  3)  für  franz.  c  oder  s: 
häz'ard  (hasard  Gh.),  döz'en  (dusge  Lag.,  dosse  dozze  RG. ,  dozein 
Gh.),  liz'ard  (lat.  lacerta,  Wycl.  lacert),  büz'zard  (bosarde  Gh.),  to 
seize  (frz.  saisir). 

Lat.  z  ist  zu  zischendem  g  geworden  in  gin'ger  (lat.  zinziber. 
Lag.  gingiuere,  im  Me.  gyngevere  Mau.   16). 

Eingeschoben  ist  z  in  cit'izen  (frz.  citoyen). 

z  klingt  weicher  als  s:  zeal,  rä'zor,  freeze  und  auch  verdoppelt 
to  whizz,  büzz;  mit  harten  Gonsonanten  verbunden  wird  es  scharf: 
Fitz,  Metz  und  auch  im  italien.  mezzo. 

3)   Die    Gutturalen. 

§.  172.  G.     Ags.  c,  selten  k,  entspricht  got.  k. 

Ags.  c  im  Anlaute  erhält  sich,  wenn  auch  nicht  immer  dem 
Zeichen,  doch  dem  Laute  nach,  vor  den  dunkeln  Vocalen  und  1,  n, 
r:   ags.  cann,   candel,  com,  cöc,  cuppe;  Lag.  can  con,  candel,  corn, 


Gutturale  c.  129 

coc  cok,  cuppe;  Orm  cann,  com,  cuppe  etc.,  neue,  cän,  cändle,  com,  §.  172. 
Cook  (ü),  Clip.  —  Ags.  cUvne,  clfid,  cnapa,  ciuiwan,  cnedan,  cneow, 
cnif,  cniht,  cnoll,  cnotta,  cimcl,  cnyttan,  crajft,  creopan;  Lag.  cl<Ene, 
clad  clo)>,  cnaue  cnafe,  icnaweii,  cnoow,  cnif  knif,  cnilit,  craft,  crepen; 
Orm  hat  überall  c.  —  Im  Ae.  und  Me.  wechseln  c  und  k;  c  bleibt 
gewöhnlich  vor  1  und  r,  k  tritt  vor  n.  Im  Ne.  befestigen  sie  sich; 
clean,  clöth,  knäve,  knöw,  knead,  knee,  knife,  knight,  knöU,  knöt, 
knückle,  knit,  cnift,  creep.  —  In  näp  (Tuchflocke  Wollknötchen), 
neben  knöb  (Knoten,  altn.  knappr  globulus)  ist  k  abgestoßen,  sonst 
überall  vor  n  stumm  und  jedenfalls  erst  im  Ne. 

Vor  den  hellen  Vocalen  e  und  i  wird  ags.  c  schon  im  Nags.  zum 
Theil  ch:  ags.  cele  (Kühle),  cerapa  (Kämpfer),  cepan  (halten),  cese 
(Käse),  cene  (kühn),  cidan  (schelten),  ein  (Kinn),  cild  (Kind),  cicen 
(Küchlein);  nags.  Lag.  chele,  kempe ,  kepen,  kene,  chiden, 
chin,  child;  Orm  kele(nn),  kemmpe,  kepenn,  kene,  child.  —  Ae.  und 
Me.  chele,  kepe,  kene,  chiden,  chin,  child,  chicken  etc.  Ne  chill, 
keep,  cheese,  keen,  chide,  chin,  child,  chicken;  kemp  ist  durch  frz. 
chäm'pion  verdrängt.  In  Folge  der  Metathese  bleibt  c  in  ags.  cirpsian 
(kräuseln),  cerse  (Kresse),  im  Ne.  to  crisp,  cress. 

Vor  ags.  y  sollte  ags.  c  eigentlich  harten  Laut  erhalten,  weil  y 
der  Umlaut  von  u  ist;  allein  die  Mischung  des  y  mit  i  führt  auch 
hier  bisweilen  ch  ein.  Ags.  cycene  (Küche),  cyn  (Geschlecht), 
cyning  cyng  (König),  cyrice  (Kirche).  Nags.  Lag.  cuchene  (kichene), 
cun  kin,  king,  chureche  chireche  chereche  chirche;  Orm  kinn,  king, 
kirrke.  Ae.  kichen,  kuchen,  kin,  king,  chirche  (y ,  u)  KG.  kirke  PL. 
—  Me.  kin,  king,  chirche.  —  Ne.  kitchen,  kin,  king,  chürch 
(schott.  kirke). 

Vor  ea  und  eo,  eä  und  eo  (got.  iu),  muß  c  schwanken  und 
man  erwartet,  daß  sich  k  oder  ch  festsetzt,  je  nachdem  der  dunkle 
oder  helle  Vocal  folgt.  Allein  großentheils  ^entwickelt  sich  c  zu  ch 
und  selten  bleibt  k.  Ags.  ceaf  (Spreu),  ceafor  (Käfer),  cealc  (Kalk), 
ceaster  (Stadt),  caru  cearu  (Sorge),  ceorl  (Landmann),  ceorfan 
(schneiden),  ceä  (Krähe),  ceäce  (Wange),  ceäp  (Kauf),  ceäpman  (Kauf- 
mann), ceol  (Kiel),  ceosan  (erkiesen),  ceowan  (kauen).  Nags.  Lag.  chaf, 
-chestre,  care  kare,  cheorl  cherl,  kernen,  cheap  chep,  chepmon,  cheosen  ; 
Orm:  chaff,  chappmann,  chesstre,  care,  cherl,  chesenn,  chewwenn.  — 
Ae.  chaff,  chalk,  -chestre,  care,  cherl,  kerfen,  chepmon,  chesen.  Me. 
ebenso.  Ne.  chäff,  chäfer,  chälk,  -ehester,  care,  chürl,  keel,  choose, 
chew.     Also   nur   in   care  nnd    keel    erhält  sich    der  k-Laut,  in  allen 

Koch,  engl.  Grammatik,    I.     2.  Aufl.  9 


130  Gutturale  c. 

§.  172.  andern  wird  c  zum   zischenden  ch,   selbst  da,   wo   dunkle  Vocale   ge- 
blieben sind  —  ein  Wechsel,    dessen  Grund  wohl  in  e  zu  Buchen  ist. 
Ags.  cw  wird  qu,  s.  §    137. 

8.  173.  Inlautendes  ags.  c  wird  entweder  k  oder  ch:  ags.  aecer  (Acker), 

secern  (Eichel),  ficol  (trügerisch),  ancleow  (Knöchel),  cnucl  (Knöchel, 
Gelenk),  twincljan  (blinken,  glänzen),  wrecan  (rächen),  sincan  (sinken), 
}7encean  (denken),  wice  (Woche),  raca  (Rechen),  snaca  (Schlange), 
weorcjan  (wirken).  Nags.  Lag.  wreken,  sinken,  )?enchen  ()?enc),  wike, 
rake;  Orm:  wrekenn,  sinnkenn,  )7ennkenn,  wuke.  —  Ae.  fikol,  twincle, 
wreken,  sinken,  )?inchen.  —  Me.  worchen  und  werken.  —  Ne.  äcre, 
äcorn,  fickle,  än'cle  än'kle,  knuck'le,  twin'kle,  wreak,  sink,  think, 
week,  räke,  snäke,  w6rk.  —  Ags.  secan  (suchen),  tsecan  (zeigen), 
rsecan  (reichen).  Nags.  Lag.  ssechen,  techen,  raschen,  Orm  sekenn 
taechenn.  Ae.  sechen,  techen,  rechen  etc.  Ne.  seek  und  beseech, 
teach,  reäch,  während  ags.  recan,  acan  zu  neue,  to  reck  und  ache 
=  äke  wird.  So  stehen  k  und  ch  neben  einander  im  Ne.  in  bleak 
bleach  (ags.  blaecan),  break  breach  (ags.  brecan,  frz.  breche). 
Inlautendes  c  geht  vor  t  im  Ags.  nach  h  über,  §.  181. 

§.  174.  Auslautendes  c  behält  meist  seinen  Laut:  Ags.  arc  earc,  ranc, 

cleric  clerc,  hafuc,  folc  etc.  Ne.  ärk,  rank,  clerk,  häwk,  fölk.  Da- 
gegen ags.  sprec  (Zweig)  wird  neue,  sprig,  und  ags.  die  (Graben), 
dicjan,  Lag.  die  dich,  Mau.  diche,  diggen  20,  27.  zerstreut  sich  in 
neuengl.  dike  ditch,  to  dig. 

In  ags.  ic  verschwindet  die  Gutturale  nach  und  nach:  Lag.  ich, 
Orm  icc  und  i,  RG.  ich  und  läßt  es  verschmelzen  in  ichabbe  (ich 
habe),  ichille  (ich  will).  PP.  und  Ch.  haben  ich  und  I  und  letzterer 
auch  das  nördliche  ik  3862,  Wycl.  I.  Ne.  nur  I.  Hier  kann  ch 
ebenso  wenig  Zischlaut  gewesen  sein,  als  in  der  Bildungssilbe  ags.  lic, 
mittele,   liehe,  neue,  ly:  änlic,  onliche,  only. 

§.175.  Romanische  c  behalten  vor   den  dunkeln  Vocalen  und   vor  1, 

r  den  k-Laut,  wie  im  Französischen:  cäp'tain  (lat.  capitanus  frz.  capi- 
tain,  Ch.  capitaine)",  cäm'el  (camelus,  Ch.  camaille),  cöurt  (lat.  cohors 
chors,  afrz.  cur  cor  curt  cort,  Ch.  court),  coüs'in  (lat.  cosinus 
Ch.  cosin),  cröss  (lat.  crux,  frz.  cruix  crois,  Ch.  croys),  ker'chief 
(afrz.  cuevre-chief),  scüt'cheon  (lat.  scutum,  frz.  escusson),  clear 
(lat.  clarus,  frz.  clair,  Wycl.  clere  cleer).  —  Oder  sie  haben  den 
k-Laut,  obgleich  im  Französischen  der  Zischlaut  eingetreten  ist:  ne. 
cäi'tiff  (lat.  captivus,  afrz.  caitif  chaitiff)',  cär'penter  (lat.  carpentarius, 
afrz.  carpentier  charpentier),  cär'rion  (lat.  caro,  afrz.  caroigne  charoigne, 


Gutturale  c.  131 

BG.  caroigne,  Ch.  caraine,  Mau.  careyne),  ken'nel  (lat.  canile,  frz.  §.  175. 
chenil).  —  Oder  der  französische  Zischlaut  ist  eingetreten;  chäp'el 
(lat.  capella,  frz.  chapelle,  Mau.  chapelle),  to  chärienge  (lat.  calum- 
niari,  afr.  calonge  chalonge,  ae.  kaleuge  chalenge),  chäir  (lat.  cathedra, 
afrz.  chaiere,  alte,  chaier),  Chamber  (lat.  camera,  afrz.  cambre  chambre). 
Die  Verschiedenheit  dieser  Formen  rührt  entweder  von  der  Zeit  der 
Aufnahme,  oder  von  der  Sprache,  der  das  Wort  entlehnt  ist.  —  Oder 
es  stehen  die  beiden  Laute  neben  einander:  cän'dle  (ags.  candel,  lat. 
candela)  und  chund'ler  (afrz.  chandelier),  camp  (lat.  campus)  und 
Champion  (afrz.),  cär'nal  (carnalis)  und  chär'nel-house  (afrz.),  cätt'le 
und  chät'tle  (lat.  capitalis,  afrz.  catel  chatel). 

Vor  e  und  i  (y)  bleibt  entweder  der  französische  Zischlaut:  to 
cess  (lat.  cessare,  afrz.  cesser,  alte,  cesse),  cit'y  (civitas,  afrz.  citeit 
cite,  alte,  cite),  cyg'net  (cygnus),  cyclöpae'dia;  bisweilen  ist  c  zu  s 
geworden,  wie  in  suc'cory  (lat.  Cichorium,  frz.  chicoree),  search  (afrz. 
cercher  chercher,  mittele,  enperche)  oder  schwankt  auch  nur:  to  cease 
(cessare  afrz.  cesser,  alte,  sese);  —  oder  es  verstärkt  sich  zu  ch,  wie 
in  cher'ry  (lat.  cerasus,  ags.  cirse,  frz.  cerise),  shiu'gle  (lat.  cingulum, 
afrz.  cengle);  cives  und  chives  (frz.  cive). 

Inlautendes  c  verläuft  in  gleicherweise.  1)  Es  bleibt  k-Laut, 
wie  ch  in  sep'ülehre  (lat.  sepulcrum ,  frz.  sepulcre) ,  än'^hor  (lat.  an- 
cora,  ags.  ancor  frz.  ancre);  g  in  fläg'on  (frz.  fiacon),  sugar  (frz.  sucre 
Mau.  sugre).  —  2)  Es  ist  Zischlaut  und  zwar  s  oder  c:  säc'rifice  (sacri- 
ficium,  afrz.  sacrifice  und  -fise,  alte,  sacrifise),  mason  (lat.  macio-n, 
frz.  ma9on),  les'son  (lectio,  frz.  le9on,  alte,  lesen),  räi'sin  (racemus, 
frz.  raisin,  Mau.  15  reysing). 

Im  Auslaute  verläuft  c  verschieden:  1)  Es  bleibt  k-Laut,  wie  c 
in  der  Bildungssilbe  -ic  (lat.  icus,  afrz.  ique,  alte,  icke):  püb'lic;  in 
li'lac  li'la0h  (ital.  lilac);  oder  g  in  fig  (lat.  ficus,  frz.  figue).  —  2)  Es 
bleibt  Zischlaut,  wie  c  in  pü'mice  (lat.  pumex,  ags.  pumicstän),  cäl'ice 
chäl'ice  (lat.  calix,  ags.  calic,  afrz.  calice);  oder  wie  ch  in  caröch'e 
(in  lat.  carocium,  frz.  carosse),  oder  wie  dg  in  pär'tridge  (lat.  perdix, 
frz.  perdrix,  mittele,  partrich  partritch  Wycl.). 

Vor  t  wird  c  zu  h  und  verläuft  wie  dieses,  wie  lat.  delectari, 
afrz.  deleiter  deliter,  mittele,  delyte  delytable,  neue,  delight;  —  lat. 
strictus,  afrz.  estreit,  Mau.   12.  streyt,  neue,  sträight. 

G.    Ags.  g.  bleibt  gewöhnlich  im  Anlaute:  ags.  galga  (Galgen),  §.  176. 
gandra  (Gänserich),  gän  gangan  (gehen),   gsest  (Gast),    gealla  (Galle), 
geat  (Thor),  gifan  (geben),  gold,  guma  (Mann),  gät  (Geii^),  gast  (Geist), 


132  Gutturale  q. 

§.  176.  glaed  (froh),  glxs  (Glas),  glöf  (Handschuh),  grene  (grün),  grund, 
gröwan  (wachsen).  Manche  g  schwanken  im  Ae.  und  Me.  nach  g,  er- 
holen sich  aber  im  Ne.  und  befestigen  sich:  gul'löw,  gän'der,  gö,  guest, 
gäll,  gute,  give,  göld,  gröom,  goat,  ghöst,  gläd,  glfiss,  glive,  green, 
gröünd,  grow.  In  guest  (Lag.  gist,  Orm  gesst)  ist  u,  in  ghöst  h  ein- 
gedrungen, jenes  das  französische  Zeichen,  dieses  das  italienische  für 
die  weiche  Gutturale. 

Bisweilen  hat  sich  g  erst  zu  g,  dann  zu  y  erweicht,  s.  oben 
§.  138.  Sogar  das  Präfix  ge  vocalisiert.  Die  zahlreichen  i,  y,  welche 
bei  Lag.,  im  Ae.  und  Me.  nicht  blos  im  Particip  Pass.,  sondern  auch 
in  den  Verben  enthalten  sind,  entstehen  aus  ge:  selbst  im  Ne.  zeigt 
sich  die  veraltete  Form.  Ferner  in  ags.  genöh  Lag.  inoh  inowe,  alte. 
enow,  neue,  e-noügh'  e-nöw';  —  ags.  hand-geweorc  Orm  hand-e-werrc 
neue,  händ'-i-wörk.     Analoge  Bildungen  sind  händ'icräft,  händ'yströke. 

Selten  wechselt  g  mit  k,  wie  im  Ne.  gnär  knär,  gnärl  knärl 
(ags.  gnyrran) ,  gnäw  knäw  (ags.  gnagan). 

In  ags.  gif  erweicht   g  erst  zu  g  und  fällt  später  aus:  Lag.  gif 
gef,  Orm  gifif,  alte,  gif,  mittele,  gif  PP.  Cr.  33.  ghif  123,  gewöhnlich 
gif,  if,  neue.  if.  —  Ags.  Is-gicel   neue,  i'cicle.   —   Ags.   gice-(ness), 
neue.  itch. 
§•  177.  Inlautendes  g  erweicht   meist  zu  g  und  wird   dann  zu  i:  ags. 

braegen  (Gehirn),  faeger  (schön),  fsegen  (froh),  hsegel  (Hagel),  maegen 
(Vermögen),  msegden  (Maid),  nsegel  (Nagel) ,  snsegel  (Schnecke);  eglan 
(schmerzen),  twegen  (zwei),  ongegn  (entgegen),  regen  (Regen),  segel 
(Segel),  plega  (Spiel),  weg  (Weg),  wegan  (wiegen),  legde  (legte)» 
segde  (sagte);  drygge  (trocken),  ägen  (eigen),  stseger  (Stufe),  eäge 
(Auge),  deägan  (färben),  fleogan  (fliegen),  fleoge  (Fliege).  —  Nags. 
Lag.  hat  selten  g  (daneben  w) ,  meist  i,  Orm  aber  Fg,  gg  [und  gh: 
bragen  brain,  faeiger  fasire,  faein  fain  fein,  hagel  hawel,  maeide,  maein  mein, 
naile;  tweige  tweien,  agaen  agen,  raein  rein,  saeil  seil,  pleie,  weige 
wei  waei  wai,  weien,  leide  laeide,  seide  saeide;  aegene,  fligen,  fleoge 
flege  fleie.  Orm:  faggerr,  maggdenn,  nagglenn,  egglenn,  tweggenn, 
onngaen ,  reggn ,  wegge ,  leggde ,  seggde ;  drigge ,  eghe ,  fleghenn.  Im  Ae.  und 
Me.  verschwindet  g  und  i  tritt  an  dessen  Stelle,  selten  w,  sodalJ 
im  Ne.  folgende  Formen  stehen:  g  ist  i  geworden:  bräin,  fair,  fäin, 
häil,  mäin,  mäid,  näil,  snäil;  äil,  twäin,  again  (e),  räin,  säil,  pläy, 
wäy,  läid,  said  (für  ei  =  e);  in  weigh  (ä)  istjgh  wieder  hinzu- 
getreten. Ferner  stäir,  eye,  dye,  fly,  öwn.  Wie  in  weigh,  so  ist 
auch  in  neigh  (ags.  hnsegan,  Mau.  nygen  30)  g  wieder  hervorgetreten. 


Gutturale  g.  133 

In  ags.  lengten    lencten    (ahd.   lenzen  Fasten)     verliert   es    sich;  §.  177. 
Lag.  leinten,  alte,  leynte,  mittele,  lentone  Mau.  3.,  neue.  lent. 

Zischlaut  ist  g  geworden  in  ags.  besengan  (sengen),  cringan 
(sterben) ,  engel  (Engel)  Hrödgär ,  ne.  to  singe ,  cringe ,  ängel ,  Roger. 
In  ags.  ort-  geard  (Fruchtgarten)  wird  g  zum  stärkern  Zischlaute:  Lag. 
orchaird,  orchard  RG.  2300,  neue,  ör'chard. 

Inlautendes  ags.  g  wird  im  Auslaute  oft  zu  h,  wie  beige  (zürne), 
Praet.  bealh,  swelge  (verschlinge)  swealh,  beorge  (berge)  bearh,  ]?icge 
(nehme)  |?eah,  gefeohe  (freue  mich)  feah,  drage  (ziehe)  droh,  gnage 
(nage)  gnöh,  hnige  (neige)  hnäh,  sige  (falle)  sah,  büge  (biege)  beäh, 
dreoge  (dulde)  dreilh,  leoge  (lüge)  leäh,  fleoge  (fliege)  fleäh.  Dieses 
h  erhält  sich  im  Nags.  noch  oft,  geht  aber  im  Engl,  in  den  Präsens- 
laut über  oder  in  den  pluralen  Laut  des  Praet.,  s.  Flex. 

Gotisches  g  ist  durch  ags.  w  vertreten  in  ags.  eäwjan  (got.  §.  178. 
augjan,  sich  er[äug]eignen),  und  suwjan  (svigjan,  schweigen).  Auch 
im  Ags.  selbst  tritt  ein  Wechsel  zwischen  g  und  w  ein :  ssegon  (sahen) 
säwon,  gesegen  (gesehen)  gesewen  gesen.  Dieser  Wechsel  nimmt  bei 
Lag.  zu  1)  in  den  Verbalformen:  drage  drawe,  drogen  drowen,  idragen 
idrawen;  alte,  drawe,  drowe  drewo,  drawen;  mittele,  drage  drawe, 
drog  droqh  drow  drew,  dragen  drawen;  neue,  dräg  dräw,  drägged 
drew,  drägged  dräwn.  —  Ags.  hliehhe.  Nags.  logen  lowen  (lachten), 
alte,  und  mittele,  lowg  loowg  lough  und  im  Ne.  ist  der  verschärfte 
w-Laut  ins  Präsens  gedrungen:  laugh  =  läf,  dem  schon  mittele,  lawe 
vorausgeht.  —  Lag.  slogen  slowen  (schlugen),  islagen  islawen  (ge- 
schlagen) ;  mittele,  slog  slow  slew  slewg  (schlug) ,  PI.  slogen  slowen  slewen, 
Part,  slain  Slawen;  neue,  slew,  släin  (i  erweichtes  g,  w  vocalisiertes, 
mit  g  wechselndes  w).  —  Lag.  bugen  buwen  bogen,  alte,  bugen  buwen 
abowen,  mittele,  bowe,  neue,  to  böw.  —  Lag.  fingen  fluwen  (flogen 
flohen),  ifloge  iflowen  (geflogen);  alte,  flew,  yfiowe,  mittele,  flew  (flog), 
neue,  flew,  flöwn.  —  2)  in  andern  Wörtern:  ags.  lagu  lag  Iah  (Gesetz), 
sage  (Säge),  sagu  (Sage),  maga  (Magen),  gnagan  (nagen),  dagian 
(tagen),  ägen  (eigen);  sugu  (Sau),  cucle  cufl  (Mönchskappe),  fugol 
(Vogel),  borgjan  (borgen),  morgen  (Morgen). —  Nags.  Lag.  läge  lawe, 
agen  ogen  owen;  couele  cule,  fugel  fogel  fowel;  Orm:  laghe,  aghenn. 
—  Ae.  lai  lawe,  sage  saw ,  owen  etc.  Ne.  law,  säw,  mäw,  gnäw, 
däwn,  öwn,  söw,  cöwl,  föwl,  bör'röw,  mör'röw. 

Auslautendes  ags.  g  erhält  sich  selten,  wie  ags.  hwseg  (Molke), 
twig  (Zweig),  seg  (Ei);  im  Ne.  why  whig,  twig,  egg.  Gewöhnlich  ist 
neue,  g  erst  später  zum  Auslaut  gelangt,  wie  dragan  dräg,  hsegtesse 


134  Gutturale  g. 

%,  178.  häg.  —  Neue,  crag  weist  auf  ahd.  chrago,  to  beg  auf  got.  bidagva 
(Bettler),  näg  auf  ags.  hn^gan  (wiehern,  holl.  nagge),  —  2)  Gewöhn- 
lich vocalisiert  es,  wie  ags.  raaeg  (mag),  daeg  (Tag),  laeg  (lag),  csfeg 
(Schlüßel),  gr^g  (grau),  häg  (Heu).  —  Lag.  maege  maei,  dsei,  laei, 
heie  hey;  Orm  :  magg,  dagg  etc.    Ne.  mäy,  däy,  läy,  key,  gräy,  häy. 

—  3)  Es  fällt  ab ,  wie  in  der  Bildungssilbe  -ig :  ags.  bodig ,  manig, 
gr^dig,  Orm  bodig,  manig,  mani,  gredig,  alte,  bodi,  mani,  gredi. 
neue,  böd'y,  män'y,  greedy.  —  4)  Es  wird  zu  w,  erweitert  sich  erst 
zu  ewe,  dann  zu  ow:  ags.  salig  sealh  seal  (Weide),  bearug  bearg 
bearh  (Borgschwein),  sorg  sorh  (Sorge),  mearg  mearh  (Mark),  ferner 
auch  gealga  (Galgen)  etc.  Lag.  sorge  sorwe  sorewe;  alte,  sorwe  sorewe, 
mittele,  sorewe,  marg  marghe,  merewg  merowg  merow  Wycl.  galwe.  — 
Ne.  säl'löw,  bär'röw,  mär'röw,  gäl'löw. 

§.  179.  l^ie  romanischen  g  treten  mit  doppeltem  Laute  ein,  als  k-Laut 

vor  den  dunkeln  Vocalen  und  vor  Consonanten,  und  als  Zischlaut  vor 
den  hellen  Vocalen. 

Das  gutturale  g  erhält  sich  gewöhnlich:  Lag.  guyse,  granti;  alte, 
gise  guise,  graunti,  garde,  gye  guye,  grace;  mittele,  gise  guise,  grant, 
guide,  grace;  neue,  guise,  gränt,  guide,  gräce.  In  guär'anty  und 
guärd  ist  in  Folge  des  Wechsels  zwischen  w  und  gu  ein  u  eingetreten. 

—  Ferner  Lag.  legat,  pilegrim,  alte,  langage,  regne,  signe.  Ne.  leg'ate, 
pirgrim,  län'g(u)age,  rei^n  (ä),  si^n. 

In  einigen  Wörtern  ist  inlautendes  g  ausgefallen:  lat.  magister, 
ags.  msegester,  afrz.  maistre  Orm  maggstre,  Mau.  maystre,  neue, 
mäster.  —  Lat.  dis-dignari,  afrz.  desdegner  desdaigner,  alte,  desdaine, 
neue,  disdäin'.  —  Lat.  Hispania,  frz.  Espagne  (g  aus  i),  alte.  Spaigne, 
Spayne  Spanye,  neue.  Späin.  —  Lat.  montanea  afrz.  montagne  mon- 
taigne  etc.,  neue,  möün'tain. 

Auch  vor  hellen  Vocalen  erhält  sich  zischendes  g:  Lag.  ginne, 
truage,  changen;  alte,  gent,  geant,  rage,  ostage,  bisege,  oblige,  juge, 
danger,  abrege  etc.  —  Nicht  selten  tritt  im  Me.  für  g  das  gleich- 
lautende j  ein:  gebet  iebat  Deut.  21,  22.  gemme  iemme  A.  3  Kgs.  10, 
2.  giaunt  ieaunt  Job.  16,  15  und  umgekehrt:  subjettes  subgettes  Mau.  3. 
ielousnes  gelousnes  Num.  5,  14.  Für  die  Aussprache  ist  der  Wechsel 
mit  sh  wichtig  in  oblisheth  A.  Prov.  13,  13.  Ne.  gin,  trüage,  chänge, 
gentle,  giant,  rage,  höst'age,  besiege,  oblige,  dän'ger;  hinter  Vocal- 
kürze  verdoppelt  es  sich  zu  dg:  jüdge,  abridg'e,  bädge  (mlat.  bagia), 
bädg'er  (ital.  biadajuolo)  Dachs  und  Getreidehändler. 


Gutturale  h.  135 

Bisweilen    geht   g   nach  w   über:    neue,  wä'fer    (lat.  gafrum,  §.  179. 
afrz.  gaufre  goffre),  Ch.  wastel-brede ,  (frz.  gäteau). 

Da  g  manchmal  stumm  und  der  vorstehende  Vocal  lang  geworden 
ist,  so  dali  es  als  Längezeichen  erscheint,  so  ist  es  auch  bisweilen 
als  solches  verwandt  und  eingeschoben  worden.  Es  steht  bisweilen 
in  jetzt  kurzer  Silbe,  wie  in  neue,  förei^n  (lat.  forensis,  afrz.  forain, 
alte,  forein),  fei^n(ä)  (afrz.  feindre,  alte,  feinen  fainen),  s6v'erei^n 
(superanus,  afrz.  soverain,  alte,  soverayne,  Mau.  sovereyne),  impreg'nable 
(frz.  imprenable). 

H.     Ags.  h  muß  für  die  Spirans  und  die  Aspirate  der  Gutturalen  §.  180. 
ausreichen. 

Anlautend  vor  Vocalen  erhält  es  sich,  nach  greifen  Schwankungen 
im  Ae.  und  Me.;  nur  in  hit  wird  es  von  Orm  (itt)  und  im  Ae.  auf- 
gegeben; neue,  it;  und  zu  ags.  häl,  Lag.  hal  hol,  Orm  hal,  KG.  hal 
hol  helle  tritt  im  Ne.  w,  sodal^  häle  und  whöle  neben  einander 
stehen. 

Vor  den  Consonanten  1,  n,  r  wird  schon  im  Ags.  der  Gebrauch 
schwankend.  Durh.  hat  oft  Doppelformen,  wie  in  hlaetmest,  hleäf, 
hilf,  hnett,  hniderung,  hrip,  hrod,  hröwa,  hrust,  während  im  West- 
sächs.  nur  laetemest,  leaf,  llf,  nett  etc.  steht.  Dagegen  fehlt  auch  in 
Durh.  h,  wo  es  stehen  muß,  wie  in  röf  Mth.  8,  8.  Im  Ngs.  schwinden 
diese  h  durchgängig,  Orm  hat  nur  rhof.  Daher  entsprechen  ags.  hläf, 
hladan,  hlüd,  hnecca,  hring,  hröf  bei  Lag.  loue,  laden,  lud,  necke, 
ring,  rof  und  im  Ne.  löaf,  lade,  löüd,  neck,  ring,  röof. 

Ags.  hw  wird  im  Nags.  zu  wh,  selten  w:  hwa  wha,  hwaet  what, 
hwil  while  wile;  und  wh  bleibt  bis  zum  Ne.  ivliö,  what  (ö),  while. 
—  Eingedrungen  scheint  es  in  wharf(ö)  (Werfte,  hell,  werf),  wheal 
weal  (Blatter,  von  ags.  weallan),  whelk  (Blatter,  ags.  swelca?  oder 
verwandt  mit  vorigem?),  whelm  (ags.  welman),  whörtle-berry  (wahrsch. 
von  ags.  wyrt). 

In-  und  auslautendes  h  wechselt  vielfach.  1)  Es  fällt  schon 
im  Ags.  vielfach  aus,  wie  hweohol  hweöl  (Rad),  )7ihsel  J?lsel  (Deich- 
sel), sleahan  sleän  (schlagen),  )7weahan  f>weän  (waschen),  seohan  seön 
(sehen),  taher  tser  teär  (Zähre),  seher  sehher  eär  (Aehre),  twahal  twsel 
(Handtuch),  räh  rä  (Eeh,  ahd.  rech),  fä  fäh  (Feind,  got.  fijan),  täh 
tä  (Zehe,  ahd.  zeha),  da  (Reh),  slä  (Schlehe),  feoh  feo  (Vieh),  eäh 
eä  (Waßer),  eal(h)  (Tempel),  weal(h)  (fremd),  ear(h)  (Pfeil),  mear(h) 
(Mähre) ,  sceöh  scöh  sceö  scö  (Schuh),  seolh  seol  (Seekalb).  Im  Nags. 
ist  bei  Lag.  selten  ein  h,   wie  in  feoh,   geblieben   und   im  Ae.  fallen 


13G  Gutturale  h. 

§.  180.  sie  alle  aus,  wenn  man  von  den  Imperfectformen  absieht:  whel,  slen^ 
sen,  tere,  fe  fee,  roo,  foe,  walisc,  arwe,  mare,  sho  etc.  Ne.  wheel, 
to  släy,  to  See,  tear,  ear,  röe,  föe,  töe,  döe,  slöe,  fee,  welsh,  är'röw, 
märe,  shOe. 

§.181.  2)   Es   erhält  sich  anfangs,   verstärkt   sich   zu   gh,   verliert   aber 

doch  seinen  Laut.  So  ags.  )?eoh  (Schenkel),  heäh  (hoch),  neäh  (nahe), 
)7eäh  (doch);  Lag.  peh.  J^ih  )?ege,  heb  heg  hei,  nah  nih,  )?ah  l?eh  )?oh; 
Orm  ]>eo  ]>&,  heb  neb,  ]7ohh  J^ebb.  —  Ae.  pe,  big  hie,  nig  nie,  )?egb 
|70gh  RG.  f'awg,  )?of  PL.  —  Me.  thigh  Mau.  18.  thie  thee  thei  Wycl., 
beeg  beig  big,  neeg  neig  nig,  tbo  thougb.  Wycl.  —  Ne.  thigh,  high 
nigb,  thougb. 

Gewöhnlich  verklingt  es  in  Verbindung  mit  t:  ags.  cniht  (Knecht), 
beorbt  briht  (bell),  feoht  (Gefecht),  sibt  (Gesiebt),  Übt  (leicht),  lyht 
leobt  (Licht),  wibt  (Sache),  ä-wibt  nä-wibt,  neabt  nibt  (Nacht),  eahta 
(acht),  trübt  (Forelle).  Ferner  b,  das  aus  g  und  c  vor  t  hervor- 
geht: weccan  (wecken)  weahte,  wyrcan  (wirken)  worhte,  wyrhta  wrybta 
(Arbeiter),  reccan  (richten)  reabte,  ribt  (recht),  recan  (kümmern) 
röhte,  reecan  (reichen)  rsebte,  secan  (suchen)  söhte,  j^encean  (denken) 
]7öbte,  ]?yncean  (dünken)  J7ühte,  wibt  (Gewicht),  wregean  (rügen) 
wröbte,  mag  (mag)  meaht,  bycgan  (kaufen)  höhte,  flybt  (Flucht).  — 
Nags.  Lag.  A  behält  b  bei:  cniht,  briht,  feht,  sibt,  lebt,  libt,  wibt, 
naht,  nibt,  seht,  wrohte,  worhte,  wurbte  wrobte  (Arbeiter),  ribt,  robte, 
rsebte,  sobte,  )?obte ,  J^ubte,  wibt  weht,  msebt  miht,  bebte;  ferner 
auch  cacchen  cabte.  Bisweilen,  besonders  in  B,  tritt  ]>  für  b  ein: 
cnif>t,  wipi,  no]?t,  ni]?t.  Orm  hat  hb,  es  muß  daher  vor  der  mehr- 
fachen Consonanz  Vocalkürze  eingetreten  sein:  cnibbt,  bribhte,  fibb- 
tenn,  lihbt,  lihbt,  wibbt,  nohht,  nibbt,  ebbte,  wrohbte,  wrihbte,  robbte 
sohbte,  j7ohbte,  j^ubhte,  webbte,  mibbt,  bobbte.  —  Im  Ae.  und  Me. 
beginnt  es  zu  schwanken.  EG.  bat  selten  ht,  gewöhnlich  gt,  wie 
knygt,  nygt,  mygt,  dogter,  )?ogte,  brogte  etc.,  selten  ght;  PL.  hat 
noch  oft  bt  und  Ps.  ght.  Wycl.  hat  meist  gt,  Cb.  PP.  und  Mau.  ght. 
Letzteres  bleibt  im  Ne.,  aber  ohne  Lautung:  kmght,  bri^Ät,  fight, 
sight,  \ight,  iiffht,  mght,  •äugJit,  näught,  mght,  eight,  aber  tröüt; 
wrou^/it(ä),  wri^/it,  righij  rsiught,  soughij  tbou^At,  wei^At(ä),  might^ 
looughi,  üight. 

Da  dieses  stumme  gJi  stets  mit  Vocallänge  im  Ne.  verbunden  ist, 
so  erschien  es  als  Längezeicben  und  wurde  auch  da  eingeschoben, 
wo  sich  gh  nicht  erwarten  läl^t;  wie  spright  (afrz.  esperit);  vielleicht 
auch  deshalb  in   delight  und   den  veralteten  exträught  (für   extracted 


«I 


Gutturale  li,  eh.  137 

und  disträught,   wenn  man  gli  nicht  in  Verbindung  bringen  will   mit  §.  181. 
latein.  c. 

3)  Wie   im  Ags.  inlautendes  g  zu  auslautendem  h  wird,   so  wird  §.  182. 
dieses   zu  jenem:    filhe   Praet.   fealh   fulgon,    seo   seah   s«gon,    gefeo 
gefeab     gefi3egon,    lea    löh    lögon,     sleä    slöh    slögon,    hlihhe    hlöh 
hlögon,    leo    läh    ligon,    teo    täb    tugon,    ^eo    ]>eäh    gej^ugon,    wreo 
wreäh   wrigon,   fleo   flefih   flugon.    Entweder   verschwindet   hier  g  und 

b  oder  für  g  tritt  w  ein,  s.  Flex.  der  starken  Verben. 

Diesem  Wechsel  ist  es  zuzuschreiben,  daß  manche  h  sieb  zu  gh 
erweitern,  und  die  verschärfte  Lautung  der  labialen  Spirans  gewinnen 
(=f);  eine  ältere  Berührung  zwischen  f  und  c,  wie  in  seofjan  und 
sican  (seufzen)  ist  zu  selten.  Ags.  ceä  ceo  (mhd.  goucb,  boU.  kauwe)  Krähe, 
mittele,  choughe,  neue,  choügh.  —  Ags.  drobt  (Zug),  Lag.  drabt, 
neue,  dräugbt  und  dräft.  —  Ags.  genöb  (genug),  Lag.  inob  inoge 
inowe,  Orm  inob,  alte,  ynow  inob;  inow  ynowg  ynewg  Wycl.,  neue, 
enougb,  selten  enöw.  —  Ags.  bliebban  (lacben),  Lag.  lehgen  libgen, 
Orm  labbgen.  Wycl.  laghen  lawgben,  neue,  läugb.  —  Ags.  breoli 
breow  (raub),  Orm  rubb,  neue,  roügb  und  räw.  —  Ne.  sloügb  (Aus- 
scblag,    abgeworfene   Scblangenbaut,    wabrscbeinlicb  von   ags.    sleän). 

—  Ags.  tob  (zäbe),  Lag.  toge,  Wycl.  toow  towg,  Ch.  tougb,  neue, 
toügb.  —  Ags.  trob  trog  (Trog),  Wycl.  trow  trowg  troug,  neue,  tröugb. 

—  In  neue,  cloügb  neben  cliff  cloff  und  in  draugb  neben  draff  (ags. 
dröf,  Lag.  draf,  Wycl.  draf  draft)  mag  durcb  die  daneben  stebenden 
Wörter  der  f-Laut  veranlal^t  sein. 

4)  In  ags.  eolb  ist  b  zu  k  geworden  in  neue.  elk. 
Eomaniscbes  b  im  Anlaute,  das  schon  im  Ags.  bisweilen  aus- §.  183. 

fiel:  bymne  ymne,  scbwankt  im  Ae.  und  Me.  sehr,  wie  bonour  onour, 
bostage  ostage,  bomage  omage,  beir  eyr,  befestigt  sieb  aber  wieder 
und  selten  ist  es  abgefallen,  wie  höstler  östler,  äble,  er'mine,  üsh'er 
(afrz.  buisser),  öm'bre  (span.  bombre).  —  In  to  inveigb(ä)  (lat.  in- 
vebere)  bat  es  sich  deutschem  b  analog  entwickelt,  während  es  in  to 
convey  (convehere,    Sb.  Moms.  conveigb  A.  conuey  B.)  abgefallen  ist. 

Andere  fremden  Wörter  bebalten  ihr  b,  wie  die  griechiscben 
rbäp'sody,  rhe'tor,  rbeüm,  rbytbm;  die  hebräischen  Messi'ab,  bälle- 
lujab  ällelujab. 

Ch.  Es  ist  dem  Ags.  fremd  und  in   fremden  Namen  wird  es  mit  §.  184. 
c  wiedergegeben:    Crist,    Caldea  byrig,    arcebiscop.      Erst  im  Nags« 
dringt  es    ein    theils    als   Verstärkung  des  k-Lautes   in  c,    tbeils  in 
ranz.  Wörtern   und  hier  steht   es  für  lat,  c,   cb:   cbangen  (lat.  cam- 


138  Gutturale  eh.     Lautung  der  Gutturale  c. 

§.  184.  biare,  afrz.  cangier  changier),  machune  (machina),  chevetaine  (capi- 
tanus),  cheisil  (Leinwand,  norm,  chainsil  v.  kymr.  camse)  und  selbst 
für  sc  in  ascapen  achapen  —  ein  Beweis  für  den  Zischlaut.  Mit  dem 
franz.  Sprachstofife  dringt  es  im  Ae.  sehr  zahlreich  ein :  chapitre,  chapelle 
Chance  cheance,  chasti,  chaurabre,  chef,  chiualrie,  bachelerie,  enchanter 
richesse  etc.  Ne.  chäp'ter,  chäp'el,  chänce,  chäste,  Chamber,  chief 
chiv'alry,  bäch'elor,  enchanter,  rich'es. 

Dieses  zischende  ch  dringt  auch  in  den  deutschen  Sprachstoff. 
Ags.  mearc  (Zeichen,  Gränze)  behält  die  erste  Bedeutung  in  engl,  mark 
und  gibt  die  letztere  an  frz.  märch.  —  chöice  ist  rom.  (choix),  chöose 
(ags.  ceosan)  deutsch.  —  Märchioness  (mlat.  marchio)  und  märquess 
(afrz.  markis)    sind  beide  romanisch,  wie  cättle  und  chättle. 

Auch  in  andern  fremden  Wörtern  tritt  ch  (=  k)  ins  Englische, 
wie  in  dem  ital.  ma0hiavelism ,  in  den  griech.  ehä'os,  ßrhär'acter,  Christ, 
0hime'ra;  anäeh'oret,  me0hän'ic,  teß:h'nical;  dis'tieh,  ep'öeh,  eü'nu^h, 
cön0h,  än'är0h,  s0heme;  in  den  keltischen  lö0h,  pi'brö0h;  in  den  hebr. 
Cherub  (=  tsh),  cher'ubim;  Chalde'a  (=  k),  Michael. 

Manche  romanischen  ch  sind  im  Engl,  übergegangen  1)  nacb 
dg:  cär'tridge  (frz.  cartouche);  —  2)  nach  sh:  shöck  (choc),  shärk 
(lat.  canis  charcaria),  pär'ish  (lat.  parochia,  frz.  paroisse);  shagreen' 
chagrin  (frz.  chagrin),  fetish  fe'tich  (frz.  fetiche),  cabäshed  cabösh'ed 
(frz.  caboche');  —  3)  nach  tch:  büt'cher  (frz.  boucher),  düt'chess  neben 
(duchesse)  düch'y,  dispätch'  (afrz.  depescher);  —  4)  nach  qu  im 
mittele,  queere  Mau.  6.  (frz.  choeur),  neue,  choir  (=  kwir). 
§.  185.  Ags.  c  hat  ursprünglich  nur  einen  Laut,  es  ist  =  k.    Im  Nags. 

aber  nimmt  es  vor  e  und  wahrscheinlich  auch  vor  i  den  s-Laut  an, 
daher  einerseits  der  Wechsel  zwischen  s ,  c  und  z :  Lag.  imilze  A. 
milce  B.  16837.  millce  Orml476  (ags.  milds),  millcenn  1041  (miltsian), 
blettcedd  2289  und  blettsedd  1826  (ags.  bletsjan),  France  Lag.  1614, 
Franse  1620;  andrerseits  tritt  für  das  =  k  lautende  c  die  Ver- 
stärkung ch  ein. 

Diese  beiden  Laute  sind  auch  jetzt  noch  englischem  c  eigen;  der 
k-Laut  vor  den  dunkeln  Vocalen  und  Consonanten  und  im  Auslaute: 
cäre,  cärt,  come,  cöünt,  cur,  clean,  cröw,  aläc'rity,  müsic;  der 
S-Laut  vor  e,  i,  y  und  86:  centre,  civ'il,  mer'cy,  cypress,  Cae'sar; 
der  erweicht  in  säc'rifi9e,  süffi9e'  und  sich  zu  sh  schärft  in  Verbin- 
dung mit  e  oder  i  vor  Vocalen:  so'cial,  Ocean.  —  Italienische  Aus- 
sprache    streitet    mit    der     englischen     in     vermicelli    (verme-chel'le 


Lautung  der  Gutturale  c,  k,  §•.  139 

S.  W.  J.  E.  Ja.  K.  Sm.,   ver-me-sel'le  P.  E.  Wb.)  und  Violoncello  (ve-o-  §.  185. 
lon-cho'lo  S.  W.  J.  F.,  vi-o-lon-sel-lo  P.  Wb.,  ve-o-lon-tsel'lö  Ja.). 

Stumm  ist  c  in  iudict',  indic' table,  indic'ter,  indictment ,  Czär, 
Czari'na,  müs'cle,  ärbüs'cle,  corpus Vle,  vic'tuals,  Connect'icut. 

In  der  Verbindung  sc  folgt  c  der  allgemeinen  Regel,  und  muß 
daher  vor  e,  i  mit  s  zusammenfallen,  sodaß  nur  ein  Laut  hörbar 
wird,  wie  science  =  si-ence;  nur  lat.  scep'tic  klingt  wie  das  griech. 
skep'tic. 

K,  selten  im  Ags.,  tritt  für  gutt.  c,  bisweilen  auch  für  roman.  c, 
k  und  qu:  kind,  keep,  remärk',  attäck';  auch  in  fremden  Wörtern: 
kali,  kö'ran,  kumiss.  —  Vor  n  ist  es  jetzt  stets  stumm:  Änöw,  aber 
zu  Ben  Jonson's  Zeit  lautete  es  noch ,  der  ausdrücklich  bemerkt ,  daß 
es  vor  n  unter  allen  Consonauten  allein  steht. 

Ags.  g  bezeichnet  c  gegenüber  den  weicheren  Gutturallaut  (g:  k).  §.  186. 
Aber  da  es  im  Ags.  mit  j  wechselt  und  bisweilen  die  Einschiebung 
eines  e  gestattet,  so  darf  man  annehmen,  daß  es  zum  Theil  wenigstens 
wie  j  gesprochen  wurde.  Es  verliert  einen  Theil  seines  Besitzes  im 
Ngs.  an  g  und  dann  an  y,  verklingt  oft  im  In-  und  Auslaut,  während 
der  härtere  Laut  sich  erhält.  Zu  diesem  tritt  nun  das  franz.  g,  zum 
Theil  mit  zischendem  Laute,  so  daß  es  also  einen  doppelten  Laut 
behält. 

Die  weiche  Gutturale  steht  in  deutschen  Wörtern:  gärden,  gäll, 
get,  geese,  give,  gö  (nur  in  to  singe,  cringe,  ängel,  Eöger  ist  der 
Zischlaut  eingetreten)  und  in  roman.  Wörtern  vor  a,  o,  u,  1  und  r; 
gäin,  gäl'lant,  gön'dolier,  güst,  güt'tural,  gläcis',  glö'ry,  gräce,  selten 
vor  lat.  i,  wie  ging'lymus,  gibbous;  auch  vor  er,  das  aus  re  entstanden 
ist:  ti'ger,  cön'ger;  endlich  im  Auslaute:  dög,  cräg,  bäg,  beg. 

Der  romanische  Zischlaut  war  =  sh,  mittele,  oblishen  Wycl. 
Prov.  13,  13  spricht  für  dasselbe,  wie  agreggid  agredgid  für  den 
verstärkten  Laut.  Da  ferner  neben  ch  auch  tch  vorkömmt,  so  darf  man 
wohl  annehmen,  daß  gegen  Ende  des  14.  Jahrh.  die  Verstärkung  des 
Zischlautes  eintrat.  Das  deutsche  Element  muß  erst  später  von  der 
franz.  Aussprache  ergriffen  worden  sein,  da  gewöhnlich  auslautend  g 
im  Me.  verdoppelt  ist  und  die  meisten  -gge  nicht  zum  Zischlaute 
gelangen.  Smith,  Ben  Jons,  und  Wallis  gedenken  des  Zischlautes. 
Ben  Jon.  stellt  äge  und  sledge  neben  einander. 

Zischendes  g  ==  dsh  steht  vor  e  und  i  in  romanischen  und 
griechischen  Wörtern:  gem,  giant,  gip'sy,  el'egy,  del'uge,  mit  ver- 
stärkendem d:  jüdge,  lödge.    Auch  die  deutschen  Verdoppelungen  (gg) 


140  Lautung  der  Gutturale  g. 

§.  186.  sind  davon  zum  Theil  ergriffen:  odge,  bridge,  hedgo.  Verdoppelungen 
im  Romanischen  lauten  verschieden :  suggest  (sudjest  S.  E.  Ja.  K.  Sm., 
sugjest,  W.  P.  J.  F.  R.),  exäg'gerate. 

Stumm  ist  g  vor  n:  ^näsh,  ^nät,  ^närl,  ^näw,  wahrscheinlich 
erst  im  Ne.,  da  es  früher  nie  abfällt.  Ferner  in  för'ei^n,  si^n,  desi^n, 
impre^n',  propü^n',  oppü^n',  und  in  den  Bildungen  derselben  mit  -er 
und  -ing,  nicht  mit  andern;  sodann  in  pöi/nant,  serä^l'io.  si/nior, 
bä^n'io.  Schwankend  in  cognisance  (cön'-e-zans  S.  P.  E.  Ja.  K.  Sm., 
cög'ne-zans  F.  R. ,  cog'  und  cön'  W.  J.). 

§.187.  Gu.     Bisweilen  wird  u  zu  g  gefügt,   um  zu   bezeichnen,    daß  es 

den  gutturalen  Laut  hat.  Das  geschieht  zuerst  in  franz.  Wörtern  vor 
e  und  i:  guide,  guise,  guile  und  ohne  Grund  auch  in  guärd,  dann 
auch  in  den  deutschen:  guess,  guest,  guild,  guilt;  ebenso  im  Aus- 
laute: plague,  prorög'ue,  rögue,  fatig'ue.  — Nicht  zu  verwechseln  ist 
ein  anderes  u,  das  zum  Wortstamm  gehört  und  mit  g  verbunden  = 
gw  ist:  extin'guish,  län'guid,  än'guish. 

§.  188.  Gh  ist  verschiedenen  Ursprungs  und  verschiedener  Lautung. 

1)  Es  ist  die  ital.  Bezeichnung  der  weichen  Gutturale  =  frz. 
gu:  ghöst,  Ghent,  Ghibelline,  bürgh.  —  2)  Es  ist  aus  h  hervorgegangen 
und  hat  sich  zu  k  verstärkt:  hough  (Kniekehle,  hoc  S.  W.  P.  J.  Wrc, 
höf  E.  Ja.  K.  Sm.),  shöugh  (zottiger  Hund),  löugh  (der  See).  — 
3)  Es  liegt  eine  Gutturale  zu  Grunde,  die  in  dem  verstärkten  gh 
beibehalten  ist,  aber  der  Laut  f  hat  sich  aus  dem  mit  der  Gutturale 
wechselnden  w  entwickelt.  Smith  und  Ben.  Jons,  sagen  von  tröugh  und 
cough,  es  lai^e  sich  nichts  von  einem  g-Laute  hören;  Wallis  dagegen 
führt  nur  cough,  trough,  tough,  rough,  laugh  =  cöff,  troff,  tuff, 
ruff,  laff  und  in  inough  unterscheidet  er  den  Numerus,  Sing.  =  inuff, 
sat  multum,  Plur.  =  enow  sat  multa.  Auch  die  Orthographie  jener 
Zeit  bestätigt  den  f-Laut:  coffing  Sh.  Moms.  3,  1.  Die  Zahl  dieser 
Wörter  hat  zugenommen.  Neben  cough  steht  hiccough  schwankend 
(hik'küp  S.  J.  E,  F.  K.,  hik'köf  P.,  beides  W.  Ja.  Sm.).  —  4)  Es 
geht  aus  h  hervor,  erhält  sich  im  Ngs.,  beginnt  aber  im  Englischen 
zu  verklingen  (g)  und  erhält  deshalb  die  Verstärkung  gh.  Nach  Smith 
trat  die  Verschiedenheit  der  Aussprache  in  der  zweiten  Hälfte  des 
16.  Jahrh.  ein:  manche  sprachen  es  zu  stark,  andere  gar  nicht.  Er 
tadelt  deshalb  die  Schreibung  gh  und  verlangt  h:  niht,  fiht,  tauht. 
Wallis  schränkt  die  Aussprache  des  gh  (per  molliorem  aspirationem) 
auf  die  septentrionales  ein.  Im  Ne.  ist  gh  stumm ,  wie  right ,  mi^Ät, 
night,  während  der  Schotte  die  Gutturale  erhalten  hat:  recht,  mecht,  necht. 


Lautung  der  Gutturale  h,  eh.  141 

H  behält  seinen  Hauchlaut  im  Anlaute:  hund,   here,  hide,  liöpe;  §.  189. 
aber  vor  u,  im  In-  und  Auslaute  und  hinter  r  ist  es  stumm:  fiiigh(ü), 
M'man,  //ü'mid,   /^ew;   Äeir,   /tönest,   /tön'or,   /«ös'pital,    Aöür,   Äüm'ble, 
/iüst'ler,  shep'//erd,  John,  John'son;  äh,  öh,  Messi'ah,  Sarah;  rhyme, 
rhet'oric. 

Ch,  dem  Ags.  fremd,   erscheint  zahlreich  im  Nags.  und  zwar  vor  §.  190. 
den  hellen  Vocalen  für  c  und  in  franz.  Wörtern.     In  letzteren  hat  es 
ohne  Zweifel  den  Zischlaut:   ascapen  achapen.     Anders  im  Deutschen. 
Hier  bringt  Lag.  oft  ch  und    k  (c)  neben  einander:   awaken   awachen, 
bitaken  bitachen,  die  dich,  scenc  scenche,   benc  beuch,  ic  ich,   oder 
k  allein:  kaeisere,  kempe,  kene,  kenne,  Kentwaere,    kepe,  king,  oder 
endlich    nur    ch,    wie    in    chele,    chestre,    cheorl,    cheosen,    cheap> 
chepinge,  chepman,  chiden,  child,  chin,  chirche,  chafles,  chses.    Diese 
Unterscheidung  behält  auch  in  beschränkter  Weise  Orm  bei:   kelenn, 
kirrke,    aber   chele,    chepinng,    cherl,    chesenn,    chesstre,    chewwenn, 
child,  childenn.    Die  ersten  beiden  Eeihen  bei  Lag.  haben  entschieden 
noch  den  k-Laut.     Die   dritte  Reihe,   wo  nur  ch  auftritt,  ist  zweifel- 
haft.    Lag.   freche  9419,    das    wahrscheinlich   nicht    frz.   fraiche   ist, 
sondern  ags.  ferse,  beweist  nur,  dal^  der  franz.  Laut  einmal  für  deut- 
sches sc  oder  sh  gebraucht  ist,  nicht   aber,    daß   deutsche  ch  zu  sh 
geworden  sind.     Ein  Wechsel  zwischen  ch  und  sh  tritt  nirgends  her- 
vor.    Dagegen  aber  die  genaue  Unterscheidung  zwischen  ch,  das  mit 
k  wechselt,   und  beharrendem    ch  macht  es   wahrscheinlich,   daß  der 
ursprüngliche  reine  k-Laut  zu  erweichen  begann.     Auch  im  Ae.  ist  es 
noch  nicht  sicher,  daß  deutsche  ch  den  Zischlaut  angenommen  haben, 
wenn  auch  wieder  das  franz.  Zeichen  bisweilen  für  sh  steht,   wie  bei 
EG.   der  ychchalle  für   ic   shalle   schreibt,    und   bei  LP.,    der  shewd 
(showed)    mit    cheued    wiedergibt.     Viel  stärker  wiegt   das  vereinzelt 
stehende  catchis  PL.  S.  539,  in  dem  das  vorgeschobene  t  sicher  erst 
in  Folge  eingetretener  Sibillation  beigefügt  ist.  —  Erst  im  Me.  wird 
ch  allgemeiner.     PP.  gebraucht  es  öfters  für  deutsches  sh,  wie  wor- 
chype  Cr.  739,  fich  Fisch  806,  bichopes  1133  und  ein  shosen  1364, 
erweist  ch  als  zischend  in   chosen.      Beachtet  man  Wycl.  Schreibung 
in  picche  pitche,    so  stellt   sich  die  Yermuthung  nahe,    daß  um  jene 
Zeit  die  Aussprache  zu  schwanken   beginne,   daß  die  eine  mit  c  den 
wankenden  k-Laut,  der  andere  mit  t  die  Verschärfung  des  Zischlautes 
bezeichne.      Allein    cch    kömmt    auch    in    franz.    Wörtern    vor,    wie 
richessis  ricchessis,   wo  ch  nie  wie  k  lautete,   und   dann  steht  neben 
ch   noch  Minderung  und  Erweichung  des  k-Lautes,   wie  picche   pigt, 


142  Lautung  des  eh. 

§.  190.  quench  queint,  drench  dreint.  —  Im  Ne.  hatte  ch  zur  Zeit  Sh.'s  den 
geschärften  Zischlaut:  kitchin,  wrentch,  biitcheler  Sh.  Momms,  1,  5. 
Wallis  führt  ausdrücklich  tsh  an.  Jetzt  hat  es  im  Allgemeinen  drei 
Laute : 

1)  In  deutschen  und  romanischen  Wörtern  lautet  es  wie  tsch: 
chin,  Coach,  chürch,  chief,  är'cher;  und  hinter  Vocalkürze  tritt  ein 
t  hinzu:  catch,  fetch ,  scütcheon,  bütcher;  bench  (ch  S.  P.  J.  K.  Sm. 
Wb.,  bensh  W.  F.  E.  Ja.  R.).,  hätchel  (ch  P.  Sm.  E.  Wb.,  häk'kl 
S.  W.  J.  F.  Ja.  K). 

2)  In  einigen  französischen  Wörtern  hat  sich  der  franz.  Laut  (sh) 
erhalten,  wie  in  9hagrin,  9häise,  9hamäd'e,  9häm'ois,  9hämpägn'e 
(Champagner,  aber  9hampaign[tsh]  offenes  Land),  9hampig'non,  9hän- 
delier',  9häp'eron',  9haräd'e,  9här'latan,  9hemise',  9hevalier',  9hicän'e, 
cäpu9hine',  ma9hine',  moustäche,  pära9hüte.  —  Schwankend  sind: 
chivalry  (shiv'al-re  S.  P.  E.  Ja.  K.  Sm.  Wb. ,  chiv-  W.  E.  F.  R.), 
chives  (ch.  W.  P.  F.  J.  Ja.  Sm.  Wb.  Wrc,  sh.  S.  E.),  fäl'chion 
(-chun  S.  W.  J.  Sm.,  -shun  F.  Ja.  K.,  -che-un  P.,  fäFchun  Wb.), 
roch'et  (P.  K.  R.  W.,  rök'et  Sm.). 

3)  Es  lautet  wie  k,  in  den  griechischen  0ha  os,  0halcög'raphy, 
ehameleon,  0här'acter,  0hasm,  0hem'ist  0hym'ist,  0hersonese',  0hime'ra, 
0hirög'raphy,  0hirür'geon,  0hörd,  0hyle;  0hlorö'sis,  Christ;  än'0horet, 
är'0hitect,  0ät'e0hism,  e0h'o,  or0hes'tra,  te0h'nical,  än'ar0h,  cön0h, 
dis'ti0h,  ep'o0h,  hem'isti0h,  pä'triär0h;  S0höol;  in  den  lat.  än'0hor, 
sep'ül0hre,  0horus,  stöm'a0h  (aber  stomacher  =  tsh);  in  den  hebr. 
E'no0h,  Bä'ru0h,  in  den  kelt.  Iö0h,  pi'bro0h,  und  im  deutschen 
to  ä0he. 

Es  schwankt  das  griech.  liehen  (li'ken  Ja.  Wb.,  liehen  K.  R, 
beides  Sm.).  —  Das  griech.  Präfix  archi,  ags.  arce,  neue,  arch-  lautet 
vor  Vocalen  wie  ark,  vor  Consonanten  wie  artsh:  ar0h-angel,  arch- 
bishop.  —  archives  (är'kivz  S.  W.  F.  Ja.  K.  Sm.  R. ,  är'kevz  J.,  är'-chevz 
und  är'kevz  P.).  —  choir  (kwir  S.  W.  J.  Sm.  Wb.  Wrc,  kwir 
und  koir  P.  J.  F.)  und  nach  W.  F.  lautet  auch  chör'ister  wie  kwir'ister, 
nach  S.  wie  kwer'ister.  —  schedule  (shed'yul  K.  Sm.  R. ,  sed'ül 
J.  F.,  sked'ül  Wb.,  sedjul  und  sked'jul  W.,  sked'ül  und  sedul  P., 
sked'ül  und  shed'ül  Ja.),  seneschal  (sen'e-shäl  P.  E.  Ja.  K.  Sm.  Wb., 
sen  es-käl  S.  W.  J.  F.). 

Stumm  ist  ch   in   yacÄt  (=   yöt),   scMsm  (=  sizm),    sc/dsmät'ic 
sc/iismät'ical  scMs'matize,  drac/im  (=  dräm). 
§.  191.  Y,  dem  Ags.  fremd,  entsteht  aus  j  und  g,  s.  §.  138,  ist  consonan- 


Y,  Qu,  X.  143 

tiertes  e  in  yöu,  yew  (eow),  York  (ags.  Eoforwlc)  und  yöde,  s.  §.  62.  §.  191. 
Ferner   ist   es   eingedrungen    in   den   hochdeutschen   younker  (Junker), 
yagers  (yä-gers,  yä-gers  Sm.  Wb.  Wrc,  Jäger)  und   dem   holl.  yacht 
(jagt).  —  In  schlechter  Screibung   erscheint  es   auch  im  Ae.  für  frz. 
j:  yoe  RG. 

Seinem  Ursprünge  nach  lautet  es  wie  consonantisches  i  (deutsches 
j):  yäwn,  yest,  yoüng,  bä'yard,  bayonet. 

Qu,  ebenfalls  fremd,  entsteht  aus  ags.  cw  und  lautet  wie  dasselbe:  §.  192. 
ne.  quid  (gekauter  Tabak  neben  cüd  [mittele,  quede  quide  code  Wycl.] 
gekaute  Speise  im  ersten  Magen  der  Wiederkäuer  [ags.  ceowan  kauen]) ; 
außerdem  in  to  quäck,  quäck. 

Viele  qu  sind  aus  dem  Romanischen:  mlat.  quaquila,  afrz.  quaille, 
neufrz.  caille,  neue,  qucäil ;  —  lat.  quassare  cassare,  frz.  quasser, 
neue,  quash;  —  lat.  querela,  afrz.  querele,  alte,  querele,  neue,  quar- 
rel(ö);  —  lat.  quietus,  afrz.  quoit,  neue,  qui'et;  —  frz.  cuivre,  neue, 
quiv'er;  —  lat.  sciurulus,  afrz.  escurel  esquirel,  neue,  squirrel;  — 
scutarius,  frz.  escuier  esquier,  neue,  esquire'  squire.  Manche  gehen 
direct  aus  dem  Lat.  über,  wie  quad'rant,  quad'rate,  quad-ren'nial.  — 
Neben  einander  stehen  im  Ne.  lic'orice  und  liq'uorice  (lat.  liquiritia, 
alte,  licour)  aber  neue,  liq'uor,  turkois  und  turquoise. 

Manche  roman.  qu  sind  k,  ck  geworden:  crick'et  (frz.  criquet), 
creek  crick  (frz.  crique) ,   attäck'   (frz.  attaquer) ,  möck  (frz.  moquer). 

Es  lautet  gewöhnlich  wie  kw;  in  folgenden  Wörtern  wie  k:  qua- 
drill'e,  quätercoüsin ,  chec'quer,  con'quer,  excheq'uer,  co'quet,  pac'quet, 
piquet',  etiquett'e,  här'lequin,  pälanquin',  läc'quey,  liq'uor,  mäsqueräde', 
mosqui'to,  piqu'ant,  röquelaure';  antiqu'e,  critiqu'e,  obliqu'e,  pique, 
risque,  cäsque,  opäqu'e,  mösque,  bur-lesqu'e,  gro-tesqu'e. 

X,  im  Ags.  für  Gutturale  mit  s  steht  nur  in-  und  auslautend:  §.  193. 
ags.  myxen  meox  (got.  maihstus  Dünger),  neue,  mixen  mück;  —  ags. 
Exan-cester,  Lag.  Exchaestre,  alte.  Excestre  Exetre,  neue.  Ex'eter;  — 
ags.  weaxan,  Lag.  Orm  waxen,  neue,  wäx;  —  ags.  fleax  (ahd.  flahs), 
neue,  flax;  —  ags.  acas  sex  eax,  Lag.  eax  sex,  Orm  axe  etc.  neue, 
ax;  —  ags.  oxa  (got.  auhsa),  neue,  ox;  —  ags.  böc-sum,  Orm  buh- 
summ, alte.  neue,  büx'om; —  ags.  cocces  camb  (des  Hahnen  Kamm), 
neue,  cöcks'cömb  coxcomb;  ags.  pocc,  mittele.  PI.  pokkes  PP.,  neue, 
pöx.  Endlich  tritt  es  nicht  selten  in  Folge  von  Meta.these  ein,  wie 
im  Ags.  äscjan  äxjan,  fisc  fix,  asce  axe,  wascan  waxan,  flsesc  flsex, 
miscian  mixian;  dies  klingt  in  Dialecten  fort,  im  Ne.  to  äsk,  fish, 
äshes,  wash,  flesh,  aber  to  mix. 


144  Consonantenverdopplung. 

§.  193.  In  fremden  Wörtern  ist  es    eingetreten,   wie   in  exäm'ple,   ex'cel- 

lent,  ex'tasy  und  ec'stasy,  xö'bec  (span.  jabeque),  exchequ'er  (mlat. 
scacarium,  arfz.  eschakier,  eschequier,  alte,  eschekere  cheker).  Span. 
Xeres  ist  neue,  sherry  geworden. 

Es  hat  dreifachen  Laut.  1)  Hart  (=  ks)  klingt  es  im  Auslaut 
der  betonten  Silbe:  wax,  fix,  ex'it,  ex'cellent,  und  vor  consonantischem 
Anlaute:  expres'sion,  expän'sion.  —  2)  Weich  (=  gs)  klingt  es  vor 
vocalisch  anlautender  betonter  Silbe:  exist',  exält',  exhib'it;  nicht 
aber  in  Ableitungen,  wie  fixä'tion,  das  den  Laut  von  to  fix  behält. 
—  3)  In  einigen  Wörtern  lautet  es  anlautend  wie  weiches  s,  wie  in 
Xen'ophon,  Xerx'es,  xyst'os,  xe'bec  und  in  den  plur.  beaux  und 
billet-doux. 

Stumm  ist  x  im  singul.  billet-doux  und  Aix-la-chapelle. 

Vierter  Abschnitt. 

Doppelconsonanten. 

§.  194.  Consonantenverdopplung  tritt  ein,   besonders  hinter  kurzen  Yoca- 

len,  oder  bewirkt  wohl  auch  Vocalkürze.  Orm  verwendet  einfache 
Consonanz  als  Zeichen  der  Vocallänge,  doppelte  Consonanz  als  Zeichen 
der  Vocalkürze. 

Doppeltes  s  ist  entweder  ursprünglich,  wie  ags.  assa  (Esel),  oder 
entsteht  durch  Assimilation,  wie  cysjan  cyssan  (küssen),  lids  liss 
(Ruhe),  wit-s  wiss  (gewiI3),  §.  136.  Vocalkürze  erhält  solche  Ver- 
dopplungen überall.  Ae.  asse ,  cusse ,  kisse,  liss ,  ywiss.  Ne.  äss, 
kiss,  bliss. 

Doppelte  Liquiden  stehen:  fealle  feoll,  wealle  weoll,  swimme 
swamm,  onginne  ongann,  winne  wann;  teljan  tellan,  seljan  sellan, 
cweljan  cwellan,  fremjan  fremman.  Im  Auslaute  und  bei  antretender 
Consonanz  erscheint  die  Verdoppelung  überflüßig  und  es  tritt  oft  Ver- 
einfachung ein,  wie  ongan  teal-de.  —  Lag.  falle  feol,  ae.  falle  fei. 
me.  falle  fei  feile,  ne.  fäll,  feil;  —  Lag.  swimme  swomm.  ae.  swimme 
swom,  me.  swimme  swom  swam,  ne.  swim  swam;  —  Lag.  winne  wan, 
ae.  winne  won,  me.  winne,  wan  won,  ne.  win,  w6n;  —  Lag.  teilen 
ne.  teil;  Lag.  seilen  ne.  seil,  cwellen  quell.  Hier  erhält  sich  nur  11 
im  Auslaute  und  auch  hinter  Vocallängen,  wie  fäll.  —  Doppeltes  r 
kömmt  seltener  vor,  wie  in  den  ags.  Namen  Carr,  Carrum,  in  cerr 
(Kehren)  cerran,   steorra  etc.,  in  dearr  aus  rs  (got.  dars).    In  Namen 


Consonantenverdopplung-.  145 

haftet  es,  in  dearr  schwindet  es,  ne.  däre.     Im  Ae.  und  Me.  verdop- §.  194. 
pelt  es  sich    oft    im  Auslaute    in    der  Flexion    hinter  kurzem  Vocale: 
stirres,  farre  etc.      Die  neueng-1.  Verdopplungen  sind    erst   später  ein- 
getreten   hinter  Yocalkürze   oder    aus    der   Fremde   gekommen:   to  err 
(errare) ,  terres'trial. 

Von  den  Labialen  verdoppeln  sich  nur  p  und  b;  für  ff  (nur  ofTrjan 
ofiferre  und  in  ags.  Eigennamen),  tritt  doppelte  Media  ein:  cappa, 
dyppan,  stapje  steppe,  hafje  hebbe,  habbe.  Sie  verschwinden  ebenfalls 
im  Auslaute:  ne.  cäp,  dip,  step,  heave,  häve. 

Die  Dentalen  t  und  d  verdoppeln  sich:  sittan,  fsett,  biddan,  setjan 
settan,  scedjan  sceddan.  Sie  verlaufen  nags.  sitten,  faet  fsette,  bid- 
den.  Ae.  sitte^  fat  fatte,  bidde.  Me.  sitte,  fat  fatte,  bidde;  ne.  sit, 
fät,  bid. 

In  schlechter  Schreibung  kömmt  auch  die  Verdopplung  der 
Aspirate  vor,  wie  sca|?de  für  sceade,  scse]?dend  für  sceadend,  sonst  nur 
in  Zusammenfügungen,  wie  sid  J^am  siddan  und  auch  noch  im  Ae. 
si]?)?en  si]7en,  me.  nur  sithen.     Ne.  sith,  since. 

Alle  Gutturalen  können  sich  verdoppeln:  cc,  cg  für  gg,  hh. 

Ags.  f>icce  (dick),  hnecca  (Nacken),  bicce  (Hündin),  feccan  (faßen), 
streccan  (strecken),  wicce  (Hexe),  wsecce  (Wache)  und  diese  cc  ver- 
laufen, wie  einfaches  c.  Nags.  Lag.  ]?icke  ]?ikke,  necke,  fsechen; 
Orm:  fecchenn ,  wicche;  ae.  )?ick,  necke,  fechen,  strechen  etc.  Me. 
thicke,  necke,  fecchen,  strecchen  (aber  auch  pp.  stretchid  Wycl.), 
wickingis  Wycl.  wyche  Mau.  12;  ne.  thick,  neck,  bitch,  stretch, 
witch,  watch.  Das  Schottische  behält  auch  hier  fast  durchgängig  den 
k-Laut:  streck,  steek,  theek,  waik  für  stretch,  stitch,  thatch,  watch. 

Für  gg  tritt  cg  ein  und  dies  ist  im  Ags.  nicht  selten.  Es  hat 
einen  mehrfachen  Verlauf.  1)  Es  vereinfacht  sich:  ags.  frocga  (Frosch), 
sceacga  (Haarbüschel) ;  ae.  frogge,  shagge;  ne.  frög,  shäg.  —  Altn.  leggr 
Lag.  legge,  me.  legge,  ne.  leg.  —  Altn.  steggr,  me.  stagge,  ne.  stäg. 
Ne.  drüg  ist  verwandt  mit  ags.  drygman.  —  2)  Es  geht  in  den  Zisch- 
laut über:  ags.  ecg  (Schneide),  slecge  (Schmiedehammer),  brycg  (Brücke), 
hrycg  (Rücken),  mycge  (Mücke),  wecg  (Keil),  secg  (Binsenart),  nags. 
Lag.  Qgge^  brugge,  rüg  rugge.  Orm:  egge.  Ae.  me.  egge^  slegge, 
brugge  brigge,  rugge  rigge  und  hegge,  obgleich  ags.  heg.  Ne.  edge 
(to  edge  und  egg)^  sledge,  bridge,  ridge,  midge,  wedge,  hedge,  sedge. 
In  knöwl'edge  ist  die  Bildungssilbe  altn.  leikr,  Orm  -legge,  wie  in 
meoc-leggc  neben  meoc-nesse,  me.  knou-leche  Mau.  —  3)  Die  Gemi- 
nation erweicht,  wie  einfaches  g:  ags.  licgan  (liegen),  lecgan  (legen), 

Koch,  engl.  Grammatik  1.  2.  Aufl.  10 


146  Consonantenverdopplung^. 

§.  194.  secgan  (sagen),  bycgan  (kaufen);  nags.  Lay.  liggen,  leggen,  seggen, 
biiggen  biggen;  Orm  lenf^enn,  sef^r;enn,  biggenn;  ae.  liggen  lien,  seggen 
seien,  leggen  lein,  biggen  biiggen;  me.  liggen  lin,  leggen  lein,  seyen 
seye,  biggen  bie  Mau.  —  Ne.  lie,  läy,  säy,  buy. 

Die  Aspirate  kömmt  selten  verdoppelt  vor  wie  ags.  hliehlian, 
sleahan  sleahlian,  von  denen  aber  die  eine  wie  einfaches  b  im  Aus- 
laute allmählich  sich  verliert,  die  andere  durch  w  gehend  den  f-Laut 
annimmt:  Lag.  lehge,  sla3,  ae.  lighe  sie,  me.  lighe  laghe,  sie;  ne. 
läugh,  släy. 

§.   195.  Viel  häufiger,  als  sich  Gemination  erhält,   tritt  diese  erst  später 

ein  als  Zeichen  der  Vocalkürze.  So  z.  B.  ags.  geolu,  ae.  gelwe,  me. 
gelowe  und  noch  bei  Sh.  Momms.  yeolow  yealow,  wird  endlich  yel'löw. 
Ags.  mylen,  ne.  mill;  ags.  wela,  ne.  well;  ags.  swelge,  Orm  swollghe, 
ne.  swallow;  —  ags.  gealga,  me.  galwe,  ne.  gällöw.  —  Ags.  earh, 
ae.  arwe,  me.  arewe,  ne.  är'röw;  ags.  mearh,  me.  marg  merow,  ne. 
mär'röw.  —  Ags.  hamor,  ne.  häm'mer;  ags.  sumor,  ne.  süm'mer;  ags. 
semete,  ne.  em'met.  —  Ags.  pabol,  ne.  peb'ble;  ags.  cuper,  ne.  cöp'- 
per;  ags.  stsef,  ne.  stäff;  ags.  clif,  ne.  cliff.  —  Ags.  netele,  ne.  net'tle; 
ags.  sceätel,  ne.  shüt'tle;  ags.  sadol,  Lag.  sadele,  ae.  sadel,  ne.  säd'dle; 
ags.  reedels,  ne.  riddle;  ags.  adese,  ne.  äd'dice.  —  Ags.  cycen,  ae. 
ne.  chick'en;  ags.  ficol,  ne.  fick'le;  ags.  sücan,  ne.  sück;  ags.  «g, 
ne.  egg.  —  Ags.  grses.  Lag.  graes,  Orm  gress,  KG.  gras,  me.  gras, 
ne.  gräss;  ags.  glses,  ne.  glass;  ags.  braes,  ne.  bräss;  ags.  blösma,  nags. 
blosme,  ae.  blosme  bloseme,  ne.  blossem.  • —  Besonders  zahlreich  sind 
die  Verdoppelungen  bei  Mau.,  wie  ags.  asppel,  ae.  apple,  Mau.  appelle 
appulle,  ne.  äp'ple.  Ebenso  haselle,  devylle,  brydille,  mortalle, 
cruelle,  swanne,  sinne,  skinne  etc.  Ne.  hä'zel,  dev'il,  bri'dle,  mörtal, 
cruel,  swan,  sin,  skin.  Selbst  Sh.  Momms.  hat  noch  viele  Verdopp- 
lungen, die  sich  jetzt  vereinfacht  haben,  wie  sonne,  fanne,  pinne, 
runne,  starre,  incke,  widdow,  dogge,  catte,  hasill,  cruell  etc. 

Auch  im  Komanischen  ist  oft  Verdopplung  hinter  kurzem  Vocale 
eingetreten,  wie  afrz.  momie,  ne.  müm'my.  Afrz.  maniere,  ae.  maner, 
ne.  män'ner;  afrz.  chenil  (canile),  ne.  chen'nel;  afrz.  limier,  ne.  lim- 
mer;  —  afrz.  galoper,  ne.  gäl'lop;  ae.  jolif,  ne.  jölly;  afrz.  querele, 
ae.  quarel,  ne.  quarrel;  afrz.  arayer,  ae.  aray,  me.  araye,  ne.  arräy'; 
frz.  marier,  ae.  marie,  ne.  mär'ry;  —  me.  gebat  iebat,  ne.  gib'bet; 
afrz.  ruban,  ne.  rib'bon;  afrz.  souper,  ae.  soupere,  ne.  süp'per;  frz. 
poupee,  ne.  püp'py;  frz.  plaintif,  ne.  pläin'tifif;  afrz.  baillif,  ne.  bäi'liff; 
afrz.  chapelle.  Lag.  chapel,  me.  chapelle,  ne.  chäp'el;  —  afrz.  matere, 


Metathese.  147 

ne.   mät'ter;   afrz.    gloton,   iie.    glüt'ton;    molton,    müt'ton;    —    109011,  §.   195. 
les'soii;  cisoire,    scis'sors;   harnas ,  här'ness;    abreger,   ae.  abrege,  ne. 
abridge,  und  sehr  oft. 

In  späteren  Perioden  haben  sich  manche  Verdoppelungen  aus  §.  196. 
Assimilation  herausgebildet,  wie  Lag.  leof-mon  leue-mon  (lemman) ,  ob- 
gleich sich  kein  ags.  leof-man  vorfindet,  ae.  me.  lemman,  ne.  le'man. 
—  Ags.  hlaf-ma3sse  hla-maes,  RG.  lammasse,  ne.  läm'mas.  —  Holl. 
hang-mack,  ne.  häm'mock.  —  Ae.  barlest,  ne.  bällast.  —  Ags.  stige- 
räp,  ne.  stir'rup.  —  Ags.  god-sibb,  ae.  godsib,  ne.  gös'sip.  —  Süd- 
seaxan,  ae.  Souj^sex,  ne.  Süs'sex.  —  Ebenso  im  Romanischen:  frz. 
plombier,  ne.  plüm'ber  plüm'mer.  —  Afrz.  banderolle,  ne.  bänd'rol 
bän'nerol.  —  Afr.  garnison.  me.  garnison  Gh.,  ne.  gär'rison.  —  Afrz. 
trestal,  ne.  trest'le  tres'sel.  —  Ae.  noursle,  ne.  nüz'zle. 


Fünfter    Abschnitt. 

Metathese. 

Lautliche  Verwandtschaft  der  Laute  und   Bequemlichkeit   in   der  §.   197. 
Aussprache    haben    die   Umstellung    mancher   Consonanten    veranlalH. 
Am  beweglichsten  zeigen  sich  die  Liquiden  und  unter  diesen  r. 

R.  Schon  im  Ags.  stehen  zwei  Formen  neben  einander,  wie  bird 
brid  (Vogel) ,  worhte  wrohte  (wirkte) ,  geworht  gewroht  (gewirkt), 
beorht  bryht  (hell),  frost  forst  (Frost),  brinnan  beornan  (brennen), 
rinnan  irnan  eornan  (rinnen),  cresse  cerse  (Kresse).  —  Lag.  worhte 
wrohte,  iworht  iwroht;  briht,  beornen,  irne;  Orm:  bridd,  wrohhte 
wrohht,  brihhte,  fresst,  ernenn.  —  Ae.  und  me.  brid  bridde,  wrohte 
wrogte,  brigt,  frost,  bernen,  rinnen  rennen  ernen,  kerse.  —  Ne. 
bird,  wrought  (ä)  verdrängt  durch  worked,  bright,  fröst,  bürn, 
rün,  cress. 

Das  Ags.  enthält  Metathese :  )7erscan  (ahd.  drescan  dreschen), 
ferse  (frisch,  ahd.  frisc).  —  Orm  )?resshenn  fressh  etc.  —  Ne.  to 
thresh,  fresh. 

Metathese  tritt  erst  nach  dem  Ags.  ein:  ags.  bryd  (Braut),  bred 
(Brett),  fyrhtu  (Furcht),  wyrhta  (Arbeiter),  j^ridda  (dritte),  ]?reotyne 
(dreizehn),  |7ritig  (dreil^ig),  )7uruh  (durch),  J7yrhel  }>yrel  (Oeffnung), 
)?urst  (Durst),    äfsered   (erschreckt).   —   Lag.  brude  bürde,    ]?reottene, 

10* 


148  Metathese. 

§.  197.  |>rittin,  )^urh,  ))urled,  |;urst,  afiered;  Orm  brid.  wrihhte,  )?ridde 
]?rittene  ]7ritti,  );urrh,  );risst,  faeredd.  —  Ae.  me.  brude  bride,  frigt, 
)7ndde  j^rittene  )mtti,  ]mYi\,  jnrst  p»urst,  aferid.  —  Ne.  bride,  böard, 
frlglit,  wriglit,  third  tliir'teen  thir'ty,  thröugh ,  tbirl ,  thirst,  afräid. 
Vielleicht  wirkte  bei  letzterem  afrz.  effreier  ein. 

Ebenso  in  roman.  Wörtern:  lat.  frumentum,  afrz.  fromentie  und 
formentie,  neue,  fru'menty  für'menty;  —  frz.  proposer,  alte,  porpos, 
neue,  pür'pose;  —  afrz.  bordel,  neue,  bör'del  bröth'el;  —  ital.  granato, 
neue,  granate  gär'net;  —  lat.  crocodilus,  mittele,  cokodrill  Mau.,  neue, 
cröc'odile. 

Auch  in  den  Bildungssilben  er,  ary,  ory  tritt  vorübergehend 
Metathese  ein:  lat.  numerus,  afrz.  nombre,  alte,  noumbre,  neue, 
nümber;  —  latein.  minister,  afrz.  ministre,  mittele,  ministre,  neue, 
min'ister;  —  lat.  intrare,  afrz.  entrer,  alte,  entre,  neue,  en'ter.  — 
Selten  ist  Metathese  geblieben,  wie  in  mäs'sacre,  sep'ulchre ,  the'atre. 
—  Auch  deutsche  Wörter  hatten  eine  Zeitlang  diese  Form,  wie  ags. 
fseder,  im  Ae.  und  me.  fadere  fadre,  neue,  fäther. 

Die  Endungen  lat.  orius,  arius  werden  im  Frz.  oire  und  aire,  ere 
bleiben  zum  Theil  im  Engl,  und  werden  erst  im  Ne.  zu  ory  und  ary: 
lat.  adversarius,  afrz.  adversarie  und  adversier,  alte,  adversere  adver- 
sarie,  ne.  äd'versäry;  —  lat.  Januarius,  afrz.  Jan  vier,  alte.  Jenyuer 
RG.  S606,  neue.  Jän'uäry;  —  lat.  historia,  afrz.  histoire,  alte,  his- 
torie,  neue,  hist'ory  störy. 

In    den  Dialecten    sind  Metathesen    sehr  zahlreich,    wie   in  Som. 
dirsh,  birsh,  hirsh  für  thrüsh,  brüsh,  rüsh.     Bosw. 
§.  198.  Hw  im  Ags.  ist   zu  wh,   aber  nur  in   der  Schrift,   nicht  in    der 

Aussprache  geworden,  s.  §.   137. 

S    verändert   seine    Stellung    in   in-    und    auslautendem    sc,    sp, 
s.  §.   143. 
§.  199.  Grn  läßt  selten  Umstellung  zu:  ags.  ];egen  ]>egn  )?eng  }>en,    Lag. 

J?ein,  neue,  thane.  —  Aehnlich  wird  frz.  gn  zu  ni:  frz.  mignon,  neue, 
min'ion;  —  afrz.  compaignon,  neue,  compän'ion;  frz.  poignard,  ne. 
pön'iard;  —  afrz.  caroigne,  Mau.  careyne,  neue,  cär'rion. 

Selten  wechseln  Buchstaben  in  verschiedeneu  Silben ,  wie  das 
oben  angeführte  mittele,  cokodrille;  —  ags.  citeljan,  neue,  tick'le;  — 
ital.  gerofilo  (careophyllus) ,  frz.  girofle ,  mittele,  gilofre  Ch.  und  dies 
dehnt  sich  im  Ne.  zu  scheinbarer  Composition  gil'liflöwer. 


149 
DrittesBuch. 

Acceiituation. 

Der  Acceut  ist  der  geistige  Hauch,   der  die  Sprache  durchdringt  §.  200. 
und  belebt,   die  Kede,   den  Satz  und    das  einzelne  Wort.      Er  ist  da- 
her dreifach,   Accent  der  Eede   oder   rhetorischer,   Accent  des  Satzes 
oder  syntaktischer,  und  Accent  des  Wortes  oder  etymologischer.    Hier 
kömmt  nur  der  letztere  in  Betracht. 

Das  Wort  enthält  gewöhnlich  drei  Elemente:  Stamm,  Bildungs- 
silbe und  Flexion.  Der  Stamm  ist  die  eigentliche  Substanz  des  Wor- 
tes, die  Bildungssilbe  gestaltet  die  Substanz  zu  einer  bestimmten 
Begriffsform  und  die  Flexion  bezeichnet  Beziehung  und  Verhältnis 
dieser  letzteren.  Diese  Elemente  mögen  nach  ihrem  Werthe  nächst  den 
Lauten  selbst  auch  im  Tone  den  bezeichnenden  Ausdruck  gefunden 
haben.  Aus  der  Mannigfaltigkeit  mag  sich  dann  die  Einförmigkeit, 
aus  der  bequemen  Freiheit  mag  sich  die  Beschränkung  herausgebildet 
haben,  die  in  den  verschiedenen  Zweigen  des  indo-germanischen 
Stammes  hervortritt.  Warum  hier  der  Accent  auf  der  ersten  Silbe 
sich  festgesetzt  hat,  warum  er  dort  sich  auf  die  drei  letzten  Silben 
beschränkt,  warum  er  im  Germanischen  logische  Bedeutung,  im 
Romanischen  euphonische  erlangt  hat,  das  wird  sich  schwer  ermitteln 
laßen. 

Nach  den  Elementen  der  englischen  Sprache  stellen  sich  besonders 
zwei  Accentuationsgesetze  im  Englischen  gegenüber,  das  deutsche, 
welches  im  Ags.  gilt,  und  in  dem  fremden  Sprachstoffe  besonders  das 
französische,  das  mit  dem  Normannischen  eindringt. 


Erster   Abschnitt. 

1)  Deutsche  Accentuation. 

Im  Ags.  ist   der  Accent  nicht   bezeichnet,   rhythmisch  gemel^ene  §.  201. 
Dichtungen  besitzt  es  nicht.    Die  einzigen  Anhaltpuncte  für  Bestimmung 
des  Accents   gibt  der  Reim,    die   Alliteration   und    die  weitere 
Entwicklung  des  Wortes. 

Der  Reim  ist  im  Ags.  selten,   er  findet   sich   in   dem  Reimliede  §.  202. 
des  Cod.  Exoniensis.     Hier  steht  er  in  derselben  Ausdehnung,  wie  im 


150  Deutsches  Accentuationsgesetz. 

§.  201.  Deutschen.  Er  ist  1)  einsilbig:  onläh  onwräh,  gläd  bräd,  lad  bigläd, 
räd  gebüd,  öl  ealdorstöl,  gOl  of-öl,  gear  snear,  hreoh  sceoh,  und  ruht 
stets  in  der  Stammsilbe;  —  2)  zweisilbig:  ssegon  älsegon,  geftegon 
weegon,  wongum  gongum,  longum  getongum ,  gengdon  mengdon,  gej^yhte 
myhte,  scearpe  hearpe,  dryhtlic  hyhtlic  etc.  Der  Reim  ruht  hier  in 
der  Stammsilbe  und  der  beigefügten  Bildungs-  und  Flexionssilbe;  — 
3)  dreisilbig:  hlynede  dynede,  swinsade  minsade,  flödade  gödade, 
maegnade  faegnade,  gearwade  hwearfade,  eacnade  weacnade  etc.  und 
auch  hier  hebt  er  im  Stamme  an.  Der  Reim,  wenn  er  seinem  Wesen 
nach  nur  in  der  betonten  Silbe  ruhen  kann,  weist  als  betont  den 
Stamm  nach. 

Ebenso  kann  die  Alliteration  nur  in  der  Hebung  stehen,  wenn 
sie  ins  Ohr  fallen  soll  und  auch  diese  bezeichnet  den  Stamm  als  die 
betonte  Silbe. 

§.  202.  Am    unzweifelhaftesten    aber    wird    der   Stamm   als  betont  nach- 

gewiesen durch  die  weitere  Entwicklung,  die  das  Wort  erhalten 
hat.  Vorgeschobene  Silben,  angefügte  Bildungs-  und  Flexionssilben 
verklingen  oder  verschwinden  gänzlich,  nur  die  Stämme  bleiben  und 
diese  müßen  daher  betont  gewesen  sein.  —  1)  Ags.  sittan  (sitzen),  nags. 
Sitten,  ae.  sitten  sitte,  ne.  to  sit;  —  ags.  we  sseton  (salben),  nags., 
sseten,  ae.  säte,  ne.  sat;  —  ags.  he  leofad '(er  lebt) ,  nags.  leoued,  ae. 
liveth ,  ne.  liveth  lives.  —  Ags.  Gen.  Sg.  dseges  (Tages) ,  nags.  daeges 
ae.  dayes,  ne.  day's;  ags.  Nom.  PI.  dagas  (Tage),  nags.  daeges,  ae. 
dayes,  ne.  days.  —  2)  Ags,  nama  (Name),  nags.  name,  ae.  ne.  name; 
— ■  Ags.  steorra  (Stern),  nags.  steorre,  ae.  sterre,  ne.  stär;  —  ags. 
lufu  (Liebe),  nags.  lufe,  ae.  loue,  ne.  löve;  —  ags.  sadol  (Sattel), 
nags.  sadele,  ae.  sadel,  ne.  sad'dle;  —  ags.  monad  (Monat),  nags. 
moned,  ae.  moneth,  ne.  month;  —  ags.  hamor  (Hammer),  nags.  hamer, 
ae.  hamer,  ne.  häm'mer;  —  ags.  heofon  (Himmel),  nags.  heouone, 
ae.  heven,  ne.  heav'en;  —  ags.  fugol  (Vogel),  nags.  fogol  fowel,  ae. 
fowel,  ne.  föwl;  —  ags.  heorot  (Hirsch),  nags,  heort,  ae.  hert,  ne. 
heärt;  —  ags.  hafoc  (Habicht),  nags.  hafeke,  ae.  hauek,  ne.  häwk; 
—  ags.  heäfod  (Haupt),  nags.  hefed,  ae.  heued  hefd  hed,  ne.  head. 
§.  203.  I.     Man  kann   daher  als  ags.   Betouungsgesetz   für  das    einfache 

Wort  aussprechen:   der  Stamm  hat   den  Ton  vor  der  Flexions- 
und der  Bilduugssilbe.  4 

Diesem  Gesetze  sind  auch  die  fremden  Wörter  unterworfen,  welche 
im  Ags.  aufgenommen  werden:  antecrist  (die  Compositionen  fühlte 
der  Ags.   nicht),   ancor  (Einsiedler),    arcebiscop    (Erzbischof),   aelmesse 


Accentuation  einfacher  Wörter.  151 

(Almosen),  ele  ale  al  (Oel),  euyel  (Engel),  organ  (Orgel),  ymne  (Hymne),  §.  203. 
mxssQ  (Messe),  munec  (Mönch),  mynster,  nunne  (Nonne),  regol  (Regel) 
papa  (Papst),  pell  pu3ll  (Mantel),  purpur  (Purpnr),  portic  (Säulen- 
halle), preost  (Priester),  biscop,  calic  (Kelch),  candelle  (Licht),  circe 
(Kirche)  etc.  Denn  die  Alliteration  steht  in  der  ersten  Silbe  und 
die  Verkürzung,  die  in  manchen  eintritt,  lälH  die  erste  Silbe  betont 
erscheinen;  oelmesso  selm  Exon.  297,  13,  munec  munc,  calic  calc, 
candelle  candel,  cliroc  clirc  clerc.  Wenn  das  fremde  Wort  solcher 
Betonung  widerstrebt,  so  unterliegt  es  weniger  einer  Ausnahme  als  einer 
Umbildung  und  lat.  epistola  wird  ags.  pistol  und  Nicomedia  zu  Com- 
media.  Daneben  steht  aber  auch  apostol,  das  auch  in  Durh.  und  bei 
Orm  zu  posstell  wird. 

Dasselbe  Gesetz  bleibt  auch  in  der  folgenden  Periode  für  den  §.  204. 
deutschen  Sprachstoff  mal^ebend  und  selbst  die  eingebürgerten  Fremd- 
wörter sind  bei  Lag.  demselben  unterworfen,  wie  dies  unverkennbar 
aus  der  Wortform  hervorgeht:  ags.  ancor  (anachoreta),  nags.  anker, 
päpa  pape,  purpur  purpre,  engel  angle,  chirche,  clerc;  ags.  timpana, 
nags.  timpe. 

Orm,  der  in  Bezeichnung  der  Quantität  sehr  genau  ist,  zeigt  bei 
rhythmischer  Lesung  ein  überraschendes  Schwanken  in  der  Betonung, 
wie  Godd'spell  56.  und  goddspell'es  58,  affterr'  33.  aff'terr  99, 
inntiir  306.  inn'till  234,  wifmann'  291.  Bei  genauerer  Betrachtung  aber 
erklärt  es  sich.  Es  macht  sich  nämlich  der  Ehythmus  geltend  und 
dieser  drängt  den  Ton  auf  die  weniger  tonreiche  Silbe,  daher  aff'terr 
und  aff-terr';  ferner  betont  Orm,  um  bei  Dreisilbigen  nicht  den  Ton 
auf  auslautendes  e  fallen  zu  laßen,  lieber  die  schwerere  Mittelsilbe: 
Enn'glissh  322,  331.  und  Enn'glissh  113,  Enngli'sshe  306,  308,  317,  322. 
wissli'ke  167.  rihhtwi'se  menn'  annd  go'de  118.  ]7urrh  hiss'  profe'tess 
tun'ge  260.  annd  ]7urrh'  )?a  j^re'  bennkinn'gess  iss'  15238.  Viersilbige 
haben  dann  zwei  Hebungen,  wie  ]7att  drun'kennes'se  foU'gheJ?)?  166.  — 
)7e  troww']?el8e'se  leo'de  188.unngo'de  annd  unn'rihhtwi'se  9708.  Dasselbe 
rhythmische  Element  macht  sich  auch  in  fremden  Namen  geltend :  annd 
tu  shallt  nemm'nenn  himm'  Johann'  157.  upponn'  Hero'des  kin'gess 
dagg'  257.  —  annd  sij^'l^en  warr]?'  Ely'zabaeth'  231.  off  A'aro'ness  dohh'- 
tress  114. 

Im  Ae.  und  Me.  übt   zwar   das  französische   Accentuationsgesetz  §.  205. 
einen  entschiedenen  Einflul^  auf  den  deutschen  Sprachstoff  aus,  sodaß 
der  Reim  bisweilen  in  den  Bildungssilben  liegt,  wie  bei  RG.  wisli'clie 
baldeli'che  435,  begynnyng'endyng'  737,  destres'se  wildernes'se  3020. 


152  Accentuation  einfacher  und  zusammengesetzter  Wörter. 

§.  205.  ydelnis'se  wytnys'se  4011,  fjkel'le  mykel'le  PL.  751.  lufly'  body'  637 
und  sogar  in  dem  ie  des  Infinitivs  askie'  alio'  491.  Ebenso  bei  Gh.: 
siknes'sG  ricliesse  1258.  gladnes'se  distresse  1253.  tapste're  beggere  241 
etc.,  mille're  544,  im  Rhythmus:  sitting'  2030.  etc.;  diese  Endungen 
erinnern  an  die  franz.  -esse,  -ore  und  ant.  Auch  Sp.  zeigt  noch  bis- 
weilen dieselbe  französische  Einwirkung,  im  Reime:  blowes  shallow'es  3, 

4,  9.  lightning'  3,  12,  2.  things  tidings  2,  7,  23.  so'iourning'  living'  2,  5, 
28.  come  boso'me  4,  11,  43  etc.,  und  im  Rhythmus:  with  dread'full 
thun'der  and'  lightning'  atwix't  3,  12,  2.  —  the  wea'rie  trav'eller' 
wandring'  tliat  way'  2,  5,  30.  of  Phaedria,  thine  ow'ne  fellow',  ser- 
vaunt'  2,  6,  9.  yet  was'  admi'red  much'  of  fool'es  women'    and   boys 

5,  2,  30.  bis  sno'wy  front'  curled'  with  gol'den  hear'es  2,  8,  5. 

Allein  im  Ne.  haben  sich  diese  Formen,  die  vielleicht  nur  der 
frühere  dichterische  Gebrauch  schwanken  liel^,  wieder  befestigt  und 
das  alte  Accentuationsgesetz  gestattet  keine  Ausnahme:  to  lo've,  lov'- 
est,  lov'-eth,  lov'-er,  lov'-ing,  lov'-ing--ly ,  lov'e-ly,  lov'e-li-ness.  We- 
der Flexion,  noch  Bildungssilbe  verändern  den  auf  dem  Stamme 
ruhenden  Accent. 

§.  206.  IL  In   den   Gompositionen  (vorerst   ist   von   denen   mit  Par- 

tikeln abzusehen)  liegt  der  Ton  auf  dem  ersten  Worte,  das 
specialisieren  d  zu  dem  zweiten  generellen  tritt.  Denn  das 
ist  das  Betonungsgesetz  im  Deutschen  überhaupt,  und  wird  als  im 
Ags.  gültig  nachgewiesen  1)  durch  die  Alliteration:  in  den  Substan- 
tivcompositionen :  wuldor-cyning  (ruhmreiche  König)  G.  1,3.  wite-hüs 
(Strafhaus,  Richthaus)  3,  21.  heofon-stölas  1,  15.  heäh'-gesceafta  (Hoch- 
geschöpf) 1,  8. —  in  Adjectivcompositionen:  söd-faest  (wahrhaftig)  1,17. 
swegl-torht  (licht  wie  der  Himmel)  2,  33.  J7rym-fsest  (glorreich)  2,  7. 
—  in  Pronominalcompositionen:  seghwa  (jeder)  Exon.  219,  24.  seghwilc 
(jeglich)  293,  25.  seghwseder  (jeder  von  zweien)  G.  183,  21.  —  2)  durch 
die  weitere  Entwicklung  der  Gomposition.  Wenn  auch  im  Allgemeinen 
die  Elemente  sich  neben  einander  erhalten  wie  Ags.  heäfod-burh 
headborough,  heäf'od-man  headman,  heäh'-scir-gerefa  high-sheriff  etc., 
fliel^en  doch  auch  manche  zusammen  und  so,  dali  die  erste  Silbe  be- 
tont gewesen  sein  mul^.  Ags.  hea'h-fore  hea'fre,  ne.  heifer.  —  Ags. 
wifman  wimman,  Lag.  wifmon  wimmon  wimon  (womman),  ae.  wiman 
woman,  ne.  wo'man.  —  Ags.  wig-bed  (Götterbett,  Altar),  wi-bed  weo- 
fod,  Lag.  weofed  weofd  wefd.  —  Ags.  Eofor-wlc,  Lag.  Eouwer-wic 
(Euerwich),   Eouerwike  RG.  Euerwik  37.  York  PL.  7340.  1859.  1884. 


Accentuation  der  Compositionen.  153 

Ne.  York.   —  Ags.  ^ghwaider  ^gder,    Lag.    aeider,    Orm   eggl?er,   ae.  §.  206. 
ey]?er,  ne.  either. 

Dai^  der  Reim  bisweilen  in  dem  zweiten  Worte  liegt,  wie  ealdor- 
stöl  (Herrschersitz)  öl,  Sfege  sincgewivge  beweist  nichts  dagegen,  da 
die  dazwischen  liegende  Senkung  den  Ton  auch  am  Ende  hervor- 
treten lielX 

Bei  Orm  wirkt  (s.  o.)  auch  hier  der  Rhythmus  ein  und  im  Ae. 
und  Me.  macht  sich  bisweilen  franz.  Aussprache  geltend:  Yrlo'nde 
Scotlande  RG.  32.  com  kyndom'  196.  kindom'  wysdom'  1879.  lordles' 
faderles'  2996.  Norwey'  ey'e  2260.  Leyces'tre  Wircestre  37; 
ferner  im  Rhythmus :  trouthe  and'  honour',  fredom'  and  courtesie.  Gh. 
46.  ther  n'as'  quicksil'ver,  lit'arge,  ne  brimston'  (Reim:  non).  631.  ful 
soth'e  is  sayde,  that  lov'e  ne'  lordship'.  1627.  ycrow'  window'.  3358. 
—  Auch  Sp. :  Saint  Georg'e  of  mer'y  England',  the  sig'ne  of  victoree. 
1,  10,  61.  and  in'their  ent'railles,  füll'  of  quick' brimston'.  2,  10,26, 
the  Wide'  kingdo'me  of  Love  with  lordly  sway.  4,  10,  42.  to  be'  cap- 
ti'ved  in'  endles'se  durauuce.  3,  5,  42. 

In  neuenglischen  Compositionen  liegt  der  Ton  gewöhnlich  auf  dem  §.  207. 
ersten  Worte:  1)  in  Substantivcompositionen:  day'-light,  ink'- 
horn,  sand'-box,  son'-in-law,  fath'er-in-law,  high'-priest,  grand'-father, 
red'-breast;  draw'-bridge,  wash'-leather,  draw'ing-room,  wri'ting-book; 
two'-pence,  six'-pence,  half'-way;  he'-cat,  she'-wolf,  self'love.  Einige 
Abweichungen  führt  Walk,  an,  wie  dirt-pie',  hobgob'lin  (hob'goblin  Wb.), 
north-east',  north-west';  tom-tit',  jack— pud'ding,  jack-boots'  etc.  erin- 
nern an  Eigennamen.  Ferner  free-think'ea  (-boo'ter,  -will'),  green- 
broom'  (-ga'ge,  -sick'ness),  red-lead',  black-lead',  black-rod',  evil-do'er 
(-speak'ing,  -wish'ing).  Man'kind  heilet  männliches  Geschlecht,  man- 
kind'  (Menschengeschlecht).  —  2)  In  Adjectivcompositionen: 
lov'e-sick,  head'strong,  heed'ful;  red'hot,  stark'-mad;  two'-handed, 
o'ne-eyed,  old'-fashioned.  Die  participialen  Nachbildungen  behalten 
oft  den  Ton  trotz  des  vorstehenden  Adjectivs:  evil-fa'voured  (rai'nded), 
free-foo'ted  (-mi'nded,  -spo'ken),  good-condit'ioned,  hard-heart'ed  (-la'- 
boured,  -mouth'ed),  left-hand'ed ,  short-sight'ed.  Es  herrscht  hier, 
wie  oben,  mehr  das  attributive  VerhältnilJ  als  das  der  Composition. 
Ebenso  in  den  Pronomen  my-self,  thy-self,  him-self  etc.  —  3)  in 
Verbalcompositionen,  to  bo'neset,  to  ship'-wreck,  to  main'swear, 
to  back'bite;  to  new'dress,  to  blind'-fold,  to  new'-model,  to  back'slide 
A.,  Ent,  Sc,  Per.,   Sh.,  aber  to  back-sll'de   J.  W.  Ja.  Wb.  Wrc.  Sm. 


154  Acccntuation  der  Verhärtungen. 

§.  208.  III.     Die    Compositionen     mit    Partikeln    zeigen    schon    im    Ags. 

ziililreiclie  Ausnahmen. 

Aus  denselben  sind  aber  zuerst  die  scheinbaren  Compositionen, 
die  eigentlichen  Verhärtungen  auszuscheiden.  Der  Unterschied 
von  Composition  und  Verhärtung  beruht  auf  dem  von  Adverb  und 
Präposition.  Das  Adverb  ist  für  sich  selbständig,  denn  es  ist  eigentlich 
nur  eine  grammatische  Form  des  Substantivs,  Adjectivs,  Numerais 
oder  Pronomens;  die  Präposition  ist  abhängig  und  ergänzt  oder  er- 
setzt die  Befähigung  zur  Eection.  Jenes  enthält  einen  begrifflichen 
Inhalt  oder  deutet  ihn  an,  diese  bezeichnet  nur  die  äußeren  Verhält- 
nisse eines  Norainalbegriffs.  Jenes  kann  nicht,  diese  muß  ein 
Rectum  haben.  Das  Adverb  erscheint  daher  als  der  passendste  Begleiter 
des  Verbalbegriffs,  dem  es  ein  besonderes  Merkmal  beifügt,  ohne  es 
in  seiner  Formenbildung  zu  beeinträchtigen;  die  Präposition  dagegen 
steht  vor  dem  Nominalbegriffe ,  bringt  diesem  keinen  neuen  Inhalt  zu 
und  bedingt  ihn  in  seiner  Form.  Jene  Verbindung  ist  Composition, 
diese  Verhärtung.  Letztere  hat  dieselbe  Betonung,  als  ob  die  Präpo- 
sition noch  lose  davor  stünde,  nämlich  der  Accent  ruht  auf  dem 
Nomen,  nie  auf  der  Partikel.    Daher  ags.  aet-som'ne  (zusammen)  C.  10, 

25.  3et-ga'dere  (zusammen)  Exon.  64,   12.  tö-so'mne  (zusammen)  C.  245, 

26.  on  weg'  aweg  (weg),  of-dü'ne  adü'ne  (hinab),  bi-sid'an  (bei  Seite), 
on-bsec  (zurück),  on-mid'dum  (mitten),  tö-dse'ge  (heute),  tö-nih'te 
(nachts)  etc.  Die  Präpositionen,  welche  noch  lose  stehen,  lehnen  sich 
an,  befestigen  sich,  werden  lautlich  schwächer  und  fließen  mit  dem 
Eectum  zusammen:  on  weg',  aweg,  0.  awegg,  RG.  awey,  ne.  away'; 
of-düne  adüne,  Lag.  adune,  EG.  adoun ,  ne.  adown'  down;  on  baec, 
Lag.  abac,  Wycl.  abak,  ne.  a-back'  back;  to-daege,  Lag.  fo-daeie  adaei, 
0.  to-dagg,  ne.  to-day';  to-nih'te.  Lag.  anihte  to-nihte,  ae.  to-nygt ,  ne. 
to-night' ;  ags.  bi  sidan.  Lag.  bisiden,  ne.  besid'e;  ags.  on  middum, 
ae.  amidde,  ne.  a-mid'  und  sehr  viele  andere. 

§.  209.  Anders   ist   die  Betonung   der  Composition.     Sie   hängt  mit   der 

Bedeutung  der  Partikel  zusammen  und  verläuft  im  Deutschen  im 
Allgemeinen  folgendermaßen. 

Ursprünglich  steht  das  Adverb  lose  daneben,  Stellung  und  Wort- 
form bezeichnen  die  Zusammengehörigkeit.  Hier  hat  die  Partikel  den 
stärkeren  Ton,  weil  sie  den  allgemeinen  Begriff  specialisiert:  ford 
heran  (fort  tragen).  Die  häufige  Wiederkehr  führt  zur  Anlehnung:  ford- 
beran.  Diese  ändert  nichts  in  dem  Verhältniß  der  beiden  Wörter 
zu   einander,   sie  ist  nur  ein   äußeres  Zeichen  der  Zusammengehörig- 


Accentuation  der  Compositionen.  155 

keit.  Die  Bedeutiing-  ist  noch  so  rege ,  dali  eine  Trennung-  von  der  §.  209, 
Yerbalform  nicht  blos  möglich,  sondern  in  bestimmten  Fällen  gewöhn- 
lich ist.  Zwar  schwankt  hier  im  Ags.  der  Sprachgebrauch.  Die  ge- 
drängte Sprache  des  Dichters  hält  die  Composition  mehr  zusammen. 
Der  Prosaiker  dagegen  läi^t  die  Partikel  mehr  hervortreten.  Ueber- 
haupt  löst  sie  sich  gerne  wieder  aus  der  Composition:  1)  wenn  die 
Bedeutung  der  Partikel  durch  besondere  Zusätze  weiter  ausgeführt 
wird:  äban  jm  ]ni  beornas  üt  of  ofne  (befiehl  die  Männer  aus  dem 
Ofen)  C.  242,  34.  gangende  in  tö  )?äm  hüse  Mt.  2,  11  (eingehend  zu 
dem  Hause),  ähöf  upp  tö  heofonum  (erhob  sich  auf  zum  Himmel) 
Bed.  1,  7.  üt  fram  him  eodon  (aus  von  ihm  giengen)  4,  3.  —  2)  im 
Part.  Pass.  und  im  präpositionalen  Infinitiv.  Zwar  entbehrt  gewöhn- 
lich das  einfache  Verb  der  Partikel  ge-  als  Bildungsmittel  des  Far- 
ticips ,  daher  kann  es  auch  in  der  Composition  fehlen.  Allein  wenn 
ge  eintritt,  so  stellt  sich  die  Compositionspartikel  vor  dasselbe:  in 
gelseded  (eingeleitet)  Bed.  4,  9.  eft  geladod  (wieder  geladen)  4,  15. 
ford  geleeded  (fort  geführt)  4,  19.  up  geboren  (hinaufgetragen)  4,  23. 
Mehr  noch  tritt  die  Lösbarkeit  der  Partikel  im  Infinitiv  hervor,  indem 
diese  vor  die  Präposition  tritt:  in  tö  gesettanne  Bed.  4,  22.  in  tö 
settanne  5,  12.  on  tö  timbrianne  5,  20.  on  tö  lifianne  5,  23  =  ein- 
zusetzen, aufzubauen  etc. 

Solche  Anlehnungen  führen  nach  und  nach  zu  engern  Verbindungen. 
Die  Bedeutung  der  Partikel  schwächt  sich,  die  Composition  wird 
zum  einfachen  Begriff,  die  Partikel  zu  einem  Theile  desselben  und 
verbindet  sich  so  eng,  dal^  sie  sich  unter  allen  Verhältnissen  nicht 
mehr  trennt.  Mit  der  Bedeutung  geht  der  Ton  verloren;  ic  ä-rise 
(stehe  auf,  erstehe). 

Hat  ein  Verb  diesen  Bildungsgang  durchschritten,  so  wiederholt 
sich,  nach  den  vorliegenden  ags.  Formen,  der  Compositionsproceß 
zum  zweitenmal,  wenigstens  in  seinen  Anfängen,  sodal^  die  nicht  mehr 
fühlbare  Partikel  eine  zweite  noch  fühlbare  vorschieben  läl^t,  wie  in- 
on-sendan  (hinein  senden),  Exon.  266,  27.  ongeän-ge-lsedan  (zurück- 
geleiten), agen-be-wendan  (umkehren),  efne-ä-risan  (zusammen  aufstehen), 
efne-be-deccan  (bedecken)  Durh.,  eft-ä-gifan  (zurückgeben),  eft-ge-cigan 
(zurückrufen),  ford-ge-clypian  (hervorrufen),  ford-ge-witan  (hervorgehen), 
from-ä-drifan  (vertreiben),  from  -  ä  -  waeltan  (wegwälzen),  from-ge- 
began  (abbiegen)  Durh.,  on-ä-bläwan  (einblasen),  on-ä-sendan  (hinein- 
senden), on-ä-geotan  (hineingiel^^en) ,  on-be-leedan  (einführen),  on-ge- 
niman  (wegnehmen),  of-ge-drincan  (wegtrinken),   ofer-ä-written  (Ueber- 


156  Accentuation  der  Composilionen. 

§.  209.  Schrift  Duiii.),  ofer-ge-säwan  (darübersäen),  ofer-ge-bringaii  (hinüber- 
bringen),  tö-i^e-lsedan  (hinzuführen),  tö-ge-byrian  (dazugehören),  up-a- 
stellan  (aufstellen),  up-ä-stigan  (aufsteigen).  Oder  die  eine  Partikel 
ist  gänzlich  mit  dem  Verb  zusammen  geflol^en  und  deshalb  kann  eine 
zweite  unbetonte  vortreten:  ä-b-linnan  (aufhören),  ä-be-)?eccan  (bedecken), 
ge-and-swarian  (antworten) ,  ge-un-treowsian  (sich  ärgern). 

Auf  diesem  Bildungsgange  durch  Selbständigkeit,  Anlehnung  und 
Verschmelzung  setzen  sich  neue  Substantiven  und  Adjectiven  ab.  In 
diesen  entspricht  die  Partikel  der  des  Verbs  auf  der  Stufe,  auf  welcher 
die  Bildung  sich  setzte,  sodai-^  die  Partikel  in  der  einen  Wortart 
betont  sein  kann,  während  sie  in  der  andern  unbetont  geworden  ist. 
Daher  hat  oft  das  Nomen  die  Partikel  betont,  während  das  Verb  sie 
tonlos  werden  läßt. 

§.  210.  Die   Kennzeichen   der   Betonung   sind   Alliteration   und   Trennbar- 

keit. 1)  Alliterierend  sind:  and,  sefter,  eft,  ed,  fore,  ford, 
from,  hider,  in,  hin,  mid,  mis,  nider,  ongeän,  up,  üt, 
wohl  auch  efne;  nicht  alliterierend:  ä,  ge,  for,geond;  schwankend: 
set,  an,  of,  ofer,  on,  tö,  under,  )7urh,  wid,  ymb.  —  2)  Trenn- 
bar sind:  sefter,  efne,  eft,  fore,  ford,  from,  hider,  hin,  in, 
mid,  nider,  ongeän,  up,  üt;  untrennbar:  ä,  and-,  set,  bi  bi 
be,  ed,  for,  ge,  or,  öd,  ]7urh,  wid,  wider,  ymb.  Es  treffen 
daher  beide  Kennzeichen  zusammen  in  aefter,  eft,  fore,  ford, 
from,  hider,  in,  mid,  nider,  ongeän,  up,  iit  und  diese  sind 
als  betont  zu  bezeichnen.  Unbetont  sind,  weil  untrennbar  und  nicht 
alliterierend:  ä,  ge,  for.  Schwankend  sind:  aet,  and,  bi,  ed,  of, 
ofer,  on,  or,  tö,  un,  under,  wid,  wider,  ymb,  )?urh,  und 
diese  sind  weiterer  Feststellung  bedürftig. 

§.211.  A.    1)   ^t  (bei),   im  Ags.  und  Got.  nur  Präposition,   daher  un- 

betont in  Verhärtungen,  wie  set-gad'ere,  set-for'an,  aet-rih'te,  set- 
som'ne.  Lag.  at-for'en  a-for'en,  arih'te,  at-som'ne  EG.  atvor'e,  ariht'. 
Ne.  afore  (vielleicht  auch  von  ags.  onforan),  aright'.  Es  ist  selten  in 
Composition,  und  alliteriert  in  Verbindung  mit  Verben  nicht:  set-feoh- 
tan  (fechten),  C.  127,  25.  Exon.  328,  14.  und  schwächt  sich  bei  Lag. 
schon  oft  zu  a:  at-laded  (aloJ?ed),  at-saken  (asaken),  asterte  (astorte), 
at-stonden  (ästende)  und  verklingt  allmählig  im  Ae.  at-arnen,  at-holden, 
at-sitten,  at-stonden.  —  Li  Substantiven  scheint  es  betont  gewesen  zu 
sein:  set-wist  C.  73,  21.  Exon.  132,  11,  das  sich  aber  weder  bei  Lag. 
noch  Orm  in  Substantivcomposition  findet.  Die  Tonlosigkeit  in  Ver- 
balcomposition mag  den  Verlust  der  betonten  Partikel  veranlaiU  haben. 


Accentuation  der  Composltionen.  157 

And.  Schon  im  Gotischen  stehen  zwei  Formen  neben  einander,  §.  212 
das  vollere  anda  und  das  kürzere  and,  jenes  vor  Nomen,  dieses  vor 
Verben.  Diesen  entspricht  ahd.  and  und  das  schwächere  and,  ent, 
int,  en,  in  und  ebenso  ags.  and  und  on,  (ant-,  ent-).  Beide  thei- 
len,  wie  die  gotischen  Formen,  unter  sich  ihren  Besitz:  and  steht 
vor  dem  Nomen,  on  vor  dem  Verb,  and  steht  in  der  Alliteration,  on 
nicht:  andweorc  (Gegenstand,  Stoff)  C.  11,  16.  andlifene  (Unterhalt) 
57,  25.  andsaca  (Widersacher)  21,  6.  andwlite  (Antlitz)  Exon.  66,  20. 
andlong  (entlang)  B.  4226,  andweard  (gegenwärtig),  ae.  anoward  ono- 
ward, ne.  onward.  Wenn  die  Partikel  and  in  andswarjan  alliterie- 
rend vorkommt,  so  erklärt  das  die  Abstammung  von  andswaru.  — 
Daher  ae.  an'swerien,  ne.  an'swer.  Die  Abweichung  Orms  anndswa're 
S641  und  Ch.  1126  answer'ed  ist  entweder  durch  das  Simplex  sware 
veranlal^t,  oder  durch  die  Dreisilbigkeit.  Vielleicht  weist  noch  das 
alliterierende  andettan  Exon.  269 ,  26  (aus  and-hätjan),  and-hsetan  die 
ältere  Form  nach.  And'long  schwächt  sich  zu  an-long,  verliert  des- 
halb den  Ton,  Lag.  an-long  und  on-longen  aber  ist  offenbar  Verhär- 
tung, ne.  along'. 

Ags.  bi,  big  (bei)  und  bi,  be  (be-),  jenes  alliteriert  in  big-sto- 
dan  B.  6089  und  hat  den  Ton  in  den  Subst.  bi-genga,  bi-spel  etc.,  §.  213. 
allein  big-standad  me,  stränge  geneätas  C.  19,  1.  alliteriert  es  nicht. 
Orm  gebraucht  es  auch  trennbar:  l7att  enngell  stod  himm  bi.  3340.  Da- 
her auch  wohl  in  B.  big  standad.  Ebenso  im  Englischen.  Wir  dürfen 
daher  annehmen ,  dal^  tonloses  bi  (be)  sich  überall  (be'-lief  Ben.  J.) 
n  der  Composition  schwächte,  be-seech,  be-seem  etc.,  während  bedeu- 
tungsvolles bl  in  ne.  by  sich  erhielt:  me.  but  I  let  all  this  storie 
passen  by'.     Ch.  5544.  by'-way,  by'-street,  by'-end,  by'-name  etc. 

Obgleich  ags.  ed  (wieder),  got.  id,  stets  untrennbar  ist,  so  be- 
wahrt ihm  doch  seine  fühlbare  Bedeutung  (wiederum)  die  Alliteration 
und  somit  den  Ton:  edcerr  (Wiederkehr)  C.  293,  7.  edneowe  (wieder 
neu)  20,  25.  edgeong  (wieder  jung)  Exon.  224,  10,  auch  in  ge-edniwian 
(erneuen).  Lag.  hat  es  nur  in  sed-wit  reproach,  im  Engl,  verschwin- 
det es. 

Geond  (über)  mul^  nach  geond-brseded  B.  2479.  geond-folen  §.  214. 
(über  voll)  C.  3,  29.  geond-sendan  (darüber  senden,  ausbreiten)  154, 
6.  etc.  unbetont  sein.  Ein  selbständiges  adv.  geond  kömmt  selten  vor 
wie:  he  löcade  hider  and  geond  (dorthin)  Bed.  5,  13.  das  in  ne.  yond 
sich  erhält.  Lag.  hat  es  in  geonward,  Orm  nicht  in  Composition, 
außerdem  nur  selbständig. 


158  Accentuation  der  Compositioncn. 

§.  2 IG.  Got.  af  spaltet  sich  in  ags.   aef  und   of  (ab),  jenes,  nur  und  sel- 

ten vor  Nomen,  ist  die  ältere  vollere  Form  und  alliteriert:  öefj^onca 
(Neid)  Exon.  315,  4.  Schon  Lag.  hat  es  nicht  mehr.  —  Daneben 
besteht  ein  doppeltes  of,  das  in  Verbalcomposition  bisweilen  nicht 
alliteriert  wie  of-sleän  (erschlagen)  Exon.  90,  20.  ofgifan  (vergeben) 
116,  6.  226,  28.  C.  6,  30.  of-standan  etc.  und  bisweilen  doch  allein 
steht:  he  let  him  ceorfan  of  (abhauen)  his  handa  SC.  796.  sleä  mon 
him  handa  of.  Ine.  1,  37.  Vielleicht  liegt  in  of-sleän  erschlagen: 
he  ofslöh  ealle  ];ä  cild  Mt.  2,  16  und  sleän  of  abschlagen,  der 
Unterschied  der  betonten  und  unbetonten  Partikel.  Daher  ist  es  wohl 
betont  in  of-ä-dön ,  of-ä-drifan ,  of-ä-drincan ,  of-ä-heäwan ,  of-ä-lesan, 
of-geniman  etc.  —  Lag.  behält  denselben  bei:  summe  sculle]?  slaen  of 
f>a  hsefde  13549  und  he  Denemarkene  king  of-sloh  6162.  Dem  unbe- 
tonten of  steht  manchmal  das  einfache  Verb,  gegenüber,  wie  1725. 
1302.  4113.  oder  Compositionen  mita:  aslaen,  adrede,  aswipte,  adren- 
chen,  afeallen,  aferen,  alaeden,  aquellen  etc.  Orm :  offcwellenn,  oflf- 
druncnenn,  off-tredenn  und  off-spring  scheinen  unbetontes  off  zu  haben. 
Im  Ae.  steht  noch  of  in:  of-come,  of-iholde,  of-reche,  of- sende, 
of-sitte,  of-shamed,  of-stonde,  of-suore,  of-swynke,  of-take  etc.  ferner 
adrenche,  aferd  und  im  Me.  oftake  und  atake,  of-hedid,  und  auch 
hier  wird  die  Betonung  von  der  Bedeutung  abhängig  sein.  —  Im  Ne. 
weisen  manche  a  auf  of  zurück,  wie  afraid,  doch  erhält  sich  of  und 
daneben  tritt  off,  aber  jenes  nur  als  Präposition,  dieses  als  Präposi- 
tion, Adverb  und  in  Composition,  in  letzterer  betont:  offal,  off'-spring, 
off'-set,  off'-scum  (off-scou'ring  W.). 

§.217.  Of  er  (über)  kömmt  Mtth.  2,  9  adverbial  vor  und  es  unterliegt  daher 

keinem  Zweifel,  daß  es  auch  den  Ton  haben  konnte,  wenn  gleich  es 
in  ofer-fsedmian  (überdecken)  C.  247,  24.  ofer-faran  (durchwandern) 
181,  4.  ofer-feohtan  (überwinden)  289,  29.  ofer-cuman  (besiegen)  Exon. 
379,  1  nicht  alliteriert.  In  Nominalcompositionen  alliteriert  es:  ofer- 
hyd  (Stolz,  Vorzug)  C.  287,  20.  ofer-med  (Uebermuth)  19,  19.  ofer- 
hydig  (stolz)  5,  3.  —  Lag.  gebraucht  es  in  Verbalcomposition  in  dop- 
pelter Bedeutung:  heo  to  losere  sse  wenden  and  wel  euer  comen  (kamen 
hinüber)  5148.  )7a  Englisce  ouercomen  ]?e  Brutuns  (überwanden)  1981. 
Orm  verbindet  oferr  mit  Verben  und  mit  Nomen,  wie  oferr-hannd,  oferr- 
king,  oferr-laferrd ,  oferr- werrc,  oferr-mett,  oferr-heh  und  so  auch  im 
Engl.  —  Im  Ne.  ist  over  in  Verben  unbetont:  to  over-a'we,  over-bea'r, 
-bid',  -blow',  -bur'den,  -buy',  -co'me,  -dri've,  -flow',  -fly'  etc.  in  Sub- 
stantiven betont:  o'verflow,  o'vergrowth,   o'ver-throw,  o'ver-joy,  o'ver- 


I 


Accentualion  der  Conipositionen.  159 

Charge  etc.,  dagegen  in  den  Ableitungen  bleibt  gewölinlicli  die  verbale  §.  217. 
Accentuation,  wie  in  over-rea'ch-er ,   over-rul'e-r,    over-come'-r,    over- 
liv'e-r;  in  Adjectiven  ist  es  unbetont:  over-long',  over-rank ;  natürlicli 
aucli  in  Verhärtungen:  over-head',  over-night',  doch  in  o'verboard  mag 
die  vortretende  Bedeutung  den  Ton  erlangt  haben. 

Durch  den  Accent  unterscheiden  sich  Substantiven  und  Adjectiven: 
o'ver-balance  und  to  overbal'ance,  o'vercharge  und  to  over-char'ge> 
o'verfloAv  und  to  overflow',  o'verthrow  und  to  overthrow'. 

In  on  und  dessen  Nebenform  an  mischen  sich  mehrere  Ursprung-  §.  218. 
lieh  verschiedene  Partikeln. 

1)  Ags.  on  (an)  an,  got.  ana  entsprechend,  ist  stets  alliterie- 
rend: on-starian  (anstarren)  Exon.  33,  6,  on-löcian  (ansehen)  C.  195, 
18.  on-seou  Exon.  76,  25;  on-syne  (Gesicht),  Exon.  25,  5;  an-bid 
(Erwartung)  C.  212  2.  an-licnes  (Aehnlichkeit) ,  ferner  oft  vor  tonlosen 
Partikeln  in  sinnlicher  Bedeutung:  on-ä-geotan  (eingießen),  on-ä-set- 
tan  (aufsetzen),  on-be-cwedan  (fortbesprechen),  on-be-healdan  (an- 
schauen), on-ge-dön  (anthun),  on-ge-hreosan  (darauf  losstürzen).  Lag. 
hat  noch  onlicnes,  anlicnes ,  aber  kein  on-lokien,  on-starien ,  es  löst 
sich  wieder,  wie  Ardur  him  lokede  on  und  so  im  Engl,  he  looked 
on  him.  Im  Ae.  on-isend  EG.  (=  sent  to),  an-hong  RG. ,  me.  onput- 
tinge  Josh.  A.  9 ,  4. 

Im  Ne.  hat  es  sich  vom  Verb  gelöst:  to  look  on,  to  go  on,  to 
have  on  etc.  doch  lallen  sich  daraus  Substantiven  bilden:  a  looker-on, 
a  hanger-on;  ferner  steht  es  in  on'set,  on'-slaught,  und  dem  adverb. 
on'ward. 

2)  Ags.  on  (ent)  in  Verbalcomposition  ist  die  Schwächung  von 
and  und  alliteriert  nicht,  on-baernan  (entzünden),  -beodan  (entbieten), 
-bindan  (entbinden) ,  -cerran  (abkehren),  -findan  (finden),  -fön  (empfahen), 
-hebhan  (erheben),  -leenan  (entlehen) ,  -lysan  (lösen),  -niman  (ent- 
nehmen), -sacan  (versagen),  -secgan  (entsagen),  -sendan  (entsenden), 
-settan  (entsetzen),  -swebban  (entschwinden),  -wacan  (erwachen),  -wen- 
dan  (verwenden),  -wridan,  oder  neben  on  auch  an:  ondrsedan  Exon. 
49,  1,  an-drsedan  C.  194,  25.  Lag.  hat  noch  on-fon  und  a-fon,  sonst 
gewöhnlich  a-beoden,  adreden,  aginnen,  ahaehuen  und  anhebben ,  ale- 
sen,  alihten,  aliden,  äsenden,  awaken,  awenden.  Orm:  onn-fanngenn, 
onn-fon,  onn-ginnenn.  Im  Engl,  fällt  on  ab  oder  a  tritt  ein:  adrad, 
afong,  aginne  etc.  Ne.  ist  tonloses  a  geblieben  wie  awake,  alight, 
bisweilen  un-  eingetreten:  unbind',  ungear',  unloos'en,  unwreath'e. 

3)  Ags.  on  ist  bisweilen  für  das  negierende  un-:  onceäpung  und 


160  Accentuation  der  Compositionen. 

§.  218.  unceäpung  (umsonst),  oder  für  das  Numerale  lui  eingetreten:  an  for- 
Isetan  (allein  lal-^en,  verlaßen),  än-genga,  än-haga  (Einsiedler),  än-boren 
(eingeboren);  jenes  ist  schlechte  Schreibung,  dies  fließt  zusammen, 
wie  ags.  än-lepig,  Lag.  ajlpi,  oder  löst  sich:  let  him  alo'ne. 

§.  219.  Ags,  or  (ur-,  er-),   got.  us,   ist    zwar  untrennbar,    steht  aber  in 

der  Alliteration:  or-leg  (Schicksal,  Urgesetz)  C.  6,  6.  or-sorh  (sorg- 
los) 50,  5.  or-meete  (maßlos)  162,  22.  or-wena  191,  7  (hoffnungslos), 
daher  wohl  auch  in  ordsel,  or-eald  (uralt),  or-feorme  (fruchtlos),  orhser 
(ohne  Haar),  or-möd  (sinnlos),  or-treowe  (untreu),  or-säwle  (seelenlos) 
or-|?anc  (Anlage),  or-wurd  (ehrlos).  Lag.  hat  es  nicht,  Orm  crrra]? 
(rathlos);  orrmete,  orrtrowwe.  Im  Engl,  verschwindet  es  bis  auf  or'deal, 
das  aber  mehr  auf  lat.  ordalium  hinweist,  als  ags.  or-deel. 

§.  220.  Ags.   tö   hat   zwei   Bedeutungen,   das    sinnliche   tö  (zu)   und  das 

verstärkende  tö,  ahd.  zuo  und  zi  entsprechend;  jenes  ist,  wie  das  trenn- 
bare Adverb,  betont  und  alliteriert  wie  in  tö-löcian  B.  3307.  tö-seon 
(zusehen)  Exon.  31,  14.  An,  711.  tö-geseon  C.  232,  5.  tö-starian  (hin- 
starren) 260,  32;  vielleicht  ebenso  in  tö-set-ycean  (hinzufügen),  tö- 
ägan  (zueignen),  tö-on-sendan,  tö-ä-sendan  (hinzusenden),  tö-ä-settan 
(hinzusetzen),  tö-be-cuman  (hinzukommen),  tö-beran  (zutragen),  tö- 
bodian  (überliefern),  tö-geseon  C.  232,  6.  247,  30.  Dieses  alliteriert 
nicht,  wie  in  tö-drifan  (zerstreuen)  C.  238,  11.  tö-dw2escan  (verlöschen) 
238,  11.  tö-hworfen  (verkehrt)  235,  6.  tö-swäpan,  tö-swendan  (hin- 
wegfegen und  schwinden  machen)  237,  23.  tö-weorpan  289,  5,  ebenso 
tö-beätan  (zerschlagen),  to-berstan  (zerbersten),  tö-brecan,  tö-brysan 
(zerbrechen)  etc.  Lag.  bewahrt  doppelte  Bedeutung  und  wohl  auch 
doppelte  Betonung:  he  to  wolde  rsesen  (darauf  zu  stürzen)  8652  und 
his  hsefdbon  to-brec  1467.  Ersteres  wird  in  der  Composition  selten, 
doch  steht  es  noch  in  to-glad  (glitt  hinzu)  18083.  to-heolden  (nahten), 
to-leop  (sprang  hinzu)  12571  etc.,  öfter  löst  es  sich.  Ebenso  Orm. 
Im  Ae.  steht  sinnliches  to  noch  in  to-loke  (achten  auf),  to-bolden  up 
(zu  halten),  öfter  =  zer:  to-clefen,  to-dashen,  to-delen,  to-don,  to- 
drawen,  to-dryuen,  to-hewen,  to-refen.  Auch  Wycl.  noch  in  beiden 
Bedeutungen:  to-name,  to-neghen  (hinzu  nahen),  öfter  aber  to-breken 
(zerbrechen)  etc.  —  We  ben  pilgrimes,  passing  to  and  fro  Ch.  2850. 
She  clapt  the  window  to  3038.  The  hel'mes  the'y  to-hewe'n  and  to- 
shrede.  u.  a.  Im  Ne.  erhält  es  sich  in  Verhärtungen  und  ist  da  un- 
betont: to-day',  to-mor'row,  to-night,  to-pinch  Sh.  MW.  4,  4  ist  ver- 
altet; außerdem  außer  Composition:  he  goes  to  and  fro. 

§.  221.  Ags.  )7urh  (durch)  gestaltet  den  Begriff  des  Verbs  wie  ]?urh-wadan 


Accentuation  der  Compositionen.  161 

C.  245,  16  oder  verstärkt  den  des  Adjectivs:  l^urh-hät  Exon.  185,  4,  §.  221. 
in  beiden  Fällen  nicht  alliterierend.  Bei  La^.  aber  11654  kömmt  es 
als  selbständiges  Adverb  vor,  und  in  Composition  bat  es  volle  sinn- 
liche Bedeutung,  wie  in  |nirh-gon  (hindurch  gehen),  oder  nur  ver- 
stärkende, wie  |nirh-gengen  (in  Besitz  nehmen),  l?urh-aernen  (durch- 
streifen), jnirh-wexen  (überwachsen),  ]nirh-costned  (reichlich  versehen), 
]nirh-iwunian  (bewohnen).  Auch  Orm:  )nirrh-gan  (durchziehen),  )?urrh- 
lokenn  (genau  untersuchen),  ];urrhwundenn  (verwunden).  Ebenso  auch 
im  Ae.  und  Me.  —  Im  Ne.  hat  es  sich  aus  verbaler  Composition 
wieder  gelöst:  to  go  through,  beharrt  aber  noch  in  einigen  Nomen 
und  hier  ist  es  betont:  thor'ough-fare  (Durchfahrt),  thor'ough-sped 
(vollendet),  thor'ough-paced  (völlig),  through'-bred  (vollständig gebildet), 
through'-ticket  (Billet  für  die  ganze  Keise),  through'-train. 

Ags.  un-  steht  nur  in  Nomen  und  in  Yerbalformen ,  die  sich  §.  222. 
jenen  nähern;  in  Verben  selbst  setzt  es  Nominalcomposition  voraus, 
wie  uncl^nsjan  (verunreinigen)  ein  uncleene.  Es  ist  in  allen  Dialecten 
untrennbar,  aber  seiner  hervortretenden  Bedeutung  wegen  betont. 
Die  seltenen  Abweichungen  sind  entweder  Nachläßigkeiten,  wie  un- 
hälig  (unheilig)  Exon.  104,  4.  unsyfre  (unsauber)  90,  34.  oder  erklären 
sich  aus  rhythmischen  Gründen,  indem  eine  dazwischen  liegende  un- 
betonte Partikel  die  nachfolgende  Silbe  mehr  hervortreten  läßt  und 
ihr  die  Alliteration  gestattet:  un-ge-wemmed  (unbefleckt)  Exon.  277,  33. 
un-ge-blessad  (ungesegnet)  271,  34.  un-ä-j7reotendum  (nicht  ermüdend) 
Exon.  24,  21.  Daher  ist  auch  ein  alliterierendes  un  begreiflich  in 
un-wemme  (unbefleckt)  C.  148,  30  und  ein  nicht  alliterierendes  in  un- 
ge-wemd.  Aus  gleichem  Grunde  scheint  die  Betonung  auch  bei  Orm 
zu  schwanken.  Das  Schwanken  dauert  fort  im  Ae.  und  Me.,  wie  bei 
Ch.  unhe'le  (Unheil)  12050.  un-rest'  6686.  un -couth  10598.  un-ri'ght 
6675.  un-mi'ghtie  T.  II,  858.  —  Im  Ne.  ist  un  überall  unbetont: 
un-health'-ful,  un-rest',  un-couth'.  Die  Tonlosigkeit  mag  besonders 
dadurch  veranlaßt  sein,  daß  es  sich  mit  on  (=  ent)  in  der  verbalen 
Composition  mischt. 

Obgleich  ags.  under  (unter)  noch  trennbar  ist,  so  kömmt  es  §.  223. 
doch  in  Yerbalcomposition  auch  unbetont  vor,  wie  under-hnigan  (nei- 
gen) Exon.  482,  23;  wahrscheinlich  aber  ist  es  in  Substantivcompo- 
sition betont,  wie  under-earm  (Unterarm),  under-cyning,  under-burh. 
Lag.  behält  den  Gebrauch  bei:  under-stonden,  under-king.  Im  Ae. 
und  Me.  läßt  sich   aus   dem  Rhythmus  der  Ton  nicht  erkennen.     Im 

Koch,  engl.  Grammatik.    I.    2.  Aufl.  11 


162  Accenlualion  der  Composltionen. 

§.  223.  Ne.  ist  uiider  iii  der  Verbalcomposition  unbetont,  wie  in  to  under- 
bear',  under-go',  to  under-rat'e;  in  Substantiven  schwankt  es:  un'der- 
fellow,  un'der-clerk,  un'der-rate ,  un'der-part,  un'der-work  und  Under- 
ground', under-la'bourer,  under-sec'retary,  under-ser'vant,  under-ten'ant. 
In  der  Bedeutung  der  Unterordnung  ist  es  betont,  nur  hat  das  mehr- 
silbige Simplex  selbst  oft  den  Ton  bewahrt. 

§.  224.  Den    selbständigen   Gebrauch   des   ags.   wid  erweist   Lag.    20747 

wid  and  wid  (wieder  und  wieder),  Orm  wif»}?  annd  m]?])  (sogleich).  Die 
Partikel  bedeutet  in  Composition  re  und  contra.  In  der  ersten  Bedeu- 
tung alliteriert  es:  wid-)?ingan  (wiedersprechen)  Exon.  258,  5.  268,  9; 
nicht  in  der  zweiten:  wid-sacau  (widersprechen)  248,  21. 

Im  Substantiv  scheint  es  zu  alliterieren :  wid-steall  Exon.  266,  20. 
Bei  Lag.  steht  es  selten  in  Composition  und  bezeichnet  feindliches 
gegen:  wid-saken,  wid-stonden,  wid-seggen  und  daneben  hat  es  Orm 
in  wi|7|?-takenn  in  der  Bedeutung  mit:  mit-nehmen,  zustimmen.  Inder 
ersten  Bedeutung  verwächst  es  im  Englischen  mit  einigen  Verben ,  in 
der  letzteren  löst  es  sich:  he  wende  wij?  to  ]?e  holy  lond.  EG.  8246. 
Im  Ne.  ist  es  unbetont:  to  with-draw',  with-hold',  with-stand'. 

§.  225.  Ags.  wider  alliteriert  in  den  Substantiven:  wider-breca  (Gegner) 

C.  4,  35.  138,  7.  wider-medo  (Abneigung)  41,  22.  wider-trod  (Wieder- 
weg, Heimkehr)  125,  25  und  wahrscheinlich  auch  in  den  Verben.  — 
Lag.  hat  sogar  ein  adjectivisches  und  substantivisches  wider  (=  hos- 
tile  und  hostility),  und  die  Partikel  bezeichnet  nur  feindliches  gegen: 
wider-gome  (Kampf),  wider-saka  (Widersacher),  wider-heolden  (wider- 
stehen). In  wider-craftes  (Zauberkünste),  wider-lages  (harte  Gesetze)  etc. 
tritt  der  Adjectivbegriff  hervor.  Im  Englischen  verschwindet  die 
Partikel. 

§.  226.  Ags.  ymb  (um)  alliteriert  in  Substantiven:  ymb-hwyrft  (Kreis)  C. 

179,  9.  ymb-lyt  (Ausdehnung)  268,  13.  In  Verben  scheinen  doppelte 
Formen  dagewesen  zu  sein,  ein  volleres  ymbe,  wie  ymbe-sittende 
(darum  sitzend)  B.  1359  und  ein  geschwächtes  ymb:  ymb-fön  (umfan- 
gen) Exon.  466,  2.  ymb-fangen  C.  273,  30.  Auch  dieses  alliteriert 
in  ymb-healdan  (umfaßen)  C.  265,  14.  nicht  aber  in  ymb-sittan  B.  1122. 
ymb-sellan  El.  742.  ymb-settan  Exon.  212,  3.  Jenes  ist  wohl  in  seiner 
Bedeutung  noch  mehr  sinnlich  und  deshalb  betont  und  in  der  Alli- 
teration. Lag.  hat  es  nur  in  umbe-rowen  (umsegelt),  Orm  in  ummbe- 
clippenn  und  ummbe-shserenn  (beschneiden),  urarabe-]7ennkenn  (bedenken). 
Die  Partikel  kömmt  im  Ae.  aul^er  Gebrauch. 

§.  227.  Das  im  Ags.  schon  untrennbare  mis  hatte   wahrscheinlich   noch 


Accentuation  der  Compositionen.  163 

den  Ton,  da  es  sich  nicht  geschwächt  hat:  mis-beodan,  mis-calfjan,  §.  227. 
mis-dön,  mis-gretan,  mis-hyran;  mis-da^d,  mis-hlr,  mis-r^d;  mis-boren, 
mis-micel.  Lag.  hat  es  nur  in  mis-bode  (schlechtes  Gebot),  mis-dede, 
mis-do,  mis-feren,  niis-leron,  mis-reden,  und  Orm  in  miss-dede  und 
miss-don.  Im  Ae.  tritt  es  mit  auffallend  voller  Bedeutung  hervor,  wie 
mis-beden  (nicht:  schlecht  regieren)  sich  irren,  verletzen,  Feindschaft 
ankündigen.  Zu  dem  deutschen  mis  stellt  sich  das  frz.  mes  in  mis- 
cheue  etc.  Im  Ne.  behält  das  franz.  mis  den  Ton:  mis'chief,  mis'- 
chievous  mis'creant,  das  deutsche  ist  tonlos:  mis-deed',  to  mis-deem', 
auch  in  den  zahlreichen  Verbindungen  mit  französischen  Wörtern:  mis- 
jud'ge,  mis-guide'. 

B.    Die   betonten   Partikeln  im  Ags.   sind:    £efter,    eft,    fore, 
ford,  from,  hider,  in,  mid,  nider,  ongeän,  up,  üt. 

Ags.  aefter  (nach)  in  sefter-genga ,    sefter-leän,    sefter-ealu   und  §.  228. 
in*  Verben:   aefter-gän,  sefter-fyligan.      Aber   schon   bei  Lag.  löst  sich 
die   Verbalcomposition,   die   substantivische   bleibt  und   so    noch  jetzt. 
Ne.  after-cost,   af'ter-crop,    after-math,  after-noon,   after-taste.     In 
der  Verhärtung  after-all'  ist  es  unbetont. 

Ags.   eft   (wieder)  in  eft-sittan,    eft-ä-gifan  etc.   tritt  schon  bei  §.  229. 
Lag.  und  Orm  aus  der  Composition,  bei  letzterem  noch  in  efft-sooness 
und   dieses   bleibt  auch  im  Ne.,  aber   mit  dem  Ton  auf  dem  zweiten 
Worte:  eft-soous'. 

Ags.  fore  (vor)  ist  zahlreich  in  Substantiven,  wie  fore-duru  (Ein-  §.  230. 
gangsthür),  fore-genga  (Vorfahr),  fore-rim  (Vorrede),  fore-singere  (Vor- 
sänger), fore-täcen  (Vorzeichen),  fore-w^eall  (Vormauer);  in  Verben: 
fore-bodian  (vorausverkündigen),  fore-cuman  (hervor  kommen),  fore- 
fön  (vorausnehmen),  fore-sceäwian  (vorher  schauen),  fore-seon  (vor- 
her sehen),  fore-settan  (vorsetzen),  fore-steppan  (vortreten)  etc.;  in 
Adjectiven:  fore-meahtig  (vor  andern  mächtig),  fore-m^re  (vor  andern 
groß),  fore-wise  (vor  andern  weise).  Aber  in  manchen  Verben  mischt 
es  sich  mit  for,  wie  in  fore-beodan  (verbieten),  fore-betan  (verbeljern), 
fore-ceorfan  (abschneiden),  fore-sacan  (verbieten).  Bei  Lag.  tritt  fore 
aus  der  Verbindung  mit  den  Verben  (uore-liggen  steht  für  for-)  und 
ist  selten  mit  Substantiven  verbunden:  uore-genglen  (Vorfahren);  Orm 
hat  kein  fore,  aber  forrbedenn,  forrsakenn.  Im  Ae.  bleibt  fore  oft 
getrennt  und  for  und  fore  werden  zwar  unterschieden,  wie  bei  Wycl. 
in  Subst.  fore-castynge,  fore-heued,  fore-wal,  daneben  aber  auch  for- 
goer  (der  voraus  geht),  for-notid  (zuvor  bemerkt),  for-spekere  (An- 
walt) etc.      Diese  Vermischung  scheint  die    Schwächung  der  Partikel 

11* 


1C4  Accentualion  der  ComposUionen. 

§.  230.  im  Xe.  veranlaßt  zu  haben.  In  Substantivcomposition  behält  sie  mit 
ihrer  vollen  sinnlichen  Bedeutung  auch  den  Ton:  fore'-castle,  fore'- 
deck ,  fore'-finger ,  fore'-ground,  fore'-hand,  fore'-head,  fore'-land,  fore'- 
man ,  fore'-noon,  fore'-part,  fore'-sight,  fore'-taste,  fore'-thought,  fore'- 
tooth,  fore'-token,  doch  schwanken  fore-fa'ther,  fore-no'tice.  Dagegen  in 
den  Verben  ist  fore  selbst  bei  erhaltener  Bedeutung  tonlos  geworden, 
wie  to  fore-arra',  to  fore-bode',  to  fore-cast',  fore-design',  fore-doom', 
fore-go',  fore-judge',  fore-know',  fore-say',  fore-see',  fore-stall',  fore- 
taste',  fore-teir,  fore-think'  und  folglich  auch  in  den  von  diesen  Ver- 
ben abgeleiteten  Substantiven ,  wie  fore-bo'der,  fore-ca'ster,  fore-go'er; 
und  natürlich  auch  da,  wo  fore  seine  Bedeutung  verloren  und  für  for 
eingetreten  ist,  wie  to  fore-do'  (=  fordo),  to  fore-shame',  to  fore- 
speak'  (voraussagen  und  verbieten).  Verbunden  mit  Participien  hat  fore 
bisweilen  den  Ton  bewahrt:  fo're-cited,  fo're-mentioned,  fo're-handed, 
fo're-possessed. 

§.  231.  Ags.  ford  (hervor)  ist  ziemlich  zahlreich  in  Verben  und  Substan- 

tiven: ford-yrnan  ford-ä-yrnan  (fortlaufen),  ford-clipian  (herausrufen), 
ford-cydan  (offen  erklären),  ford-steppan  (hervortreten).  Bei  Lag.  ist 
es  selten ,  wie  ford-fare  (Weggang) ,  und  in  ford-gelden  zu  dem  gleich- 
bedeutenden for-gelden  (vergelten)  geschwächt;  Orm  verbindet  es 
weder  mit  Substantiven  noch  mit  Verben.  Im  Gebrauche  mul^  es  aber 
geblieben  sein,  da  Wycl.  es  noch  hat,  wenn  auch  selten,  wie  forth- 
kutten,  forth-passen ,  forth-goende,  forth-going,  forth-clepinge,  forth- 
gettingus  (Schöl^linge).  Im  Ne.  steht  es  unbetont  nur  noch  in  forth- 
com'ing  und  forth-is'suing. 

§.  232.  Fram  (von)  verbindet   sich  im  Ags.  mit  einfachen  Verben,   wie 

fram-fleon  (entfliehen),  fram-hweorfan  (sich  abwenden),  fram-sldjan 
(weggehen),  und  zusammengesetzten:  fram-ä-bügan  (abbiegen),  fram- 
ä-dön  (entfernen),  fram-ge-witan  (weggehen);  mit  Substantiven :  fram- 
cyme,  -cynn  (Abkunft,  Geschlecht),  fram-sid  (Weggang).  Es  verschwin- 
det aber  schon  bei  Lag.  und  Orm. 

§.  233.  Ags.  hider  (hieb  er)  steht  nur  in  hider-cyme  (Ankunft),  das  sich 

bei  Lag.  und  Orm  nicht  mehr   findet.      Bei  Verben  steht  es  getrennt. 

§.  234.  Ags.    in   ist  oft   mit  Verben   verbunden:    in-cuman    (hinein  kom- 

men), in-faran,  in-gangan,  in-ge-dön,  in-ge-lsedan  (einführen)  etc.  und 
mit  Substantiven:  in-faereld  (Eintritt),  in-gefeoht,  in-gewinn  (Bürger- 
krieg), in-ge]?anc  (Gedanke,  Gewilien),  in-land  (Herrenland),  in-segel 
(Siegel),  in-stice  (Stich  in  die  Seite),  selten  mit  Adjectiven:  in-cund 
(vertraut),    in-lendisc.     Bei  Lag.  tritt  es  aus   der  Verbalcomposition 


I 


Accentuation  der  Compositionen.  165 

und  die  Nominalcoinpositionen  mindern  sich  auf  in-^eong  (Eingang)  §.  234. 
und  in-siht  (Einblick,  Wesen,  Natur).  Orm:  inn-sec^aless  und  inn- 
siliht.  Oefter  finden  sie  sich  aber  bei  Wycl. :  in-blowen  (aufblasen), 
in-büwen  (einbiegen),  in-brethen  (einathmen) ,  in-bringen,  in-chaungen 
(eintauschen),  in-clepen  (innerlich  rufen,  anrufen),  in-deluen  (eingraben), 
in-dwellen  (bewohnen),  in-gon  (eingehen),  in-leden  (einführen),  in-setten 
(einsetzen),  in-going  (Anfang),  in-rennyng  (Angriff),  in-witt  (Geist). 
—  Im  Ne.  bleibt  in  nur  in  Verbindung  mit  dem  Substantiv  betont: 
in'-come,  in'-draught,  in'-gathering,  in'land,  in'laj,  in'-road,  in'side, 
in'sight,  in'-step;  tonlos  bei  Verben:  to  inclip',  inlaw',  inlay',  inseam', 
insheir,  inship',  i(e)nshri'ne ,  insin'ew,  insna're,  insteep',  inthrall',  in- 
thro'ne,  intrust',  inwall',  inwea've,  inwood';  schwankend  in  Participien: 
in'-born,  in'bred  und  inbrea'thed. 

Ags.  mid,  das  nicht  zu  verwechseln  ist  mit  midi  midd  (mit- §.  235. 
ten),  steht  in  mid-beran  (zusammen  tragen),  mid-blissjan  (sich  mit- 
freuen), mid-sprecan  (mitsprechen);  mid-gewyrhta  (Mitarbeiter),  mid- 
lencten  (Mitfasten).  Lag.  und  Orm  geben  schon  diese  Compositionen 
auf.  Im  Ne.  hat  sich  dieses  mid  nur  erhalten  in  mid'lenting  (das 
Mitfasten,  das  Besuchen  der  Verwandten  zur  Fastenzeit),  mid'wife 
(Amme)  ist  bei  Wycl.  mede-wijf,  meed-wijf,  also  Miethfrau.  In  andern, 
wie  mid'-day,  mid'-land,  mid'-heaven,  mid'-leg,  mid'-night,  mid'-sea, 
mid'-summer  etc.  ist  mid  aus  ags.  midd  (mitten)  entstanden. 

Ags.  nidor,  nider  (nieder)  steht  in  Verben  und  Substantiven:  §.  236. 
nider-cuman,  nider-faran,  nider-ä-feallan;  nider-ä-bügan,  nider-ge-witan ; 
nider-gang ,  nider-stig;  wird  aber  schon  bei  Lag.  und  Orm  nicht  mehr 
componiert    und  verschwindet  im  Ae.  und  erhält   sich  in  dem  adjecti- 
vischen  nether:   ne.  Neth'erlands. 

Das  einfache  gegn  (gegen)  kommt  zwar  im  Ags.  vor,  wie  in  §.  237. 
geän-byrjan  (widerstehen),  geän-)7iügian  (erwiedern),  gegn-cwide  (Ant- 
wort), geän-läd  (Rückkehr),  gewöhnlicher  aber  ist  on-geän,  on-gegn, 
ägen,  ägeän:  ongeän-cuman  (zurückkehren),  ongeän-ge-lsedan  (zurück- 
führen), ongeän-cyme  (Rückkehr).  Lag.  hat  die  einfache  Partikel  gar 
nicht,  und  die  zusammengesetzte  selten,  und  in  geschwächter  Bedeu- 
tung in  agen-stonde  (widerstehen),  während  sich  das  vollere  aga3in 
agein  (wieder,  zurück)  wieder  gelöst  hat.  Orm  hat  beide  nicht. 
PL.  zeigt  ageynsaid.  Wycl.  hat  aber  zahlreiche  Compositionen  mit 
ageen  in  verschiedener  Bedeutung:  a)  wieder:  ageen-flouren  (wieder 
blühen),  ageen-keelen  (abkühlen),  ageen-risyng  (Auferstehung)  etc., 
b)  zurück:  ageen-bringe,  ageenbyggen  (zurückkaufen,  erlösen),  ageen- 


166  Accentuation  der  Compositionen. 

§.  237.  leden  fziirückfüliren);  c)  freundliches  (fegen:  ageen-cumen  (entgegen 
kommen),  ageen-biliost  (Gegenverheiljiing);  d)  feindliches  gegen:  ageen- 
chiding,  ageen-figtinge,  ageen-risen  (sich  erheben  gegen).  —  Im  Ne. 
ist  again  überall  aus  der  Composition  getreten;  das  abgekürzte  gain 
erhält  sich  aber  in  gain-say  (widersprechen),  das  Sm.,  S.,  P.,  Enf., 
E.  gain'-say  aussprechen,  Wb.,  W.,  J.,  Ja.,  F.  gain-say';  daher  ist 
aucli  gain-sayer  schwankend.  Ferner  gain'-giving  (böse  Ahnung, 
Mistrauen). 

§.  238,  Ags.  up  (auf)  geht  zahlreiche  Compositionen  ein  mit  Verben:  up- 

cuman,  up-fleogan,  up-gän,  up-hebban,  up-ä-delfan,  up-be-seon,  up- 
ge-faran ;  mit  Substantiven:  up-stig,  up-ä-stig  (Aufsteigen),  up-cyme 
(Ursprung),  up-godas  (Götter  droben),  up-hüs,  up-land  (Bergland);  mit 
"  Adjectiven:  up-cund  (sehr  bekannt),  up-lang  (aufgerichtet).  Bei  Lag. 
sehr  selten,  in  voller  Bedeutung  in  up-standen  und  abstract  in  up- 
brseid  (Vorwurf,  ags.  up-ä-bredan  aufwärts  bewegen),  sonst  aus  der 
verbalen  Verbindung  herausgetreten.  Auch  Orm  hat  es  selten ,  wie 
in  upp-brixle  (Gegenstand  des  Tadels,  altn.  brigzli),  upp-cumenn  (sich 
erheben),  upp-hald  (Stütze),  upp-hofenn  (aufgehoben),  upp-springenn. 
Im  Ae.  bleibt  up  in  eigentlicher  und  uneigentlicher  Bedeutung:  up- 
rise  und  up-braid  und  PL.  ersetzt  mit  up  auch  romanisches  a  (ad): 
up-rif  =  arrive.  Zahlreicher  sind  die  Verbindungen  mit  up  beiWycl.: 
up-breken,  up-taken,  up-turnen,  up-takere,  up-reiser  und  selbst  upon 
in  upon-sittende,  upon-writen;  up-braiden. 

Im  Ne.  behält  up  in  den  Substantivcompositionen  den  Ton,  wie 
in  up'-cast,  up'-land,  up'-roar  (up-roar'  M.  pL  2,  541.  3,  710),  up'- 
rise,  up'-shot,  up'-start,  up'-side;  in  Verben  und  deren  Ableitungen 
hat  es  überall  den  Ton  verloren:  to  up-bear',  up-bind',  up-blow',  up- 
braid'  etc.;  in  Adjectiven  betont:  up'-right  (up-righf  M.  pL  1,  221). 
up'-hill  (eigentlich  den  Hügel  hinauf). 

§.  239.  Ags.  üt  (aus)  ist  oft  mit  Verben  und  Adjectiven  verbunden:  üt-ä- 

bläwan  (ausblasen),  üt-ä-delfan  (ausgraben),  üt-ä-fleon  (aus-  oder  weg- 
fliegen), üt-ä-lysan  (erlösen);  üt-dr^f  (Austreiben),  üt-cwealm  (gänz- 
liche Vernichtung),  üt-gefeoht  (auswärtiger  Xrieg),  üt-lende  (Auslän- 
der) ,  üt-laga  (Verbannter).  Lag.  läßt  es  aus  verbaler  Composition 
heraustreten  und  hat  es  nur  in  ut-lage  (der  Verbannte);  Orm  in  ut- 
bresstenn,  ut-ledenn,  ut-lesenn,  ut-numenn.  Dagegen  Wycl.  hat,  es 
noch  oft  und  in  verschiedener  Bedeutung:  out-leden  (herausführen), 
out-lawen  (verbannen),  out-heren  (ganz  hören),  out-figten  (besiegen), 
out-clense  (vollkommen    reinigen),    out-passyng   (Verzückung).    —    Im 


Accentuation  der  Compositionen.  167 

Ne.  bat  out,  wenn  es  mit  dem  Substantive  verbunden  ist,  den  Ton:  §.  239. 
out'-break,  out'-cast,  out'-cry,  out'-form,  out'-gate,  out'-guard,  out'- 
law,  out'-leap,  out'-line ,  out'-part,  out'-wall,  out'-work;  in  verbaler 
Composition  bat  es  den  Ton  verloren,  nur  to  out'-law:  to  out-bid', 
out-blow',  out-blusb',  out-burn'  etc.;  in  den  Participien  schwankt  es: 
out'-born,  out'-bound,  out'-cast  etc.  und  out-worn',  out-wrougbt'. 

Beachtet  man  den  Yerhiuf  der  betonten  Partikel,  so  stellt  sich  §.  240. 
heraus,  1)  manche  sind  nicht  mehr  compositionsfähig,  wie  from, 
forth,  eft,  hither  —  eine  Erscheinung,  die  auffallend  ist,  weil  die 
Compositionsfähigkeit  der  Sprache  zunimmt;  —  2)  andere  haften  nur 
in  Substantivcomposition  und  haben  sich  vom  Verb  gelöst,  wie  after, 
again  oder  sind  hier  verschwunden,  wie  mid;  —  3)  andere  bleiben 
betont  in  Verbindung  mit  dem  Substantiv,  und  werden  tonlos  im  Verb, 
wie  fore,  in,  up,  out. 

C.  Die  unbetonten  Partikeln  sind  ä,  ge  und  for.  §.  241. 

Ags.  a  war  sehr  zahlreich,  nimmt  aber  von  Jahrhundert  zu  Jahr- 
hundert ab  und  ist  im  Ne.  geblieben  in  to  abide,  to  abj,  to  ac- 
knowledge,  to  arise,  to  arouse,  to  ashame,  to  awake.  Die  Partikel  war 
in  ihrer  Bedeutung  zu  wenig  fühlbar,  unbetont  und  deshalb  schwand 
sie.  Daneben  aber  gibt  es  zahlreiche  Adverbia,  in  denen  a  als  die 
Schwächung  einer  Präposition  erscheint,  die  mit  dem  Nomen  ver- 
schmolzen ist.     Hier  ist  natürlich  a  überall  unbetont  a-head,  a-bed  etc.    . 

Noch  weniger  rege  war  die  Bedeutung  der  ags.  Partikel  ge-,  die 
deshalb  bei  Lag.  sich  zu  i  schwächt  und  im  Ae.  zu  y,  das  sich  in 
den  Participien  Pass.  bis  ins  Ne.  erhält,  jetzt  überall  geschwunden 
ist,  bis  auf  neuengl.  e-nough'  (ags.  ge-nöh). 

Das  unbetonte  ags.  for  hat  sich  im  Ne.  ziemlich  zahlreich  er- 
halten, to  for-bear',  to  for-bid',  to  for-do',  to  for-get',  to  for-give', 
to  for-sake',  to  for-swear'.  Es  ist  wohl  stets  unbetont  geblieben,  wenn 
auch  Dichter  es  bisweilen  accentuieren :  Thou  gentle  nymph,  cherish 
thy  for'lorn  swain.  Sh.  GV.  5,  4.  God  forbid!  where's  this  girl? 
what  Juliet.  Sh.  EJ.   1 ,  3. 

IV.    Auch  in  der  Partikelcomposition  hält  die  stärkere  Bedeutung  §_  242, 
den  Ton  fest.     Es  laßen  sich  folgende  Klassen  unterscheiden. 

1)  Vor  eine  Präposition  (Adverb)  tritt  eine  andere;  jene  enthält 
die  Bedeutung,  diese  modificiert  sie  mehr  oder  minder;  jene  behält  den 
Ton,  diese  ist  tonlos.  Die  vortretenden  Präpositionen  sind  be,  on, 
tö ,  |?urh ,  wid. 

Ags.  be  tritt  zn  seftan,  foran,  hindan,  innan,  neodan,  ufan,  ütan, 


1G8  Accentuation  der  Partikel-Compositionen. 

§.  212.  daher  be-aeftan,  be-foran,  be-geondan ,  be-hindan  ,  b-innan,  be-neodan, 
b-ufan,  b-ütan.  Diese  werden  bei  Lag.  bi-a^ften  biaften,  biforen,  bi- 
gende,  bihinde,  binnen,  bineoden,  buuen,  buten  böte;  bei  Orm:  bafif- 
tenn,  beforenn,  bigonndenn,  bihinndenn,  binnenn,  binef>enn,  bufenn, 
butenn;  ae.  EG.:  biforne  bifore,  beyonde,  behinde,  bene);e,  bute;  me. 
baft  Ch.,  beforn  before,  behinde,  beyonde,  binethen  binethe,  bute  bnt. 
Ne.  before',  behind',  beyond',  beneath',  but. 

Von  diesen  lallen  folgende  noch  eine  Präposition  vortreten,  ohne 
die  Accentuation  zu  verändern.  Zu  bufan  läl^t  Durh.  on  treten,  das 
sich  bei  Orm  zu  a  schwächt:  a-bufenn,  ae.  aboveu,  ne.  above.  — 
Ebenso  im  Ags.  on-b-ütan,  Lag.  abuten  ibuten,  Orm  abutenn,  ae. 
abouten  aboute,  ne.  about'.     Analog  hat  sich  ne.  abaft'  gebildet. 

Im  Ags.  ist  on  vor  ufan  und  uppan  geschoben;  beide  stehen 
schon  nicht  mehr  bei  Lag. 

Ags.  to  tritt  vor  foran,  Lag.  to-uore,  RG.  to-fore,  Wycl.  to-fore, 
ne.  to-fore'. 

Ags.  wid  tritt  vor  seften,  foran,  innan ,  neodan  und  ütan;  Lag. 
wid-inne,  wid-uten;  Orm:  wi]?)?-innenn ,  wi)?)?-utenn;  ae.  with-inne, 
with-oute;  ne.  within',  without'. 

Ags.  under-neodan,  me.  under-nethe,  ne.  under-neath',  —   Lag. 
fügt   ein    verstärkendes   )?urh    zu    ut:    )7urh    ut,    ae.   |?orgh-out,    me. 
thurgh-out,  ne.  through-out'. 
§.  243.  2)  Ein  Adverb    bezeichnet    das   Yerhältniß  im  Allgemeinen,    ein 

nachfolgendes  Substantiv  nebst  Präposition  im  Besondern.  Die  neben- 
einander stehenden  Wörter,  Adverb  und  Präposition ,  verbinden  sich, 
und  dem  Adverb  verbleibt  der  Ton.  So  im  Ags.  hit  com  gän  in  tö 
me  (es  kam  herein  zu  mir);  und  daneben  schon:  he  com  in  tö  ]>xs 
ealdres  healle.  Mt.  9,  7.  Lag  werped  in  to  )?e  watere  6143  und  so 
noch  oft  getrennt,  auch  in  späteren  Perioden.  —  Ne.  in'-to.  Auf- 
fallend steht  to  im  Reime  in  Herrick's  Night-Piece  to  Julia:  Then, 
Julia,  let  me  woo  thee,  Thus,  thus  to  come  unto  me;  And  when  I 
shall  meet  Thy  silvery  feet,  My  soui  l'U  pour  into  thee.  --  Auf 
gleiche  Weise  mag  ne.  un'-to  entstanden  sein.  Es  tritt  zuerst  in 
altengl.  nördlichen  Quellen  auf  und  un  weist  daher  wohl  auf  altnord. 
unz  (got.  und  hin,  fort),  daher  un'-to  hinzu,  bis  zu.  —  Dagegen  die 
gleichbedeutenden  intil,  das  jetzt  veraltet  ist,  und  until  liaben 
den  Ton  auf  der  zweiten  Silbe. 
§.  244.  3)  An    die  Pronominaladverbien   )?ser,   her  und   später  auch  an 

hwser  lehnen  sich  Präpositionen.     Ags.:  ]7ser-äbütan ,  |?3er-2efter,  J^ser- 


Accentuation  der  rartikel-Composilionen.  1G9 

inne,  |nier-mid,  )nifer-of,  l^ar-on,  |>cier-tö,  l^^r-tögeunes,  )?ifer-üte,  |^i^r- §.  244. 
wid;  her-fefter.  Diese  mehren  sich  bei  Lag.  nicht  nur,  sondern  auch 
zu  dem  rehitivcn  wha?r  treten  Präpositionen:  war-ino,  war-of,  wlian*- 
on  Im  Ae.  sind  sie  sehr  zahlreich.  Die  Betonung  mag  nrsprüiiglich 
verschieden  gewesen  sein,  je  nachdem  man  den  im  Adverb  angedeu- 
teten Begriff  oder  das  mit  der  Präposition  bezeichnete  Verhältnis  her- 
vortreten laßen  wollte.  Bei  RG.  und  PL.  ruht  der  Reim  in  der  an- 
gefügten Präposition.  Im  Ne.  behält  das  Adverb  den  Ton  in  her'e- 
about,  ther'e-about,  ther'e-fore,  wher'e-about,  wher'e-fore,  hith'er-to; 
sonst  ist  die  Präposition  betont:  here-af'ter,  here-at',  here-by',  here- 
in', here-of,  here-on',  here-out',  here-to',  here-tofore',  here-with'.  Der 
Ton  am  Ende  befestigt  sich  so  sehr,  daß  selbst  in  in'to  und  un'to 
der  Ton  auf  die  zweite  Silbe  rückt:  there-into',  there-unto',  where- 
into',  where-unto'. 

4)  Partikel  verbindet  sich   mit  Partikel,  und  hier  gilt  das  allge-  §.  245. 
meine  Betonungsgesetz:  das  specialisierende  Wort  hat  den  Ton. 

Das  unselbständige  ags.  weard  gibt  die  Richtung  im  Allgemei- 
nen an,  das  vortretende  Wort  im  Besonderen.  Ags.  aefter-,  fo're-, 
hid'er-,  in'ne-,  nid'e-,  ongeän'-,  on'-,  tö'-,  up'-,  ü'te-,  f>id'er-weard,  und 
selbst  häm'-weard;  daher  auch  in  der  Alliteration:  hin'dan-weard 
Exon.  21 S,  21.  nio'do-weard  23.  Diese  Bildungen  mehren  sich  noch, 
neuengl.  af'ter-,  down'-,  for'-,  hith'er-,  in'-,  on'-,  to'-,  up'-,  out'-, 
thith'er-ward. 

Ebenso  die  YerbinduDgen  mit  forth.  Ags.  heonon-ford,  Lag. 
heonne-uord,  Wycl.  henne-forth,  ne.  hence'-forth ,  thence'-forth. 

Ferner  die  Verbindung  mit  where.  Ags.  noch  getrennt:  elles 
hwser,  Lag.  elles  whare,  nawhar  nawer  0.  summwhser  etc.,  ne.  el'se- 
where,  no'-where,  som'e-where,  e'very- where. 

Die  Verbindungen  mit  so.  Im  Ags.  noch  getrennt:  swä  hwser 
swä.  Lag.  whaer  swa,  war  so,  Orm:  whser  swa,  whaerse,  ae.  wherso, 
ne.  wher'eso.  —  Ags.  eal-swä,  ganz  so,  Lag.  al-swa  al-so  also,  Orm 
all  swa,  alls,  ae.  al-so,  as,  ne.  al'so,  as.  Ebenso  bei  den  Prono- 
men: who'-so,  what'-so,  which'-so. 

Die  scheinbaren  Zusammensetzungen  mit  -most.  Die  Bedeutung 
der  Superlativbildung  (tama)  ma  fühlte  schon  der  Ags.  nicht  mehr  und 
er  läßt  deshalb  die  gewöhnliche  Bildung  -est  antreten:  3eftem-est, 
eästem-est,  südem-est,  ufem-est,  ytem-est.  Die  Aussprache  zieht  m 
zu  est;  mest  erscheint  als  Bilducgssilbe  und  beginnt  sich  im  Ae.  zu  most 
umzubilden.    Allein  das  ursprüngliche  Lautverhältniß  bleibt,  daher  ne. 


170  Accentuation  griechischer  Wörter. 

§.  245.  fo're-most,  hind'-most,  in'-most,  out'-most,  mid'-raost  etc.  und  so  auch 
da,    wo    most   an    Substantiven   getreten    zu   sein    scheint:    head'most, 
south'-most.     Diese  unorganische  Bildung  hat  die  gleiche  Verwendung 
von  more  veranlal^t:  fur'ther-more. 
§.  246.  5)  Zwei  oder  mehrere  Wörter  fließen  zu  einer  Partikel  zusammen; 

das  bedeutsamste  Wort  behält  den  Ton. 

Ags.  nä  ]7e  Ises,  Lag.  na)?eles,  no)?ela3S,  ae.  noj^eles;  me.  nathe- 
les,  ne.  nathless'  ist  durch  never-theless'  verdrängt.  —  Im  Ae.  ein 
entsprechendes  na)^emo,  noch  bei  Sp.  nathimore,  jetzt  veraltet. 

Verstärkende  Zusätze  treten  vor  und  verbinden  sich:  ags.  ford- 
rihte,  Lag.  ford  rihte,  ford  mid,  ford  agein;  Orm:  forr);-rihht ;  ne. 
forth-right',  forth-with'. 

Das  nachstehende  verallgemeinernde  ever  hat  im  Ne.  überall 
den  Ton;  hinter  ßelativen  und  Adverbien:  Lag.  wäre  euere  etc.,  ne. 
where-ev'er,  who-ev'er,  what-ev'er,  which-ev'er,  who-so-ev'er,  which- 
so-ev'er,  what-so-ev'er. 


Zweiter  Abschnitt. 

Fremde   Accentuation. 

§.  247.  Die  zahlreichen  fremden  Elemente,   welche  in  das  Englische  ein- 

getreten sind,  gehören  hauptsächlich  der  griechischen,  lateinischen, 
italienischen,  besonders  aber  der  französischen  Sprache  an.  Von  den 
wenigen  Wörtern  anderer  Sprachen  dürfen  wir  wohl  absehen. 

Die  griechischen  Wörter  sind  meistens  wißenschaftliche  Namen. 
Sie  behalten  im  Ne.  entweder  ihre  Accentuation  wie  ide'a,  cri'sis, 
cli'max  pyri'tes,  arthri'tis,  elephanti'asis,  apoc'rypha,  syn'thesis,  hypo- 
th'esis,  metab'asis,  antith'esis,  metatb'esis ,  em'phasis,  antis'pasis,  an- 
tiph'rasis,  epen'thesis,  aphae'resis;  oder  sie  nehmen  latein.  Accentua- 
tion an,  wie  phlogis'ton  (^lopOTov)^  empye'ma  (e^Ttvifi^a),  aposio- 
pe'sis  (aTtoaiiOTtTiaig) ,  auxe'sis  (ac^r^aig) ,  exege'sis  (^f |^j"»j(ytg;^ ,  dia- 
phore'sis  (8my)6f)ri(ri,g) ,  anadiplo'sis  (avadi^thoaig)  ^  hydropho'bia 
(v8f)og)oßla),  diplo'ma  (diTtho^a) ,  asbes'tos  (aa^sarog),  asphal'- 
tos  (aa^alrog),  apos'trophe  (dTtoarpoyii)^  anaph'ora  (dvag:o()a) ; 
manche  tragen  sogar  auch  lateinische  Form:  aor'ta  (doprii)^  panthe'on 
(7tdv\)£vov) ,    probos'cis    (:rpoßo(yM<i) ,    chime'ra    (j^l^aipa),    glauco'ma 


Accentualion  lateinischer  Wörter.  171 

(y'kavxM^ia) ,  aiitanacla'-sis  (dvrarduhfiiJis;),  catachre'sis   (aar äj^pr^ini^),  §.  247. 
paracente'sis     (^tapa^tvrr^ai^)  ^      cyclopae'dia     (m'vXoTiaihia,)     —    Es 

schwanken :  anamorpho'sis  S.  W.  J.  E.  F.  K.,  anamor'phosis  P.  J. 
Sm.  (dv(m6^)(fMi5i^)\  antipto'sis  S.  W.  Wrc.  Ja.  K.  Sm.,  antip'tosis 
Wb.  P.  (aYTlTiTiOiSii);  mathe'sis  S.  W.  P.  J.  E.  F.  Sm.  Wrc,  math'- 
esis  K.  Wb.,  beides  Ja.  fjwdJhjcTfg^;  orchestra  (or'kestra  P.  K.  Wb., 
orkes'tra  W.  Ja.  Sm,  6jo;^)j(TT|fja^ ;  das  französierte  acad'emy  P.  J. 
F.  E.  Ja.  K.  Sm.  Wb.  Wrc,  und  auch  ac'ademy  S.  W.  (schon  «xaö^fteta 
und  d'Aah)i!^iia). 

Lateinische  Wörter,  die  ins  Ne.  übergetreten  sind,  behalten  ihre  §.  248. 
Accentuation ,  1)  wenn  sie  ihre  vollen  Formen  behalten,  wie  auro'ra, 
axil'la,  auri'ola,  campan'ula,  cesu'ra,  censu'ra,  coro'na,  fari'na,  vi'a, 
rainu'tiae;  acan'thus,  colos'sus,  fo'cus,  gem'ini,  ge'nius  ge'nii,  litera'ti; 
allo'dium,  desidera'tum ,  deco'rum,  da'tum,  elemen'tum,  facto'tum,  her- 
ba'rium,  lyce'um,  muse'um,  max'imum,  min'imum,  me'dium,  poma'- 
tum;  acu'men,  bitu'men,  cogno'men,  legu'men;  albu'go,  farra'go ,  len- 
ti'go,  torpe'do;  abac'tor,  adju'tor,  cura'tor,  dicta'tor,  equa'tor,  narra'- 
tor,  specta'tor;  a'pex,  appen'dix,  bom'byx,  in'dex:  Decem'ber,  Novem'- 
ber,  Octo'ber,  Septem'ber;  ge'nns  gen'era;  hia'tus,  affla'tus,'^  appara'- 
tus;  effig'ies,  spe'cies.  —  Super'bus,  supe'rior  superio'ra,  jn'nior.  — 
Manda'mus,  mit'timus,  affida'vit,  dix'it,  assump'sit,  cessa'vit,  ex'it 
ex'eunt,  imprima'tur,  memen'to.  —  Al'ibi,  alias,  er'go ,  i'tem,  gra'- 
tis,  in'terim.  —  2)  Viele  Adjectiva.  Da  aber  die  Scheidung  der  la- 
teinischen und  französischen  Adjectiven  nicht  immer  möglich  ist  und 
überdies  unnöthig,  so  stellen  wir  dieselben  lieber  zusammen.  —  3)  Zahl- 
reiche Verben,  die  aus  dem  Supinstamm  gebildet  sind,  wie  addict', 
adject',  abject',  object',  traject',  subject';  accept',  aggress',  degress', 
annex',  elect',  neglect',  correct',  assert',  affect'  etc. 

Selten  unterliegt  die  volle  lateinische  Form  anderer  Betonung, 
wie  sen'ator,  or'ator  und  bei  mehrsilbigen  fällt  der  Hauptton  weiter 
zurück,  der  Nebenton  auf  a:  ad"ula'tor,  amb"ula'tor,  assas"sina'tor, 
admin"istra'tor ,  al"iena'tor. 

Auch  die  wenigen  vollen  italienischen  Wörter  behalten  ihre  Be-  §.  249. 
tonung,  wie  bandit'ti,  mulat'to,  palmet'to,  stilet'to ,  prunel'lo ,  siroc'co, 
tobac'co ,  octa'vo,  amoro'so ,  prime'ro,  moris'co,  volca'no,  alle'gro, 
pimen'to,  arpeg'gio,  andan'te,  arma'da,  canta'ta,  cavati'na,  duen'na, 
vanil'la,  feluc'ca,  piaz'za  etc.  Rückschreiten  des  Tones  veranlaßt  Ver- 
kürzung: ban'dit;  marmot'  P.  Sm.  S.  W.  mar'mot  Ja.  K.  A.  Wb. 

Ebenso  die  hebräischen  Messi'ah,  Jeho'vah,  hosan'nah,  halle-lu'jah. 


172  Accentuation  französischer  Wörter. 

§.  250.  Sehr   zalilroich   ist   das   französische   Element.      Die  Accentuation 

desselben  ist  abhängig-  von  der  Zeit,  in  der  es  eintritt,  der  Weise, 
in  der  es  Eingang  findet,  und  dem  Kreise,  in  dem  es  zu  Gebrauche 
gelangt. 

Das  Altfranzösische  wurde  gewiß  nicht  gesprochen ,  wie  die  ge- 
genwärtige Conversationssprache.  Hier  reiht  sich  Silbe  an  Silbe  wie 
die  Perlen  einer  Schnur,  alle  gleich  schwer,  ohne  rhythmische  Be- 
wegung, ohne  Hebung  und  Senkung.  Das  Altfranzösische  dagegen  hat 
noch  den  Rhythmus  des  Lateinischen,  und  hier  fügen  sich  an  die  eine 
betonte  Silbe  die  weniger  betonten  Silben  und  verbinden  sich  mit  je- 
ner zur  Worteinheit.  Die  Uebereinstimmung  der  lat.  und  franz.  Be- 
tonung ist  daraus  ersichtlich,  1)  dal^  die  betonte  Silbe  bleibt  und 
darin  die  gleiche  oder  entsprechende  Yocalisation ;  —  2)  dal^  die  un- 
betonte Silbe  im  Inlaute  Lautschwankung  und  Schwächung  zuläßt,  wie 
car'dina"lis  afrz.  cardinal  cardenal  cardonal,  incantamentum  afrz.  enchan- 
tement,  im'perator"-is  empereor',  pro'curator'-is  procureor',  faction'-is 
faceon';  und  im  Auslaute  bisweilen  wegfällt:  glo'ria  gloire,  natura 
natu're,  avari'tia  avaii'ce,  capti'vus  chaitif;  —  3)  daß  selbst  unbe- 
tonte Silben  im  Inlaute  ausfallen:  apos'tolus  apos'tole  apos'tle,  be'ne- 
dictio"n-is  benei9on',  bre'vita"tis  brefte',  ci'vita'tis  citeit'  cite',  buti'- 
cula  botil'le,  fo'risfacf'um  forfeit',  com'puta"re  conter',  ae'stima're 
aesmer',  am'bula're  ambler',  ju'dica're  juger'.  Nur  die  Beschrän- 
kung ist  im  Altfranzösischen  eingetreton,  daß  hier  der  Accent  nie 
über  die  beiden  letzten  Silben  hinaufsteigt,  während  er  im  Lat.  auch 
auf  der  drittletzten  Silbe  ruhen  kann. 

Dieses  französische  Accentuationsgesetz  steht  in  geradem  Gegen- 
sätze zum  deutschen  oder  angelsächsischen.  Der  deutsche  Accent  hat 
logische  Bedeutung,  der  französische  rhythmische;  jener  ruht  auf  der 
Stammsilbe,  der  Trägerin  des  Begriffs,  und  deshalb  meist  auf  der  An- 
fangssilbe, dieser  steigt  nie  über  die  vorletzte  Silbe  hinauf;  jener  ver- 
ändert sich  nur  mit  der  Bedeutung,  dieser  mit  der  Wortform. 

§.  251.  Die  französische  Accentuation  tritt  an  und  mit  dem  französischen 

Elemente  ein  und  dieses  schon  vor  Wilhelm  dem  Eroberer.  Die  Bil- 
dung, die  König  Edward  und  später  der  Adel  sich  in  der  Norman- 
die  aneignete,  die  zahlreichen  Normannen,  die  nach  England  vor  der 
Invasion  einwanderten,  führten  es  ein.  Die  ersten  Spuren  französi- 
scher Betonung  zeigt  Lag.  im  Reime:  Peiters'  Angers'  24400,  Nor- 
mandie'  Neustrie'  24401,  Spaine  Alemaine  24416,  Gregorie  appostolie 
29613,  salteriun  coriun  7002.  —  Sehr  zahlreiche  Belege  liefert  Reim 


Accentuation  französischer  Wörter.  173 

(und  Rhythmus)  im  Ae.  und  Me.     Nach  RG.  und  Ch.  reimen  folgende  §.  251. 
Bildungssilben : 

1)  -ade:  pavade  Made.     Ch.  3928. 

2)  -ace:  solaco  was  RG.  9956.  solas  was.  Ch.  3335.  manace 
place  2005. 

3)  -age:  seruage  ostage  RG.  250.  rage  eritage  1897.  corage 
pilgrimage  Ch.   11.  visage  usage   109,  langage  mariage  212. 

4)  ail  aille:  fail  bataile  RG.  1289.  conseil  travail  3434.  bataille 
faille  Ch.   1855.  pouraille  vitaille  248. 

5)  -ain:  Spayne  Bretayne  RG.  1836.  certain  withsain.  Ch.   1141. 

6)  -an:  cirurgian  man  RG.   12076. 

7)  -ance:  launce  meschance  RG.  2910.  distance  France  1853. 
substance  Süffisance  Ch.  486.  observance  remembrance  1048. 

8)  -ant:  avant  repentant  Ch.  228.  remenant  servaut  4406. 

9)  -at:  legat  gat  RG.   12150. 

10)  -e,  ee,  ey:  contree  he  Ch.  216.  tretee  contree  1290.  wey 
contrey  RG.  489. 

11)  -eis:  courteis  Totteneis  EG.  paleis  harneis  2698. 

12)  -el:  castel  Paynel  RG.  9353.  castel  wel  9660. 

13)  -ence:  reverence  sentence  Ch.  2534.    absence  presence  1241. 

14)  -ent:  patient  diligent  Ch.  480. 

15)  -er,  ere:  boteler  panyter  RG.  4178.  poer  her  10225.  bracer 
bokeler  Ch.  212.  squier  labourer  1410.  prisonere  yere  1460.  cloisterere 
scolere  262. 

16)  -ere:  manere  here  RG.  3015.  manere  debonere  3492.  matere 
here  Ch.   1262. 

17)  -esse:  abesse  contesse  RG.  7782.  richesse  princesse  Ch.  1833. 
goddesse  gesse  1103. 

18)  -est:  forest  best  Ch.   1977. 

19)  -ice,  ise:  justise  wise  RG.  10892.  franchise  assise  1235. 
Service  device  Ch.  1418.  Service  exercise  1438. 

20)  -ie:  mastrie  Normandie  RG.  54.  felonye  vilanye  2645.  non- 
nerie  Marye  5892.  prophecie  signifie  3245.  melodie  manie  Ch.  1376. 
curtesie  crie  3126.  minstralcie  crie  2673. 

21)  -if:  wif  jolif  Ch.  4152.  demonstratif  lif  7854. 

22)  -ike:  melancolike  fantastike  Ch.  1377. 

23)  -in,  ine:  cosyn  Constantyn  RG.  4594,  concubine  fine  633. 
pyne  cosyne  PL.   1264. 

24)  -ion,  cion,  tion,  sion:   passion  dragon  RG.  11492.  trans- 


174  Accentualion  französischer  Wörter. 

§.  251.  migracion  incarnacion  198,  reson  condition  Ch.  37.  prison  opinion  1272. 
coiifession   1735.  protestatioun  soun  3140. 

25)  -ment:  Kent  jiiggement  RG.   1241.  maundement  isend  4132. 
jugement  assent  Ch.  780.  commandement  sent  2871. 

2ü)  -on:    toun    ranson   RG.   9674.   douii    leon   PL.    103G.    prison 
treson  7375.  raunson  prison  Ch.  1208. 

27)  -or,  our:    honour   emperour   RG.   1505.   socour   tour  11752. 
contour  vavasour  Ch.  361.  mirrour  colour  1401.  successour  labour  4842. 

28)  -ous:   pitous   mous    Ch.   143.  vertuous  lious  251.  plenteous 
hous  346.  contrarious  Venus  6280. 

29)  -te:  cyte   me  RG.  8508.  pite  trinite   11135.    charitee  degre 
Ch.   1435. 

30)  -tu de:  rüde  similitude  Ch.  3228. 

31)  -t-ume:  costome  some  RG.  9805. 

32)  -ure,   t-ure:    auenture   dure   RG.    4198.    creature    aventure 
Ch.   1166.  portreitures  figures   1918. 

Auch   der  Rhythmus  zeigt  dieselbe   Betonung.     So    bei  Ch.  ver- 
tu'e  4.  natu're   11.  av'entu're  25.  honour'  46.  na'tions'  53.  statu're  83. 
con'scien'ce  150.  plesant'   138  etc. 
§.  252.  Diese  Betonung  mußte  sich  erhalten,  so  lange  noch  das  Franzö- 

sische neben  dem  Sächsischen  im  öffentlichen  Leben  gebraucht  wurde, 
durch  die  ungehemmte  Einwanderung  sich  auffrischte  und  in  den 
Schulen  Pflege  fand.  Ja  es  scheint  sogar  auf  das  deutsche  Element  ein- 
gewirkt zu  haben;  s.  §.  205.  Als  aber  das  Französische  aui^er  Ge- 
brauch kömmt  in  der  Schule  (1349 — 1389),  in  den  Gerichtshöfen 
(1362),  im  Parlamente  (1483),  als  nur  Trümmer  der  verschollenen 
Sprache  im  Englischen  zurückbleiben,  da  muli  die  Umformung  des 
fremden  Elementes  beginnen.  Und  wenn  auch  noch  lange  in  den  obern 
Ständen  die  französische  Aussprache  fortklingt,  im  Munde  des  Volks 
beginnt  das  Französische  sächsische  Lautung  anzunehmen.  Als  Re- 
präsentant der  höhern  Stände  und  ihrer  Bildung  kann  Spenser  be- 
trachtet werden,  die  Sprache  des  Lebens  spricht  der  dramatische 
Dichter.  Hierdurch  erklärt  sich  der  grolle  Unterschied  zwischen  Spen- 
ser und  Shakespeares  Accentuation,  wenn  man  nicht  annehmen  will, 
dali  der  epische  Dichter  in  seiner  Faery  Queen  den  alten  feierlichen 
Ton  anschlug.  Er  hat  noch:  Bidding'  his  bea'des  all  day'  for  his' 
trespas'  1,  1,  30.  All  tho'se  were  law'lesse  Lust'es,  corrupt' 
Envyes'2,  11,8.  So  forth'  they  both'  yfer'e  make  their'  progres'se 
3,  11,  20.    She  there'  attach'ed,  far'  from  all'  succour'e  2,  10,  19. 


Accentuation  französischer  Wörter.  175 

As  might'  become'  a  squy're  so  great'  persons'  to  greet'  1,  10,  7.  §.  252. 
His  stout'  cora'ge  to  stou'pe,  and  shew'  his  in'ward  pai'no  2,  1,  42. 
That  tlirough'  coiitin'uall  prac'tise  and'  usa'ge  2,  9,  54.  Upon'  tlie 
part'es  bronght  in'to  their'  bonda'ge  2,  11,  1.  Throwne  out'  by  an'gry 
Jo've  in  bis'  vengean'ce  4,  6,  14.  And  all'  sixe  breth'ren,  borne 
of  one'  parent'  3,  1,  44.  But  non'e  tben  it'  more  fowl'e  and  in- 
decent'  2,  9,  1.  Füll  en'vious'  that  night'  so  long'  his  roome'  did 
fiir  1,  2,  1.  Soon  meet'e  they  both',  both  feil'  and  fu'rious  l,  2,  15. 
To  See'  bis  syre'  and  of 'spring  aun'cient'   1,  6,  30. 

Manche  Wörter  haben  nocb  vollere  Formen;  unbetonte  Silben 
verklingen  später  in  Folge  der  Accentuation: 

In  her  sonnes  flesb,  to  mind  reven'gement'  2,  2,  10.  Hath 
now'  made  thrall'  to  your'  commandemont'  1,  2,  22.  With  wbome' 
kyng  Coyir  made  an'  agre'e-ment'  2,   10,  59. 

Selbst  Sb.  und  sogar  Milton  enthalten  noch  vieles,  was  seitdem 
in  Folge  deutscher  Accentuation  umgebildet  worden  ist. 

Die  Umbildung  beginnt  schon  früher.  Chaucer  bringt  schon  eine  §.  253. 
gröl^ere  Anzahl  französischer  Wörter  mit  deutscher  Accentuation,  wie: 
mor'tal  1738.  gen'til  72.  1755.  tem'pest  4916.  stat'ue  1957.  per'sone 
475.  glo'rie  872.  con'seil  667.  sub'stance  14809.  pre'fect  15830.  pro'- 
cesse  2969.  pro'verbe  6233.  tres'pas  1766.  par'fit  72.  se'son  19.  pri'- 
son  1097.  les'son  711.  le'on  1777.  prai'er  2423.  con'tree  1385.  pi'tee 
1763.  ci'tee  2190.  ar'mee  60.  enchant'ment  1946.  vengeance  2068.  dor- 
mant  355.  ba'taille  61.  1010.  ma'nere  71.  forneis  202.  cer'tainly  204  etc. 
Manche  Wörter  haben  daher  schon  doppelte  Betonung:  That  quit'ely 
wer'en  out'  of  my  prison'  1794.  This  pris'on  caus'ed  me'  not  for' 
to  cri'e  1097.  And  still'  he  sit',  and  bid'deth  bis'  praier'e  3641. 
The  prai'er  stint'  of  Ar'cita'  the  strenge  2423.  Who  bad'e  the  fou're 
spir'its  of  terapest'  4911.  That  fro'  the  tem'pest  ay'  this  wom'an 
kepte  4916.  It  is'  ful  fayr'e  to  ben'  yclep'ed  mada'me  378.  And 
she'  was  clep'ed  mad'ame  Eg'lenti'ne  121.  At  mor'tal  ba'tailles 
hadd'e  he  ben'  fifte'ne  61.  Alle  red'y  to'  darrein'  hire  by'  ba- 
taille   1S55. 

Im  Ne.  befestigt  sich    der  deutsche  Sprachstoff,    der  französische  §.  254. 
behält  entweder   seine  Accentuation  oder  unterliegt   deutscher  Accen- 
tuation. 

I.  Die  französischen  Wörter,  welche  ihren  Accent  behalten,  sind: 

1)  Die  Substantiven  a)  auf  -ade  nebst  den  abgeleiteten  Verben : 
ambuscade',  arcade',  barricade',  blockade',  brigade'  (aber  M.  pl.  1,  675. 


17G  Acccnlualion  df^r  französischen  Wörter. 

§.  254.  2,  532.  versucht  brig'ad),  cavalcade',  cascade',  croisade'  Crusade', 
colonnade',  facade',  palisade',  passade',  pomade',  rodomöntade',  Se- 
renade', stoccade',  Sh.  1  KHd.  4,  1  noch  comrade',  jetzt  jedoch  com'- 
rade.  Auch  die  daneben  liegenden  italienischen  Formen  behalten  ihren 
Accent:  palisa'do,  rodomonta'do ,  stocca'do. 

b)  Die  Substantiven  auf  -ier:  arquebusier',  brigadier',  cavalier', 
cashier',  chandelier',  Chevalier',  financier',  gondolier',  grenadier'  etc.; 
ferner  analoge  Bildungen  mit  der  entsprechenden  Schreibung  -eer: 
auction-eer'(ier),  buccan-eer'(ier),  cannon-eer',  engin-eer',  gazett-eer', 
mountain-eer',  mulet-eer',  rausket-eer',  pion-eer',  privat-eer',  volunt-eer'. 
Neben  die  romanische  Endung  ist  bisweilen  das  deutsche  -er  getreten. 
Da  dies  auf  die  Accentuation  keinen  Einflul^  hat,  so  bleibt  die  Accen- 
tuation  des  Wortes,  an  welches  -er  antritt:  harpoon-eer'  (harpoon') 
harpoon'-er,  mountain-eer'  (moun'tain)  moun'tain-er,  lancier'  (lance') 
lan'cer. 

c)  Die  Substantiven  auf  e,  welche  Personen  bezeichnen,  die  nach 
ihrer  passiven  Betheiligung  an  einem  juristischen  Acte  genannt  sind: 
appellee',  bailee',  bargainee',  de6tee',  donee',  endorsee',  feoffee',  gran- 
tee',  legatee',  imparsonee',  obligee',  payee',  pawnee',  promisee';  auch 
in  analogen  Bildungen,  wie  protegee',  refugee',  grandee';  ferner  in 
einigen  Sachnamen:  wie  jambee',  fricassee'.  Endlich  in  (frz.  e,  lat. 
aeus):  Pharisee',  Saducee',  Pyrenees'. 

Ebenso  die  Substantiven  auf  -or,  die  die  entgegengesetzten 
juristischen  Begriffe  enthalten:  appellor',  bargainor',  donor',  grantor', 
legator',  obligor',  promisor'.  Der  allgemeinere  Gebrauch,  in  den  das 
Wort  eintritt,  ändert  Betonung  und  Endung,  wie  bai'lor,  debt'or, 
endor'ser,  feof'for  feof'fer,  paw'ner,  bargainor'  bargai'ner  W. 

Die  Substantiven  auf  -on  (lat.  on),  das  sich  in  Folge  der  Beto- 
nung gewöhnlich  zu  öon  gedehnt  hat:  balöon',  buffoon',  bassoon',  ba- 
toon',  Cartoon',  dragoon',  galloon',  harpoon',  macaroon',  maroon',  mon- 
soon',  pantaloon',  poltroon',  saloon',  spontöon'  und  gazon'. 

e)  Die  Substantiven  auf  -in  und  -ine:  bombasin'  bombazlne', 
capuchin',  chagrin',  palanquin',  violin';  chopine'  cbopin'  (chop'in  P. 
F.),  colbertine',  fascine',  gabardine',  babardine',  magazine',  mandarine', 
marine',  routine',  saline',  sordine',  tabourine',  tontine'. 

f)  Folgende  Substantiven:  buffet',  cadet',  piquet',  sabof,  ban- 
quett'e,  estafet(te),  brunett'e,  etiquett'e,  gazett'e,  grisette,  cravat'; 
—  canal',  cheval',  cabal',  control',  cartel',  parol'e,  bagatell'e, 
gazell'e,  codill'e,  famill'e,  quadrill'e,  spadill'e;   —  chateau',   bureau'. 


Accentuation  französischer  Wörter.  177 

rouleau';  —  accoiiclieur',  amateur',   connoissour';   solitair'e;  reservoir',  §.  254. 
boudoir',    abreuvoir';   bazaar',    hussar',    colur'e,    manur'e;   —   antiq'ue, 
critiq'ue,  fatig'iie,  iiitrig'ue;  —   capric'e,   polic'e,  chemis'e;   grimac'e, 
caboos'e;    fiuanc'e,    romanc'e,    complaisanc'o;     —    cbicane',    domain'; 
menage',  fines'se. 

Es  schwanken:  curvet  (kur-vef  S.  W.  P.  J.  E.  F.,  kurvet  Ja.  Sm. 
Wb.),  gavot  (gav'ot  P.  J.  Wb.  Wrc,  ga-vot'  Ja.  Sm.),  toupet  (tö-pe' 
S.  P.  J.  F.,  tö-pet'  W.  Ja.,  tö-pa  K.  Sm.) ,  memoir  (me-moir'  oder 
mem'wär  W.  P.  F.  Ja.,  me-moir'  oder  me'-mwär  S.,  mem'wär  J.  K. 
Sm.),  courtesan  (-san'  S.  Vi.  J.  F.  Sm.  Wrc;  cour'tisan  S.  Wb.). 

2)  Adjectiven.  Hier  lälH  sich  nicht  genau  scheiden,  was  unmit-  §.  255. 
telbar  aus  dem  Lat.  übergegangen  ist  oder  erst  aus  dem  Franz.,  und 
dazu  treten  noch  viele  analoge  Bildungen.  —  a)  Adjectiven,  die  lat. 
-US  abgestoßen  haben :  acerb',  angust',  apert',  august',  benign',  robust', 
rotund'  etc.  oder  die  stummes  e  dafür  haben:  divine',  extreme',  hu- 
mane', mature',  minute',  obscure',  sincere',  polite',  opaque'. 

b)  Adjectiven  auf  lat.  us,  afrz.  ous  und  analoge  Bildungen:  cov'etous 
(cupidus,  afrz.  covoitous),  ace'tous,  cano'rous,  accli'vous,  friv'olous, 
con'gruous,  aber  odo'rous  (noch  M.  pl.  5,  481:  spirits  odo'rous  brea- 
thes)  ist  in  Folge  der  Substantivbetonung  oder  deutscher  Accentuation 
o'dorous  geworden. 

c)  Adjectiven  auf  lat.  -eus,  -ius,  -uns,  -ulus:  arbo'reous,  car'- 
neous,  ce'reous,  ceru'leous,  cu'preous,  cor'neous,  erro'neous,  fer'- 
reous,  ido'ueous,  ig'neous,  lact'eous,  niv'eous;  anx'ious,  censo'rious, 
du'bious,  nefa'rious,  ar'duous,  exig'uous,  fat'uous;  gramin'eous;  acid'- 
ulous,  cred'ulous,  gar'rulous,  arundina'ceous,  ceta'ceous,  coria'ceous, 
fabula'ceous,  folia'ceous,  herba'ceous,  lilia'ceous,  fictit'ious,  gentilit'ious. 
Dasselbe  gilt  von  denen,  welche  entweder  von  latein.  Substantiven 
in  gleicher  Weise  abgeleitet  sind,  wie  adul'terous,  alu'rainous,  argil'- 
lous  (argil'la),  au'gurous,  cadav'erous,  can'cerous,  ca'rious,  clam'orous, 
favillous,  fla'vorous,  glu'tinous,  hu'morous;  a'queous,  ara'neous;  acri- 
mo'nious,  alumin'ious;  auspic'ious,  ceremo'nious,  delic'ious,  facet'ious, 
offic'ious ,  judic'ious ;  argilla'ceous ,  butyra'ceous  ,  carbona'ceous,  crus- 
ta'ceous,  ferru'ginous,  imag'inous  etc.  oder  von  französischen  Substan- 
tiven: da'ngerous,  beau'teous,  cour'teous,  chiv'alrous,  du'teous,  haz'- 
ardous,  mount'ainous ,  coura'geous,  capric'ious,  malic'ious.  —  An- 
dere analoge  Bildungen  erscheinen  als  Weiterbildungen  lateinischer 
Adjectiven,  besonders  derer  auf  x,  wie  atro'cious  (atrox),  auda'- 
cious,  biba'cious,  capa'cious,  preco'cious ,  eda'cious,  effica'cious,  fera'- 

Koch,  engl.  Grammatik.    I      2.  Aufl.  12 


178  Accentuation  französischer  Wörter. 

§.  255.  cious,  fero'cioiis,  fuga'cious,  loqua'cious,  menda'cious;  alac'rious  (ala- 
cer),  as'perous,  cau'tioiis  (cautus),  dex'terous,  lasciv'ious,  exanimous 
(oxanimis) ;  illus'trious. 

d)  Adjectiven  auf  latein.  -eus,  -ins,  die  im  Engl,  mit  ean,  ian 
ersetzt  sind,  wie  agra'rian,  ital'ian,  plebe'ian,  cerbe'rean,  ceru'lean, 
elys'ean,  hercu'lean,  marmo'rean,  rael'lean,  robo'rean. 

e)  Adjectiven  auf  lat.  -eus  (gr.  eio^):  colosse'an,  adamante'an, 
atlante'an,  europe'an,   gigante'an,   lethe'an,   mausole'an,   pythagore'an. 

f)  Adjectiven  auf  lat.  -icus,  wie  aquat'ic,  barbar'ic,  domes'tic, 
majes'tic. 

g)  Adjectiven  auf  lat. -ösus,  afr.  os:  acetose',  armentose',  aquose', 
bellicose',  globose',  jocose',  morose',  nervöse',  nodose',  rugose', 
verbose'. 

h)  Adjectiven  auf  lat.  -iscus ,  afrz.  esque,  ital.  esco:  burlesq'ue, 
romanesq'ue. 

§,  256.  3)  Verben    lat.  und  frz.,   wie  baptise',    cajole',    caress',    calcine', 

carouse',  cbastise',  divine',  equip',  esteem',  escape',  lament',  tatoo'  etc. 
Sehr  zahlreich  sind  die  zusammengesetzten  Verben,  wie  adduce',  ad- 
here',  admire',  admit',  adopt',  adore',  adorn',  advert',  adjoin',  adjourn', 
adjudge',  adjure',  adjust',  advance',  advise';  amend',  accede',  alleg'e, 
appear',  approve',  arrode',  assent';  circumscribe',  combine',  commend', 
confute';  defame';  disblame',  disguise',  dispute',  displease',  diffind'; 
emit';  excuse',  exchange',  excel';  embroil',  employ',  imbibe',  illude',  in- 
crease';  intervene',  entertain';  introduce';  oblige',  occur',  offend',  op- 
pose';  perceive';  postpone';  preclude';  profess';  pretermit';  rebel' ,  re- 
trocede',  seduce',  subsign',  succeed',  suffice',  supply',  superscribe';  ap- 
pertain',  coexist',  coincide',  correspond',  disagree',  disconcert',  disin- 
fect',  disengage',  recommend'. 

§.  257.  IL     Die    französischen    Wörter,    welche    deutscher   Accentuation 

unterliegen. 

Die  Umbildung  hat  ohne  Zweifel  begonnen,   als  das  Französische 
in    die  Volkssprache    übertrat.      Die  Anfänge   liegen  uns    vor   in    den 
mittelengl.  Dichtern  und   seitdem   breitet   sich   die   deutsche  Accentua- 
tion weiter  und  weiter  aus.    Der  Khythmus  der  altern  neuengl.  Dichter 
zeigt  noch  oft  französische  Betonung,  die  jetzt  der  deutschen  gewichen 
ist.     So  zeigt  Milton  noch  folgende  Beispiele: 
Not  likely  to  part  hence  without  contest'.  4,  872. 
(He)  Should  win  in  arms,  in  both  disputes  alike 
Victor;  though  brutisb  that  contest',  and  foul.  M.  pl.  6,   124. 


i 


Acccntuation  französischer  Wörter.  179 

He  sorrows  now  ,  repeüts,  aud  prays  contrite'.   11,  90.  §.  257. 

Each  with  their  kiiid,  Hon'  with  lioness.   8,   393. 

How  bave  I  then  ^Yith  wliom  to  hold  converse'.  8,  408. 

Barr'd  over  us,  prohibit  all  egress'.  2,  437. 

Placed  iu  a  Paradise,  by  cur  exile' 

Made  happy.    10,  484. 

Beyond  all  past  example  and  future'.   10,  840. 

-  but  to  human  ear 
Cannot  -svithout  process'  of  speech  be  told.  7,  178. 

-this  empire ,  which  might  rise 
By  policy,  and  long  process'  of  time.  2,  297. 
Which  of  US  who  behold  the  bright  surface'.  6,  472. 

-the  setting  sun 
Slowly  descended,  and  with  right  aspect'.  4,  541. 
His  words  here  ended,  but  bis  meek  aspect'.  3,  266. 
So  without  least  Impulse'  or  shadow  of  fate.  3,   120. 
By  this  new-felt  attraction  and  in  st  in  et'.  10,  263. 
If  stone ,  carbun'cle  most  or  chrysolite.  3,  596. 
Not  far  off  heav'n,  in  the  precincts'  of  light.  3,  88. 
By  his  pre  Script'  a  sanctuary  is  framed.  12,  249. 
To  whom  thus  Michael:     These  are  the  product'.  11,  683. 
In  that  obscure  sojourn'.  —  3,  15. 
Who  now  triumphs',  and  in  th'  excess  of  joy.   1,  123. 
Where  sceptred  angels  held  their  residence. 
And  sat  as  princes;  whom  the  su'preme  king  etc.   1,  735. 

Thus  roving 
In  confused  march  forlorn,  th'  adyent'rous  bands.  2,  615. 

Im  Ne.   gelten    für    die    romanischen    Wörter,    welche    deutscher  §.  258. 
Accentuation  unterliegen,  folgende  Gesetze. 

1)  Die  zweisilbigen  Wörter  können  natürlich  den  Accent  nur  eine 
Stelle  zurücktreten  lallen. 

Ne.  a)  en'vy,  lat.  invi'd-ia,  afrz.  envie',  ae.  envie. 
-    b)  jew'el,  joca'le,  afrz.  jo-el,  ae.  jo-el,  me.  jew-el'. 

mor'tal,  morta'lis,  afrz.  mortal',  me.  mortal'. 

civ'il,  civi'lis,  afrz.  civil',  me.  civil'. 

quar'rel,  quere'la,  afrz.  quarel',  ae.  quarel'. 

cru'el,  crude'lis,  afrz.  cruel',  me.  cruell'. 

squir'rel,  sciuri'olus,  afrz.  escurel',  me.  squyrelle  M. 

bow'el,  botellus ,  afrz.  boel'  beeile',  ae.  bow-el. 

12* 


180  Deutsche  Accentuation  französischer  Wörter. 

§.  258.  Ne.  b)  chap'ol,  capel'la,  afrz.  chapel',  ac.  chapel'le. 

dam 'sei ,  dominicoria,  afrz.  dameisel'le ,  ae.  damysele. 
cast'le,  castollum ,  afrz.  castel',  ae.  castel  und  castle. 
coun'sel,  consi'lium,  afrz.  coiiseil ,  ae.  conseil. 
prob'lem,  proble'ma,  me.  prob'leme  Ch.  7801. 
V'il'lain,  villanus,  afrz.  vilain',  ae.  vilain'. 
chap'lain,  capellanus,  afrz.  capelain,  me.  cha'pellei'ne. 
chief'tain,  capitanus,  afrz.  chevetai'ne,  ae.  cheventeyn', me.  chevetain. 
sur'geon,  chiriirgiis,  ae.  cirurgian  RG.  12075,  sur'gien.  Ch.  Mel. 
fountain,  fontana,  afrz.  fontane,  me.  fontaine. 
cous'in,  con'sobri'nus  cosinus,  afrz.  cosin',  ae.  cosyu'e. 
doc'trine,  doctri'na,  afrz.  doctrine,  me.  doctrine. 
-     -         trea'son,  traditio 'n-is,  afrz.  traisson ,  ae.  treson'.  W 

poi'son,  potio'n-is,  afrz.  poison',  ae.  poyson'. 
pris'on ,  prension'-is ,  afrz.  prison',  ae.  prison'. 
li'on,  leon-is,  afrz.  leon',  ae.  leon',  lion'. 
sud'den,  subitanus,  afrz.  sodain',  ae.  sodein'. 
for'eign,  foraneus,  afrz.  forain',  ae.  forein. 
bar'gain,  ?  barcania,  afrz.  bargai'ne,  ae.  bargain'. 
moun'tain,  montanea,  afrz.  montaigne,  me.  mountag'ne  Ch. 
vic'ar,    vicarius,    afrz.    vicair'e,    vi'carie    PL.    683.    me.  vicary' 

vi'car  Ch.  vacrie  Mau.  3. 
schorar,  scholaris,  frz.  ecolier,  me.  scole're  Ch. 
gram 'mar,  lib.  grammaticarius,  afrz.  grammaire,  me.  grammer'e  Ch. 
ush'er,  ostiarius,  afrz.  huissier. 
mor'tar,  mortarium,  frz.  mortier,  ae.  morter. 
da'nger,  damniarium,  afrz.  dangier,  ae.  daunge're. 
dow'er,  dotarium,  afrz.  doai're,  me.  dowaire  und  dower. 
cen'ser  und  in'ceusory ,  incenso'rium ,  afrz.  encensier',  me.  censer. 
ma'nger,  manducatorium,  afrz.  mangier,  me.  manger. 
mirror,  miratorium,  afrz.  mireor,  me.  mirrour'  Ch. 
ra'zor,  rasorium,  afrz.  rasoir  rasor,  me.  rasor. 
hon'our,  honor'-is,  afrz.  honor',  ae.  honour'. 
jug'gler,  joculator,  afrz.  jogleor',  ae.  jogelour'. 
riv'er,  riparia,  afrz.  rivie're,  me.  rive're. 
man'ner,  ital.  maniera,  afrz.  manie're,  ae.  mane're. 
na'ture,  natu'ra,  afrz.  natu're,  me.  natu're. 
crea'ture ,  creatura,  afrz.  creatur'e,  me.  cre-a-tur'e  Ch. 
ju'ry,  juratus,  afrz.  jure,  ae.  jurie. 


i 


i 


Deutsche  Accentuation  französischer  Wörter.  181 

Ne.  c)  cler'gy,  clericatus,  afrz.  clergio,  me.  clergie'  Ch.  §.  258. 

coun'ty,  comitatus,  afrz.  conteit  contee,  me.  countie. 
trea'ty,  tractatus,  afrz.  traite,  me.  tretee'  Ch. 
coiin'try,  prov.  contrada,  afrz.  contreie,  ae.  contrey'. 
stat'ute,  statutum,  me.  Statute, 
sol'ace,  solatiiim,  afrz.  sola'ce,  ae.  solas'. 
pal'ace,  palatium,  afrz.  palais  paleis,  me.  pal'eis  Ch. 
ser'vice,  servitium,  afrz.  servi'se,  ae.  servi'se  Ch. 
jus'tice,  justitia,  afrz.  justi'ce,  me.  jiisti'ce  Ch. 
her'mit,  eremita,  afrz.  ermit'e,  me.  hermit'. 
com'et,  cometes ,  frz.  comete. 
plan'et,  planeta,  frz.  planete. 
pit'y,  pietat'is,  afrz.  piteit'  pitie',  me.  pitee'  Ch. 
city,  civitat-is,  afrz.  citeit'  citee',  ae.  cite,  me.  citee'  Ch. 
beau'ty,  ?  bellitat-is,  afrz.  bealteit  beaute,  me.  beiitee'. 
tem'pest,  tempestat-is,  afrz.  tempeste,  me.  tempest'  Ch. 
vir 'tue,  virtut-is,  afrz.  vertut,  ae.  vertew'  vertu'e. 
var'let,  afrz.  vassalet  vaslet,  me.  varlet. 
com'rade,  frz.  camarad'e. 

-  d)   cas'sock,  von  casa,  ital.  casacca,  frz.  casa'que. 

bar'rack,  barra,  ital.  barracca,  frz.  bara'que. 

cour'age,   cor-d,  ital.  corraggio,  afrz.  corage,  me.  cora'ge  Ch. 

hom'age,  homagium,  afrz.  homage,  ae.  homage. 

ou'trage,  ultragium,  afr.  oltrage  outrage,  me.  outra'ge  Ch. 

u'sage,  usaticum,  afrz.  usage,  me.  usa'ge  Ch. 

fur'nace,  fornac-is,  frz.  furnaise,  me.  furneis'  Ch. 

par'tridge,  perdic-is,  afrz.  pertris,  me.  partrich  Wycl. 

cut'las,  cultellus,  frz.  coutelas. 

sau'sage,  ital.  salsiccia,  frz.  saucis'se. 

-  e)    cai'tiff,  captivus,  afrz.  chaitif,  me.  caitif  Ch. 

na'tive,  nativus,  afrz.  naif,  me.  natif. 

mo'tive,  ital.  motivo,  me.  motif  Ch. 

ab'bess,  abbatissa,  ae.  me.  abesse. 

coun'tess,  ital.  contessa,  afrz.  contesse,  ae.  contass'. 

-  f)  sav'age,  silv-aticus,  afrz.  salvage  sauvage,  ae.  sauvage. 

trav'el,  ital.  travaglio,  afrz.  travail',  ae.  travail'. 
per'il,  periculum,  afrz.  peril',  ae.  peril. 
bot'tle,  buticula,  afrz.  boutille,  me.  botel. 
un'cle,  avunculus,  prov.  avoncle  oncle,  ae.  uncle. 


182  Deutsche  Accentualion  französischer  Wörter. 

25S.  Ne.  f)  mus'cle,  musculus,  frz.  miiscle,  rae.  muscle  Ch. 

im'age,  imagin-is,  afrz.  imagene  und  Image. 

ves'sel,  vas-culum ,  afrz.  vaissel',  rae.  vessel  vesselle. 

her'ald,  ahd    heriwalt,  lat.  heriwaltus,  afrz.  heralt  heraut'. 

rib'ald  (ahd.  hriba  prostituta),  afrz.  ribald  ribaud. 

vi'and,  vivenda,  afrz.  viande. 

fac'und,  facundus,  me.  faconde  Ch. 

mar'quis ,  raarchio-n,  afrz.  markis,  me.  markis. 

frag'ment,  fragmentum,  frz.  fragment'. 

sci'ence,  scientia,  afrz.  science,  me.  scien'ce  Ch. 

cow'ard  (v.  cauda)  ital.  cod-ardo,  afrz.  coard  cuart. 

stand'ard,  standardum,  afrz.  estendart. 

cav'ern,  caverna,  afrz.  caver'ne. 

tav'em,  taberna,  afrz.  taver'ne,  me.  taver'ne  Ch. 

post'ern,  posterula,  afrz.  posterle  posterne,  ae.  posterne. 

de'ism,  deismus. 

bap'tism,  baptisma,  afrz.  baptisme. 

hon'est,  honestus,  afrz.  boneste,  me.  honest  Ch. 

for'est,  foresta,  afrz.  forest,  me.  forest'  Ch. 

leav'en  lev'en ,  levamen ,  frz.  levain'. 

voriime,  Volumen,  me.  volu'me  Ch. 

the  an'guish,  angustia,  afrz.  angoisse,  ae.  angusse,  me.  ang- 
wische Wycl. 
So  noch  viele,  wie  bal'lad,  dec'ade,  mon'ade;  ballot,  bil'let, 
blank'et,  clos'et,  fer'ret,  fil'let,  pock'et;  cab'bage,  dam'age,  man'age; 
barance,  es'sence,  quit'tance,  sen'tence,  si'lence:  ten'ant ,  tru'ant:  cou'- 
chee,  lev'ee,  spon'dee,  trochee;  clam'our,  col'our,  fa'vour,  la'bour; 
curture,  fea'ture,  figure,  gest'ure,  lect'ure,  meas'ure,  pict'ure  etc. 
Selbst  in  Compositionen  mit  Partikeln  fällt  der  Accent  auf  diese 
zurück:  to  differ,  the  und  to  offer,  the  und  to  proffer,  to  suf'fer; 
the  und  to  com 'bat,  the  und  to  com'fort,  the  com'merce,  the  und  to 
com'pass,  to  con'strue,  the  und  to  for'feit,  to  in 'jure,  the  und  to 
in'stance,  the  of'fice,  per'fect,  to  per'jure,  the  und  to  preface,  the 
und  to  prof'it,  the  und  to  prom'ise,  pros'trate,  to  pros'trate,  the  und 
to  pur'chase,  the  und  to  pur'port,  the  und  to  pur'pose,  the  refuge, 
the  und  to  rel'ish,  the  und  to  res'pite,  the  und  to  sur'feit,  the  und 
to  tres'pass. 

Nach    englischen   Orthoepisten    schwankt  bastil'e   (K.   Sm.   Wrc, 
bas'tlle  W.   R.),    brevet    (=    bre-vet'   K.    Sm.   Wb.,    brev'et  Ja.   E.), 


Deutsche  Accentuation  französischer  Wörter.  183 

bii-reau'  (bu'ro  Wb.),  cal-ci'ne  (carcine  Wb.),  car'bine  (S.  E.  F.  Sm.,  §.  259. 
car-bi'ne  W.  P.  Wb.),  cär'mTne  (S.  E.  F.  Ja.  Wb.,  car-mine'  W.  P. 
J.  Sm.),  car-tel'  (car'tel  P.  E.  Wb.),  the  cem'ent  (ce-ment'  Sm.),  cham- 
pai'gn  (P.  E.  Sm.  Wb.  Wrc.  S. ,  cham'paign  W.  F.  J.  Ja.),  cuirass 
(=  kwe-ras'  W.  E.  Ja.  Wb.,  ku'-ras  S.  K.,  kwe'ras  P.  J.  Sm.),  the 
und  to  cur-vet'  (cur'vet  K.  Sm.),  fec'iind  (fe'cund  K.  Wb.,  fe-cund'  S. 
P.  E.),  fe'-line  (fe-li'ne  Ja.  K),  fi'nite  (fimte'  S,  fi'nite  P.),  fra'-cas 
(Wb.,  frä-cä'  Sm. ,  frä'-cä  K),  to  frequent'  (fre'-quent  Wb.),  front'ier 
(-tier'  Wb.),  gav'ot  (P.  J.  Wb.  Wrc,  ga-vot'  Ja.  Sm),  glä'cis  (glä-cis 
Sm.),  je-june'  (je'june  Ja.,  jej'une  Sm.),  le'vant  östlich  (lev'ant  Sm., 
le-vant'  K.),  mar-mot'  (mar'mot  Ja.  K.  Wb.),  memoir  (=  me-moir',  oder 
mem'-war  W.  P.  F.  Ja.,  me-moir'  oder  me'mwar  S.,  mem'war  Sm.),  to 
nar'rate  (narrate'  S.  P.  F.  K.  Sm.),  spin'-et  (spinef  S.  J.  K.  Sm.), 
val'et  (val'et  und  va-let  W.),  Vignette  (==»  vin'-yet  W.  J.  Ja.  K.,  vin- 
yet'  S.  Sm.),  tur'moil  (tur-moil'  P.  F.  Ja.). 

Ebenso  Compositionen  mit  Partikeln:  ab'stract  (abgezogen,  ab- 
stract'  W.),  ap'pulse  (Anstoß,  ap-pul'se  Sm.  P.  Wb.),  to  com'raent 
(com-ment'  P.  J.  E.  K.),  to  commune'  (com'mune  S.  J.  E.  F.),  cora'- 
plot  (complot'  P.  Ja.),  con-nate'  (con'nate  Wb.),  consols'  (Sm.,  con'sols 
K.),  consult'  Berathung  (Wb.  S.  con's.  F.  Ja.),  contents'  (con'.  Wb.), 
con'trite  (contrite'  P.  Sm.),  the  defile'  (de'file  Sm.),  the  detail'  (de'- 
tail  Sm.),  to  discount'  (dis'count  Wb.),  to  exile'  (ex'ile  J.  Sm.),  the 
in'crease  (increase'  S.  Wb.  A.),  innate'  (in'nate  F.  Wb.),  the  per'fume 
(perfume'  E.  K.  Sm.),  the  per'mit  (permit'  P.  Ja.  Wb.),  pre'cinct 
(precincf  W.  Ja.),  to  prelude'  (prel'ude  Ja.  Sm.),  the  pres'age  (auch 
presage'  J.  F.),  pretext'  (pre'text  K.),  proceeds'  (pro'ceeds  Ja.,  proc'eeds 
Sm.),  pro'test  (protest'  S.  P.  F.  auch  W.),  the  re'tail  (retail'  J.  S.  F. 
K.).  the  sur'vey  (survey'  E.  K.,  auch  W.),  trav'erse  (traverse'  W.). 

2)  Die  drei-  und  mehrsilbigen  Wörter  können  den  Accent  weiter  §.  260. 
zurücktreten  laßen.  In  den  ersten  tritt  der  Ton  um  eine  Stelle  zu- 
rück; charac'ter  (so  noch  Sp.  3 ,  3,  14.  3,  12,  31),  ne.  char'acter, 
thea'trum  (Sp.  thea'tre  3,  12,  3),  ne.  the'atre;  in  mehrsilbigen  Wör- 
tern macht  sich  aber  der  ursprüngliche  Rhythmus  geltend 
und  der  Accent  geht  zur  nächsten  betonten  Silbe  zurück. 
Eine  Silbe  trägt  dann  den  Hauptaccent.  Daneben  kann  noch  eine 
minder  betonte  Silbe  stehen,  vom  Hauptaccente  durch  eine  oder  mehrere 
Silben  getrennt,  —  der  Nebenaccent.  Er  ruht  entweder  auf  der  Silbe, 
die  ursprünglich  den  zurückgetretenen  Hauptton  hatte,  wie  frz.  violin' 
vi"olin';    promonto'rium    prom"onto'ry;    secreta'rius    sec"reta'ry;    oder 


184  Deutsche  Accenluation  französischer  Wörter. 

§.  260.  auf  der  Silbe,  welche  bei  weiterschreitendem  Accent  rhythmisch  hervor- 
tritt: to  detrun'cate  det'runca"tion,  e-con'-omy,  e'-conom"ical,  mechan'ics 
mech'anic"iaii,  improp'er  impro'pria"tion.  Hat  schon  das  mehrsilbige 
Wort  einen  Nebenaccent,  so  bleibt  derselbe,  auch  wenn  der  Haupt- 
accent  weiter  rückt:  hyp'ochon"driac,  hyp'ochondri"acal. 
Wir  unterscheiden  zunächst  die  Wortarten. 

A.    Substantiven. 

a)    Vocalische    Bildungen. 
§.  261.  Die   latein.  Substantiven    auf  -ia  erscheinen  im  Afrz.  in  drei  For- 

men: sie  endigen  1)  auf  -e:  concorde,  discorde,  moleste,  eglise  (ec- 
clesia),  luxure,  menace  (minaciae),  misere,  famille;  —  2)  auf  e,  und 
i  ist  in  die  vorhergehende  Silbe  eingedrungen:  angustia  angoisse,  me- 
moria memoire  und  memorie,  compaigne  und  compaignie;  —  3)  auf 
ie,  und  hier  scheint  besonders  das  betonte  i  in  griechischen  Wörtern 
entscheidend  gewesen  zu  sein:  Philosophie,  Jalousie;  ferner  in  navie, 
baronie  etc.  Ferner  wird  auch  lat.  ia  (griech.  €ia),  im  Afrz.  ie: 
profecie. 

Im  Ae.  sind  entweder  die  kürzeren  Formen  geblieben,  wie:  dis- 
corde, menace,  famille,  anguisse  oder  ie  ist  beibehalten:  molestie, 
luxurie,  miserie,  memorie,  companie,  victorie,  jelousie,  navie.  Da 
dieses  ie  überall  den  Ton  hat,  so  tritt  in  allen  diesen  Wörtern  der 
Nebenton  auf  die  erste  Silbe:  mo'lestie'  jea'lousie'  Ch.  2787.  und  diese 
erhält  im  Ne.  den  Accent:  moVesty,  lux'ury,  mis'ery,  mem'ory;  da- 
her auch  cer'emony,  ig'nominy,  obgleich  der  Rhythmus  zu  cerem'ony, 
igno'miny  im  Me.  drängte  Die  analogen  Bildungen  mit  y  und  ry  be- 
halten den  Accent  ihrer  Stammwörter  bei:  ar'cher  archery,  bas'tard 
has'tardy,  car'penter  car'pentry,  cutler  cut'lery;  cas'uist  cas'uistry, 
coquette'  coquet'ry,  jew'el  jew'elry,  machi'ne  machi'nery,  ma'son-ry 
ten'ant-ry,  peas'ant-ry. 

Die  gleichen  Verhältnisse  bietet  das  aus  t-ia  (griech.  T-€ta)  er- 
wachsene altfrz.  cie,  altengl.  cie,  neuengl.  cy:  ab'ba-ti'a,  ne.  ab'bacy, 
{stHftarsia)  ne.  pi'racy,  ar'istoc'rati'a  ar'isto"cracy,  dri^ionparsia  democ'- 
racy.  Analog:  se'cret,  se'crecy,  pri'vate  pri'vacy,  in'timate  in'timacy, 
in'tricate  in'tricacy,  degen'erate  degen'eracy.  Wie  ry  ist  cy  zur 
selbständigen  Bildungssilbe  entwickelt:  hank'rupt-cy,  min'strelcy. 
§.  262.  Die  Substantiven   auf  lat.  ium,  afrz.  e  (fehlt  oft),   haben  im  Ae. 

betontes  ie,  und  dieses  wirft  in  dreisilbigen  den  Accent  auf  die  dritt- 
letzte   Silbe   zurück:  mys'tery,   au'gury,    lar'ceny   (lat'rocin'ium,    afrz. 


Deutsche  Accentualion  französischer  Wörter.  185 

larencin'  larciu),  ob'loquy,  ob'sequy,  rem'edy,  sub'sidy,  ben'efice.     In  §.  2G2. 
Viersilbigen    tritt    der    ursprüngliche    Accent    hervor:    (pres'byte'rium) 
pres'bytery,  mon'astery  (afrz.  monstier),  min'istery  min'istry,  cem'etery 
(afrz.  cimetiero). 

Einige  Substantiven  auf  -aeus  haben  im  Me.  betontes  ee  (Wycl.) 
und  der  Ton  geht  deshalb  auf  die  drittletzte  Silbe  zurück,  wie  Sad'- 
ducee,  Phar'isee,  ju'bilee. 

Lat.  Substantiven  auf  -ies:  effigy  (effi'gies;  frz.  effigie),  prog'eny 
(progenies). 

b)    Bildungen   mit   Liquiden. 

Die  lateinischen   Wörter   auf   älis,    äle  und   im   PI.   älia  lallen  §.  263. 
den  Accent  um  zwei  Silben  zurücktreten:    (hos'pita'le,   afrz.  hospital') 
hos'pital,    cap'ital,    in'divid"ual,    car'dinal,    gen'eral,    crim'inal,    cor'- 
poral,  mate'rial. 

Ebenso  lat.  -ellus,  -ella,  -ellum,  afrz.  el,  eile:  (cer'ebel"lum) 
cer'ebel,  ritornel'lo  und  rit'ornel,  sentinel  (von  sentinus,  der  dem  Heere, 
das  er  bewacht,  Sinne  gibt). 

Ferner  die  Diminutiven  auf  lat.  olus,  ulus  etc.:  (vermic'ulus) 
ver'micule,  glad'iole,  chev'eril  (lat.  capreolus,  afrz.  cheverol  chevroil). 
—  Latein,  epistola  wird  ags.  pistol,  das  sich  noch  in  Me.  pistol  er- 
hält Wycl.  prol.  1.  PP.  7407  und  daneben  zum  volleren  epis'tle  zu- 
rückgeht. 

Die  Substantiven  auf  -anus,  afrz.  ain,  ae.  ain  ian  laßen  den  §.  264. 
Accent  um  zwei  Silben  zurücktreten:  sov'ereign  (su'pera"nus,  afrz. 
soverain',  ae.  soveray'ne,  me.  sovereyne),  cas'tellan,  guar'dian  (ital. 
guardiano),  pub'lican;  im  Frz.  zu  ien  (ianus)  erweitert:  physic'ian  afrz. 
fisicien,  ae.  ficician  (EG.  1558),  gramma'rian,  music'ian,  cit'izen  (span. 
ciudadano,  afrz.  citeain'),  ar'ithmetic"ian,  math'ematic'ian. 

Ebenso  die  Substantiven  auf  -on,  ion,  eon,  stal'lion  (afrz.  es- 
talon'),  cham'pion,  trun'cheon,  le'gion,  opin'ion,  suspic'ion,  u'nion, 
centu'rion,  his'trion. 

Die  Substantiven  auf  -arius  haben  den  Ton  auf  a,  im  Afrz.  auf  g.  265, 
aire  (selten  a'rie)  oder  ie'r,  eo'r;  im  Ne.  ist  er  auf  die  zweite  vor- 
hergehende Silbe  getreten:  bach'elor  (bac'cala"rius,  afrz.  bacheler', 
ae.  bacheler'),  car'penter  (carpentarius,  afrz.  charpentier,  me.  carpen- 
tarie  Wycl.),  chan'cellor  (can'cella"rius,  afrz.  chancelier'),  coun'sellor 
(con'silia"rius,  afrz.  conseileor'),  cal'ender  cal'endrer  (ca'lenda"rium), 
pan'nier  (pana'rium,   afrz.  panier,  me.  panier  Gh.),  ro'sary  (rosa'rium), 


18G  Deutsche  Accenlualion  französischer  Wörter. 

§.  265.  sal'ary  (sala'rinm) ,  cen'tenary  (cen'tena"riura),  stat'uary  (sta'tua"rius, 
frz.  statuaire),  gran'ary  (granarium,  afrz.  grenier,  ae.  garner,  me. 
gernere  Mau.),  peniten'tiary,  brev'iary,  an'tiquary. 

Ebenso  die  Wörter  auf  -orius,  -oria,  -orium:  i'vory  (eboreum, 
afrz.  ivoire,  me.  ivory  Gh.),  mat'rimony  (ma'trimo"nium,  me.  matri- 
moi'ne  und  matrimoni'e  Gh.),  dor'mitory  (dor'mito"rium ,  afrz.  dor- 
moir,  me.  dortour  Gh.),  ar'mory  (arma'rium,  afrz.  armaire  und 
armoirie,  me.  armerie  Wycl.),  pur'gatory  (pur'gatorium). 

Neubildungen  mit  ary  und  ory,  die  an  Substantiven  auf  ion 
treten,  haben  keinen  Einfluß  auf  die  Accentuation:  confes'siou-ary, 
fac'tion-ary. 

Lat.  ura  hat  betontes  u,  daher  geht  der  Accent  auf  die  dritt- 
oder  viertletzte  Silbe  zurück:  ar'mature  (ital.  ar'matu"ra),  sep'ulture 
(se'pultu"ra,  afrz.  sepulture),  sig'nature,  lit'erature,  tem'perature. 

c)  Bildungen  mit  Dentalen. 

§.  266.  Lat.  -atus  (2.  und  4.  Decl.)  wird  afrz.  e,  ee:    dep'uty  (de'puta"- 

tus,  frz.  depute).  Ebenso  ata,  afrz.  ee ,  eie :  des'tiny  (ital.  destinata, 
afrz.  destinee).  Später  aufgenommene  Wörter  behalten  die  volleren 
Formen,  ändern  aber  in  gleicher  Weise  den  Accent:  mag'istrate  (ma'- 
gistra"tus),  prin'cipate,  mar'quisate,  epis'copate,  ad'vocate,  po'tentate, 
du'plicate  (du'plica"tum). 

Die  französischen  Diminutiven  auf  -et:  cab'aret,  cab'inet,  cas'- 
tanet,  bra'celet,  cov'erlet,  man'telet,  an'nulet. 

Lat.  -ita,  griech.  ites  etc.:  car'melite  (car'meli"ta,  frz.  carmelit'e) 
Jes'uit,  pa'triot  (7tarfmorifi<i) ,   id'iot  (idio'ta) ,  Is'ra-e-lite  (Is'ra-e-li"ta). 

Lat.  -atius,  -itius  etc.  erzeugen  im  Franz.  betontes  ace,  ice : 
ex'ercise  (ex'erci"tium),  av'arice  (avari"tia). 

Lat.  -is,  -idis  haben  betontes  franz.  ide:  Ae'neid  (me.  Eneid'e 
Gh.  D.  4),  Ne'reids. 

Einige  franz.  -ade  haben  den  Ton  zurücktreten  laßen:  am'bas- 
sade,  bal'ustrade,  mar'malade. 

Lat.  -tat  wird  franz.  te  und  erst  im  Ne.  unbetontes  ty:  pi'ety 
(pietat,  afrz.  pieteit  piete,  ae.  piete),  dig'nity  (dignitat,  afrz.  digniteit, 
me.  dignitee),  jol'lity  (afrz.  jolivete,  me.  jolitee  Gh.),  vari'ety,  anti- 
qu'ity,  liberal'ity,  cru'elty  (crudelitat,  schon  afrz.  cruelte);  neben  den 
regelmäßigen  real'ity  und  general'ity  steht  auch  gen'eralty  und  das 
juristische  re'alty. 


Deutsche  Accentuation  französischer  Wörter.  187 

d)  Bildungen  mit  Gutturalen. 

Die  Substantiven  auf  lut.  -icus,    ica,   icum:    ar'senic    (arso'ni- §.    267. 
cum),  rliet'oric  (rheto'rica),    lu'natic  (lunaticus),   arith'metic  (aritlimo'- 
tica) ,  her'etic  (here'ticus,  afrz.  herese). 

e)  Bildungen  mit  Spiranten. 

Lat.  -issa  (bisweilen  auch  ix),  wird  im  Afrz.  betontes  esse:  pro- §.  268. 
ph'etess  (prophetis'sa),  li'oness  (ital.  leonessa,  me.  leones'se  Gh.). 

f)  Bildungen  mit  mehrfacher  Consonanz. 

Lat.  -aticum   mischt  sich  später  mit  -agium  und  beide  werden  §.  269. 
afrz.  betontes  -age,  aige:  vas'salage  (vassalaticum  vassalagium,  afrz- 
vassalage   vassalaige),    pa'rentage,    pa'tronage,    pasturage,    pu'pilage 
tu'torage,  per'sonage. 

Lat.  -culus,  -cula,  -culum  wird  zu  unbetontem   frz.  cle,  und  §.  270. 
der  Accent  verbleibt  der  vorstehenden  Silbe:  mir'acle  (mira'culum,  afrz. 
mira'cle,   ae.   me.    mira'cle),   spec'tacle   (spectaculum),  tab'ernacle    (ta- 
berna'culum),  ar'ticle,  can'ticle,  car'buucle,  ar'buscle,  au'ricle,  clav'icle, 
par'ticle ,  cur'ricle,  pin'nacle. 

Lat.  tudin  mit  betontem  tu  hat  noch  im  Afrz.  volles  tudine  und  §.  271. 
daneben  verkürztes  tume  (für  tune?  oder  aus  tudinem?),  im  Ae.  aber 
nur   tude,   und    das    unbetonte   in  ist   schon  geschwunden:  mul'titude 
(multitudo,    tudinis,   afrz.   multitu'dine) ,    amar'itude    (afrz.  amertu'me); 
die  meisten  sind  erst  später  eingetreten:  lat'itude ,  lon'gitude,  grat'itude. 

Von  lat.  -a'gin,  -i'gin,  -u'gin  hat  sich  im  Afrz.  selten  volles 
agene  igene  erhalten:  or'igin  (origo,  -ginis,  afrz.  origene);  gewöhnlich 
fällt  auch  hier  unbetontes  en  ab,  im  Afrz.  und  Englischen  im'age 
(imagin-is,  afrz.  ima'gene  und  ima'ge). 

Lat.  -tion,  -sion  bleibt  im  Frz.  betont  und  verliert  im  Engl,  den 
Ton  an  die  vorhergehende  Silbe:  ac'tion,  mis'sion,  mo'tion,  mu-nit'ion, 
apparit'ion,  genera'tion,  man'sion,  expan'sion,  explo'sion,  comprehen'- 
sion.  Bisweilen  stehen  franz.  und  latein.  Formen  neben  einander  in 
verschiedener  Bedeutung,  und  bisweilen  mit  verschiedenem  Accente: 
ven'ison  und  vena'tion  (venatio,  afrz.  veneisuu),  ran'som  und  redemp- 
tion  (afrz.  raiansom),  or'ison  und  ora'tion  (afrz.  oreison),  fashion  und 
faction  (afrz.  faceon,  me.  fasceon  Mau.  19),  ben'ison  und  benedic'tion 
(afrz.  benei9un). 

Manche  Substantiven  auf  lat.  -tor  und  -sor  behalten  ihre  Accen-  §.  272. 
tuation:    crea'tor,    cuncta'tor;   s.    o.    Viele   lallen    den  Accent   auf  die 
viertletzte  Silbe  zurücktreten:  adulator,    ag'itator,  am'bulator,   assas'- 


188  Deutsche  Accentuation  französischer  Wörter. 

§.  272.  siuator,  cal'culator,  cul'tivator,  accu'mulator,  dec'orator,  ded'icator, 
div'inator,  dom'inator,  es'timator,  fab'ulator,  fab'ricator,  im'itator, 
joc'ulator,  lib'erator,  mod'ulator,  nav'igator,  nom'inator,  nu'merator, 
op'erator,  prop'agator,  inter'polator,  reg'ulator,  per'secutor,  insin'na- 
tor,  spec'ulator  etc.  Die  lateinische  Betonung  ist  hier  im  rhythmi- 
schen Rückschritt  der  deutschen  gewichen,  daher  schwanken  auch 
manche  Orthoepisten :  Worc.  accentuiert  ad'uiator,  Walk,  adula'tor, 
jener  med'iator,  glad'iator  etc.,  dieser  media'tor,  gladia'tor. 

Dagegen  in  ambas'sador,  appet'itor,  propri'etor,  conspir'ator  er- 
scheint der  französische  Accent  von  or  aus  zurückgegangen:  frz.  ara- 
bassadeur',  ne.  ambas'sador.  Bisweilen  sind  die  verkürzten  altfranz. 
Formen  auch  geblieben,  wie  (Imperator,  afrz.  empereor')  ne.  em'peror 
(antecessor,  afrz.  ancestre)  ne.  an'cestor,  (traditor,  afrz.  traitor')  ne. 
trai'tor,  (ganniculator ,  afrz.  jangleor')  ne.  jan'gler,  (gubernator ,  afrz. 
guverneor')  ne.  gov'ernor,  (joculator,  afrz.  jugler')  ne.  jugg'ler,  (labora- 
tor,  afrz.  la'boreor')  ne.  la'borer,  (praedicator,  afrz.  precher)  ne. 
prea'cher;  lat.  procurator,  afrz.  procureor'  gewinnt  im  Ne.  sogar  drei 
Formen:  proc'urator,  proc'tor,  procu'rer. 

§.  273.  Die   lat.  Substantiven    auf  mentum,   betontes   franz.  ment  lallen 

den  Ton  auf  die  drittletzte  Silbe  zurückgehen:  arbit'rament,  ar'gument, 
ar'mament,  predic'ament,  doc'ument,  fil'ament,  fun'dament,  lig'ament, 
mon'ument,  nu'triment,  or'naraent,  reg'iment,  Sediment.  —  Franzö- 
sische Formen  haben  den  Yocal  vor  der  Bildungssilbe  ausfallen  lallen, 
sodai^  nun  der  ^Accent  auf  der  zweiten  Silbe  ruht:  (incantamentum, 
afrz.  enchantement)  ne.  enchant'ment,  (incitamentum)  ne.  incit'ement, 
agree'ment,  chasti'sement  etc.,  (afrz.  commandement)  neuengl.  com- 
mand'ment. 

Diese  ment  werden  vielfach  zu  Neubildungen  verw^andt,  ohne  dann 
aber  irgend  einen  Einflul^  auf  den  Accent  auszuüben:  aban'donment 
(frz.  abandonnement),  battle-ment,  blan'dish-ment,  ascertain'ment,  coup'le- 
ment,  pris'on-ment,  accom'paniment  etc. 

§.  274.  Die    auch   zum  Theil   zu  substantivischem  Gebrauch  gelangenden 

lat.  Participien  auf  -ens,  ans  (ent,  ant),  lallen  den  Accent  gewöhn- 
lich auf  die  drittletzte  Silbe  zurücktreten,  namentlich  stets  dann,  wenn 
der  Bildungssilbe  ein  Vocal  vorausgeht:  ape'rient  (lat.  aperient'-is), 
defic'ient,  tran'sient,  le'nient,  nu'trient,  con'gruent,  fluc'tuant,  bril'- 
liant,  luxu'riant  etc.,  und  oft  nach  einfachem  Consonanten:  al'terant, 
claud'icant;  dis'crepant,  ab'dicant,  dom'inant,  refrig'erant,  itin'erant, 
ad jutant  etc.    Doch  de'cent  inde'cent  (Sp.  2,  9,  1:  in'de-cent').    Offen- 


Deutsche  Aocentuation  französischer  Wörter.  189 

bar  hat  das  daneben  liegende  rege  Verb  den  Accent  bisweilen  gestützt  §.  274. 
wie  to  ce'de  antece'deut,  interce'deut,  prece'deut,  to  adhe're  adhe'rent, 
s.  §.  2S5.     Ex'cellent   neben  to  excel'  mag  durch  den  langen  adjecti- 
vischen  Gebrauch  veranlaßt  sein. 

Dieselben  Accentverhältnisso  finden  bei  den  Substantiven  auf -e nee, 
-ance  (lat.  entia,  antia,  afrz.  ence,  ance)  statt:  au'dience,  defic'ionce, 
con'gruence,  luxu'riance,  conve'nience,  con'ference,  dil'igence,  deliv'e- 
rance,  ig'norance,  pen'itence.  Ferner  admit'tance,  abhorr'ence,  ac- 
cor'dance,  perfor'mance,  reluct'ance,  import'ance,  antece'donce,  prece'- 
dence,  ex'cellence. 

Die  Erweiterung  des  ence  und  a'nce  zu  ency  und  ancy  läl^t 
die  Accentstellung  unberührt:  defic'iency,  con'gruency,  luxu'riancy, 
conve'niency,  ad'jutancy,  expec'tance  expec'tancy. 

Die  Substantiven  auf  griech.  i-cyr-^g,  lat.  is'ta,  haben  im  Franz.  §•  275. 
betontes  iste;  daher  geht  der  Accent  auf  die  drittletzte  Silbe  zurück: 
ne.  evan'gelist  (evangelista) ,  gram'matist.  In  Neubildungen  hat  ist 
keinen  Einfluß  auf  den  Accent:  alarm'ist,  machin 'ist,  for'mal-ist,  nov'el- 
ist,  fa'tal-ist,  fed'eral-ist,  sen'sual-ist,  vi'olin-ist,  car'icatu"r-ist  (to 
caricatu're),  agricul'turist,  horticul'turist,  fac'tion-ist,  profess'ionist. 

Ebenso  die  Substantiven  auf  lat.  ismus  (tcr^aog),  franz.  isme:  fa'talism, 
lac'onism,  nep'otism,  antiqua'rianism ,  pa'triotism. 

B.    Adjectiven. 

Die  Adjectiven  auf  -icus,  frz.  ique,  engl,  ic  behalten  fast  alle  §.  276a. 
ihre  lateinische  Betonung:  aquat'ic,  domest'ic,  errat'ic,  lacon'ic,  venat'ic, 
apostol'ic  (aber  Dryden  Hind  and  Panth.:  Provided  I  were  still  apost'olic'. 
Th'ambitious  title  of  apos'tolic')  etc.  und  ihre  analogen  Bildungen: 
agrest'ic,  magistrat'ic ,  ocean'ic,  mason'ic,  s.  255.  Nur  in  wenigen  tritt 
der  Accent  auf  die  drittletzte  Silbe:  chol'eric,  lu'natic,  pol'itic;  splenetic 
und  phlegmatic  schwanken. 

Diejenigen  Adjectiven,  welche  lat.  -osus,  afrz.  os,  ous  entstam- 
men, haben  entweder  Accent  und  Laut  bewahrt,  wie  aquo'se,  s.  255, 
oder  der  Accent  ist  bei  den  drei-  und  mehrsilbigen  Wörtern  auf  die 
drittletzte  Silbe  zurückgetreten:  bil'ious  (biliosus),  calum'nious,  incen'- 
dious,  supercil'ious,  co'pious,  cu'rious,  fact'ious,  flagit'ious,  inge'nious, 
en'vious  (invidiosus,  afrz.  envio's),  glo'rious,  gra'cious,  ambit'ious, 
labo'rious,  ignomin'ious;  flex'uous,  calam'itous,  cav'ernous,  dol'orous, 
facin'orous,  nem'orous,  nu'merous;  calig'inous,  cartilag'inous,  libid'inous; 
fab'ulous,  mirac'ulous,  neb'ulous. 


lÜÜ  Deutsche  Accentuation  französischer  Wörter. 

§.  27 üb.  Die  Adjectiveii  auf  al  (lat.  älis,  afrz.  al,  elj  lallen  den  Accent 
hinter  mehrfacher  Consonanz  (nt,  st,  ss,  rnj,  nur  eine  Silbe  zurück- 
treten, s.  2S4.  Hinter  einfacher  Consonanz  tritt  der  Accent  zwei  Silben 
zurück  (lat.  ca'pita"lis,  afrz.  capital'j  cap'ital,  card'inal,  crim'inal, 
gutt'ural,  lib'eral,  litt'oral  etc.;  nur  die  Substantiven  auf -ion,  -sion, 
-tion  werden  in  ihrer  Accentuation  nicht  von  al  berührt:  obsid'ional, 
nat'ional,  no'tional,  tradit'ional,  posses'sional.  Lat.  meri'diona"lis  muii 
merid'ional  werden. 

Alle  Adjectiven  auf  -eal,  -ial,  -ual,  -ical  haben  den  Accent  auf 
der  drittletzten  Silbe:  bal'neal,  corpo'real,  gramin'eal;  ge'nial,  jo'vial, 
la'bial,  peren'nial,  armo'rial;  augu'rial,  celest'ial,  colo'nial,  finan'cial, 
judic'ial,  artific'ial,  dictato'rial;  act'ual,  an'nual,  casual,  gradual, 
accent'ual,  habit'ual;  class'ical,  authen'tical,  gigan'tical,  domest'ical, 
erra'tical,  domin'ical. 

Die  Adjectiven   auf  -ile,    lat.   ilis,    sind   meist  zweisilbig:    ag'ile, 
doc'ile  etc.,  einige  dreisilbig:  in'fantile,  ju'venile,  vol'atile,  um'bratile 
(selten  umbrat'ile),  und  insect'ile. 
§.  277.  Die  Adjectiven  auf  able,  ible  (lat.  abilis,  ibilis,  frz.  able,  ible) 

haben  verschiedene  Betonung.  1)  Alle  dreisilbigen  haben  den  Accent 
auf  der  drittletzten  Silbe:  af'fable  (affa'bilis,  frz.  affa'ble),  ar'able, 
bla'mable,  ca'pable,  du'rable,  au'dible,  cred'ible,  tan'gible;  —  2)  Die 
Viersilbigen  haben  den  Accent  auf  der  ersten  Silbe :  ag'itable ,  al'- 
terable,  a'miable,  ar'bitrable,  cal'culable,  car'riable,  char'itable  etc., 
wenn  nicht  mehrfache  Consonanz  den  Accent  auf  der  drittletzten  fest- 
hält oder  das  daneben  liegende  rege  Substantiv  oder  Verb,  s.  285. 
Tritt  able  an  Subst.  auf  ion,  tion,  sion,  so  bleibt  die  Accentuation 
des  Substantivs:  act'ion-able,  occa'sionable,  fash'ion-able,  quest'ionable, 
proport'ionable. 
§.   278.  Alle  Adjectiven  auf  -ian,  -ean,  mag  die  Endung  aus  lat.  ianus 

entstanden  oder  für  ius,  eus  eingetreten  sein,  haben  den  Accent 
auf  der  drittletzten  Silbe:  christ'ian,  merid'ian,  agra'rian,  caeru'leau, 
mell'ean  etc. 

Die  Adjectiven    auf   -ine,    lat.    inus:    aq'uiline    (aquili'nus,    frz. 
aquilin'),   cab'alline,    col'ubrine,    gen'uine,   lib'ertine,  mas'culine,  ser'- 
pentine,  adul'terine,  sogar  ar'mentine. 
§,  279.  Die  lat.  Adjectiven   auf  -aris:    regulär   (reg'ula"ris),    glob'ular, 

oc'ular,  tu'telar,  orac'ular,  pecu'liar. 

Die  lat.  Adjectiven  auf  -arius,  -orius  werden  im  Franz.  aire, 
oire,    im    Engl,    ary,    ory:    con'trary    (contra'rius,    afrz.    contrai're, 


I 


Deutsche  Acconlualiüii  französischer  Wörter.  191 

Aud  themselves  bauding  in  coutra'ry  parts.  Sh.  aHf.  3,  1),  nec'essary  §,  279. 
(iiecessa'rius,  afrz.  necessai're),  ad'versary  (adversarius,  afrz.  aversier 
und  aversarie),  ar'bitrary,  auct'ionary,  auxil'iary,  axil'lary,  dis'cipli- 
nary,  imag'inary,  sol'itary;  ar'atory,  dam'natory,  hor'tatory,  ad'ula- 
tory,  am'biilatory,  carciilatory,  crim'inatory,  declam'atory,  accu'sa- 
tory,  confir'matory,  inflam'matory,  grat'ulatory,  exag'geratory,  auxi'lia- 
tory,  antic'ipatory,  commu'nicatory,  remu'neratory. 

Lateinische  Formen  auf  -atus  und  deren  Nachbildungen:  ar'- 
cuate,  cap'sulate,  fed'erate,  i'solate,  la'biate;  a'lienate,  artic'ulate, 
accen'tuate,  precip'itate ,  invet'erate,  incar'cerate;  affect'ionate. 

Latein.  Adjectiven  auf  -ivus,  frz.  if,  engl,  -ive:  cau'sative, 
hor'tative,  neg'ative,  al'terative,  an'imative,  cal'culative,  cop'ulative, 
fed'erative,  im'itative,  alter'native ,  augmen'tative ,  affirm'ative ;  fre- 
quent'ative ;  imag'inative,  commu'nicative,  accel'erative,  author'itative, 
argument'ative. 

ant,  ent  s.  §.  274. 

C    Verben. 

Die   lateinischen  und   französischen  Flexionen  fallen    ab   und  die  g.  280. 
Präsensstämme  bleiben:  to  exam'ine  (examinare),  imag'ine  (ima'gina"ri), 
min'ister   (ministrare,    afrz.  ministrer),   admin 'ister  (administra're,    ami- 
nistrer),  accom'pany  (afrz.  acompaignier),  propb'esy  (prophetizare,  afrz. 
prophetizer,  prophetier,  prophecier),  an'alyze  (frz.  analyser). 

Die  mit  ize,  ise  (lat.  izare,  frz.  iser)  und  analog  von  Adjectiven 
und  Substantiven  gebildeten  Verben  haben  die  Nominalaccentuation: 
civ'ilize  (frz.  civiliser),  bru'talize,  eter'nize,  eter'nalize,  famiriarize, 
fer'tilize,  gen'eralize,  mate'rialize,  partic'ularize  etc.;  aug'urize,  auth'orize, 
pa'tronize,  pul'verize. 

Die  aus  Supinstämmen  gebildeten  Verben,  besonders  auf  -ate  und  §.  281. 
deren  Nachbildungen  haben  den  Accent  meist  auf  der  drittletzten  Silbe: 
to  act'uacte,  to  al'tercate,  ex'pedite,  am'putate,  ar'bitrate,  bre'viate, 
grat'ulate,  med'itate;  adul'terate,  acu'minate,  exag'gerate,  artic'ulate, 
assas'sinate,  accen'tuate,  capac'itate,  commu'nicate,  inter'calate ,  inter'- 
rogate,  s.  §.  284. 

Aus    romanischem   ir  hat  sich  bisweilen  ish  entwickelt,   wie  aus  §.  282, 
lat.    perire,   afrz.   perir,    ae.   perishe,    ne.    per'ish,    und   dies   ist  auch 
an  andere  Verben  getreten:  lat.  florere,    afrz.  florir,    ne.  flourish.     Es 
hat   aber   keinen   andern   Einfluli,    als    daß    es   den  Accent   auf  dem 


192  Deutsche  Accentuation  französischer  Wörter. 

§.  2S2.  Präsensstamm    festgehalten    hat:    to    relin'quish,    dimin'ish,    demol'ish. 
admon'ish,  abol'ish,  embel'lish,  empov'erish  (afrz.  apovrir). 

§.  2S3.  In    manchen    Compositionen    ist    das    zweite   Wort    einer   Bildung 

gleicli  geworden  und  hat  eine  bestimmte  Accentstellung  veranlal-t.  So 
steht  überall  in  den  Zusammensetzungen  mit  den  adjectivischen:  -ferous, 
-fluous,  -folious,  -form,  -gereut,  -gerous,  -loquous,  -loquent,  -potent, 
-parous,  -vorous  etc.  der  Accent  auf  der  drittletzten  Silbe:  armif'erous 
(lat.  ar'mifer),  calamif'erous,  crucif'erous  (crucifer);  mellif'luous,  cen- 
tifo'lious  (centifo'lius),  rotundifo'lious,  campan'iform,  cune'iform,  de'iform, 
cru'ciform;  bellig'erent  (belli'gerens),  armig'erous  (ar'miger),  cornig'erous, 
crucig'erous;  graudil'oquous,  magnil'oquent,  ventril'oquous;  bellip'otent, 
armip'otent;  ovip'arous;  carniv'orous,  graminiv'orous,  bene'volous, 
bene'volent,  centrif'ugal,  centrip'etal,  igniv'omous,  mellifluent  etc. 
Ebenso  die  substantivischen  -loquence,  -loquy,  -fluence:  blandil'oquence 
(blandiloquentia),  mellif'luence;  und  die  griechischen:  anal'ogy  {dva- 
Xoj'ta),  apol'ogy,  anat'omy  (araTo^ij),  lithot'omy,  monom'achy  (^ovo- 
^a^*a),  antip'athy  {dvTiTtdihsia)  ^  ap'athy,  polym'athy,  astron'omy, 
econ'omy,  theog'ony  (•d^^oyorta) ,  cosmog'ony,  sym'phony ,  cacoph'ony, 
aristoc'racy,  theoc'racy;  doch  hi'erarchy,  ol'igarchy,  or'thodoxy,  het'ero- 
doxy,  or'thoepy,  nec'romancy. 

Hierher  gehören  auch  die  Bildungen  mit  -ficare,  -facere, 
-fieri  und  deren  Ableitungen  Die  Verben  auf  -fy  und  -ficate  haben 
den  Accent  auf  der  drittletzten  Silbe:  to  am'plifiy  (amplificare),  cer'- 
tify,  cru'cify  (crucifigere),  dam'nify,  indem'nify,  for'tify,  certificate, 
modificate.  —  Die  Substantivformen  -fact'ion  und  fica'tion  behalten 
den  Accent:  exem'plifica"tion,  indem'nifica"tion,  glorifica'tion ,  petri- 
fac'tion,  stupefac'tion ;  -fice  und  ficence  laßen  den  Ton  auf  die  dritt- 
letzte zurücktreten:  ar'tifice,  ben'efice,  mal'efice,  bene'ficence  (bene- 
ficen'tia),  munif'icence,  significance. 

§.  284.  Das  regelmäl%e  Zurückschreiten  des  Accents  auf  die  nächste  im 

Rhythmus  hervortretende  Silbe  wird  gestört: 

1)  Durch  die  Beschaffenheit  der  zwischen  den  beiden  betonten 
Silben  liegende  Silbe.  Das  lat.  ac'cepta"bilis  wird  im  Frz.  zu  accep- 
ta'ble  und  dieses  zu  altenglischem  ac'ceptab'le.  So  noch:  de'lecta'ble 
Sp.  2,  12,  12.  de'testab'le  1,  1,  26.  2,  12,  8.  (tesf  M.  pl.  2,  745).  di'vida'ble 
Sh.  Troil.  im'porta'ble  Sp.  2,  8,  35.  un'quencha'ble  3,  9,  17.  im'placa'ble 
2,  6,  44.  Im  rhythmischen  Rückgang  sollte  der  Accent  auf  ac  fallen, 
aber   dies   verhindert   das  von  mehrfacher  Consonanz  beschwerte  cept 


1 


Eintlüljc  auf  die  Umbildung  franz.  Wörter.  193 

und  uimmt  den  Ton   für  sich    in  Anspruch.     In  gleicher  Weise  findet  §.  284. 
dieses  statt: 

a)  In  den  Substantiven  auf  -turo  mit  vorstehendem  Consonanten: 
manufact'ure,  conject'ure  ,  conjuuct'ure ,  agricult'ure,  contract'ure,  ad- 
veut'ure;  aber  ap'erture,  cov'crture,  —  il:  utens'il  (utensilia  P.  Ja. 
Sm.  ß.  Wb.  A.,  aber  u'tensil  S.  W.  J.  F.  K.). 

In  den  Substantiven  auf  -ary,  ory:  refect'ory,  dispens'ary  (to 
dispens'e)  etc.,  -y(ee):  assem'bly;  -age:  assem'blage  (to  assem'ble  as- 
simulare);  —  ence,  ance:  admitt'ance,  abhorr'ence,  accept'ance, 
accord'ance,  reluc'tance,  import'ance,  repent'ance,  putres'cence,  de- 
scend'ence,  observ'ance,  expect'ance.  Daher  auch  charac'ter  Sp.  3,  3, 
14.  3,   12,  31,  jetzt  char'acter. 

b)  In  den  Adjectiven  auf  -al:  aliment'al,  argument'al ,  document'al, 
ferment'al,  fundament'al,  fratern'al,  matern'al,  patern'al,  experiment'al, 
hodier'nal,  diutur'nal,  incident'al,  orient'al,  campest'ral,  coloss'al;  — 
ile:  insect'ile;  -able,  ible:  combust'ible,  accept'able,  decept'ible, 
angment'able,  defect'ible,  defens'ible,  conform'able,  sequest'rable,  con- 
serv'able,  respect'able,  destruct'ible ,  recommeud'able ,  demon'strable, 
iiiiposs'ible,  apprehens'ible;  —  ine:  clandest'ine,  adamant'ine;  —  ar: 
column'ar,  maxiirar,  meduU'ar,  interstell'ar;  —  ary,  ory:  aliment'- 
ary,  depuls'ory,  suspens'ory;  —  ate:  altern'ate,  consumm'ate;  — 
ive:  excess'ive,  suscept'ive,  incens'ive,  incent'ive,  condens'ive,  af- 
fect'ive,  induct'ive,  defens'ive,  afflict'ive,  digest'ive,  aggressive,  col- 
lect'ive  etc.  —  -ent,  ant:  aces'cent,  inces'sant,  herbes'cent,  indul'- 
gent,  delin'quent,  accord'ant,  inform'ant,  import'ant,  obser'vant. 

c)  In  Verben  auf  -ate:  to  acerb'ate,  altern'ate,  adum'brate,  in- 
culc'ate,  exculp'ate,  concent'rate,  infusc'ate,  humect'ate,  consum'- 
mate. 

In  gleicher  Weise  wirkt  der  lange  Vocal   der  dazwischen  liegen-  §•  285. 
den  Silbe  ein,   auf  welchen    der  Accent  übergeht,    wenn  ein   daneben 
liegendes  Wort  denselben  rege  erhält: 

a)  In  Substantiven:  carous'al  (to  carou'se),  appro'val  (to  approve'), 
avow'al  (to  avow'),  tribu'nal  (Sp.  2,  9,  53.  trib'unal,  jenes  wohl  frü- 
herem tribu'ne  entsprechend,  das  jetzt  zu  trib'une  geworden  ist),  al- 
low'ance  (to  allow',  aber  Sp.  2,  7,  15.  al'low-ance');  dicta'ture  (die- 
ta'tor),  compo'sure  (to  compose');  inqui'ry  (to  inquire')  etc. 

b)  In  Adjectiven:  inci'sive  (to  incise'),  conclu'sive  (to  conclude'), 
allu'sive  (to  allude'),  appea'sive  (to  appease'),  comple'tive  (complete'), 
explo'sive   (to   explode')   etc.;    agree'able   (to    agree'),    achiev'able   (to 

Koch,  engl.  Grammatik.    I.     2.  Aufl.  13 


194 


Unterscheidungsaccent. 


§.  285.  achieve'),  avaü'able  (to  avail') ,  decei'vable  (to  deceiv'e),  deci'dable 
(to  decide'),  divi'dable  (to  divido'),  exci'table  (to  excite'). 

§.  286.  2)  Substantiv  und  Adjectiv  wurden  flexionslos  und  Uelzen  deshalb 

den  Accent  leichter  zurückgehen;  dagegen  in  manchen  Verben  hat 
die  Flexion  den  Accent  erhalten,  so  daß  sich  jetzt  die  Wortarten 
durch  die  Accentuation  unterscheiden.     So  sind  unterschieden : 


a)  Substant 

aug'ment  (Vermehrung), 
cem'ent  (Kitt,  cement'  Sm.), 
fer'ment  (Gährung), 
tor'ment  (Qual), 
sep'ulchre  (Grab), 
bom'bard  (Bombarde), 
tur'moiP)  (Tumult), 
at'tribute  ^)  (Zeichen), 
ac'cent  (Betonung), 
collect  (Sammlung), 
col'league  (Amtsgenoi^e), 
com'ment  (Auslegung), 
com'merce  ^)  (Handel), 
com'pliment  (Compliment), 
com'plot^)  (Anschlag), 

com'port  8)  (Betragen), 
com'pound  (Zusammensetzung), 
com'press  (Compresse), 


iven  und  Verben. 

to  augment'  (vermehren), 
to  cement'  (verkitten), 
to  ferment'  (gähren). 
to  torment'  (quälen), 
to  sepul'chre  i)  (begraben), 
to  bombard'  (bombardieren), 
to  turmoil'  (beunruhigen), 
to  attrib'ute  (zuschreiben), 
to  accent'  (betonen), 
to  collect'  (sammeln), 
to  colleag'ue  (verbinden), 
to  comment^)  (erklären), 
to  commerce'  (handeln), 
to  compliment'  ^j  (bewillkommen)  Ja. 
to    complot'    (sich    heimlich    ver- 
schwören), 
to  comport'  (sich  betragen), 
to  Compound'  (zusammensetzen), 
to  compress'  (zusammendrücken). 


1)  to  sep'ulchre  P.  Wb.  BJ. 

2)  So  unterscheidet  W.,  aber  beide  Wörter  schwanken:  the  turmoil  = 
turmoil  S.  W.  J.  E.  K.  Sm.  E.  Wrc,  tur-moil'  P.  F.  Ja.  Wb.;  to  turmoil 
Wrc.  Bost.  1855.  to  turmoil'  Lond.  1859. 

3)  to  at'tribute  M.  pl.  8,  12.  107.  11,  836. 

4)  S.  W.  F.  Ja.  Sm.  Wb.  Wrc.  sind  für  to  com'ment,  P.  J.  E.  K.  für  to 
comment',  Wrc.  für  beides. 

5)  Milt.  Pens,  hat  gegen  alle  Autoritäten  to  com'merce,  und  dagegen 
Sh.  the  commer'ce:  Peaceful  commerce  from  dividable  shores.    Troil. 

6)  to  com'pliment  Wrc.  W.  Js.  the  compliment'  Js. 

7)  the  complot'  P.  Ja. 

8)  the  comport'  S.  P. 


Unterscheidung-saccent. 


195 


con'cert  (Concert,  Verabredung), 
con'cord  (Eintracht), 
con'duct  (Führung,  Betragen), 
con'fect  (Eingemachtes), 
con'fine  (Gränze), 
con'serve  (Eingemachtes), 
con'flict  (Kampf), 
con'sort  (Genol^e,  Gatte), 
con'sult ')  (Berathung), 
con'test  (Streit), 
con'tract  (Vertrag), 
con'vent  (Kloster), 
con'trast  (Gegensatz), 
con'verse  (Unterredung), 
con'vert  (Bekehrte), 
con'vict  (überführter  Verbrecher), 
con'voy  (Sicherheitswache), 
coun'tercharm  (Gegenzauber), 
count'ercheck  (Gegenstol^), 
count'ermand  (Gegenbefehl), 
count'ermarch  (Kückmarsch), 

count'ermark  (Gegenzeichen), 
count'ermine  (Gegenmine), 
count'erplot  (Gegenplan  etc.), 

count'erpoise  (Gegengewicht), 

des'cant  (umständliches  Gerede), 
dis'cord  (Zwietracht), 

dis'count  (Abzug), 
ef'flux  (Ausfluß), 
es'say  (Abhandlung), 
ex'ile  (Verbannung), 


to  concert'  (verabreden). 

to  concord'  (übereinstimmen). 

to  conduct'  (führen). 

to  coufect'  (einmachen). 

to  confine'  (begriinzen). 

to  conserve'  (erhalten,  einmachen). 

to  conflict'  (kämpfen). 

to  consort'  (zugesellen). 

to  consult'  (sich  berathen). 

to  contest'  (streitig  machen). 

to  contract'2)  (ein  .Vertragschließen). 

to  convent'  (vorladen  [veraltet]). 

to  contrast'  (entgegensetzen). 

to  converse'  (sich  unterreden). 

to  convert'  (bekehren). 

to  convict'  (überführen). 

to  convoy' (als  Bedeckung  begleiten). 

to  countercharm'  (entzaubern). 

to  countercheck'  (entgegenstoßen). 

to  countermand'  (widerrufen). 

to  countermarch'  (zurückmarschie- 
ren). 

to  countermark  (damit  versehen). 

to  countermine'  (e.  solche  anlegen). 

to  counterplot'  (einen  Gegenplan 
machen). 

to  counterpois'e  (gegen  einander 
abwägen). 

to  descant'  (schwatzen). 

to  discord'  (uneinig  sein,  erklärt 
Wrc.  für  veraltet). 

to  discount'3)  (Zinsen  abziehen). 

to  efflux'  (ausfließen,  Wrc.  veraltet). 

to  essay'  (versuchen). 

to  exile'4)  (verbannen). 


§.  286. 


1)  the  consult'  S.  Wb.  Sm.,  the  con'sult  F.  Ja.  K.,  beides  W.  P. 

2)  Daher  mit  Eecht  contract'  Sh.  KRc.  3,  7.  für  contract'ed. 

3)  to  dis'count  Wb. 

4)  to  ei'ile  J.  Sm.  R.  Wb. 

13* 


19G 


Unlcrscheidungsaccent. 


§.  2&G.  ex'port  (Ausfuhr), 
ex'tract  (Auszug), 
im'port  (Einfuhr), 
im'press  (Eindruck), 
in'sult  (Schimpf), 
in'stinct  (Naturtrieb), 

int'erchange  (Vertauschung), 
int'erdict  (Verbot), 
int'erest  (Interesse), 
int'erline   (Raum   zwischen   den   Li- 
nien), 
ob'ject  (Gegenstand), 
per'mit  2)  (Erlaubnisschein), 
per'fume  '^)  (Wohlgeruch), 
pre'fix  (Vorsilbe), 
prel'ude,  pre'lude  Wb.  (Vorspiel), 
prem'ises  (Vordersätze), 
pres'age  pre'sageWb  (Vorbedeutung), 
prod'uce  (Ertrag), 
prog'ress  (Fortschritt), 
proj'ect  (Entwurf), 
prot'est  ^)  (Widerspruch), 
reb'el  (Empörer),  Adj., 
re'gress  (Rückkehr), 

re'talF^)  (Einzelverkauf), 

rec'ord  (Urkunde), 

Suffix  (angefügte  Silbe  od. Buchstabe), 

sur'name  (Familienname), 


to  export'  (ausführen). 

to  extract'  (herausziehen). 

to  Import'  (einführen). 

to  impress'  (eindrücken). 

to  Insult'  (beschimpfen). 

to  instin  et'  (damit  versehen,  Wrc. 

veraltet), 
to  interchan'ge  (vertauschen). 
to  interdict'  (verbieten), 
to  interest'  ^)  (betheiligen).  P. 
to  interline'  (zwischen    den  Zeilen 

schreiben). 
to  object'  (Einwürfe  machen), 
to  permit'  (erlauben), 
to  perfume'  (durchräuchern), 
to  prefix'  (vorsetzen), 
to  prelude'  ^)  (einleiten), 
to  premise'  (vorausschicken), 
to  presage'   (vorbedeuten,   ahnen», 
to  produce'  (hervorbringen), 
to  prbgress'  (fortschreiten). 
to  project'  (entwerfen), 
to  protest'  (Pr.  einlegen), 
to  rebel'  (sich  empören), 
to    regress'    (zurückgehen,    Worc. 

nicht), 
to  retail'  (Kleinhandel  treiben), 
to  record'  (aufzeichnen), 
to  Suffix'  (eine  Silbe  anhängen), 
to  surname'  (einen  Beinamen  geben). 


1)  to  in'terest  Wrc.  W.  Ja. 

2)  the  permit'  P.  Ja.  Wb.,  per'mit  S.  W.  J.  E.  K.  Sm. 

3)  the  perfume'  E.  K.  Sm.,  per'fume  S.  W.  J.  F.  Ja.  R.  C.  Wr.;  aber 
Fenning,  Perry,  Entick,  Johnson,  Buchanan,  Johnston  und  Kenrick  habeu 
to  und  the  per'fume. 

4)  to  prel'ude  Ja.  Sm. 

5)  the  protest'  S.  P.  F. 
6}  the  retail'  S.  J.  F.  K. 


Unterscheidung-saccent. 


197 


sur'vey  (Uebersicht), 
traj'ect  (üeberfahrt), 
trans'fer  (Uebertragung), 
trans'port  (Fortschaffen), 


to  survey'  (überblicken), 
to  traject'  (durchwerfen), 
to  transfer'  (übertragen), 
to  trausport'  (fortschaffen). 


286. 


b)  Adjectiven  und  Verben. 


ab'ject  (niedrig,  verworfen), 
ab'sent  (abwesend), 
fre'quent  (häufig), 
con'gruent  (übereinstimmend), 
pro'late  i)  (flach), 


to  abject'  (verwerfen,  Wrc.  nicht). 

to  absent'  (entfernen). 

to  frequent'  (oft  besuchen,  fre'  Wb.). 

to  congrue'  (übereinstimmen). 

to  prolate'  (vorbringen,  Wrc.  nicht). 


c)  Substantiven,  Adjectiven  und  Verben. 

compact  (Vergleich),  compact' (fest),  to  compact'  (fest  zusammenfügen), 
con'crete  (Masse),  concrete'2)  (kör-  to  concrete'  (zus.  gerinnen). 

perlich), 

Nachdem  auf  diese  Weise  der  Accent  logische  Bedeutung  erlangt  §.  287. 
hatte ,  so  wurde  er  auch  weiter  verwandt. 

d)  Bei  deutschen  Partikeln. 


fore'cast  (Vorsicht,  Plan), 
fore'taste  (Vorgeschmack), 
o'verbalance  (Uebergewicht), 
o'vercharge  (Ueberladung), 
o'verflow  (Ueberschwemmung), 
o'verpoise  (Uebergewicht), 
o'verthrow  (Umsturz), 
o'verjoy  (unmäi^e  Freude), 
out'-cry  (Ausruf), 


to  fore-cast'  (vorherbedenken). 

to  fore-taste'  (vorher  kosten). 

to  overbal'ance  (überwiegen). 

to  overcharge'  (überladen). 

to  overflow'  (überfließen). 

to  overpoise'(d  Uebergewichthaben). 

to  overthrow'  (umwerfen). 

to  overjoy'  (sich  sehr  freuen). 

to  outcry'  (schreien). 


e)  Zur  Unterscheidung  von  Verben. 

to     conjures)     (sich     verschwören,  to  conjure'  (beschwören), 
bannen). 


')  Adj.  prolate'  Sm.  Wr.,  prolate  W.,  pro'late  S.  E.  Wb.  A. 

2)  Adj.  concrete'  W.  Ja.  K.,  con'crete  S.  P.  E.  F.  Sm.  Wb. 

3)  In  proud  rebellious  arms  Drew  after  him  the  third  part  of  Heav'n's 
sons  Conju'red  against  the  Highest.  M.  pl.  2,  693.  Auch  Sh.  unterscheidet 
nicht:  Err.  3,  1 :  Dost  thou  conjure  for  wenches,  that  thou  callst  for  such  störe. 
—  TG.  2,  7:  And,  e'en  in  kind  love,  I  do  con'jure  thee.  MA.  3,  2.  AL.  5,  4. 


198  Accentschwankungen. 

§.  287.  to  in'cense  (räuchern),  to  iucense'  (erbittern). 

to  re'sound  (wiederhallen,  machen),  to  resound' (erschallen,  Wrc.  nicht), 

to  re'store  (wieder  aufs  Lager  briu-  to  restore'  (herstellen,  Wrc.  nichtj. 
gen). 

f)  Zur  Unterscheidung   von  Substantiven    und  Adjectiven. 

Au'gust  (Monat  August).  august'  (erhaben). 

min'ute  (Minute),  rainute'  (klein). 

levant'  (Morgenland),  le'vant  (östlich). 

su'pine  (Supinum),  supine'  (auf  dem  Eücken  liegend). 

prec'edent  (Rechtsbeispiel),  prece'dent  (vorhergehend). 

confidant'  (Vertraute),  con'fident  (vertrauend). 

invalid'  (Invalide),  invalid  (ungültig). 

g)  Zur  TJnterscheidung  von  Substantiven  oder  von 

Adjectiven. 

Savoy'  Sav'oy  (Savoyen),  savoy'  (Kohl). 

buf'fet  (Faustschlag,  frz.  boufPee),  buffet'  (Schenktisch,  frz.  buffet). 
gallant'  (galant),  gal'lant  (tapfer). 

sin'ister  (schlecht,  verkehrt),  sinist'er  (link)  wird  bei  Milton,  Dryden 
etc.  unterschieden,  nicht  aber  von  den  Orthoepisten,  s.  §.  288. 
§.  288.  Diese  verschiedenen  Einflül^e  auf  die  Accentuation  sind   die  Ver- 

anlagung, dal^  noch  jetzt  nach  der  Angabe  der  engl.  Orthoepisten 
eine  nicht  unbeträchtliche  Anzahl  Wörter  schwankt.  Zu  diesen  kommen 
noch  solche,  in  welchen  der  Streit  zwischen  der  fremden  und  der 
deutschen  Accentuation  noch  nicht  entschieden  ist. 

a)  Lateinischer    und    englischer  Accent    stehen    noch    neben    ein- 
ander, W'Onn  auch  einzelne  Bildungen  nur  analog  sind: 
ab-bre'-vi-a-tor  (Ja.  K.  Sm.  Wb.  Wrc,  abbrevia'tor  W.  J.  F.  S.). 
co-ad-ju'tor  (co-adjutor  E.). 

con'fessor  (confes'sor  P.  Wb.  A. ,  beides  K.  Wrc.) 
glad'iator  (K.  Sm.  Wrc,  gladia'tor  W.  P.  J.  F.  Ja.  S.  E.). 
impro'priator    (P.    K.    Sm.    R.    Wb.    Wrc,   impropria'tor  S.  W.    J.  E. 

F.  Ja.), 
interloc'utor  (S.  P.  F.  Ja.  Sm.  Wb.   Wrc,  interlocu'tor  N.,  beide  W.). 
pacifica'tor  (W.  P.  J.  E.  Wrc,  pacif'icator  S.  Ja.  K.  Sm.). 
succes'sor    (P.    J.    Ja.  K.  Sm.   Wb.  Wrc,    suc'cessor    S.  E.  F.,   beide 

W.  K). 


t 


Accentschwankung^en.  199 

prol'ocutor    S.    Sm.    Wrc,    proloc'utor    J.   F.   K.   ß.  Wb.,    prolocu'tor  §.  288. 

P.  Ja.  W. 
dem'onstrator    S.    R.  Wb.,    demonstra'tor    P.    Ja.,    demonstra'tor    oder 

demon'strator  W.  K.  Sm. 
expur'gator  Ja.  K.  Sm.  Wrc,  expurga'tor  P.  Wb. 
extir'pator  (extirpa'tor  P.). 
iecem'vir  Sm.  Wrc,  de'cemvir  Wb. 

£rcubalist'(er)  K.  Sm.  Wb.,  arcubal'ister  S.  W.  P.,  ar'cubalister  Ja. 
lenti'go  S.  W.  Sm.  Ja.  Wrc,  len'tigo  J.  K. 

vertigo    (te'   K.    Sm.,    ti'   und  te'  W.  F.  Ja.,    ver'tigo  P.  J.  E.  Wb.). 
numismat'ics  (K.  Sm.  K.  Wb.  Wrc,  numis'matics  Ja.), 
orches'tra  (W.  Ja.  Sm.  N.,  or'cbestra  P.  K.  Wb.,  aber  nur  or'chestre). 

Adjectiven: 

deco'rous  (dec'orous  P.  E.  Wb.  A.);  ebenso  indecorous. 
sinist'er  F.  Ja.  Sm.  (sin'ister  S.  W.  P.  J.  K.  Wb.). 

Hierher  gehören  ferner  aus  dem  Griechischen: 
antisplen'etic  (S.  W.  J.  Ja.  Wrc,  antisplenet'ic  P.  Wb.) 
hel'lenic  Ja.  K.  R.  Wrc,  helle'nic  Sm.,  hellen'ic  Wb. 
empir'ic  Ja.  Sm.  R.,  em'piric  S.  J.  Wb.,  beides  W.  P.  F.  K. 
phlegmat'ic  (phleg'matic  S.  W.  J.  Ja.,  phle^matic  E.). 
phrenet'ic  (phren'etic  S.). 
plethor'ic  (pleth'oric  Wb.  A.). 

scÄis'maUc  (S.  W.  J.  E.  F.  Ja.  Sm.  R.,  sc/dsmat'ic  P.  K.  Wb.  A.  Sc), 
elegi'ac  (ele'giac  Wb.,  beides  P.  K.). 

b)    Französische    und    englische   Accentuation    liegen   nehen   ein- 
ander: 
envelope    (=    onvelöp'    S.    W.    J.    P.    F.    R.    Ja.,    envel'up  K.    Wb., 

ong'vlop  Sm.,  en'velop  P.). 
9hap'eron  Ja.  P.  Wrc.  K.  Sm.,  9haperon'  W. 

environs    (=    onveronz'   S.    J.  E.,   envi'runz   P.  Wb.,    en'veronz   Sm.). 
gal'leon  Wrc  Ja.  Sm.,  galleon'  J.  F.  K. 
fan'faron  (S.  Ja.  P.  Sm.  Wb.  Wrc,  fanfaron    W.). 
accoucheur'  (Ja.  Sm.  Wrc,  accou'cheur  K.). 
amateur'  (am'ateur  E.). 
consignor'  (consi^nor  Wb.). 

ar'tisan  P.  J.  K.  Sm.  R.  Wb.,  artisan'    S.  W.  F.  Ja. 
Caravan    (car'avan  S.  E.  K.  Wb.). 
confidant'  (S.  W.  E.  F.  Ja.  K.  Sm.  Wrc,  con'fidant  P.  J.  Wb.). 


200  Accentscliwankung-en. 

§.  289.  governante'  (W.  Ja.  E.  Sm.  S.  F.  K.,  gov'ernante  P.  J.  Wb.). 

menag'erie  (P.  K.  Sm.  Wrc.  E.,   menagerie'  W.  Ja.,    men'agerie  Wb.). 

rev'ery  (S.  W.  J.  F.  Wb.  A.,  reverie'  Ja.  K.  Sm.). 

parasol'  (Sm.,  par'asol  W.  Ja.  S.  J.  E.  F.). 

embrasiire'  (P.  Sm.  Wb.  S.  K.,  embra'siire  W.  J.  F.  Ja.). 

sphe'roid  (S.  W.  P.  J.  F.  Wrc,  spheroid'  Ja.  Sm.  W^b.). 

rendezvous  (==  rön'devö  S.  J.  K.,  ren'devö  Sm.,  rendevöz  W.  F.  Ja.). 

to  advertise'i)  (ad'vertise  Sm.,  adver'tise  Sh.). 

to  diver'tise  (divertise'  Wb.). 

to  rec'ognize  (recogniz'e  S.). 

imbecile'  S.  K.  Sm.,  imbec'ile  J,  E.  Ja.  (im'becile  K.  Wb.). 
§.  290.  c)  Englischer  Äccent   ist  zwar  eingetreten  ,    schwankt  aber  noch. 

Substantiv. 

a'-e-ro-mancy  W.  J.  F.  Wrc,  aer'omancy  Ja.  K.  Sm.,  a-e-romancv  A. 

hi'e-romancy  Ja.  K.  Sm.  Wrc,  hi-e-rom'ancy  Wb. 

ceribacy  (celib'acy  Wb.). 

acad'emy  (dies  und  ac'ademy  S.  W.). 

chal'cedony  W.  Ja.  K.  E.,  chalced'ony  Sm.  Wb.  (chalcedonius). 

corophony  Wb.  Sm.  K.,  coloph'ony  W.  Ja.  Wrc. 

horol'ogy  W.  P.  Ja.  Wrc,  ho'rology  S.  K.  hör'.  Sm. 

meton'ymy  P.  J.  F.  A.,  met'onymy  S.  E.  K.  Sm.,  beides  W.  Ja. 

dys'pepsy  S.    W.  E.  F.  Ja.  K.  E.,  dyspep'sy  Sm.  Wb.  Js.   A. 

col'umbary  K.  Sm.  E.  Wb.,  colum'bary  S.  W.  P.  J.  F.  Ja. 

con'sistory  S.  W.  P.  J.  F.  Ja.,  consis'tory  E.  K.  Sm.  E.  Wb. 

octog'enary  W.  P.  X.  Sm.,  oc'togenary  Ja.  Wb. 

cor'ollary  (corol'lary  Bail.,  Kenr.  Sc). 

refect'ory  (refectory  S.  J.  F.,  beides  W.). 

rep'ertory  (reper'tory  E.  Bail.  A.). 

hem'istisch    P.    Sm.    Wb.   Js.,  hemis'tich   S.   W.  J.   F.  K.  Ja.,  herais- 

ti'chium. 
ar'istocrat  Ja.  Sm.  E.,  arist'ocrat  Wb.,  aristocrat'  W.  P. 
cam'elopard  S.  K.  Sm.  Wb.,  camel'opard  W.  P.  Ja. 
her'esiarch  Sm.,  here'siarch  W.  P.  F.  S.  E.  Wrc. 


I 


4 


1)  Wherein  he  might  the  king,  his  lord,  advertise.     Sh.  Hh.  2,  4. 
To  one  that  can  my  part  in  him  advertise.    Sh.  Mm.  1,  1.    1  was  then 
Advertising  and  holy  to  your  business.  Sh.  Mm.  5,  1. 
My  griefs  are  louder  than  advertisement.     Sh.  Much.  5,  1. 


Accentschwankiing-en.  201 

hori'zon  (hori'zon  und  hor'izon  P.  Wb.).  §.  290. 

inter'stice  S.  Ja.  K.  Sm.  R.,  in'torstice  P.  J.  F.  Wb.,  beides  W. 
meteor'olite  Sm.  Wrc,  me'teorolite  K.  Wb. 
sub'altern   S.  W.  P.   J.    E.   F.   Ja.    Sm.  R.,   siibartern  Wb.  Js.    Bail. 

Barcl.  Fen.  A.  Rieh.,  beides  K. 
chas'tisement  (auch  chastise'raent  P.). 
addit'ament  (ad'ditament  S.  J.  E.). 
adver'tisement   P.  Ja.  Sm.  Wb.   A.,    dies   und   advertise'ment  S.  W.  J. 

F.  K.  Wrc. 
heredit'ament  (hered'itament  S.  E.  K.). 
adjuvant  (adju'vant  J.  E.). 

recu'sant  P.  J.  E.  Ja.  R.  Wb.,  rec'usant  S.  K.  Sm.  Jst. 
com'putist  S.  W.  P.  F.  Wrc,  compu'tist  Ja.  Sm. 
he'braist  P.  E.  Ja.  K.  Sm.  Wrc,  heb'raist  W.  J.  F.,  hebra'ist  S. 
machinist  (=  ma-she'nist  S.  W.  P.  J.  F.  Ja.  Sm.  Wrc,  mak'enist  K.). 
met'aphorist  Sm.  R.  K.  Wb.,  metaph'orist  Todd. 
prosa'ist  K.  Sm.  Wrc,  pro'saist  Wb. 
es'sayist  P.  Ja.  K.  Sm.,  essay'ist  W.  Wb. 
paral'ogism  (par'alogism  S.  K.). 
pol'ytheism  (polythe'ism  S.  P.). 
or'angery  (oran'gery  S.  W.  F.  J.  E.). 
impu'issance  (impuis'sance  P.  Wb.). 
deca'dency  (dec'adency  Ja), 
dis'crepance  (discrep'ance  Wb.). 
recep'tacle  (rec'eptacle  S.  J.  F.  R.). 
conven'ticle  (con'venticle  S.). 

dissyllable  P.  F.  Ja.  Sm.  Wb.,  dis'syllable  S.  W.  J.  K. 
trisyl'lable  P.  K.  Sm.,  tris'yllable  S.  W.  J.  F.  Ja.  Wb. 
dioc'esan  S.  W.  J.  F.  Ja.  K.  R.  P.  Sm.  (dioce'san  Js.,  di'ocesan  Wb.). 
cor'onal  P.  K.  Sm.  Wb.,  coro'nal  S.  W.  J.  F.  Ja. 
contem'plator  S.  W.  P.  J.  F.  Ja.,  con'templator  E.  Sm.  Wb. 
coquet'ry  (co'quetry  Wb.). 

rev'emie  P.  Sm.  Wb.  Wrc,   dies  und   reven'ue   S.  W.  J.  E.  F.  Ja.  K. 
ret'inue    P.  E.   K.   Sm.   Wb.   Wrc,    dies    und    retin'ue  W.    J.   F.  Ja., 

retin'ue  S. 

Adjectiven. 

circu'itous  (cir'cuitous  =  sir'kitus  Wb.). 
ab'dicative  (abdic'ative  S.  E.  P.). 


202  Accentschwankungen. 

§.  290.  discre'tive  (dis'cretive  S.  K.). 

excre'tive  Ja.  Sm.,  ex'cretive  S.  W.  P.  J.  F.  Wrc. 

ex'plicative  (explic'ative  S.). 

incho'ative  S.  W.  P.  J.  Ja.  Wrc,  in'choative  Sm.  R. 

op'tative  (opta'tive  Ken.,  op'tative  und  opta'tive  W.). 

accep'table  P.  Ja.  K.  Sm.  Wb.  Js.  A.    Wrc,   ac'ceptable  S.  W.  J.  E. 

F.  R.  M.  pl.   10,   139. 
cal'cinable  Ja.  K.,  calci'nable  Sm.,  calcin'able  Wb. 
commend'able,  com'mendable  J.  F.,  beides  S.  W. 
dis'putable,  dispu'table  P.,  beides  W.  Ja.  K. 
respi'rable  Ja.  Sm.  Wrc,  res'pirable  P.  K. 
ac'cessary  (acces'sary  A.  Bail.). 
inter'calary  (intercal'ary  W.  J.  F.). 
ex'emplary  (exemp'lary  P.  K.). 
mam'millary  (mammil'lary  S.  E.  K.). 
med'uUary  W.  Ja.  Wb.,  medul'lary  S.  P.  K.  Sm. 
pap'illary  (papil'lary  S.  P.  E.  K.). 

ac'cessory  S.  W.  P.  J.  E.  F.  Ja.  K.  Sm.  R.,  acces'sory  Bail.  A. 
calcin'atory  (cal'cinatory  S.  Wb.). 
im'precatory  (imprec'atory  S.,  im'precat'ory  E.). 
decep'tory  S.  P.  Sm.  Wb.,  dec'eptory  W.  Ja.  Wrc. 
dec'retory  (decre'tory  E.  A.). 
dim'issory  (dimis'sory  S.  K.). 
ex'cretory  S.  W.  P.,  excre'tory  Ja.  K.  Sm. 
os'cillatory  K.  Sm.  R.  Wb.,  oscil'latory  S.  W.  P. 
pos'sessory  S.  W.  P.  E.  F.  Ja.,  posses'sory  J.  K.  Sm.  R.  Wb. 
pre'ceptory  Ja.  Sm.,  pres'eptory  W.  Wrc,  precep'tory  K.  Wb. 
rec'eptory  S.  W.  J.  F.,  recep'tory  P.  K.  Sm.  Wb. 
secre'tory  W.  J.  F.  K.  Sm.,  se'cretory  P.  E.  Ja.  Wb. 
subsul'tory  P.  J.  K.  Sm.  Wb.,  sub'sultory  S.  W.  E.  F. 
arveolar  (alve'olar  K.). 

max'illar  P.  K.  Sm.  Wb.,  maxil'lar  S.  W.  Ja. 
au'cestral  (ancest'ral  Ja.  Wb.). 

inim'ical  P.  E.  R.  Wb.,  inimi'cal  Sm.,  beides  W.  J.  F.  Ja.  K. 
machinal  =  mak'inal  S.  W.  J.  F.  Ja.  K.,  maslie'nal  Sm. 
mar'ital  (mari'tal  Sm.). 

offici'nal  J.  F.  Ja.  Sm.  R.,  offic'inal  P.  E.  K.  Wb. 
pat'ronal  W.  P.  J.  E.  F.,  pa'tronal  Ja.  Sm.,  patro'nal  S.  Ja. 
sag'ittal  (sagit'tal  S.  K.). 


k 


Accentscliwankung-en.  203 

vic'inal,  vici'nal  S.  Ja.  Sm.  §.  290. 

ingen'ito  (in'genite  W.  Ja.). 

ob'durate  Sm.  Wb.,  obdu'rate  S.  P.  J.  E.  K. 

multip'licato  S.  P.  W.  Ja.  Wrc,  murtiplicato  Sm.  Wb. 

in'coudite  W.  Ja.,  incon'dite  J.  F.  P.  Sm.  Wb.,  incondite'  S.  K. 

rec'ondite  W.  J.  Ja.  Wb.  Wrc,  recondite'  S.,  recon'dito  P.  Sm.  K. 

met'alliue  W.  J.  Wb.  Wrc.  E.  F.,  metal'lme  S.  A. 

zo-o-plior'ic  (zo-oph'oric  Wb.  A.). 

tram'ontane  Sm.  R.,  tramon'tane  Ja.  Wb. 

cime'iform  (cu'neiform  K.  Wb.). 

semipe'dal  S.  P.  K.  Wb.,  seraip'edal  W.  Ja.,  semiped'al  Sm. 

trip'edal  W.  P.  Ja.  K.  Sm.,  tri-pe'-dal  S. 

Verben. 

al'coholize  (alco'holize  S.  J.). 

anath'ematize  (anathem'atize  P.  Js.). 

ar'omatize  S.  W.  E.  K.  R.,  a-rom'atize  P.,  a-ro'matize  Ja.  Sm. 

sys'tematize  (system'atize  W.). 

ener'vate  (en'ervate  Wb.). 

compen'sate  (com'pensate  Wb.). 

confis'cate  (con'fiscate  Wb.). 

consum'mate  (con'summate  K.  Wb.). 

contem'plate  (con'template  Wb.). 

decol'late  (dec'ollate  Wb.). 

demon'strate  (dem'onstrate  Wb.). 

desic'cate  (des'iccate  Wb.). 

des'ignate  W.  Ja.  K  Sm.  Wb.  Wrc,  desig'nate  P.  J. 

den'igrate  P.  Ja.  K.  Sm.  Wb.  Wrc,  deni'grate  S.  J.  F. 

despu'mate  (des'pumate  Wb.). 

devast'ate  (dev'astate  K.  Wb.). 

exca'vate  S.  W.  P.  J.  Ja.,  ex'cavate  Sm.  Wb. 

expro'brate  Wrc.  S.  W.,  ex'probrate  P.  Sm.  Wb. 

expur'gate  Ja.  K.  Sm.  Wrc,  ex'purgate  Wb. 

fec'undate  Sm.  Wb.,  fecun'date  P.  K.  R. 

in'durate  (indu'rate  A.). 

inter'polate  (in'terpolate  Wb.). 

vivif'icate  (viv'ificate  Wb.). 

Diese  Schwankungen    haben  darin  ihren  Grund,  daß    der  Accent  §.  291. 
entweder  rhythmisch  zurückschreitet  oder  dal^  dieser  rhythmische  Gang 


204  Einfluß  des  Accenls  auf  den  Laut. 

§.  291,  durch  die  dazwischen  liegenden  Silben  gestört  wird.  In  demselben  ist 
ferner  die  Neigung  des  Ne.  begründet,  die  drittletzte  Silbe  zu  betonen, 
sodaU  sich  daraus   die   gewöhnlich    angeführten  Accentregeln  ergeben. 

1)  Die  Substantiven  auf  i-ty,  e-ty,  i-tude,  ery,  ion  sion  tion, 
ient  iant  ience  iance,  ial,  nal,  iad,  iast,  iasm,  icism,  iasis  haben 
den  Ton  auf  der  drittletzten  Silbe:  commu'nity,  anxi'ety,  simiritude, 
artil'lery,  opin'ion,  eva'sion,  revolu'tion,  pa'tient,  obe'dience,  va'riance, 
individ'ual,  Olymp'iad,  enthu'siast,  enthu'siasm,  fanat'icism,  elephan- 
ti'asis  etc. 

2)  Die  Adjectiven  auf  ial  eal  ual,  in-al,  ic-al  ac-al,  iar,  ul-ar, 
cul-ar,  ious  eous  uous,  inous,  ulous  culous,  erous  orous,  icous,  itous, 
it-ive,  ative,  iac,  o-lent  u-lent  ient  iant  haben  ebenfalls  den  Ton  auf 
der  drittletzten  Silbe:  a-e'-rial,  corpo'real,  habit'ual,  orig'inal,  fanat'- 
ical,  demo'niacdemoni'acal,  (fani'ily)famiriar,  (ar'ticle)artic'ular,  (arbonr), 
arbo'reous,  (la'bour)  labo'rious,  (tu'mult)  tumult'uous,  lu'minous,  lu'di- 
crous,  ludib'rious ,  (mir'acle)  mirac'ulous,  cadav'erous,  vig'orous,  ven'- 
tricous  ventri'culous,  calam'itous,  gratu'itous,  affirm'ative  (aber  imag'ina- 
tive,  delib'erative  etc.),  exhib'itive,  inquis'itive,  cardi'acal  car'diac, 
obe'dient,  bril'liant,  som'nolent,  corp'ulent. 

3)  Die  Wörter  auf  iate,  eate,  uate  ebenfalls:  colle'giate  Subst. 
und  Adj.,  asso'ciate  Subst.,  Adj.  und  Verb,  to  maH'eate,  to  act'uate 
grad'uate  Subst.  und  Verb. 


Dritter   Abschnitt. 

Einfluß  des  Accents. 

Der  Einfluß  der  Accentuation  auf  die  Lautung  der  Vocale  tritt 
überall  hervor,  1)  in  der  betonten  Silbe,  2)  in  den  Silben,  die  vor 
derselben  liegen,  3)  in  den  Silben,  die  derselben  nachfolgen;  seltener 
erstreckt  er  sich  auf  die  Geltung  der  Consonanten  und  die  Gestaltung 
des  ganen  Wortes. 
292.  I.  Die  Entwicklung    der  Vocale    in    der   betonten  Silbe   ist   oben 

dargelegt  und  der  Verlauf  der  mit  denselben  bezeichneten  Laute  ist 
angedeutet  worden.  Unter  den  mannigfachen  Veränderungen,  die  dort 
aufgezählt  sind,  ist  die  oft  eintretende  Dehnung  und  die  damit  ver- 
bundene Erhellung  des  Lautes  der  Accentuation  zuzuschreiben.  Nur 
in  betonter  Silbe  konnten  ags.  tam,  br£ec,  hebban,  brecan,  feld,  cild, 


Einfluß  des  Acccnts  auf  die  vorsiehende  Silbe.  205 

writere,  smoca,   guma,    gebunden  nach  und  nach  durch  die  verschie- §.  292. 
denen  Perioden  hiudurchschreitend  zu   neuenglischen    tämo,   bröke ,   to 
heave,   to  break,  field,  chlld,   writer,   smöke,    grOom,   boünd   werden. 

Dagegen  die  ursprüngliche  Vocalkürze ,  neben  die  sich  später 
Dehnung  stellt,  wie  in  Ne.  wild  wilderuess  (ags.  wilde),  crime  crim'inal, 
nü'ture  natural,  nü'-tion  nät'ional,  oder  die  Vocalkürze,  die  neben 
Vocallänge  getreten  ist,  wie  in  Ne.  wide  width  (ags.  wid),  broad  (ags. 
brad)  breadth,  hängen  mit  der  Accentuation  nicht  zusammen.  Dort 
drückt  die  Mehrsilbigkeit  auf  den  kurzen  Vocal  und  hemmt  seine 
Dehnung:  hier  bewirkt  mehrfache  Consonanz  Verkürzung  des  langen 
YQcals.  —  Eine  dritte  Berührung  zwischen  Kürzen  und  Längen  hängt 
ebenfalls  nicht  von  der  Accentuation  ab,  sondern  von  der  Flexions- 
fähigkeit; ags.  brsed:  verliert  bald  die  Flexion  und  bewahrt  noch  in 
Ne.  breath  Vocalkürze,  während  das  flectierende  Verb  Dehnung  zuläßt: 
to  breathe;  gläss  to  gläze,  bäth  to  bäthe,  bräss  to  bräze  etc.;  clöth 
(ags.  aber  cläd)  konnte  sich  verkürzen,  to  clöthe  bewahrt  die  Länge 
(ags.  clädjan). 

IL   Indem  die  Aussprache  über   die  vorstehenden  Silben   hin   zur  §•  293. 
accentuierten  Silbe  eilt,   so  hat   sich   der  Laut   oft  nicht   zu   gleicher 
Stärke  entfalten  können,   wie  in  den   betonten  Silben,   oder  ursprüng- 
lich  tonreiche    Silben   haben    in    Folge    der   Accentstellung    an   Laut 
verloren. 

1)  In  offener  Silbe  lauten  die  Vocale  lang.  A.  kömmt  - 
seltner  in  Vocallänge  vor:  ä-e'-rial,  ä-o'-nian,  chä-ot'ic;  meist  hat  es 
hier  einen  kurzen,  trüben  Laut,  sowohl  in  dem  unbetonten  ags.  ä: 
ne.  a-rise',  a-bide',  a-bout',  a-w^ake'  etc.  und  dem  verkürzten  ags.  set 
und  on:  ne.  a-head',  a-wäy,  als  auch  in  den  fremden  Wörtern,  mag 
es  hier  zum  Stamm  gehören  oder  vorgeschoben  sein:  a-cüte',  ra-pid'ity 
(räp'id),  ca-jöle',  ba-töon',  ba-zäar',  ca-bäll'er,  phä-risä'ical,  a-rith'- 
metic,  äd-o-les'cence,  äd-a-man-te'-an;  adöre',  amöve,  äp-o-the'osis, 
a-müse'-ment. 

Ae  klingen  schwächer  als  e  in  cae-su'ra  (se-zü'-ra),  phae-nöm'enön. 

Au  behält  den  langen  ä-Laut  in  äustere',  nicht  ganz  in  äu-thör'ity, 
franz.  o  in  hautgout'  (hö-gö')  und  etwas  kürzer  in  deb-auchee'. 

E  hat  den  i-Laut:  e-bri'-ety,  e-mörument,  e-möH'ient;  die  Prä- 
position de  vor  betonter  Silbe:  de-cänt',  de-cläim,  de-cline',  de-lect'able, 
de-mön'sträte,  de-pört'ment;  pre  hat  volles  e  vor  Compositionen: 
pre-ad-mön'ish,  pre-concep'tion,  pre-cönträct',  pre-de-ter'mine  etc., 
schwächeres    meist   vor    betonter    Silbe:    pre-cede,    pre-cür'sor,    pre- 


20G  Einfluß  des  Acccnts  auf  die  vorstehende  Silbe. 

§  293.  cip'itäte.  —  Re  unterscheidet  die  in  ihm  ruhende  doppelte  Bedeutung 
von  wieder  (re)  und  zurück  (re):  re-un'imäte,  re-as-cend,  re-ap- 
pöint',  re-as-sem'ble,  re-assüre',  re-build',  re-bür'y,  re-cäst'  etc.;  re- 
böünd,  re-büff',  re-büke'.     Ferner  se-date',  e-con'omy,  e-pit'ome. 

Eu  =  ü,  nur  etwas  schwächer:  teü-ton'ic,  eü-lög'iüm,  eüphön'ic- 

Volles  1  steht  in  i-äm'bus,  i-ö'-ta,  hi-a'-tus,  di-um'eter,  di-ür'-nal, 
tri-üm'-phal,  i-räs'cible,  di-äg'-onal,  i-dü'-a,  i-rön'ic;  in  den  Zusam- 
mensetzungen mit  den  griech.  iso-,  ß'hir-,  micr9-  und  dem  lat.  prim-: 
iso-ther'mal,  iso-tön'ic,  iso-met'rical,  ß:hi-r9graph'ic ,  0hi-rö'logy,  mi- 
crog'raphy,  mi-crom'eter,  pri-me'val,  primo-gen'itüre,  primör'dial, 
kurzes  i  in:  im-äg'ine  (im'age),  imi-ta'tion  (im'itate),  ministe'rial  (min'is- 
ter),  his-tö'rian;  ferner  in  di-gest',  di-läc'erate,  di-läte',  di-min'ish, 
di-rect'. 

Fast  volles  o:  ö-bey',  ö-be'dient,  ö-mit',  ö-do-riferous,  ö-lym'pic, 
o-nei'romäncy,  äd-ö-rä'tion,  tö-bäc'-co;  kurz  in  öligär'ß^hical  (örigär0hy), 
öperät'ic  (öp'era),  ör-atö'rical  (ör'ator). 

Oe   =   e:   oe-de'ma,  oe-söph'agus ,  oe-cön'omy. 

Ou  behält  den  franz.  Laut  in  Lou-i'sa,  rou-leau',  rou-tine',  boü- 
quet',  toüpet';  bei  Accentverschiebung  den  Laut  der  betonten  Silbe: 
öüt'-rage  öüträ'geous. 

Y  lautet  wie  i,  lang  in:  hy-e'na,  ty-rän'nic  (ty'rant),  ly-ceum, 
hy-me-ne'an,  und  in  den  griechischen  hy-per-,  hy-dro-,  hy-gro-:  hy- 
per-bol'ic,  hy-per- critlcal,  hydrom'eter,  hydrop'ic,  hy-grom'eter,  cy- 
clopaedia;  kurz:  phy-sic'ian,  dynam'ical,  hypochondri'acal,  hypo- 
crit'ical. 
§.  294.  Es  schwanken  einige  Wörter: 

e-van-gel'ical    S.    J.    E.   Ja.   K.,    ev-an-gel'ical    W.    F.   Sm.   (van'gelie 

Wycl.). 
ge-ne-äl'o-gy  W.  P.  F.  Ja.  Sm.,  gen-e-äl'ogy  S.  J.  E.  K.  R.  Wb.  Wrc. 
geneal'ogist  und  genealog'ical  ebenso, 
met-ro-pöritan    W.    J.    F.    Ja.    R.    Wb.    Wrc,    me-tro-pöritan    S.    P. 

K.  Sm. 
metropol'itic  und  metropolit'ical,  aber  nur  me-tröp'olis. 
pred-e-ces'sor  S.  W.  J.  F.  K.  Sm.  Wrc,  pre-de-ces'sor  P.  Ja. 
rel-ax-ä'tion  W.  J.  F.  Sm.  Wrc,  re-laxä'tion  S.  P.  E.  Ja.  Wb. 
minute'  (klein)  =  me-nüt'  S.  W.  J.  F.  K.,  mi-nüt'  Ja.  Sm. 
re-nün-ci-a'tion  (ci-ä'  =  she-a'  W.  P.  J.  F.  Ja.  Wrc,  shä'  S.,  se-ä'  K.). 
vi-rä'-go  S.  E.  Ja.  K.  Wb.,  =  ve-rä'-go  P.  J.  Sm.,  beides  W. 
vi-tü'peräte  P.  K.  Sm.,  vi-tü'peräte  S.  J.  Ja.,  beides  W.  F. 


Einfluß  des  Accents  auf  die  vorstehende  Silbe.  207 

vi-vac'ity  P.  J.  E.  K.  Sm.,  vi-vuc'ity  S.  Ja.,  beides  W.  §.  294. 

hö-mo-ge'neouS;   aber  Sm.  hüm-o-gO'neous. 
bu-oy'  S.  W.  J.  F.  K.  Sm.,   =  boy  P.  E.  K. 

lieuten'ant  =  lov-ten'ant  W.  Sm.,  Ijf-ten'nnt  S.  E.,  liv-ten'ant  P.  J., 
lü-ten'ant  Ja.  Wb. ;  ebenso  lieüteu'nncy. 
Diese  Scliwankungeu  hängen  mit  der  Accentstellung  zusammen: 
die  dem  Accent  unmittelbar  vorstehende  Silbe  verliert  eher  an  laut- 
lichem Gehalte,  während  die  ferner  stehende  weniger  durch  die  un- 
mittelbare Nähe  des  Accents  beeinträchtigt  wird.  Daher  erklärt  sich 
auch  e-bri'ety  und  e-bri-os'ity ,  e-con'omy  und  e-co-nom'ical.  Beson- 
ders auffallend  ist,  dai^  in  den  roman.  Compositionen  mit  de  dieses 
den  langen  verklingenden  Laut  hat,  wenn  es  unmittelbar  vor  der  be- 
tonten Silbe  steht,  dal^  dagegen  der  Vocal  kurz  wird,  wenn  eine  ton- 
lose Silbe  zwischen  de  und  der  betonten  Silbe  liegt :  de-bäucli'  deb- 
auchee',  de-cant  dec-antä'tion ,  decläim'  dec-lamä'tion ,  de-cline'  dec- 
linä'tion,  de-cöriäte  dec-ollä'tion,  de-cüs'säte  dec-ussä'tion,  de-fäl'cäte 
defal-cä'tion ,  de-fäme'  def-amä'tion,  de-förm  def-ormä'tion ,  de-fräud 
def-räudä-'tion ,  de-gräde'  deg-radä'tion ,  de-lect'able  del-ectä'tion,  de- 
lete'  del-ete'rious,  de-mön'sträte  dem-onsträ'tion ,  de-phlegm'äte  deph- 
legmä'tion,  de-plore  dep-lorä'tion,  de-plume  dep-lumä'tion,  de-pört'- 
meut  dep-ortä'tion,  de-pöse'  dep-osit,ion ,  de-präve  dep-ravä'tion  u.  a. 
Der  rhythmische  Gang  tritt  in  der  zweiten  unbetonten  Silbe  vom 
Accent  an  fester  auf  und  verlangt  entweder  den  volleren  Vocal  oder 
die  consonantische  Verstärkung. 

2)  In    geschlol^enen    Silben    lauten    die    Vocale   kurz:  §.  295. 
äc-cept',  mäg-nificence,  en-gend'er,   men-da'cious,  aes-thet'ics ,   mäin- 

tain',  in-värid,  ir-reg'ukr,  pöm-pos'ity,  sys-te-mät'ic,  sym-pa-thet'ical. 

3)  Die  deutsche  Betonung  hat  oft  Aphärese,  selten  Synkope  §.  296. 
veranlalot. 

So  wird  schon  im  Ags.  lat.  episcopus  zu  bisceop,  epistola  zu 
pistol,  Nicomedia  (Ni-co'medi'a)  zu  Commedia  Exon.  244,  2.  und  ne- 
ben apostol  hat  Durh.  postol,  das  Orm  in  posst'ell  D.  217.  beibehält. 
Im  Ne.  ist  bish'op  geblieben,  während  die  stete  Berührung  mit  dem 
Lateinischen  die  vollen  Formen  epist'le,  apöst'le    zurückgeführt  hat. 

Sehr  viele  ags.  Compositionen  mit  tonlosen  Partikeln  sind  ver- 
loren gegangen  oder  haben  sich  vereinfacht:  ags.  ge-refa,  ne.  reeve; 
ags.  ge-nöh ,  ae.  inowe,  ne.  e-nough,  ags.  ge-ond,  ne.  yond. 

Wenn  dagegen  Tonschwächung  oder  Aphärese  der  ersten  Hälfte 
einer  Xominalcomposition  eingetreten  ist,   so   mul^  Accentverschiebung 


208  Einfluß  des  Accents  auf  die  vorstehende  Silbe. 

§.  290.  vorausgegangen  sein.  Ne.  al-one'  entsteht  so  aus  ags-  eal-än,  ae.  al 
on;  drake  deutet  auf  ags.  ened-ric  (altn.  and-riki,  ahd.  ant-reclio)  uud 
Sterling  (Ch.  starling  12841)  nach  Camden  auf  easterling. 

§.  2!J7.  Häufig  ist  Aphärese  in   romanischen  Wörtern    eingetreten, 

die  nächst  dem  Accent  auch  vom  Lateinischen  und  Deutschen  bewirkt 
sein  mag.  Besonders  oft  fällt  das  franz.  e  aus,  das  s  mit  nach- 
folgender Consonanz  vorgeschoben  wird. 

Ne.  scaffold:  afrz.  escadafalt  escafaut,  me.  skaffaut  Ch.  K.  4176. 
scarlet:  afrz.  escarlate. 

-  Scale:  lat.  scala,  afrz.  escale;  ags.  scealu  wird  ne.  shell. 

-  chess:  afrz.  eschac  esches,  me.  ches  Ch. 

-  scandal:  scandalum,  afr.  escandele. 

-  scandalize:  scandalizare,  afr.  escandaliser. 

-  scarce:  mlat.  scarpsus,  afrz.  escars. 

-  squad'ron,  frz.  escadron  v.  Geschwader. 

-  scüm:  ahd.  scüm,  afrz.  escume,  dän.  skum. 

-  squir'rel:  lat.  sciurulus,  afrz.  escurel,  me.  squyrrelle  Mau.   19. 

-  squire:  scutarius ,  afrz.  escuier. 

-  scüt'cheon:  scutum,  afrz.  escusson,  me.  scochon  Ch. 

-  späce:  spatium,  afrz.  espace. 

-  spy :  ahd.  spehön ,  afrz.  espier. 

-  spöüse:  sponsus  sponsa,  afrz.  espous  espouse. 

-  stähle:  stabulum,  afrz.  estable. 
stäke:  mlat.  staca,  afrz.  estache. 

-  ställion:  afrz.  estalon. 

-  störe:  mlat.  storium,  afrz.  estoire. 

-  stö'ry,  history:  historia,  afrz.  histoire  und  estoire. 
stränger;  extran-eus,  afrz.  estrangier. 

-  stüd'y:  studere ,  afrz.  estudier. 

-  stüd'y:  Studium,  afrz.  estudie  estuide. 

-  gip'sy  aus  Egyptian. 

-  Späin:  Hispania,  frz.  Espagne. 

-  spän'iel:  hispaniolus,  frz.  espagneul. 

-  tick'et:  frz.  etiquette. 

-  mend:  emendare,  afrz.  amende,  ae.  amende. 

-  bäy:  ad-baubari,  afrz.  abaier. 

-  van:  ab-ante,  afrz.  avant. 

-  pert:  apertus,  afrz.  apert,  ae.  pert. 

-  dröp'sy:  gr.  hydropsis ,  me.  ydropesie  Wycl. 


Einfluß  des  Acccnls  auf  die  nachstehende  Silbe.  209 

Bisweilen  liegen  noch  doppelte  Formen  im  No.  neben  einander:  §.  297. 
scüt'cheon  es-cut'cheon,  sqiüre'  es-quire',  stränge'  es-trange',  State' 
estate',  spec'ial  es-pec'ial,  to  spy  es-py,  hös'pital  spit'al,  de  spite', 
spite,  dis-pört  spört,  fence  de-fence',  ap-pren'tice  pren'tice,  ex-äm'ple 
säm'ple,  as-suäge  swäge,  in-cense'  cense,  in-cen'sory  censer,  en'- 
gine  gin,  en-cyclopae'dia  cyclopae'dia,  arrack  (ar-räk' W.  P.  J.  F.Ja.,  är'rack 
S.  K.  Sm.)  räck.    Rack  und  gin  weisen  auf  früheres  engi'ne,  ar-rack'. 

Synkope  hat  stattgefunden  in  cröwn,  lat.  Corona,  afrz.  corone, 
ae.  me.  coroune  croune;  ebenso  to  cröwn  coronare,  coroner,  ae.  co- 
rounie  coroune  crouny. 

III.     Am  größten  ist  der  Einfluß  des  Accents  auf  die  Silben  und  §.  298. 
Laute,  welche  der  betonten  Silbe  folgen.     Selten  hat  sich  hier  Vocal- 
länge    erhalten,    fast   überall    ist   Minderung    des   Lautes    eingetreten. 
Die  Beschaffenheit  der  Silbe  wirkt  hier  weit  weniger. 

1)  a  ist  lang  in  einigen  Wörtern  auf  -ade:  cöm'räde,  äm'bas- 
säde,  mär'ma-läde,  bäl'usträde,  cän'no-näde;  aber  kurz  in  dec'äde, 
mön'äde;  lang  in  ültramön'täne  und  ültra-mün'däne,  hür'ricäne,  in  den 
Verben  auf  -ate:  ap-pro'-priäte,  ar-tic'uläte,  certificate,  cöm'plicäte, 
confis'cäte,  cön'secräte,  consüm'mäte>de-ter'minäte,  delib'eräte,  e  läb'oräte, 
ener'väte,  prös'träte,  rep'rpbäte,  sep'aräte  etc.,  während  die  gleichen 
Adjectiven  den  Yocal  mehr  verklingen  laßen;  ferner  in  den  Substan- 
tiven auf  ate:  mäg'isträte,  canön'icäte  und  in  den  von  Substantiven 
abgeleiteten  Adjectiven:  cö'mäte,  fäl'cäte,  aber  rö'se-äte.  —  Kurz  in 
äd'vocate,  cü'rate,  cän'didate,  del'egate,  certificate,  pred'icate;  cli'- 
mate,  pi'rate;  äg'ate,  frig'ate,  grän'ate,  päl'ate,  prel'ate. 

Kurz  ist  es  in  den  Endungen  -ant,  -ance,  -ac,  -ad,  -al,  -aldetc; 
im-pör'tant,  ad'amant,  gall'ant,  impör'tance,  äfmanäc,  cäp'ital,  prin'- 
cipal,  bäll'ad,  säll'ad,  her'ald. 

Im  Auslaute  klingt  es  nach  Jameson  wie  ä,  nach  Walker  wie  ä: 
drä'ma,  äl'pha,  e'ra,  Je-hö'vah. 

In  den  Ausgängen  -able,  -acle,  -ace  etc.  hat  es  kurzen  trüben 
Laut:  cä'pable,  est'imable,  in-nü'merable,  öb'stacle,  män'acle,  söl'ace, 
ter'race,  men'ace ;  noch  mehr  in  -age,  das  unmittelbar  hinter  der  be- 
tonten Silbe  noch  mehr  verklingt:  cött'age,  im'age,  coür'age,  päss'age, 
bär'o-nage,  eq'uipage,  her'itage,  pä-tronage.  Aber  langes  a  ist  ge- 
blieben: nön'äge,  äd'äge,  mört'gäge,  säx'ifräge,  out'räge. 

Aa  ist  verkürzt  in  Ca'nään  oder  fließt  zusammen:  Ca'naan  (= 
nän),  Bä'laam,  I'saac. 

In  Mi'cha-el  klingen  beide  Laute ,  in  mich'aelmäs  nur  e. 

Koch,  engl.  Grammatik.    I.    2.  Aufl.  14 


210  Einfluß  des  Accenls  auf  die  nachstehende  Silbe. 

§.  29S.  Ai    hat    sich    fast   zu   i    verkürzt:    cap'tain,    chap'lain,    cur'taiii; 

foun'tain,  moun'tain,  viU'ain  und  in  deren  Neubildungen:  mountainous 
(neben  viU'a-nous). 

Ao  =  0  in  Pha'rao  (fä'rö).    —   Au  hat,   von  der  betonten  Silbe 
fern,  volles  ä:  ä'-e-r9-näut. 
§.  299.  E   hat    seinen   langen  Laut   nur  in  griech.  und  lat.  es:  Achil'les, 

Di-o-me'des,  äntip'odes;  kurzen  i-Laut  in  der  Flexionssilbe  es  hinter 
einem  Zischlaute  und  ed  hinter  einem  t-Laute:  chürch'-es,  gläss'es, 
rä'g-es,  fä'ces,  he  päss'es;  mend-ed,  de-pärt-ed,  auch  in  et  hinter 
betonter  Silbe:  pöck'et  päck'-et,  renn'et.  —  Mis'tress  =  mist'riss 
(Herrin),  titelhaft  =  mis'siss. 

Es  klingt  =  e  in  -ent,  -ence,  -ment,  -ness;  in  -el,  -et,  -en, 
und  inlautend  verklingt  es  mehr:  prti'dent,  ä'gent,  dirigent,  dil'igence, 
pru'dence,  mö'ment,  in-düce'ment,  kind'-ness,  16ve'li-ness,  quar'rel, 
cäb'inet,  cöün'sel;  bev'erage,  gen'eral,  sev'eral,  cem'etery,  her'esy, 
nec'essäry. 

Auslautend  ist  es  gewöhnlich  Längezeichen,  entweder  aus  Vocal- 
schwächung  entstanden,  wie  in  na'ture  (natura)  oder  beigefügt;  nur  in 
griechischen  Wörtern  hat  es  kurzen  i-Laut:  epit'ome,  apös'trQphe, 
Phe'be,  He'be.  —  In  der  Metathese  ble  bezeichnet  es  schon  Smith 
(1568)  als  stumm,  indem  er  bemerkt,  dal^  manche  able  schrieben, 
andere  abil,  und  noch  andere  abul  (also  damals  schon  verklingendes 
u),  allein  es  sei,  fährt  er  fort,  nicht  hörbar  und  beider  sei  daher  zu 
schreiben:  äbl,  stäbl,  fäbl,  bridl,  cribl,  coüpl,  cöbl,  scribl,  nibl,  stümbL 
In  den  Verbindungen  e-ous  und  e-al  schwankt  die  Aussprache. 
Enfield,  Fulton,  Knowles,  Sheridan  geben  e  den  consonantischen 
Laut  y;  Jones,  Jameson,  Webster,  Smart  und  Worcester  den  trüben 
i-Laut;  Walker  lälH  den  vorstehenden  t-Laut  zum  Zischlaut  mit  trübem 
i  werden,  und  Sheridan  unterdrückt  letzteren.  Uebrigens  ist  die  Be- 
zeichnung nicht  überall  gleich: 
hö-mo-ge'ne-ous,  aber  E.  F.  K.  S.  ge'-nyus. 
beaute-ous   =   te-us    P.   J.    Ja.   R.    Sm.   Wrc,    -t'yus    E.  F.  K.  Sm., 

bü'-che-us  W.,  bü'chüs  S. 
dü'te-ons  J.  Ja.  P.  W.  Ja.  Sm.  Wrc,  dü'-tyus  S.  E.  F.  K. 
righ'te-ous   Ja.,   ri'tyus   E.    F.,   ri'-che-us    W.   P.   K.   Sm.   J.,    ri'chus 

S.  Wb.  Wrc. 
pit'e-ous  P.  J.  Ja.  Sm.  Wrc,  =  pit'yus  S.  E.  F.  K.,  =  pich'e-us  W. 
böün'-te-ous  P.  J.  Ja.  R.  Sm.  Wrc,  =  tyus  E.  F.  K.  Sm.,  =  che-us 

W.,  =  chus  S. 


I 


Einfluß  des  Accents  auf  die  nachstehende  Silbe.  211 

cöur'-te-ous  J.  Wb.  Ja.  Wrc,  =  tyus  E.  F.  K.  Sm.  Wrc,  =   che-us  §.  299. 

W.  P.,  =   chus  S. 
plen'te-oiis    P.    J.    Ja.    Sm.,    =    tyus    E.    F.    K.,    =    che-us  W.,    = 

chus  S. 
hid'e-ous   P.   J.    Ja.    K.  Sm.  Wrc,   hid'yus  S.  E.  F.  K.,    =    hid'e-ous 

und  hid'jo-ous  W. 
ör'de-al,  und  daneben  W.  auch   =   örd'je-al. 
Iäc'te-{}1,  und  W.  auch  =  läk'che-al. 
me'te-9r  P.  J.  Ja.,    =    me'tyur  S.  E.  F.,    me  te-or  und  me-che-or  VV. 

Vor  an  behält  es  seinen  Laut:  ce-rti'le-an,  cö-e-ta'ne-an ;  hinter 
c  fliei^t  es  mit  diesem  zum  Zischlaute  sh  susammen:  ö'cean  =  ö'shan; 
und  hinter  g  bezeichnet  es  dieses  als  zischend:  pä'geant,  (S.  allein 
neben  =  pa-jent  auch  =  pa'-je-ant).  Die  Aussprache  beginnt  schon 
frühe  zu  schwanken.  Sp.  gebraucht  e-ous,  i-ous,  i-al,  i-ent  bis- 
weilen zweisilbig,  wie  hid-e-ous  1,  2,  15.  glo-ri-ous  1,  2,  1.  fu-ri-ous 
1,  2,  13.  spa-ci-ous  4,  1.  mar-ti-all  1,  2,  36.  an-ci-ent  5,  2,  8;  bis- 
weilen einsilbig:  hid-eous  1,  1,  6.  glo-rious  1,  1,  3.  fu'rious  4,  9,  29. 
ver'tuous  1,  1,  5.  —  Vor  -ment,  wo  es  jetzt  stumm  geworden,  scheint  es 
zu  Sp.'s  Zeit  noch  laut  gewesen  zu  sein:  embra'cement'  1,  25.  com- 
man'dement'  1,  2,  22.  aven'ge-ment'  1,  4,  34.  en'ter-tai'nement'  1,  10, 
37.  agre'-e-ment'  2,  4,  6.  Milton  scheint  jene  Vocale  gesprochen  zu 
haben,  weil  er  sie  oft  ausstöIU,  um  die  Endung  als  eine  einsilbige 
zu  bezeichnen:  oblivi'ous  1,  264.  pernici'ous  282.  Norwegi'an  293.  Mem- 
phi'an  293.  perfid'ious  308.  eine  Bezeichnung,  die  überflüßig  gewesen 
wäre,  wenn  man  damals  obliv-yous  gesprochen  hätte. 

Die  Metathesen  -bre,  -cre,  -gre,  -tre,  s.  §.  303. 

Ea  ist  =  e  in  cöl'league  und  i  in  guin'ea. 

Eau  =  ö  in  den  französischen  flam'beau,  pörtmänt'eau. 

E  e  hat  den  langen  i-Laut  (e)  in  jü'bilee,  den  kurzen  (i)  in  cöffee, 
commit'tee  und  lev'ee. 

Ei,  ey  =  i  in  för'ei^n,  söv'erei^n,  för'feit,  sür'feit,  cöün'ter- 
feit;  und  noch  mehr  verklingt  es  im  Auslaute:  äll'ey,  bär'ley,  cäu'sey, 
chim'ney,  Tür'key. 

Die  Verbindung  eo  ist  scheinbar;  e  ist  hier  eingeschoben,  um 
den  vorhergehenden  k-Laut  als  Zischlaut  zu  bezeichnen:  trün'cheon 
(afrz.  tronfon  tronchon),  scüt'cheon  (escusson),  düngeon  (donjon), 
wid'geon,  düd'geon,  haber'geon  (ahd.  halsberc,  afrz.  halbere  und  das 
Diminutiv:  haubergon  hauberjon). 

Ew  im  Auslaute  behält  ziemlich  volles  ü:  neph'ew,  he'brew,  cür'- 

14* 


212  Einfluß  des  Accenls  auf  die  nachstehende  Silbe. 

§.  299.  lew  frz.  courlieu);  eu  schwankend  in  cönnoisseür'  (P.  S.  F.  Wb.,  kö- 
nis-sär'  W.  Ja.,  kö-nis-sur'  S.,  kön-näs-sür'  Sm. ,  kö'nis-sur  E.)  und 
grandeur  (=  gränd'yur  Ja  K.  Sm.  Wrc. ,  grän'jur  W.,  grändjur 
S.,  grän'dür  J.  E.  F.). 

§.  300.  Auslautendes  i  hat  den  vollen  Laut  nur  in   lateinischen  Wörtern: 

mcä'gi,  änthropoph'agi,  tri-um'viri,  lite-rä'ti,  äl'ibi;  kurz  ist  es  in  ita- 
lienischen Wörtern:  bandit'ti,  vermicel'li.  Es  schwankt  in  al'-kali 
(=  le,  nur  Ja.  li),  gem'ini  (=  gem'eni  W.  Sm.  Wrc,  gem'ene  P. 
Ja.  K.),  räbbi  (be  oder  bi  W.  F.  Ja.  Wrc,  be  S.  J.,  bi  E.  Sm.). 
Inlautend,  wenn  auch  in  offener  Silbe  ist  es  kurz:  per'fi-dy,  däin'- 
tily,  flexible,  äg'itäte,  äg'ricültüre,  aläc'rity,  äd'miral,  invärid, 
empir'ic. 

Es  ist  kurz  in  -ice:  jüst'ice,  mäl'ice,  nö'tice,  präct'ice,  selbst  in 
Stämmen:  öffice,  ed'ifice,  ärt'ifice,  ben'e-fice  (aber  säc'ri-fice),  prom'ise 
(aber  com'promise);  schwankend  in  cöck'a-trice  W.  J.  F.  Sm.  Wrc. 
(-trice  S.  E.  K.).  Ferner  kurz  in  -ic,  -idge,  -kin,  -ling,  -ism,  -ist: 
pacific,  pär'tridge,  böd'kin,  de'-ism,  vi'olist. 

In  -ile  ist  es  meist  kurz:  äg'ile  (agilis,  frz.  agile),  deb'ile,  döc'ile, 
fer'tile,   frag' ile,    ser'vile,    mer'cantile,  üm'bratile,  döm'icile  etc.;    lang 
in  e'dile  (aedilis).     Schwankend: 
fe'brile,  feb'rile  W.  Sm.,  fe'brile  S. 
gen'tile,  gen'tile  und  gen'tile  W. 
hös'tile,  hös'tile  Ja. 

in'fantile  S.  W.  J.  E.  F.  Ja.  K.  R.  Wrc,  -tile  P.  Sm. 
juvenile  W.  P.  J.  E.  F.  Sm.  Wrc,  juvenile  S.  Ja.  K. 
mer'cantile  W.  J.  F.  Ja.  Wb.  Wrc,  mer'cantile  S.  E.  K. 
se'nile,  nur  P.  se'nile. 

virile  =  vi'ril  W.  P.  J.  F.,  vi'ril  S.,  vir'il  E.  Ja.  K.,  vir'il  Sm. 
völ'atile,  nur  Ja.  vol'a-tile. 

cröc'9-dile  Ja.  K.  Sm.  Wb.,  -dile  S.  W.  P.  J.  E.  F. 
rep'tile,  nur  Ja.  rep'tile. 

In  -ine  ist  es  lang  und  kurz." —  Lang  in  den  Adjectiven:  aq'ui- 
Ime  (aquilmus),  bö'vine,  ce'drine,  cer'-vine,  pis'cine,  äl'kaline,  cän'- 
nabine,  le'onme,  met'alline,  säp'phirine,  ser'pentine  etc.,  in  den  Sub- 
stantiven: sü'pine,  pör'cupine,  cär'mme,  quin'ine,  Ap'ennine,  Al'gi- 
rine ,  Lev'antine.  Kurz  in  den  Adjectiven :  äd-amän'tine ,  äm-arän'- 
thine,  clandes'tine,  intes'tine,  cit'rine,  cän'crine,  sän'guine,  amyg'- 
daline,  cor' alline,  fem'inine,  gen'uine,  per'egrine,  in  den  Substantiven: 
fäm'ine,    räp'ine,    räv'ine,    brig'antine,    dis'cipline,    eg'lantine,   jes'sa- 


Einfluß  des  Accents  auf  die  nachstehende  Silbe.  213 

mine,    her'oine,   päratine  etc.  und  den  Verben  de-ter'mine,  ex-äm'ine,  §.  300. 

imäg'ine.  —  Der  Laut  schwankt  in 

addrterino  S.  W.  J.  Ja.  Sm. ,   —   rine  P.  K. 

alpine  W.  P.  Sm.,  iirpTne  E.  Ja.  K. 

cryst'alline  J.  Ja.,  —  line  Sm.,  beides  S.  W.  F.  K.  Wrc. 

gel'atine  K.   Sm.  Wb.  Wrc,  —  tine  S.  W.  Ja.  R. 

säc'charme  S.  W.  F.  Ja.  K.,  —  rine  J.  Sm. 

vac'cine,  väc'cine  P. 

vi'perine  Ja.  K.  Sm.  Wrc,  vi'perine  S.   W.  J. 

vül'pine  P.  J.  F.  Sm.  Wrc,  vül'piue  S.  E.  Ja.  K. 

lep'orine,  —  rine  Wb. 

In  -in  schwankt  der  französische  Laut  zwischen  Länge  und 
Kürze,  wie  in  biil'letin  (ten  J.  Ja.  Sm.  R. ,  -tin  F.  Wb.,  bül-ten  P.). 
cürverine  (e  Ja.). 

Die  Endung  -ite  hat  i  (ei)  in  den  Substantiven:  Cär'melite, 
Jäc'obite,  Möscovite,  cösmöp'olite ,  pär'asite,  sät'ellite,  chrys'olite, 
sid'erite,  syenite,  ferner  in  den  Adjectiven  bip'artite,  ex'pedite,  in'- 
condite;  kurzes  i  in  äp'posite,  öp'posite,  definite,  in'finite,  ex'qui- 
site,  req'uisite;  favourite,  grän'ite.  —  Es  schwankt  in  het'eroclite 
(-ite  P.  E.). 

In  -ive  ist  der  Vocal  kurz:  äc'tive,  nä'tive,  pen'sive,  de-cisive, 
di-vi'sive,  exclu'sive,  trän'sitive,  il-lu'minative,  allit'erative,  örive,  aber 
är'j^hives  (S.  W.  F.  Ja.  K.  Sm.  R.,  =   är'kevz  J.  S.). 

Die  Endung  -ize  hat  den  langen  Laut:  civ'ilize ,  e-ter'nalize, 
gen'eralize,  pä'tronize,  äuth'orize,  nicht  aber  in  dem  von  den'izen 
gebildeten  en-den'izen,  dagegen  in  -ise  schwankt  der  Vocal.  Er  ist 
laug:  ex'ercise,  äd'vertise ;  kurz  in  pröm'ise,  präct'ise;  ferner  schwan- 
kend: a-mör'-tise  (W.  P.  F.  Ja.  Sm.,  a-mör'tise  S.  E.  K.  Wb.). 

I   vor    a   schwankt;   manche  Orthoepisten  bezeichnen  seinen  Laut 
als  vocalisch,  andere  als  consonantisch,  wie  in 
C9n-ciri-äte  P.  J.  Sm.  R.  Wrc,   con-cil'yäte  S.  W.  E.  F.  Ja. 
con-cil'-i-a-tö-ry  W.  J.  Ja.  K.  S.,  -ya-töry  S.  E.  F.  Sm. 
con-ge'ni-al  W.  P.  J.  Ja.,  -nyal  S.  E.  F.  K.   Sm. 
bür'-i-al  W.  J.  S.  F.  Sm.  Ja.  Wrc,  bür'yal  S.  E.  K. 
con-vi\'i-al  P.   Sm.  Wb.,  -yal  S.  W.  J.  E.  F.  Ja. 
triv'i-al  P.  Sm.  Wb.  Wrc,  -yäl  S.  W.  J.  E.  F.  Ja.  • 
pe-cü'li-ar  W.  P.  J.  Ja.  Sm.,  -lyar  S.  E.  F.  K.  R.  Wrc 
min'i-a-ture   =   min'-e-a-tür   P.,   -ya-tür  E. ,   e-tür   W.  J.  F.  Ja.  Sm., 
-it-chür  S. 


214  Einfluß  des  Accents  auf  die  nachstehende  Silbe. 

§.  300.  Die  vorstehenden  Zischlaute   s    und   c  verstärken   sich  und   auch 

dann  noch  schwankt  bisweilen  i : 
e-ly-si-an  =  e-lizh'-e-an  W.  P.  J.  Ja.  Sm.  R.  Wrc,  e-lish-yan  E.  F., 

e-lish-an  S.  K. 
e-mä'ci-ate    =    she-ät,    so'cial    =    sö'shal,    söciälity    =    sö-she-äl'ity, 

ä-si-ät'ic  =  ä-zhe-at'ic. 
Vorstehendes  t  geht  meist  in  den  Zischlaut  über,  d  nur  nach  W. 
und  S. 

mili'tia  =  mi-lish'ya  und  milish'a. 

li-cen'tiate   =    she-ät   P.   J.   Ja.  Wrc,   she-ät  W.  F.  Sm.,   shet  S.  E. 
bes'tial    =    te-al   P.   Ja.,    -tyal   E.    F.   K.   Sm.   Wrc,    -che-al   W.   J., 

-chal  S. 
rä'di-ant  S.  J.  Ja.  Sm.,  -dyant  E.  F.  K.,  -jant  S.,  de-ant  und  je-ant  W. 
im-me'di-ate  P.  J.  Ja.  Wrc,  -d3^ate  S.  E.  F.  K.,  -de-ate  und  je-ate  W. 
inter-me'-di-al   P.   J.   Ja.  Sm.  Wrc.  B.,   -dyal    S.  E.  F.  K.,   de-al  und 

je-al  W. 
z5'-di-äc  P.  J.  F.  Ja.  K.  Sm.  Wrc,  =   de-äc  und  je-äc^W.,  -dshec  S. 
süb-sid'iary   P.   J.   Ja.   Wrc,   -dyary   S.  E.  F.  K.  Sm. ,    -d'-i-a-ry  und 

dji-ary  W. 
ind'i-an  =  ind-yan  S.  Ja.  K.  Sm.  Wrc, . -de-an,   dyan  und  dje-an  W. 
in-cen'di-a-ry  P.  J.  Ja.  R.  Wrc,   dya-ry  S.  E.  F.  K.  Sm.,   di-ary  und 

ji-a-ry  W. 
guär'di-an  P.  J.  Ja.  E.  Wrc,  -dyan  S.  E.  F.  Sm.,  -di-an  und  ji-an  W. 
cör'di-al  P.  J.  Ja.,  -dyal  S.  E.  F.  K.   Sm.,  -je-al  W. 

Es   schwankt  ferner  vor  e:    rä'pi-er,   es-päl'-ier,   fron'tier  (-ter  P. 

E.  Ja.  Sm.,  -tyer  S.  J.  F.,  -tyer  und  eher  W.). 
bär'ri-er  W.  P.  J.  F.  Ja.  K.  Sm.,  bär'yer  S.  E. 
pän'ni-er  P.  Sm.,  pän-yer  S.  W.  J.  F.  Ja.  K.  ß. 
brä'sier  =  brä'zher,  cöurt'ier  =   cört'yer,  söl'dier  =  söl'jer. 
sali-ent  W.  P.  J.  Ja.  Sm.  R.,  =   säl'yent  S.  E.  F.  Wrc 
dis-sili-ent  P.  Sm.,  -yent  S.  W.  Ja.  Wrc. 
möl'lient  hat  nur  P.  dreisilbig,  sonst  möll-yent. 
con-ve'ni-ent  W.  P.  J.  Ja.,  -nyent  S.  E.  F.  K.  Wrc 
pä'tienti)    =    pä'shent,    pä'tience    =    pashens,    pro-fic'ient    =    pro- 

fish'ent. 
pro-fic'-ience  =  pro-fish'ens,  pro-fic'iency  =  pro-fish'ence. 


0  Sp.  noch  voll:  pa-ti-ent,  pa-ti-ence,  aun-ci-ent,  va-li-aunce  etc. 


Einfluß  des  Acccnts  auf  die  nachstehende  Silbe.  215 

o-l)e'di-eiice  P.  J.  Ja.  Sm.,  -dyence  S.  E.  F.  K.,  o-be'-je-ence  W.  §.  300. 

ömnis'cience    =    öm-uish'ens    S.    P.  F.   K.   R.,    öra-nish'e-ens  W.   J. 

Ja.  Sni. 
spjin'iel  =  span-yel,  P.  spän'el. 

Eben   so   schwankend  ist  es  vor  iis,    um,    ous,    o  und  on,   doch 
Yorschmilzt  es  vt^r  letzterem  mit  t  (nicht  st)  zum  Zischlaute  und  wird 
hinter  verstärktem  s  unterdrückt: 
ge'ni-iis  W.  P.  J.  Ja.  Sm.  R.,  ge'nyiis  S.  E.  F.  K. 
rfi'di-us    P.    J.   Ja.    Sm.,    rä'dyus    E.   F.   K.,    rä'jus   S.,    rä'di-us    und 

rä'ji-us  W. 
igno-min'i-ous  P.  J.,  -n'yus  S.  E.  F.  K.  Sm.  W.  Ja. 
in-ge'ni-ous  W.  P.  J.  Ja.  Sm.  R.,  -nyüs  S.  E.  F.  K. 
sü-per-ciri-ous  P.  J.,  -yus  W.  E.  F.  Ja.  K.  Sm.  R. 
sus-picious  =  süs-pish'ous. 
pro-pitious  =  pr9-pish'ous. 

te'di-oiis  J.  Ja.,  -dyus  S.  E.  F.  K.,  di-us  und  ji-us  W.  P.  Sm. 
stü'di-ous    P.    J.    F.   Ja.   Sm.,    -dyus   E.   K. ,    -jus   S.;   stü'-de-us   und 

je-us  W. 
ö'-di-us  P.  J.  Ja.  Sm.,  ö'dyus  S.  E.  F.  K.  Sm.,  ö'de-us  und  ö  je-us  W. 
me-lö'di-ous   P.  J.  Ja.  Sm.,   -dyus  S.  E.  F.  K.,   -de-us   und  je-us  W. 
iu-sid'i-ous  P.  J.  Ja.  Sm.,  -dyus  S.  E.  F.  K.,  -de-us  und  je-us  W. 
fö'li-ö  W.  P.  J.  Ja.  =  fö'lyö  S.  E.  F.  K. 
meri-9räte  W.  P.  J.  Ja.   =  mel'yo-räte  S.  E.  F.  K.  Sm. 
ü'ni-9n  W.  P.  J.  Ja.,  =  ü-nyun  S.  E,  F.  K.  Sm.  Wrc. 
rä'ti-ö  =  rä'-she-ö,  rä'-tion   =^   rä'shun. 
e-vä'sion   =  evä'zhun,  quest'ion   =   quest'-yun. 
hal'cy-on   =   häl'she-un  W.   P.   E.   F.   Ja.,   härshun   S.  K.,   härse-un 

J.  Sm. 
fal'chion  =  fäl'-chun  S.  W.  J.  Sm.,  fäl-shun  F.  Ja.  K.,  färche-un  P. 

le  ist  kurz  in  mis'chief,  händ'kerchief  und  in  den  aus  i  und  y 
erwachsenen  Flexionen:  he  cär'ries,  cär'ried. 

Französisches  ieu  in  pür'lieu  (=  lü),  ca-mä'-ieu  (yü),  messieurs 
(=  mes'sürz  S.,  mesh'shörz  W.,  mes'serz  P.,  meshshörz'  J.,  mes- 
serz'  E.,  mesh'urz  F.,  mesh'sherz  Ja.,  mes-yerz  Sm.  Wrc). 

0  ist  im  Auslaute  fast  voll,  wie  ne'grö,  ech'ö,  po-tä'tö,  inlautend  §.  301. 
aber  geschwächt  wie  här'mo-ny,    cöm'mo-ner,   äg'o-ny,   cäp'riole;    und 
getrübt  (u)  in  den  Endsilben  -ock,  -od,  -ol,  -om,  -on,  -op,  -or,  -ot, 
hill'ock,  meth'od,  cär'ol,  ven'om,  cänton,  sexton,  Union,  pig'eon,  gäll'op, 
äct'or,    fag'got.     Lateinische    und    griechische    Wörter    auf   -or,    die 


216  Einfluß  des  Accents  auf  die  nachstehende  Silbe. 

§.  301.  noch   nicht  in   die   Volkssprache   übergegangen   sind,   haben   volles   ö: 
stü'pör,  cä'lür. 

0  a  klingt  wie  ö  in  co'coa. 

Oi  behält  seinen  Laut  nur  in  Sav'oy,  vice'roy;  in  tor'toise  =  i, 
in  por'poise  =  ü,  daher  auch  por'pus,  in  con-noisseur'  schwankend, 
§.  299,  chamois  (=  sham'me  P.  E.  Wb.,  sha-moy'  S.  W.  J.  F.  Ja., 
sham'-wa  Sm.). 

Oo  erscheint  gekürzt  in  den  Compositionen  mit  hood:  child'hood, 
li'velihood  (=  ü). 

0  u  hat  langen  ö-Laut  in  bör'öugh,  int'ercöurse,  thör'ough,  sonst 
ist  es  zu  ü  geschwächt:  Färmoüth,  Ex-moüth,  lü'minoüs,  jöyous, 
ö'dioüs,  sö'joürn. 

Ow  =  ö:  föl'löw,  häl'löw,  när'röw,  yeriöw;  aber  bel'lows  =  bel'lüs 
und  nur  Ja.  bel'löz,  gäl'lows  ebenso, 
§.  302.  Auslautendes  u  mit  beigefügtem  e  =  ü:  ärg'üe,  cön'strüe,  ä'güe, 

sonst  in  offener  Silbe  geschwächt;  minder  in  cön'stit-üte ,  vorume, 
rect'itude,  mehr  in  stat'ute,  C9nstit'uent,  distrib'ute,  distrib'utive,  regulär, 
er'u-dite,  äd'ju-tant.  In  geschlol^ener  Silbe  =  ü:  cucümber,  turaült, 
cörümn. 

Auch  in  -ure,  -une,  -ule  verklingt  der  lange  Laut  etwas: 
failure  (=  fäl-yür  W.  J.,  fäl'yür  S.,  fälur  F.  Ja.,  fäl'ür  P.  Sm.), 
fig'ure  (=  figyür  S.  W.  J.  E.  F.  Ja.,  fig'ur  P.,  fig'yur  K.  Wrc), 
te'nüre  (W.  J.  F.,  te-nyur  S.,  ten'ur  P.,  ten'yür  E.  K.,  ten'yur  Ja. 
Sm.).  Vorstehende  Zischlaute  werden  stärker,  t  schwankt  vor  u. 
a'zure    =    ä'zhur    S.    E.   F.    K.    R.,    ä'zhür   W.   Ja.,    äsh'ur   J.   Wb., 

ä'zhör  Sm. 
lei'sure    =    le'zhur    S.    P.    J.    F.    Ja.    K.    Sm. ,    le'zhür    W.,    le'zhur 

lezh'ur  Wb. 
cen'sure  =  sen'shur,  meas'ure  =  mezh'ur. 
flex'ure  ==  fleks'yur  etc. 
na'ture   =   natür   F.   Sm.   (colloquially:   na'chör  Sm.  W.),   nä'chur  S. 

J.,  nätyur  Ja.  K.  Wrc. 
creat'ure  =   cre'chür  W.  J.,    cre'-chur  S.,   cre'tür  E.  F.  Ja.,   cre'tyur 

K.,  cre'tür  und  cret'-shör  Sm. 
future  ==  fuchür  W.  J.,  fuchur  S.  Ja.,   futür  F.,  -fü'tur  P.,  fü'tyur 

Ja.  K.,  futür  und  fu'chöor  Sm. 
ver'dure  =  verd'zhur  S.,  ver-jur  W.  J.,  ver'dür  E.  F.,  verd'yur  Ja.  K. 
fortune    =   för'chün  W.  J.,  för'tün  S.  F.  Ja.,  för-tun  P.  E.,  fört'yün 
K.,  för'tün  und  fört-shöon  Sm. 


Einfluß  des  Accents  auf  die  nachstehende  Silbe.  217 

pust'ule  =  piis'tül  F.  E.  Ja.,  püs'chül  W.  J.,  püs-chül  S.  §.  302 

sched'ule  =   shed'-yül  K.  Sm.  R.,   sed'ül  J.  F.,   skedul  Wb.,   sed-jül 

W.  S.,  shed-ül  sked-ul  Ja. 
luod'ule  =  mod-yul  Wrc,  mod-ül  J.  F.  Ja.,  modjül  W.  S. 

Ferner    verklingt    u    vor    a,    al,    oiis   und   manche   Orthoepisten 
laloen  vorstehenden  t-Laut  überhaupt  zum  Zischlaute  werden, 
mau'tua  =   man'tu-a  J.  F.  Ja.,   mun'ta  S.  E.,  män-chu-a  W.,  män-tü 

K.  Sm. 
vir'tue  =  ver-chü  S.  W.  J.,  ver'chü  Sm.,  ver-tü  P.  F.  Ja.  K. 
grad'ual  =  gräd'ü-al  S.  J.  E.  F.  Ja.,  grad'ü-al  und  gräd'jü-al  W. 
in-di-vid'ii-al  S.  J.  F.  Ja.  Wrc,  und  auch  =  in-de-vid'jü-atl  W. 
är'du-ous  =  ar'du-üs  S.  P.  J.  F.  Ja,,  är-iu-üs  W. 
mod'ulate  =  möd'ü-lät  J.  F.  Ja.,  möd'-ü-lät  und  mod'-jü-lät  W.,  möd'- 

jü-lät  S. 
in-cred'ülous  S.  J.  Ja.  Wrc,  W.  auch  incred'ju-lous. 
im-pöst'hu-mäte  =  im-pöst-u-mät  S.  E.  F.  Ja.,  im-pöst-hu-mät  R.  K. 
Sm.,  impos'chu-mät  W.  J. 

Yor  i  ist  es  verklungen : 
con'duit   =   kün'dit    W.    P.   J.   F.   Ja.   Sm.,   cön'-dwit  S.,   cön'-dit  F., 

s.  cuirass,  §.   110. 
bis'cuit  =   bis'kit,  cir'cuit  =   cir'-kit. 

Zu  i  geschwächt  ist  es  in  fer'rule  und  lett'uce;  aber  min'ute  = 
min'nüt  J.  Ja.,  min'it  S.  E.  F.  K.,  min'nit  und  min'nüt  W.  Sm. 

Es  ist  consonantisch  geworden  in  un'guent  (un'gwent). 

Auslautendes  y  ist  lang  in  oc'cupy,  pröph'esy  und  allen  Verben  auf 
-fy  und  -ply  (ficare  und  plicare,  fier  und  plier);  in  Adjectiven,  Substan- 
tiven und  inlautend  ist  es  kurz  und  getrübt:  müd'dy,  fül-ly;  integ'- 
rity,  änxi'-ety,  anäl'ysis. 

Klingen    an    sich    schon    die    meisten  Vocale   in   den   unbetonten  §.  303. 
Silben   trübe,    so   wird   dies  noch   gesteigert  durch  antretendes  r,  so- 
daß   ar,   er,   ir,    or,    our,   und   yr  fast  zusammenfallen:   li'ar,   pläy-er, 
buyer,  mär'tyr,  nä'dir,  em'peror,  neigh'bour. 

Dieser  trübe  Laut  findet  auch  in  den  Metathesen  statt  -bre, 
-cre,  -gre,  -tre,  die  aber  nur  in  der  Schrift  sich  befestigt  haben ^ 
fi'bre  =  fi'ber,  lu'cre,  mäu'gre,  the'atre.  Sie  waren,  aus  dem  Franz. 
übertretend,  im  Ae.  viel  zahlreicher:  ae.  ancestre,  chaumbre,  mi- 
nistre,  noumbre,  to  suffre  etc.,  ne.  än'cestor,  chäm'ber,  min'ister, 
nüm'ber,  süf'fer. 

Der   trübe   verklingende   Laut  erklärt   auch   den   oft   eintretenden 


218  Einfluß  des  Accents  auf  die  nachstehende  Silbe. 

§.  303.  Wechsel:    afrz.   rober   robeor   reubeur,    ae.   robbar   ßG.   9  487.    robber 

ue.  rob'ber;  mo.  lier,  ne.  li-ar. 
§.  304.  2)  In  manchen  Wörtern  sind  sogar  die  Vocale  gänzlich  verklungen. 

So    e    in    den   deutschen   driz'zle,    nöz'zle,    driv'el,    gröv'el   gröv'eller, 

hä'zel,  nü'vel,  öü'sel,  rä'ven,  shöv'el,  shriv'el,  wea'sel,  hoav'en,  hea'then, 

ear'then,  gär'den,  fällen,  stölen,  swöUen  und  in  den  Flexionen  ed,  wenn 

nicht    ein  t-Laut    vorausgeht,    und   in   es,    wenn   nicht   ein   Zischlaut 

voransteht;  in  romanischem  räv'elin. 

Die   von  Substantiven   mit   ed   gebildeten  Adjectiven  behalten  ihr 

e  (=  i),  wie  head  head'-ed,  leg  leg'-ged,  age  äg'-ed;  sobald  sie  aber 

in   Compositionen    treten    und    der  Ton   somit   auf  das   vorgeschobene 

Wort  rückt,  wird  e  stumm:  löng'legged,  füll'-äged,  stiflTnecked. 

Ferner    o    ist   stumm:    reckon,    bä'con,    cä'pon,    blä'zon,    cött'on, 

fäl'con  fäl'coner,  pär'don,  reason;   i  in  business  (biz'-nes),  dev'il,  e'vil, 

bä'sin;  sogar  a  in  weasand  =  weznd,  vict'uals  =  vitlz. 
Andere  schwanken  noch,  wie: 

di'-a-mond  W.  P.  Ja.,   =   di'mund  S.  J.  J.  K.,  beides  F.  Sm. 

cär'abine  und  cärbine. 

dög'gerel  =   dög'grel  S.  W.  J.  F.  Ja.,  dog'ger-el  P.  K.  Sm.  E. 

mon'astery   =    mön'astere   S.   P.   E.   Ja.    K.    Sm.,    mon'astry   J. ,    bei- 
des W.  F. 

por'celain  =  pör-se-län  S.  W.  P.  J.  F.,  pör-se-län  E.  Ja.  Wb.,  pörs-lin 
K.,  pörs-lan  Sm. 

scrivener  =  scriv'ner  S.  W.  P.  J.  E.  F.  Wrc.,  scriv'-iner  Ja.  Sm. 

imagery   =    im'a-jer-re   W.   P.   J.   F.   Ja.  Sm.,   im'aj-re  S.  E.  K.  Wb. 

or'dinary    =    ör-de-nä-re   P.   J.    Ja.   K.    Sm.   K. ,    ürd'na-re    W.   E.    F. 
ör'-ner-e  S. 

rai'siu  P.  Ja.,   ==  räzn  S.  E,  K.  Sm.  R.  Wb.  Wrc,   rezn  W.  J.,  räzn 
und  rezn  F. 

venison    =    venzn   P.,    venzn   und   ven'-e-zn  W.   Ja.  K.  Sm.  E.  Wrc, 
ven'-e-zn  S.  F.  Wb.,  ven'-is-un  S. 

person  =  per'sn  W.  P.  J.  F.  Ja.  Wrc,  per'sun  S.  K. 
§.  305,  Verklingt   schon   im    einfachen   Wort   der    Vocal   unbetonter   Silbe 

bis   zur  Tonlosigkeit,    so   muß  das  in  demselben  Grade  wenigstens  der 

Fall    sein    in    den   längeren    Compositionen.     Manche    liegen    noch   in 

ihren  vollen  Formen  vor  und  hier  scheint  Tonschwächung  erst  im  Ne. 

eingetreten  zu  sein,  wie  in: 

boat'-swain  =   böt'-swän    und   bösn  W.   J.  F.  Ja.  Sm.  Wrc,   bösn  S. 
P.  K.  R.,  bötsn  E. 


I 


Einfluß  des  Acceuts  auf  Composition  und  Flexion.  219 

cock'-swaiii    «=-    kok'-swüii    und    kok'sn    Ja.    Sm.   Wrc,    kök'sn    S.   W.  §.  305. 

P.  E.  K. 
cup'board    =    küb'burd   S.   W.    F.   Ja.  Wrc,   küp'börd  P.  Wb.,    küp'- 

buid  J.,  küb'börd  Sm. 
fore'-head  =  för'bed  W.  P.  E.  Ja.,   för-hed  J.  F.  K.,   för'ed  S.,  för'- 

hed  und  for'ed  Sm. 
fort'night  (fourteen-n.)    =    fört'nit    S.   W.    J.    E.    F.   Ja.  Sm.,   fört'nit 

P.  Wb.,  beides  K. 
grind'-stone,  Wrc.  auch  grind'-stone,  und  Sm.  als  gewöhnlich  grin-stun. 
house'-wife   Wb.,  =  hüz-wif  S.   W.   E.   K.   Sm.,   hüz'zif  P.  J.  E.  Ja. 
mid-wifery  =  mid'wifry  Wb.,    mid'wifry  K.  Sm.  Wrc  ,  mid'ifry  S.  W. 
P.  J.  E.  F.  Ja. 

Oder  der  lange  Yocal  des  ersten  Wortes  kürzt  sich  unter  dem 
Druck  des  zweiten: 

ags.  healf  pening,  ae.  halfpeny,  ne.  halfpenny  =  ha -peny. 
oat'-meal  =   öt'-mel  S.  P.  E.  Ja.  K.  Sm.  Wrc,  öt-mel  W.  Nar. 
pea'scod  =   pez'köd  S.  P.  E.  K.  Sm.,  pes'-köd  W.  J.  F.  Ja. 
pen'ny-worth  S.  P.  E.  Ja.,  so  und  pen'nurth  W.  J.  F. 
south'-ward  Ja.,  so  und  süth-ard  W.  F.  Sm.,  süth'-ard  S.  P.  J.  E.  K. 
steel'yard   S.   W.  P.  E.  Ja.  K.  Wrc,    stil-yard  J.  F.,    stel'-   und   stel- 

yard  Sm. 
seven-night  =   sen'nit. 

3)  Der   grolle  Einfluß   des  Accents   tritt   besonders   hervor,   wenn  §.  306. 
man  die  neuenglischen  Formen  mit  den  älteren  ags.  und  französischen 
vergleicht. 

a)  Die  vocalischen  Ausgänge  verklingen  und  verschwinden  all- 
mählig. 

Ags.  gandra,  möna,  spearwa,  draca,  wrenna,  hara,  ceca,  hnecca, 
ealu,  wudu,  heeto  werden  schon  bei  Lag.  zu  mone,  sparewe,  drake, 
ale,  wode,  hete;  die  auf  e  bleiben,  oder  stolzen  auch  dieses  ab,  wie: 
ba^cere,  eorde,  fleoge,  tädje,  )?rote.  Im  Ae.  fällt  oft  e  ab  und  im 
Ne.  bleiben:  gän'der,  möon,  spärrow,  dräke,  wren,  häre,  cheek, 
neck,  äle,  wöod,  heat;  bäker,  earth,  fly,  töad,  thröat. 

Die  Bildungssilben  verklingen:  ags.  deofol,  hamor,  nacod,  heorot, 
heofon,  bodig,  manig,  diese  werden  schon  bei  Lag.  deouel,  naked, 
heort,  heouene  heueue,  bodie,  manie.  Ne.  dev'il,  häm'mer,  näked, 
heärt,  heaven,  bödy,  mäny. 

Die  adjectivische  Flexion  verschwindet  nach  und  nach  gänzlich, 
und  die  substantivische  und  verbale  zeigt  nur  noch  dürftige  Ueberreste. 


220  Einfluß  des  Acccnls  auf  die  Flexionen. 

§.  300.  Auch  an  romanischen  Wörtern  findet  vielfach  Apokope  statt.    So 

noch  im  Ae.  Verben  auf  -i  bei  EG.:  to  amendy,  conquerie,  calangy, 
chasti,  feffi,  enfermi,  deliveri,  biclosi,  crony  crouny,  norysy  etc., 
die  es  im  Me.  abstellen,  selten  ein  sh  beifügen.  Ne.  amend',  cön'quer, 
chällenge,  chustise',  enfeoff,  affi'rm',  deliv'er,  enclöse,  cröwn,  noür'ish. 
Ferner  bei  Substantiven:  ae.  paine,  plante,  signe,  richesse,  visitte, 
bataille,  chapelle,  angusse,  scolere,  daungere,  ne.  päin,  plant,  sign, 
riches,  vis'it,  bät'tle,  chäp'el,  än'guish,  schöl'ar,  dänger. 
§.  307.  b)    Synkope    tritt    ein,    indem    entweder    der    Vocal    unbetonter 

Silbe,  bisweilen  schon  im  Ags.,  ausfällt:  cleric  clerc,  adise,  cyrice, 
frencisc,  scottisc,  elles,  segel  segl,  braegen,  taegel,  mynet,  hafast, 
munec  munc,  mönad,  meoluc  milc,  sadul  sadl  etc.  Diese  werden 
zu  Ne.  Clerk,  äd'dice  ädze,  chürch,  french,  scöt'tish  und  scötch, 
eise,  säil,  bräin,  täil,  mint,  hast,  m6nk,  mönth,  milk,  säd'dle  und 
es  tritt  Assimilation  ein  wie  in  ags.  hanep,  ne.  hemp;  oder  Yocal 
und  Consonant  ausfällt:  ags.  hafoc,  heäfod,  macode,  laverce,  ädor, 
nädor,  andswarian,  ne.  häwk,  head,  mäde,  lärk,  ör,  nör,  änswer. 

Eben  so  in  romanischen  Wörtern:  ae.  cbapitre,  ne.  chäpter;  me. 
capitaine  Ch.  cäptain;  ae.  ne.  genteel',  gen'tle;  subtile,  sübt'le;  afrz. 
enemistiet,  ae.  enemitie,  ne.  en'mity;  ae.  damysele  RG.,  me.  damy- 
sele  Mau.  damesele  Wycl.,  ne.  däm'sel;  ae.  forteress  fortress,  ne.  för- 
tress,  phrenet'ic  (griech.)  und  fräntic  (gr.  phrenitis),  frenzy;  ae.  ap- 
partement,  ne.  apärt'ment;  ae.  enchantement,  ne.  enchänt'ment;  ae. 
jogeler,  ne.  jügg'ler;  ae.  bachelerie,  ne.  bäch'elory;  afrz.  remanant 
remainant,  me.  remenant  Gh.,  ne.  rem'nant;  Johan  ae.  Jon  ne.  John; 
frz.  camarade  ne.  cöm'rade;  cär'abine  und  cär'bine;  (gr.  paralysis), 
me.  palasie  Wycl.  ne.  pälsy;  afrz.  norriture,  ne.  nür'türe;  fän'tasy 
und  fän'cy,  säc'ristan  säc'rist  und  sex'ton;  afrz.  gingembre,  ae.  gin- 
giber,  gynypre  Mau.  28,  ne.  gin'ger;  pröc'urätor  und  pröc'tor,  pröc'u- 
racy  und  pröx'y;  me.  chapelleine,  ne.  chäplain;  ae.  cheveteyn,  me. 
cheventain,  chevinteyn  M.,  chevetain,  ne.  chieftain;  frz.  perroquet, 
ne.  pär'rot;  afrz.  chaiere  (cathedra),  ne.  chäir;  afrz.  forragie,  ne. 
för'ray  etc. 
§.  308.  Besonders    Compositionen    werden   in   Laut   und   Zeichen   vielfach 

umgestaltet.     So  die  neuenglischen  Wörter  deutscher  Abstammung: 
Ne. -däi'sy,  ags.  dseges  eäge  day's  eye. 

-el'böw,  ags.  eln-boga. 

-fär'thing,  ags.  feord-ling  (Vier-ling),  feording,  ae.  ferthing. 

-gös'sip,  ags.  God-sibb. 


Einniiß  des  Accents  auf  Compositionen.  221 

-här'bour,  ags.  here-berga,  nags.   lierberwe.  §.  308. 

-haber'goon,  ags.  heals-berga,  ae.  hauberk. 

-heif'er,  ags.  hea'h-fore,  hea'fore,  hea'fre. 

-i'cjcle,  ags.  Is-gicel. 

-lam'mas.  ags.  hlfif-moesse  (Brotmesse),  ao.  lammasse  RG. 

-lörd,  ags.  hliif-weard,  hlaford,  ae.  laverd  loverd. 

-lä'dy,  ags.  hlfif-weardige  hlifefdige  blädje. 

-neigh'boiir,  ags.  neäh-ge-bür. 

-nös'tril,  ags.  nose-j?yrel. 

-ör'chard,  ags.  ort  (nicht  wort,  denn  got.  aurts  Kraut)  -geard. 

-sher'iff,  ags.  scire-gerefa  scir-gerefa. 

-thresh'old,  ags.  )7resc-wold. 

-woman,  ags.  wif-man  wim-man. 

-le'man,  ags.  leof-man,  nags.  lief-man.  Me.  lemman  liraman  Mau.  4. 
Französische  Wörter  sind  natürlich  schon  verhärtet  und  bleiben 
entweder  wie  cön'stable  (so  schon  afrz.  aus  comes  stabuli),  jeop'ardy 
(afrz.  jeu  parti  von  jocus  partitus,  me.  jupartie  Ch.)  oder  sie  erleiden 
Verkürzung,  wie 
cür'few,  afrz.   cuevre-feu  (Signal,   das  Feuer  auszulöschen),  me.    cur- 

few  Ch. 
ker'chief,  afrz.  cuevre-chief  (Kopfbedeckung),  me.  cover-chief  Ch.  450. 
ker'chef  6600. 
Eigennamen   unterliegen   sehr  zahlreich   solchen  Verkürzungen,  §.  309. 
die   an   den  verschiedenen   Bestandtheilen   der  Compositionen   eintreten 
können. 

Bück'inghäm,  ags.  Buccinga-häm,  ae.  Bokyngham. 
Dör'chester,  ags.  Dorces-ceaster,  ae.  Dorchestre. 
Ex'eter,  ags.  Eaxan-ceaster,  ae.  Excestre  Exetre. 
Leicester  (les'ter),  ags.  Lsegra-ceaster,  ae.  Leycestre. 
Wörc'ester,  ags.  Wigera  (aus  Wic-wara),  -ceaster,  ae.  Wircester  Wur- 

cestre  RG.  8069. 
Win'chester,  ags.  Wintan-ceaster,  ae.  Wyncestre. 
Röch'ester,  ags.  Hröfes-ceaster,  ae.  Rouchestre. 
Cän'terbury,  ags.   Cant-wara-burh,  ae.  Cantarbury  Canterbury. 
Wär'wick  (auch  Wör-ik),  ags.  Wseringa-wic  Wäre-wic,  ae.  Warwik. 
Nör'wich,  ags.  Nord-wic,  ae.  Nord-wiche  RG.  76. 
Här'wich,  ags.  Here-wic. 

York,    ags.    Eofor-wic,    Lag.    Eouwer-,    Euerwich,    ae.    Euerwik,    PL. 
York. 


222  Einfluß  des  Accents  auf  Compositionen,  Eigennamen  etc. 

§.  309.  Ox'ford,  iigs.  Oxena-ford,  Lag.  Oxene-ford,  ae.  me.  Oxenford. 
Drir'-liam,  ags.  Deor-ham,  ae.  Durham  Duram. 
Söüthhrunp'ton,  ags.   Süd-häm-tun,  ae.  Soud-hampton. 
Win'dsor,  ags.  Windles-ofra,  ae.  Wyndelsore. 
Ram'sey,  ags.  Rammes-lg  (Widder-Insel),  ae.  "Raraeseye. 
Bork-,  ags.  Baroc-,  wohl  nicht  von  bar  öc  (nackte  Eiche),  sondern  aus 

beran-wic,    daher  =  Ber'wick  =  Barton    (ags.  bere-tim),  = 

Beran-byrig  Banbury. 
Not'tingham,  ags.  Snotingahäm. 
Nör'folk,  ags.  Nord-folc,  ae.  Nord-folc. 
Suffolk,  ags.  Süd-folc,  ae.  Sod-folc. 

Es'sex,  ags.  Eäst-Seaxe  (die  Ostsachsen),  ae.  Estsex  RG.  63. 
Süs'sex,  ags.  Süd-Seaxe,  ae.  Sou)?sex.  63. 
Der'by,  ags.  Deor-by  =  Deor-häm  (altn.  byr  Wohnung). 
StWerset,  ags.  Sumor-ssete  von  den  Belgiern,  Sommercolonisten.     Ae. 

Somersete. 
Sün'day,  ags.  sunnan-dseg,  ae.  Sonenday  RG.   11927.  Sonday  Mau. 
Mön'day,  ags.  mönan-dseg,  ae.  Monenday  10332.  Munday  Sh.  Mms.  3,  3. 
Tüesday,  ags.  Tiwes-dseg,  ae.  Tiwesday  11828. 

Wcdnesdäy,  ags.  Wöd(e)nes  daeg,  ae.  Wodnesday  Wednesday  10635.  Mau. 
Thürs'day,  ags.  j7un(o)res-d8eg,  ae.  Thoresdäy  10559. 
Fri'day,  ags.  Frige-dseg,  ae.  Friday  2441.  me.  Fryday  Mau. 
Sät'urdäy,    ags.    Sseternesdaeg    Saeterndaeg,    ae.    Saterday,    me.    Satre- 

day  Mau. 
§.  310.  Hierher    gehören    auch    die    neuenglischen    Abkürzungen    von 

Eigennamen,  welche  Bequemlichkeit  eingeführt  hat.  1)  Männer- 
namen: Bab  von  Baptist,  Bat  Bartholomew,  Ben  Benjamin,  Bill 
Will  Billy  Willy  von  William,  Cris  Kit  Christopher,  Dan  Daniel,  Gib 
Gilbert,  Hab  Herbert,  Hai  Hally  Harry  für  Henry,  Joe  Joseph,  Len 
Leonard,  Max  Maximilian,  Mich  Michael,  Nat  Nathaniel,  Sam  Sa- 
muel, Sib  Sebastian,  Tid  Theodore,  Tib  Tibald,  Tim  Timotheus,  Tom 
Thomas,  Taff  Theophilus,  Wat  Walter,  Zach  Zachary  etc.  —  2)  Frauen- 
namen: Bab  Barbara,  Bell  Arabella,  Bess  Bet  Elisabeth,  Deb  Debo- 
rah,  Dy  Diana,  Ciss  Cicely,  Ellen  Helena  und  Eleonora,  Gill  Gil- 
lian,  Is  Isabel,  Kate  Catherine,  Madge  Meg  Margaret,  Maud  Magda- 
len,  Livy  Livia,  Su  Susan.  —  Oft  tritt  ein  verkleinerndes  y  dazu: 
Assy  Elsy  Alice,  Beck  Becky  Rebecca,  Biddy  Bridget  Brigit,  Davy 
David,  Dol  Dolly  Dorothy. 

Auch   einige   andere  Wörter  sind  in  gleicher  Weise  verkürzt,   wie 


Homographen.  223 

Cabriolet  cab,  Cantabrigian  Cantab,    chamber-fellow  chum,  Citizen  cit,  §.  309. 
gentleman   gent,   bypochondriac  to  hyp  =  to  make  melancboly,    Con- 
solidated anniiities  Consols,  incognito  incog,  pro  et  contra  pro  et  con. 

Selten   dagegen   ist   in   Folge   mehrfacher   Consonanz   eine  Erwei-  §.  310. 
tening  eingetreten,   wie  ags.  hearcnian,    ae.  harken,  ne.  hearken,  ags. 
glistnian,   ne.  glisten.     Besonders  erscheint  sie  im  Gefolge  des  r:  frz. 
a   Tarme,   ne.   alarm    alarum   lamm;    ags.  fyr,    ae.  fiere  etc.,   ne.  fire» 
afrz.  freire  (frater),  ne.  friar. 


Vierter  Abschnitt. 

Assimilation    in    Form    und    Laut. 

Die  eigenthümliche  Weise,  in  der  der  englische  Sprachstoff  sich  §.  311, 
entwickelt  hat,  und  die  Möglichkeit,  mit  denselben  Zeichen  verschiedene 
Laute,  und  mit  verschiedenen  Zeichen  übereinstimmende  Laute  anzu- 
geben, sind  die  Ursachen,  dal^  ursprünglich  verschiedene  Wörter  zu 
gleicher  Form  gelangt  sind  und  dal^  andrerseits  verschieden  geschriebene 
Wörter  sich  im  Laute  begegnen.  Wir  beschränken  uns  hier  nur  auf 
die  im  Ne.  gebräuchlichen,  da  bei  der  in  früherer  Zeit  herrschenden 
unsichern  Schreibung  ihre  Zahl  zu  grol^  ist. 

1)    Wörter    gleicher    Form. 

(Homographen). 

1)     Deutsche. 

Bär'röw    1)  Trage,   wheel-  Schubkarren,   gleiches  Stammes   mit  ags. 

beer,   ne.  hier;   —   2)  in  Composition:   Hain:   ags.  bearu;   — 

3)  Borgschwein,   ags.   bearh;  —  4)   Grabhügel,    ags.    beorh, 

byrigean  to  bury. 
Bee'tle  1)  Käfer,  ags.  betel;  —  2)  Hammer  bytl. 
Blöw  1)  wehen,   ags.  bläwan;  —  2)  Schlag,  Unglück  von  ags.  bleo- 

wan  schlagen;  — •  3)  blühen,  ags.  blöwan. 
Bore    1)   Imp.   von   bear    (trug),   ags.    baer;   —   2)   Bohrer  Bohrloch, 

ags.  bor. 
Brake  1)  Breche,  von  brecan  brechen,   auch  ags.  brsec  Brechen;  — 

2)  Farnkraut,  Dorngebüsch,  dän.  bregne. 
Bück   1)   Bock,   Männchen,    ags.   bucca;  —  2)  Lauge  =  suds,   ags. 

buc  Waßergefäl^?  ital.  bucato  washing  in  lye? 


224  Homograjjhen. 

§.  Sll.Cleave   1)  kleben  ags.  cleofjan;  —  2)  spalten  cleofan. 

Cröp  1)  Kropf,  ags.  cropp;  —  2)  Aebre,  Traube,  ags.  cropp;  — 
3)  to  crop  abschneiden,  hoU.  krappen. 

Döwn  1)  Düne,  ags.  dun  Berg,  daher  down  adown  hinab,  ags. 
adiine;  —  2)  Flaum,  Flaumfeder,  altn.  dünn,  ahd.  düni. 

Ear  1)  Ohr,  ags.  eäre;  —  2)  Kornähre,  ags.  aeher  aehher  ear,  da- 
her to  ear  in  die  Aehren  schielten. 

Eider  1)  alter  Comp,  von  old,  älter  ags.  yldra;  —  2)  Holunder, 
ags.  eilen  ellarn. 

Even  1)  Abend,  ags.  sefen;  —   2)  eben  gleich,  ags.  efen. 

Fär  1)  entfernt  ags.  feorr;  —  2)  (veraltet)  Ferkel  =  farrow,  ags. 
fearh. 

Fell,  1)  fällen,  ags.  fyllan  fellan;  —  2)  grausam,  ags.  feil;  —  3) 
Fell,  ags.  fei  feil. 

Föld   1)  Falte  ags.  feald,  falten  fealdan;  —  2)  Hürde,  ags.  falud. 

Göre  1)  geronnenes  Blut,  ags.  gor;  —  2)  ein  (keilförmiges)  Stück 
Land,  mhd.  gere  zuerst  vom  Tuche;  letztere  Bedeutung  führt 
Worc.  wieder  auf:  a  triangulär  piece  of  cloth  und  dann  all- 
gemeiner: a  narrow  slip  of  land;  —  3)  Durchbohren,  weist 
auf  ags.  gär  Lanze. 

G round  1)  von  grind  Imp.  ags.  grand;  —  2)  Grund,  Boden,  ags. 
grund;  —  3)  gründen,  ags.  gryndan. 

Häwk  1)  Habbich,  ags.  hafuc;  —  2)  höken,  mhd.  hock  hocke  hocker, 
TJnterkäufer. 

Helm   1)  Helm,  ags.  heim;  —  2)  Steuerruder  healma. 

Hide  1)  Haut,  ags.  hyd;  —  2)  verbergen,  eine  Decke  (Haut)  darüber 
ziehen  hydan;  —  3)  Hufe  Landes,  ags.  hyd  hyd. 

Hind  1)  Hindin,  Hirschkuh,  ags.  bind;  —  2)  bind  zurück  ags.  bind; 

—  3)  Bauer  hina. 

Hip   1)  Hüfte,  ags.  hype;  —  2)  Hagebutte,  ags.  heope. 

Holm  1)  Flul^insel,  ags.  holm  Insel  und  Meer;  —  2)  Stechpalme, 
ags.  holen. 

Hop   1)  hüpfen,    ags.  hoppjan;   ein  Tanz;  —  2)  Hopfen,   ahd.   hopho. 

Knöll  1)  =  knell  läuten,  ags.  cnyllan,  Geläute  cnyll;  —  2)  Hü- 
gel cnoll. 

Läp   1)  Schooß,  Theil,  ags.  lappa;  —  2)  lecken  lapjan. 

Last,  1)  letzte  ags.  latost;  —  2)  dauern  gelsestan;  —  3)  Last  hlsest; 

—  4)  Leisten,  ags.  last  (Geleis). 

Lean  1)  dürr  fettlos,  ags.  hlsene;  —  2)  lehnen  hlinjan  hleonjan. 


Homographen.  225 

Left   1)   Imp.   von   to   leavG   lallen;    —   2)   link,   gelöfed  geschwächt,  §.  31 
schwach,  im  passenden  Gegensatz  zu  swid  stark. 

Lie    1)   liegen,  ags.  licgan;  —  2)  lügen  loogan. 

Light  1)  Licht,  ags.  leoht;  —  2)  leicht  liht  leoht;  —  3)  absteigen 
älihtaii:  —  4)  lights  Thierlunge,  wahrscheinlich  von  2. 

LTme  1)  Leim,  ags.  lim,  leimen  liman;  —  2)  Linde,  ags.  lind;  — 
3)  eine  Art  Citrone,  frz.  lime. 

Löad  1)  laden,  ags.  hladan,  Last  hlöed;  —  2)  in  load-star  Leitstern, 
ags.  hxd  Reise,  und  noch  der  Gang,  die  Ader  im  Berg- 
werke, gewöhnlicher  ist  die  Schreibung  lode. 

Lock  1)  Locke,  ags.  locc;  —  2)  Schloß,  ags.  locc ,  verschliel^en 
ags.  liican. 

Low  1)  niedrig,  altn.  lägr,  erniedrigen;  —  2)  brüllen  ags.  hlöwan; 
3)  Lohe,  Flamme,  ags.  leg:  4)  in  Compositionen  von  Orts- 
namen -low,  ags.  hleew  Hügel,  wie  in  Mär'-löw,  Lüd'-löw. 

Mast  1)  der  Mast,  ags.  maest;  —  2)  (die  Mast),  Eichel  msest. 

Meal  1)  Mehl,  ags.  melu;  —  2)  Mahl  msel. 

Mint  1)  Minze,  Pflanze,  ags.  minte;  —  2)  Münze  mynet,  münzen 
mynetjan. 

M6ther  1)  Mutter,  ags.  mödor;  —  2)  Satz,  Hefe,  hell,  moeder. 

Näp   1)  Schläfchen,  schlafen  hnseppjan;  —  2)  Wollknötchen  hnoppa. 

Neat  1)  Rindvieh  neät;  —  2)  nett,  zierlich,  ahd.  niot-sam  oder 
lat.  nitidus,  frz.  net. 

Nick  1)  Kobold,  ags.  nicor  Meerungeheuer  oder  von  ags.  hnsecan 
tödten,  daher  Old  Nick;  —  2)  Kerbe,  von  ags.  niclgan  krüm- 
men; —  3)  rechter  Zeitpunct,  aus  2.  entstanden. 

Plät  1)  (=  plait  Gewebe,  Flechte,  ahd.  gafleht)  flechten;  —  2) 
Ebene,  Platte;  —  3)  Platz,  Stück  Land. 

Päd' dock  1)  Kröte  ags.  padde;  —  2)  eingehegte  Grasplatz,  ent- 
stellt aus  ags.  pearruc  =  Pferch. 

Pöünd  1)  Pfund,  ags.  pund;  —  2)  einschließen  pyndan,  daher  Pfand- 
stall; —  3)  zerschlagen,  stoßen  ags.  punjan. 

Ring  1)  Ring  bring,  einen  Ring  bilden  hringjan;  —  2)  läuten 
hringan. 

Röe  1)  Reh,  ags.  räh;  —  2)  Rogen,  altn.  hrogn. 

Röw  1)  Reihe,  Rang,  ags.  räw;  —  2)  rudern  röwan., 

Rüsh  1)  Binse,  ags.  risce  ricse;  —  2)  schnell  bewegen  hriscjan. 

Säl'löw   1)  Weidenbaum,  ags.  salig,  sealh;  —  2)  gelb  salu. 

Seal  1)  Siegel,  ags.  sigel,  siegeln  sigeljan;  —  2)  Seehund  seolh. 

Koch,  engl.  Grammatik.    I.    2.  Aufl.  15 


226  Homographen. 

§.  311.  Seam  1)  Saum,  Naht  seüm;  —  2)  Last,  seäm;  daher  auch  bestimm- 
tes Mul^;  —  3)  Fett,  Bosw.  ags.  seime,  fries.  siaraa. 

Shöal  1)  Menge  schola,  ags.  sculu;  —  2)  Untiefe,  Sandbank  = 
shallow. 

Slough  1)  (slüff)  abgeworfene  Schlangenhaut,  Grind,  mhd.  slüch;  — 
2)  (slöü)  Sumpf,  ags.  slOg. 

Smäck  1)  Geschmack,  ags.  sma3c,  schmecken  smeccan,  schmatzen; 
2)  kleines  Schiff,  ags.  snacc. 

Smelt  1)  schmelzen,  ags.  smeltan;  —  2)  Stint  smelt,  ein  Fisch. 

Söd  1)  Imp.  von  seethe  sieden;  —  2)  Rasen  holl.  soed,  to  sod  mit 
Rasen  bedecken. 

Sow  1)  (söü)  Sau,  ags.  sugu;  —  2)  (söw)  säen  säwan. 

Spöke  1)  Imp.  von  speak  sprechen;  —  2)  Speiche,  ags.  späca,  Lei- 
tersprol^e. 

Spray  1)  =  sprig  Zweig;  —  2)  Meeresschaum  von  ags.  spregan 
oder  sprian  ausstreuen. 

Stäle  1)  Stiel  stele;  —  2)  Betrug,  alt,  schlecht  weisen  auf  stelan 
stehlen;  —  3)  stallen,  dän.  stalle. 

Stern  1)  streng,  ags.  sterne;  —  2)  Stern  des  Schiffes  stearn. 

Stüd  1)  Pfosten,  Nagel  studu;  —  2)  Gestüt  ags.  stöd. 

Swallow  1)  Schwalbe,  ags.  swalewe;  —  '2)  schlucken  swelgan,  daher 
Kehle,  Gefräl^igkeit. 

Täp  1)  schwach  schlagen,  schwacher  Schlag,  mhd.  tappe;  —  2)  Zapfen, 
ags.  taeppa,  anzapfen  tsepjan. 

Till  1)  bis,  zu  altn.  til;  —  2)  pflügen,  ags.  tiljan;  —  3)  Schubla- 
den, Geldkasten. 

Wäx  1)  wachsen,  ags.  weaxan;  —  2)  Wachs  weax,  wichsen. 

Weed  1)  Unkraut,  ags.  weod,  jäten  weodjan;  —  2)  Kleidung,  ags. 
weed. 

Well  1)  wohl,    ags.  wel;  —  2)   Brunnen   wella,    von  wyllan  wallen. 

Wise  1)  weise,  ags.  wis;  —  2)  Weise  wise. 

Whittle  1)  ein  weilies  Frauenkleid,  ags.  hwitel;  —  2)  Meßer  hwitle, 
schärfen. 

(Wood  1)  Holz,  ags.  wudu;  —  2)  toll  wöd). 

2)  Romanische. 
Air  1)  Luft,   lat.  aer,   frz.  air,   daher  auch  äul^eres  Ansehen;   —  2) 

Arie  air. 
Baste  1)  schlagen,  prügeln,  afrz.  battre,  bastonner;  —  2)  mit  weiten 


Homographen.  227 

Stieben   näbou,    afrz.    bastir;  —  3)   einen  Braten   mit  Butter  §.  311. 

bcgiel^en,  vielleicht  von  1. 
Bil'let  1)  kleiner  Brief  frz.,  Einquartierungsbillet;  —  2)  Scbeit  Holz, 

frz.  billot. 
Böle   1)  Fetttbon,  lat.  bolus;  —  2)  Baumstamm;  viell.  frz.  boisil(ier), 

—  3)  ein  Mal^,  wal.  buelin,  ags.  bolla. 
Böwl   1)  Gefäi^  Maß  =  bole;  —  2)  Kugel  frz.  boule. 

Broil  1)  Streit,  frz.  brouille;  —  2)  auf  dem  Feuer  braten,  frz.  bruler. 
Cä'per  1)  Blütbenknospe  der  Kapernstaude,  lat.  capparis,  frz.  capre; 

—  2)  Capriole,    Sprung,   vom   lat.    caper,   frz.    capriole,    ca- 
prioler. 

Cape  1)  Vorgebirge,  Cap,  afrz.  cap  von  lat.  caput,  —  2)  Mantel- 
kragen, afrz.  cape,  mlat.  capa. 

Cäse  1)  Fall,  afrz.  cas  von  casus;  —  2)  Futteral,  Hülle,  afrz.  casse 
von  capsa. 

Card  1)  Karte,   Seekarte,    frz.   carte   von  Charta,   Karten  spielen;  — 

2)  Wollkamm,   lat.  Carduus,   frz.  carde;   krempeln  carder;  — 

3)  \Yindrose  unter  der  Magnetnadel  von  1. 

Consöle'  1)  trösten,  frz.  consoler,  consolari;  —  2)  cön'söle  Trag- 
stein, frz.  console  von  lat.  solea. 

C er' p oral  1)  körperlich  =  corporeal,  frz.  corporel;  —  2)  Kor- 
poral, für  frz.  caporal  von  caput;  —  3)  Die  lat.  Form  cor- 
pora'le,  das  geweihte  Meßtuch. 

Cöünt  1)  Graf,  afrz.  cumte,  comes;  —  2)  zählen,  rechnen,  cunter 
computare,  Rechnung  cunte. 

Co  unter  1)  Zahltisch,  afrz.  conteor;  —  2)  gegen  contre,  contra. 

Cüff  1)  Faustscblag,  ital.  cuffa;  schlagen;  —  2)  Aufschlag  am  Aer- 
mel,  frz.  coiffe. 

Date'  1)  Datum  datum,  frz.  date;  —  2)  Dattel  dactylus,  prov. 
datil,  frz.  datte. 

Ex'ile  1)  Verbannung,  Verbannte,  to  exile'  verbannen,  von  lat.  exi- 
lium;  —  2)  exile'  dünn,  lat.  exilis. 

Host  1)  Heer,  lat.  hostis,  frz.  hoste;  —  2)  Hostie,  lat.  hostia;  — 
3)  Wirth,  lat.  hospes,  afrz.  hoste. 

Impäir'  1)  ungleich,  frz.  impair;  —  2)  verschlechtern,  afrz.  em- 
peirer  (in-pejorare). 

Jär  1)  knarren.     Nachahmung  des  Lautes;  —  2)  Krug,  frz.  jarre. 

Jet  1)  Gagat,  lat.  gagates,  frz.  jayet;  —  2)  Waßerstrahl,  hervor- 
schießen, frz.  jeter,  lat.  jacere. 

15* 


228  Homographen. 

§.  311.J(-t'ty  1)   von   Gagat,    demselben    ähnlich;    —   2)    =   jet'tee,    jüt'ty 

Hafendamm,  frz.  jetee. 
Kenne  1   1)  Pliindehütte,   Meute,    lat.  canile,  frz.  chenil;  —  2)  Kanal, 

lat.  canalis,  afrz.   chenal. 
League   1)  Verbindung,  frz.  ligue;  von  lat.  ligare; 2)  Meile  Span. 

legua,  frz.  lieue. 
Mäce   1)   Keule,    frz.    mace,    lat.    mateola;    —   2)  Muskatblüthe,   frz. 

macis. 
Male    1)   Männchen,    männlich   lat.    masculinus,    afrz.    mascle  masle 

malle;  —  2)  übel,  das  lat.  adverbiale  Präfix:  malev'olent. 
Mangle    1)  verstümmeln  von  lat.  mancus;  —  2)  Wäschrolle,  glätten, 

afrz.  mangonnel. 
Märch  1)    März,    afrz.   mars,    march;    —    2)    Marsch,    frz.    mar  che, 

marschieren. 
Mute  1)  stumm,   lat.    mutus,   frz.    muet,   Muta;   —  2)  Yogelkoth,  ? 

lat.  lutum,  frz.  mutir. 
Öünce  1)  Unze,  Gewicht,  lat.  uncia;  —  2)  Luchs,  afrz.  once. 
Page   1)  Seite  pagina,  frz.  page;  —  2)  Page  page  von  griech.  Ttaidiov, 
Päle  1)  bleich,   lat.   pallidus,    afrz.    pasle  palle,   pale;    —  2)  Pfahl 

lat.  palus,  ags.  pal. 
Päll  1)  Staatsmantel,   lat.   pallium,    afrz.'   palle   paile,   ags.   p£el;  — 

2)  schaal  werden  oder  machen,  weist  auf  palatum. 

Per  oh  1)  Stange,  lat.  pertica,  afrz.  perche;  —  2)  Barsch,  lat.  perca, 

frz.  perche. 
Pill  1)  plündern,  frz.  piller;  —  2)  Pille  lat.  pila. 
Port  1)  Hafen,   lat.  portus,    frz.  port;  —  2)  Pforte  porta  porte;   — 

3)  Haltung  von  lat.  portare,  afrz.  port;  —  4)  Portwein,  von 
Oporto. 

Källy    1)    wieder   sammeln,    frz.    rallier,   re - alligare ;   —   2)    spotten, 

frz.  railler. 
Ee-pair  1)  ausbeßern,  lat.  reparare,  frz.  reparer;  —  2)  sich  begeben, 

gehen  lat.  repatriare,  afrz.  repairier. 
Soll  1)  Boden  lat.  solum,   afrz.  soel,  frz.  seuil;    —  2)  Dünger,  afrz. 

souil,   beschmutzen  (seljan);  —  3)  grün   füttern,    frz.   souler. 
Vice    1)   Laster,   lat.    Vitium,    frz.    vice;    —    2)   Schraubstock,    afrz. 

vis;  —  3)  in  Composition  lat.  vice-  stellvertretend:   vice-pre- 

sident  Vicepräsident. 


Homographen.  229 

3)  Gomischte.  §.  311. 

Angle   l)  Angel  ahd.  angul,    ags.  angel  etc.,  angeln,  fisclien;  —  2) 

Winkel,  lat.  angulus,  frz.  angle;  —  3)  Angles  Angeln,   ags. 

Angle  lat.  Angli. 
Arm   l)  Arm   ags.    earm,    Meeresarm,    Ast;  —  2)  im  PI.  Waffen  lat. 

arma;  to  arm  bewaffnen. 
Bäit  1)  ködern,  ags.  bätjan  freßeu  machen,  Köder;  —  2)  erfrischen, 

Erfrischung    ebenfalls    von    butjan;   —    3)   mit   den    Flügeln 

schlagen,  angreifen,  frz.  battre. 
Bäle  1)   Elend,    ags.   balu;  —   2)   Waarenballen ,    frz.   balle,   ballot; 

einpacken  frz.  emballer;  —  3)  ausschöpfen,  von  frz.  baille. 
Bark  1)  bellen  ags.  beorcan;  —  2)  Borke,  Kinde,  altn.  börkr,  schälen, 
Ba  sil  1)  Männername  Basilius:  —  2)  Basel  lat.  Basilea:  —  3)  bäs'il 

eine    Pflanze,    Basilisca;    —    4)    bäs'-il    der    Winkel    eines 

Meil^els  etc. 
Boot  1)  Gewinn  Vortheil,   ags.   bot;   —   2)  Stiefel  frz.  botte;   —  3) 

Behälter  unter  dem  Kutschersitz,  von  2. 
Bö  und   1)  Imp.  von  bind  binden;  —  2)  springen  afrz.  bondir,  Sprung 

bond;  —  3)  Gränze  =  boundary,  mlat.  bunda,  afrz.  bonne. 
Bass  1)  Binsenmatte,  ags.  bsest;  —  2)  Barsch  ags.  baers;  —  3)  bäss 

Baß,  ital.  basso,  gewöhnlich  bäse. 
Bill  1)  Schnabel  ags.  bile,   schnäbeln;  —  2)  Streitaxt  ags.   bill;   — 

3)  Gesetzvorschlag,  Zettel,  Liste,  frz.  billet. 
Bittern  1)  Eohrdommel,   ital.  bitore,  frz.  butor;  —  2)  bittere  Sole, 

ags.  biter. 
Borne  1)  getragen,  ags.  boren,  Part,  von  heran  to  bear;  —  2)  Gränze 

(gew.  bourn)  frz.  borne;  —  3)  Born,   Brunnen  in  Ortsnamen, 

wie  Winterbourne,  Swinburn  etc.,  ags.  burne. 
Box  1)  Buchsbaum,   lat.  buxus,    ags.  box;  —  2)  Büchse  pyxis,   ags. 

bux  box;  —  3)  Schlag,  schlagen,  dän.  baxe,  nhd,  pochen. 
Bull  1)  Stier  ags.  buUuca;   —   2)  die  Bulle,  lat.  bulla;  —  3)  Fehler, 

viell.  von  einem  Eigennamen,  wenn  nicht  von   1. 
Bürden  1)  Last  ags.  byrden;  —  2)  Chorgesang  afrz.  bourdon. 
Büt  1)  aber  ags.  b-ütan;  —  2)  Ende,  Gränze,  frz.  beut. 
Butt  1)  Ziel  frz.   but,    Scheibenstand;  —  2)  Butte,    Stückfaß,    ahd. 

butinna,  mhd.  büte  bütte ;   —   3)  Stoß  frz.  botte. 
Cörn  1)  Korn  ags.  corn;  —  2)  Hühnerauge,  Leichdorn  cornu,  afrz.  com. 
Dam  1)  Damm,  dämmen  ags.  demman;  —   2)  von  Thieren  die  Mutter, 

lat.  domina,  frz.  dame. 


230  Homographen. 

§.   311.  Dp  nie'   1)  Engpaß,  frz.  defile;  —  2)  besudeln  ags.  fylan. 

Die   1)  sterben,    deadjan;  —  2)  färben,    ags.  deägan;   —   3)  Würfel, 

Stempel  frz.  de. 
Fair  1)  schön  ags.  faeger;  —  2)  Jahrmarkt  lat.  feriae,  afrz.  foire  faire 

fere. 
Füll  1)  voll,  ags.  füll;  —  2)  walken  von  lat.  fuUo. 
Gull  1)  betrügen,    altschw.   gyla,    afrz.   guiler;   —    2)    Möve,    kymr. 

gwilan. 
Güm  1)  Zahnfleisch  (Gaumen,  ags.  göma);   —   2)  Gummi,  frz.  gomme. 
Güst  1)  Windstol^  ags.  gist;  —  2)  Geschmack,  lat.  gustus. 
Häggard    1)   eine   Falkenart,    also    hawk-ard;    —    2)    häi-lich,    von 

hawk-ard  oder  hag-ard?  frz.  hagard  wild. 
Hämper  1)  Korb,  Schatzkammer  =  hanaper,   mlat.  hanaperium ;  — 

2)  Fellel,  feßeln. 

Hüe   1)  Farbe  ags.  hiw;  —  2)  Schrei,  frz.  Interj.  hu! 

Kern  1)  irischer  Soldat,  ir.  cearn;  —  2)  Handmühle  =  quem,  ags. 

cweorn. 
Lake  1)  See,  Lache  ags.  lacu;  —  2)  Lackfarbe  frz.  laque. 
Läy  1)  Imp.  von  to  lie  liegen;  ferner  to  lay  legen;  —  2)  Lied  afrz. 

lai;  —  3)  weltlich  lat.  laicus,  afrz.  lai. 
Lease   1)  Aehren  lesen,  ags.  lesan;  —  2)  verpachten,  afrz.  laissier; 

Pachtung. 
Lent   1)   Fastenzeit   (Lenz),    ags.  lencten;  —   2)    Imp.    von   to   lend 

leihen. 
Main  1)  Gewalt,  Großes,  ags.  msegen;  —   2)  in  Zusammensetzungen, 

wie  main-prise,  main-tain,  frz.  main. 
Mass   1)  Messe,  lat.  missa,  ags.  maesse;  —  2)  Masse  frz.  masse. 
Match  1)  Genoße,  ags.  maca;  —  2)  Lunte  frz.  meche. 
Mäte  1)  Mat,  Genoße,  hoU.  maet;  —  2)  matt  machen,    afrz.  mater. 
Mäy  1)  mag,  ags.  meeg;  —    2)  Mai  frz. 
Mean  1)   gemein,   ags.   m^ene;   —   2)  mittelmäßig,    afrz.    moyen;  — 

3)  meinen,  ags.  msenan. 

Mere  1)  Rain,    Gränze,   ags.  msere;   —   2)  (Meer)  Teich,    ags.  mere; 

—  3)  rein  lat.  merus. 
Mew  1)  Möve,    ags.    meew;   —   2)  Käfig  frz.  mue;   —   3)  miauen;  — 

4)  sich  mausern,  frz.  muer,  lat.  mutare. 
Möuld  1)  Erde,  ags.  molde;  —  2)  Form  lat.  modulus. 

Mole    1)    Maulwurf,    Verkürzung   von    moldwerpa    Erdwerfer;    —    2) 
Maal,  ags.  mal;  —  3)  Mole,  Damm  frz.  möle. 


Homog:raphen.  231 

Mo  od    1)  Gemüthsart,  ags.  mod;  —  2)  Modus  modus,  frz.  mode.  §.  311. 

Moor  1)  Sumpf,    Moor    ags.    mOr;  —  2)  Mohr    maurus,    frz.    maure; 

—   3)  vor  Anker  legen,  frz.  amarrer?  lat.  morari. 
Mus'ket   1)  Muskete,  frz.  mousquet;  —  2)  Sperbermännchen. 
Näve  1)  Nabe,  ags.  nafu;  —  2)  das  Schiff  der  Kirche  navis,  frz.  nef. 
Net   1)  Netz,  ags.  nett;  —  2)  nett  nitidus,  frz.  net. 
Pen    1)   Feder   ponna,   niederschreiben;    —    2)   einpferchen,    ags.  on- 

pinjan.  Pferch. 
Pile  1)  Pfeil,    lat.   pilum;   —    2)   Pfahl,    ags.  pil;  —  2)  Haar,    lat. 

pilus;  —  4)  Haufe,  Gebäude  pila,  frz.  pile. 
Pine   1)   Fichte,   lat.    pinus,    ags.   pin;    —    2)    Pein,    ags.   pin,    sich 

abhärmen. 
Pitch  1)  Pech,  lat.  pix  ags.  pic;  —  2)  Gipfel,  afrz.  pic;  —  3)  ein- 
schlagen, befestigen,  ags.  pyccan. 
Prune    1)    beschneiden,    ausputzen,    frz.    provigner;    —    2)  Pflaume, 

afrz.  prune. 
Pünch  1)  durchbohren  pungere;  —  2)  Punsch  indisch;  —  3)  plump. 
Quäil   1)  Wachtel,    mlat.   quaquila,   afrz.    quaile;  —  2)  in  Ohnmacht 

fallen,  wohl  von  ags.  cwelan  sterben. 
Käce  1)  Wettrennen,  ags.  rses  von  risan  sich  erheben;  —  2)  Gattung 

frz.  race. 
Eäck  1)  Foltern,   verw.    mit   ags.   reecan  recken;   daher  auch  Gestell, 

um  Heu  zu  trocknen;  —  2)  Abkürzung  von  arrack. 
Eänk    1)    Reihe,   Rang,    afrz.   renc;   —   2)    üppig   ags.   ranc;   —   3) 

ranzig  rancidus. 
Räpe  1)  Raub,  zu  lat.  rapere;  —  2)  Raps  lat.  rapa. 
Räil  1)  Riegel    ndsch.    regel;    —    2)    Wachtelkönig  frz.   räle;   —   3) 

=  rally  spotten,  frz.  railler. 
Räsh  1)  übereilt,  ags.  raesh;  —    2)  Ausschlag,  afrz.  rasche. 
Ray  1)  Strahl,  lat.  radius,  afrz.  rais;  —  2)  Roche,  lat.  raja  frz.  raie; 

—  3)  Schmuck,  Rüstung,  Abk.  von  array;  —  4)  =  rye-grass. 
Rear    1)   erheben,   ags.   rseran;   —   2)   in   rearmouse   Fledermaus    ist 

noch   ags.   hreran   sich  bewegen    enthalten;  —   3)  Nach- 
trab retro,  frz.  riere. 
Rest  1)  Rast,  ags.  rsest;  —  2)  Rest  afrz.  reste. 
Rime   1)  Reif,  ags.  hrim;  —  2)  Ritze,  lat.  rima. 
Rock  1)  Fels,  frz.  roc;  —  2)  Spinnrocken  altn.  rockr;  —  3)  wiegen, 

hin  und  her  bewegen,  frz.  roquer. 
Rüt  1)  Geleise  von  altn.  röta  aufwerfen;  —  2)  Brunst,  rugitus  afrz.  ruit. 


232  Homographcn. 

§.  311.  Kue   1)  borouen,  ags.  breowan;  —  2)  Raute,  ags.  rüde,  frz.  nie. 

Sack  1)   Sack,    ags.    sacc;    —    2)    Plünderung,   afrz.   sac,   plündern; 

—  3)  Sekt,  frz.  sec. 
Säge  1)  weise,  lat.  sapiens,  frz.  sage;  —  2)  Salbei,  ags.  salwige. 
See   1)  sehen,  ags.  seon;  —  2)  Sitz,  lat.  sedes,  afrz.  sed  sied. 
Scale  1)  Schale,    Wagschale   ags.   scalu;  —  2)  Schuppe   scealu;  — 

3)  Leiter,  lat.  scala,  afrz.  eschele. 
Shück  1)  Augriff,    Stol^    frz.   choc,   viell.  auch  ags.  sceacan  erschüt- 
tern; —  2)  Schock,   Haufen,  mhd.  schoc;  —  3)  ein  zottiger 

Hund,  ags.  sceacged  behaart. 
Sound  1)  gesund,    ags.   sund;  —  2)  Ton    ags.   sön,    lat.   sonus ;   — 

3)  Sund  altn.  sund;   —   4)  Sonde  frz.  sonde. 
Stä'ble   1)  Stall  stabulum,  afrz.  estable;  ■ —  2)  fest  afrz.  estable. 
Still  1)  still  ags.  stille,  stillen  stillan ;  —  2)  Destillationsapparat,  von 

lat.  stillare,  frz.  destiller. 
Tärt  1)  herbe,  ags.  teart;  —  2)  Torte,  frz.  tarte. 
Tär'ry  1)   zögern,    von  lat.   tardus  afrz.   tarier;    —   2)   theerig,    von 

ags.  teru. 
Tense   1)  straff  lat.  teusus;  —  2)  Tempus  afrz.  tens. 
Tick  1)  Rechnung,    wohl  von  ticket;  —  2)  Schaaflaus  frz.  tique;  — 

3)  Bettüberzug  kymr.  tic;  —  4)  Ticktack  der  Uhr. 
TölI  1)  Zoll  ags.  toll;  —  2)  Glockengeläute,  läuten;  —  3)  aufheben 

lat.  tollere. 
Tön  1)  Tonne  ags.  tunne ;  —   2)  tön  Mode  frz.  ton. 
Trump   1)  =   trumpet   Trompete,    ahd.    trumba;    —   2)   Trumpf  frz. 

triomphe. 


* 


2)  Gleichlautende  Wörter. 
(Homonymen). 
§.  312.  Folgende  Wörter    fallen  lautlich    ganz   oder  fast  ganz  zusammen, 

obgleich    ihre  Schreibung   und  meist  auch  ihre  Abstammung  verschie- 
den ist. 

A'bel  Abel,  ä'ble  (abl')  fähig  (hebr.  Abel,  lat.  habilis  frz.  able); 
a'ir  Luft,  heir  Erbe,  e'er  je,  ere  zuvor  (lat.  aer,  afrz.  air,  afrz. 
heir,  aus  ever,  ags.  eer);  aisle  Chorgang,  isle  Insel _,  I'U  ich  will  (frz. 
alle,  afrz.  isle,  ne.  I  will);  all  all,  äwl  Ahle  (ags.  eal,  ags.  gel); 
alöüd'  laut,  allöwed  erlaubt  (ags.  hlüd,  frz.  alloue);  äl'tar  Altar,  to 
äl'ter   ändern   (lat.    altare,   frz.    alterer);    äu'ger   Bohrer,   äu'gur  röm. 


Homonymen.  233 

Augur  (hell,  egger,  lat.  augur) ;  auglit  etwas,  ought  sollte  (ags.  awiht,  §.  312. 
ags.  ahte);  bäil  Bürge,  bäle  Ballen,  Eloud  (afrz.  bail,  Ballen,  ags. 
bealu);  ball  Kugel,  to  bawl  schreien  (frz.  balle,  lat.  balare);  bare 
bloi^,  beär  Bär,  to  beär  tragen  (ags.  ba^r,  ags.  böra,  ags.  beran); 
bäse  niederträchtig,  bäss  Baß,  bfiize  Flanell,  bfiys  Lorbeeren  (frz.  base, 
frz.  basse,  hoU.  baai,  frz.  baye);  beech  Buche,  beacli  Strand  (ags. 
böce,  ?ags.  byht,  ?beäh);  beer  Bier,  bier  Todtenbahre  (ags.  beer, 
ags.  beer);  bell  Glocke,  belle  Schöne  (ags.  belle,  frz.  belle);  blew  blies, 
bliie  blau  (ags.  bleow,  ags.  bleow);  böar  Eber,  to  bore  bohren  (ags. 
bar,  ags.  borjan);  böard  Brett,  böred  gebohrt  (ags.  bord,  ags.  ge- 
borod);  börne  getragen,  böurn  Gränze  (ags.  boren,  frz.  borne);  böügh 
Ast,  böw  Verbeugung  (von  ags.  bügan);  bräke  Breche,  to  break  bre- 
chen (ags.  braec  Brechen?,  brecan);  to  bruise  quetschen,  he  brews 
braut  (frz.  briser,  ags.  breowan);  büt  aber,  bütt  Ziel,  Tonne  (ags.  bü- 
tan,  frz.  but,  ahd.  butinna);  to  buy  kaufen,  by  bei,  mit  (ags.  bycgan, 
ags.  bi  be) ;  cäne  Kohr ,  Cäin  Kain  (frz.  canne ,  bibl.  Name) ;  cän 
kann,  cän  Kanne  (ags.  can,  ags.  canne);  cän'non  Kanone,  cän'on 
Regel  (frz.  canon,  ags.  canön);  cart  Karte,  chart  Seekarte  (lat.  Charta); 
ceiling  Zimmerdecke,  sealing  Siegeln  (von  to  cell  (caelare),  von  ags. 
sigeljan);  cell  Zelle,  to  seil  verkaufen  (lat.  cella,  ags.  sellan);  cent 
hundert,  scent  Geruch  (lat.  centum,  frz.  cent,  von  frz.  sentir);  ces'- 
sion  Abtretung,  ses'sion  Sitzung  (lat.  cessio,  lat.  sessio);  chord  Saite, 
cord  Seil  (lat.  chorda,  frz.  corde);  chrön'ical  chronisch,  chrön'icle 
Chronik  (von  ;^|OÖrog,  frz.  chronique);  to  cite  vorladen,  sight  Gesicht, 
Site  Lage  (frz.  citer  (citare),  ags.  siht,  lat.  situs);  clause  Clausel, 
cläws  Klauen  (lat.  clausula,  ags.  clawu);  to  climb  klettern,  clime 
Klima  (ags.  climban,  lat.  clima);  cöarse  grob,  cörse  Leiche,  cöurse 
Lauf  (lat.  crassus?,  afrz.  corse,  lat.  cursus);  cöat  ßock,  cöte  Hütte 
(afrz.  cote,  ags.  cot);  to  creak  knarren,  creek  Bucht  (von  to  crack, 
ags.  crecca);  crew'el  Knäuel,  cru'el  grausam  (ags.  cliwe  cleowe,  afrz. 
cruel);  crews  Mannschaften,  cruise  kreuzen  (ags.  cread?,  frz.  cruise); 
cür'rant  Rosine,  cürrent  Strömung  (frz.  Corinthe,  lat.  currens);  cyg'net 
Schwan,  sig'net  Siegel  (afrz.  eigne,  afrz.  signe);  dam  Mutterthier,  to 
dämn  verdammen  (afrz.  dame,  lat.  damnare);  Däne  Däne,  to  deign 
würdigen  (ags.  Dene,  afrz.  deigner);  däy  Tag,  Dey  Dei  (ags.  daeg, 
türk.  Titel);  dear  theuer^  deer  Dammhirsch  (ags.  deore,  ags.  deor); 
dew  Thau,  düe  schuldig  (ags.  deäw,  frz.  du);  to  die  sterben,  to  dye 
färben  (ags.  deädjan,  ags.  deägan);  di'vers  Taucher,  di'vers  verschie- 
den   (von  to   dive,    lat.  diversus);    dis-ea'se  Krankheit,    dis-seize'  aus- 


234  Homonymen. 

§.  312.  treiben    (afrz.   desaise,    afrz.   des-saisir);    döe   Reh,    döugh   Teig    (ags. 
da,  ags.  diig);  äöne  getlian,  dün  dunkelfarbig  (ags.  gedon,  ags.  dun); 
eye  Auge,    I  ich,   aye  ja  (ags.  eäge,    ic,  ä);    fäin  gern,  to  feign  sich 
stellen,   fäne  Tempel  (ags.  faigen,   afrz.  feindre  (fingere),   lat.  fanum); 
füint   schwach,    feint  Verstellung    (frz.    fane ,    afrz.   feinte);    fair   Jahr- 
markt,   färe  Fuhrlohn   (afrz.  feire  (feriae),    ags.  fair);    feat  That,    feet 
Fül^e  (afrz.  fait  (factum),    ags.    fet);    fel'löe  Radfelge,    fel'löw  Genoße 
(ags.  feige,  ags.  faele  treu?  folgjan?);  fir  Tanne,  für  Pelz  (ahd.  foraha, 
frz.  fourrure);   flew  floh,  flue  Rauchfang  (ags.  fleäh,   ?   );   flöür  feines 
Mehl,  flöwer  Blume  (beides  von  frz.  fleur  [flos]);  föül  schmutzig,  föwl 
Vogel  (ags.  fül,  ags.  fugel);   fräys  Schlägereien,   phräse  Phrase  (afrz. 
effrei,    frz.    phrase);    to  freeze  frieren,    frieze  Fries  (ags.  frecjsan,   frz. 
frise);    gäll  Galle,    Gaul  Gallien  (ags.  gealla,    lat.  Gallia);    gäte  Thor, 
gäit  Gang  (ags.  geatu,  hell,  gat) ;  to  gild  vergolden,  guild  Innung  (ags. 
gyldan,    ags.    gild);    glair  Eiweil^,    to   gläre  glänzen  (frz.  glaire,    holl. 
glaeren);   gnät  Mücke,  Nät  Nathanael  (ags.  gnaet,  hebr.  Name);   gräte 
Gitter,   Rost,   greät   groi^   (lat.  crates,    ags.  greät);    gräter  Reibeisen, 
greäter  gröl^er  (frz.   grattoir,    Comp,  von   greät);    grease  Fett,   Greece 
Griechenland  (afrz.   graisse,    lat.    Graecia  frz.   Grece);    gröan   Seufzer, 
gröwn  gewachsen  (ags.  gränjan,    ags.  gröwen);    häir  Haar,  häre  Hase 
(ags.  hser,  ags.  hara);  hall  Halle,  to  häul  ziehen  (ags.  heall,  frz.  ha- 
ier);  hart  Hirsch,   heärt  Herz  (ags.  heorut,  ags.  heorte);   to  heal  hei- 
len,   heel   Ferse    (ags.    hselan,    ags.    hei);    to    hear   hören,    here  hier 
(ags.   heran,    ags.   her);    heard   hörte,    herd  Heerde  (ags.  herde,    ags. 
heord);    to   hew   hauen,   hüe  Farbe   (ags.   heäw^an,    ags.    hiw);    to  hie 
eilen,   high   hoch    (ags.   higjan,    ags.    heäh);    him    ihn,    hymn  Hymne 
(ags.  him,    ags.  hymn);   hole  Loch,   whöle  ganz  (ags.   hol,   ags.  häl); 
holy  heilig,    wholly  gänzlich  (ags.  hälig,   häl-lice);   höop  Reifrock,  to 
whöop    schreien    (holl.    hoep,    ags.   wöpjan);    höür    Stunde,    öür  unser 
(lat.    hora,    afrz.   höre,    ags.    üre);  joüst  Tournier,   jüst  gerecht   (afrz. 
joste,   afrz.  just);    to   kill   tödten,    kiln  Ziegelofen  (ags.  cwellan,    ags. 
cylene);    knäp    Hügel,    näp   Schläfchen    (ags.    cnsep,    ags.   hnaeppjan); 
knäve  Schalk,   näve  Nabe  (ags.  cnapa,    ags.  nafu);   knew  wußte,  new 
neu  (ags.  cneow,  niwe  neowe);    knight  Ritter,    night  (ags.  cniht,  ags. 
niht);   to    knit   stricken,   nit  Niß    (ags.  cnyttan,    hnitu);    knöt  Knoten, 
not  nicht  (ags.  cnotta,  näwiht);  to  knöw  wißen,  nö  nein  (ags.  cnäwan, 
ags.  nä);  to  lade  laden,  läid  gelegt  (ags.  hladan,  ags.  gelegd);  läin  ge- 
legen,   laue  Gasse   (ags.   gelegen,    holl.   Isen);    lead   Blei,    led   geführt 
(ags.  leäd,  ags.  gelseded  gel^ed);  leaf  Blatt,  lief  gern  (ags.  leäf,  ags. 


Homonymen.  235 

leof);  leak  leck,  leek  Lauch  (ags.  lilec,  ags.  leäc);  to  les'sen  mindern,  §.  312. 
les'son  Lection  (von  ags.  Iffiss,  frz.  le9on);  li'ar  Lügner,  li'er  Lie- 
gende, lyre  Leier  (von  to  lie,  lat.  lyra);  limb  Glied,  to  limn  malen 
(ags.  lim,  lat.  illuminare);  lock  Schloli,  löugh  loch  See  (ags.  loc,  irl. 
loch):  mäde  gemacht,  mäid  Mädchen  (ags.  macod,  ags.  maegden);  mäil 
Briefpost,  male  männlich  (frz.  malle,  frz.  male);  mäin  vorzüglich 
mfine  Mähne  (ags.  mcegen,  ahd.  mana);  mäize  Mais,  mäze  Irrgang 
(frz.  mais,  ags.  mase  Strudel),  marshal  Marschall,  martial  kriegerisch 
(afrz.  mareschal,  frz.  martial);  mead  Meth,  meed  Lohn  (ahd.  metu, 
ags.  med);  mean  niedrig,  mien  Miene  (ags.  msene,  frz.  mine);  meat 
Fleisch,  to  meet  begegnen,  to  mete  melden  (ags.  mete,  ags.  metan, 
raetan);  med'al  Medaille,  to  med'dle  sich  mischen  in  (frz.  medaille, 
afrz.  medier);  meter  Meßer,  metre  Metrum  (von  to  mete,  ags.  meter); 
to  mewl  winseln  wie  ein  Kind,  müle  Maulesel  (frz.  miauler,  lat.  mu- 
lus):  might  Macht,  mite  Milbe  (ags.  meaht  miht,  frz.  mite);  to  möan 
wehklagen,  möwn  gemäht  (ags.  msenan,  ags.  mäwen);  möat  Graben, 
möte  Sonnenstäubchen  (afrz.  mote,  ags.  mot);  näy  sogar,  to  neigh 
wiehern  (ags.  ne  nese,  ags.  hnsegan);  to  need  bedürfen,  knead  kneten 
(ags.  nedan,  ags.  cnedan);  ndne  keiner,  nun  Nonne  (ags.  nän,  ags. 
nunne);  öre  Erz,  öar  Ruder,  ö'er  über  (ags.  är  [eer],  är,  ofer);  öh 
0,  to  öwe  schuldig  sein  (o,  ags.  to  ägnjan);  one  einer,  w6n  gewon- 
nen (ags.  an,  ags.  wunnen);  päil  Eimer,  päle  blaß  (span.  payla,  afrz. 
paesle,  afrz.  päle  pallidus);  päin  Schmerz,  päne  Fensterscheibe  (lat. 
poena  frz.  peine,  afrz.  pan  Stück);  päir  Paar,  pear  Birne,  to  päre 
beschneiden  (afrz.  par,  ags.  peru,  frz.  poire,  afrz.  parer  [parare]); 
pause  Pause,  päws  Pfoten  (afrz.  pause,  wal.  pawen,  frz.  patte);  peace 
Friede,  piece  Stück  (lat.  pax,  afrz.  pais,  afrz.  piece);  peak  Gipfel, 
pIque  Groll  (afrz.  pic,  afrz.  pique);  peal  Geläute,  to  peel  schälen 
(?  bellan,  frz.  peler);  peer  Pair,  pier  Brückenpfeiler  (lat.  par,  frz. 
pair,  frz.  pierre);  pen'cil  Bleistift,  pen'sile  hangend  (lat.  pincellus, 
lat.  pensilis);  Pe'ter  Peter,  pe'tre  Salpeter  (lat.  Petrus,  petra);  pläin 
eben,  plane  Hobel  (afrz.  piain,  frz.  plane);  pläit  Falte,  pläte  Teller 
(ags.  pliht,  afrz.  plat);  pleas  Ausreden,  to  please  gefallen  (lat.  placi- 
tum,  afrz.  plait,  afrz.  plaisir);  pole  Stange,  pöU  Stimmregister  bei 
Wahlen  (ags.  pal,  ?  );  pöre  Pore,  to  pöur  gießen  (lat.  porns, 
welsch  pwrw?);  to  präy  bitten,  prey  Beute  (lat.  precari,  afrz.  preier, 
praeda  praie);  prec'edent  Beispiel,  pres'ident  Präsident  (lat.  praece- 
dens,  praesidens);  quean  schlechtes  Weib,  queen  Königin  (ags.  cwen 
Weib  und  Königin);  räck  Raufe,   wrack  gescheitertes  Schiff  (von  ags. 


23G  Homonymen. 

§.  .312.  raca  Rechen,  boU,  wracke,  frz.  varech);  räin  Eogen,  to  reign  regie- 
reu, rein  Zügel  (ags.  regen,  afrz.  regner);  to  rüise  erheben,  räys 
Strahlen,  to  rüze  ausradieren  (ags.  är^ran,  afrz.  rai,  afrz.  raser); 
to  räp  klopfen,  to  wräp  einwickeln  (frz.  raper?,  hrepan,  ags.  hweor- 
fian?);  to  read  lesen,  reed  Schilfrohr  (ags.  rsedan,  ags.  hreod);  read 
gelesen,  red  roth  (ags.  rseded,  ags.  read);  to  reck  sich  kümmern, 
wreck  Schiffbruch  (ags.  reccan,  hoU.  wracke);  to  reek  rauchen,  to 
wreak  sich  rächen  (ags.  recan,  ags.  wrecan);  rest  Ruhe,  to  wrest 
drehen  (ags.  rest,  ags.  wrsestan);  rhyme  Reim,  rime  Reif  (afrz.  rime, 
ags.  hrim);  rice  Reis,  to  rise  steigen  (frz.  riz,  ags.  risan);  right  Recht, 
rite  Kirchengebrauch,  to  write  schreiben  (riht,  lat.  ritus,  ags.  writan); 
ring  Ring,  to  wring  ringen  (ags.  bring,  ags.  wringan);  röad  Land- 
stral^e,  rode  ritt,  röwed  ruderte  (afrz.  rote,  ags.  räd,  ags.  röwen); 
röe  Reh,  röw  Reihe  (ags.  räh,  ags.  räw);  röom  Zimmer,  rheum 
Schnupfen  (ags.  rüm,  gr.  ^sv^a);  roügh  rauh,  rüff  Halskrause  (ags. 
hreöh,  ahd.  rifila  Zacke);  rye  Roggen,  wry  schief  (ags.  ryge,  von  to 
writhe);  säil  Segel,  säle  Verkauf  (ags.  segel,  von  ags.  sellan);  scene 
Auftritt,  Seen  gesehen  (lat.  scena,  ags.  gesegen);  scent  Geruch,  sent 
geschickt  (frz.  sent(eur),  ags.  ge-sended);  sea  See,  See  Sitz,  to  see  se- 
hen (ags.  See,  afrz.  sied,  ags.  seon);  seam  Naht,  to  seem  scheinen 
(ags.  seäm,  ags.  seman);  to  shear  scheeren,  sheer  hell,  shire  Graf- 
schaft (ags.  sceran,  scir,  scir);  sleight  Handgriff,  slight  gering  (altn. 
sloegd,  hoU.  siecht);  slöe  Schlehe,  slow  langsam  (ags.  slä,  ags.  släw); 
to  sew  nähen,  to  söw  säen,  so  so  (lat.  suere,  ags.  säwan,  ags.  swä); 
to  söar  schweben,  söre  wund  (frz.  essorer,  ags.  sär);  söle  Sohle, 
Söul  Seele  (ags.  sole,  ags.  säwel);  s6me  einige,  süm  Summe  (ags.  sume, 
lat.  summa,  afrz.  somme);  s6n  Sohn,  sün  Sonne  (ags.  sunu,  ags. 
sunne);  stäir  Treppe,  to  stäre  anstarren  (ags.  stseger,  ags.  starjan); 
sträight  gerade,  sträit  enge  (ags.  streaht  lat.  extractus  afrz.  estrait, 
lat.  strictus  afrz.  estroit  estreit);  täcks  Stifte,  tax  Auflage  (holl.  tak 
Spitze,  frz.  taxe);  täil  Schwanz,  täle  Einzahlung  (ags.  tsegel,  talu); 
täre  Tara,  to  tear  zerreil^en  (frz.  tare,  ags.  teran);  team  Gespann, 
to  teem  voll  sein  (ags.  teäm,  ags.  teman);  tear  Thräne,  tier  Reihe 
(ags.  tear,  afrz.  tiere);  their  ihr,  there  da  (von  ags.  f'e,  ags.  f>£er); 
threw  warf,  throügh  durch  (ags.  j^reöw,  ags.  ]?urh);  throne  Thron, 
thröwn  geworfen  (gr.  lat.  thronus ,  ags.  J?räwen) ;  tide  Flut ,  tied  ge- 
bunden (ags.  tid,  ags.  [tegean]  tygd);  tö  zu,  töo  auch,  twö  zwei 
(ags.  tö,  ags.  twä),  töe  Zehe,  töw  Werg  (ags.  tä,  ags.  taw);  töld  er- 
zählt, tolled  geläutet  (ags.  teald,   ?  );  väils  Trinkgeld,  veils  Schleier, 


Homonymen.  237 

väles  Thäler  (afrz.  valer,  voile  veilo,  val);  väin  eitel,  väne  Wetter-  §.  312. 
fahne,  vein  Ader  (afrz.  vaiii,  ags.  fana,  frz.  veine);  to  wäde  waten, 
"weigbed  gewogen  (ags.  wadan,  ags.  wögen);  wäin  Wagen,  wäne  Ab- 
nehmen des  Mondes  (ags.  wa?gen  wifen,  ags.  wana);  wäist  Mitte  des 
Leibes,  to  wüste  verwüsten  (wal.  gewase,  ags.  äwestan);  to  wäit  war- 
ten, weiglit  Gewicht  (afrz.  gaitier,  ags.  wiht);  wäre  Waare,  to  wear 
tragen  (ags.  warn,  werjan);  wäy  Weg,  to  weigh  wiegen  (ags.  weg, 
wegan);  weak  schwach,  week  Woche  (ags.  wäc,  wice);  weal  Wohlfahrt, 
weel  Fischrense  (ags.  wela,  ?  willow  Weide);  wheal  Strieme,  wheel 
Kad  (ags.  walu  Strieme,  hweol);  to  wean  entwöhnen,  to  ween  wähnen 
(ags.  wenjan,  wenan);  weather  Wetter,  wether  Widder  (ags.  weder, 
weder);  wood  Holz,  I  woüld  ich  wollte  (ags.  wudu,  wolde). 


riexionslelire. 

Erstes  Buch. 

Das     Verb. 

§.  1.  Die  Conjugation  stellt  die  lautlichen  Veränderungen  dar,  welclien 

der  Verbalstamm  d.  i.  der  Träger  des  verbalen  Begriffs,  unterliegt, 
um  Person,  Modus,  Zeit  und  Genus  zu  bezeichnen. 

Die  Personen  werden  durch  Endungen  bezeichnet;  die  Modusbe- 
zeichnung tritt  zwischen  Stamm  und  Personenendung.  Die  Bezeich- 
nung des  Tempus  geschieht  am  Aeußern  oder  im  Innern  des  Verbs. 
Der  verlorene  Ausdruck  des  Passivs  wird  durch  Umschreibung  ersetzt. 

Die  Verben  laßen  sich  rücksichtlich  ihrer  Conjugation  verschie- 
den eintheilen. 

I.  Beachtet  man  die  Elemente  der  verbalen  Formen,  so  sind 
die  Verben 

1)  bindevocallos  d.  h.  unmittelbar  an  den  Stamm  treten  die 
Endungen:  sskr.  gä  gehen,  sthä  stehen,  dhä  setzen,  as  sein;  daher  as-mi 
ich  bin,  (ga-)gä-mi  ich  gehe,  (ti)-shthä-mi  ich  stehe,  (da)-dhä-mi  ich  setze. 
Im  Gotischen  befestigt  sich  die  Eeduplication  in  ganga,  stand  ist  er- 
weitert, dhä  fehlt  und  nur  i-m  (ich  bin)  ist  übrig. 

Im  Ags.  nur  gä,  gae-st,  gsß-äL,  pl.  gd-d;  und  dö,  daher  Präs. 
sg.  1.  dö-m,  2.  de-st,  3.  de-d,  pl.  dö-d;  eo-m  (ich  bin);  das  erwei- 
terte stand  ist  zu  den  starken  Verben  übergetreten. 

2)  bindevocalisch  d.  h.  zwischen  Stamm  und  Endung  wird, 
in  größerem  oder  kleinerem  Umfange,  ein  Laut  oder  eine  Silbe  ein- 
geschoben. 

a)  Der  Bindevocal  ist  a,  im  Ags.  zu  e  geschwächt.  Er  steht  in 
fast  allen  starken  Verben:  sskr.  bhar-ä-mi,  got.  bair-a,  ags.  ber-e. 


Einthcilung-  der  Conjug'ationcn.  239 

b)  Der  Biudevocal  ist  im  Sanskrit  aya  und  aus   diesem  entstehen    §.   1 
im  Gotischen  ja  (a)ya,  ö  a(y)a  und  ai  ay(a);  und  im  Ags.  sehr  wech- 
selnde Laute,    volle   und   geschwächte.     Sie   stehen   in  den  schwachen 
Verben. 

Diese  Eiutheilung  ist  nicht  zu  Grunde  zu  legen,  weil  die  erste 
Klasse  nur  noch  zwei  bis  drei  Vorben  im  Ags.  enthält  und  die  zweite 
Klasse  in  ihren  Unterabtheilungen  mit  den  starken  und  schwachen 
Verben  zusammenfällt. 

IL  Beachtet  man  das  Verhältnis,  in  welchem  das  Präsens  zur 
Wurzel  steht,  so  ergeben  sich  folgende  Verhältnisse: 

a)  Der  Wurzelvocal  steht  im  Präsens:  got.  halda  (ich  halte),  haita 
(heiße),  hlaupa  (springe),  slepa  (schlafe),  fara  (fahre);  ags.  healde, 
häte,  hleäpe,  slcepe,  fare. 

b)  Der  Wurzelvocal  ist  im  Präsens  geschwächt:  W.  gab,  nam 
und  band  haben  im  Got.  Präs.  giba,  nima  und  binda;  ags.  gife,  nime 
und  binde. 

c)  Der  Wurzelvocal  ist  im  Präsens  gesteigert;  soW.  drib  und 
kus  im  Präs.  dreiba,  kiusa;  ags.  drife  (treibe),  ceose  (erkiese). 

d)  Die  Wurzel  wird  redupli eiert  wie  ga  gehen,  gaga. 

e)  Die  Wurzel  erweitert  sich  im  Präsensstamme  durch  Ein- 
schiebung  eines  n:  got.  ga-n-ga  (gehe),  W.  stad  sta-n-da  (stehe),  W.  brag 
Ijri-n-ga  (bringe),  W.  f>ak  J7a-ii-kia  ()?agkja  denke),  W.  J?uk  |7u-n-kjan 
(J7ugkjan  dünken).  Ags.  gä  gange,  stände,  bringe,  ]?ence,  )?yncan.  — 
Ferner  ist  n  im  got.  Präsensstamm  fraih-n-a  angeschoben,  während 
das  Prät.  heilet  frah  PI.  frehum;  im  Ags.  ist  der  Präsensstamm  Ver- 
balstamm geworden  und  n  bleibt  durch  alle  Formen  in:  fregne,  frsegn 
fraeng  fran. 

Diese  Eintheilung  empfiehlt  sich  deshalb  nicht,  weil  sie  nur  auf 
dem  Verhältniß  der  deutschen  Sprachen  zu  den  altern  ruht.  Hier 
haben  sich  vielmehr  die  Lautschwächungen,  Lautsteigerungen  und  Ein- 
schiebungen  befestigt  und  jene  sind  zum  Flexionsmittel  geworden. 

III.  Beachtet  man  die  Bildung  der  Verbalformen  in  den  deut- 
schen Sprachen  allein,  so  treten  drei  Formen  besonders  hervor,  das 
Präsens,  das  Präteritum  oder  Imperfect  und  das  passive  Particip, 
und  nach  der  Bildungsweise  dieser  Formen,  namentlich  des  Imper- 
fects  unterscheidet  man  1)  reduplicierende,  2)  ablautende  und 
3)  schwache  Verben.  Die  von  diesen  abweichenden  laßen  sich  4) 
als  unregelmäßige  bezeichnen. 


240  Uedupliciorcnde  Verljen. 

Erster   Abschnitt. 

K  e  (1  u  p  1  i  c  i  e  r  e  n  (1  e     V  e  r  1)  e  n. 

§.  2.  Die    Reduplication   mag   sich   aus    der   Verdopplung  des   Stammes 

(vid-vid)  entwickelt  haben.  Der  erste  Stamm  verkürzt  sich,  die  an- 
lautende Consonanz  mit  dem  Vocal  bleibt,  der  Wurzelvocal  des  zwei- 
ten Stammes  steigert  sich  (außer  vor  mehrfacher  Consonanz)  und  so 
erklärt  sich  die  altindische  Reduplication:  W.  sthä  (stehen),  Perf.  ta- 
sthä,  W.  vart  (kehren),  Perf.  va-vart,  W.  ruk  leuchten,  Perf.  ru-rauk, 
W.  vid  (sehen),  Perf.  vi-vaid. 

Unter  den  germanischen  Sprachen  hat  nur  das  Gotische  diese 
Reduplication  in  ihrer  vollen  Form  bewahrt,  aber  auf  langsilbige 
Stamme  eingeschränkt  und  der  Vocal  in  der  Reduplication  ist  nicht 
der  Stamm  vocal,  sondern  stets  ai:  slep  (schlafen),  Prät.  saislep  (schlief); 
vö  (wehen),  Prät.  vaivö;  halt  (heißen),  Prät.  haihait;  auk  (vermehren), 
Prät.  ai-auk;  fald  (Positionslänge)  falten,  Prät.  fai-fald.  Nur  e  verstärkt 
sich  gewöhnlich  der  Reduplication  gegenüber:  tek  (berühren),  Prät. 
taitük:  let  (laßen),  Prät.  lailöt;  red  (rathen),  Prät.  rairöd.  Die  Einbuße 
haben  die  got.  Formen  erlitten,  daß  für  den  wechselnden  Stammvocal 
ai  eingetreten  ist.  Bei  anlautender  mehrfacher  Consonanz  redupliciert 
nur  der  erste:  slepa  s-ai-zlep;  aber  st,  sk,  hl,  hv  gelten  als  einfach: 
skaida  sk-ai-skaid. 

Diese  vollen  Formen  hatte  ohne  Zweifel  auch  das  Ags.  und  sie 
lauteten,  da  aus  geschwächtem  i  der  Reduplicationsvocal  io  oder  eo 
ward:  läc-an  (springen),  Prät.  leoläc;  hät-an  (heißen),  Prät.  heohät;  raed- 
an  (rathen),  Prät.  reor^d;  on-dr^d-an  (fürchten),  Prät.  ondreodreed; 
Iset-an  (laßen),  Prät.  leolset.  Sie  finden  sich  aber  nirgends  mehr  vor, 
sondern  haben  sich  eigenthümlich  abgeschwächt,  selbst  die  einzige 
Reduplicationsform  von  dön,  dide  neben  vollerem  alts.  de-da.  Die 
verwandten  Dialecte  stoßen  den  Consonanten  aus  und  ziehen  die  Vo- 
cale  zusammen:  das  Ahd.  gelangt  von  harhalt  hi-halt  zu  hi-alt  (hielt), 
das  Alts,  ha-hald  ha-hild  ha-ild  zu  held,  das  Altn.  von  ha-halt,  ha- 
hilt  zu  helt  und  das  Altfries,  von  ha-hald  ha-hild  ha-ild  zu  held  und 
hild.  Das  Ags.  dagegen  stößt  zuerst  den  Vocal  des  Stammes  aus, 
wahrscheinlich  nach  vorausgegangener  Schwächung,  so  daß  aus  leoläc 
sich  leolic  und  dann  leolc  bildete. 

Solcher  Formen  sind  nur  wenige  erhalten:  läce  springe,  Prät. 
leolc  C.  29,  10.  Exon.  283,  2.  Part,  for-läcen  B.  903  Grein.  —  häte  heiße, 
Prät.  hebt  C.  3,  21.  Exon.   19,  2.  gebebt  D.  Luc.  4,  39.  Part,  bäten 


Reduplicierende  Verben. 


241 


B.  102.  —  l^te  (laße),  Prät.  leort  (für  leolt)  El.  1105.  let  Mrc.  5,37,  §.  2. 
forleort  SPs.  37,   11.  pl.  forleorton  2G,   10.    D.  Mt.  4,  20.  pp.  forleten 
24,  38.  —  vebde  (rathe),  p.  reord  El.  1023.  —  ondrsede  (fürchte),  Prät. 
ondreardD.  Mt.  2,  22.  PI.  ondreardon  21,  46.  ondreordon  SPs.  54,21. 

Diese  Bildungen  zeigen  in  ihrer  doppelten  Consonanz  noch  die 
alte  Keduplication.  Aber  auch  diese  erhält  sich  nicht,  die  Silbe 
drängt  sich  noch  mehr  zusammen  und  der  Consonant  wird  ausge- 
stol^en;  leolc  wird  zu  leoc,  for-lec  C.  40,  30;  hellt  zu  het  B.  1045,  gehet 
D.  Mt.  14,  9;  leort  zu  leot  SC.  872,  let;  ondreord  zu  ondred  Mt.  14, 
30;  2,  22.  pl.  ondredon  9,  8.  Solche  zusammengezogenen  Formen 
zeigt  noch  eine  ganze  Reihe  Yon  Verben.  Da  denselben  gegenüber 
im  Got.  Eeduplicationen  liegen,  so  ist  man  berechtigt  anzunehmen, 
dali  diese  Verben  ursprünglich  reduplicierende  waren.  Die  Part.  Pass. 
(s.  §.  7.)  haben  den  Präsenslaut  und  die  Endung  en:  healde,  pp. 
healden;   dö  hat  nur   -n:   dön  und  daneben   den  in  forden.     An.   43. 

Sie  sind  im  Ags. : 


1)  Aags.     Präs.  a  ea. 

Prät.  eo  e. 

Part,  a  ea 

fealle  (falle), 

feoll. 

feallen, 

wealle  (walle). 

weoU, 

weallen. 

healde  (halte), 

heold 

healden, 

wealde  (walte). 

weold. 

wealden. 

wealce  (walke,  drehe), 

weolc. 

wealcen. 

spanne  (spanne), 

speonn  spenn 

spannen. 

fange  (fange), 

feng, 

fangen. 

hange  (hange), 

heng. 

hangen, 

gange  (gehe). 

geong. 

gangen. 

2)  Aags.     Präs.  ä. 

Prät.  eo  e. 

Part,  ä 

swäpe  (schweife. 

fege) 

,  sweop. 

swäpen. 

häte  (heilte), 

heht  het, 

häten. 

scäde  (scheide), 

sciod  sceod  scod,     scäden. 

läce  (springe). 

leolc  10c, 

läcen. 

bläwe  (blase), 

bleow, 

bläwen. 

cnäwe  (kenne), 

cneow, 

cnäwen. 

cräwe  (krähe), 

creow, 

cräwen, 

säwe  (säe). 

seow. 

säwen, 

mäwe  (mähe). 

meow, 

.    mäwen, 

?räwe  (drehe), 

7reow, 

?räwen. 

3)  Aags.     Präs.  ab, 

Prät.  eo  e. 

Part.  ^ 

slaepe  (schlafe), 

slep, 

slsepen, 

Koch,  engl.  Grammatik.    1.  2.  Aufl. 

16 

242 


Reduplicierende  Verben  im  Aags. 


§•   2- 


gnete  (weine), 
l^te  (lal^e), 
on-dra^de  (fürchte), 


gret, 

leort  leot  löt, 
on-dreord  on-dred, 


grseteii, 

Ueten, 

on-drseden. 


4)  Aügs.     Präs.  eä,  Prät.  eo, 

hleäpe  (laufe),  hleop, 

heäwe  (haue),  heow, 

beäte  (schlage),  beot, 

breäte  (breche),  breot, 

5)  Aags.     Präs.  ö,        Prät.  eo  e, 

hwöpe  (rufe),  hwöop, 

blute  (opfere),  on-bleot, 


Part,  eä 

hleäpen, 

heawen, 

beäten, 

breäten. 

Part,  ö 

hwöpen, 

blöten, 

swögen, 

röwen, 

gröwen, 

spöwen, 

hlöwen, 

flöwen. 

Part,  e 

hrepen, 

wepen. 


swöge  (rausche),  sweg, 
röwe  (rudere),       reow, 
gröwe  (wachse),     greow, 
spöwe  (gelinge),    speow, 
hlOwe  (brülle),      hleow, 
flöwe  (fliel^e),       fleow, 
6)  Aags.  Präs.  e  Prät.  eo, 

hrepe  (rufe),         hreop, 
wepe  (weine),        weop, 

1)  In  den  Stämmen  hat  sich  unter  dem  Einfluß  des  sc  sceädan 
neben  scädan  gestellt.  —  Für  hrepan  und  wepan  lallen  ahd.  hruofan 
und  wuofan,  und  alts.  hröpan  wöpan  ebenfalls  hröpan  und  wöpan  er- 
warten; allein  jene  scheinen  wie  das  altfries.  hrepe  eine  dialectische 
Eigenthümlichkeit  zu  sein.  —  Fangan  (fön)  Erweiterung  nach  got. 
fahan,  wie  hang  an,  nach  got.  hahan;  in  gangan  ist  die  Keduplication 
mit  eingeschobenem  n  schon  verhärtet. 

2)  Der  Reduplicationsvocal,  der  sich  im  Prät.  nach  Schwächung 
des  Stammvocals  gesetzt  hat,  scheint  i  o  gewesen  zu  sein,  das  zu  e  o 
wurde.  Jenes  steht  noch  in  on-cniow  B.  2554.  giong  B.  2409.  weop 
D.  Mt.  26,  75.  Weitere  Schwächung:  gieng  C.  39,  15.  —  Neben  eo 
bringen  nördliche  Quellen  ea  in  feall  D.  Luc.  8,  5.  gefeallon  D.  Mt. 
2,  11.  geseaw  D.  Mt.  13,  25.  geseaw  Mrc.  4,  4.  oncneä(w)un  D.  Luc.  9, 
45;  ferner  ese  in  gewesep  D.  Luc.  19,  41.  und  oea  in  woeap  D.  Mt.  2, 
18.  —  hrowa  Prät.  hrow^un  D.  Luc.  8,  23.  —  Geneop  C.  207,  32. 
deutet  (Grein)  auf  genäpan  oder  ge-neäpan  (ereilen). 

Der  Reduplicatiosvocal  eo  ist  zu  e  geworden  in  feng ,  heng, 
spen,  slep  und  gret;  sodal^  bisweilen  zw^ei  oder  drei  Formen  neben 
einander  stehen:  for-speon  C.  188,28.  und  spenn  29,  5.  bleow  und  blewun 


Reduplicierende  Verben  im  Nags, 


243 


D.  Mt.  7,  25.  gesceod  C.  215,  21  imd  gesced  (gescöd  Gr.)  B.  15S7.  ge-    §.  2. 
ciieow  Exon,   159,  22.  oucniow  B.  2554.  oncnew  SPs.   17,  45. 

Das  Prät.  von  gangan  (gän)  mui^  früh  ausser  Gebrauch  gekom- 
men sein,  da  schon  B.  daneben  eine  schwache  Form  gengde  1412  (v. 
schwachem  geugan)  vorkömmt  und  eode,  eade  D.  Luc.  8,  5.  inn-eadon 
D.  Mt.  2,  1 1.  Letzteres  stammt  von  der  W.  i  (gehen)  und  ist  schwach  ge- 
bildet, got.  i-da  PI.  i-dedum,  das  freilich  zu  i-ddja  iddjedum  enstellt 
ist.  —  Neben  slep  hat  D.  Mt.  S,  24.  ein  schwaches  geslepde. 

3)  Yen  hätan  (nennen,  befehlen)  hat  sich  ein  mediales  ic  hätte 
(=  got.  haitada,  ich  nenne  mich)  erhalten.     Exon.  406,  13.  Mt.  13,  55. 


Im  Nags.  haben  sich  erhalten  A.  in  Lagamon: 

Präs. falle;  Prät. Sg. feol u. ful,  PL  feollen füllen  u.  feilen;  Part,  fallen. 

halde  hselde  holde;  heold  held  hseld  huld;  ihalden,  iholden. 


§.  3. 


falde ; 

unfeold  10544; 

walde  Y 

rjßlde 

weide;  walde  weide; 

awald. 

walke; 

weolken  12040; 

iwalken  112. 

fo; 

ifeng  820; 

ifongen  ifon. 

hange; 

heong,  heng; 

hongen  hon. 

ga,  go: 

igan,  igon. 

hate  haete  hote  (befehle) ;  hahte  hebte  etc ;  bihseten  ihote. 
lake;  laec;  laec  A.  (leop  B.)  21269;     — 

blawe  blaewe  blowe  blauwe;  bleou  bleu  (blewe);  iblowen. 

icneow  (cnew)  cneow;    icnawen  icnowe. 

seow;  — 


icnawe  icnowe 
sawe  sowe; 
mawe  mowe; 
}?rawe  J^rowe; 
slsepe  (slepe); 
laete  lete; 
drede; 


Isepe  lepe; 

wepe  weope; 
hewe  hseuwe; 

bete; 

rouwe  (rowe); 

growe ; 


meow  (mew); 
|7reou  (J^reu); 
slaep  A.  sleap  B. 
lette  Isette  leatte; 


ilete. 

adradde  A.  adrad  B. 

adredde  A.  adrad  B, 

ileope 


leop  lep  leup  leoup 
PI.  lupon  A.  leopen  1882. 

weop  (wep) ;  — 

for-heow  4593,  hew;     to  -heawen  -heouwen, 

hewen. 

—  ibeat  1740. 

—  umbe-rowen  114. 
greu,  greowen  A.  growe  B.  — 

16* 


244  Reduplicierende  Verben  im  Nags. 

3.  1)    Die  Stammvocale   bleiben   selten   rein   und  fest,   wie   in  han- 

gen A.  5725.  und  hon  10009,  gan  A.  gon  B.  597,  fon  A.  underfaug 
B.  5437.  Gewöhnlich  schwanken  sie,  wie  ags.  ea  nach  a,  ae  und  e 
in  halden  A.  holden  B.  5232,  holden  A.  holde  B.  21218;  walden  A. 
weide  B.  2906,  wailden  A.  1250,  weiden  A.  195.  und  selbst  nach  o 
in  holden  A.  278S,  Isepen  und  lepen  A.  leape  B.  24697.  —  Ags.  se  wird 
ie  unde:  leten  1340.  laeten  A.  8612;  slsepen  A.  slepe  B.  733.  — Ne- 
ben wepen  steht  weopen  18895.  —  Ags.  ä  wird  auch  o:  icnawen 
24808.  etc.  icnawen  A.  icnowe  B.  24805.  hate  A.  31607.  baten  A. 
hote  B.  23387.  h«te  (hote)  16928.  —  Vor  w  schiebt  sich  bisweilen 
u  ein  haeuwen  A.  ewe  B.  16968,  rouwen  A.  rowe  B.  78 13,  birouwen 
A.  birowe  B.  21028,  blauwen  A.  blowe  B.  4462.  —  Fast  dieselben 
Schwankungen  kehren  auch  im  Part,  wieder,  und  zu  diesen  gesellen 
sich  noch  einzelne  Formen  mit  dem  Yocal   des  Präteritums,   wie  feole 

A.  13873  neben  bi-uallen  A.  bifalle  B.  25736;  to-heouwen  A.  to 
-hewe  B.  27831.  neben  to  -heawen  A.  178.  Auch  die  Endung  des 
Part,  ist  bisweilen  abgestossen;  awald  A.  4146,  ibeat  1740,  ilete  18980. 

2)  Im  Präteritum  zeigt  sich  nur  in  hahte  A.  hebte  B.  (nannte) 
19388,  hehte  A.  he)7te  (befahl)  773,  ein  Ueberest  alter  Keduplication,  aber 
so  wenig  fühlbar,  dal^  es  als  Präs.  ich  haehte  A.  hote  B.  6207.  ich  hahte  A. 
hatte  B.  7288.  neben  hatte  (heilte)  treten  konnte.  —  Die  Vocale  eo 
und  ihre  Verengerung  e  klingen  fast  überall  durch  wie  feol  177,  feol- 
len  A.  fülle  B.  16408,  füllen  A.  B.  4543.  hald  A.  16417,  h^eld  A. 
held  B.  4546.  hald  A.  heold  B.  4669,  heolde  A.  8672,  leop  1462, 
lep  A.  11570.  for-heow  4593,  weop  A.  wep  B.  18140,  icneow  A.  cnew 

B.  6625.  ifeng  A.  under-feng  B.  820,  on-heng  A.  heong  B.  5738,  laec 
(=  ags.  Isehte  nahm)  29661,  laec  A.  (=ags.  leolc  sprang,  leop)  21269, 
of-dred  A.  8425. 

Abweichungen  a)  w  bewirkt  helleres  u  für  o,  wie  heuwen  A. 
hewen  B.  9796.  bleowen  A.  blewen  B.  24485,  bleuwen  5145.  —  b) 
w  erweicht  zu  u  oder  ou:  greu  2014,  bleou  A.  blewe  B.  22750,  bleu 
808,  cneou  A.  icnew  B.  17069,  ]?reou  A.  aj^reu  B.  807.  —  c)  Dann 
dringt  u  auch  weiter  vor,  wie  in  leup  A.  leop  B.  9331,  leoup  A.  leop 
B.  9284,  feol  A.  ful  B.  2888.  und  huld  A.  heold  B.  3914.  —  d)  se 
und  a  sind  für  ags.  e  eingetreten  in  slsep  A.  sleap  B.  26009  und  a- 
dradde  A.  adrad  B.  27962.  —  e)  hseld  A.  28039,  lette  27848  und 
walde  A.  6338  sind  schwachen  Verben  nachgebildet.  —  f)  Neben  den 
starken  Formen  erscheinen  schwache  in  leopt  A.  26894,  hongede  A. 
13109,  slapte  A.  sleapte  B.  25622. 


Reduplicierende  Verben  im  Nags. 


245 


3)  Für  ags.  hate  (nenne,  befehle),  gelifite  (verspreche)  und  hatte  §.  3. 
(heilte),  hat  Lag.  ziemlich  übereinstimmende  Formen:  baten  A.  31G07, 
baten  A.  boten  B.  233S7,  halten  A.  böte  B.  1G928.  Prät.  s.  oben: 
bsebte,  hahte,  hebte,  haihte,  heilitc,  bibte,  bat,  bot,  baet,  het , 
beahte,  bete,  be)ne  —  Priis.  buchte  A.  böte  B.  6207,  hahte  A.  hatte 
B.  72SS,  hatte  A.  böte  B.  4643  beiße;  Prät.  hebte  190.  baebte,  haihte, 
beibte,  heyte  (he);te  B.),  hatte.  —  Part,  ihaten  A.  ihote  B.  219.  ihoten 

A.  böte  2.  —  Gan  gon,  Prät.  eode,  geode,  Part,  igan  igen. 

B.  In  Orm  Präs.  falle,  Prät.  feil,  Part,  fallenn. 

walle,  —  — 


halde, 

beld. 

baldenn. 

fannge 

fo, 

iinnderr-feng. 

hannge, 

beng. 

hanngenn? 

gannge 

ga, 

gede. 

gan. 

hate  (heiße), 

het. 

batenn. 

sbsede, 

sbadde, 

shadd. 

behate 

(verspreche),  bibet. 

bibatenn. 

lace, 

laec 

blawe. 

blawenn. 

cnawe, 

cnew  u.  cneow. 

sawe, 

sawenn. 

slsepe, 

slepte, 

Isete  lete, 

let, 

letenn  laetenn 

draede, 

dredde. 

— 

Isepe, 

conj.  lupe. 

baewe, 

baewenn. 

baete, 

beetenn. 

flowe. 

flowedd. 

1)  Ags.  ea  wird  a  in  fallenn  7640,  wallenn  10507,  baldenn  944;  ags. 
eä  wird  se  in  laepenn  11792,  (Part.)  bsetenn  8168,  (Part.)  baewenn  10067. 
Ags.  a  bleibt  in  ganngenn  (gan),  ä  in  to  -blawenn  (Part.)  8080,  sawenn 
(Part.)  5071,  cnawenn  2427,' batenn  (Part.)  5200.  Ags.  de  schwankt 
in  letenn  und  laetenn. 

2)  Der  volle  Vocal  im  Prät.  hat  sich  nur  vor  w  erhalten  in 
cneow  12584  neben  cnew  10378;  sonst  ist  er  überall  e  und  erinnert 
an  die  im  Altfries,  und  Altnord,  vorherrschenden,  e ,  ausgenommen 
Isec  14814;  —  lupe  12037.  3.  sg.  conj.  Prät.  mag  das  altn.  bliöpi  sein. 

3)  Gan,  Prät.  gede  Part,  gan,  ganngenn. 

4)  sbsedenn,  draedenn,  slaepenn  sind  schwach  geworden. 


246 


Reduplicierendc  Verben  im  Ae. 


§•   ■!• 


Ae.   1)  Präs.  falle, 

Prät 

fei, 

Part. 

fallen  yfalle. 

halde. 

held  huld, 

yholde 

fange, 

afong  afeng 
fanged, 

fanged. 

hange 

honge, 

anhonge  hong 
hanged. 

go  ga 

Tr., 

gede  geode  gode 

go  gon  gone 

^   Tr., 

ganeTr.u.Ps. 

byhote  (huldige), 

het  (befahl. 

hieß) 

hatte  yhote. 

bihet  (versprach). 

shede. 

shad  PL. 

blowe 

blawe, 

blewe, 

knowe 

knawe, 

knew, 

küowen  knawen. 

sowe, 

seu  sewe. 

7rowe, 

)7rew  )?reu, 

slepe. 

slep, 

lete  late. 

let  lete  lette 

ilet  ilate  laten. 

drede, 

dred. 

lepe. 

lepe  u.  lept, 

wepe. 

wep  wepe  wepte 

weped. 

hewe, 

hew  hewe. 

hewen. 

bete. 

bette, 

rowe. 

rewe  rowe, 

growe 

grewe, 

grew  greu. 

1)  Stammvocale.  Für  ags.  ea  steht  a  in  falle,  up-walle  RG.  664. 
und  in  Folge  eingetretener  Verlängerung  o  in  holde  7738,  während 
im  Norden  auch  hier  a  bleibt:  bihalde  Ps.  9,  35.  —  Ags.  a  oder  o, 
jenes  bleibt  mehr  im  nördl.,  dieses  im  südlichen  Dialecte:  honge  RG. 
11923.  gon  11468,  hang  PL.  ga  Tr.  1,  31.  —  Ags.  eä  ist  e  in  lepe 
PL.  6185,  bete  989,  hewe  RG.  11353.  —  Ags.  ä  ist  6:  blowe  RG. 
168,  sowe  10345,  mowe  10346,  crowe  PL.  2986;  allein  Ps.  behält 
auch  hier  a:  knawe  13,  4,  blawe  80,  4.  —  Ags.  e  bleibt  e  in  wepe 
RG.  7769.  Ps.  94,  6.  —  Ags.  se  ist  e(a)  in  slepe  Ps.  56,  6.  PL.  6184, 
lete  Tr.  1,  82.  late  PL.  4385.  drede  Ps.  26,  1.  —  In  den  Participien 
sind  die  Endungen  oft  abgestol^en. 

2)  Der  Reduplicationsvocal  schwindet,  meistens  steht  e:  fei  RG. 
329,  held  897.  (huld  7713),  aueng  4591.  (auong  7734),  slep  3184,  dred 
PL.  7407.  —  W   erscheint  wechselnd    mit  u   und   daher   wohl  schon 


Reduplicierende  Verben  im  Ac.  und  Mc. 


247 


erweicht:   greu  RG.  9792,  knowe  5562,  seil  0791,  j^reii  6991,  blewo    §.  ,4. 
PL.  7165,  )>rewe  3944. 

3)  Zu  den  starken  Formen  sind  schwache  getreten  in  lept  PL. 
2357,  zu  lepe  301S,  wept  PL.  1968,  und  weped  Ps.  73,  64.  neben 
wep  RG.  307,  fanged  PL.  6527,  letc  335,  slepte  RG.  3181. 

4)  hate  zeigt  sehr  verschiedene  Formen,  Prät.  het  RG.  7988, 
hight  Tr.  1,  75.  (befahl);  het  RG.  4683.  hette  591,  hate  PL.  5038, 
hight  93  (hiel^);  bihet  RG.  1736.  5077,  hete  Tr.  1,  59  (verhielt).  — 
Part,  jhote  RG.  1703,  boten  Tr.  3,  1  (geheißen);  hot  Tr.  2,  59  (be- 
fohlen); hiht  PL.  7181,  hight  Tr.  2,  81,  hette  1706  (versprochen).  — 
Gon  go,  gan  Prät.  gede  PL.  6692,  yede  Tr.  1,  27,  yode  Tr.  1,  18  und 
sogar  ge  PL.  5822.  —  Part,  gon  PL.  6076.  go  RG.  828.  gan  Tr.  4,  8. 
gane  Ps.  25,  1.  Neben  gede  im  Prät.  auch  wende  RG.  342.  went 
PL.  5835. 


Me.  1)  Präs.  falle, 

Prät.  fei  feile,            Part,  fallun  faln  falle.    { 

§•  5 

weide. 

weeldide, 

weeldid. 

holde. 

held, 

held  holden. 

walke, 

welke  walked, 

w^alked. 

under-fouge, 

underfeng    -fon- 
ged. 

-fongen. 

honge  hange, 

heenghengehan- 
gide  hongede, 

hongid  hanged 
heng. 

goon  gon  go 

goo 

,         gede  u.  wente, 

goon  gon  goygo. 

swepe, 

swepide, 

isweped. 

hote  befehle 

PP. 

behote, 

bihoten. 

5724, 

blowe, 

blew  blewen, 

blowun  bloweu. 

knowe, 

knew  knewg 
knegknowide, 

knowen  know. 

crowe, 

crew  creew. 

crowen. 

sowe  sewe. 

sewe  sowide, 

sowen  sowid. 

throwe, 

threw  threwe 
threg, 

throwunthrowen 
throw. 

slepe, 

slep  sleep  slepte, 

slept. 

lete  lat, 

leet  lete  lette, 

letun  lete. 

drede  dreede, 

dred  dredde 
dradde. 

adred  adrad. 

lepe. 

lepe  leep  leppide 
lepte, 

lopenleppidlept. 

248  Reduplicierende  Verben  im  Me. 

§.  5.  Präs.  hewe,  Prät.  heew  (hew)  he-     Part,  hewun  hewen 

wide,  hewid. 

bete,  bete  beet  bette,  betun  beten. 

rowe,  rowid,  rowid. 

growe,  grew  growide,  growun  growen. 

loW;  lowed,  lowed. 

wepe,  wept  wepte,  wept  biwopen. 

1)  Die  Stammvocale  befestigen  sich;  nur  sewe  Mt.  25,  26.  neben 
sowe  6,  26.  fällt  auf.  —  Das  Particip  hat  gewöhnlich  den  Präsens- 
vocal,  doch  dringt  der  Vocal  des  Prät.  vor  in  held  A.  1  Kgs.  1,  15; 
neben  holdyn  A.  holdun  B.  Deeds  2,  24,  sewen  A.  sowe  B.  Mt.  25, 
24,  heng  Ch.  9757.  —  Die  Participialendung  lautet  bei  Wycl.  oft  -un: 

.  fallun  A.  Gen.  31,  35.  neben  faln  A.  Josh.  2,  9.  betun  Ex.  5,  16.  he- 
wun B.  Mt.  27,  60.  growun  Gen.  2,  5.  —  n  ist  bisweilen  abgestoi^en,  wie 
in  falle  Ch.  326,  yhold  1309,  know  A.  Gen.  27,  11,  throw  A.  Ex.  21, 
29,  ythrowe  Ch.  16408,  yblowe  sowe  Ch.  T.  1,  385;  lete  A.  Gen.  44, 
3.  adred  A.  Gen.  27,  33.  —  Schwachformige  Participien  in  lippid  A. 
(daunsid  B.)  Mt.  11,  17.  neben  lopen  PP.  2868.  (aus  ags.  leop),  hewid 
A.  hewe  B.  Gen.  22,  3.  neben  hewun,  rowid  Joh.  6,  19.  hanged  Mt. 
18,  6.  hongid  A.  Gen.  41,  13.  slept  Gen.  32,  13. 

2)  Das  Prät.  hat  fast  durchgängig  e,  und  zwar  ee:  leep  PP.  1313. 
beet  Mau.  8.  heew  A.  hew  B.  Jud.  3,  12.  hewg  1.  Kgs.  11,  7.  creew 
Mau.  8.  heeng  A.  hangide  B.  Jud.  10,  4.  sleep  PP.  3207.  leet  792; 
pl.  beeten  Mrk.  14,  65;  oder  e  mit  wahrscheinlich  stummem  e  als 
Zeichen  der  Quantität  am  Schlüge:  lepe  A.  2.  Kgs.  6,  14.  bete  Ch. 
4314.  blewe  A.  blew  B.  Ex.  15,  10.  knewe  Mau.  crewe  B.  Mrk.  14,  68. 
sewe  Mt.  13,  31.  threwe  A.  Ex.  4,  3;  und  sogar  leete  A.  Mt.  3,  15.  — 

3)  Daneben  aber  stehen  zahlreiche  schwache  Formen:  w^alked  Ch. 
14179.  lepte  A.  Dan.  13,  39.  hewide  A.  1.  Kgs.  15,  33.  growide  A.  Gen. 
21,  8.  growed  PP.  7307.  sowide  Gen.  26,  12,  underfonged  PP.  6809, 
hengide  A.  hangide  B.  Gen.  24,  47.  hongide  A.  40,  22,  slepte  Mt.  8, 
24.  Gen.  41,  5,  lette  Ch.  128,  dradde  Ch.  14218,  thei  dredden  Joh. 
6,  19. 

4)  boten  (befehlen)  PP.  5724.  he  bihetith  (verheilet),  Prol. 
Wycl.,  hatte  hieß  A.  4  Kgs.  14,  7.  highte  Ch.  14189;  byhigte  (ver- 
sprach), Mt.  14,  7,  bihigten  Mrc.  14,  11.  bihigte  B.  Jud.  13,  7.  — 
Prät.  hote  (geheilten),  PP.  5597;  bihoten  (verheilten)  A.  Jud.  13,  7.  — 
Gon,  goon  go.  —  Prät.  gede  Wycl.,  yede  Mau.  8.  Ch.  13249,  wente 
Mau.  2.  Part,  gon,  goon,  gone,  ygo,  go. 


Rediiplicierende  Verben  im  Ne. 


249 


Ne.  Präs.  fall, 
hold, 
föld, 
walk, 
Span, 
hang, 

sweep, 

blöw, 

knöw, 

thrövv, 

cröw, 

söw, 

möw, 

sleep, 

let, 

dread, 

leap, 

hew, 

beat, 

röw, 

gröw, 

low, 

flow, 

weep, 

1)  Außer  Gebrauch  gekommen  sind  ags.  weallan  wallen  (aber 
noch  to  wallow,  wallop  und  well),  läcan  springen  spielen  (to  lake 
spielen  North.),  wealdan  regieren  (wald  wauld  Sc,  to  wield  von  wyl- 
dan),  sceädan  scheiden,  (sheeod,  shad  Lanc),  hrepan  rufen,  spöwan 
glücken,  blötan  opfern,  fangan  fangen  (das  veraltete  to  fang  scheint 
eine  neue  Bildung  zu  sein),  swögan  rauschen,  gretan  weinen  (greit, 
p.  grat  Sc.  WS.  Wav.  63),  hätan  heißen. 

Die  Formen  von  hate  sind  veraltet,  wie  I  hight  (ich  heiße)  Sp.  2, 
4,  36;  he  hight  (er  heißt)  2,  1,  18;  Prät.  it  hot  (hieß)  1,  11,  29.  Part, 
hight  (geheißen)  1,  2,  44.  Byr.  Ch.  1,  3.  behight  (angelobt)  2,  3,  1.  be- 
hott  (versprochen)  1,  11,  38.  —  Ebenso  sind  yode  Sp..l,  10,  53.  yede 
als  Prät.  von  go  veraltet  und  went  hat  sich  dafür  befestigt. 

2)  Schwach  flectieren:  to  fold  (obgleich  HB.  noch:  while  they 
be  folden  together  as  thorns.  Nah.  1,  10),  to  walk,  to  low,  to  row,  to 


Prät.  feil, 

Part,  fällen,  fäln. 

held. 

held. 

föld-ed. 

föld-ed  földen. 

wfilk-ed. 

wälked. 

spänn-ed, 

spänn-ed. 

hüng. 

hüng. 

went, 

göne. 

swep-t. 

swep-t. 

blew. 

blöwn. 

knew, 

knöwn. 

threw, 

thröwn. 

crew, 

cröw-ed  cröwn. 

söw-ed, 

söwn. 

möw-ed, 

möwn. 

slep-t, 

slept. 

let. 

let. 

dread-ed. 

dread-ed. 

leap-t. 

leap-t. 

hew-ed, 

hewn  hew-ed. 

beat, 

beaten  beat. 

röw-ed. 

röw-ed. 

grew. 

gröwn. 

löw-ed, 

löw-ed. 

flöw-ed, 

flöw-ed. 

wep-t, 

wept. 

§.  6. 


250  Reduplicierende  Verben  im  Ne. 

§.  6.  span.  Ferner  to  let,  to  beat;  auch  to  leap,  to  sweep,  to  weep,  to 
sleep.  In  letztern  hat  Consonantenliäiifung  den  früheren  e-Laut  nicht 
blos  bewahrt,  sondern  auch  verkürzt,  während  im  Präsens  der  lange 
i-Laut  eintrat,  schon  bei  Ben.  Jons,  und  Wallis,  daher  jetzt  iGap, 
leapt  (lept  Wall.),  sweep  swept,  wüep  w^ept,  sleep  slept. 

Dialecte  bewahren  auch  hier  alte  Formen:  to  row,  Prät.  rew,  Part, 
row^en,  East-Angl.,  to  let,  Prät.  leit,  luit  Sc.  loot  NSc,  Part,  latten  Chesh., 
looten  lütten  Sc;  to  leap,  Prät.  lop  loup,  Part,  loppen.  Chesh.;  Prät. 
lap  lowp  WS.,  Part,  luppen.  Sc;  to  weep,  Prät.  wep  Bedf. ;  to  sleep, 
Prät.  slep  Bedf.;  to  beat,  Prät.  bett  Sc 

3)  Es  bleiben  daher  noch  übrig  to  hold,  to  blöw,  to  knöw,  to 
cröw,  to  söw,  to  möw,  to  thröw,  to  gröw,  to  'gö;  ferner  to  fäll, 
häng  und  hew. 

Den  zahlreichen  ö  liegt  ea  in  to  hold  zu^Grunde,  das  sich  zu- 
nächst nach  a  wandte,  lang  wurde  und  mit  dem  organischen  ä  in  to 
blöw,  knöw,  cröw,  söw,  möw  und  thröw^  zu  ö  wurde.  Densel- 
ben Gang  nahm  go  aus  gän  gä.  In  grow  ist  ö  ursprünglich.  — 
hang  hat  sich  befestigt,  und  to  fall  die  Brechung  aufgegeben.  Hin- 
ter ö  ist  w  stumm  geworden,  dagegen  in  to  hew  ist  es  erweicht  zu  u. 

4)  to  hew,  söw  und  möw  bilden  ihr  Prät.  schwach;  to  hew, 
weil  beide  Formen  Präs.  und  Prät.  zusammenfielen.  HB.  hat  hewn 
und  hewed,  aber  jenes  wird  noch  heute  vorgezogen.  Dialecte  aber 
bewahren  sie:  Prät.  hew.  East  Angl.,  sew  und  mew  Essex  und  EA.  wie 
von  to  snow  snew  snown,  Ben  Jons,  und  Wall.,  doch  auch  snowd, 
Part,  hew'n,  sow'n  mow'n  und  hew'd  sow^'d  mow'd.  Part,  mowed  mag 
jetzt  gebräuchlicher  sein,  edler  ist  mown.  —  Das  Prät.  hüng  ist  or- 
thographische Abweichung  für  heng,  wie  run  aus  ran  ren,  buru  aus 
bran  barn  baern  bern.  Die  Unterscheidung,  die  man  zwischen  dem 
starken  und  schwachen  to  hang  dahin  bestimmt,  daß  jenes  transitiv 
sei,  und  dieses  intransitiv,  wird  nicht  immer  beobachtet :  he  hanged  the 
Chief  baker  Gen,  40,  22.  They  were  hanged  in  sight  of  the  regiments. 
Mac  8.  At  the  larger  houses  of  entertainment  w^ere  to  be  found  beds 
hung  with  silk.  Mac  3.  It  was  a  small  apartmeut,  opening  to  the 
south,  and  hung  with  tapestry.  WS.  Wav.  13.  Schon  im  Ags.  stehen 
hangan  und  hangjan,  aber  jenes:  höh  hine  Mrc  15,  13.  nime  ge  hine 
and  höd  Joh.  19,  16.  ]?e  mid  him  hangode  Luc  23,  39.  —  Orm:  )7att 
wagherifft  wass  henngedd  tser  1018.  he  heng  J^aeroferr  stille  7339. 
J^egg  henngdenn  himm  o  rode.  Orm  9952.  —  Ae.  he  hanged  PL.  5038, 
aber  Part,   hanged  4290   und  hongen  4274  sind  gleichbedeutend:   ge- 


Ablautende  Verben.  251 

hängt,  he  hengid  (erhängte  sich),  Deods  1,  18.  thei  hongiden  hem.  2.  §.  6. 
Kgs.  4,  12.  —  to  hold  behält  sein  Prät.,  läßt  es  aber  auch  ins 
Part,  vordringen,  so  daß  holden  wohl  noch  in  HB.,  aber  jetzt  nur  im 
Kanzleistyle  vorkömmt:  it  was  not  possible  that  he  should  be  holden 
of  it.  Acts  2,  24.  a  court  was  holden;  erhalten  ist  es  in:  to  be 
beholden  verpflichtet  sein.  —  In  den  Prät.  blew,  grew,  knew  und 
threw  ist  w  zum  Vocal  geworden.  Obgleich  HB.  noch:  the  cock 
crew  Mt.  26,  74,  so  ist  doch  crew  und  crown  als  veraltet  zu  betrach- 
ten und  crowed  ist  vorzuziehen.  —  Ben.  Jons,  und  Walh  auch  schon 
snow'd,  blow'd,  throw'd,  crow'd. 


Zweiter  Abschnitt. 

Ablautende     Verben. 

Diesen  Namen  tragen  die  Verben,  welche  das  Prät.  und  das  pas- 
sive Particip  im  Innern  des  Worts  mit  Aenderung  des  Stammvocals 
bilden.  Vergleicht  man  sie  mit  den  Sanskritformen,  so  müßen  auch 
sie  ursprünglich  das  Prät.  mit  Reduplication  gebildet  haben  und ,  was 
wir  im  Germanischen  Ablaut  nennen  und  als  Flexionsmittel  betrach- 
ten, das  scheint  eigentlich  nur  ein  euphonischer  Vorgang  gewesen  zu 
sein,  den  die  Sprache,  als  sie  der  Reduplication  verlustig  ward,  zu 
jenem  Zwecke  verwandte. 

Zunächst  muß  man  die  Ansicht  aufgeben,  im  Infinitiv  oder  Prä- 
sens stets  den  Stamm  zu  sehen.  Die  12.  (got.  Präs.  i,  Prät.  a,  pl.  u, 
Part,  u),  die  11.  (i,  a,  e,  u)  und  die  10.  (i,  a,  e,  i)  Conjugation  bei 
Grimm  haben  nicht  den  Präsenslaut  i  zum  Stammvocal,  sondern  den 
des  Prät.  und  letzteres  wird  im  Sanskrit  durch  Eeduplication  gebil- 
det, wie  bandh  (binden),  Prät.  ba-bandh-a  (band);  sad  (setzen),  Prät. 
sa-säd-a  (saß).  In  Grimms  7.  Conj.  (a,  ö,  a)  ist  der  Stammvocal  a, 
und  das  Prät.  heißt  daher  von  char  (gehen),  cha-chär-a.  In  Grimms  8. 
und  9.  Conjugation  (ei,  äi,  1,  i  und  iu,  äu,  u,  u)  enthalten  die  Plu- 
rale  des  Prät.  die  Stammvocale,  daher  bhid  (spalten),  Prät.  bi-bhaid-a 
bibheda,  und  bhuj  (biegen),  Prät.  bü-bhöj-a.  —  Im  Got.  mögen  ursprüng- 
lich dieselben  Bildungen  gewesen  sein,  daher:  Stamm  band,  Prät.  bai- 
band; St.  qam,  Prät.  qai-qam;  St.  sat,  Prät.  sai-sät;  St.  far,  Prät.  fai-fär; 
bit,  Prät.  bai-bait;  bug,  Prät.  bai-bäug.   Nun  aber  wirken  die  sich  anfü- 


252  Ablautende  Verben. 

§.  7.  gonden  Endungen  auf  den  Vocal  des  Stammes  ein:  1)  Leichte  Endun- 
gen wirken  Erweiterung  des  Wurzellautes,  schwere  Endungen  mindern 
die  volle  Form  der  Wurzel :  sskr.  bhid  (spalten),  Prät.  bi-bhaida,  pl.  bi- 
bhid-ima.  —  Got.  bit,  Prät.  bait,  pl.  bitum.  Sskr.  bhuj,  Prät.  bu-bhauj-a 
bu-bhöj-a,  pl.  bu-bhuj-ima —  got.  bug,  Prät.  baug,  pl.  bug-um.  —  2)  Die 
Assimilationskraft  des  Flexionsvocals  wirkt  auf  den  Wurzelvocal  zurück. 
In  der  10.,  11.  und  12.  Conj.  wird  deshalb  durch  das  Vorherrschen  des  i 
in  den  Präsensendungen  das  wurzelhafte  a  in  i  verwandelt:  binda,  qvima 
und  Sita.  Das  Prät.  bai-band  bedarf  wegen  der  doppelten  Consonanz 
im  Auslaute  keiner  Verstärkung,  und  der  Plur.  in  voller  Form  bai- 
band-um  wird  durch  u  zu  baibundum,  das  sich  unter  dem  Einfluß  der 
schweren  Flexionssilbe  zu  bundum  verkürzen  konnte.  In  der  10.  und  11. 
Conj.  erklärt  sich  e  durch  vorliegendes  ä  das  für  sai-sät-um  in  abgekürz- 
ter Form  sätum  erscheint.  In  der  7.  Conj.  ist  för  aus  faifär  entstanden,  weil 
got.  ö  der  regelrechte  Vertreter  von  sskr.  ä  ist.  Die  8.  und  9.  Conj. 
verstärkt  die  Wurzellaute  i  und  u  im  Prät.  Sg.  zu  äi  und  äu,  daher 
bai-bäit  und  bai-bäug  und  im  Präs.  zu  beita  und  biuga.  Daher  Prät. 
bäit,  PI.  bitum;  bäug,  PI.  bugum. 

So  erscheinen  denn  gewöhnlich  drei  Vocale,  im  Präsens,  im 
Prät.  Sg.  und  im  PI.  und  da  die  Keduplication  nicht  mehr  fühlbar 
ist,  und  die  Unterscheidung  der  Formen  im  Vocalwechsel  beruhet,  so 
betrachtet  man  diesen  als  das  eigentliche  bildende  Element. 

Die  passiven  Participien  sind  keine  verbalen,  sondern  rein  ad- 
jectivische  Bildungen;  deshalb  steht  der  Vocal  auch  in  keinem  be- 
stimmten Verhältnisse  zum  Stamme.  Das  im  Sanskrit  beschränkt  ge- 
brauchte Suffix  na  wird  in  der  TJmkehrung  an  allgemeiner  im  Go- 
tischen und  dieses  schwächt  sich  im  Ags.  zu  en  ab.  Keduplication 
haben  die  Part,  nie  gehabt. 

§.  8.  Achtet  man  auf  den  Vocalwechsel  im  Präsens,   im  Prät.  Sg.  und 

PI.   und  im  Particip,   so  ergeben   sich  folgende  sechs  Klassen  ablau- 
tender Verben. 


1. 

Klasse  (XII. 

Gl 

•imm). 

Got. 

Präs. 

Prät. 

Sg.  a, 

PI.  u, 

Part.  u. 

Alts. 

- 

- 

a. 

-    ", 

-        0, 

u. 

Fries. 

- 

- 

a, 

-    u. 

u. 

Altn. 

- 

i,  e. 

- 

a, 

-    ^h 

u. 

Ags. 

- 

i,  e, 

eo; 

- 

a, 

ea. 

36; 

-   u; 

-      u, 

0. 

Ablautende  Verben. 


253 


2.  Klasse 

(XI. 

Grimm). 

Got. 

Präs. 

i,        Prät. 

Sg- 

a, 

PI.  e, 

Part.  u. 

Alts. 

- 

:, 

a, 

-    ä, 

- 

0. 

Fries. 

- 

i,  e, 

a,  e; 

-    ä,  e; 

- 

e. 

Altn. 

- 

i,  e, 

^, 

-    ä, 

- 

0. 

Ags. 

- 

i,  e, 

a,  ae; 

-     ä,  sb; 

- 

0. 

3.  Kl 

asse  (X. 

Grimm). 

Got. 

Präs. 

i,       Prät. 

Sg. 

a, 

PL  e, 

Part. 

i. 

Alts. 

- 

i, 

a, 

-    ä. 

- 

i. 

Fries. 

- 

i,  e, 

e,  a, 

-    e,  ä 

- 

e. 

Altn. 

- 

i,  e, 

a, 

-    ä, 

- 

e. 

Ags. 

- 

i,  e, 

dB,  a, 

A 

-      86, 

- 

e. 

4.  Klasse 

(VII. 

Grimm). 

Got. 

Präs. 

a,       Prät. 

Sg. 

ö, 

PL  Ö, 

Part. 

a. 

Alts. 

- 

a, 

ö, 

-    ö. 

- 

a. 

Fries. 

- 

a, 

ö, 

-    ö, 

- 

a. 

Altn. 

- 

a, 

ö, 

-    ö, 

- 

a. 

Ags. 

- 

a^  eaj      — 

ö, 

-    ö. 

- 

a,  ea 

5.  Klasse 

(VII] 

:.  Grimm). 

Got. 

Präs. 

ei,      Prät. 

Sg. 

äi, 

,  PI.  i, 

Part. 

1. 

Alts. 

- 

h 

e, 

-    i, 

- 

i. 

Fries. 

- 

h 

e, 

-    i, 

- 

1« 

Altn. 

- 

1, 

ei. 

-    i, 

- 

1. 

Ags. 

- 

1, 

ä, 

-   i, 

- 

i- 

6.  Klasse 

(IX. 

Grimm). 

Got. 

Präs. 

iu,      Prät 

.  Sg 

.  äu, 

PL  u. 

Part. 

u, 

Alts. 

- 

iu, 

ö, 

-    u. 

- 

0. 

Fries. 

- 

iu, 

ä. 

-    e, 

- 

e. 

Altn. 

- 

iu,  ü 

au, 

-    u, 

- 

0. 

Ags. 

- 

eo,  ü, 

eä, 

-    u, 

- 

0. 

§.  8. 


Die  Gleichmäßigkeit  und  IJebereinstimmung,  mit  welcher  der 
Ablaut  in  allen  diesen  Sprachen  vorkömmt,  beweist,  dal^  derselbe  mit 
Bewußtsein  als  Flexionsmittel  verwandt  wurde. 


254 


Ablautende  Verben  1.  Kl.  im  Aag^s. 


§.  9.    Ags.  1 .  Klasse.   Präs.  i,  e ;   Prät.  Sg.  a  (ea,  a), 

1.  Präs.  swelle  (scliwello),  Prt.  Sg.  sweall,    PI. 

gilpe  (rühme  mich),  gealp, 

helpo  (helfe),  healp, 

delfe  (gral)e),  dealf, 

melte  (schmelze),  mealt, 

swelte  (sterbe),  swealt, 

betelde  (bedecke),  beteald? 

gilde  (vergelte),  geald, 

melce  (melke),  raealc, 

beige  (zürne),  bealh, 

swelge  (schlinge),  swealh, 

feige  (trete  ein),  fealh, 

2.  swimme  (schwimme),  swamm, 
grimme  (wüthe),  gramm, 
hlimme  (krache),  hlamm, 
gelimpan  (sich  er-  gelamp, 

eignen), 

gerimpe  (runzle, 
rümpfe), 

climbe  (klimme), 

on-ginne  (beginne), 

linne  (höre  auf), 

spinne  (spinne), 

winne  (kämpfe), 

sinne  (sinne),  sann 

rrinne  (rinne),  rann, 

tirne,  eorne,  am, 

fhrinne  (brenne),  bran, 

(.birne,  beorne,  barn, 

Stinte  (werde  stumpf),  stant? 

J?rinte  (schwelle  j^rant? 
an)Exon.  315,  1. 

binde  (binde),  band, 

finde  (finde),  fand, 

]7inde  (schwelle  an),  )?and, 

grinde  (zermalme),  grand, 

swinde  (schwinde),  swand, 


PI.  u ;       Part,  u,  o. 
swullon,  Part,  swollen. 


clamb, 

ongann, 

lann, 

spann, 

wann. 


gulpon, 

hulpon, 

dulfon, 

multon, 

swulton, 

betuldon? 

guldon, 

mulcon, 

bulgon, 

swulgon, 

fulgon, 

swummon, 

grummon, 

hlummon, 

gelumpon, 


clumbon, 

ongunnon, 

lunnon, 

spunnon, 

wunnon^ 

sunnon, 

runnon, 

urnon, 

brunnon, 

burnon, 

stunton? 

]?runton? 

bundon, 

fundon, 

)7undon, 

gründen, 

swundon, 


golpen. 

holpen. 

dolfen. 

molten. 

swolten. 

betolden. 

golden. 

molcen. 

böigen. 

swolgen  und 

swelgen. 
be-folen. 
swummen. 
grummen. 
hlummen. 
gelumpen. 


geramp,        gerumpon,      gerumpen. 


clumben. 

ongunnen. 

lunnen. 

spunnen. 

wunneu. 

sunnen. 

runnen. 

urnen. 

brunnen. 

burnen. 

stunten? 

)?runten? 

bunden. 

funden. 

]?unden. 

gründen. 

swunden. 


Ablautende  Verben  1.  KI.  im  Aag-s. 


255 


3. 


äs.  winde  (winde),  Prt. 

Sg.  wand, 

PI.  wundon,    Part,  wunden. 

lirinde  (stolze,  Ex. 

hrand. 

hruudon? 

hrunden  ? 

436,  21), 

a-cwince    (ver- 

iicwanc. 

äcwuncon. 

äcwuncen. 

schwinde). 

drince  (trinke). 

dranc, 

druncon, 

druncen. 

for-scrince 

for-scranc 

,      for-scruncon. 

for-scrun- 

(schrumpfe  ein), 

cen. 

since  (sinke), 

sanc, 

suncon, 

suncen. 

swince  (mühe  mich 

swanc, 

swuncon, 

swuncen. 

ab), 

stince  (stinke). 

stanc. 

stuncon. 

stuncen. 

bringe  (bringe), 

brang? 

brungon? 

brungen. 

gecringe    (unter- 

gecrang, 

gecrungon, 

gecrungen 

liege). 

singe  (singe), 

sang, 

sungon, 

sungen. 

springe  (springe). 

sprang, 

Sprüngen, 

Sprüngen. 

stinge  (steche), 

stang. 

stungon, 

stungen. 

swinge  (schwinge, 

swang, 

swungon. 

swungen. 

schlage), 

gej^inge  (wachse), 

7ang? 

gej7ungon, 

gepimgen. 

n-inge  (dringe), 

>rang, 

?rungon. 

?rungen. 

wringe    (ringe, 

wrang, 

wrungon, 

wrungen. 

drücke). 

bringe  (läute), 

hrang, 

hrungon, 

hrungen. 

clinge  (welke), 

clang, 

clungon. 

Ölungen. 

?winge  (zwinge), 

?wang, 

7wungon, 

}>wungen. 

meorne  (traure), 

mearn, 

murnon. 

mornen. 

speorne  (trete). 

spearn. 

spurnon, 

spornen. 

weorpe  (werfe), 

wearp, 

wurpon, 

worpen. 

ceorfe    (kerbe, 

cearf. 

curfon, 

corfen. 

schneide). 

hweorfe  (kehre  um), 

hwearf, 

hwurfon. 

hworfen. 

steorfe  (sterbe), 

stearf. 

sturfon. 

storfen. 

deorfe  (mühe  mich 

dearf, 

dürfen, 

dürfen. 

ab,  gehe  unter). 

• 

weorde  (werde), 

weard, 

wurden. 

worden. 

berste  (berste). 

bearst. 

burston. 

borsten. 

?ersce  (dresche), 

7earsc, 

?urscon. 

?orscen. 

§.  <J. 


burgon, 

borgen. 

gefrugnon, 

gefrugnen. 

brugdon, 

Ijrogden. 

strugdon? 

strogden. 

fuhton, 

fohten. 

25G  Ablautende  Verben  1.  Kl.  im  Aags. 

§.  9.  Präs.  sweorce  (umwölke),  Prt  Sg.swearc,  PI.  swurcon,  Part,  sworcen. 

beorge  (berge),  bearh, 

4.  gefrögne  (erfahre),  gefra3gn, 
bregde  (bewege),                 braegd, 
stregde,  strede,  strsegd?, 

5.  fechte  (fechte),  feaht. 
Der  Stammvocal   ist   ursprünglich  a,    das   sich   im   Prä- 
sens  zu   i,   im  pluralen  Präteritum  und  Part.  Pass.  zu  u  ge- 
schwächt hat. 

1)  Präsens-i  bleibt  vor  m  und  n  unverändert;  vor  1  und  g  geht 
es  meist  nach  e,  und  vor  r  und  h  nach  öo,  sogar  in  setfeolan  (statt 
setfilhan,  setfeolhan)  Bed.  3,  5.  Ags.  i  wird  hinter  w  zu  u  in  wurpan 
und  wurdan  und  in  D  zu  o:  worpe  Mt.  7,4.  —  y  ist  oft  schlechte 
Schreibung  für  i,  —  rinne  und  brinne  laßen  Metathese  zu,  irne  und 
birne  und  in  Folge  derselben  wird  i  vor  r  zu  eo:  eorne,  beorne 
Eine  Kückwirkung  der  letzteren  Form  ist  das  abweichende  reonne 
SC.  963.  —  Neben  gefregnan  steht  frinan  (?  frinan)  B.  700.  C.  31, 
34  und  zeigt,  wie  n  befähigt  ist,  den  altern  Vocal  zu  erhalten,  wäh- 
rend neben  bregdan  e  in  brede  (?  brede)  bleibt,  und  stredan  (?  stre- 
dan)  Exon.  58,  24  neben  stregdan.  —  Durh.  Imperat.  cearf  (für  ceorf) 
Mt.   18,  8,  so  daß  es  mit  Prät.  of-cearf  14,  10  zusammen  fällt. 

2)  Der  Ablaut  im  Prät.  Sg.  bleibt  a  vor  m  und  n,  oft  mit  o 
wechselnd.  Er  bricht  sich  zu  ea  vor  11,  Ip,  If,  It,  Id,  Ic,  lg,  Ih,  r 
und  h;  nördliche  Dialecte  behalten  auch  hier  oft  a:  dalf  SPs.  7,  16. 
D.  Mt.  21,  33.  set-falh  Ps.  21,  16.  oder  haben  oea  für  ea:  forewoearp. 
D.  Mrc.  10,  50.  Die  Verdünnung  zu  e  oder  ae  ist  selten:  huerf  SC. 
633  AG.,  forbaerst  Exon.  70,  13.  Durh.  weard  ward  und  waerd  Mt. 
14,  23.  —  fraegn  wird  nach  Ausfall  des  g  zu  fran  befran  Cudb.  PI. 
gefrunon  Ex.  183,  29.  —  arn,  barn  (orn,  born)  entwickeln  sich  nicht 
zu  earn  und  bearn,  weil  die  ursprünglichen  Formen  ran  und  onbran 
rege  bleiben  C.  309,  19.  on-bran  203,  4. 

3)  Der  plurale  Ablaut  des  Prät.  u  bleibt  ohne  Schwanken. 

4)  Im  Particip  steht  u  vor  m  und  n,  sonst  o.  Zur  3.  Klasse 
neigt  sich  bregdan:  bregden  Exon.  219,  13.  brogden  El.  759.  broden 
B.  552;  fregnan:  neben  gefrugnen  Exon.  |197,  18.  hie  haefdon  ge- 
frunen.  B.  694.  gefrognen  D.  Luc.  17,  20.  steht  gefregen  Exon.  188, 
14  und  gefrigen  C.   177,  28. 


Ablautende  Verben  1.  Kl.  im  Nag-s. 


257 


Nags.     A.  Laga 

inon. 

1.  Präs.  swelle,  Prät.Sg.     ?             Fl 

.       ?           Part. 

swoUen. 

gelpe, 

gealp. 

gulpen, 

? 

helpe, 

halp, 

heolpen. 

? 

deine. 

? 

dulfen, 

idoluen. 

swelte, 

swaelt, 

swulten, 

? 

gelde  (u), 

? 

golden, 

? 

bel§e, 

an-baelh  (balh) 

/    ? 

abolgen. 

2.            swimme, 

swomm, 

swummen  (o), 

? 

ilimpe. 

ilomp, 

ilompen, 

ilumpen. 

climbe. 

clomb, 

clumben, 

iclumben. 

aginne, 

agon, 

gunnen, 

gunnen. 

iwinne. 

iwan,  iwon, 

iwunnen, 

iwunnen. 

irne,  eorne, 

orn  (ran), 

urnen. 

? 

beorne, 

born, 

burnen, 

? 

binde, 

bond, 

bunden, 

ibunden. 

swinde, 

aswond, 

? 

? 

winde, 

wond, 

wunden, 

wunden. 

finde, 

fond. 

funden. 

ifunden. 

iswincbe, 

swonc, 

swunken, 

? 

drinke  (ch), 

dronc. 

drunken, 

idrunken. 

sinke. 

sonk, 

sunken, 

isunken. 

singe, 

song, 

sungen. 

isungen. 

ringe, 

? 

rongen, 

irungen. 

springe, 

sprong. 

sprongen, 

ispronge. 

swinge. 

? 

? 

to-swungen. 

of-stinge, 

stong, 

stungen, 

istungen. 

]?ringe, 

?rong, 

7rungen, 

ij^rungen. 

3.            morne, 

mornede, 

morneden, 

imurned. 

weorpe, 

warp, 

wurpen. 

iworpen. 

kerfe, 

caerf  carf, 

curuen, 

coruen. 

wurde  (o). 

ward, 

iwurden, 

iwurden. 

berste, 

barst, 

bürsten, 

bürsten. 

swaerke, 

? 

swurken, 

? 

frseinie, 

freinede. 

frseined. 

brede? 

braid  breid, 

bruddon, 

.  ? 

fehte. 

faht  feaht, 

f  übten, 

iuohten. 

1)  Der  Präsenslaut  i   erhält  sich  vor  m  und  n, 

bisweilen  nur  e, 

wie    in    climben   A. 

clemben   B.   851 

,    swemme    B. 

28078,    iswenche 

Koch,  eng^l.  Grammatik 

I.     2.  Aufl. 

17 

§.   10. 


258  Ablautende  Verben  1.  Kl.  im  Nags. 

§.  10.  A.  20715,  sprenge  A.  28550.  Ferner  steht  e  in  swelle,  swelte,  berste 
und  kerfe.  —  Zu  e  tritt  ein  offenbar  gleichlautendes  se  in  delue 
14225  dajlfe  A.  5S13,  letzteres  allein  in  starke  A.  22030  und  fra^inie 
A.  171  IG.  —  e,  eo  und  a3  (a)  schwanken  in  geolpen  A.  gelpe  B.  12072, 
gffilpo  A.  gelpe  B.  7335;  helpo  G95,  helpen  A.  heolpe  B.  15031,  halpe 

A.  helpe  B.  17991;  berne  A.  16218,  beorne  A.  2858,  beerne  A.  154GG, 
werpe  A.  warpe  B.   10181,  weorpe  A.  wearpe  B.  6428,  worpe  A.  werpe 

B.  2488.  —  Neben  i(e)  steht  u  in  gelde  2208,  gulde  A.  gelde  B.  7372; 
agunnen  A.  agynne  B.  18760;  letzteres  allein  in  stunte  (aufhören)  31891. 

—  Am  meisten  schwankt  der  Laut  in  der  Metathese  des  verschwun- 
denen rinne:  irne  A.  earne  B.  21229,  irne  A.  heorne  B.  19750, 
erne  1G38,  a3rne  A.  herne  B.  8129,  eorne  A.  erue  B.  8130,  eaerne 
A.  erne  B.  6752,  urne  A.  eorne  B.  24696;  in  fehte  A.  fihte  B.  5528, 
faehten  A.  fihte  B.  4437,  fahten  A.  fihtenB.  5631,  feahten  A.  fihte  B.  5532, 
und  feihten  A.  fihte  B.  1491;  und  in  weorde,  iwurden  A.  776,  wrdan 
A.   1234,  iwurden  A.  iworde  B.  5441   etc. 

2)  Der  singulare  Ablaut  im  Prät.  a  und  ea  liegt  noch  entschie- 
den vor.  Jenes  oder  vielmehr  o  bleibt  durchgängig  vor  m  und  n, 
seltener  a:  gon  A.  gan  B.  28540,  biwan  A.  won  B.  4674,  at-ran  A. 
1554.  swonc  A.  swang  B.  7488,  sprang  B.  sprong  A.  21481;  ferner 
auch  in  den  Metathesen:    orn  A.   28068,   born  A.  barnde  B.   16217. 

—  Die  Brechung  ea  verengert  sich  gewöhnlich  zu  e,  ae  oder  a: 
gealp  A.  galp  B.  2870,  help  A.  halp  B.  9263,  swaelt  A.  (?)  26567; 
an-bselh  A.  abalh  B.  26359;  cserf  A.  carf  B.  4012;  ward  A.  2927, 
iwerd  A.  iward  2040,  iweard  A.  294;  for-berst  A.  barst  B.  1912,  to- 
barst  1921,  faht  4353,  feht  A.  11278,  feaht  A.  faj^t  1591,  fseht  A. 
faht  B.  27747.  —  Auch  ags.  se  schwankt  nach  e:  ibraeid  A.  breid  B. 
5193,  braid  A.  breid  B.  1454,  abrseid  A.  breid  B.  26533;  i  ist  er- 
weichtes g:  braegd. 

3)  Der  plurale  Ablaut  ist  dem  Verderbniß  ausgesetzt.  Denn  in- 
dem u  sich  zu  0  verdunkelt,  begegnet  es  oft  dem  singularen  Ablaute, 
seine  Bedeutung  wird  unklar  und  sein  Verlust  vorbereitet,  u  erhält 
sich  in  dulfen,  clumben,  urnen,  burnen,  bunden,  wunden,  funden, 
sunken,  bürsten,  swurken.  —  Zu  u  gesellt  sich  o  in  swommen  1342, 
agunnen  A.  agonne  B.  21034,  iwunne  A.  biwonne  B.  6036,  drunken  A. 
dronke  B.  13465,  ]?rungen  A.  )?ronge  B.  22883,  24550,  curuen  A. 
corue  B.  21875.  —  o  steht  allein  und  der  plurale  Ablaut  fällt  mit 
dem  singularen  zusammen  in  ilompen  A.  31791;  eo  in  heolpen  A. 
28394;    u   und   eo   in   wurpen   A.   worpon   B.   10828    und  weorpen  A. 


Ablautende  Verben  1.  Kl.  im  Nac-s. 


259 


worpen  B.  22781,  bruddon  A.  20335  und  breoden  A.  breiden  B.  15260.  §.   10. 
—  Endlich  dringt  der  singulare  Ablaut  in  den  Plural:   in  swulten  A. 
6071    und   swelton   A.   aswalten    B.    27471;    füllten  A.   folite  B.  576, 
fohten  A.  foj^ten  B.  12S7,  fechten  A.  fohte  B.  6806,  feuhten  A.  fohten 
B.  27568,   fehten  A.    fohte  B.  7941;  iwurden  A.  29555  und  iwaerden 

A.  wor|>e  B.  71S5. 

4)  Im  Particip  erhält  sich  u  meist  vor  m  und  n:  ifunden,  isun- 
ken,  irungen,  doch  stellt  B.  gewöhnlich  o  gegenüber:  atwunden  A. 
atwonde  B.   12869,  drunken  A.  drongken  B.   14285,  isungen  A.  isonge 

B.  24549,  ispronge  B.  26090,  istunge  A.  of-stonge  B.  27597.  In 
ilimpen  steht  sogar  der  Präsenslaut  28102,  wahrscheinlich  durch  das 
schwache  ilimped  27135  veranlaßt,  und  der  singulare  Ablaut  des  Prät. 
in  iwan  A.  7706.  —  Sonst  steht  o:  idoluen,  abolgen,  worpen,  iuohten; 
nur  iwurden  A.  iworj^e  B.  8790  und  iworden  3733,  und  neben  iburst 
22284  ein  schwaches  ibirsted  A.  bursted  B.  18950. 

Die  Endung  der  Part,  ist  in  A.  fast  stets  -en,  in  B.  ist  u  ge- 
wöhnlich abgestol^en. 

5)  Schwach  geworden  sind:  Prät.  born  A.  barnde  B.  16217,  mor- 
nede  3116,  murnede  A.  18714,  derfde  A.  8731,  freinede  A.  29487, 
clumben  A.  clemde  B.  23885,  ringeden  A.  rongen  B.  24486.  Part. 
murned  A.   13472  und  iderued  A.  18715. 

B.  Orm. 
1.  Präs.  gellpe,  Prät.  Sg.  gallp  ?  PI.  gullpenn  ?      Part,  gollpenn. 


2. 


hellpe, 

hallp  1342, 

hullpenn. 

hollpenn 
6201. 

dellfe, 

dallf? 

dullfenn? 

doUfenn? 

swellte. 

swallt  4405, 

swulltenn8019, 

swolltenn? 

gelde, 

gald? 

guldenn? 

goldenn  6239. 

bellghe, 

ballh? 

bullghen  ? 

bollghenn 
7145. 

swollghe. 

swallh  14592, 

swollghenn? 

— 

bilimmpe, 

bilammp 

bilummpenn? 

bilummpenn 

1929, 

2905. 

biginne, 

gann  2805, 

bigunnenn. 

bigunnenn 

6884, 

4011. 

blinne, 

blann  14565, 

blunnenn? 

•  blunnenn? 

winne, 

wann  12312, 

wunnenu  10175, 

wunnenn  6112. 

(rinne)  erne. 

rann  1364, 

? 

runnenn? 

eorne, 

17 


260 


Ablautende  Verben  1.  Kl.  im  Nags. 


§.   10.      Präs.  binde,  Prät.Sg.  band  3592,  PI. bundenn  15820, Part.bundenn  2971 


3. 


finde, 

fand  12750, 

fundenn  3400, 

funndenn 

winde, 

wand  3320, 

wiindenn? 

wundenn 
3320. 

drinnke, 

draunc  1374, 

druniikenn, 

drunnkenn 

4707, 

14014. 

swinnke, 

swannc 

swunnkenn  ? 

swunnkenn 

17699, 

6103. 

stinnke. 

stannc  8077, 

stunnkenn  8194, 

? 

sinnke, 

sannc? 

sunnkenn? 

sunnkenn 
14569. 

singe. 

sang? 

sungenn  3373, 

sungenn  ? 

springe, 

sprang  10258, 

sprungenn? 

sprungenn 
511. 

stinge, 

stang? 

stungenn  17441, 

stungenn 
17413. 

j^ringe? 

7rang? 

?rungenn? 

forr-]?rungenn 

6169. 
bi-}>rungenn 

14825. 

clinge, 

clang? 

clungenn  ? 

for- clungenn 
13851. 

werrpe, 

forr-warrp 

wurrpenn? 

worrpenn 

811, 

14781. 

wurr}>e, 

warr]?  3003, 

wurrdenn  3343, 

wurr]?enn 
12825,1888. 

to-bresste, 

att-brasst 
14734. 

brusstenn? 

?resslie  1481, 

7rassh? 

7russhenn? 

?rossbenn 
1530. 

berrgbe. 

barrh? 

burrghenn? 

borrglien3248. 

1)  Im  Präsens  steht  vor  m  und  n  stets  i,  außerdem  e;  und  nur 
wurrj?enn  3527  und  swollghenn  10224  sind  auffallend.  —  Metathese 
in  erne  6969,  eorne  4165.  —  Stinnte,  ringe,  grinde,  swinge  und 
fihhte  kommen  zwar  vor,  aber  nicht  ihre  Ablautformen. 

2)  Der  singulare  Ablaut  zeigt  nicht  das  mindeste  Schwanken, 
überall  steht  a;  auffallend  ist  nur,  daß,  während  sonst  stets  doppelte 
Consonanz  steht,  die  Verdopplung  des  n  vor  media  unterbleibt:  band, 
fand,  wand,  sprang. 


Ablautende  Verben  1.  Kl.  im  Ae. 


261 


3)  Ebenso  fest   zeigt  sich  auch  der  pliirale  Ablaut,  aber  auch  hier  §.   10. 
einfache  Consonanz  vor  media:  buudeun,  fundenn,  sungenn,  stungenn; 
hullpen  ergibt  sich  aus  dem  conj.  praot.  hullpe  12033. 

4)  Die  Part,  haben  u  vor  m  und  n,  sonst  o,  neben  worrpen 
forrwurrpenn  1920.  Die  Endungen  sind  voll.  —  fraggnenn  ist  schwach 
12999.     Part,  fragguedd  12975.     Noch  jetzt  in  Lanc. 

Ae. 
1 .  Präs.  helpe,  Prät.  Sg.  help  KG. 

halp  PL. 


Pl.holpeRG.    Part.yholpe  RG. 
helped  Ps. 


2. 


delue, 

dalf  RG., 

dolue  RG. 

doluen  Ps. 

melte, 

melted, 

molten  Ps. 

gelde, 

gold  RG.  Tr. 

gald  PL. 

golden  PL.  Ps. 

gald  PL. 

geld  PL. 

ygolde  RG. 

swelghe, 

swelghed  Ps. 

clim(b)  RG. 

clam  RG. 

clommpe  RG. 

yclombe  RG. 

clam(b)  Tr. 

clombe  Tr. 

swim, 

swam  RG. 

swam  PL. 

ginne, 

ganRG.PL.Ps. 

gönne  RG. 

gun  Tr. 

gan  PL.  Ps. 

ygonne  RG. 

winne, 

wan  won  RG. 

wonne  RG. 

Wonnen  PL. 

wan  Tr. 

ywonne  RG* 

frinne  irne 
(renne 

ran  PL.  Ps. 

ran  PL. 

rönnen  PL. 

orn  RG. 

rönne  RG. 

yronne  RG. 

fblinne 
llin  Ps. 

blanne  PL. 

blonne? 

blonnen. 

lan  Tr. 

binde 

bondRG.PL.Ps. 

boude  PL. 

bonden  (u)  PL. 

band  PL.  Ps. 

bounde  RG. 

ybounde  RG. 

finde 

fond  RG. 

fonde  RG. 

yfonde(ou)  RG. 

fand  PL. 

founde  RG. 

funden. 

winde, 

wandwondPL. 

wond  PL. 

wonden  PL. 

drinke, 

drank  Ps.  PL. 

dronke  PG. 

ydronke  PG. 

dronk  RG. 

drunken  Ps. 

drunk  Ps. 

sinke 

sank  Ps. 

swnken  Ps. 

senken  PL. 

stinke 

stank  PL. 

stonken? 

stonken? 

swinke 

swank  Ps. 

swonke  PG. 

yswonke  PG. 

singe 

sang  Ps. 

songen  Ps. 

sungen  Ps. 

song  RG.  Tr. 

songe  RG. 

ysonge  RG. 

]?ringe 

thrang  Ps. 

throngen? 

thrungen  Ps. 

springe 

sprongRG.PL. 

spronge  RG. 

sprongen  Ps. 

11. 


202 


Aljlautendc  Verben  1.  Kl.  im  Ae. 


§.    11. 


3. 


ringe 

Prät.  S 

>g.rong  RG. 

PLronge? 

Part,  yronge? 

wringe 

wrong  Tr. 

wrongen? 

wrongen? 

slinge 

slong  RG. 

slongen? 

slongen? 

sting 

stong 

stongen? 

stiingen  Ps. 

Swing 

SWOllg 

swongen? 

swiingen  Ps. 

kerne 

carf  PL.  RG. 
kerf  RG. 

corue  RG. 

ycorue  RG. 
corn  PL. 

werpe 

warp  Ps. 

— 

berste 
brede 

barst  RG. 

brast  Tr. 
braid  PL. 

börste  RG. 
to-bred  Ps. 

yborste  RG. 

rfihte 
Ifygte 

Tr. 

fagt  RG. 

fogte  RG. 

yfogte  RG. 

RG. 

faght  Ps. 

ifought  RG. 

1)  Im  Präsens  i  vor  m  und  n,  und  in  fihte  fygte  RG.  502; 
sonst  e;  nur  o  in  worf>e  12010,  forworthe  Ps.  1,  6. 

2)  Der  singulare  Ablaut  des  Prät.  ist  vor  m  und  n  bei  RG.  meist 
0,  in  PL.  a,  in  Ps.  a:  clam(b)  RG.  6990,  blan  Ps.  31,  3.  Manne  bi- 
ganne  PL.  1137,  gan  RG.  11706,  orn  8830,  ran  PL.  151.  wan  RG- 
136,  won  7935;  band  PL.  788,  bond  5891,  fond  RG.  303,  dronk 
2528,  rong  10638,  song  10612,  slong  11230,  sprong  2857;  thrange 
Ps.  77.  59.  swank  6,  7  etc.  —  Außerdem  steht  a  in  halp  PL.  996, 
dalf  RG.  2782.  warp  Ps.  77,  67,  carfe,  brast  PL.  7011,  fagt  RG.  3402; 
nur  geld  8586,  gold  1797  und  gald  PL.  1261. 

3)  Der  plurale  Ablaut  ist  bisweilen  noch  unterschieden,  besonders 
in  Ps.,  wie  in  drunken  68,  13,  stungen  29,  13.  songen  68,  13;  viel- 
leicht auch  in  holpe  RG.  12071  neben  halp;  jedoch  fällt  er  oft  mit 
dem  singularen  zusammen,  wie  in  swam  PL.  7170,  gan  13,  ran  15. 
wan  16,  fand  1948.  Ps.  76,  6,  drank  68,  22.  stangen  4,  5;  meist  be- 
gegnen sich  schon  Sg.  und  PI.  in  o. 

4)  Im  Part,  wird  u  seltener,  am  meisten  noch  in  Ps.:  funden 
9,  36,  swnken  68,  34,  sungen  70,  23,  J^rungen  72,  22;  gewöhnlich  o: 
yholpe  RG.  8510,  dolven  Ps.  93,  13,  molten  74,  4,  ygolde  RG.  12135. 
rönnen  PL.  340,  wonnen  339,  ywoune  RG.  1849,  wenden  PL.  4910, 
senken  6401,  sprengen  Ps.  84,  12,  swongen  72,  5.  corn  (für  corven) 
PL.  5883,  yfogte  RG.  1492.  Neben  o  bringt  RG.  ou:  ibounde  10118, 
ifounde  etc. 

5)  Schwach  Prät.  swelted  Tr.  1,  22,  swelghed  Ps.  123,  3,  arnde 
RG.  8333  neben  ran  und  orn.  —  Part,  helped  Ps.  27,  7.  —  Tr.  da- 
gegen führt  4,  1  to  fling  ein. 


Ablautende  Verben  1.  Kl.  im  Me. 


263 


Me. 

1.  Präs.  to-s welle  Prt. 

Sg.  swall         PI 

.  swoUen? 

Part,  swollen. 

helpe 
delue 

lialp 

helpede 
jdalf 
jdeluide 

bolpen 
belpeden 

doluen 
deliieden 

bolpen. 
helped. 

doluen  (un) 
deluen. 

melt 

(malt 
tmeltide 

meltiden 

moltun(en). 
meltid. 

suelt 

swelt 

gelde 
geeld 

igolde 
<gald  geld 
(geldide 

golden 
gelden 
geldeden 

goldun(en). 
golde 

2.          swimme 

swam 

swommen? 

swommen? 

climbe 

jclamb 
Iclomb 

clamben 
clomben 

clomben. 

'biginne 
beginne 
blinne 

fgan 

jbegan 

blan? 

gönnen  (a) 
bigunnen 

blonnen? 

bigunnen. 

bigonne. 

blonnen? 

spinne 

Span? 

spönnen? 

spönnen. 

"winne 

fwan 
jwaan 

Wonnen 

Wonnen. 

renne 

fran 

[rennede 

runnen 
rönnen 

runne. 
rönnen. 

Stinte 

— 

— 

stenten. 

binde 
finde 
grinde 
winde 

Jbond 
jbounde 

fond 
foond 

gronde 
■  grinte 

wond 

bounden 

fonden 
foo(ou)nden 

gronden? 
wounden 

bounden. 

ybound. 

founden. 

grounden. 
yground. 

wounden. 

sinke 

sank  (o) 

sonken 

sonken. 

drinke 

drank 
dronk 

dronken 

drunken. 
dronken. 

sbrinke 

shrank 

shronken 

forshronken. 

swinke 

swank 

swonken 

swonken. 

stinke 

1  stank 
jstonk 

stunkeu 
stonken 

stonken. 

ringe 

rong 

rongen 

rongen. 

singe 

fsang 
jsoong  (o) 

songen 

sungen. 
songe. 

§.    12. 


264 


Ablautende  Verben  1,  Kl.  im  Me. 


3. 


stingö    Trat. 

Sg.stong 

PI.  stongen 

Part,  stongen. 

springe 

prang  (o) 
jsproong 

siirongen 

Sprüngen. 

spronge(n). 

thringe 

throng 

thrungen 

throngen. 

wringe 

wrong 

wrongen 

wrongen. 

kerne 

(karf 
jkeruyde 

koruen 

koruun. 

corven. 

sterue 

starf 

storven 

ystorven. 

worth 

worth 

— 

breste 

brast 

brosten 

brosten. 

brost 

bristen 

borsten. 

jbreste 

barsten 

(barst 

threshe 

threscbide 

threschiden 

throsshe. 
threschid. 

breide 

to-brajd 

to-braygede 

figte 
feigt 

Uagt 

fogten 

foogte. 

^f äugte 

fougten 

fougten. 

(faiigbt 

foughten 

foughte(n). 

4. 


1)  Im  Präsens  steht  i  (y)  vor  m  und  n  bis  auf  renne  2  Kgs.  18, 
19.  PP.  332  und  das  schwach  gewordene  brenne;  neben  drinken  auch 
drenken  Euth  2,  9;  ferner  in  figte  fihte  Mau.  18.  feigte  A.  figte  B. 
Gen.  49,  19.  —  o  (ou)  steht  nur  in  worthe  und  in  den  schwachen 
spornen  Ps.  21,  23  und  mournen  A.  mornen  B.  Mt.  5,  5.  —  Sonst 
steht  überall  e. 

2)  Im  Prät.  Sg.  schwankt  der  Ablaut  vor  m  und  n  zwischen  a 
und  0.  Wycl.  bestätigt  die  in  Orm  angedeutete  Vocallängo  he  foonde 
A.  foond  B.  Mt.  26,  40.  he  soong  A.  song  B.  Ex.  15,    1.  he  sproong 

A.  Gen.  26,  1.  he  bounde  Mt.  14,  3.  —  a  steht  in  swal  Ch.  6549, 
swale  13490,  malt  Ch.  T.  1,  582,  starfe  Ch.  935,  fagt  A.  fangt  B. 
Jud.  1,  5.  und  faugte  Ex.  17,  8.  faught  Ch.  401.  foughte  Mau.  5.  a- 
braide  Ch.  15014.  to-brayd  A.  to-braidide  B.  Luk.  9,  42.  —  o  in  worth 
PP.  2792. 

3)  Der  plurale  Ablaut  erhält  sich  in :  thei  bigunnen  Judg.  20,  20. 
runnen  Jud.  9,  6.  stunken  A.  Ps.  37,  6.  thrungen  PP.  3522;  drunken 

B.  Gen.  24,  54  etc.;  ferner  in  o  singularem  a  gegenüber:  holpen  PP. 
4009.  dolue  A.  delueden  B.  Ps.  21,  17.  gönnen  Ch.  11230.  senken 
Mau.  9,  storve  Ch.  12822.  fogten  A.  fougten  B.  Is.  29,  7.  Oft  aber 
sind  die  Yocale  gleich;  golde  und  golden  A.  geldiden  Deeds  4,  33. 
clomb  und  clomben  Ch.  3636.  gan  Ch.  T.  2,  194,  fond  und  fonden  A. 


Ablautende  Verben  1.  Kl.  im  Me.  und  Ne.  265 

foiinden  B.  Gen.  20,   19.    foond    und    foonden  A.  founden  B.  Judg.  3,   §.   12. 
25.  boiinde  und  boundun  Judg.   15,   13.    brost  und  brosten  Jer.  5,  5. 
Waren  faulte  und  foulten  verschieden? 

4)  Im  Particip  wechseln  o  und  u  vor  m  und  n:  bigunnen  A.  bi- 
gunne  B.  Gen.  11,  6.  drunkun  A.  drunke  B.  Gen.  24,  19.  Sprüngen  A. 
Mt.  13,  5.  sprongun  A.  Gen.  25,  4.  rönnen  Pref.  Seite  63.  Ch.  und 
Mau.  haben  o:  clomben  Ch.  14712,  wonne  51,  begönne  52,  songe  268. 
—  Vor  nd  erweitert  sich  der  Laut  zu  oo,  ou:  bounden  Mt.  16,  19. 
Mau.  4.  ybounde  PP.  3537.  Ch.  4058.  found  4057.  founden  Mt.  1,  18. 
Mau.  7.  grounden  Ch.  16228.  —  Vor  r  und  1  steht  nur  o:  coruen 
A.  Hos.  14,  1.  ycorven  Ch.  2015.  borstun  A.  Dan.  14,  26.  brosten  A. 
Gen.  7,  11.  swollen  Ch.  pers.  goldun  A.  Gen  41,  13.  golde  Prov.  7,  14. 
foogte  A.  fougte  B.  Jes.  20,  1.  foughten  Ch.  62,  yfoughte  PP.  4101. 
Die  Endung  ist  bei  Wycl.  gewöhnlich  en,  bisw^eilen  un;  bisweilen 
und  bei  Ch.  gewöhnlich  ist  n,  selbst  en  abgestol^en:  bigun  A.  Gen. 
24,  54.  ybound  Ch.  4058.  yground  4006. 

5)  Neben  starken  Formen  stehen  schwache,  im  Prät.  halp  Mau. 
28.  PP.  13213  und  helpide  Rom.  16,  2;  dalf  Mt.  25,   18  und  deluyde 

A.  Gen.  21,  30;  gald  PP.  7856.  golde  A.  geldide  B.  Gen.  31,  39.  geld  A. 
Job.  29,  11,  gildide  A.  geldide  B.  Gen  20,  14;  ran  Mt.  28,  9  und 
rennede  A.  ran  B.  Gen.  24,  20;  karf  Arnos  1,  13.  Ch.  7826.  karf  B. 
keruyde  A.  4  Kgs.  15,  16;  brast  Ch.  5117.  to-barst  A.  to-brast  B.  Deeds 
1,   18.  brost  Ch.  5091.  to-breste  2613;   —    im  Part,  holpe  A.  helpid 

B.  Ps.  85,  17.  doluen  Judg.  6,  32.  deinen  6,  31;  moltun  B.  moltid  A. 
Ex.  16,  21.  meltid  B.  Ps.  118,  139;  throsshe  A.,  threischid  B.  Jes. 
28,  27  und  threshid  Jes.  25,   10. 

Nur  schwach  sind,  im  Prät.  swelt  Ch.   1358.  brende  PP.  12021, 
threschide  B.  Judg.  6,  11. 

§.   13. 


Ne. 

.  Präs.  swell, 

Prät.  swelled, 

Part. 

swöllen  swöln  swelled. 

help. 

helped,  hölp, 

helped,  hölpen. 

melt, 

melted,  molt. 

melted,  moltea. 

swim, 

swäm  swüm. 

swüm  swäm. 

climb, 

climbed,  clömb. 

climbed,  clömb. 

begin, 

begän,  begün, 

begün. 

spin, 

spän,  spün. 

spün.    • 

Win, 

wön, 

wön. 

rün, 

ran, 

rün. 

bind, 

böünd, 

böünd. 

2G6 


Ablautende  Verben  I.  Kl.  im  Me. 


§.  13. 


Präs.  Hnd, 

Prät.  föünd, 

Part.  föLind. 

gnnd, 

gröünd, 

gröünd. 

wind, 

wöünd, 

wöünd. 

drink, 

dränk,  drünk, 

drünk. 

shrink, 

shrunk,  shrünk. 

slirünk. 

sink, 

sank,  sünk. 

sünk. 

stink, 

stank,  stünk, 

stünk. 

slink, 

slänk,  slünk, 

slünk. 

ring, 

rang,  rühg. 

rüng. 

sing, 

sang,  süng, 

süng. 

spring, 

sprang,  sprüng. 

sprüng. 

cling, 

cläng,  cliing. 

clüng. 

fling, 

flüng, 

flüng. 

sling, 

slüng, 

slüng. 

sting, 

stiing. 

stüng. 

Swing, 

swüng, 

swüng. 

wring, 

wrüng. 

wrung. 

3. 

bürst. 

bürst. 

bürst. 

4. 

fight, 

fought  (ä), 

fought  (ä) 

1)  Vergleicht  man  diese  Verben  mit  der  Liste  der  ags.,  so  sind 
außer  Gebrauch  gekommen:  swelt  (Sc.  swelt  erstickt),  beteld,  filh, 
grim  (Präteritum  gran  Lanc),  lim,  limp,  rimp,  lin  blin  (Sc),  sin, 
thrint,  rind,  swind,  cwink,  thring  (thrang  Sc),  thwing,  werp,  werf, 
derf,  worth  (noch  Ezek.  30,  2  im  conj.  woe  worth  the  day),  berg, 
swerk,  frain  (Hallam.),  bred  und  stred.  —  Von  ags.  cwedan  hat  sich 
nur  das  alterthümliche  Prät.  quöth  erhalten. 

2)  Schwach  geworden  sind  to  milk,  yield  (Prät.  yold  Sp. 
3,  9,  28.),  swallow  (aus  swelge),  hello w  (aus  beige),  stint,  burn, 
(Prät.  barn  Gh.,  to  bran  North,  brun  SLanc),  mourn,  spurn,carve, 
burst  (Prät.  barst  und  brast  Cumb.,  SLanc ,  borst  Ch.  Part,  barsten, 
borsten  Gh.,  brussen  brossen  North.),  starve  (sterve  Gh.  Part,  storven), 
thresh,  cringe. 

3)  Manche  mischen  starke  und  schwache  Formen,  und  zwar  star- 
kes Prät.  und  schwaches  Part,  to  climb  clomb  climbed  (Prät.  clam 
und  dum  S.  Gray.,  clomb  Suff.  Heref.  Part,  clomb  Suff.);  schwaches 
Prät.  und  starkes  Partie  to  delve  delved  dolven;  to  melt  melted 
molten,  to  swell  swelled  swollen  swoln  Sh.  T.  2,  1.  WS.  Ken.  3.  — 
Doch    ist  molten   mehr  in   adject.  Gebrauch:    a  current   of  molten 


Ablautende  Verben  1.  Kl.  im  Ne.  267 

lead.  WS.  Ken.  32.  lu  other  part  stood  ono  who  at  tlio  forge  la-  §.  13. 
bouring  two  massy  clods  of  iron  and  brass  had  melted.  M.  pl.  11, 
560.  wenn  aiicli  HB.:  tlie  mountains  sball  be  molten  undor  him.  Mic. 
1,4.  —  Neben  swollen  ist  swelled  schon  mehr  in  Gebrauch.  — 
Prcät.  holp  (Sir  Kobert  never  holp  to  make),  Sh.  KJ.  1,  1,  Part,  holp 
(Sh.  E.  4,  1:  a  man  is  well  holp  np  that  trusts  to  jon.  He  hath 
holp  to  eat  it.  Much.)  sind  als  veraltet  zu  betrachten,  obgleich  HB. 
das  Part,  holpen  stützt;  im  Prät.  aber  helped. 

4)  Stark  flectieren  noch  folgende,  die  a)  den  singularen  Ablaut 
des  Prät.  und  den  Laut  des  Particips  bewahrt  haben,  wie 

to  swim,  swam,  swum;  begin,  began,  begun  (das  veraltete 
Simplex  noch  Sh.  Mach.  1,  2:  as  whence  the  sun  gins  her  reflection); 
run,  ran,  run;  drink,  drank,  drunk  (die  volle  Form  drunken  ist 
Adjectiv  geworden);  shrink,  shrank,  shrunk;  sink,  sank,  sunk; 
ring,  rang,  rung;  sing,  sang,  sung;  spring,  sprang,  sprung.  Die 
a-Formen  scheinen  sich  wieder  zu  befestigen,  obgleich  auch  hier  u 
eingedrungen  war:  the  floating  vessel  swum  uplifted  M.  pl.  U,  745. 
the  work  begun  7,  93.  the  slumber  sunk  down  on  him.  WS.  Ken.  12. 
she  shrunk  back  4.  he  sprung  into  the  midst  of  a  thicket  of  shrubs. 
20,  20.  tili  the  amorous  bird  of  night  sung  spousal  M.  pl.  8,  519.  the 
faithful  armies  rung,  Hosanna  to  the  Highest  6,  204.  up  I  sprung 
8,  259.  —  Dieses  u  drang  aus  dem  Part.  vor.  Umgekehrt  zeigt  sich 
auch  a  bisweilen  im  Part.  I  will  scarce  think  you  have  swam  in  a 
Gondola  Sh.  As.  4,  1.  I  had  no  sooner  drank  Tattl.  131.  thy  bro- 
ther's  blood  the  thirsty  lance  hath  drank.  Sh.  Letztere  Bildungen 
sind  ungebräuchlich.  —  Ben.  Jons,  hat  win,  Prät.  wan  won,  Part, 
won  und  ebenso  fling,  ring,  wring,  sing,  sting,  spin,  drink,  sink, 
spring,  begin,  stink,  shrink,  swing,  swim;  Wall.  Prät.  und  Part, 
wonne,  spun,  begun,  swum,  sung,  stung,  flung,  wrung,  sprung,  swung, 
drunk,  sunk,  shrunk,  stunk  und  Prät.  auch  began,  sang,  rang,  sprang, 
drank  etc. 

b)  solche,  welche  im  Prät.  und  Part,  einen  Laut  haben,  wie  u 
in  to  spin  spun,  to  stink,  slink,  sting,  fling  (flang  Crav.),  swing, 
wring,  cling  und  das  neue  st  ring,  und  diesen  schließt  sich  das 
lautlich  gleiche  win  won  an;  ferner  die,  welche  ein  aus  langem  o  er- 
wachsenes ou  haben,  wie  bind  bound,  find  found,  grind  ground, 
wind  wound,  und  fight  fought  (ou  für  ä,  daher  noch  faft  foffen 
Crav.,  feight  feighten  Westm.),  die  alte  vollere  Form  foughten  nur  in 
der  Phrase:  a  well-foughten  battle.  —  to  wind  (blasen)  sollte  schwach 


268 


Ablautende  Verben  2.  Kl,  im  Ags. 


§.   13.   flectieren  als  Ableitung  von  wind, 
(winden)  verwechselt:  bat  scarce 
WS.  Lady. 
§.   14.  Zweite  Klasse  Präs.  i,  Prät. 

Ags. 
I.Präs. cwele,  sterbe,         Prät. Sg. 
hele,  liehle, 
Stele,  stehle, 

2.  nime,  nehme, 
cwime,  komme, 
cume. 

3.  bere,  trage, 
scere,  scheere, 
tere,  zerreiße, 

4.  sprece,  spreche, 
brece,  breche, 


doch  wird  es  bisweilen  mit  to  wind 
again  his  hörn  he  wound,  when  etc. 

Sg.  3d,  a,  PI.  £e,  Part,  u,  o. 


cwael,       P] 

.  cwa;lon, 

Part,  cwolen. 

hal. 

hselon, 

holen. 

stael, 

stselon, 

stolen. 

nam  nom. 

nämon, 

numen. 

cwam. 

cwämon. 

cumen. 

cwom,  com, 

cOmon, 

bser, 

b«ron, 

boren. 

(ge)sc8er. 

sc^ron, 

scoren. 

taer. 

teeron, 

toren. 

spraec^ 

spr^con, 

sprecen 

braec. 

brsecon. 

brocen. 

Der  Stammvocal  ist  a  (ae),  das  sich  im  Präsens  zu  i 
(e),  im  Part,  zu  u  (o)  geschwächt  und  im  Prät.  PI.  zu  ä  (se) 
gesteigert  hat. 

1)  Der  Präsensvocal  haftet  nur  vor  m  in  niman.  Die  Schwan- 
kungen desselben  in  nioman  D.  Mt.  26,  52.  neoman  Bed.  4,  11.  scheinen 
durch  a  zweiter  Silbe  veranlal^t  zu  sein  und  sind  selten  im  westsächs. 
Dialecte,  häufiger  in  Durh.  Dagegen  in  cwiman  geht  i  unter  der  Ein- 
wirkung des  w  in  u  über:  cuman.  —  Vor  1,  r  und  c  steht  e,  das 
sich  selten  zu  eo  bricht  und  in  Durh.  zu  ea:  forsteala  Mt.  6,  19. 
beara  3,  13. 

2)  Der  singulare  Ablaut  bleibt  nur  vor  m  und  schwankt  hier 
nach  o:  nom  B.  1612.  ge-nom  D.  Mt.  13,  19.  cwom  B.  419.  und  mit 
w  zusammenfliel^end  wird  es  be-com  B.  2992.  Sonst  steht  ae,  das 
selten  durch  e  vertreten  ist:  gescer  (Grein  gescaer)  B.  2973.  gebrec 
D.  Mt.  12,  4.  gebraecc  14,  19. 

3)  Der  plurale  Ablaut  ist  ä  vor  m,  nach  ö  schwankend:  nämon 
B.  298G.  Mt.  14,  20.  genömon  D.  Mt.  14,  12;  cwämun  Ps.  34,  15.  cuO- 
mon  D.  Mt.  14,  12.  cömon.  —  Außerdem  ae,  das  selten  mit  e  wech- 
selt: forstelun  D.  Mt.  28,   12.  gebrecon  D.  Mt.   13,  4. 

4)  Im  Part,  steht  u  ebenfalls  nur  vor  m:  numen  B.  1153;  sonst 
o:  biholen  B.  414.  gestolen  Ine.  57.  bescoren  Wihtr.  8.  brocen  B.  2063. 
Nur  sprece  zeigt  sprecen,  gesprecen  El.  1285.  D.  Luc,  1,  55,  obgleich 


Ablautende  Verben  2.  Kl.  im  Nae-s. 


269 


Ahd.   und  Alts,   sprocen    erwarten  laßen.  —  Diirb.  bat  neben  cuma(n)   §,  14. 
und    cumen    aucb    cyma    uud    cymen,    auch   Imp.    cym,   Part,    cymen, 
Exon.  5,  8.  23,  22. 

Nags.     Lag.  §.   15. 

1 .  Präs.  btele,  belle,    Prät.  Sg.  helede, 

Stele, 

2.  nime 


fkume, 
jcome, 

3.  bere, 

jscere  (sere), 
[scbaere, 

tere, 

4.  breke, 

jspeke, 
jspaeke, 


1)  Die  ags.  Präsenslaute  bleiben  nur  i  in  nime,  u  (o)  in  cume, 
e  in  den  übrigen  Verben.  Zu  letzterem  treten  die  Lag.  eigenthüm- 
licben  Schwankungen:  hele  und  hsele  A.  15217,  stele  B.  steolen  A. 
2353,  beren  A.  beare  B.  18223,  bere  A.  biere  B.  18221,  schere, 
schaeren  A.  14216,  speke  spaeken  A.  10361,  specken  A.  speke  B.  20880, 
spaecken  A.  speke  B.   14758. 

2)  Das  Prät.  Sg.  behält  o  in  com  in  Folge  des  ausgestoßenen  w; 
in  nom  4433  tritt  es  für  a  ein:  nom  A.  nam  B.  684;  auffallend  aber 
ist  naem  A.  7622.  Die  übrigen  Formen  zeigen  die  gewöhnlichen  Schwan- 
kungen: bar  A.  18227,  ibaer  A.  5028,  ber  A.  bar  B.  14771;  brac  A. 
B.  1558,  braec  A.  brac  B.  5431,  breac  A.  2623;  spac  A.  121,  spaec 
A.  11423  und  spec  A.  1212.  —  haele  flectiert  Lag.  schwach:  helede 
A.  B.  21135. 

3)  Auch  für  den  pluralen  Ablaut  ee' treten  nicht  nur  gewöhnliche 
Schwankungen  von  a  und  e  (eo)  ein-,  wie  beren  A.  baren  B.  26483, 
beoren  A.  beare  B.  22772;  breken  A.  B.  11979,  braken  A.  breke  B. 
4580;  speken  A.  B.  5524,  spaeken  A.  speke  8249;  sondern  es  tritt 
auch  zu  nomen  A.  418,  nomen  A.  nemen  B.  14639. 


helede. 

PI.  heleden. 

Part,  iheled. 

stal, 

stalen, 

stole. 

üiam. 

nemen, 

numen. 

^nom, 

nomen. 

nomen. 

(naem, 

numen, 

com, 

comen. 

cumen. 
comen. 

baer,  bar, 

beren. 

boren, 
iborne. 

scar, 

tar. 

tore(n), 

toren. 

(brac,  braec 
jbreac, 

,      brecon, 
braken, 

broken. 

spac, 
spaec  (e), 

spaeken, 
speken. 

ispeken 

270 


Ablautende  Verben  2.  Kl.  im  Nags.  u.  Ae. 


§.   15.  4)  Im  Part,  steht  u  und  o  vor  m:  binumen  A.  binomo  B.  402 G  uud 

inomen  A.  186,  cumen  A.  icomen  B.  3025  und  icomen  2034;  sonst 
meist  o:  bistole  A.  bistele  B.  19033,  boren  A.  1008,  to-toren  A.  30778, 
to-broken  A.  6488.  ispaeken  A.  mit  dem  Participiallaut  dritter  Klasse 
bleibt  13043. 

Orm. 
l.Präs.forr-hele  13049,  Prt.  Sg.forr-hall233,  PI.     ?  Part.forrholenn 

2408. 
Stele  4407,  stall  ? 

2.  nime2910,  namm  916, 


stöelenn  ? 
ntemenn  ? 


§.   16. 


3. 


4. 


cume  4359, 
bere  P.  47, 


comm  4355, 
barr  1372, 


comenn496, 


stolenn. 
numenn 
6940. 
cumenn 
102. 
bserenn  7576,  borenn 
161. 
brsekenn  ?        brokenn. 
sp8ekennl027,     ? 


breke  1548,  bracc  15, 

speke  2733,  spacc  2789, 

1)  Das  Präsens  bewahrt  die  ags.  Yocale. 

2)  Im  Prät.  ist  ags.  se  überall  nach  a  zurückgetreten,  nur  com 
erhält  sich  für  cwam.  Der  plur.  Ablaut  ist  völlig  regelmässig,  wie 
auch  das  Part. 


Ae. 
l.Präs.hele, 
hile, 
stele, 
nime, 


Prät.  Sg.  hiled,        PI.  hilede  ? 


2. 


3. 


4. 


come, 

here, 

schere, 

tere, 

breke, 

speke. 


stel, 

fnam, 

Inom, 

fcam, 
|com(e), 
(ber, 
(bare, 
schare, 
? 

[brac, 
jbrek, 

fspac, 
jspec, 


stal, 
nam, 
nomen, 
cam, 
come(n), 
bere, 
bare, 
schere  ? 
? 

brake(n), 

breke_, 

speke, 


Part,  forhole. 
iheled. 
Stolen. 

nomen. 

ynome. 

comen. 

ycome. 

ybore. 

born  und  yborne. 

schorn. 

torn. 

broken. 

bispeke. 
spoken. 


1)  Unter  den  Präsenslauten  fällt  nur  i  in  hile  auf  Ps.  16,  9  für 
das  schon  im  Ags.  e  steht. 


Ablautende  Verben  2.  Kl.  im  Ae.  u.  Me. 


271 


2)  Der  Unterschied   zwischen   siugularem   Ablaut   ist   schon    bis-  §.  15. 
weilen    bis    auf  die  Quantität   geschwunden:   noni  KG.  274,    pl.  nome 
7S00;   nam  PL.  422.  pl.  nam  6721.  nomen  556;   kam  421,  pl.  comen 

555,  com  162;  ber  RG.  S433,  pl.  bere  420;  bare  PL.  163,  pl.  bare 
1S3.  spec  RG.  4577.  pl.  bispeke  11216.  RG.  liebt  die  e-,  PL.  und 
Ps.  die  a-Laute:  stel,  ber,  brek,  spec  RG.;  stal,  nam,  cam,  bare, 
brak,  spak  PL.  —  Schwach  hiled  Ps.  26,  5. 

3)  Das  Particip  hat  durchaus  o  und  neben  bispeke  RG.  11711 
tritt  yspoke  4763.  spoken  PL.  5841.  —  Neben  schwachem  yheled  RG. 
6376  steht  forhole  Tr.  3,  57. 

Me.  §.   16. 

1 .  Präs.  I  hele        Prt  Sg.  hilide         PI.  heliden   Part,  hilid. 

Ihile  hylled. 

stele 

2.  nyme 

fcume 
{com 

3.  bere 


schere 

teere 

rbreke 
jbreek 

speke 


1)  Die  Laute  im  Präsens  bleiben,  doch  muß  sich  nach  Wycl. 
die  Quantität  geändert  haben  in  teere  A.  Gen.  40,  19,  breek  A.  breke 
B.  Ex.  12,  46  und  wahrscheinlich  auch  in  denen,  welche  auf  e  aus- 
gehen wie  hele,  stele,  bere,  schere  und  speke. 

2)  Selten  wird  Sg.  und  PI.  Prät.  in  den  Vocalen  unterschieden, 
wie  stale  PP.  8762,  staal  Ephes.  4,  28.  stal  B.  Gen.  31,  32.  pL  stolen 
PP.  13263,  undernam  pl.  underneraen  Rom.  proL;  vielleicht  erhielt  sich 
noch  ein  Unterschied  in  der  Quantität.  Zwar  steht  einer  solchen 
Annahme  beer  Lev.  24,  10  A.  pl.  beeren  Mau.  16  entgegen,  allein 
bracke  A.  brak  B.  Mt.  26,  26,  pl.  breeken  A.  braken  B.  2.  Par.  31, 
1  spricht  dafür. 


■stal(e) 
'  staal 

stolen 

stole(n). 
stoln. 

under-nam 

undernemen 
'  undernomen 

binomen. 

cam 

camen 

come(n). 

com 

comen 

cummen. 

^bar(e) 

^baar 

(beer 

baren 
beeren 

born  boren  (geboren), 
born  (getragen). 

schar 

scharen 

schorun  (en). 
shore. 

tare 

to-tereden 

to-torn. 

brak(e) 
bracke 

braken 
breeken 

broken. 
broke. 

spac 
.  spak(e) 

spaken 
speken 

spoken. 

272  Ablautende  Verben  2.  Kl.  im  Ne. 

§.   17.  3)    Die    Participien    haben    o;   in    der   Endung   ist,    seltener    bei 

Wycl.,  n  oder  e  ausgestoßen:  stoln  A.  stole  B.  Gen.  31,  30.  born  A. 
borun  B.  (geboren)  Mt.  1,  20.  (getragen)  Gen.  7,  18;  schorun  sbore  etc. 
—  hele  ist  schwach. 

§.  18. 


Ne 

1. 

stüal, 

Prät 

stöle, 

Part,  stölen  stöln. 

2. 

cöme, 

cäme, 

cöme. 

3. 

beär, 

bore, 
bare. 

börn  geboren, 
börne  getragen 

shear. 

shöre, 

shörn. 

teär, 

töre, 

törn. 

4. 

break. 

bröke, 

bröken. 

speak. 

spöke, 

spöken. 

späke, 

1)  Außer  Gebrauch  gekommen  sind  to  hele  verbergen,  cwele  sterben 
(aber  noch  to  quell  und  kill),  und  nim. 

2)  In  come,  came,  come  sind  die  Ablautverhältnisse  durch  Ver- 
bindung des  ursprünglichen  w  mit  den  folgenden  Vocalen  gestört.  Die 
übrigen  Verben  haben  lange  Vocale  und  zwar  a)  e-Laut  im  Prä- 
sens und  ö  im  Prät.  und  Particip:  to  break,  to  teär,  to  beär. 
Unterscheidung  zwischen  börn  (geboren)  und  börne  (getragen)  hat  erste- 
rem  Vocalkürze  bewahrt.  —  b)  i-Laut  im  Präsens  und  ö  im  Prät. 
und  Particip:  to  speak,  to  steal,  to  shear. 

Die  Prät.  bare  (gebar,  nicht:  trug),  bräke,  späke  sind  jetzt 
ungewöhnlich:  none  spake  a  word  to  him  Job.  2,  13.  when  I  brake  the 
five  loaves.  Mrk.  8,  19.  so  spake  the  angel.  M.  pl.  1,  125.  they  bare 
it.  Job.  2,  8;  nur  in  feierlicher  Eede  können  sie  vorkommen.  Ebenso 
sind  die  vollen  Formen  des  Particips  stolen  stoln,  shorn,  torn,  brö- 
ken und  spoken  den  durch  Abstoßung  von  n  verkürzten  vorzuziehen: 
the  marriage  was  broke  off.  Sh.  Mm.  5,  1.  you  have  spoke  your 
mind.  WS.  Ken.  35.  on  him  who  had  stole  Jove's  authentic  fire  M. 
pl.  4,  719.  Ben.  Jons,  break,  brake  broke,  broken  broke,  und  so 
speak,  tear,  shear,  steal.  —  Obgleich  HB.  noch  for-bare,  forborn  von 
for-beär  (vertragen)  hat,  so  sagt  man  doch  jetzt  nur:  forbore,  for- 
borne. 
§.  19.  Dritte  Klasse:  i  (e),  ae,  se,  i. 

1 .  drepe  (treffe  schlage),     Prät.  Sg.  draep,     PI.  drsepon,  Part,  drepen 

gife  (gebe),  geaf,  geäfon,  gifen. 

swefe  (schlafe),  swaef,  sw^sefon,  swefen. 


Ablautende  Verben  3.  Kl.  im  Ag-s. 


273 


wöfe  (webe),     Prät.  Sg.     waef,       PI.  Wiefon,Part.  wcfen.  §.    19. 

2.  eto  (el^e), 
frete  (freite), 
meto  (meße), 
ougite  (verstehe), 
Sitte  (sitze), 
cnede  (knete), 
trede  (trete), 
bidde  (bitte), 
cwede  (spreche), 

3.  lese  (sammle), 
wese  (sein), 
genese  (genese), 

4.  wrece  (räche), 
liege  (liege), 
J7icge  (nehme), 
wege  (trage), 
seo  seohe  (sehe), 

ge-feo  feohe  (freue  mich),  ge-feah, 
Stammvocal   ist  a   (se,   ea),    das    sich   im   Präs.    zu   i,   e 
schwächt,  im  Prät.  PI.  zu  ä,  sb  steigert. 

1)  Präsens-i  erhält  sich  nur  in  gife  und  ongite,  also  hinter  g, 
sowie  vor  doppelten  Consonanten:  sitte,  f>icge  und  liege.  Es  schwächt 
sich  überall  zu  e,  und  bricht  sich  vor  h  zu  io,  eo:  geseohe  geseo 
gesio  Ps.  he  gesiid  D.  Mt.  6,  18.  gesiistu  7,  3.  gefeohe,  gefeo,  gefio, 
gefie  Ps.  9,  3.  Imp.  gefead  D.  Mt.  5,  12.  —  giefe  (gebe)  ist  schlechte 
Orthographie,  wie  he  gefed  Exon.  207,  17.  doch  Durh.  Imp.  forgef 
Mt.   6,   12.  Inf.  giofan  B.  2972. 

2)  Der  singulare  Ablaut  ist  ae,  vor  h  steht  die  Brechung  ea: 
ge-seah  B.  229,  gefeah  1569  und  |?eah,  hinter  g:  on-geat  B.  14.  ongeat 
ongaet  D.  Mt.  22,  18.  for-geaf  B.  17.  Selten  tritt  e  für  se  und  ea  ein; 
drep  (Gr.  draep)  B.  2880.  gefrett  D.  Luk.  15,  30.  ägef  Luc.  9,  42. 
gesaeh  D.  Mt.  8,  14.  (auch  gesaegh.  D.  M.  2,  16).  —  dael  C.  2,  22. 
Aveist  auf  delan  fallen,  sinken. 

3)  Der  plurale  Ablaut  zeigt  einige  Schwankungen.  Neben  den 
regelmäßigen  gsefon  und  ongaeton  stehen  geafon  B.  49  (=  geäfon), 
ongeäton  1431  und  die  Verengerung  ongeton  C  183,  12.  Luc.  9,  45. 
Ferner  lajgun  Exon.  71,   16.  lägun  83,   15.  legon  D.  Mt  9,  36;  |7egon 


a3t, 

«ton, 

eten. 

frffit, 

frtieton. 

freten. 

mast, 

m«ton, 

meten. 

ongeat. 

ongeäton. 

ongöten. 

Sffit, 

sseton, 

geseten. 

cnffid, 

cneedon. 

cneden. 

traed, 

trgedon. 

treden. 

baed. 

bsedon, 

beden. 

cwaed, 

cwsedon. 

cweden. 

laes. 

l^son, 

lesen. 

waes. 

W£eron, 

wesen. 

genaes, 

geneeson, 

genesen. 

wraec. 

wreecon. 

wrecen. 

laeg, 

Isegon, 

legen. 

]?eah, 

'  78egon, 

ä-|?egen. 

waeg, 

wsegon. 

tö-wegen. 

seah, 

S£egon, 

ge-segen. 

sä  wen. 

ge-sewen. 

,  ge-feah. 

gef^gon, 

gefegen. 

Koch,  engl.  Grammatik.    1.     2.  Aufl. 


II 


274 


Ablautende  Verben  3.  Kl.  im  Nags. 


§.  19.  B.  503;  tö-si^gon  B.  1422,  segiin  Exon.  34,  3,  gesäwon  Exon.  46,  21, 
üfer-säwon  B.  419;  gefsegon  B.  1019,  gefegon  1627.  Auslautendes  h 
wird  inlautend  g  und  selbst  bisweilen  w. 

4)  Im  Part,  überall  e,  nur  gefen,  gyfen  B.  64,  agiefen  Exon. 
77,  22.  ongioton  Exon.  174,  20;  und  neben  den  vollen  Formen  geso- 
gen und  gesewen  stehen  die  Contractionen  gesene  C.  170,  1.  gesyne  B. 
1255,  Exon.  76,  6.  —  Durh.  gecwcßden  für  gecweden.  Mt.  2,  17.  — 
Bemerkenswortli  ist,  dal-i  hinter  g  der  hellere  Vocal  steht  im  Prät. 
geäfon,  Part,  giefen. 


§.    20. 


Nags.     Lagamon. 


1. 

gife. 

Prät. 

Sg.  gaf, 

PL  geuen,     Part. 

giuen  (e). 

sweue, 

sweuede, 

sweuedeu, 

isweued. 

2. 

ete, 

set, 

aeten. 

ieten  (ae) 

under-gite, 

-gset, 

-geten, 

-geten. 

frete, 

fraet. 

freten, 

freten? 

mete, 

maet? 

meten? 

imeten. 

Sitte, 

säet, 

seten, 

iseten. 

trede, 

traed, 

to-treden, 

to-treden. 

bidde, 

baed, 

baden, 

beden? 

quede. 

quaed, 

queden, 

iqueden. 

3. 

— 

waes. 

weren, 

4. 

wreke, 

awraec? 

awreken, 

iwreken. 

ligge. 

laei, 

laeien, 

ileien. 

wege? 

weide. 

— 

iseo,  se. 

saeh, 

isegen, 

isegen. 

1)  Neben  1   im  Präsens  steht  gefan  A.  giue  B.  883  und  geouen 

A.  28273;  ongiten  A.  of-gete  B.  26623  und  bi-gutten  A.  bi-gete  7390, 
bidden  und  beoden  A.  25514.  —  Neben  e  steht  ae  in   aeten  A.  heote 

B.  13456,   wraeke  A.  wreken  7750  und  selbst  wracken  A.  20256.  — 
inf.  iseon  A.  isee  2872  und  verkürzt  zu  isen  A.  3583. 

2)  Im  Prät.  Sg.  schwanken  fast  überall  ae,  e  und  a,  bisweilen 
auch  ea:  for-gaet  A.  for-get  B.  25833.  under-gat  A.  15028;  qued  A. 
8155,  quad  cwad  700;  baed  A.  bad  B.  4979,  bad  3958.  abed  A.  bed 
B.  4423.  bead  A.  4879;  gaf  18216,  gaef  A.  gef  B.  7170.  gef  A.  136. 
g£ef  A.  geaf  B.  9547;  sat  22765,  säet  A.  3530.  a-set  A.  sat.  B.  26353. 
seaet  A.  sat  B.  3527;  isah  A.  21975,  saeh  A.  seh  B.  13830,  iseh 
18694,  iseih  A.  sege  B.  553,  isseih  A.  ise]?  B.  1351.  g  erweicht  in 
laei  A.   1222,  lai  22738,  lei  A.  lay  B.   393,  leai  A.  650. 


I 


Ablautoiulo  Vorben  .*K  Kl.  im  Naes.  und  Ae. 


275 


3)  Der  pluralo  Ablaut  ist  o  oder  ae;   nur  ueben  lieien  A.   12204,  §. 
leien   32S6,  lenen  A.  loien  B.   1G57   auch  laien  A.  loien  B.  4472,   ne- 
ben geuen  960G  auch  geoue  A.  5470  und  gifuen  A.  13928.  isoigen  A. 
isehe  B.  53S4.  isrehnen  A.   13663. 

4)  Das  Particip  behält  meistens  e:  Lautschwankungen  sind  in 
given  A.  igefne  B.  S120  und  igeuen  874;  iaeten  A.  igeote  B.  14952; 
isegen  A.  isehgo  B.  6626.  isigen  A.  isegen  B.  17921.  isene  A.  sene 
B.    24277. 


20, 


Orm. 
1.  gife,  Prät.  Sg.  gaff  773. 


PI.  gaefenn666S,  Part.gifenn  2111. 


2. 

ete, 

et  11549, 

etenn  4797, 

etenn? 

bi-gete, 

bi-gatt  13986, 

annd-g£etenn. 

bi-getenn   1645. 

Sitte, 

satt  8933, 

ssetenn   15560, 

trede, 

tradd  2561, 

trsedenn? 

tredenn  4416. 

bidde, 

badd  2385, 

baedenn  697, 

cwe|;e. 

cwa];)?  12752, 

cwae];enn? 

cwe]?enn  ? 

4. 

lie. 

lagg  3692, 

laegbenn? 

leghenn? 

seo,  se, 

sahh  3372, 

saeghenn  6426, 

seghenn  5826, 
sene  2209. 

1)  Das  Präsens  zeigt  die  ags.  Laute;  auch  cnede  1486,  frete  16133. 
Im  Prät.  Sg.  tritt  nur  et  1 1 549  neben  a  hervor,  wie  im  PL  etenn 
4797  neben  se.  Der  Unterschied  zwischen  Sg.  und  PL  tritt  im  Laute 
und  in  der  Quantität  hervor.  —  Bei  den  Participien  tritt  ein  schwaches 
trededd  5728  zum  starken  tredenn  4416. 


Ae. 

1. 

drepe,  Prät. 

Sg.drap, 

PL  drape, 

Part.  — 

giue, 

gaf  gef. 

gafe. 

gyuen  gouen. 

2. 

ete. 

et. 

ete, 

eten. 

frete, 

fret. 

— 

gete, 

qat  get, 

get  got. 

bigyte  geten. 

Sitte, 

sat, 

sat, 

bidde, 

bad. 

bade. 

— 

trede, 

trad. 

trade. 

troden. 

quede, 

quod  quad. 

4. 

awreke. 

wrake, 

wrake, 

awroken. 

ligge  lie. 

lai. 

laye. 

ileye  iliggen. 

se  iseye. 

|say  sagh, 
jsau  saw. 

yseye, 
sauh. 

seue  seie  ete 

§•  21, 


18* 


276 


Ablautende  Verben  '.i.  Kl.  im  Ac.  und  ]\Ie. 


§.  21.  1)   Präs.  lig-ge  RG.   11708,  PL.  (ilSl,  lie  214;  se  RG.  232,  isey 

7764,  soye  PL.  4ü4,  awreke  RG.  2SG4. 

2)  Während  RG.  im  ersten  Ablaut  sehr  schwankt:  fjaf  402,  <ief 
8024,  et  5771,  fret  417G,  quod  1051,  quad  10443,  byqued  G5S0,  say 
8304,  sey  1283,  isei  etc.,  ziehen  Ps.,  PL.  etc.  die  a-Laute  vor:  gate, 
sat,  gaf,  trad,  quathe,  wrake,  saw,  sauh,  sagh.  —  Ebenso  auch  im 
VI  drape  Ps.  93,  6,  sat  PL.  7G89,  sauh  257,  lay  404,  got  ist  in  Folge 
des  ä  eingetreten  in  Tr.   1,   10. 

8)  Die  Participien  haben  meist  e,  selten  i  wie  in  gyuen  PL.  277, 
liggen  1330  und  daneben  yleye  RG.  1717;  schwankend  ist  isene  RG. 
823G,  seene  PL.  7G5,  sen  Tr.  1,  2.  sayn  1,  43.  —  Auffallend  ist  wro- 
ken  PL.    1915,   vielleicht  aus   dem  Prät.  PI.  vorgedrungen,  wie  gouen 


§.  22. 


Tr, 


1. 


2,   105  neben  gyuen. 


Me. 

igife, 
igefe, 


weue 


2.  ete, 
mete, 
gete, 
Sitte, 
treed, 
bidde, 


4.  wreke, 
ligge  lie. 


Prät.  Sg.gaf, 
gaue, 


waf? 
ete, 


eet, 

mat, 
metide, 

jgat, 
jgeet, 

sat, 

säte, 
Urad, 
{trade, 
U3ad, 
jbade, 
quath  quod 


PL  ^gauen, 
^gaun, 
(giuen, 
wouen, 
eteu, 
eeten, 

metiden,- 

geeten, 
goten  (a), 

säten, 
seeten, 

treden, 
trodeu. 


Part.giuen. 
geuen. 
gouen. 

wouen. 

etun  (en). 
etyn. 

metun. 
meetid. 

geten. 
gotun. 

Sitten, 
sete. 
tredid. 
troden. 


(lay, 

)leye, 

sag  say  sei(g), 

saghe  saw, 


laien, 
lien, 

saien, 
sawen, 


wroken. 

leyen. 

Heye. 

seien. 

Seen. 


Jse  see, 
jseeyge, 

1)  Die  Präsenslaute  dauern  in  gleicher  Weise  fort,  doch  tritt 
zu  under-ligge  B.  Exod.  21,  31.  Gh.  15231  und  lyn  Apoc.  prol.  auch 
noch  leggen  A.  Gen.  19,  4. 

2)  Der  sing.  Ablaut  ist  sehr  mannigfaltig.     Während  in  manchen 


Ablautende  Verben  3.  Kl.  im  Me.  und  Ne.  277 

mir  a  steht,  wio  gaf,  sat,  trad,  bad,  steht  nur  e  in  ete,  eet,  eete,  §.  22, 
und  beide  Laute  in  niat  Apoc.  21,  10,  mete  B.  Kuth  3,  15,  matte  A. 
mat  B.  Hab.  3,0;  gat  A.  Ps.  2,  7  geet  A.  Numb.  20,  59;  ferner  a  und 
0  in  quath  Creed  195,  quod  PP.  319,  Ch.  790.  Am  verschiedensten 
sind  die  Formen  von  se,  vom  tiefsten  a  bis  zum  hellsten  i:  say  A. 
saie  B.  Mt.  3,  16,  saig  A.  seig  B.  Gen.  1,  11,  saw  A.  sai  B.  Mt.  14, 
14,  saw  Ch.  5268,  sawg  A.  seig  B.  Gen.  1,  4,  sag  A.  sig  B.  Ps.  118, 
158,  seig  A.  say  B.  Mt.  9,  9,  sig  A.  sai  B.  Joh.  J,  18,  seie  Ch.  5229, 
saghe  Mau.  21,  saughe  4.   5,  saugh  PP.  913.  Cr.  523. 

3)  Der  Plural  enthält  nicht  nur  dieselben  Vocalschwankungen, 
sondern  es  treten  auch  noch  einige  Formen  mit  o  hinzu,  die  sich 
wahrscheinlich  aus  ä  entwickelt  haben:  seeten  A.  säten  B.  1.  Kgs.  13,  16, 
treden  A.  tredden  B.  4.  Kgs.  14,  9,  troden  A.  treden  B.  Luk.  12,  1, 
goten  A.  Gen.  6,  4,  wouen  A.  Jes.  59,  5. 

4)  Das  Particip  hat  e  (i)  in :  eetyn  A.  ete  B.  1 .  Kgs.  1,  9,  seeten  2.  Kgs. 
7,  1,  etun  Joh.  2,  17,  eten  B.  Lev.  7,  16;  meten  Mt.  7,  2,  ymeete  J. 
Josh.  17,  5.  sittun  A.  Gen.  38,  22  und  sete  Mt.  5,  1.  —  Die  mannig- 
fachen Formen  von  s  e  sind :  seen  A.  seien  B.  Gen.  9,  22.  seyn  Joh. 
1,  14.  seie  Ch.  6134.  sene  1967,  seen  Mau.  2.  4.  —  Auch  hier  tritt 
0  ein  in  gouen  Mt.  7,  7  neben  geuun  A.  Gen.  31,  16.  gyue  A.  43.  23; 
gotun  A.  Gen.  5,  13.  Mau.  9  neben  geten  Mt.  25,  20,  foryetten  Ch.  1916. 
Es  gelangt  zu  alleiniger  Geltung  in  wouen  B.  1.  Kgs.  prol.,  trodun  B. 
(tredid  A.)  Job.  24,  11,  troden  PP.  7286;  wroken   1270. 

§.   23. 


Ne. 

1.  give, 

Prät 

.  gäve, 

Part. 

given. 

weave. 

wöve. 

wöven  wöve. 

2.  eat, 

äte  (und  = 
eat, 

=  et), 

eaten. 
eat. 

Sit, 

sät. 

sät. 

get, 

göt  gät, 

göt  götten. 

tread, 

tröd, 

trödden  tröd(e). 

bid, 

bade  bid, 

bidden  bid. 

3.  See, 

saw. 

Seen. 

lie. 

läy, 

läin. 

1)  Ungebräuchlich  sind  to  drepe,  swefe,  lese,  genese,  thig,  gefie, 
und  von  wese  hat  sich  nur  was,  wast,  were  und  wert  erhalten. 

2)  Schwach   geworden    sind:    to  mete,   wreak   (Part,   wroken   Sp. 
March),  weigh,  fret  und  knead  (Part,  knodden  Chesh.). 


278  Ablautende  Vcibcii  '.i.  Kl,  im  Ne. 

§.  23.  3)  Die  stark  gebliebenen  Verben  haben  im  Präsens  entweder  kur- 

zen i-Laut,  wie  to  gi^o,  bid,  sit;  oder  kurzen  e-Laiit  wie  to  get, 
troad;  oder  langen  i-Laut:  to  eat,  süe,  weave;  oder  in  Folge  der 
Contraction  ei,  wie  to  lie. 

Im  Präteritum  bleibt  entweder  kurzes  a,  wie  in  gave,  bäd, 
sät  (säte);  oder  dunkles  ä,  wie  in  säw;  oder  langes  helles  in  äte 
(eat)  und  läy.  —  o  steht  in  trod,  wöve  und  got  neben  gät  oft 
wechselnd  in  HB.,  aber  nur  begat  und  forgat,  die  jetzt  alterthümlich 
klingen.  —  bid  für  bade  ist  unstatthaft :  her  rash  band  forth  reaching 
to  the  fruit,  she  plucked,  she  ate.  M.  pl.  9,  781.  the  baron  eat  like 
a  famished  soldier.  WS.  Wav.  11.  the  beauty's  child,  whom  nature  gat 
for  men  to  see,  and  seeing  to  wonder  at.  Sh.  Per.  2,  2.  he  bade  adieu 
to  none  B.  Ch.   1,   10. 

4)  Das  Part,  given  allein  behält  seinen  ursprünglichen  Laut,  in 
bid  den  tritt  er  von  neuem  kurz  und  in  eaten  und  seen  verlängert 
hervor.  In  den  übrigen  Part,  dringt  der  Ablaut  des  Prät.  vor  a  in 
sät,  0  in  götten  got,  trödden,  wöven,  und  ay  in  läin.  Auch 
bade  hat  sich  zu  bid  bid  den  gestellt. 

Die  Endung  abgestossen  hat  sät  und  bade;  doppelformig  sind: 
eaten  und  eat,  götten  und  got,  trödden,  tröde  und  tröd, 
wöven  und  wöve:  ere  God  had  bid  the  ground  be  dry.  M.  pl.  7, 
304.  a  church  in  which  an  apostle  had  forbidden  her  even  to  let 
her  voice  be  heard.  Mac.  1,  55.  hast  thou  eaten  of  the  tree?  M.  pl. 
10,  122.  he  might  have  eat  his  part.  Sh.  KJ.  1,  1.  any  house  which 
had  säte  since  Elisabeth.  Mac.  1.  93.  no  parliament  had  sat  for  years. 
3.  361.  had  Halifax  got  the  better  of  Kochester?  3.  360.  in  HB.  stets 
götten,  das  aber,  obgleich  in  begotten  und  forgotten  beibehalten,  außer 
allgemeinen  Gebrauch  zu  kommen  beginnt.  Yet  the  subject  race,  though 
beaten  down  and  trödden  under  foot,  still  made  its  sting  feit.  Mac. 
1.  13.  had  he  possessed  a  little  courage,  he  would  have  trode  in 
the  footsteps  of  the  wretches  whom  he  defended  5.  96.  he  had  been 
trod  down.  Sh.  bKE.  2,  3.  Adam  had  wove  of  choicest  flowers  a 
garland.  M.  pl.  9,  839.  —  Lien  neben  lain  ist  veraltet:  I  heard  of 
an  Egyptian  that  had  nine  hours  lien  dead.  Sh.  Per.  3,  2.  —  Ben. 
Jons,  lie,  lay,  lien  lain;  Wall,  ly,  lay,  ly'n  lay'n.  —  Ben.  Jons, 
give,  gave,  given;  sit,  säte,  sitten;  bid,  bade,  bidden;  Wall,  auch 
Prät.  und  Part,  bidd,  sitt;  weave,  wöve,  wöven;  Ben.  Jons,  eat,  et,  et 
und  eaten;  Wall,  eat,  eat,  eaten;  get,  gat,  götten,  beget,  begat,  be- 
gotten. —  Ben.  Jons,  tread,  tred;  Wall,  tread,  tread,  trödden. 


Ablautende  Verben  4.  Kl.  im  Ags. 


279 


5)  Dialectische  Formen:  §•  23. 

gie  No.     Trat,  gav  gov  North.  Part,  gin,  gan,  gou  North.  Sc. 
bod,  bid  North. 


bid, 
tread, 
get, 
See, 
Vierte  Klasse 

1.  ale  (erscheine), 
gale  (singe), 

2.  Spane  (locke  an), 
Staude  (stehe), 

3.  fare  (fahre), 
swarje  swerige 

(schwöre), 

4.  scape  (schaffe), 
stapje  (schreite), 
hafje  hebbe  (hebe), 
grafe  (grabe), 
scafe  (schabe), 

5.  hlade  (lade), 
wade  (gehe), 
sceade  (schade), 

6.  wasce  (wasche), 

7.  bace  (backe), 
sace  (streite), 
scace  (schüttle), 
tace  (nehme), 
wace  (wache), 
ace  (schmerze), 
drage  (trage,  ziehe), 
gnage  (nage), 
leahe  (tadele), 
sleahhe  (schlage), 
hleahhe  (lache), 
]?weahe  (wasche), 
weaxe  (wachse). 


trade  Sc. 
gat  Sc.  Crav. 
see  Bedf. 


a,  ö,  0,  a. 


Prät.  Sg.  Ol, 

ä-göl, 

speön, 

stöd, 

för, 

swör, 

scöp, 

stöp, 

ä-höf, 

gröf, 

scöf, 

hlöd, 

wöd, 

scöd, 

wösc, 

böc, 

söc, 

scöc, 

töc, 

^öc, 

öc, 

droh, 

gnoh, 

loh, 

slöh, 

hlöh, 

]?wöh, 


PI.   ölon, 
gölon, 
speönon, 
stödon, 
föron, 
swöron, 

scöpon, 

stöpon, 

höfon, 

gröfon, 

scöfon, 

hlödon, 

wödon, 

scödon, 

wöscou, 

böcon, 

söcon, 

scöcon, 

töcon, 

wöcon, 

öcon, 

drögon, 

guögon, 

lögon, 

slögon, 

hlögon, 

J^wögon, 

weöxon. 


Part.alen? 
galen. 
gespanen. 
standen, 
faren. 
sworen. 


scapen. 

stapen. 

hafen  (se). 

grafen. 

scafen. 

hladen  (ae). 

waden. 

sceaden. 

waescen. 

bacen. 

sacen. 

scacen. 

tacen. 

wacen. 

acen. 

dragen. 

gnagen. 

leahen,  leän. 

öleahhen. 

hleahhen. 

ä]7wegeu. 

weaxen. 


§.    24. 


weox, 

Der  Stammvocal  a  (ea)  steigert  sich  im  Prät.  zu  ö. 
1)  Die  Präsensformen  swerige,  sceppe,    steppe,  hebbe  und  scedde 
sind    entweder   als   schwache   Bildungen  zu   faßen,    oder   dadurch  ent- 


280 


Ablautende  Verben  4.  Kl.  im  Ags.  und  Nags. 


§.  24.  standen,  dal^  j  (Sanskr.  ya)  als  Conjngationsvocal  eindrang  (Bopp 
§.  10'Ja2),  aus  swarje,  scapje,  stapje,  hafje  und  scadjo  gebildet,  daher 
mit  dem  Umlaut  von  a.  pp  und  dd  sind  durch  Assimilation  entstan- 
den aus  pj  und  dj;  und  in  hebbe  ist  die  doppelte  media  eingetreten 
für  die  unstatthafte  Aspirate  in  hafje,  hafife,  wie  libbe  für  lifje.  — 
Vor  h  steht  oa:  hleahhe,  leahe,  sleahhe,  |?weaho,  weaxe;  nach  sc  wird 
e  eingeschoben,  daher  ä-sceace  Mrc.  6,  II.  In  Durh.  tritt  bisweilen 
erst  Trübung:  scea3ce  D.  Mt,  11,  7.  hlaehe  D.  Luk.  6,  21  und  dann 
Zusammenziehung  ein:  Imp.  )?weh  Job.  13,  9.  waexa  D.  Mt.  6,  28. 
sieh  G.  204,  12.  und  sogar  hlihhan  C.  5,  17.  Luk.  6,  21.  hlihende  C. 
124,  21. 

2)  Das  Prät.  hat  im  Sg.  und  PI.  den  gleichen  Laut;  selten  ist 
e  vorgeschoben,  wie  spön  und  speön  C.  37,  12.  scöp  B.  78  und  sceöp 
C.  9,   11.  gehlöd  Exon.  64,  10.  gehleod  B.   895,  scöc  B.  3118.  sceöc 

C.  188,  31.  ge-wöx  D,  Mt.  13,  26.  weöx  B.  8;  dagegen  nur  slöh  B.  1565. 
(seltener  g  im  Auslaute  slög  B.  108,  aber  öfter  in  Ps.  und  Durh.: 
slög  SPS.  3,  8.  C.  Mt.  26,  51.  ählög  Ex.  253,  32.  äl7WÖgh  Bed.  3,  7.) 
Die  Veranlaßung  der  Einschiebung  des  e  muß  im  Anlaut  liegen.  — 
In  stöd  ist  n  ausgefallen,  oder  ist  vielleicht  nie  eingedrungen,  denn 
W.  sta-d.  —  scöd.  |78er  him  nid  gescöd  Exon.  226,  4.  he  manegum 
gesceöd  C.  208,  26.  gehören  wohl  zu  sceadan  (schaden),  d  mag  aus 
dem  Plural  vorgedrungen  sein. 

3)  In  den  meisten  Participien  wiederholt  sich  unverändert  der 
Vocal  des  Präsens:  fare  Part,  faren;  ferner  auch  mit  den  Brechungen 
3capen  und  sceapen  Exon.  56,  10.  scacen  B.  1124  und  äsceacen  SC. 
1001.  —  In  einigen  schwankt  a  nach  ae,  und  selbst  nach  e:  ä-hafen 
Mt.  11,  23.  B.  1290  hffifen  B.  3023  und  ähefen  D.  Mt.  23,  12;  hladen 
B.  3134.  hlaeden  B.  868.  ä-)7wegen  Bed.  3,  21,  of-slegen  Mt.  16,  21. 
gewexen  Luk.  12,  18.  —  Der  Uebergaug  des  a  nach  o  in  gespouen  Bed. 
3,  21  ist  vor  n  gewöhnlich;  doch  auch    aet-sworen  Ine  35.   ge-suoren 

D.  Luk.  1,  73  und  ä-J?wogen  Joh.  13,  12.  ge-]7W0gen  Luk.  11,  38  (ne- 
ben ä-]?wegen). 

§.  25. 


Nags.  Lag. 

1.  gulle  gelle. 

Prät.  Sg.goll, 

PI.  gollen, 
guUen, 

Part,  bigolen. 

2.  stonde. 

stod. 

stoden, 

istonden 

3.  fare  (se). 

for, 

foren, 

ifaren. 

swerie, 

swor, 

sworen, 

isworen. 

Abiaulende  Yciboii  4.  Kl.  im  Nags. 


281 


4. 

scape?         Prät. 

Sg.  scop, 

PI. 

scopou. 

Part,  scacpen  (a) 

steppe, 

stop, 

stopon, 

stopen. 

htTluie, 

lia}f,  heaf, 

heoiien  (o), 

ihouen. 

bof,  lieof, 

huuen, 

iheouen. 

graue, 

igrauen. 

5. 

lade, 

laden. 

wade. 

wod, 

woden, 

waden. 

7. 

jat-sake, 

for-soc 

j 

at-soken. 

lat-sceke, 

scoc? 

scaeken. 

asceken 
(sake). 

take, 

toc. 

token, 

itaken. 

ake. 

oc, 

oken, 

iwakie, 

woc. 

woken, 

drage  (-we), 

droh, 

jdrogen, 
jdrowen. 

idragen. 
idrawen. 

lehge  (lache), 

loh, 

\ logen, 
jlowen. 

sie, 
slae. 

sich, 

siegen, 

islagen  (e). 

slaeh, 

slowen, 

islawen. 

waxe, 

\weox 
jwex, 

wax, 

weoxen, 

iwaxen  (iwo 

wuxen, 

iwexen 

§■  25. 


(iwoxen). 

1)  Präsens-a  wird  o  in  stonden  und  ist  in  gullen  A.  gelle  B. 
16407  wohl  verschrieben.  Selten  bleibt  es  rein,  wie  in  graue,  wasce, 
sace,  tace,  iwakie,  drage,  sondern  es  geht  oft  nach  se  und  e:  fare 
fserren  A.  3972,  stepen  A.  26021.  steppen  A.  stappe  B.  24585;  oder 
es  findet  sich  nur  se  oder  e:  haehuen  A.  11601.  swerien  A.  B.  5403. 
swaern  A.  swerie  B.  13063,  slsen  A.  slean  B.  25357.  Neben  lehge, 
lahge  (lache)  noch  lihgen  A.  22419.  —  wasce  Lag.  123,  aber  ohne 
Ablautbildungen. 

2)  Die  meisten  Prät.  haben  o,  wie  stod,  pl.  gollen  A.  goUen  B. 
7481,  scop  A.  14232,  wod  A.  18095,  forsoc,  toc,  oc  A.  11010,  droh, 
loh  A.  B.  13361.  Daneben  aber  treten  auch  Laute  auf,  die  aus  dem 
Präsens  oder  Part,  eindringen:  swor  3446.  swar  A.  653,  stop  A.  B. 
23873  und  pl.  stepen  A.  23146.  ahof  A.  heof  B.  2311.  ahsef  A.  heof 
B.  7527.  haef  A.  7528,  heaf  A.  heof.  B.  1914.  weox  A.  wex  B.  1995 
und  waex  A.  wex  B.  11054.  Zu  den  starken  Formen  treten  schwache: 
for  A.  4157  und  forde  A.  302,  token  und  takede  A.  3333,  awoc  A. 
woc  B.  25566  und  wakeden  A.  B.  9859. 

3)  In   den  Part,   zeigt  Lag.  auffallend  feste  Laute,   entweder   a: 


282 


Ablautende  Verben  4.  Kl.  im  Ne. 


§.    25.  wie   in    ifaren   und   selten    nach   e-Laut  hinneigend,   wie  in  islagen  A. 
10S38  und  slicgen  A.  islege  B.  7078,  isciepen  A.  isape  B.  15S57,  iwaxen 
A.   iwox   B.    12903,    iwexan   A.    iwoxan  B.  339;   oder   o:   istouden,   i- 
sworen,  ihouo  A.  B.   1373G. 
Orra. 
1.  stannde,      Prt.  Sg.  stod  141,     PI.  stodenn  1030,     Part,  stann denn 

(unnderr-)    19S56. 
for  229, 
Shop   1411, 


2.  fare, 

3.  shape, 


forenn  3300, 
shopenn  ? 


§.    26. 


wessh  1103,      wesshenn   15128, 


forrsoc    11805,forrsokenn? 


farenn  83G1. 
shapenn 
12556. 
hoff  14676,       hofenn   16840,  hofenn2749. 

lod?  lodenn   19313,  lädenn 

14054. 

bakenn  993. 
forrsakenn 
169S5. 
WOG,  wokenn  3752,  wakenn? 

toc  2824,  tokenn   12984,  takennll50. 

droh  769,  droghenn  8704,  draghenn 

7413. 
sloh  3590,         sloghenn   13782,         slagenn 

4458. 
wex  8853,         wexenn,  waxenn3190 

1)  Das  Präsens  enthält  den  reinen  a-Laut,  aber  in  schwanken- 
der Quantität  und  dessen  Umlaut  in  swere  4480  und  hefe  11865.  — 
Im  Prät.  ö,  wessh  1103  und  wax  3182,  wex  7694  ausgenommen.  Von 
den  Part,  hat  nur  hofenn  2749  langes  o,  alle  übrigen  a  und  in  lädenn, 
stanndenn  wird  es  als  kurz  bezeichnet,  und  vielleicht  auch  in  waxenn; 
dagegen  in  farenn,  shapenn,  bakenn,  forrsakenn,  takenn,  draghenn, 
slagenn  14489  ist  es  lang.  —  Unregelmäßige  Nebenform  ist  ummbe- 
shsepenn  (beschneiden),  Prät.  ummbesh£ep  4154,  Part,  ummbeshopenn 
4066. 


hefe, 

4.  lade, 

5.  wasshe, 

6.  bake, 
forrsake, 

wake, 

take, 

draghe, 

sla  4450, 

waxe  3935, 


Ae. 

1. 

gale? 

Prät.  Sg.  gal. 

PI.    — 

2. 

stonde. 

stod. 

stode(n), 

3. 

fare, 

fore, 

foren, 

swere, 

swor, 

sworen. 

Part. 


standen    (o). 
faren. 


sworn, 


isuore. 


Ablautende  Verben  4.  Kl.  im  Ac. 


283 


4.  schape,     Prät.  Sg.  scliope, 


PI.    — 


Part.    — 


§■  26. 


stepe, 
beve  liebbe, 

Step  stap, 
bove, 

boven, 

hovenbeven. 

5.  wado, 

wed. 

G.  wasbo, 

wescbe, 

7.  ake, 

ok, 

oke, 

scbake, 

scbok. 

scbokeii, 

scbaken. 

forsake, 

forsok, 

forsoken, 

forsake  (e). 

take, 

tok, 

token, 

taken. 

wake, 

woke, 

woken, 

drawe, 

Jdrowe  droub, 
1  drewe, 

drowen, 
droub, 

drawen. 
drauben. 

sie  slo 

Jslogh  slow, 
jsloub  slou, 

Slawe, 
slaine. 

ligbe. 

low  lowg. 

lougb. 

waxe  wexe, 

wex  wax, 

waxen  ywox. 

1)  Die  Präsenslaute  entsprecben  völlig  dem  Ags.:  o  in  stonde, 
der  Umlaut  in  suere  PL.  6802,  beve  Ps.  9,  15  und  bebbe  RG.  391; 
die  Verengerung  in  sie  und  daneben  slo  PL.  736,  1040  und  deren 
Ausartung  in  libe  EG.  2066;  sonst  a. 

2)  Im  Prät.  bleibt  zwar  o  in  stod,  swor  (sware  Tr.  1,  101),  scbope 
Ps.  73,  17,  ok  RG.  4254,  ssok  4253.  scbok,  forsok,  toc,  woc;  slogb 
Ps.  77,  31.  sloubPL.  7021.  slowe  RG.  383  und  slou  272;  lowg  3097; 
allein  es  wird  durcb  a  und  e  eingescbränkt  in  gal  RG.  4250,  stap 
Tr.  3,  52.  Step  RG.  6449;  wed  6738;  wescbe  Ps.  72,  17;  drow  RG. 
1044.  drewe  Tr.  1,  18;  wex  RG.  241.  wax  8416.  Fast  überall  stebt 
w  und  das  scbeint  die  Veranlassung  des  Lautwecbsels  zu  sein.  —  PL. 
bringt  be  quoke,  dem  nur  ein  ags.  scbwacbes  cwacjan  vorliegt,  und 
Part,  costen  (geworfen,  altn.  kasta)  2575. 

3)  Von  den  Participien  bewabren  a:  faren,  scbaken,  taken  (und 
seine  Verkürzungen  itake,  tan  Tr.  1,  1,  ta  1,  31),  idrawen;  —  a  und 
0  in  standen  PL.  4737  und  ystond  Tr.  1,  89.  waxen  PL.  6079  und 
ywox  RG.  8684;  —  o  in  isuore;  —  o  und  e  in  upe-boven,  Ps.  8,  2 
und  beven  12,  3.  —  a  und  e  in  forsake  RG.  582  und  forseke  PL. 
2494.  —  i  in  slain,  slayn  PL.  45.  Ps.  77,  34  ist  erweicbtes  g  neben 
islawe  RG.  210. 


Me. 

1.  \golle, 
I  seile, 


Prät.  Sg.  gollide, 
gellide, 


PI.  gelleden, 


Part. 


§.    27. 


284 


Ablautende  Verben  4.  Kl.  im  Me. 


§.    27.     2.  stonde,     Prät.  Sg.  stod  stood,   PI.  stooden, 

3.  fare, 
sweer, 


4.  shape, 

stepe, 
heue, 

graue, 
schaue, 

4.  wade, 

5.  wassche, 

6.  bake, 

forsake, 

Schake, 
schaak, 

take, 
wake, 

aake, 
drawe, 

gnawe. 


farcd, 

swoor, 

{ sworen. 

jsweren, 

jshope. 

shopen, 

jshapide. 

shapiden, 

stept, 

\baf, 

hafen. 

(heue  de, 

heueden, 

graued. 

— 

Uchoofe, 

jschauede, 

— 

i  wesshe, 

weschen, 

<  wossche, 

wascheden. 

f  waschede, 

Jbook, 

booken, 

(bakede. 

bakeden. 

forsoke, 

forsoken, 

schook, 

schooken, 

schoke. 

jshakide, 

(shockide. 

tok(e), 

token. 

Jwook, 
(wakide, 

woken, 

wakideu, 

akide. 

idrow  (-g,- 

gh),  drowen, 

^drew  (-g). 

drawen, 

( drawide. 

gnowe, 

Jgnowen, 

jgnawideu, 

lowg, 

loowg, 

lough. 

leigede. 

slog. 

slogen. 

slow, 

slowen. 

slew. 

slewen. 

slewg, 

sieu. 

Part,  stonden. 
faren  fore. 
sworen. 

shapen. 

stopen  (ou). 

houun. 
heued. 

grauen, 
graued. 
schauen, 
shove. 

waad. 

waashun. 

wasschen. 

waischid. 

bakun. 

bake. 

forsaken. 

schakun. 
shake. 


taken. 

waken. 
waked. 

drawen, 
drawe. 


slain. 

Slawen. 

Slawe, 


Ablautende  Verben  4.  Kl.  im  iMe.  285 

fwexe,  [woxe,  woxen,  woxen.  §.  27. 

[waxe,  Iwax,  ^vaxon,  Avaxen. 

Wex  weex,  wexeii,  wexeii. 

(waxed,  waxedeu. 

1)  Die  Präsensformen  haben  o  nur  in  stonde  B.  stoond  A.  Gen.  21,  20 
und  in  golle  A.  Num.  10,  7  neben  gellen;  gewöhnlich  a,  das  aber  als 
lang  bezeichnet  wird  in  schaak  A.  shake  B.  Gen.  27,  40.  taak  A.  27, 
46.  aak  A.  ake  B.  4  Kgs.  4,  19.  und  selten  schwankt.  In  laghe,  laughe, 
lawe  ist  der  häufige  Wechsel  zwischen  g  und  h  und  in  leyge  Luk.  6, 
21  erscheint  noch  ags.  hlihhe.  Schwankend  sind  wasshe  und  waische 
B.  Gen.  24,  32.  w^axe  Ps.  1,  3  und  wexe  Gen.  40,  10.  —  Aus  früherer 
Zeit  bleibt  e  in  severe  B.  sweer  A.  Ex.  22,  8  heue  Gen.  13,  14.  sie  B. 
slee  A.  Ex.  2,  15. 

2)  Im  Prät.  erhält  sich  o  in  stood  Mt.  2,  9.  swor  swore  swoor, 
forsoc,  toc,  gnowe  Gh.  14758;  mit  nachfolgendem  w  beginnt  ow  zu 
wechseln  mit  ew:  drow  B.  drewg  A.  Exod.  4,  7.  drog  A.  Is.  10,  13. 
drowg  A.  droug  Mt.  26,  51,    drough  PP.  2S89;    slew   Ch.  9S9.  slewg 

A.  slow  B.  Mt.  2,   16.  slowe  A.  Gen.  4,  8.  slow  Ch.  5047. 

3)  Im  Part,  kehren  die  Präsenslaute  meistens  wieder,  wie  stün- 
den Mau.  5.  Ch.  9368,  shapen  1468.  Is.  48,  7.  grauen  Exod.  20,  4, 
waad  B.  wad  A.  Ez.  47,  5.  wasshen  Mau.  8.  Ch.  3311.  wayshun  A. 
Gen.  24,  32.  bakun  Gen.  18,  6.  taken,  waken,  drawen;  dagegen  in 
manche  dringt  o:  sw^orne  A.  Gen.  50,  6.  stopen  Ch.  9388;  oder  stellt 
sich  neben  a:  faren  PP.  2481.  fore  Ch.  R.  2710;  schauun  Lev.  13, 
33.  shove  Ch.  11593;  waxen  A.  woxun  B.  Exod.  2,  9.  wexen  A.  woxun 

B.  Gen.  25,  27.  wexen  A.  woxen  B.  Mt.  13,  32.  slawn  yslawe  Ch.  945, 
slayn  (für  slagn)  Josh.  8,  22. 

4)  Starke  und  schwache  Formen  stehen  neben  einander,  a)  im 
Prät.  Shop  A.  Js.  45,  18  und  shapide  A.  Gen.  2,  3;  haf  Ch.  2430  und 
heuede  A.  2.  Esdr.  2,  1;  schoofe  A.  und  schauede  B.  Judg.  16,  19; 
wosshe  Mau.  8.  wesh  A.  waischide  B.  Jud.  10,  3.  wesshe  Ch.  2285  und 
waschide  A.  waischide  B.  Mt.  27,  24.  wasschide  Mau.  7;  bock  A.  und 
bakide  B.  Js.  44,  19;  schoke  B.  Mt.  27,  51.  schook  B.  Euth  2,  17  und 
shockide  (?  ausdrasch),  A.  Judg.  6,  11.  shakide  A.  schook  B.  2.  Esdr. 
5,  13;  woc  A.  wakide  B.  Jer.  31,  28;  drow  drawide  Hab.  1,  15;  loowg 
A.  leigide  (lachte)  Job.  29,  24  und  lowg  A.  leigede  B.  Gen.  18,  10; 
wax,  woxe,  wex,  weex  PP.  2034.  wax  A.  wexe  B.  waxed  0  Luk.  2, 
40.  —  b)  im  Particip:  shapen  A.  Js.  48,  7.  Ch.  1468  und  auch  shapid 
Ecclus.  10,  22;  houun,  heued  B.  Gen.  13, 10;  grauenExod.  20,  4.  grauunB. 


286 


Alilautcnde  Verben  4.  Kl.  im  Ne. 


§.   2- 


§.  2S. 


graiied  A.  35,  33;  washiin  A.  waiscbiin  B.  10,  IK  wasschen  Mau.  S, 
wayshid  A.  waiscliid  B.  Gen.  18,  4;  waken  A.  awakid  B.  Js.  20,  8. 
Ch.  2525. 

Schwach  sind  Prät.  gollide  A.  gellide  B.  Judg.  5,  28  und  gelle- 
deu  Jud.  16,  13.  akide  A.  3  Kgs.  15,  23.  —  Dagegen  hat  auch  Ch. 
ehi  starkes  Prät.  quoke  2780. 


Ne. 

stand. 

Prüt.  stood,                 Part 

.  stood  (ü). 

sweär, 

swöre,  swäre, 

swörn. 

shäpe, 

shäped, 

shäpeu,  shäped. 

heave, 

höve,  heaved, 

höven,  heaved. 

gräve, 

gräved, 

gräven,  gräved. 

shäve. 

shäved, 

shäven,  shäved. 

wash  (ö). 

washed. 

washen,  washed. 

bäke, 

baked, 

baken,  baked. 

forsäke. 

forsook  (ü). 

forsäken. 

shäke, 

shook(ü), 

shäken. 

täke, 

took  (ü), 

täken. 

wäke, 

wöke,  waked. 

"wäked. 

a-wäke, 

a-wäked,  a-woke. 

.a-waked,  a-w^oke 

dräw, 

drew, 

dräwn. 

släy, 

slew, 

släin. 

wäx. 

wäxed, 

wäxen,  wäxed. 

1)  Nur  vier  Verben  sind  außer  Gebrauch  gekommen:  al,  span ,  Iah 
und  thwah  (towel?  frz.  touaille). 

2)  Schwach  flectieren  jetzt  to  fare,  wade,  ache,  gnaw  (Prät.  gnew 
Sf.  Nth.,  Part,  gnawn  Sh.  Mw.  2,2),  wash  (Prät.  weesh  Sc.  woosh, 
wush,  wushe  Sc),  step,  laugh  (Prät.  leugh  Sc.  WS.  Nig.  3),  yell,  wax 
(Prät.  woxe  Sp.  1 ,  11,  52.  Part,  woxen  1,  5,  12),  bake  (Part,  baked 
Lev.  2,  4). 

3)  Die  übrigen  Verben  bewahren  mehr  oder  minder  starke  Formen, 
a)  Das  starke  Prät.  ist  durch  ein   schwaches  verdrängt  und  auch 

zum  Particip  tritt  eine  schwache  Form,  wie  to  shäpe,  Prät.  shäped, 
Part,  shäped  und  shäpen  (HB.  letzteres,  Sh.  beide);  ebenso  to  gräve 
(in  HB.  oft,  jetzt  durch  engrave  fast  verdrängt,  HB.  stets  graven), 
shäve,  lade;  zu  letzterem  ist  die  Nebenform  löad  getreten,  daher: 
lade,  Prät.  läded,  Part,  laden,  laded;  und  load,  Prät.  loaded,  Part, 
loaden   und  loaded.  —  Das  Part,    shäven   steht  allein  in  HB.,  jetzt 


Ablaulciulo  Vorben  4.  Kl.  im  Ne,  287 

Avird  sliaved  vorgezogen.  Tliougli  on  his  brow  were  graven  lincs  §.  28. 
austore.  B.  Cb.  3,  52.  on  tby  brow  is  sorrow  ploughed  by  shame,  and 
annals  graved  in  cliaracters  of  flamo.  4,  42.  goodliest  trees,  loaden 
"svith  fairest  fruit.  M.  pl.  4,  147.  scarcely  any  voico  was  raiscd  in  fa- 
vour  of  a  minister  loaded  with  tlio  double  odium  of  faults  and  vir- 
tuos. Mac.  2.  194  etc.  loaden  ist  ziemlich  veraltet,  und  laden  wird 
laded  vorgezogen.  Shapon  jetzt  nur  adjectiviscli,  aber  in  HB.  noch 
Part.:  I  was  shapen  in  iniquity  Ps.  51,  5. 

Dialectisch  to  shape,  Prät.  shoope  Sc;  shake  shuck  Heref.;  heave 
hovo  Heref. 

b)  Neben  den  starken  Formen  stehen  schwache,  wie  to  (a)wäke, 
Prät.  wöke,  wäked,  Part,  wöke,  wäked;  to  heave,  Prät.  höve  heaved, 
Part,  höve  heaved  (HB.  nur  letzteres):  so  high  as  heaved  the  humid 
hüls.  M.  pl.  7,  288.  —  she  hove  to  ist  ein  Schifferausdruck  =  die 
Bewegung  des  Schiffes  wurde  dadurch  gehemmt,  daß  sein  Vordertheil 
gegen  den  Wind  gekehrt  wurde.  Mar.  Cut.  He  had  risen  or  heaved  his 
head  1,  211.  I  waked  to  find  her  M.  pl.  8,  478.  it  would  seem  stränge 
unto  bim  when  he  waked.  Sh.  Tarn.  1,  1.  Der  jetzt  bestehende,  aber 
nicht  immer  beobachtete  Unterschied  von  starkem  awake  (erwachen) 
und  schwachem  awaken  (wecken)  ist  historisch  nicht  begründet.  Ags. 
wacan  (aufwachen),  wacjan  äwacnjan  (wachen),  weccan  (aufwecken): 
^r  him  sunu  wöce  C.  70,  25.  wacjad  and  gebiddad  eow  Mt.  26,  41.  he 
eft  äwacenede  Bed.  5,  12.  hi  äwehton  hine  Mrc.  4,  38.  —  Orm  ge- 
braucht das  starke  Verb  transitiv  und  intransitiv:  |7att  hirdess  wokenn 
0  )7att  nahht  3752.  )?a  wakemenn  woken  (bewachten)  heore  faldess. 
3773.  —  Im  Ne.  sind  wake,  waken,  awake  und  awaken  intransitiv 
und  transitiv. 

c)  Prät.  und  Particip  sind  noch  stark  in  shäke,  shöok,  'shäken; 
forsäke,  forsöok,  forsäken;  täke,  töok,  täken;  dräw,  drew,  dräwn; 
släy,  slew,  släin.  ö  hat  hier  den  u-Laut  angenommen  theils  als  na- 
türliche Folge  der  Länge  oder  in  Folge  des  w.  Die  Formen  des  Prät. 
versuchten  auch  hier  in  das  Part,  vorzudringen,  hahen  sich  aber  nicht 
gehalten:  hadst  thou  but  shook  thy  head?  Sh.  KJ.  4,  2.  has  she  for- 
söok so  many  noble  matches?  Sh.  0.  4,  2.  he  might  have  took  his 
answer  long  ago.  Sh.  Tn.  4,  2.  he  hath  forsook  the  court.  bKR.  2,  3. 
In  Bedf.  sind  sie  gebliehen.  —  Das  schwache  Prät.  shake d  Sh.  T. 
2,  1.  when  they  looked  upon  me  they  shaked  their  heads.  Ps.  109,  25 
ist  jetzt  ungebräuchlich. 

In    stand,   stood,    stood   und  sweär,    swöre,    swörn  ist  der  Vocal 


288 


Ablautende  Verben  5.  Kl.  im  Ags. 


§.  28.  dos  Prät.  auch  in  das  Particip  vorgedrungen.    Das  unbegründete  Prät. 
sware  Mrc.  G,  23,  Sli.  Tit.  -1,   1   hat  sich  nicht  erhalten. 


§.  29. 


Fünfte  Klasse:  I,  ä,  i,  i. 

Ags. 

1 .  dwine  (schwinde),           Pri 

.  dwän. 

PI.  dwinon,  Part,  dwinen. 

gine  (gähne), 

gän, 

ginon. 

ginen. 

hrine  (berühre), 

hrän, 

hrinon, 

hrinen. 

seine  (scheine). 

scän, 

seinen, 

seinen. 

2.  gripe  (greife), 

gräp. 

gripon, 

gripen. 

nipe  (verdunkle), 

näp. 

nipon, 

nipen. 

drife  (treibe). 

dräf. 

drifon, 

drifen. 

scrife  (schreibe), 

gescräf, 

gescrifon, 

gescrifen. 

on-swife  (wende  um). 

on-swäf. 

onswifon. 

onswifen. 

belife  (bleibe), 

beläf. 

belifon, 

belifen. 

spiwe  (speie), 

späw. 

spiwon. 

spiwen. 

3.  flite  (streite). 

flät. 

fliton, 

fliten. 

bite  (bellte). 

bat. 

biton, 

biten. 

hnite  (stolze), 

hnät. 

hniton. 

hniten. 

slite  (zerreii^e), 

slät. 

sliton, 

sliten. 

smlte  (schmeiße), 

smät. 

smiton. 

smiten. 

wlite  (schaue  an). 

wlät, 

wliton, 

wliten. 

write  (reiße,  schreibe), 

wrät, 

writon. 

writen. 

wite  (weiße,  lege  zur  Last), 

wät, 

witon. 

witen. 

wite  (gehe  weg). 

ge-wät. 

ge-witon. 

ge-witen. 

bide  (erwarte). 

bäd, 

bidon. 

biden. 

cide  (zanke). 

cäd. 

cidüD, 

ciden. 

glide  (gleite). 

gläd, 

glidon. 

gliden. 

gnide  (reibe), 

gnäd, 

gnidon. 

gniden. 

be-hlide  (bedecke), 

be-hläd, 

be-hlidon, 

be-hliden 

ride  (reite). 

räd. 

ridon. 

riden. 

slide  (gleite). 

ä-släd, 

ä-slidoD, 

ä-sliden. 

lide  (reise), 

lad, 

lidon, 

ge-liden. 

mide  (meide), 

mäd, 

midon. 

be-miden 

scride  (schreite), 

scräd. 

scridon, 

scriden. 

snide  (schneide), 

snäd. 

snidon, 

sniden. 

wride  (winde), 

wräd, 

wridon, 

wriden. 

4.  ä-rlse  (stehe  auf), 

ä-räs. 

ä-rison, 

ä-risen. 

5.  blice  (leuchte). 

bläc, 

blicon. 

blicen. 

Ablautende  Verben  5.  Kl.  im  Ags. 


289 


strlce  (streiche,  schlage), 

Trt.  stnic, 

PI.  stricon,  Part.stricen. 

swice  (betrüge), 

swfic. 

swicon, 

swicen. 

wice  (weiche), 

wäc, 

wicon, 

wicen. 

sice  (seufze), 

sac. 

sicon. 

sicen. 

hiilge  (neige), 

hnäli, 

hnigoü. 

hnigen. 

sige  (falle,  sinke), 

sah, 

sigou, 

sig-en. 

stige  (steige), 

stah. 

stigon, 

stigen. 

lihe  (leihe). 

Iah, 

ligon. 

ligen. 

sihe  (seihe). 

sah, 

sihon, 

siheii. 

jtihe  (zeihe), 
(teo, 

täh, 

be-tigen. 

teäh, 

tugon, 

be-togen. 

dnhe  (gedeihe), 
l]?eo, 

]mh, 

76  äh. 

gej^ugon, 

ge-)70gen. 

pvrihe  (bedecke), 
Iwreo, 

wräh. 

wrigon, 

wrigen. 

wreäh, 

wrugon, 

be-wrogen. 

§•  29. 


Der  Stammvocal  i  steigert  sich  im  Präs.  zu  i  und  im 
Prät.  zu  ä. 

1)  Im  Präsens  i,  nur  die  vier  letzten  Verben  haben  auch  eö: 
seon,  teon,  Aelfr.  29.  ic  äteo  Luc.  6,  42,  J^eon  B.  2736.  ic  wreo  C.  53, 
26  und  wryon  (für  wrion)  95,  2.  Sie  treten  dadurch  zur  6.  Kl.  über 
und  haben  auch  den  Ablaut  derselben  angenommen.  —  greosan  (ahd. 
grüen)  ist  zu  ä-grisan  (grauen)  geworden. 

2)  Zum  singularen  Ablaut  ä  tritt  unter  dem  Einfluß  des  vorste- 
henden sc  ein  e,  daher  scän  B.  321.  sceän  Mt.  17,  2.  D.  Luc.  9,  29. 
Andere  eä  in  teäh  Oros.  4,  11.  J7eäh  Luc.  2,  52.  neben  ]?äh  B.  8.  )7äg 
C.  167,  25.  wreäh  C.  83,  28  neben  biwräh  Exon.  287,  32.  oferwräh  SPs. 
31,  5.  sind  entweder  durch  h  veranlaßt  oder  durch  das  Schwanken 
nach  der  6.  Kl.  —  Auslautendes  g  wird  h:  ästäh,  allein  nördliche 
Quellen  laßen  hier  g  bisweilen  stehen:  ä-stäg  Exon.  44,  14.  Ps.  17, 
19.     Auslautendes  h  wird  g  im  Inlaute:  ä-wrigon. 

3)  of-tugon  Exon.  92,  8  und  wrugon  496,  1  sind  Formen  der  6. 
Klasse  für  tigon  ä-wrigon  D.  Mt.  25,  38.  —  scionon  B.  303.  für  scinon 
994,  riodan  3170  für  ridon  sind  durch  Einwirkung  des  dunkeln  Lau- 
tes zweiter  Silbe  entstanden. 

4)  Neben  betigen  Ine.  14.  steht  betogen  15.  18.  aus  der  6.  Klasse. 
—  gegrippen  D.  Mrc.  1,  31. 


Koch,  engl.  Grammatik.    1.    2.  Aufl. 


19 


290 


Ablautende  Veii)en  5.  Kl.  im  Nag^s. 


§.  30.  Nags.     Lac^amon. 

1.  seine,  Prüt.  scffin, 


ri.  - 


Part.  — 


2.  igi'ipe, 
drill  e, 

3.  bite, 
slite, 
smite, 
write, 

at-wite  (strafe), 

iwite  (gehe), 

abide, 

glide, 

ride, 

lide, 

snide, 

scride, 

wride, 

4.  arise, 
agrise, 

5.  swike, 
sige, 
stige, 
teo, 
]?eo, 
wreo, 


scean  (son), 

igrap  (o), 

draf, 

bat, 

slat? 

smat, 

wrat, 

at-wat? 

iwat, 

abad, 

glad, 

rad, 

lad, 

to-snaede, 

scrad, 

ras  aras, 

agras  (agros), 

bi-swac, 

sab, 

stseb, 

tah  tseh, 

)?8eb, 


gripen, 
drifen, 

biten, 

sliten, 

smiten, 

writeD, 

at-witen, 

iwiten, 

abiden, 

gliden, 

riden, 

lideden, 

scriden, 

arisen, 

bi-swiken, 
sigen, 
stigen, 
tugen, 

iwrigen, 


igripen. 

idriiien. 

biten. 

islit. 

ismite. 

writen. 

iwite. 

ibiden. 
igliden. 
iriden. 
lüden. 

iscriden. 
iwriden. 
arisen. 

bi-swiken. 
isigen. 

itogen. 
i)?ogen. 
iwrigen. 


1)  Die  drei  letzten  Yerben  gestatten  kein  Präsens  tihe,  ]?ihe, 
wrihe-  nipe  sinke,  scriue  beichte  (ags.  scrlfan  sich  kümmern  um  mag 
diese  Bedeutung  veranlaßt  haben),  chide  (schelte)  kommen  vor,  aber 
ohne  Ablautbildungen. 

2)  Der  singulare  Ablaut  ä  steht  seltener  allein  (o),  wie  in  for- 
bat  A.  for-bot  6497.  iwat  A.  658.  scrad  A.  4109.  wrat  A.  6317;  öfter 
schwankt  er  und  zwar  in  A.  häufiger  nach  dem  e- Laute  hin,  wie 
sc£en  A.  son  B.  20608;  igrap  A.  igrop  B.  1566.  graep  8440;  abad  A. 
abod  B.  1605.  abed  A.  abod  B.  3114.  to-glad  A.  to-glod  B.  18083  und 
glsed  A.  glod  B.  19517,  rad  A.  7240.  rsed  A.  rod  B.  19516,  sah  A. 
10255.  seh  A.  soh  B.  2918,  30539;  seltener  nach  o,  wie  in  draf  A.  B. 
309.  draf  A.  9367.  draf  A.  drof  B.  1604.  drof  A.  B.  7843.  smat  A. 
smot  B.  2313.  smset  A.  smot  B.  20317,    smot  A.  B.  1466,   ras   (ros) 


Ablautende  Verben  5.  Kl.  im  Nag-s. 


291 


1555.  aries  A.  aros  B.  2041,  aros  A.  B.  404;  in  B.  tritt  dagegen  meist  §.  30. 
0  hervor.  —  tah  und  jnih  haben  natürlich  nicht  o,  sondern  ae,  e, 
weil  aus  ea  entstanden:  tah  A.  G40.  tiuh  A.  IG  11.  ta^ih  A.  2881.  teh 
A.  B.  26011  und  ijwh  A.  il^eh  B.  11054,  ij^aih  A.  ij^eh  B.  1995  und 
i]>ei  A.  i)?eh  B.  299.  —  Neben  lad  A.  4880  und  laed  A.  10737  steht 
ein  schwaches  lidede  A.  30725,  lidde  A.  2279,  pl.  lidden  A.  1272. 

3)  Der  plurale  Ablaut  erhält  sich,  selbst  noch  in  wrigen  17349; 
tugen  A.  1834  und  tuwen  A.  2G19  gehören,  wie  schon  im  Ags.,  der  6.  Kl. 
an.  Ebenso  die  Participien  itogen  A.  10099,  itowen  A.  B.  2719,  i|;ogen 
A.  26897  und  i];owen  A.  i);ogen  B.  340. 


Orm. 

1.  rine,  Prt.Sg.ran  15518.        PI. 
shine  2138,  shan  16169, 

2.  gripe,  grap  8125, 


rinenn?     Part,  rinenn? 
shinenn?  shinenn? 

bi-gripenn         bi-gripenn 


17863, 


19858. 


bi-gripenn  9752, 

bi-grap9754, 

drife  16982, 

draf  16177, 

drifenn? 

drifenn 

8239. 

)7rife  10868, 

7raf8973, 

7rifenn? 

]7rifenn  ? 

3.  write  3554, 

wrat? 

writenn5810, 

writenn 
3085. 

wite  (gehe). 

wat? 

witenn? 

witenn  8222 

bite, 

bat  12422, 

bitenn? 

bitenn? 

abide. 

abad  217,  bad, 

bidenn? 

bidenn? 

sni]?e. 

sna]?1338, 

snif>enn? 

sni)7enn? 

4.  rise. 

ras  2741, 

risenn? 

risenn 
11552. 

bi-swike  11678, 

biswacl2478, 

biswikenn? 

biswikenn 
11640. 

stighe  10786. 

stah  10673, 

stighenn  ? 

stighenn 
2783. 

strike, 

strac  14804, 

strikenn? 

strikenn? 

Orm  hat  die  ags.  Ablaute  völlig  unverändert.  Auffallend  ist  nur, 
daß  die  Kürze  des  i  im  Prät.  Plur.  und  im  Part,  gewöhnlich  unbe- 
zeichnet  läßt.  Hat  sich  die  Quantität  geändert?  —  )?rifenn  gedeihen 
10S6S  stammt  aus  dem  Altnordischen.  —  bilefenn  ist  zur  6.  Klasse 
übergetreten.  Im  Präs.  nur  kommen  vor  shrife,  oferswife,  smite, 
ride,  li]?e. 

19* 


292 


Ablautende  Verben  5.  Kl.  im  Ae. 


§.  :^i. 


Ae. 

1. 

schino, 

Trt. 

Sg 

. schon? 

2. 

gripe, 
drife, 

ssriue, 

gripte, 
draf, 
drof, 
ssrof, 

to-rof, 

l^rof, 

bäte, 

bete, 

smate, 

smot, 

wrote, 

abade, 

abode, 

rad, 

rode, 

cbidde, 

gnade, 

strade, 

ras, 

rose, 

agros, 

bisuiked, 

stey  stegh. 

1)  Präs.  gnide  Ps.  17,  43.  ogrise  PL.  5711.  stride  88,  24.  auch  glide, 
slide;  thye  Tr.  4,  10  entspricht  ags.  )?ihe,  y|?e  RG.  8974  (ags.  ge-]?eo), 
the  PL.  6602  (ags.  j7eo). 

2)  Im  Prät.  behalten  als  singularen  Ablaut  die  nördlichen  Quel- 
len SPs.  und  Tr.  a,  wie  in  draf,  abade,  bade,  smate,  bacbate  Ps. 
37,  21,  gnade  90,  6,  nur  stegh  17,  11;  während  EG.  und  PL.  o  haben: 
drof  EG.  2117,  ssrof  11454,  J?rof  241,  smot  375,  abod  10252,  rod 
6025,  rose  6386,  agros  11584,  doch  stey  6735,  to-rof  676  (zerrili, 
wohl  von  altn.  at  rifa) ;  PL.  schrowe  5693,  böte  5846;  smote  5S47, 
wrote  96,  rode  7178.  —  Schwach  sind  gripte  EG.  524,  griped  Ps.  47, 
6,  chidde  Tr.  2,  67,  biswiked  Ps.  20,  3. 

3)  Während  EG.  plurales  i  behält,  lallen  Ps.  und  Tr.  oft,  PL. 
selten     den    Laut     des     Sg.    eintreten:     drofe    PL.   57.    drof   2250, 


to-riue, 
)7rife, 

3.  bite, 

smite, 

write, 
abide, 

ride, 

chide, 
gnide, 
stride, 
rise, 

4.  agrise, 

5.  bisuike, 
stighe, 


PI.  schinen? 

Part,  schinen? 

gripten, 

gripen. 

driue. 

driuen. 

drofe. 

shriuen? 

scryuen. 

schriven. 

to-riuen? 

riven. 

mfen. 

)7rifen. 

biten, 

biten. 

smitton, 

smiten. 

smiten. 

writen. 

abiden, 

abiden. 

abade, 

rade, 

riden. 

rode, 

chidden, 

chidden. 

gniden? 

gniden? 

striden? 

striden? 

arisen. 

risen. 

agrisen  ? 

agrisen. 

bisuiked. 

Ablautciulo  Verben  5    Kl.  im  Me. 


293 


abade  Tr.  2,  73,    rade  1,   14,    rodo  1,   IG,    strade  1,   14,  ras  Ps.  53,   §.  31. 
5  etc. 

4)  Die  Part,  behalten  den  Laut,  stolzen  aber  oft  die  Endungen 
ab;  besonders  bei  RG.:  driuen  PL.  GS25,  ydriue  RG.  246,  yssriue 
11453. 


Me. 

1.  dwyne,       Prät. 
shyne, 

2.  dryue, 
shryue, 
stryue, 
thrive, 

3.  byte, 
smyte, 
wryte, 
slyte, 
bide,  bijd, 
cbide, 
glide, 
ride, 
slyde, 
writhe, 

4.  rise, 
agrise, 
syke, 

Stege  stye, 
the,  thee, 
wrie, 

1)  Präsens  i  weicht  ab  in  the  Ch.  3862.  thee  PP.  2927  (ags. 
]?ihe),  steye  A.  stie  B.  Gen.  50,  23.  Stegen  stie  Ps.  23,  3.  stye  Mau.  12 
(ags.  stige),  leeven  A,  Gen.  45,  6  (ags.  life)  und  spewe  B.  Lev.  18,  25 
spewen  A.  spue  B.  Job.  20,  15.  knede  Ch. 

2)  Ags.  ä  im  Prät.  Sg.  wird  6,  dessen  Länge  Wycl.  mit  oo,  Ch. 
und  Mau.  gewöhnlich  mit  e  im  Auslaute  bezeichneten:  smoot  smote 
oder  unbezeichnet  lallen:  smot  Mau.  5;  ausgenommen  ist  allein  steig  A. 
Mt.  3,  16.  steigh  Cr.  1616. 

3)  Obgleich  schon  im  Ae.  der  singulare  Ablaut  in  den  Plural 
dringt,    so   hat   sich   bei  Wycl.  überall  kurzes  i  im  PI.  erhalten,   wie 


§.  32. 


Sg.  dwynede. 

PI. 

Part.  — 

schoon, shone,  shinen? 

shinen? 

drof, 

dryuen. 

dryuen. 

shrof. 

shryuen, 

schryuen 

stroof. 

stryuen. 

stryuen. 

throf. 

thriuen, 

thriuen. 

boot. 

biten. 

to-bite. 

smoot, 

smyten, 

smyten. 

wroot. 

writen. 

writen. 

slytt. 

bood. 

abiden. 

biden. 

chidde, 

chidden. 

chidden. 

glode. 

gliden, 

gliden. 

rood, 

riden, 

riden. 

slood. 

sliden, 

sliden. 

wrooth. 

writhen. 

roos. 

risen, 

risen. 

agriside, 

sijkide. 

steig. 

stigeden. 

stige. 

ywrien. 

294 


Ablautende  Verben  5.  Kl.  im  Ne. 


§.  32.  stryuen  A.  stryueden  B.  Geu.  2G,  22.  smyten  Mt.  2G,  G7.  writen  K.  wre- 
ten  J.  wroteu  B.  Deeds.  15,  23.  riden  A.  Js.  29,  7.  risen  Mt.  25,  7. 

4)  Auch  im  Part,  erhält  sich  i,  jedoch  daneben  dryue  A.  dreuen 
B.  Ex.  3,  1.  streuen  A.  chidde  B.  Lev.  21,  10.  writhun  B.  Lev.  1,  15. 
wrethen  Ch.  chidden  Joh.  0,  53.  abiden  A.  abedun  B.  Gen.  8,  10. 

5)  Schwache  Prät.  dwynede  A.  Ps.  US,  15S,  agriside  A.  .Job.  10, 
17,  sijkido  A.  4  Kgs.  13,  14.  —  Part,  stiged  A.  Joh.  6,  17  neben  stige 
A.  Mrc.  15,8. 

§.  33. 


Ne. 

j. 

1.  shine, 

Prät.  shöne. 

Part,  shöne  (shöne  Wb 

2.  drive, 

dröve, 

driven. 

shrive, 

shröve. 

shriven. 

thrive, 

thröve, 

thriven. 

rive, 

(röve)  rived, 

riven. 

3.  bite, 

bit, 

bitten. 

smite, 

smote. 

smitten. 

abide, 

aböde, 

aböde. 

chide, 

chid, 

chidden. 

glide, 

glided, 

glided. 

ride, 

rode, 

rode,  ridden. 

slide, 

slid, 

slidden,  slid. 

stride, 

ströde, 

stridden. 

writhe, 

writhe  d. 

(writhen)  writhed 

(a)rise. 

rose, 

risen. 

strike, 

Struck, 

Struck. 

1)  Die  Hälfte  der  dieser  Kl.  zugehörigen  Verben  ist  ungebräuch- 
lich, wie  to  hrine  (North.,  Var.  dial.  Sc),  dwine,  gine,  nipe,  swife, 
nite,  wite  (strafe),  wite  (gehe,  Line),  gnide,  lide  (davon  lid),  lithe, 
mithe,  snithe,  agrise  (Sp.),  büke,  swike,  wike,  stigh,  ligh,  sig  (seihe), 
tigh,  thee  und  wrie. 

2)  Schwach  geworden  sind  to  gripe,  spew,  slit  (Prät.  slate  Sc, 
Part,  slotten  Chesh.),  glide,  wreathe  und  writhe,  sigh,  flite  (flaat 
Chesh.  Crav.  flate  Nrth.).  Auch  rive,  rived,  rived,  denn  riven  kömmt 
nur  noch  adjectivisch  vor. 

3)  Stark  geblieben  sind  folgende  Verben  a)  solche,  welche  den 
singularen  Ablaut  und  den  Laut  des  Part,  erhalten  und  nur  den  plur. 
Ablaut  verloren    haben;    wie   in    to    drive,    dröve,    driven.      Ebenso 


Ablautende  Verben  5.  Kl.  im  Ne.  295 

shrTve,  sbröve,  sbriven;  smite,  smöto,  smitteii;  write,  wröte,  wntten;   §.  33. 
ride,  stride,  riso,  arise,  thrivo. 

Abweicbeiido  Ablantformen  a)  des  Priit.:  —  wbose  better  issue  in 
tbe  war,  from  Italj  lipon  tbe  first  encounter  drave  tbcm.  Sh.  AC.  1, 
2.  a  troubled  mind  drive  me  to  walk  abroad.  Sh.  RJ.  41,  1  (Momms.). 
he    drave  tbem.  Deeds.  IS,   IG.  tbe  Saracen  and  Christian  rid.  Hud. 

ß)  des  Particips:  he  has  here  writ  a  letter  to  you.  Sh.  Tw.  5,  1. 
what  is  writ,  is  writ  B.  Cli.  4,  185.  tbe  king  bimself  is  rode  to 
view  tbeir  battle.  Sh.  KHe.  4,  3.  no  civil  broils  have  since  bis  deatb 
arose.  Dryd.  which  of  your  friends  had  I  not  strove  to  love?  Sh. 
KHh.  2,4.  I  could  have  smote,  but  lacked  tbe  strength.  B.  Maz. 
IS.  —  Ben.  Jons.:  rise,  ris  rose  und  ebenso  smite,  write,  bite,  ride, 
drive,  stride,  slide,  aber  strive  strove,  thrive  throve.  Auch  Wall, 
hat  clive,  strive,  thrive,  drive,  rise,  smite,  write,  ride,  Prät.  clöve, 
strove,  thröve,  dröve,  rose,  aröse,  smöte,  wröte,  rode  und  auch  thrive, 
rise,  smitt,  writt,  ridd;  —  Part,  clöven,  thriven,  driven,  risen,  smit- 
ten,  written,  ridden,  aber  auch  thrived. 

Schwache  Formen:  the  scolding  winds  have  rived  the  knotty 
oaks.  Sh.  JC.  1,  3.  yea,  so  have  I  strived  to  preach  the  gospel. 
Eom.  15,  20.  she  shall  be  shrived  and  married.  Sh.  KJ.  2,  4. 

b)  solche,  in  welchen  der  singulare  Ablaut  auch  in  das  Part, 
vorgedrungen  ist,  wie  in  shine  shone  shone,  abide  abode  abode,  strike 
Struck  Struck  (verkürzt). 

Abweichende  Ablautformen  sind:  silent  and  in  face  confounded, 
long  they  sat,  as  strucken  mute.  M.  pl.  9,  1064.  let  the  stricken 
deer  go  weep.  Sh.  H.  3,  2.  Ben.  Jons,  und  Wall,  shine,  shöne;  abide, 
abode  (abided).  Das  einfache  bide  ist  in  der  schott.  Formel  erhalten: 
bide  your  time  (warte  deine  Zeit  ab). 

Schwache  Formen:  they  tbat  dwell  in  the  land  of  the  shadow 
of  death,  upon  tbem  hath  the  light  shined.  Is.  9,  2.  tbe  earth  shine d 
with  bis  (God's)  glory.  Ez.  43,  2. 

c)  solche,  die  den  pluralen  Ablaut  im  Prät.  und  den  Laut  des 
Part,  bewahrt  haben:  bite  bit  bitten,  chide  cbid  chidden,  slide  slid 
slid.  — 

Abweichende  Ablautformen:  Jacob  chode  with  Laban.  Gen.  31,  36. 
I  should  have  cbid  you  for  not  bringing  it.  Sh.  E.  4,  1.  Ben.  Jons, 
bite  bit  bitten,  W.  chide  chid,  slide  slid. 


29G 


Ablautende  Verben  0.  Kl.  im  Ags. 


§.  31.  Sechsto  Klasse  co  (Gr.  eo),  eä,  u,  o 

1.  croopo  (krieche),     Trat.  Sg.  creüj), 
slCipe  (sclilüpfe),  oii-sleäp, 
deofe  düfe  (tauche),  gedeäf, 
sceofe  scufe  (schiebe),  sceäf, 
reofo  (raube),  reäf, 
cleofe  (spalte),  cleäf, 

2.  breowe  (braue),  breäw, 
ceowe  (kaue),  ceäw, 
hreowe  (bereue),  hreäw, 

3.  breote  (breche),  breät, 
geote  (gieße),  geät, 
hleote  (lol^e),  hleät, 
neote  (geniel^e),  — 
sceoto  (schieße),  sceät, 
fleote  (fließe),  fleälr, 
lüte  (neige),  leät, 
reote  (weine),  reät, 
l^eote  (heule),  j?eät, 
a}7reote  (verdrieße),  a|?reät, 
beode  (gebiete),  beäd, 
leode  (wachse),  leäd, 
strüde  (raube),  streäd, 
reode  (röthe),  read, 
seode  (siede),                    ■    seäd, 
hreode  (schmücken),  hread, 
ä-breode  (vernichte),  ä-breäd, 

4.  ceose  (erkiese),  ceäs, 
freose  (friere),  freäs, 
hreose  (stürze),  hreäs, 
for-leose  (verliere),  for-leäs, 
dreose  (falle),  dreäs, 
begreose  (schrecke),  begreäs, 

5.  lüce  (schließe),  leäc, 
süce  süge  (sauge),  seäc, 
reoce  (rauche),  reäc, 
smeoce  (rauche,  schmauche),  smeäc, 
brüce  (brauche),  breäc, 
beoge  (biege),  beäh, 


PI. 


crupon,  Part. 

tö-slupon, 

dufon, 

scufon, 

rufon, 

clufon, 

bruwon, 

cuwon, 

hruw^on, 

bruton, 

guton, 

hluton, 

scuton, 

fluton, 

luton, 

ruton, 

J>uton, 

budon, 

ludon, 

strudon, 

rudon, 

sudon, 

hrudon, 

ä-brudon, 

curon, 

fruron, 

hruron, 

forluron, 

druron, 

begruron, 

lucon, 

sucon, 

rucon, 

smucoD, 

brucon, 

bugon, 


cropen. 

tO-slopen. 

dofen. 

scofen. 

rofen. 

clofen. 

browen. 

cowen. 

browen. 

broten. 

goten. 

hloten. 

bi-noten. 

scoten. 

flöten. 

loten. 

roten. 

]7oten. 

boden. 

loden. 

stroden. 

roden. 

soden. 

hroden. 

ä-broden. 

coren. 

froren. 

hroren. 

forloren. 

droren. 

begroren. 

locen. 

socen. 

rocen. 

smocen. 

brocen. 

bogen. 


I 


Ablautende  Verben  0.  Kl.  im  Af^s. 


297 


drooge  (liaudlo), 

Prät. 

Sg 

droah, 

PI 

.  driigon,    P 

art.  droger 

leogo  (lügo), 

loah, 

lugoii, 

logen. 

fleogo  (tliege), 

fledh, 

flugOD, 

flogen. 

fleolie  (fliehe), 

fleah. 

fliigon, 

flogen. 

teohe  (V.  Kl. 

ziehe), 

teah, 

tiigou, 

togen. 

§.   34. 


10 


Stammvocal   u    erweitert    sich,    im    Präsens    zu    (iu,    ü) 
8  0  und  im  Prät.  zu  e ä. 


Im  Präsens  findet  sich  io  neben  eo,  wie  niotan  C.  15,  18.  ciosan 
B.  2377.  niosan  238S.  Durh.  hat  einige  ea,  wie  getea  Joh.  21,  6,  beada 
Mt.  28,  8,  forbeada  Mrc.  9,  38,  flea  Mrc.  13,  14,  bisweilen  auch  e: 
Imp.  fleh  (fliehe)  Mt.  2,  13.  Jenes  io  und  ü  weisen  auf  ursprüngliches 
iu  hin. 

2)  Der  singulare  Ablaut  verengert  sich  selten  zu  e,  wie  in  of- 
scet  B.  2439  neben  gesceät  2318,  scet  Joh.  21,  7,  teh  21,  11;  geces 
Luc.  10,  42  neben  geceäs  Mt.  12,  18,  fleah  C.  87,  29,  flog  SPs.  17,  19 
flog,  ge-leäh  C.  4,  5  und  ä-leh  B.  80,  mit  auslautendem  g:  ä-leäg  Mt.  1,  39. 
In  nördl.  Quellen  muß  e  häufiger  werden,  da  im  Präsens  eo  nach  ea 
schwankt,  oder  für  letzteres  tritt  (unterscheidendes)  ess  ein,  wie  D.  Mt. 
26,  7  ageaett  für  ageat  Ps.  41,  5.  agaett  Mrc.  14,  3.  —  Cod.  Exon.  153, 
2.  ähneop  (pfiückte),  wahrscheinlich  für  ähneäp,  denn  dem  got.  hniu- 
pan  nach  mui^  das  ags.  Verb  ä-hneopan  und  nicht  ä-hneäpan  heilten. 

3)  Der  plurale  Ablaut  geht  selten  nach  o  über,  wie  in  üt-gotun 
Exon.  88,  33  und  breotun  Exon.  243,  24.  gehört  zu  breätan,  rudon  An. 
1005.  )?uton  Bo.  38.  —  Bemerkenswerth  ist,  dai^  s  nach  r  übergeht 
im  Prät.  PI.  und  Part,  in  ceäs,  curon,  coren;  hreäs,  hruron,  hroren; 
leäs,  luron,  loren;  dreäs,  druron,  droren;  begreäs,  begruron,  be- 
groren.  —  Die  Participien  haben  nur  o.  —  Durch  den  Wechsel  zwi- 
schen auslautendem  h  und  inlautendem  g  fallen  fleohe  und  fleoge  im 
Prät.  PI.  und  Part,  zusammen:  flugon  und  flogen. 

Nags.     Lagamon. 


1. 

crepe, 
deofe, 
scuue. 

Prät. 

Sg 

crap, 

deaef, 

scaf, 
scaef, 

PI 

. crupon, 

scuuen  A. 
souen  B. 

Part,  at-cropen 

cleouie. 

claef, 

cluuen, 

clouen. 

reouwie. 

' 

3. 

geote, 
ileote, 

gaet? 

geoten, 

igoten. 
iloten. 

§.   35. 


298 


Alilautende  Verben  6.  Kl.  im  Nag-s. 


§.   35. 


scoote,         Prät. 

Sg.  sceat,  scffit,  PI.  scuten, 

Part,  iscoten. 

iileote, 

flet, 

fluten, 

iulut. 

lute, 

luten. 



breode, 

beode,  bede 

(baid,  bad, 
Ibed, 

budon, 

iboden. 

biden. 

ibeden. 

forbeode, 

forbffid,  bad, 

forboden 

4.  cheose, 

chaes, 

euren. 

icoren. 

(ichose). 

ichosen. 

reose,  rese, 

raes,  ras, 

to-raesden, 

leose, 

jlses,  lees, 
(losede, 

loseden. 

iloren. 
ilosed. 

luke, 

Isec  (lok). 

luken, 

iloken. 

suke, 

saec  (soc). 

bruke. 

^buge, 
<buwe, 

baeb,  bab,  beb, 
bogede, 

bugen, 

baehgen, 

beoweden, 

drige, 

lige,  lege,  luge, 

laeb,  leb, 

drogen, 

fleo  (fliege), 
fleo  (fliehe), 

jflaeh,  fleh, 
[flah, 

(flaeh,  fleh, 
jfleih,  flei. 

flugen  (o), 
fluwen  (o), 

flugen, 
fluwen, 

flugen. 
flöge, 
iflogen. 
iflowe. 

1)  Im  Präs.  bleibt  meistens  eo,  daneben  eou  in  reouwe  A.  reuwe 
B.  16047  und  ü  steht  in  scuue ,  luke,  suke,  buge;  lugen  A.  15024. 
lige  A.  lege  B.  3034;  ferner  ein  gleiches  drige  A.  drege  B.  371;  in 
crepen  A.  29313  ist  eo  zu  e  geworden. 

2)  Für  ags.  eä  tritt  meist  ae  ein  nebst  den  anliegenden  a  und  e : 
sca3f  A.  sef  B.  9366.  scaf  A.  saf  B.  22314,  claef  A.  to-cleof  B.  21390, 
chjBS  A.  12175,  laec  A.  lok  B.  15311,  saec  A.  soc  B.  12981,  forbad 
A.  for-bead  B.  13180,  forbsed  A.  bed  B.  20579,  to-ras  A.  rees  B. 
15518,  to  raes  A.  to-reos  B.  9425,  l^s  A.  les  B.  637,  bah  A.  beb  B. 
12960,  baeh  A.  beoh  B.  4745,  beb  A.  19042,  laeb  A.  leb  B.  17684, 
flah  A.  fleh  B.  (floh)  9346,  flseh  A.  fleh  B.  4545,  fleh  A.  fle|?  B.  552, 
fleih  A.  fleg  B.  1612  und  flei  A.  üe]>  B.  1606. 

3)  Der  plurale  Ablaut  ist  schon  sehr  schwankend,  wie  geoten  A. 
19771,  bugen  A.  7499,  baehgen  A.  29408;  und  wenn  A.  noch  u  be- 
hält, zeigt  B.  schon  o:  crupen  A.  crope  B.  18472,  scuten  A.  sote  B. 


Ablautende  Verben  6.  Kl.  im  Nacs. 


299 


5690,   fluweu  A.  flowen  B.  S13  (flogen),   fliigen  A.  flöge  B.  3901.  —   §.  35. 
beode  miscbt  sich  mit  bidde  und  bide,  daher  budon  A.  1631. 

4)  Im  Particip  steht  meist  o,  doch  auch  iulut  A.  27934.  Auch 
hier  ibede  A.  ibodo  B.  1S433,  iboden  A.  B.  22122.  —  Schwache  For- 
men Trat,  losede  12711  neben  la3s  und  bogede  A.  27338  neben  baeh; 
to-r»sden  A.  to-resden  B.  1S6S2.  Part,  ilosed  A.  ilore  B.  12492  neben 
iloren  4S49. 


1. 

Orra. 

clefe,           Prät. 

Sg.to-clsefl479S, 

PI.  clufenn. 

Part 

.  clofenn  1224 

bilefe. 

bilsef7666, 

bilefedd 
8914. 

2. 

chewwe. 

reowe  3976, 

raew  14314, 

ruwenn? 

rowenn  ? 

3. 

flete  1S093, 

flaet  3466, 

flutenn? 

flotenn  ? 

gete, 

bidde  14024, 
bede  15745, 

gaet? 

badd  14036, 
forbsed  10151, 

gutenn  ? 
budenn. 

gotenn  1773. 

beodenn 
11627. 

4. 

chese  13932, 
frese? 

chaes  3526, 

curenn? 

chosen  9623. 
bifrorenn 

forrlese  2278, 

forrlaes  4764, 

forrlurenn 

13856. 
1412,  forrlorenn 

1395. 

luke  16432, 

laec, 

lukenn, 

lokenn  1091. 

bughe  6627, 
leghe  4907, 
fleghe  (fliege) 
5991, 

baeh  8961, 
Iffih  12188, 
flaeh. 

? 
lughenn? 
flughenn 

893, 

boghenn? 

loghenn? 

floghenn? 

fle(o)  2934, 

flaeh  823, 

flughenn? 

floghenn  ? 

1)  Die  Abweichung  in  leghe,  fleghe  rührt  von  g  her,  das  in  sei- 
ner Erweichung  e  vor  o  erhielt:  chewwe  1236,  lute  und  bruke  haben 
keine  Ablautbildungen.  —  Ags.  eä  wird  überall  ee  im  Prät.  Sg.  Die 
Formen  sind,  soweit  sie  vorliegen,  überall  regelmäi%.  —  Das  schwache 
bilefedd  gehört  nicht  zu  bi-lifenn,  sondern  zu  bi-laefenn,  ags.  bi-lsefan 
(bleiben);  he  lutte  8961. 


Ae. 

1.  cleue, 

2.  brewe, 


Prät.  Sg.  to-clef, 
brew. 


PI.  clouen, 
browen, 


Part,  ycloue. 


§.   36. 


300 


A))lautende  Verben  0.  Kl.  im  Ae. 


§.  36. 


37. 


3. 

schete,         Prät. 

Sg.  sehet, 

PI 

.  sehot, 

Part,  schotten. 

glicto, 
louto, 

ghotten, 
louten, 

ghoten,  get. 
lout. 

flete, 

flet, 

bede, 

bed  (a,  e), 

boden. 

boden  (e). 

se)^e, 

sod, 

sode. 

sodden. 

4. 

chese, 

ches, 

choson 

(e), 

ycorn  ehosen 

lese  (o), 
frese, 

las,  lost, 
frese. 

les, 
frosen  ? 

lorn. 
frosen,  ifrore 

5. 

loke, 

belac,  belouked, 

loke, 

loken? 

Jabuge, 
jabowe, 

aboute, 
bowed, 

bouwed, 
abowe, 

bowen? 

lie,  lighe, 
fle  (fliege), 
fle  (fliehe). 

lighed, 

flegh, 

flew  (u), 
fley,  fled, 

flowen, 

flowen, 
fled, 

yflowe. 

yflowe. 
fled. 

I 


1)  Im  Präsens  meist  e  aus  eo.  —  o  und  e  neben  einander  in 
lese  PL.  2025  und  lose  6595.  —  i  in  lighe  Tr.  2,  94  und  lie  PL.  7039. 

—  ags.  ü  in  loute,  loke  5707,  abuye  EG.  2246. 

2)  Der  sing.  Ablaut  verdünnt  sieh  auch  zu  e,  so  daß  Präs.  und 
Prät.  zusammen  fallen:  to-clef  EG.  4293,  "sehet  244,  flet  Tr.  1,  34.  ches 
EG.  500,  les  10874  PL.  581,  frese  PL.  2975,  fley  (floh)  EG.  2600, 
doch  daneben  schon  flew  409,  fleu  3817;  flegh  (flog)  Ps.  17,  11;  jenes 
helle  fley  ist  durch  Erweichung  der  Gutturale  bewirkt.  —  Die 
Mischung   dauert  fort   in  beod  EG.  1497,    bed  EG.  2526,    bode  7930. 

—  Neben  les  steht  ein  schwaches  lost  PL.  7028;  ferner  sind  schwach 
bilouked  Ps.  30,  9,  aboute  EG.  6298,  bowed  Tr.  1,  82,  lighed  Ps.  77, 
36.  65,  3.  und  fled  PL.  44.  —   Schwach:  schette  EG.  374. 

3)  Prät.  PI.  zeigt  noch  meist  ursprüngliches  o,  nur  selten  ist  der 
sing.  Ablaut  eingetreten,  wie  in  ches  PL.  743.  cheson  (?  für  ehosen) 
EG.  418,  les  PL.  6086. 

4)  Im  Part,  noch  o,  nur  fled  PL.  3970  ist  schwach  und  ybede 
EG.  8024  und  boden  Ps.  80,  5,  erklären  sich  aus  oben  angeführter 
Vermischung. 


Me. 

1. 

erepe. 

Prät.  Sg.  crope, 

clyue, 

cleef. 

2. 

rewe, 

rewede, 

PL  cropen, 


Part,  cropen. 

clouen,  cleft. 


Ablautende  Verben  6.  Kl.  im  I\Ie. 


301 


brewe, 

Trat.  Sg 

.  brew,brewede, 

n.— 

Part.  — 

3.  for-bede, 

forbeed, 
bad, 

bedon, 

boden. 
bodeii  (i). 

setlie, 

(sethe, 
jsethede. 

sethede, 

soden,  sothun. 

geete, 
schete, 

fgotte, 
(getide, 
fschete, 
Ischotte, 

schete. 

gotun. 
schott. 

flete. 

■fleet, 
■  fletide, 

fletiden, 

loute, 

lowtide, 

lowtiden, 

lowtid. 

4.  cbese, 

jchees, 
Icheside, 

chosen, 
chesen, 

chosen. 

frese, 

jfrees, 
jfreside. 

leese, 

lees, 
'  losed,  loste, 

losten, 

lerne, 
lost. 

5.  loke, 

loken. 

bowe, 

bowide, 

bowiden. 

bowid. 

lige,  lie, 

fleigh, 
jliede, 

lieden, 

leiged,  lowen 
lyed. 

.flee,  flege 

(fliege), 

ffleig, 
Iflew, 

flewen, 

flee  (fliehe), 

{fleig, 
Ifledde, 

flowen, 
fledden, 

flowen. 
fled. 

§.   37. 


1)  Das  Präs.  behält  großen  Theils  e,  schete  4  Kgs.  13,  17  (J. 
aber  schotte),  selbst  in  flee  A.  fle  B.  (fliehen)  Mt.  2,  13  und  flee  (flie- 
gen) PP.  5452.  —  i  steht  in  schyue  Tob.  13,  13  und  lige  A.  lye  B. 
Lev.  19,  11.  lye  Mau.  29  neben  leige  A.  lye  B.  Josh.  24,  27.  —  Frü- 
heres u  ist  noch  in  loute  A.  Gen.  37,  7,  sowk,  souk  Gen.  21,  7,  brouke 
Ch.  15306  und  bowe  Josh.  24,  23  erkennbar. 

2)  Im  Prät.  Sg.  steht  meistens  e,  daneben  aber  einzelne  Formen 
mit  dem  Ablaut  des  PL:  crope  PP.,  gotte  BC.  gettide  X.  4.  Kgs.  4,  5. 
—  Bei  der  lautlichen  Uebereinstimmung  des  Präs.  und  Prät.  erklärt  sich 
die  Hinneigung  zu  schwacher  Flexion:  getide  B.  Ex.  37,  3.  fletide  B. 
4.  Kgs.  6,  6,  lowtide  (verneigte  sich)  A.  Gen.  18,  2,  rewide  B.  2.  Cor. 
7,  8,  brewed  Ch.  14695,  sethede  A.  B.  Gen,  18,  7,  fresede  A.  Ecclus. 
43,  22,  cheside  s.  u.,  loste  (tödtete)  A.  Mt.  22,  7,  bowide  A.  Gen.  19,  1, 
lied  Ch.  661.  fledde  A.  fleig  Joh.  6,  15. 


302 


Ablautende  Verben  0.  Kl.  im  Ne. 


§.  37.  3)  Die  Prät.  PI.  schoinen  sehr  zu  schwanken  wie   chosen  PP.  60 

und  mit  sini,^  Ablaut  chesen  B.  chesiden  A.  Luk.  11,  7.  sheto  A.  Ps. 
03,  5,  flowen  (flohen)  PP.  1350.  flewen  (flogen)  Ch.  15397.  Meistens 
sind  sie  schon  schwach:  liede  B.  Judg.  IG,  15.  chesiden  A.  chesen 
Mt.  13,  48.  loston  Deut.  3,  6.  Ch.  938.  fledden  Mt.  8,  33.  PP.  1349. 

4)  Dagegen  im  Part,  erhält  sich  o  durchgängig,  wie  in  cropen 
Ch.  4257.  cloven  Mau.  8.  cloue  B.  cleft  A.  Mt.  27,  51.  gotun  Ex.  32,  4. 
schott  J.  1 .  Kgs.  20,  37.  sothun  A.  Gen.  1 8,  8.  soden  Mau.  1 9.  B.  Gen.  18,8. 
PP.  10490.  chosen,  chosun  Mt.  12,  18.  lerne  Ch.  3536.  loken  A.  3.  Kgs. 
7,  9;  wenn  sich  die  Formen  nicht  mischen,  wie  in  bodun  A.  Gen.  45, 
21.  biden  A.  Esth.  1,  7.  beden  A.  bode  B.  Mt.  22,  3  oder  schwächen, 
wie  in  cleft,  lost  Ps.  72,  27.  ylokked  Mau.  26,  bowid  Js.  17,  7.  lyed 
A.  Gen.  26,  9  und  liged  A.  Josh.  7,11.  fled  Mau.  25.  neben  flowen 
Euth  2,  12.  —  soupe  zu  Abend  eßen,  Prät.  soupede  Mt.  26,  26.  sou- 
pide  A.  soop  B.  trank.  Apoc.  12,  16.  Part,  sopun  1.  Cor.  1554  weisen 
auf  ein  ags.  süpan  (saufen)  zurück.  —  lowen  (gelogen)  A.  Judg.  16,  15. 


Part,  crep-t. 
clöven. 
clef-t. 
södden. 
seeth-ed. 
shöt,  shötten. 
chosen. 
frözen. 
lös-t. 
flöwn. 
fle-d. 


§.  38.  Ne.  creep,         Prät.  crep-t, 

cleave,  clöve,  cläve, 

clef-t, 
seethe,  söd, 

seeth-ed, 
shöot,  shöt, 

chöose,  chöse, 

freeze,  fröze, 

löse,  lös-t, 

fly,  flew, 

flee,  fle-d, 

1)  Verloren  sind  to  breet,  geet,  reet,  streut,  lout,  athreet,  leed, 
beed,  stroud,  breeth,  reeth,  rees,  drees,  begrees,  dreeg,  brouk 
und  tee. 

2)  Schwach  sind  und  darunter  mag  manche  Neubildung  von  einem 
erhaltenen  Nomen  sein:  to  chew,  riie,  brew,  dive,  shöve,  slip,  löt, 
fleet,  reek,  smöke,  bow,  sück,  löok. 

Ferner  sind  folgende  schwach  geworden,  in  denen  der  lange  Prä- 
sensvocal  heller  werden  konnte,  während  im  Prät.  und  Part,  durch 
Consonantenhäufung  der  e-  oder  o-Laut  festgehalten  wurde: 

to  creep,  Prät.  crept,  Part,  crept  (Prät.  crope  Lanc,  Part, 
croppen  Ch.  Bedf.,   crap,   crappen  Crav.);    cleave,    cleft   clöve,    cleft 


Ablaulonde  Verben  G.  Kl.  im  Ne.  303 

clövon;    bereavo,   bereft,   boivft;    flee,    fled,    fled;    löse,   lost,    löst;    §.  38. 
shöot,  sliöt,  shüt;  flee,  lled,  fled. 

Abweichende  Formen:  He  chave  the  wood  for  the  bnrnt  ofifering. 
Gon.  22,  3.  He  clave  the  rocks  in  the  wildorness.  Ps.  78,  15.  And 
there  appeared  unto  them  cloveu  tonguos  like  as  of  fire.  Acts.  2, 
3.  The  Valleys  shall  bo  cleft.  Mic.  1,  4.  Das  lautlich  gleiche  to  cleave 
(kleben),  dem  nur  ein  schwaches  ags.  clifjan  vorliegt,  mag  durch  je- 
nes zu  starken,  jetzt  veralteten  Formen  gelangt  sein:  Orpali  kissed 
her  mother  in  law,  but  Ruth  clave  unto  her.  Ruth  1,  14.  certain 
men  clave  unto  him.  Acts.  17,  34  und  their  tongue  cleaved  to  the 
roof  of  their  mouth.  Job.  29,  10.  but  anon  down  cloven  to  the  waste, 
with  shattered  arms  and  uncouth  pain  fled  bellowing  M.  pl.  0,  361. 
shoulder-shotten.  Sh.  Tarn.  3,  2.  thus  roving  on  in  confus'd  march 
forlorn,  the  adventurous  bands  viewed  their  lamentable  lot.  M.  pl. 
2,  615. 

3)  Stark  sind  nur  noch:  chöose,  chöse,  chösen;  seethe,  söd, 
södden  (HB.)  und  seethed,  seethed;  freeze,  fröze,  frözen;  fly, 
flew,  flöwn. 

Die  Vocale  in  seethe  und  freeze  erscheinen  als  regelmäßig  aus 
dem  Me.  entwickelt,  wie  in  fleet,  creep,  cleave,  bereave  und  flöe, 
ebenso  fly,  dessen  i  schon  frühe  hervortritt  und  in  ofi'ener  Silbe  sich 
verlängert.  Dagegen  chöose  läßt  sich  nicht  erwarten;  o  muß  aus  dem 
Prät.  PI.  weiter  vorgedrungen  sein,  ebenso  wie  in  shöot.  In  chevv, 
rue  (für  rew)  und  brew  wurde  w  vocalisch,  ebenso  to  böw;  shöve, 
lock  und  sück  sind  auf  früheres  u  zurückzuführen. 

Diesen  Yerben  treten  außer  dem  angeführten  thrive  noch  bei:        §.  39. 

1)  to  weär  (dauern,  tragen),  Prät.  wöre,  wörn,  das  auf  schwa- 
ches ags.  werjan  zurückführt.  Ben.  und  Wall,  wear,  wore  wäre, 
wore  wor'n. 

2)  to  stick  (stecken),  stück,  stück;  ags.  sticjan  ist  schwach,  dies 
und  stacu  weisen  auf  ein  starkes  stecan  (stechen).  Ben.  Jons,  stick, 
Stack,  stock,  stuck;  Wall,  stick,  stuck,  stuck. 

3)  to  betide  (sich  ereignen),  betid,  betid;  ags.  tidan  ist  schwach. 

4)  to  dig  (graben),  digged  und  düg,  digged  und  düg,  ags.  schwa- 
ches dicjan:  they  digged  down  a  wall.   Gen.  49,  6.  dug  ist  gewöhnlicher. 

5)  to  spit  (ags.  spittan  ausspucken),  spit,  spit;  spat  und  spitten 
sind  veraltet:  he  spat  on  the  ground.  Job.  9,  6.  ho  shal  be  spitted 
on  Luc.  18,  32. 

6)  to    shöw    zeigen  (ags.   sceäwjan  schauen),    dessen  Prät.  shew 


304  Ablaulformen  in  Dialeclen. 

§.  40.  Sp.  1,  5,  7  wieder  durch  showed  verdräng-t  ist;  im  Part,  erhält  sich 
noch  shown  neben  showed;  schon  Wall,  shewn  und  shew'd. 

7)  Ebenso  to  ströw  streuen,  ströwid,  ströwn  (ags.  streowjan 
schwach):  all  the  ground  with  shivered  armour  strown.  M.  pl.  G,  3SS. 

Die  Dialecte  bieten  zahlreichere  Versuche,  starke  Formen  von 
schwachen  Verben  zu  gewinnen. 

to  cast  (werfen),  Prät.  coost  Sc. 

to  hide  (verbergen),  hod  Wilts. 

to  hit  (treffen),  hot  Cam. 

to  lead  (leiten),  lod  Wilts. 

to  owe  (schuldig  sein),  Prät.  ewe  eught  Crav. 

to  pick  (auflesen),  Prät.  puck  Laie,  und  Heref. 

to  put  (setzen),  Prät.  put,  Part,  putten  Sc. 

to  reap  (ärnten),  Prät.  rep  Ess. 

to  sew  (nähen),  sew  Ess. 

to  Show  (zeigen),  Prät.  shew  Ess. 

to  scrape  (kratzen),  scrope  Wilts.  Bosw. 

to  spare  (schonen),  spore  Cam. 

to  squeeze  (drücken),  Prät.  squoze  Heref. 

to  sweat,  sweeat  (schwätzen),  Prät.  sw^at  Chesh. 

to  snap  (schnappen),  snopt  Wilts.  Bosw. 

to  thaw  (thauen),  Prät.  thew  Sf. 

to  threap  (streiten),  Prät.  thrope,  Part,  thoppen. 

to  thrust  (stoßen),  thurst  Sc,  Prät.  throost  Sc. 


Dritter    Abschnitt. 
Schwache  Verben. 

§.  41.  Die    reduplicierenden    und    ablautenden   Verben   bilden    das   Prä- 

teritum aus  dem  Stamme,  die  schwachen  Verben  dagegen  bilden  es 
mit  dem  Hilfsverb,  dem  Prät.  von  da  (thun).  Der  selbständige  Ge- 
brauch des  Hilfsverbs  fehlt  dem  Gotischen;  das  Alts,  und  Ags.  haben 
es  noch:  jenes  Prät.  de  da,  dieses  dide.  Allein  schon  im  Got.  zeigt 
der  Sing,  nur  verkürztes  -da  und  nur  der  Plural  zeigt  die  Eeduplica- 
tion:  -ded-u-m.     Alts,  -da,  ags.  -de. 

Zwischen  den  Stamm  und  das  Prät.  des  Hilfsverbs  tritt  ferner  der 
Bindevocal.     Im  Sanskr.   heilet   derselbe   aya  und   dieses  wird   durch- 


Schwache  Verhcn  im  Ag>.   1.  KI.  305 

gängig  eingoscbobcii:  drim-ayii-mi,  got.  tam-ja.   Das  got.  Prät.  zeigt  §.    11. 
drei  Biudevocalo:  nas-ja-n,  rriit.  nas-i-da  (vielleicht  Schwilchung  von 
ya);  salb-ö-n,  Trat,  salb- 0- da  (ans  a+  a  nach  Ausstellung  dos  y) ; 
hab-a-n,  Prät.  hab-ai-da  (aus  ay). 

Das  Alts,  hat  nur  zwei  Bindevocale:  alts.  ner-ja-n,  Prät.  ner-i-da; 
nian-O-n,  Prät.  mau-O-da.  Im  Part.  Pass.  tritt  im  Got.  )?-s  an  den 
Pindevocal:  nas-i-|>s,  salb-ö-]^s,  hab-ai-j^s;  im  Alts.-d:  ner-i-d,  man-ö-d« 

Das  Ags.  hat  ebenfalls  nur  zwei  schwache  Conjugationen. 

Erste  Klasse. 
I.     Der  Bindevocal  i  (ja)  in  ner-ja-n  (ernähren),  schwächt  sich  §.   12. 
zu  e:  Prät.  ner-e-de,  Part,  ner-e-d. 

Diese  Bildungsweise  ist  sehr  vermindert. 

1)  Die  langvocalischen  Stämme  stoßen  den  Bindevocal  im  Prät.  aus: 
dc^lan  (theilen),    Prät.  d^l-de,  Part,  gedsel-ed. 

m^enan  (meinen),            msen-de,  msen-ed. 

bel*van  (verladen),        beleev-de,  belsev-ed. 

lEedan  (führen),               laed-de,  Ised-ed. 

deman  (urtheilen),          dem-de,  dem-ed. 

fedan  (füttern),              fed-de,  fed-ed. 

hedan  (hüten),                hed-de,  hed-ed. 

redan  (lesen),                  red-de,  red-ed. 

spedan  (fördern),           sped-de,  sped-ed. 

cigan  (rufen),                  cig-de,  cig-ed. 

betidan  (sich  ereignen),  betid-de?  betid-ed. 

hyran  (hören),                hyr-de,  hyr-ed. 

Nach  Ausstoßung  des  Bindevocals  i   ist  hier  der  Umlaut  beibe- 
halten, dagegen  tritt  in  secan  und  recan  der  ursprüngliche  Laut  hervor: 
secan  (suchen),     Prät.  söh-te,     Part,  söh-t. 

recan  (kümmern),           röh-te,  röh-t. 

2)  Die  Stämme  mit  Positionslänge  auf  mn,  ng,  rm,  rn,  Id, 
nd  und  rd  stoßen  ebenfalls  e  im  Prät.  aus;  mn  verliert  in  Folge  der 
Consonantenhäufung  dann  n. 

nemnan  (nennen),       Prät.  nem-de,       Part,  nemn-e-d, 
sprengan  (sprengen),  spreng-de,  spreng-e-d. 

bsernan  (brennen),  bsern-de,  baern-e-d. 

styrman  (stürmen),  styrm-de,  styrm-e-d. 

3)  Zu  diesen  treten  die  kurzvocalischen  Stämme,  deren  einfache 
Consonanz   im  Auslaute    durch  Assimilation  des  Bindevocals  sich  ver- 

Koch,  engl.  Grammatik.  I.  2.  Aufl.  20 


SOG  Scliwacl'c  Verben  im  Ags.  1.  und  2.  Kl. 

§.  42.   doppelt:  Ij,  mj ,  sj ,  dj ,  gj ,  cj  und  pj  werden  zu  11,  mm,  ss,  dd, 
cg,  cc  und  pp;  die  Geminaten  vereinfachen  sich: 

wemman  (verderben),         Prät.  wem-de,         Part,  wemm-e-d. 
cennan  (erzeugen),  cen-de,  cenn-e-d. 

spillan  (verderben),  spil-de,  spill-e-d. 

ilhreddan  (retten),  ähred-de,  fihredd-e-d. 

lecgan  (legen),  leg-de,  leg-e-d. 

Seltener  gehen  sie  auf  ihre  kurzsilbigen  Stämme  und  regelmäloi- 
gen  Bildungen  zurück:  fremjan,  fremman  (machen),  Prät.  frem-e-de 
Beo.  3.  äswefjan,  äswebban  (einschläfern,  beruhigen),  Part,  ä-swef-e-de 
B.  567.  —  ähredjan,  ähreddan,  Part,  ähred-ed  C.  125,27  und  ähredd 
Ps.  17,  3.  —  lecgan  zeigt  auch  verkürzte  Formen,  indem  g  vor  d  aus- 
fällt und  e  sich  verlängert:  Prät.  leg-de  C.  43,  7,  file-de  Luc.  2,  7. 
Part,  äled  Luc.  2,  12. 

Einige  Verben  lai-^en  auch  hier  nach  Ausstol^uug  des  Bindevocals 
den  Rückumlaut  eintreten : 

cwellan  (tödten),         Prät.  cweal-de,       Part,  cweal-d. 
sellan  (geben),  seal-de,  seal-d. 

tellan  (sagen),  teal-de,  teal-d. 

weccan  (wecken),  weah-te,  weah-t. 

reccan  (erklären),  reah-te,  reah-t. 

Die  sächsischen  Quellen  behalten  hier  selten  e  wie  in  rehte  Exon. 
188,  25.  äwehton  Mt.  8,25.  ästreccan,  Prät.  strehton  21,  8.  ästrehte  8, 
3,  Part,  gestrebt.  —  Nördliche  Quellen  haben  aber  a:  sella  D.  Mt. 
4,9.  gesald  Luc.  23,2.  Part,  sald  Luc.  11,  29. 

§.  43.  In  Folge  der  Ausstülpung  des  Bindevocals  berühren  sich  der  con- 

sonantische  Auslaut  des  Stammes  und  das  Bildungs-d  des  Prät. 

A.  Jener  wirkt  auf  letzteres  und  veranlaßt  folgende  Verän- 
derungen: 

1)  Hinter  Id,  nd  und  rd  fällt  ein  d  aus  und  ebenso  hinter  It, 
nt,  rt,  ft,  st  und  ht: 


scildan  (schützen). 

Prät. 

scil-de, 

Part,  scild-ed. 

sendan  (senden). 

sen-de, 

send-ed. 

gyrdan  (gürten), 

gyr-de, 

gyrd-ed. 

styltan  (staunen), 

stylt-e. 

stylt-ed. 

hyrtan  (ermuthigen). 

hyrt-e, 

hyrt-ed. 

myntan  (festsetzen), 

mynt-e, 

mynt-ed. 

haeftan  (in  Haft  nehmen), 

haeft-e, 

haeft-ed. 

Schwaclu'  Verltoii  im   Ags.   1.  mnl  2.  Kl.  307 

rill  tau  (richtoii),  riht-c,  rilit-cd.  g.  43. 

restan  (riilien),  rest-c,  rest-ed. 

2)  Hinter  p,  t,  n  c,  s  und  x  wird  d  zu  t. 

dyppau  (eintauchen),    Prät.  dyp-te,   I'art.  dypp-ed. 
settan  (setzen),  set-te,  setted,  set. 

drencan  (tränken),        Priit.  drenc-te,     Part,  drenc-ed. 
cyssan  (küssen),  cys-te,  cyss-ed. 

lixan  (gliinzen),  llx-te,  lix-ed. 

B.  Das  Bildungs-t  wirkt  auf  den  Auslaut  zurück  und  einfaches 
c   wird   h: 

reccan  (erklären),     Prät.  reah-te,     Part,  reah-t. 
weccan  (wecken),  weah-te,  weah-t. 

streccau  (strecken),  streah-te,  gestreah-t. 

Die  Participien  nehmen,  wahrscheinlich  unter  dem  Einfluß  des 
Prät.,  auch  verkürzte  Formen  an:  äsend  Joh.  3,28.  gehaßft  Gen.  22, 
13.  geseted  Andr.  156.  C.  7,  3.  geset  Mt.  8,  9.  sette  Ps.  138,  12.  ge- 
sett  IG,  32. 

Bei  den  Verben  von  langvocalischen  Stämmen  treten  natürlich  die 
gleichen  consonantischen  Veränderungen  ein: 

rsepan  (binden),  Prät.  rsep-te,       Part,  rsep-ed. 
betan  (beinern),  bet-te,  bet-ed. 

metan  (begegnen),        met-te,  met-ed. 

teecan  (lehren),  taeh-te,  tseht.  ■ 

Eigenthümlich  ist  Durh.  geneolecan  (geneälsecan)  Prät.  geneo- 
lecdon  (=  geneälaehton)    Luc.  15,  1,    neben  tsecan,  Prät.  tahte,  Mrc. 

12,  38. 

Zweite  Klasse. 

Sie  hat  im  Got.  und  Alts,  ö  zum  Bindevocal,  im  Ags.  aber  be-  §.  44. 
wahrt  sie  dieses  o  (die  Lautschwankungen  sprechen  für  o,  nicht  für  ö), 
nur   im  Prät.    und  Part.,    während  Präsens  und  Infin.    noch   j  haben: 
sealf-j-an  (salben),  Prät.  sealf-o-de,  Part,  sealf-o-d. 

Neben  diesem  o  erscheinen  Schwankungen  nach  a,  u  und  e  — 
a  schon  in  B.  wisade  208.  370,  fröwade  1721.  neben  wlsode  320.  und 
)?röwode;  ferner  bletsade  C.  90,  34.  folgade  Exon.  419,88;  in  SPs. 
cleopade  21,  25  und  cleopede  26,  7.  a  und  u  sind  dialectische  Eigen- 
thümlichkeiten.  In  Edgifa's  Declaration  (Rask.  p.  183)  steht  oft  u: 
aborgude,  geclaensude,  gef>ingude,  ge)?ancude,  geendude  etc.  Die  SC. 
A.  hat  meist  o,  selten  u,  BC.  gewöhnlich  o,  E.  dagegen  a.  —  |?a 
Haigan  Godspel  ed.  B.  Thorpe  haben  o,  ed.  Junius  et  Mareschall.  Dor- 

20* 


308  Scliwaclio  Vorben  mit  liindevocal. 

§.  '15.  drecht  1G()5  u:  gegadorude,  syngiide  und  syngode,  geedcucude  und 
geedcuccde,  );eowude  etc.  —  Das  Diirh.  hat  a:  geendade,  genöhuade, 
wilnade,  synngade,  gewuldrado,  gemörsade,  bodade,  löcade,  gemit- 
sade  etc.  und  läl^t  es  auch  in  das  I'art.  eintreten :  gesomnad,  genKJu- 
tad,  wie  Edgifa  u:  geearnud. 
§.  46.  Nags.     Hier    schon    mischen    sich    die  beiden  Klassen,    weil  der 

Bindevocal  o  sich  selten  erhält  wie  in  makode  A.  makede  B.  La^.  1705 
(daneben  meist  makede;  und  selbst  im  Ae.  bei  EG.  in  ascode  1982 
und  im  romau.  destruiode  47  neben  gewöhnlichem  askede  und  destruyde 
877,  heo  robbode  3143)  und  bei  Orm  ganz  verschw^unden  ist.  Es 
laßen  sich  daher  nur  die  beiden  Abtheilungen  der  ersten  Klasse  im 
Ags.  unterscheiden,  von  denen  man  die  erstere  (mit  kurzsilbigen  Stäm- 
men) als  die  regelmäl%e,  die  andere  als  die  abweichende  bezeichnen 
kann. 

I.  Der  Bindevocal  e  bleibt  in  Prät.  und  Particip;  die  Kürze 
desselben  wird  durch  Orm's  edd  ausdrücklich  bezeichnet. 

sweuen  (schlafen),  Prät.  sweu-e-de,     Part,  isweu-ed. 
j^ankien  (danken),  ]?ank-e-de,  i)7ank-ed. 

Das  abweichende  roraan.  to  granti  14152  in  Prät.  grant-e-te  B. 
22521  ist  wohl  ein  Schreibfehler. 

Im  Ae.  hat  das  Prät.  -e-d,  in  PL.  oft  i-d:  end-i-dl365,  command-i-d 
1911.  Ebenso  das  Part.;  Contractionen  treten  bisweilen  auf,  wie  end-i-d 
PL.  109,  ent  PL.  5798,  cald  PL.  99  etc. 

Me.     Prät.  e-d,  i-d;  Part,  e-d,  i-d. 
thanke,    Prät.    thank-ede,    thank-ide,    Part,  thank-ed,    -id.     Bisweilen 
auch  Verkürzungen,  wie  answered  Ch.  8175  und  answerd  4990. 

Ne.  Prät.  -e-d,  Part.  -e-d. 

to  thank,  Prät.  thank-ed,  Part,  thank-ed. 

Der  Bindevocal  e  mit  dem  Bildungs-d  des  Prät.  ist  jetzt  als  die 
regelmäßige  Bezeichnung  des  Prät.  anzusehen,  und  da  der  Bindevocal 
nur  da  seinen  Laut  bewahrt  hat,  wo  er  die  Aussprache  des  d  er- 
möglichen muß  (d.  i.  hinter  t-Lauten:  afford-ed,  wett-ed),  und  sonst 
stets  stumm  ist,  so  ist  d  das  eigentliche  lautliche  Zeichen,  ed  das 
orthographische  für  Prät.  und  Part.  Der  lautliche  Verlust  des  e  be- 
ginnt schon  frühe  und  ist  durch  die  daneben  liegenden  Bildungen  der 
Prät.  von  langsilbigen  Stämmen  veranlaßt.  Die  synkopierten  Formen 
im  Ae.  und  Me.  weisen  darauf  hin.  Dagegen  spricht  der  Wechsel 
von  e  und  i  bei  PL.  und  Wicl.  dafür,  daß  es  seine  lautliche  Geltung  im 
Allgemeinen  behielt,  wenn  auch  einzelne  Prät.  sich  verkürzten.    Noch 


Schw  achc  Verben  mit  Bindevocal.  309 

Spenser  zeigt  vielfach  deu  Bindevocal  als  Laut.  So  l)  nach  Vocalen:  §.  4G. 
stai-ed  2,  (i,  27.  rebellow-ed  1,  8,  11.  shewed  1,  li,  32;  —  2)  nach  Liqui- 
den: beguiled  1,  1,  51.  hurl-ed  1,  2,  20.  travail-ed  1,  2,  28.  seem-ed  1,  1, 
17.  claim-od  1,  4,  11.  drown-cd  1,  1,  53.  weeu-od  1,  4,  47.  car-ed  1,  2, 
12;  —  3)  nach  Labialen:  hop-ed  1,  7, '49.  stepp-ed  4,  10,  53.  lov-ed  1, 
2,  S;  —  1)  nach  Gutturalen:  look-ed  2,  9,  11.  lock-ed  1,  1,  40;  — 
5)  nach  Sibilanten:  pass-ed  1,  4,  6.  disseiz-ed  1,  11,  20.  chaunc-ed  1, 
7,  29.  gush-ed  1,  8.  10.  march-ed  1,  8,  3.  Dieses  e  in  od  scheint  schwerer 
(aus  rhythmischen  Gründen)  zu  sein  als  das  e  der  Ableitungssilbe  und 
letzteres  wird  ausgestoi^en,  wenn  der  Rhythmus  die  Ausstülpung  des  einen 
verlangt:  wondred  1,  3,  38.  gathred  1,  1,  25.  threatned  1,  8,  12.  hastned 
1,  11,4.  hearkned  1,7,  15.  hapned  1,  10,  2.  Es  könnte  demnach  scheinen, 
als  ob  zu  Sp.'s  Zeit  dieses  e  noch  durchaus  hörbar  gewesen  sei. 
Allein  hält  man  dagegen  die  zahlreichen  Ausstoßungen,  die  es  nach 
allen  Lauten  außer  deu  Dentalen  erfährt,  so  läßt  sich  wohl  annehmen, 
daß  es  in  der  Sprache  des  Lebens  schon  im  Verklingen  war,  dem 
Dichter  aber  ein  bequemes  Mittel,  den  Rhythmus  auszufüllen.  In 
Folge  der  Ausstoßung  treten  bei  Sp.  vielfache  Assimilationen  ein.  — 
Ein  volles  lautes  -ed  im  Prät.  kommt  bei  Sh,  kaum  vor,  wenn  es 
nicht  durch  vorhergehenden  t-Laut  nöthig  ist,  dagegen  im  Part,  oft 
und  desto  öfter,  je  mehr  es  sich  adjectivischem  Gebrauche  nähert.  — 
Synkope  tritt  oft  ein  und  hier  befolgt  Sh.  folgende  Gesetze  (in  EJ. 
ed.  Mms.):  1)  Weich  auslautenden  Stämmen  (1,  m,  n,  r,  b,  g,  th, 
s  und  z)  fügt  er  d  au:  cald,  termd,  crownd,  flowerd,  stabd,  changd, 
raisd,  breathd.  —  Hart  auslautenden  Stämmen  (p,  k,  f,  s,  c,  sh,  tch) 
folgt  t:  whipt,  markt,  cleft,  crost,  punisht,  vext.  2)  Langer  Stamm- 
silbe fügt  er  bisweilen  ein  stummes  e  bei,  kurzer  Endsilbe  nie: 
shapte,  rulde,  namde,  preparde.  3)  Die  Ausstoßung  des  e  wird  hinter 
V  durch  Apostroph  bezeichnet,  hinter  ow  und  ew  nicht;  es  fällt 
aber  hier  selten  aus:  lov'd,  liv'd,  vowd  und  vowed.  In  vocalisch  aus- 
lautenden Stämmen  steht  kein  Apostroph:  entweder  said,  laid  oder 
Saide,  laide,  oder  voll  tried,  died,  married;  —  4)  In  den  auf  er,  el 
und  en  schließenden  paroxytonischen  Stämmen  wird  bisweilen  der  Vocal 
dieser  Endsilben  ausgestoßen:  murdred,  offred,  softned,  troubled.  Die 
letzten  haben  sich  befestigt:  mangled,  muffled. 

Alle  verbalisierten  Wörter  bilden  ihre  Formen  schwach,  Prät.  und 
Part,  mit  d,  ed:  they  my-loved  and  ray-deared*each  other.  Van.  F.  45. 

Die  Verben    auf  -e    laßen  im  Prät.  nur  d  antreten:   love  love-d, 
move  move-d. 


310  Schwache  Verben  niil  und  ohne  Bindevocal. 

§.    J().  Einfaches  y  geht  inlautend  nach  i  über:  to  carry,  Prät.  carried; 

coniponiertes  y  bleibt:  to  delay,  Prät.  delayed. 

Die  Verben  mit  kurzem  Vocale  und  einfacher  Consonanz  im  Aus- 
laute mül^en  letztere  vor  -ed  verdoppeln,  um  die  Kürze  des  Vocals 
zu  wahren:   to  wet,  Prät.  Part,  wet-t-ed,  to  bog,  Prät.  Part,  beg-g-ed. 

Die  volle  Form  -ed  hat  t  oft  weichen  mül^en,  weil  man  die  Vocal- 
kürze  im  Stamme  bezeichnen  oder  der  Aussprache  gerecht  werden 
wollte.  Aus  dem  erstem  Grunde  tritt  es  ein  in  Verben  mit  Gemina- 
tion oder  mehrfacher  Consonanz  im  Auslaute:  to  dw^ell  Prät.  dwelt, 
to  smell  smelt,  spill  spilt,  bless  blest,  pass  past,  burn  burnt,  curse 
curst.  Hinter  den  Liquiden  hat  Sp.  noch  d  neben  t:  dweld  2,  9,  5G. 
dwelt  2,  10,  7.  burnd  3,  10,  15.  burnt  3,  12,  8.  —  Ferner  tritt  t  für  d 
ein  hinter  p  und  k,  weil  hier  nicht  ein  d,  sondern  nur  t  hörbar  wird: 
whip  whipt,  clip  clipt,  drop  dropt,  knock  knockt.  Solche  Verkür- 
zungen waren  früher  sehr  gewöhnlich,  wie  bei  Sp.  auch  gusht  1,  8,  lü, 
washt  2,  7, 62,  promist  1,1,7,  vanisht  2,  8,  8,  marcht  2,  9,  10  etc.  Nach 
Wallis  steht  t  hinter  c,  ch,  sh,  f,  k,  p,  x,  scharfem  s  und  th  und 
bisweilen  hinter  1,  m,  n,  r:  plac't,  snatch't,  fish't,  wak't,  dwel't, 
smel't  etc.;  d  hinter  b,  g,  v,  w,  z,  weichem  s  und  th,  und  hinter 
1,  m,  n,  r  mit  vorstehendem  langen  Vocale:  liv'd,  smiPd,  raz'd,  be- 
leev'd  etc.  Wie  diese  letztern  schon  längst  zur  regelmäl^igen  Form 
zurückgekehrt  sind,  so  auch  viele  der  obigen,  und  man  schreibt:  pas- 
sed,  blessed,  burned,  knocked,  stripped,  whipped,  slipped  etc.  Selten 
haben  sich  die  beiden  Formen  unterscheidend  festgesetzt:  pen,  pent 
(eingeschloßen),  penned  (geschrieben) :  Within  these  walls  a  maid  was 
'  pent.  Byr.  Cors,  A  well  penned  letter. 

§.  47.  II.     Der  Bindevocal  fällt  in  langsilbigen  Stämmen  aus. 

1)  Das  Bildungs-d  tritt  im  Nags.  unmittelbar  an  den  Stamm. 

jdaelen  (theilen)  Lag.,   Prät.  dsel-de,  del-de  A.  Part,  idel-ed  A.  ideal-ed 
idselenn  0.  adealde  B.  Lag.  846.  B.  3166. 

dall-de?   0.  dal-edd  11253. 

jdemen  (urtheilen)  L.,    dem-de  1860,  idem-ed  A.  460. 

jdemenn  0.  demm-de?  dem-edd  16727  und 

demm-d  872. 

cwemenn  (gefallen)  0.,  cwemm-de  2595,  cwem-edd  13804. 

lenen  (lehnen)  L.,  len-de  228,  ilen-ed? 

fiheren  (hören)  L.,         he(a,  o,  u)rde,  ihe(se,  i,  o)rd. 

jherenn  0.,  herr-de  907,  herr-d  153. 


Schwache  Verben  ohne  Bindcvocal  im  Nags. 


311 


andren  (errichten)  L., 

areie, 

UiBuen  (laßen)  L., 
)bila3ueii, 


jrefen  (rauben)  L., 
jrjefenn  0., 

jlreden  (leiten)  L., 
(ledeuu  0., 

Ifedenn  (füttern)  L., 
[fedeun  0., 

speden  (glücken)  L., 

sprieden  (ausbreiten)  L.,  spradde  A.  1215, 

|rae(a)den  (lesen)  L.,  radde  10, 

iredeun  0.,  redde? 

hidenn  (verbergen)  0.,  hidde  13736, 
ki)?enn  (künden)   0.,        kidde  9527, 
aquellen  (tödten)  L.,      aquelde  21, 


ra^r-de  A.  221 11,  arau'-ed  A.  2002. 

arerde,  arered  B. 

laf-de  A.  lef-de  B.  7(16,  ileu-ed  B.  24107. 
bila^f-de  A.  bilofde  B.  bileu-ed  3202. 

1613. 
rsn-ede  A.  4038.  iraeu-edA.iref-edB.  1121. 

rtef-deA.refdeB.10584.bi-raif-edd  0.  2832. 
la3d-deA.laddeB.  584.     ilaid  A.  bi-lad  B.  8726. 


§.   47. 


led-de  12756, 

fed-de  7155, 
fed-de3181, 
isped-de  A.  3399, 


ledd  11321. 

iuöedde  A.  ived  13984. 

fedd? 

sped? 

irad  24990. 
redd  6870. 

hidd  1090. 
kil^l^edd  16979. 
aquealdA.  acweldB.974. 


leornenn  (lernen)  0.,      lerrnde  7248. 

Obgleich  hier  Präsens-  und  Präteritallaut  in  gleichem  Zeichen 
vorliegen,  so  läßt  doch  Orm  erkennen,  daß  die  Laute  schon  verschie- 
den sind;  der  Laut  des  Präsens  bleibt  lang  (abgesehen  von  den  beiden 
letzten  Verben) ,  der  des  Präteritums  wird  in  Folge  der  Consonanten- 
häufung  kurz:  fede,  fedde. 

2)  Nach  Id,  nd,  (dd)  fällt  ein  d  ab,  nach  rt,  st,  ht,  tt  das  Bildungs-d : 
bulden  (bauen)  L.,         Prät.  bulde?  Part,  ibuld  31904. 


jsenden  (senden)  L., 
(senndenn  0., 
wenden  (wenden)  L., 
redden  (retten)  0., 
fulsten  (helfen)  L., 
resten  (ruhen)  L., 
Gasten  (werfen)  L., 
laesten  (leisten)  L., 
lihten  (absteigen)  L., 
lihten  (erleuchten)  L., 
tuhten  (ziehen)  L,, 
setten  (setzen)  L.O., 
bitten  (treffen)  L., 


sende  446, 
sennde  1861, 

wende  566, 

redde  19316, 

fulst  1148, 

reste  3511, 

castB.  1919, 

leste  (a)  1534, 

lihte  5387, 

lihte  A.  25595, 

tuhte  810, 

sette, 

i-hitte  314, 


isendA.  isendeB.  11221. 
sennd  208. 

iwent  A.  iwend  B.  17  515. 

redd? 

irseste  A.  26646. 
icast  B.  16271. 
ilast  7087. 


ituht  A.  30185. 
iset,  sett  0.  145. 


hurten(zusammenschlagen)L.,  hurte  1878, 


312 


Schwache  Verben  ohne  Bindevocal  im  Nags. 


17.  La<|.    fängt   schon    an  im  Priit.  für  d  ein  unterscheidendes  t  ein- 

treten zu  lai^'n:  wenden,  Prüt.  went  A.  11719,  Part,  iwent  A.   17515. 
B.  hat  iwend. 

3)  Das  Bildungs-d  verhärtet  sich  zu  t  hinter  p,  ch,    cch,   ss,   t: 
(Icepen  (haiton)  L.,         Prät.  kep-te  23930,         Part,  kep-t. 


kepp-te  2576. 
rajhte  A.  25124, 
cahte  4547, 
bikahht  11621, 


kepp-t  V 

i-raht  10842. 

icaht  10843. 
bikahht  12288, 


(kepenn  0. 

raicchen  (erklären)  L., 
jcacchen  (fallen)  L., 
ibikajchenn  0., 
(Altn.  käka), 
ta3Chen  (lehren)  L.  0.,  tahhte  1071,  tahht  18741. 

lacchenn  (faßen)  0.,  lahhte?  lahht  11621. 

cussen  (küßen)  L.,  custe  1194. 

norm,  cutel (Messer), altn.  kuta,cutte  B.  8182. 
dän.  putte,  putte  18092. 

ch,  cch  wird  vor  t  zu  h;  in  nch  fängt  es  an  zu  erweichen: 
drencheu  (tränken),  Präteritum  dreugte  A.  dreiute  B.  Lag.  12111,  adreint 
B.  2205. 

4)  Der  Eückumlaut  erhält  sich  in: 
sae(e)chen  (suchen)  L.,  Prät.  isohte  16778, 


sohhte  2942,  ' 
rohte  11482. 
rohhte  9024. 
rehte(ea)237  75. 
streachte  1910. 
tahhte  1071, 
talde  (o)  5595, 


Part,  isoht  4024. 
sohht  6454. 


sekenu  0., 

rehchen  (sorgen)  L., 

rekkenn  0., 

rsechen  (reichen)  L., 

strsecchen  (strecken)  L.^ 

tsechenn  (lehren)  0., 

teilen  (sagen)  L,, 

teilen  (erzählen)  0.,  talde  5372, 

seollen  (geben,  verkaufen),  L.,  stelde  A.  solde  B. 

10020. 
Nach  Orm  ist  o  in  sohte  und  rohte  (ags.  ö)  kurz  geworden.  — 
a  in  Saide  und  talde  ist  nicht  ganz  sicher,  da  nicht  immer  in  mehr- 
facher Consonanz  1  sich  verdoppelt,  allein  der  Uebergang  des  a  nach 
0  in  Lag.  B.  spricht  für  Vocallänge.  Ferner  haben  Vocalverkürzung 
erfahren  ta^chenn  in  tahhte  und  tahht,  und  die  ursprünglich  redupli- 
cierenden  rffidenn  (rathen),  Prät.  radde  6496  und  shsedenn  (scheiden). 
Prät.  shadde  3200,  Part,  shadd  4939. 


tahht  18741. 
itald  A.  itold  B. 
1620. 

tald  12880. 
isaelde  A.  11998. 


Sclnvaolie  Verben  ohne  I>indevi)eal  im  Ae, 


313 


Ae. 

1)  Bildiiugs-d  tritt  an  den  Stamm: 
delo  (theilen),  Prüt.  dolde  KG.  13(;3, 


§.  48. 


Part,  deled   544. 


felo  (fühlen), 
deme  (urllieilen), 
rere  (anfricliten), 
lede  (leiten), 


fede  (nähren)," 
spede  (glücken), 
sprede  (ausbreiten), 
hide  (verbergen), 
betide  (sich  ereignen), 


folde. 

demde  KG.  10515. 
rorde  KG.  7758. 
ladde  KG.  2290. 
led  PL.  451, 
ylad  KG.  2030, 
fedde  PL.   120, 
sped  PL. 
spraddeKG.  7959, 


lad  PL.  188. 
led  PL.  4270. 
fed  Ps.  22,  2. 


ysprad  1283. 
yhiid  KG.  1937. 
betid. 


betidde. 

Selten  steht  neben  der  kurzen  Form  eine  verlängerte,  wie  delede 
KG.  732. 

■2)  Hinter  Id,   nd  fällt  ein  d  aus,   hinter  ft,   st  und  tt  das  Bil- 
dungs-d. 

bulde  (baue),  Prät.  bulde  KG.  494.  Part.  — 

bende  (beuge),  bende  KG.  374. 

sende  (sende),  seude4471, send  743, 

wende   (sich  wenden),      wende  KG.  847, 

sehende  853. 
spende, 

Gaste  KG.  359. 
laste  209. 
lift  PL.   186. 
reste  KG.  3264. 
sette  434, 
l?rette  PL.  1028. 

Für  einfaches  d  nimmt  unterscheidendes  t  zu,  namentlich  in  den 
nördlichen  Quellen:    sende  Prät.    sent    PL.  5722,    wende   Part,    went 
1545.  sehende  Part,  schent  5737,  mende  Prät.  ment  203. 
3)  Hinter  p,  t,  f,  ch  und  ss  verhärtet  d  zu  t: 


sehende  (schände), 
spende  (spende), 
caste  (werfe), 
laste  (dauere), 
lifte  (erhebe), 
reste  (ruhe), 
sette  (setze), 
p'rette  (drohe), 


send  KG. 
wend. 

yspend  KG.  8493. 
käst  PL.  430. 


yset  7936. 


kepe  (halten), 
mete  (begegnen), 
lefe  (laßen), 
refe  (rauben), 
Cache  (fallen), 


Prät.  kepte  KG.  605,      Part.  kept. 
mette  KG.  8415, 
left  PL.  45, 
reft, 
cagte  KG.  322, 


reft  PL.  6076. 
cagt. 


314  Schwaclie  Verben  ohne  Binde vocal  im  Ae. 

§.  48.  Auffallend    sind   hier   die    vollen   Formen   Prät.    keped  Ps.  29,   1. 

Part,   keped  i'>,  1<».    reued  PL.  2202  etc.     In  adrenclien  erweicht  auch 
hier  ch :  Priit.  adrent  RG.  8445.  Part,  adreynt  8447. 
4)  Rückumlaut  bleibt  in 
seche  (suchen),       Prät.  so(ite  RG.  1810,  Part.  sogt. 

souht  PL.  157, 
reche  (kümmern),  rocjte  RG.  1  127, 

reche  (reiche),  rauht  PL. 

teche  (lehre),  tauht  PL.  (>GGO, 

taght  Ps.  70,  17. 
teile  (sagen),  tolde  RG.  341.  PL.  2. 

seile  (verkaufen),  solde  RG.  10347,  sold  PL.  1838. 

Neben  tolde  hat  PL.  auch  das  ältere  tald  1682,  Ps.  21,  17. 

§.  49.  Me. 

1)  Bildungs-d  tritt  an  den  Stamm: 
wene,  Prät.  wende  Tob.  4,  1,  Part.  wand, 

here,  herde  Gen.  27,  G,  herd  Gen.  29,  13. 

fede,  fedde  Ch.  14G,  fed  Mau.  8. 

lede,  ladde  A.ledde B.Gen. 29, 13,  ladde  Ch.  132G4. 

ledde  Mau. 
rede,  radde  A.  redde  B.  2.Esdr.  8,  3,      rad  Esth.  6,  2. 

Mau.  12. 
blede,  bledde  Ch.  145, 

sprede,  spradde  A.  (e)B.  4. Kgs. 8, 1 5,  sprad  A.  Gen.  28,  14. 

drede  (fürchte),        dredde  Gen.  3,  10.  drad  Ch.  7945. 

hide,  hidde  Mt.  25,  18.  hydde  Mau.  2. 

couthe,  kidde  PP.  IG. 

Dagegen  ist  der  Bindevocal  eingedrungen  in  deme,  Prät.  demede 
B.  Gen.  30,  G.  demyde  1.  Kgs.  7,  IG.  Part,  demed  Mau.  G.  —  dele,  Prät. 
delide  Luc.  9,  IG.  Part,  delid  A.  Josh.  21,  40.  wend  Ch.  8316  und  wened 
8970.  —  Doppelformig  sind:  lene,  Prät.  lenede  PP.  16,  lente  Ch. 
13284.  —  feie  Prät.  feite  Mau.  8,  felide  A.  feelide  B.  Gen.  19,  33. 
Prät.  kneled  Ch.  899.  Wahrscheinlich  dringt  t  ein  zur  Bezeichnung 
der  Vocalkürze.  —  Schlul^-e  fällt  ab  und  die  Gemination  vereinfacht 
sich:  red,  drad,  sprad  etc. 

Die  Stämme  auf  Id,  nd,  rd  haben  entweder  volle  Formen 
oder  d  geht  im  Auslaut  in  t  über,  sei  es  zur  Bezeichnung  der  Kürze 
oder  zur  Unterscheidung  des  Prät.  vom  Präsens. 


Schwache  Vcrhen  ohne  Bmdevocal  im  Mc. 


315 


blende  (blenden),  Prt.  blent  Ch.  T.  V.  119  1,   Part,  blent  Ch.  9987. 


§.   19. 


sende, 

sehende,, 

wende, 

spende, 


bend, 
bilde, 
girde, 


sente  Mau.  8,  sentMt.  23,37sendcd 

PP.  3234. 
schentc  B.  Jiid.  10,7,  schentB.  Num.3G,  4. 

weute  Tob.  1,  15,  went  Ch.  3665. 

spente  Ch.  302,  spendeden  spendid  Marc.  5,  26. 

Prol.  6, 
bent  und  bendcd, 
bildide  Prol.  4, 
girde  AB.  girteP.  Job.  13,4. 
girdede  A.  2.  Kgs.  22,  33. 


kepe, 
leve,  leeve, 

refe, 

grete, 

swete, 

meete, 

kesse  (kül^en), 

twicche  (zwicken), 


bcnded  Mau.  27. 
bilded  Mau.  5. 
girt  Ch.   1012,  gird 
Gen.49,19.B.2.Kgs. 
22,  33. 
3)  Bildungs-d  verhärtet  zu  t  hinter  p,  f,  ch  und  t: 

Prät.  kepide  A.  Gen.  28,  20.  Part,  kepte,  kept. 
kepte  B.  26,  5, 
laft  A.  lefte  B.  Gen. 

26,  31. 
raft  Ch.  14104, 
grette  B.  Gen.  43,  27, 
swatte  Ch.  13706, 
mette  Mau. 

kest  Ch.  10664  (im  Reim) 
twight  Ch.  10732, 
picche  (pikeCh.  9885,    pight  Ch.  2691, 

befestige), 
fecche  (fange),  — 

plicche  (ags.  pluccjan),   plight  Ch.  4435, 
blenche  (erbleiche),         blent  Ch.  1080, 
quenche  (lösche),  queinte  Ch.  2336, 

drenche  (ertränke),  dreint  Ch.  11690, 

Aus  dem  Gutturale  cch  tritt  vor  t  noch  g  oder  gh  hervor  ags. 
h  entsprechend ;  in  nch  aber  erweicht  ch,  daher  steht  blent  für  bleint. 
Selbst  g  in  ng  unterliegt  zuweilen  demselben  Wechsel:  senge  Part, 
seinde  Ch.  14851.  —  menge  Part,  meint  Ch.  R.  2296.  —  sprenge 
Prät.  spreynde  A.  spreynte  Lev.  8,  30.  Part,  spreyned  A.  bi-spreynt  B. 
Gen.  30,  39  und  spreynt  Nüm.  28,  9.  —  Gewöhnlich  aber  sind  hier 
die  regelmäl^igen  Formen:  sprengide  A.  (spreynt  B.)  Exod.  9,10,  mengde 
A.  Ps.  101,  10  und  myngede  Luc.  13,  1.  Part,  mengid  A.  Exod.  9,  24 
und  mengd  A.  Ps.  74,  9.  quenchid  Mt.  25,  8. 


laft  A.  left  B.  Exod. 

10,  15. 
yraft2017,refedJer. 
gretB.l.  Kgs.  10,4. 
swette  Mau.  8. 
mette. 
für  kist. 
twight  7145. 
pigt  A.  Judg.  4,  22. 

fette  Ch.  821. 
plight  14055. 

queinte  2338. 
dreint  3520. 


316 


Schwache  Verben  ohne  Bindcvocal  im  Me. 


§.    )!).  1)  Bildungs-d  fällt  ab  hinter  nt,  rt,  st,  tt,  ght  und  ft: 

rente  (zerreii^en),  Prät.  rent  Ch.  002,         Part,  yrent  5201. 

herte,  hurte  (schaden), 


caste  (werfen), 
liste,  luste  (gelüsten), 
reste  (ruhen), 
putte  (setzen), 


hurt  Ch.  1110, 
caste  Ch.  2083, 


hurt  A.  hirt  B.  Ex. 

9,  31. 
castMau.  9,  castenS. 


sette  (setzen), 
kitte  (schneiden). 


reste. 

putte,  put  Mau.   1 

sette,  set. 
kittA.kitB.Mt.3, 10, 


luste  Ch.  102, 

reste, 

putte  Mt.  18,  2.  Ch. 

5412, 
sette, 
kitte, 

kut  A.  kitB.  1  Kgs.  5,4. 
schitte,  schette  (schließen),    shette  Ch.  2509.  schitte  schit  Deeds.  5,  23. 

B.  Luc.  3,  20. 
plighte   (ags.  plihtan,   ver-    plightCh.  IIGIO, 

sprechen), 
lifte  (heben),  lifte  etc., 

Daneben  dringen  Formen  mit  dem  Bindevocal  vor,  wie  Prät. 
castide  A.  Joh.  2,  15.  casted  Mau.  8.  —  hirtide  B.  Gen.  26,  29.  — 
settide  Josh.  4,  19.  restide  Prol.  6.  kittide  Marc.  11,  8.  puttide  etc. 

5)  Der  frühere  Rückumlaut  erhält  sich  in  einigen  Verben  und 
zu  diesen  treten  analoge  Bildungen: 

teile  (erzählen),         Prät.  tolde  A.  telde  B.  Gen.     Part.  told. 

40,  9. 
soold  A.  selde  B.Gen. 25,  33.  solde  A.seeldB. 

Gen.  42,  2. 
sought  Ch.  1202,  ysought  PP.  100. 

tougte,  tougt,  taugt, 

besought  Mau.  5. 
roughte  PP.  12075,  rougte     raughte  Ch.  3770. 

A.  Exod.  9,  21, 
raught  Ch.  13G. 
strawgte  A.  Gen.  8,  9, 
kaughte  PP.  3190, 


seile  (verkaufen), 

seche  (suchen), 
teche  (lehren), 
beseche  (ersuchen), 
recche  (sorgen), 

reche  (reichen), 
strecche  (strecken), 
cacche  (faßen), 

lakken  (nehmen), 
biggen  (bie  kaufen), 
abiggen  PP.  1868, 
smeken  (schmecken). 


straughtCh.2918. 
cagt  Tub.  1,  2. 
caughteCh.  145. 


laughte  PP.  300. 
beugte  Gen.  25,  10, 
aboughte  5458, 
smaughte  PP.  3200. 


beugte  Gen.  17,23. 
abought  12859. 


Schwache  Verben  ohne  Rinclcvocal  ini  Ne.  317 

Bisweilen    treten    auch    hier    die  Formen    auf,    die  als  die  regel-  §.   10. 
mulmigen  weit  zahlreichern  erscheinen:  Part,  strecchid  A.  stretchid  Jud. 
1,  3,  cachid  A.  Mic.  4,  9,  Prät.  seeldo  B.  Gen.  25,  33,  Part,  seeld  B. 
Con.   12,2.  Prät.  telde  B.  Gen.  40,  9. 

G)   Auch   die   Einwirkung   des   antretenden  t  auf  den  consonanti 
sehen  Auslaut  des  Stammes  zeigt  sich  noch  vielfach,  wie  in  der  Ver- 
einfachung   der  Geminaten:    kesse,    keste,    der    Schwächung    der  Gut- 
turalen: quenche,  queint;  plicche,  pligt,  plight. 

Ne.     Die   Verben,    in    welchen  Bildungs-d    an  den   Stamm   tritt,  §.  50. 
unterliegen  mannigfachen  Veränderungen. 

1)  d  bleibt,  und  vor  demselben  ist  Vocalkürze  eingetreten: 

hear  (hören),  Prät.  hear-d,  Part,  hear-d. 

shöe  (beschlagen),  shö-d,  shö-d. 

flee  (fliehen)  §.  36,  fle-d,  fle-d  (§.  36). 

2)  d  hinter  d  (t)  fällt  ab ,  nachdem  Vocalkürze  erhalten  oder 
bewirkt  worden  ist: 

lead  (leiten),  Prät.  led,  Part.  led. 

feed  (füttern),  fed,  fed. 

speed  (eilen),  sped,  sped. 

read  (lesen),  read,  read, 

bleed  (bluten),  bled,  bled. 

breed  (züchten),  bred,  bred. 

spread  (ausbreiten),  spread,  spread. 

hide  (verbergen),  hid,  hid(den). 

be-tide  (ereignen),  be-tid,  be-tid. 

meet  (begegnen),  met,  met. 

Nach  Wall,  und  Ben.  Jons,  war  spread  noch  lang.  Die  Aehn- 
lichkeit  mit  starken  Verben  hat  das  Part,  hidden  veranlal^t. 

3)  t  ist  für  d  eingetreten,  wahrscheinlich' um  die  Vocalkürze  zu 
bezeichnen  in  to  deal,  Prät.  dealt,  Part,  dealt;  to  feel,  Prät.  feit, 
Part.  feit. 

Doppelformig  sind: 
to  mean  (meinen),   Prät.  meant  Mac.  2,  225,   Part.meantM.pl.  10, 1032. 

meaned  Lowth  Gr.  meaned. 

to  lean  (lehnen),  leant  Mac.  2,  294,  leant; 

leaned,  —  2,200,  leaned. 

to  dream  (träumen),  dreamt  WI.  Tal.,  dreamt  Sh.  H.  1,  5. 

dreamed  Gen.  41,  5,  dreamed, 


318  Schwache  Verben  oliiie  Bindevocal  im  Ne. 


§.   4  9. 


to  Jviicel  (knien),     Prät.  kndt  Mac.  4, 

Part. 

knelt  8. 

knöeled 

WS. 

Ken.  31. 

4)  t   liat   sich    l)efestigt   hinter 

P, 

f  und  s 

und 

Vocalkürz 

wirkt  in 

to  weep  (weinen,  §.  6), 

Prät 

.  wept, 

Part.  wept. 

to  sleep  (schlafen,  §.  6), 

slept. 

slept. 

to  keep  (halten), 

kept. 

kept. 

to  sweep  (fegen,  §.  G) 

swept, 

swept, 

to  creep  (kriechen,  §.  38), 

crept. 

crept. 

to  leap  (springen,  §.  0), 

leapt, 

leapt. 

to  cleave  (spalten,  §.  38), 

Cleft, 

cleft. 

to  bereave  (rauben), 

bereft. 

bereft. 

to  löse  (verlieren,  §.  38), 

lost, 

löst. 

Fast  überall  hat  die  einfache  Consonanz  des  Präsens  Erhellung 
des  Vocals  zugelassen,  während  die  mehrfache  Consonanz  des  Prät. 
und  Particips  den  langen  Vocal  kurz  macht.  —  Bereave  hat  in  HB. 
bereaved;  reave  ist  veraltet. 

Ferner  ist  t  eingetreten  für  d  in  den  Verben ,  welche  mit  Id, 
nd  und  rd  schliel^en: 

to  build  (bauen),  Prät.  built  M.  pl.  3,  449,  Part,  built  Mac.  1,  90. 

to  geld  (verschneiden),  gelt,  gelt, 

to  gild  (vergolden),  gilt,  gilt, 

to  bend  (beugen),  bent,  bent  M.  pl.  3,  58. 

to  blend  (mischen),  bleut,  blentWS.Ken.  18. 

to  lend  (leiben),  lent  M.  pl.  4,  483,  lent  Mac.  7,  80. 

to  send  (senden),  sent,  sent. 

to  rend  (zerreißen),  rent,  rent. 

to  spend  (spenden),  spent,  spentMac.  1,  14. 

to  gird  (gürten),  girt,  girt  M.  pl.4,276. 

Manche  laßen  auch  neue  Formen  zu,  wie  to  bereave,  Part, 
bereaved  M.  pl.  6,  903.  Sh.  L.  4,  4.  Mac.  2,  58;  to  build,  Prät.  build- 
ed  M.  pl.  10,  373,  Part,  builded  Hebr.  3,  4.  to  gild  Part,  gilded 
Mac.  3,  298.  ~  to  blend  Prät.  bleuded  Byr.  CH.  3,  6.  —  to  bend,  Part, 
bent  und  bended  werden  in  verschiedener  Bedeutung  gebraucht: 
James  was  bent  on  —  Mac.  6.  381  und  on  bended  knees.  6.  307. 
HB.  nur  Prät.  girded,  Part.  girt. 

Ferner  ist  t  für  d  eingetreten: 
to  bürn  (brennen),  Prät.  bürn-t,  Part,  bürn-t. 

seltner  bürn-ed,  bürn-ed. 


Schwache  Vorben  ohne  Bindevocal  im  Nc.  319 

to  dwt'll  (wohnen);  Prät   dwclt,  Part,  dwel-t,  §.  49. 

selten  dwoll-ed,  dwell-ed. 

to  leajru  (lernen),  löarn-t,  learn-t. 

learn-ed,  learn-ed. 

te  smell  (riechen),  smM-t,  smöl-t. 

to  spell  (buchstabieren),  spel-t,  spcll-ed,  spel-t,  spell-ed. 

to  spill  (vorschütten),  spU-t,  spill-ed,  spil-t,  spill-ed. 

5)  Der  Bildungslaut  (d  hinter  d,  t  hinter  t,  st,  rt  und  ft)  fällt 
ab,  so  daß  Präsens,  Prät.  und  Particip  gleiche  Formen  baben,  wie 
to  rid  (befreien,  rid,  Prät.  rid,  Part,  rid) ,  to  shed  (vergießen),  to 
shred  (zerschneiden),  to  spread  (ausbreiten),  to  set  (setzen),  to  let 
(laßen,  §.  6.),  to  wbet  (wetzen),  to  wet  (netzen),  to  knit  (stricken),  to 
spit  (spießen  und  ausspucken),  to  split  (splittern),  to  hit  (treffen),  to 
quit  (verlaßen),  to  sweat  (schwitzen),  to  shut  (verschließen),  to  cut 
(altn.  kuta,  schneiden),  to  put  (dän.  putte  legen),  to  cast  (altn.  kasta, 
werfen),  to  cost  (frz.  coster,  kosten),  to  thrust  (stoßen),  to  burst 
(bersten,  §.  13),  to  hurt  (frz.  hurter,  beschädigen),  to  lift  (aufheben). 

Manche  haben  die  regelmäßigen  Formen :  to  quit,  Prat.  quitted 
Mac.  6.  281.  Part,  quitted  7.  62.  acquitted  2.  225.  Part,  splitted  Sh.Err. 
1,  1.  Part,  knitted  Murr.  Hist.  1,  374.  —  Prät.  hurted  RR.  —  to 
alight  (ags.  lihtan  absteigen)  und  to  light  (ags.  lyhtan  anzünden), 
haben  doppelte  Formen:  I  saw  his  wing  through  twilight  flit,  and  once 
so  near  me  he  alit  etc.  Byr.  Maz.  18.  Let  the  pavilion  be  lit. 
Byr.  Sard.  1,  2.  Her  soft  features  lighted  up  with  vivacity  Mac.  4. 
A  bonfire  was  lighted  4.  52.  Die  volleren  Formen  sind  vorzuziehen, 
sie  stehen  auch  in  HB. 

6)  Aus  früherem  Rückumlaut  und  analog  sind  entstanden:  to  teil, 
told,  told ;  to  seil,  sold,  sold;  to  seek,  sought,  sought;  to  beseech, 
besought,  besought;  to  reach,  raught,  raught  (this  staff  of  honour 
raught  (überreicht,  gegeben)  Sh.  2KHf.  2,  3);  to  teach,  taught,  taught; 
to  catch,  caught,  caught;  to  buy,  bought,  bought. 

Analog  freight  (beladen),  Part,  fraught,  jetzt  nur  noch  adjeciivisch; 
und  zwar  bildlich:  A  scheme  fraught  with  mischief,  oder  eigentlich 
in  der  Poesie:  A  vessel  richly  fraught  with  goods;  im  gewöhnlichen 
Leben  stets  freighted.  —  Auch  aus  to  dis-tract  (zerstreuen,  verwirren) 
bildete  sich  ein  analoges  Part,  dis-traught:  Shall  I  not  be  distraught? 
Sh.  RJ.  4,  3.  As  if  thou  wert  distraught.  Rc.  3,  5.  Spenser  hat  sogar 
to  distraught,  Part,  distraughted,:  which  in  my  weake  distraughted 
mynd  I  see.  Heav.  Beautie.    Im  Gebrauche  ist  jetzt  distracted. 


320  Abwciclieiidc  scliwachü   Vcihcii. 

§.  50.  Folgendü   Verljen   haben    Präteritum    und  Particip    eigontliüuilicli 

fortgebildet: 

1)  Ags.  clädjan  (kleiden),  Prät.  clädo-de,  Part,  cläd-od. 
Nags.    L.    clo]>ien                              clo];-ede,  clop>ed. 

0.    cla];enn,  cla);-ede?                    cla)^-edd? 

Ae.  clopien,  clo)>ed,  cladde,         clo)?ede,  cladde. 

Me.  clotlie,  clothide,  cladde,        clothide,  cladde. 

Ne.  to  clötLe,  clötlied,  cläd,             clöthed,  clad. 

Nach   Ausstülpung   des  Bindevocals    hat  Assimilation    des  ])  zu  d 
stattgefunden  und  nach  Verlust  der  Personenendung  Vereinfachung  der 

Gemination.      Im  Präteritum  ist   cluthed   beider,   IIB.  läi^t  beide  noch 
wechseln. 

2)  Ags.  macjan  (machen),  Prät.  mac-o-de,     Part,  mac-od. 
Nags.  L.  raakien,  mak-ede,               imaked. 

0.    makenn,  mak-ede?              mak-edd. 

Ae.  make,  maked  und  made,  ymad. 

Me.  make,  makideundmade,  maked, made,maad 

Ne.  to  mäke,  mäde,                    mäde. 
Die  Contraction  im  Prät.  und  Part,  beginnt  schon  im  Ae. 

3)  Ags.  habban  (haben),  Prät.  hsef-de,            Part,  hsefed. 
Nags.  L.     habben,  haefde  und  hedde,      iliaued,  ihafd. 

0.     habbenn,  haffde,  — 

Ae.  habbe,  hafde  und  hadde,    haued,  yhad. 

Me.  haue,  hadde,  yhad. 

Ne.  to  häve,  häd,  hud. 

Auch  hier  zuerst  Ausstellung  des  Bindevocals,  dann  Assimilation 
und  zuletzt  Vereinfachung  des  doppelten  d. 

4)  Ags.   leofjan  libban  (leben)    hat   zwei   Präteritalformen :    leofode 
und  lifde.  —  Nags.  L.  leofede  lifede  und  lifde.  —  Ne.  to  live,  lived. 

5)  Ags.  sagjan,  secgan  (sagen),  Prät.  ssegde,  Scede,   Part,  ssegd,  s^d. 


Nags.  L.  seggen, 

sseide,  seide. 

isseid,  ised. 

0.   seggenn, 

seggde, 

seggd. 

Ae.  segge  seie, 

seide. 

yseid. 

Me.  seye, 

seide, 

seid. 

Ne.  säy. 

Said  (=  sed). 

said(=sed). 

6)  Ags.  lagjan  (legen), 

lag-ode, 

lag-od. 

lecgan  — 

leg-de,  lede, 

leg-ed,  led. 

Nags.  L.  leggen. 

Iseide, 

ilseid,  ileid. 

0.  leggenn. 

leggde, 

leggd. 

Abweichende  sehwaclie  Verben.  321 

Ae.    leie,  Prät.  leide,  Part,  ileid.  §.  50. 

Me.  loggen,  lein,  laide,  ylaid. 

Ne.    läy,  läid,  läid. 

Durch  Erweichung  des  g  ist  i  entstanden  und  ei  ist  dem  ge- 
wöhnlicheren ai  gewichen.  Dem  ne.  lay  zur  Seite  steht  to  stäy  (holl. 
staen)  stäid,  strdd,  und  päy  (frz.  payer)  päid,  pfiid. 

7)  Ags.  bringan  (bringen),  eigentlich  ein  starkes  Verb  erster  Klasse: 
bringe,  Prät.  brang,  Part,  brungen  Exon.  8,  20.  Von  dem  Stamme 
brag  sind  gebildet  Prät.  broh-te,  Part,  broh-t  (=  got.  briggan,  Prät. 
brahta). 

Nags.  L.  bringe,     Prät.  brohte,  brouhte,      Part,  broht. 
0.  brinnge,  brohhte,  brobht. 

Ae.  bringe,  brogte,  brouht,  yl^rogt,  brouht. 

Me.  bringe,  brogte,  brouhte  etc.,        brogt,  brouht. 

Ne.  bring,  brought  (ä),  brought  (ä). 

Der  Guttural  fehlt  schon  bei  Lag.  bisweilen:  broute  36,  oder 
wechselt  mit  ]>:  ibroj^t  B.  1852. 

8)  Ags.  bycgan  (kaufen),  Prät.  bohte,            Part.  boht. 

Nags.  L.  abuggen,  biggen,  bohte,                     aboht. 

0.  biggenn,  bohhte,                    bohht. 

Ae.        bigge,  bugge,  bogte,  bougte,         bogt,  bougt. 

Me.        bigge,  bie,  bogte,  bouhte,        bogt,  bouht. 

Ne.         buy,  bought,                    bought  (ä). 

Schon  im  Got.  veranlalH  der  Guttural  die  Lautverstärkung:    bug- 

jan,  bauhta,  daher  ags.  bohte.  Es  entwickelt  sich  wie  brohte. 

0)  Ags.  J^encean  (denken),  Prät.  ]7ohte,               Part.  j7oht. 

Nags.  L.  )?enchen,  )7ohte,                         i)7oht. 

0.  )7ennkenn,  ]7ohhte,                       |7ohht. 

Ae.  J7enchen,  l^ogte,  ]?ougte,            if'ogt,  i|?ougt. 

Me.  thinke,  thogte,  thouht,          thogt,    thouht, 

thought. 

Ne.  think,  thought  (ä),              thought. 

10)  Ags.  )7yncd:  (es  dünkt),  Prät.  )7uhte,  Part.  ge)?uht. 

Nags.  L.  )?unched:,  |?uhte  (o),  )?uhte  (o). 

0.  )7innche)7)7,  ]7uhhte,  )7uhht? 

Ae.  }?ync|?  und  )?ynche)7,        f'ogte,  f'ogt? 

Me.  thinketh,  thogt,  thougt  thoght  etc. 

Ne.  thinks,  thought  (ä), 

Koch,  eug].  Grammatik.    I.     2.  Aufl.  21 


Na.t^-s. 

L. 

wurclien  (i), 

0. 

wirrkeiin, 

Ae. 

wyrche, 

Me. 

worclie, 
wyrke, 

Ne. 

work, 

322  Abweichende  schwache  Verben. 

\)0.       11)  Ags.  wyrcean  (wirken),     Piät.  w^rlite,  Part,  geworht. 

worlite,  iwrohte,      iwroht. 

wrohhte,  wrobht. 

wrof^teiind  wroht,    wrojit,  wrobt. 

wronte  (ou),  wrof^t. 

wroubte  (gh),         wrouht. 

wrought,  wrougbt  (ä). 

worked,  worked. 

Während  y  in  |7yncd:  nach  i  geht,  wird  es  hier  unter  dem  Ein- 
fluße  des  w  erst  zu  u  und  dann  zu  o.  Ferner  tritt  ])ei  La^j.  schon 
Metathese  ein,  die  sich  allmählig  befestigt  und  erst  im  Ne.  gegen  die 
neuen  Formen  worked  veraltet.  Die  alten  Formen  kommen  nur  noch 
im  poetischen  Style  vor. 

12)  Ags.  dön  (thun)  kömmt  im  Got.  und  im  Altn.  nicht  als 
Hilfsverb  vor.  Es  ist  eigentlich  reduplicierendes  Verb,  dessen  Prät. 
verhärtet  ist.  Alts,  de-da,  ahd.  te-ta;  ags.  dide,  hat  keine  Spur  des 
Reduplicationsvocals. 


Ags.            dön 

(thun), 

Prät. 

dide, 

Part. 

gedön. 

Nags.  L.    do, 

dide. 

idon. 

0.    do, 

dide, 

Ae.             do. 

dide, 

dude. 

don. 

Me.             do, 

dide. 

don. 

Ne.             do, 

did. 

döne. 

Im  Ags.  fällt  besonders  neben  dem  Prät.  im  PI.  didon  ein  dse- 
dun  Gr.  Ps.  77,  32.  hi  diedun  Ps.  108,  3.  61,  3.  dtedon  C.  45,  6.  auf,  das 
an  alts.  deda,  PI.  dädum  erinnert.  Im  Nags.  verschwindet  letzteres. 
—  Neben  Part,  dön  auch  ge-den  Exon.  77,  34.  forden  A.  43. 


Vierter  Abschnitt. 

Flexion. 

§.  51.  Die  Elemente   derselben  sind   die  Personenendung,    die  Modusbe- 

zeichnung   und    der  selten    fehlende  Bindevocal.     Sie   bilden  noch  die 
activen  Formen.     Von  einer  Medialform  ist  noch  eine  Spur  übrig. 

Die   Personenendnngen   sind   ursprünglich    die   Pronominalstämme, 
die  in  ihren  vollen  Formen   1)  ma,  2)  tva,  3)  ta  heilten,  geschwächt 


Flexion.     Piäsens  liul.  323 

aber  mi,  ti  und  dann  onvoicht  zu  si,  ti.  Die  Pliiralüu  der  1.  und  §.  51. 
2.  Person  lauten  entweder  ni-as  und  t-as  oder  ma-si  und  ta-si. 
In  den  ersteron  wäre  m  und  t  liezeichnung  der  Person  und  as  das 
Zeichen  des  Plurals,  ma-si  und  ta-si  dagegen  würden  zusamineu- 
gesetzt  sein,  nia-si  ich  und  du  =  wir,  ta-si  du  und  du  =  ihr. 
Diesen  schliel^t  sich  an-ti  an,  bestehend  aus  dem  Pronominalstamm 
ana-s  dieser  und  ta  er,  also  er  und  er  =  sie. 

Der  Indicativ  nennt  den  verbalen  Begriff  nur  nach  temporalen 
Verhältnissen,  nicht  einen  modalen  Nebenbegriff;  eine  Bezeichnung 
des  Modus  findet  daher  auch  nicht  statt. 

Der  Conjunctiv  (ursprünglich  Optativ)  wird  im  Germanischen  mit 
ya  l)ezeichnet,  das  sich  im  got.  Präsens  zu  i  verkürzt  und  im  Prät. 
zu  ja  gesteigert  hat. 

Der  Modusvocal  tritt  vor  die  Personenendung. 

Beide  treten  entweder  unmittelbar  an  den  Stamm  oder  an  die 
eingeschobenen  Bindevocale. 

I.     Einfache    Bildungen. 
A.    Regelmäßige  Formen. 

1)     Präsens     Indicativ. 

I.     Unmittelbar  an  den  Stamm  treten    die  Personenendungen  nur  g.  52. 
in  den  ahd.  gä  (gehen),  stä  (stehen)  und  tuo  (thun).     Im  Gotischen 
kömmt  von  gä  die  ßeduplication  gaggan  vor,  ags.  gangan  und  diese 
wird  wie  ein  starkes  Yerb  betrachtet.     Daneben  aber  liegt  auch  noch 
das  ältere  gä,  welches  lautet: 

Ahd.     Ags.  Lag.  Orm.  Ae.  Me.  Ne. 

gäm       gä  ga  go  ga  go  go  go 

gä-s(t)   g£e-st  gse-st  ga-st  go-st  go-st  go-est. 

gä-t       gse-d  ged  god  ga-]?  go-f»  go-th  go-es. 

gä-mes  g'd-d     gädga(go)  ga-n 
gä-t       g'd-d     gadga  go    ga-n 
gä-nt      gä-d     gadga  go    ga-n    fgo-n   f go-th  go. 
Diese   Formen    sind    also    nicht   synkopiert   aus   gange,    sondern 
letzteres  ist  erweitert  aus  jenem.    Wenn  nun  schon  der  Gote  die  ein- 
fache Form  nicht  mehr  hat,  so  ist  nicht  zu  verwundern,  daß  im  Ags. 
in   der    2.   und   3.  Person  Sg.    der  Umlaut  eintritt,     gä  mul^te  gange 
gegenüber  als  synkopiert  erscheinen  und  es  erhielt  daher  den  Umlaut, 

21* 


Grundspr. 

Sg. 

1.  gä-mi 

2.  gä-si 

3.  gä-ti 

PI. 

1.  gä-masi 

2.  gä-tasi 

3.  gä-nti 

324  Präsens  Ind. 

^.  52.  wio  alle  synkopierten  Formen.  Derselbe  reicht  aber  nicht  über  Lari. 
hinaus.  Im  Ae.  liegt  neben  go  auch  das  nördliche  ga,  PI.  gane  Ps. 
5,  8.  Im  Ne.  fühlt  man  in  i^o  keinen  Unterschied  mehr,  es  nimmt 
die  beiden  übriggebliebenen  Endungen  an:  est,  es.  Schott,  gang, 
Part,  gffin  gane 

Der  Stamm  stä  hat  sich  erweitert.  Die  Anfügung  d  ist  mit  der 
Wurzel  verwachsen  und  ein  Nasal  ist  zugetreten.  Es  ist  dadurch 
ganz  zu  einem  starken  Verb  geworden:  got.  stand-a,  Trat,  stö)?;  ahd. 
stant-u,  stuont,  stantaner;  ags.  stände,  stöd,  standen. 

Das  dritte  Verb  Wurzel  da  fehlt  im  Gotischen. 

Alts.      Ags.    Lag.  Orm.       Ae.  Me.  Ne. 

Sg.  1.  dö-m     dö-m     do  do        do(e)  do(e)  do 

2.  dö-s      de-st     de-st(do-st)  do-(s)stde-stdo-s   dostdoost    do-st 

doist  (do-est) 

3.  dö-t       d§-d:     de-d  dod       do-d      de-]?  do-s    do-th  does   do-eth 

do-es. 
PL         dö-d      dö-d     do-d  do-n      do-)?  do-n  do-en  do. 

do-ith. 

Auch  hier  tritt  der  Umlaut  in  der  2.  und  3.  Person  Sg.  ein, 
verschwindet  in  der  Schrift,  klingt  aber  noch  jetzt  nach. 

Das  volle  ags.  dö-m  steht  D.  Luc.  12,  18  in  gedö-m,  gewöhnlich 
ist  ic  dö.  Durh.  hat  aber  auch  wie  in  starken  Verben  den  Binde- 
vocal  a:  ic  do-am  Mrc.  11,  33.  )?u  do-as  Joh.  3,  2;  also  keinen  Umlaut. 
PL  do-as.  —  Bei  Orm  fällt  neben  fehlendem  Umlaut  die  ausdrück- 
liche Bezeichnung  der  Kürze  auf,  dosst  5103,  dem  me.  doost  A.  doist  B. 
Deut.  7,  12  und  do-ist  Joh.  2,  18  entgegensteht.  —  Im  Ne.  ist  do-est 
(HB.)   alterthümlich.     Dorset:   I   da,   thee    dast,   he    da,    we    da   etc. 

IL     Der  Bindevocal  tritt  zwischen  Stamm  und  Endung. 
1)  Der  Bindevocal  der  starken  Verben  ist  a. 
Grundspr.      Got.         Ags.       Lag.         Orm.         Ae.       Me.       Ne. 
Sg.    bar-ä-mi      bair-a      ber-e      ber-e       ber-e       ber-e     ber(e)  bear 
bar-a-si       bair-i-s   ber-e-st  ber-est    ber-esst  ber-est  ber-estbear- 

(bir-st)  est 

bar-a-ti        bair-i-]?  ber-e-d  ber-ed    ber-e|?]?  ber-e)?  ber-ethbear-s 

(bir-d) 
PL  bar-ä-masi  bair-a-m  ber-ad  ber-ed     ber-enn  ber-e)?  ber-en  bear 
bar-a-tasi     bair-i-]?  ber-a-d  ber-ed     ber-enn  ber-e]?  ber-en  bear 
bar-a-nti      bair-a-nd  ber-a-d  ber-ed     ber-enn  ber-e)?  ber-en  bear. 


Präsens  Ind.  325 

Dor  Bindevocal   schwächt  sich   schon   im  Gotischen  vor   s  und  \)  §.  52. 
zu  i,  das  im  Ags.  zu  o  wird,  wie  auch  a  in  der  1.  Pars.  Sg.;   dage- 
gen a  in  der  2.  Pers.  PL  bleibt. 

Im  Ae.  fällt  e  der  1.  Pers.  oft  ab,  auch  in  der  2.  und  3.  Pers. 
Sg.,  oder  wechselt  mit  i,  y,  ohne  aber  eine  Rückwirkung  auf  den 
Präsenslaut  auszuüben:  I  hold  PL.  4467,  rede  34;  )7ou  los-i-s  6595, 
l>ou  les-i-s  2025,  ))0u  bring-u-st  KG.  808;  gyf-st4931,  berst  10494, 
com-e|?  2S,  comth  104  15,  gifth  10454,  |>ou  est  (für  et-st  ii^est) 
4932. 

Im  Me.  erhält  sich  meist  noch  e  in  der  1.  Person,  doch  ist  es 
dem  Rhythmus  nach  gewöhnlich  stumm:  I  speke  Ch.  731,  behete  1856; 
Mau.  stößt  es  gewöhnlich  ab.  Selten  erweist  es  der  Vers  als  klin- 
gend: I  dre'de  nought',  that  ey'ther  thou  shalt  die'.  Ch.  1595.  I  wret'- 
ched  wight',  that  we'pe  and  wai'le  thus'.  933.  In  hir'e  presen'ce  I 
rek'ke  not'  to  sterve.  1400.  I  ma'ke  plain'ly  my'  confes'sion'.  1735. 
Therfor'e  I  ax'e  deth'  and  my'  jewi'se  1741.  —  In  der  2.  und  3.  Pers. 
muß  e  noch  laut  sein,  da  es  bei  Wycl.  oft  mit  ist,  yst,  ith  und  yth 
wechselt  und  Mau.  eth  sogar  zu  ethe  verlängert.  Ebenso  in  pluralem 
eth,  en,  wenn  gleich  diese  bisweilen  abfallen. 

Im  Ne.  fällt  e  in  der  1.  Pers.  Sg.  und  im  PI.  ab;  in  eth  und 
est  wird  es  noch  gehört,  sowie  in  es  hinter  Zischlauten ;  allein  schon 
Wallis  und  Gil  machen  seine  Lautung,  wo  sie  nicht  nothwendig  ist, 
vom  Belieben  des  Sprechenden  abhängig,  vorausgesetzt,  es  veranlage 
Synkope  keine  Härte;  Ben.  Jons,  erklärt  sie  meist  für  gemein. 

Einige  Verben  aber  laßen  schon  frühe  Synkope  in  weiterem  Um- 
fange zu  und  bilden  diese  Form  fort;  s.  §.  58. 

Nur  einige  starke  Verben  haben  als  Bindevocal  nicht  a,  sondern 
ja  (je)  eintreten  laßen,  wie  swer-je  (schwöre)  und  j  hat  sich  zu  g 
verhärtet  oder  zu  ig  erw^eitert:  swer-g-e,  swer-ig-e.  Assimiliert  hat 
sich  j  in  bid-de  (bitte),  sit-te  (sitze),  lic-ge  (liege),  [7ic-ge  (nehme), 
step-pe  (schreite),  heb-be  (hebe)  und  sced-de  (schütte,  vergieße)  für 
bid-je,  sit-je,  lig-je,  f'ig-je,  stap-je,  haf-je  und  scad-je.  Dieses  j  ist 
nur  in  die  1.  Sg.  und  den  Plur.  eingedrungen:  ic  swer-ige,  \>u  swer- 
e-st,  he  swer-e-d,  PL  we  swer-ja-d,  und  da  es  so  der  zweiten  Klasse 
der  schwachen  Verben  gleicht,  so  ist  in  die  2.  und  3.  Sg.  auch  a 
eingedrungen:  sw^er-a-st,  swer-a-d.  Jenes  eingedrungeüe  i  verliert  sich 
im  Ae.  Lag.  hat  es  noch  in:  ic  sw^erie  13063  und  nur  dann,  wenn 
i  im  Infinitiv  bleibt. 

Die  Verben,    welche  j  assimiliert  haben,    gleichen  ganz  den  star- 


320  Präsens  Ind. 

§.  52.  keil  Verben:  sitte,  sit-est  und  sit-st,  sit-ect  und  sitt  (für  sitd),  PI. 
sitt-ad.  Sio  verlaufen  wie  die  starken  Verben,  erst  im  Ne.  befestigt 
sich  die  Orthographie  in  der  Weise,  dafj  vor  vocalisch  anlautenden 
Endungen  der  consonantische  Auslaut  sich  verdoppelt,  um  Vocalkürze 
zu  wahren:  1  bid,  sit,  step,  shed;  thou  bid-d-est,  sit-t-est,  step-p-est, 
shed-d-est;  he  bid-s  etc.  to  heave  (Lajj.  hadiue,  Orm.  hefe,  ae.  heve 
und  hebbe,  me.  heue)  aus  hef-je  ist  jetzt  regelmäi^ig,  und  lie  wie  fly 
etc.  verkürzt. 

III.  Der  Bindevocal  ist  aya,  der  sich  im  Gotischen  dreifach 
gestaltet  ai  (=  ay[a]),  ja  (=  [a]ya)  und  ö  (a[y]a)  und  die  drei 
Klassen  schwacher  Verben  begründet,  in  den  andern  Sprachen  lautet 
derselbe  folgendermai^en : 

Ahd. 
ner-ju 
salp-ö-m 
hap-e-m 

Die  ags.  Laute  sind  sehr  geschwächt, 
ja  in  je,  aber  nur  in  kurzsilbigen  Stämmen,  die  langsilbigen  stoßen 
i  aus:  sec-e.  In  der  zweiten  Klasse  ist  o  auch  zu  e  geschwächt  und 
j  eingedrungen.  Ebenso  in  der  3.  Kl.;  doch  hier  auch  noch  ic  haf-a 
C.  52,  1.  haf-o  D.  Luc.  12,  50.  haf-u  Exon.  417,  16.  ic  liofo  D.  Joh. 
14,  19.     Ferner  erweitert  sich  j  hinter  r  oft  zu  ig,  g. 

In  der  weitern  Flexion  treten  noch  einige  Unterschiede  hervor: 


Grundspr. 

Got. 

1. 

nas-jä-mi 

nas-ja 

2. 

salb-ö-mi 

salb-ö 

3. 

hab-ai-mi 

hab-a 

Alts. 

Ags. 

nerju 

ner-je,  söc-e 

man-ö-n 

sealf-ig-e 

haf-e,  haebbe. 

In  der   l. 

Klasse  erscheint 

1) 

Got. 

Alts. 

Ags 

Sg. 

nas-ja 

ner-ju 

sök-u 

ner-je 

sec-e 

nas-ji-s 

ner-i-s 

sök-i-s 

ner-e-st 

sec-(e)st 

nas-ji-]? 

ner-i-d 

sök-i-d 

ner-e-d 

sec-(e)d 

PI. 

nas-ja-m 

ner-ja-d 

sök-ja-d 

ner-ja-d 

sec-a-d 

nas-ji-)? 

ner-ja-d 

sök-ja-d 

ner-ja-d 

sec-a-d 

nas-ja-nd 

ner-ja-d 

sök-ja-d 

ner-ja-d 

sec-a-d. 

j  erhält  sich  in  den  kurzsilbigen  Stämmen  nur  in  der  1.  Sg.  und 
im  PI.  und  hier  mit  vollem  a.  Assimiliert  sich  j  vorstehenden  1,  m, 
s,  f,  so  tritt  die  Doppelconsonanz  natürlich  nur  da  ein,  wo  j  stand: 
fremjan  (bewirken),  Präs.  frem-je,  fremme,  frem-est,  frem-ed,  freram-a-d. 
—  In  den  langsilbigen  Stämmen  ist  j  ausgefallen,  in  der  2.  und  3. 
Sg.  kann  auch  e  ausfallen:  Durh.  noch  ic  aed-eäw-u  Luc.  12,  5.  und 
in  ge-ic-ea-d  C.  91,  18  steht  auch  noch  j  in  e. 


Präsens  Ind.  o2i 

■1)  Got.  Alts.  Ai,'S.         3)  Got.       Alts.  Ags.  §.  52, 

Sg-.  salb-ö  inan-O-n  sealf-igo  liab-a  heb-ju  luif-e  h^bbe 
salb-O-s  man-O-s  soalf-a-st  bab-ai-s  hab-i-s  haf-a-st  lia^f-st 
salb-ö-)>  man-o-d  sealf-a-d  hab-ai-)^  hal>-i-d  haf-a-d  ba^f-ct 
PI.  salb-o-m  nian-ö-d  sealf-ja-d  bab-a-m  heb-ja-d  baf-a-d  babb-a-d  etc. 
lu  der  2.  Kl.  entspricbt  noch  a(:i?)  got.  ö,  aber  auch  hier  ist  j  in 
der  1.  rerson  Sini^-.  und  im  PI.  eingedruni>-en.  Auch  in  der  S.Klasse, 
in  der  ags.  a  mit  got.  ai,  a  zusammenfällt,  dringt  j  in  einigen  Ver- 
ben ein,  daher  ba4)be  aus  hafje,  ferner  von  leofan,  leofjan,  lifjan, 
bfigan,  Pr.  Sg.  ic  liofo,  liufo  D.  Job.  14,  19.  ])\\  leof-ast  C.  57,  29,  he 
leofad  Mt.  4,  4.  PI.  leof-ad,  lyf-ad  Mt.  9,  18  und  daneben:  ic  lifige,  ic 
libbe,  PI.  leof-jad  (lif-ias  D.)  lybbad  Joh.  14,  19.  Ebenso  folg-e  (2) 
und  fol-ige,  ic  sag-e  sa3g-o  D.  Mt.  2,  13  |;u  sag-a-st  C.  54,  17  sag-a-d; 
und  ic  secg-e  C.  35,  11  seg-st  Aelf.  PL  secg-ad  C.  15,  3  secg-ad  Mt. 
17,  10.  —  taljan  tellan  sprechen:  ic  tal-ige  und  teile,  tal-ast  B.  594 
tal-ad:  tel-est,  tel-ed  Luc.  14,  28.  —  Neben  den  vollen  a-Formen  hat 
Durh    schon  ]>\x  haef-is  Joh.  4,  1 1  he  h£ef-is  Mt.  8,  20. 

Es  tritt  also  im  Ags.  noch  der  alte  Unterschied  der  drei  schwa- 
chen Conjugationen  in  der  2.  und  3.  Sg.  (e,  ä  und  a)  hervor.  Da 
aber  ä  und  a  kaum  zu  scheiden  sind,  so  fallen  die  2.  und  3.  Klasse 
zusammen.  Das  eindringende  j  führt  manche  dieser  Verben  der  ersten 
Klasse  zu.  Dieser  Unterschied  muß  sich  bei  der  fortschreitenden 
Lautschwächung  gänzlich  bei  Lag.  schon  verwischen  und  der  einzige 
Unterschied  ist  der,  dai^  einige  ihr  i  behalten,  mag  das  eingedrungen 
oder  organisch  sein,  wie  ic  ]?ankie  (ags.  )?anc-je  2.  KL),  leouie  (leof-e 
3),  makie  (mac-ige  2). 

Diese  i  erhalten  sich  zum  Theil  im  Ae.  und  noch  im  Me.:  ich 
hopye  (hoffe)  EG.  4046.  hü  ask-yeth  4126,  qe  lou-ieth  10494  und 
noch  häufiger  in  Infinitiven,  vielleicht  von  romanischen  Verben  belebt, 
ich  oblig-i  RG.  281.  —  Me.  öfter  im  Inf.  als  im  Präsens:  a  wight 
wonyeth.  PP.  it  wanyeth.  that  thou  hatie.  PP.  —  Im  Ne.  sind  sie 
verschwunden;  in  den  westlichen  Dialecten  sind  sie  noch  erhalten. 

Den  Verlauf  der  schwachen  Präsensformen  veranschaulichen  fol- 
gende Beispiele. 

Ags.  Lag.         Orm.         Ae.  Me.  Ne. 

1)   Sg.   sec-e         saech-e      sek-e        sech-(e)      sech-(e)  (k)    seek 

sec-(e)st  saech-e-st  sek-e-sst  sech-est     sech-est  seek-est 

sec-(e)d    ssech-ed    sek-e|:>)?    sech-e)?      sech-eth         seek-(eth)s 
PL  sec-ad      ssech-ed    sek-enn    sech-e)?      sech-en  seek 


328 


Präsens  Ind. 


§.  52.   2)  Sg.  panc-je     ]7aTik-(i)e   pannk-e       )?ank-(e) 
panc-ast  }?ank-est    j^annk-esst  |7aiik-est 
panc-a-it  )7ank-ed     );annk-e-];):>  );ank-ep> 
PI.  I^anc-jad  pank-(i)e(l);aiink-e-Dn];ank-e)> 


thank-fe)  thank 

thank-est  tliank-est 

thank-eth  thank-(etb)f:' 

tliank-en  tbank 


3)Sg 

.  1.  haf-e      — 

baf-G 

bafe  baf 

bav-e 

bave 

haib])-e   babb-e 

babb-e 

babbe 

bau-e 

2.  baf-ast   bau-est 

haf-esst 

haf-est(s) 

buef-st 

ba-st(s) 

ba-st 

ba-st 

3.  baf-a-d  baii-ed 

baf-ej?}» 

lia-p» 

lia-tb 

ba-tb 

bffif-d     baf-d 

ba-s 

ba-s 

ha-s 

PL 

baf-a-d  babb-ed 

baf-enn 

baf-(el?) 

bav-e(n) 

bav-e 

babb-a-d 

babb-e)? 

bau-etb 
han. 

4)Sg. 

1.  sag-e      segg-e 
secg-e     secg-e 

segg-e 

segg-e 
sei-e 

sei-e 

say 

2.  sag-a-st  sei-st 

segg-esst 

segg-est 

sei-est 

say-est 

seg-st 

segg-st 

sei-st 

sseg-st 

3.  sag-a-d  segg-ed 

segg-f» 

segg-ed 

sei-th 

says 

secg-a-d  sei-d 

sei-b 

saeg-e-d 

seg-d 

PI 

.     sag-a-d  segg-ed 

segg-enn 

segg-ed 

sei-en 

say 

secg-a-d 

sei-e)7 

sey-en 

secg-e-a-d 

5)  Sg. 

l.leof-e       leof-e 
libbe 
libb-e      leou-ie 

lif-e 
libb-e? 

liiie 

liv-e 

liv-e 

2.  leof-a-st  leou-est 

lif-esst 

liu-est, 

liv-est 

liv-est 

3.  leof-a-d  leou-ed 

lif-e|?)? 

liu-e}> 

liv-etb 

liv-(etb)es 

PI 

.     leof-a-d   leou-ed 
libb-a-d  libb-ed 

lif-enn 

liu-e)? 

liv-en 

live 

Erweichungen  des  auslautenden  g  wie  in  secgan  kommen  oft  vor, 
s.  Flex.  §.  177;  selbst  k  beginnt  im  Ae.  zu  weichen  und  läßt  Con- 
traction  zu:  I  make,  he  ma-s  PP.  1877  (=  he  ta-s,  tak-es)  Ps.  48, 
16.  Part,  (ta'n  =  taken).  —  Ne.  Part,  ta'en  (für  takeu).   Sh.  H.  1,  4. 


Präsens  Conj.  32J 

Präsens   Conjiinctiv.  §•  53. 

Der  Modus  wird  mit  i  .irebildet,  das  vor  die  Personenendung  tritt. 
I.     Daher  von  gfi-m  und  do-ni 


Grundspr. 

Ahd. 

Ags. 

Nags. 

Ae.  Me. 

Ne. 

Sg.  ga-i-m 

ge- 

gä-(e) 

ga  go 

go(e) 

go 

gä-i-s 

g6-s 

ga-(e) 

ga  go 

go(e) 

go 

gti-i-t 

ge- 

gri-(e) 

ga  go 

go(e) 

go 

PL  gä-i-mas 

ge-mes 

gri-(en) 

ga  go 

go(e) 

go 

gfi-i-tas 

ge-t 

gä-i-nt 

ge-n 

— 

Sg.  dö-i-m 

tuo-e 

dö 

do(e) 

do 

do 

dö-i-s 

tuo-es(t) 

dö 

do(e) 

do 

do 

dö-i-t 

tuo-e 

dö-n 

do(e) 

do 

do 

PI.  dö-i-mas 

tuo-emes 

dü-n 

do(en) 

don 

do 

Durh.  fügt  gä  und  dö  ein  e  bei:  gae  we  Mrc.  14,  42  =  wutun 
geonga.  —  ]?3et  ic  gedoe  Juh.  10,  36.  |?8et  du  doe  10,  35.  Dies  e  bringt 
ihnen  die  Gleichstellung  mit  starken  Verben  zu. 

n.  Das  Moduszeichen  i  tritt  zwischen  Bindevocal  und  Personen- 
endung bei  den  starken  Verben. 

Grundspr.       Got.  Alts.       Ags.       Nags.         Ae.  Ne. 

Sg.    bar-a-i-m      bair-a-u       ber-e      ber-e      ber-e       ber-(e)     bear 

bar-a-i-s        bair-a-i-s    ber-e-s   bere       ber-e       ber-(e)     bear 

bar-a-i-t        bair-a-i        ber-e      ber-e      ber-e        ber-(e)     bear 
PI.  bar-a-i-mas    bair-a-i-ma  ber-e-n  ber-en    ber~e(n)   ber-(e)     bear 

Bindevocal  a  fliel^t  mit  dem  Moduszeichen  im  Alts,  zu  e  zusam- 
men, im  Ags.  aber  nur  e.  —  Im  Ae.  fällt  e  oft  und  Me.  gewöhnlich 
ab,  im  Ne.  fehlt  es. 

ni.     Bei   den   schwachen  Verben 
Bindevocal  und  die  Personen. 

Grundspr.         Got.  Alts. 

Sg.  sök-ja-i-m       sök-ja-u         sök-je 

sök-ja-i-s        sök-ja-i-s      sök-jö-s 

sök-ja-i-t        sök-ja-i         sök-je 
PI.  sök-ja-i-mas    sök-ja-i-ma   sök-je-n       sec-en   saech-e(n)  sek-(e)  seek. 

Die  Verben,  welche  j  im  Indicativ  eindringen  lal-^en,  behalten 
es  auch  im  Conjunctiv;  auch  mit  der  Erweiterung  ige:  we  her-ige-n 
C.  1 ,  4.  Selbst  in  starken  Verben  steht  es  bisweilen,  wo  es  nicht 
stehen  sollte.     So  neben  ä-swic-e  Mt.  5,  30  ä-swic-ige  5,  29. 


'itt   ebenfalls   i 

zwischen  den 

Ags.       Nags. 

Ae.       Ne, 

sec-e     ssech-e 

sek-(e)  seek 

sec-e     saech-e 

sek-(e)   seek 

sec-e     ssech-e 

sek-(e)  seek 

bar 

bar-(e) 

bar-e 

bore 

ber-e 

bar-e 

bar-e 

bore-st 

bar 

bar-(e) 

bare 

bore 

beren 

bar-e 

baren 

bore 

330  Präteritum  Ind. 

Präteritum  Iiidlcativ. 
§.  54.  Es  ist  entweder  durch  Reduplication  oder  Vocalwechsel  im  Worte 

(d.  i.  Ablaut)  bei  starken  Verben  gebildet  oder  durch  das    scliwachen 
Verben  antretende  Präteritum  von  dun;  s.  §.  41. 

Grundspr.      Got.         Alts.     Ags.      Nags.      Ae.         Me.      Ne. 

Sg.  ha-hald-(ina)hai-hald  held      heold     heold       held        held      held 
ha-hals-t(a)  hai-hals-thöld-i  heold-e  heold-e    held-e    held(e)held-est 
ha-hald-(ta)  hai-hald  held     heold     heold       held       held     held 

PI.  ha-hald-     hai-hald-  held-unheold-onheold-en  helde(n)helde(n)held 
masi  etc.     um  etc. 

Sg.  ba-bär-(ma)  bar  bar       baer 

ba-bar-t        bar-t  bär-i     bäer-e 

ba-bar-(ta)    bar  bar        baer 

PI.  ba-bär-masi  ber-um  bär-un  btier-on 

Sie  haben  keinen  Bindevocal.  Alts,  i  ags.  e  in  der  2.  Pers.  Sg. 
mag  aus  dem  Conjunctiv  eingedrungen  sein:  daher  auch  der  plurale 
Ablaut.  Will  man  es  freilich  mit  den  gegenüberliegenden  sanskr.  ba- 
bhar-ita  in  Einklang  bringen,  so  könnte  wohl  der  Bindevocal  i  sein. 
Dann  freilich  mül^te  man  bald  Lautschwächung  bald  Lautsteigerung 
annehmen,  die  antretendes  i  bewirke.  —  Alts,  n,  ags.  o  im  PI.  mag 
aus  a  in  anti  entstanden  sein. 

Die   schwachen  Verben  bilden   das   Präteritum   mit   dem    Präteri- 
tum von   dön,    alts.    de  da,  ags.   dide,    das    aber    im  Got.    schon    zu 
da  verkürzt  ist.     An  dies  treten  ohne  Bindevocal  die  Endungen. 
Ahd.  Alts.                Ags. 
Sg.  teta  deda               dide 
täti  dedö-s            dide-st 
teta  deda               dide 
PL  tätu-mes  dädu-n           dido-n, 
tätu-t  oder               selten 
tätu-n  dedu-n            dsedu-n. 

Got.         Ahd.         Alts,       Ags.       Nags.       Ae.        Me.         Ne. 
Sg.  sök-i-da  suoh-ta     söh-ta     söh-te     soh-te    sog-te    soug-te    sough-t 
sök-i-dessuoh-tö-ssöh-te-s  söh-te-stsoh-te-stsog-testsoug-testsough-t- 

est 
sök-i-da  snoh-ta    söh-ta     söh-te     soh-te     sog-te    soug-te  sough-t 
PI.  sök-i-       suoh-       söh-tu-nsöh-to-nsoh-tensog-te(n)soug-te(n)  sough-t. 
dedu-m  etc.  tumes  etc. 


Priitoiiliiin   liul.  331 

1)  Bei  den  starken  Verben  dringt  schon  im  Nags.  bei  Lar;.  in  §.  54. 
der  I.  und  ;>.  Sg.  ein  e  vor:  bi-swac  und  bi-swake;  plurales  on 
schwächt  sich  zu  on  und  das  zu  e.  Noch  mehr  nimmt  im  Ae.  Schwü- 
cliung  zu:  hio  smyt-on  RG.  270,  heo  aryse  1151,  bigonne  202,  grow 
4!)5  etc.,  und  im  Me.,  wo  e  im  Auslaute  offenbar  Längenzeichen 
wird:  he  sat^he  Mau.  21.  slowghe  4.  si)ake  Ch.  1)14.  halpe  1053;  jeden- 
falls aber  war  es  stumm,  daher  neben  einander:  came  und  cam, 
toke  tok,  wrat  wrote  und  wroot. 

In  der  2.  Sg.  erhält  sich  der  plurale  Ablaut  mit  e:  p>u  lide  A. 
Lag.  5045,  smite  A.  smete  B.  8157,  ^ulpe  26835  etc.,  weniger  er- 
kennbar in  breke  5037,  nome  A.  neme  B.  5048.  Eben  so  Orm:  )7u 
come  2812,  doch  stöl-^t  er  meist  e  ab:  ]m  gann  (singularer  Ablaut)  2805, 
|7ii  toc.  2824.  —  Im  Ae.  läl^t  sich  noch  oft  der  plurale  Ablaut  erkennen: 
]7u  lore  897 2,  r^eue  4933,  J^ou  slowe,  drowe,  bede;  PL.  und  Ps.  ha- 
ben gewöhnlich  den  singularen  Ablaut.  —  Im  Me.  hört  der  Unter- 
schied zwischen  singularem  und  pluralem  Ablaute  noch  nicht  ganz 
auf:  thou  gete,  breke,  sete  PP.  geue  A.  gaues  B.  Tob.  8,8  klingen 
noch  an,  während  in  thou  gaue  A.  gauest  B.  Gen.  3,  12  bare  Ch.  8944. 
sawe  saw  5268  entschieden  der  singulare  Ablaut  steht.  Da  e  die  2. 
Pars,  zu  wenig  bezeichnet,  der  unterscheidende  Ablaut  wegfällt  und 
die  schwachen  Verben  gegenüber  das  volle  est  zeigten,  so  dringt  das 
auch  hier  ein,  wie  oben  in  Wycl.  B.;  thou  begonn-est  Ch.  15910,  zumal 
wenn  neben  der  starken  Form  eine  schwache  lag:  thou  lowg  (leig-edist) 
Gen.  18,  15.  Wie  die  Ablautform  nicht  mehr  ausreichte,  erkennt  man 
an  Zwitterforraen,  wie  holp-ed-ist  A.  helpid-est  B.  Jud.  13,  25.  —  Im 
Ne.  befestigt  sich  -est. 

2)  Die  schwachen  Verben  behalten  im  Nags.  ihre  Formen;  erst 
im  Ae.  beginnt  e  in  der  1.  und  3.  Sg.  und  plurales  n  zu  schwanken. 
Aber  Ch.  mißt  es  im  Verse  bisweilen  noch  voll:  A  cook  thei  hadden 
with  them  for  the  nones.  381.  Thei  seyde,  that  it  were  a  charity. 
etc.     Im  Ne,  ist  sing,  e  und  plurales  -en,  e  abgestol-^en. 

Präteritum    Conjunctiv. 

Es  wird   dadurch  gebildet,    daii  ja  vor  die  Personenendung  tritt.  §.  55. 

I.  Gä  hat  im  Ags.  drei  Präterita  giong  oder  geong,  geng-de  und 
eode,  das  erste  ist  stark,  die  beiden  letzteren  sind  schwach  gebildet. 
Die  Conjunctivbildung  erfolgt  daher  nach  der  Weise  der  starken  und 
schwachen  Verben. 

Don    hat    zwar   ein   reduplicierendes   Prät.    dide,    allein    es    er- 


332  Präteritum  Conj. 

§.  55.  scheint   nur   als    schwache  Bildung   di-de   und   stimmt  daher  auch  im 
Conj.  mit  der  schwachen  Flexion  übereiu. 

II.     Die   starken  Anerben    lallen  ja  zwischen  den  Präteritalstamm 
mit  pliiralem  Ablaute  und  die  Endung  treten: 


Griindspr. 

Got. 

Alts. 

Ags. 

Nags. 

Ae.  Me. 

Ne. 

Sg.  ba-bilr-ja-m 

ber-ja-u 

bär-i 

ba^r-e 

ber-e 

bare 

bore 

ba-bär-jä-s 

ber-ei-s 

bär-i-s 

böbr-e 

ber-e 

bare 

bore 

ba-bär-jä-t 

ber-i 

bär-i 

bifer-e 

ber-e 

bare 

bore 

PI.  ba-bär-jä-mas 

ber-ei-ma 

bär-i-n 

beer-e-n 

ber-e(n) 

bare 

bore. 

etc. 

etc. 

Alts. 

Ags. 

Nags.     Ae.  Me. 

Ne. 

söh-t-i 

söh-t-e 

sob-t-e      sog-te 

sough-t 

söh-t-i-s 

söh-t-e 

soh-t-e      sog-te 

sough-t 

söh-t-i 

söh-t-e 

soh-t-e      sog-te 

sough-t 

söh-t-i-n 

söh-t-e-n 

soh-te(n)   sog-te 

sough-t. 

Ags.  e  ist  also  aus  dem  Moduszeichen  ja  entstanden,  das  aber 
im  Ae.  zu  verklingen  beginnt.  Wenn  es  im  Ne.  noch  steht,  so  ist 
es  nur  Zeichen  der  Vocallänge.  —  Der  plurale  Ablaut  steht  Lag.  hit 
afunde  15522.  swunke  17909.  sunge  17435.  hulpe  IG  181  etc.  Orm  he 
spaeke  1G260.  J^u  drunnke  14482.  he  forrwurrpe  19937.  Die  Bildung 
aus  pluralem  Ablaute  hört  auf  mit  dem  Erlöschen  des  letzteren. 

III.  Die  schwachen  Verben  laßen  ja  vor  die  Personenendung 
treten: 

Got. 
Sg.  sök-i-ded-ja-u 
sök-i-ded-ei-s 
sök-i-ded-i 
PL  sök-i-ded-ei-ma 
etc. 

Interessant  ist,  hier  im  Got.  noch  die  fünf  Elemente  zu  erken- 
nen: sök  Verbalstamm,  i  Bildungs-  oder  Bindevocal  der  schwachen 
Verben  erster  Klasse,  ded  das  durch  Reduplication  gebildete  Prät. 
von  da,  ja  Modusbezeichnung  und  u  die  Erweichung  des  zu  m  ab- 
gekürzten Pronominalstammes  mi  (ma).  Von  Stufe  zu  Stufe  mindern 
sich  diese  Elemente,  und  es  bleibt  zuletzt  nichts  übrig,  als  das  mit 
dem  t-Laute  und  dem  Verbalstamme  gebildete  Präteritum  und  selbst 
der  Stamm  ist  hier  lautlich  geschwächt.  Ebenso  verlaufen  auch  die 
schwachen  Verben  der  2.  und  3.  Klasse:  got.  fisk-ö-ded-ja-u ,  alts. 
würde  heilten  fisc-ö-d-i,  ags.  fisc-ö-d-e,  neuags.  fisc-e-de,  alt-  und  mit- 
telengl.  fish-e-d-e  und  neuengl.  fish-e-d.  Der  Bindevocal  ist  nur  dann 
laut,  wenn  die  Aussprache  des  d  es  erfordert,  also  nach  t-Lauten, 
wie  depart-e-d. 


Imperativ.  333 

Imperativ.  §.  50. 

Der  Imperativ  ist  Ivoiii  Modus.  Er  besteht  aus  dem  Verbal-  odor 
Präsensstamm  und  diesem  wird  das  Pronomen  in  der  Bedeutung'-  des 
Vocativs  beigefügt.  Die  ursprünglichen  Endungen  sind  -dhi  (aus  tva 
du)  und  tat  (ta-si  ihr).  Aber  schon  das  Got.  stöl^t  die  singulare  En- 
dung ab  und  hat  ein  duales  -ts  und  ein  plurales  -]).  Im  Ags.  bleibt 
nur  letzteres. 

I.  Da  derselbe  in  der  2.  Sg.  keine  Personenendung  hat,  so 
heilet  er  ags.  ga,  Lac\.  ga  (go),  altengl.  go  und  in  nördl.  Dialecten 
ga,  neuengl.  go.  —  Ebenso  dö  do.  —  2.  PI.  gä-d,  gab-ä.,  wahr- 
scheinlich weil  es  für  synkopiert  galt,  und  dö-d.  Diese  Formen  laßen 
die  Einschiebung  von  e  im  Nags.  zu :  ga-e]?  do-e]?  und  diese  bleiben 
bis  zum  Me.;  erst  im  Ne.  fallen  die  Endungen  weg:  go,  do. 

II.  Die  starken  Verben  sollten  eigentlich  den  Bindevocal  a  ha- 
ben, aber  schon  das  Got.  stößt  ihn  ab:  bair  und  dem  entsprechend 
heißt  das  ags.  ber,  dem  im  Nags.  und  Ae.  sich  oft  e  beifügt,  das 
sich  erst  im  Ne.  wieder  verliert:  bear. —  Der  Plur.  behält  den  Binde- 
vocal vor  der  Endung:  alts.  ber-a-d,  ags.  ber-a-d,  das  sich  bei  Lag. 
schon  zu  ber-e-d  schwächt.  Erst  im  Ne.  geht  die  Endung  ganz  ver- 
loren. 

in.  Die  schwachen  Verben  behalten  im  Sg.  den  Bindevocal  e: 
sette,  äsende,  sec-e,  bisweilen  wird  er  von  den  langsilbigen  abge- 
soßen:  äsend  Mt.  4,  9  teeh  •  (lehre) ,  set  me  D.  Mt.  14,  8.  Die  Verben 
der  2.  Kl.  haben  a:  sealf-a.  Diese  Endungen  schwanken  im  Nags. 
und  Ae.:  here  PL.  1365.  teche  Ps.  93,  12.  make  82,  10.  lere  24,  9,  aber 
auch  listen  PL.  1173.  ask  Ps.  2,  8.  —  Im  Ne.  ist  auch  e  abgefallen: 
hear,  teach,  make,  ask. 

Im  Plur.  bleibt  im  Ags.  a:  ner-ja-d,  sec-a-d  und  sealf-ja-d.  Die- 
ses a  erhält  sich  zu  e  und  i  geschwächt:  singeth  singith,  bis  ins  Me. 
und  erst  im  Ne.  fällt  die  Endung  ab:  sing  (singet). 

Personenendung. 

Da  die  Formen  mit  Personenendungen   alle  vorliegen,   so  können  g.  57, 
diese  nun  gemeinschaftlich  betrachtet  werden. 

1)  Das  Zeichen  der  1.  Pcrs.  Sg.  ist  m  (aus  ma,  mi).  Außer 
in  eom  und  beom  (ich  bin)  findet  sich  dies  nicht  in  den  westsäch- 
sischen Quellen.  Durh.  aber  und  andere  nördlichen  Urkunden  haben 
es  im  Präs.  bewahrt;  ic  gesea-m  (sehe)  Joh.  4,  19.  geseo-m  Mrc.  8, 
24.  ic  gedö-m,   do-am  Luc.  12,  18  und  zu  n  geschwächt  ic  cuedon 


334  Personenendung, 

§.  57.  Mt.  (),  25.  Aus  dem  Cod.  Rush.  führt  der  Herausgeber  des  Durh.  so- 
gar schwache  l'rät.  mit  -n  an:  ic  fa'rduii  Joh,  S,  42.  ic  gihordun  S,  2(>. 
Da  aber  dieses  n  auch  in  der  3.  Sg.  vorkömmt:  cuedon  dixit  Mt.  16, 
12.  da  cuomon  de  hifelend  2(5,  30  etc.,  so  sind  sie  eher  Corruptionen 
als  alte  Formen. 

2)  Das  Zeichen  der  2.  Sg.  ist  s  (tva  [du],  ta  ti  und  dies  er- 
weicht zu  si).  Dieses  steht  nun  im  Gotischen  und  Altsächsischen  in 
allen  Zeitformen.  Im  Ags.  aber  erscheint  es  nur  selten  im  Indicativ 
und  zwar  im  Durh.  du  haifes  Luc.  12,  19.  und  öfter  bei  nachstehenden 
Pronomen:  spreces  du  Mt.  13,  10.  leornas  du.  Luc.  10,  26  und  in  Ver- 
schmelzung: gesiistu  Mt.  7,  3.  cuedestu  7,  4.  Dies  s  erhält  sich  mehr 
in  nördlichen  als  in  südlichen  Quellen:  cumes  A.  La^.  439S.  biswikes 
(-st  B.)  3414.  sammness  Orm.  12230  und  auch  im  schwachen  Prät. 
biliet'des  (bilefuedest)  Laß.  8495.  —  Ae.  )?ou  losis  PL.  6595.  l7ou  ses  1695. 
);ou  wynnes  1416.  what  hers  ]?ou?  7155.  —  Me.  herestow  not.  Ch.  3366 
und  noch  jetzt  in  manchen  Dialecten. 

Die  gewöhnliche  ags.  Bezeichnung  der  2,  Sg.  ist  st,  das  ver- 
stärkte s,  und  dies  steht  im  Präs.  Ind.  gä-st;  neuengl.  goest  ent- 
hält ein  tonloses  e  ohne  allen  Grund;  ags.  ber-e-st  bear-est,  sec-est 
seek-est.  —  Im  Ne.  gelten  jetzt  folgende  orthographische  Regeln : 
1)  Hinter  stummen  e  wird  nur  st  angeschoben  oder  vielmehr  jenes 
fällt  aus:  lov-est  von  to  love;  —  2)  Einfaches  y  im  Auslaute  wird  i: 
to  try,  thou  tri-est;  —  3)  Kurze  einsilbige  Stämme  mit  einfachem 
consonantischen  Auslaute  müikn  diesen  verdoppeln,  um  die  Kürze 
des  Vocals  zu  wahren:  to  beg,  thou  beg-g-est;  to  put  thou  put-t-e&t; 
—  4)  Hinter  Zischlauten  steht  die  volle  Endung  und  e  behält  seinen 
Laut,  um  die  Endung  hörbar  zu  machen :  to  dress,  thou  dress-est. 

Im  starken  Prät.  hat  das  Gotische  t ,  das  Altsächsische  i  und 
Ags.  e,  jenes  ist  der  Ueberrest  des  Pronominalstammes  tva  (du),  i 
und  e  aber  mit  dem  pluralen  Ablaut  sind  aus  dem  Conj.  herüberge- 
kommen. Erst  im  Me. ,  als  e  schwand  und  der  unterscheidende  Ab- 
laut, ward  die  Bezeichnung  der  Person  im  Me.  nöthig  und  est,  ist 
trat  an;  im  Ne.  est,  st:  thou  found-est,  spoke-st.  Sehr  selten  fehlt  sie 
entweder  aus  Nachlässigkeit  oder  in  Nachahmung  alter  Form:  thou 
who  didst  call  the  Furies  and  round  Orestes  bade  them  howl.  Byr. 
CH.  4,  132. 

Im  schwachen  Prät.  hat  ebenfalls  selten  s  gestanden,  wie  |7U 
l£estes  C.  38,  29.  wendes  l?u  2GS,  22.  ]yu  brohtes  Exon.  18,  26.  sealdes 
27  etc.,    ferner   in  Lag.  bilsefdes  s.  o.     Die  gewöhnliche  Bezeichnung 


Personenendung.  33j 

ist   auch   hier  st.     Bis  zum  Mo.  bleibt  hier  der  Bindevocal  e  und  oft   §.  57, 
wechselnd  mit  i.     Erst  im  Ne.  (Ben.  Jons,  lovedest,    lovedst,  tookest, 
tookst)    fällt   letzterer    aus:    loved-st  und  dopaited-st.     Da  wo  Präsens 
und    Prät.    zusammenfallen,    umschreibt    man    lieber   das    Prät. :    thou 
p littest,  thou  didst  put. 

Das  Personenzeichen  fehlt  auch  hier  bisweilen,  sicher  aus  Nach- 
läl^'igkeit.  So  im  Ae.:  ]>ou  mad  PL.  4259.  left  4261.  made  Ps.  8,  3. 
makedSS,  12.  ledde  76,  21.  kepod  29,  1.  —  Me.  thou  wisted.  Ch.  1158. 
why  ne  had  thou  put  the  capel  in  the  lathe?  40S6.  —  Ne.  There  thou 
too  once  formed  thy  paradise.  Byr.  CH.  1,  22.  Thou  who  with  thy 
frown  annihilated  Senates.  1,  83. 

Der  Conjunctiv  des  Präs.  und  Prät.  hat  schon  im  Ags.  sein  -st 
verloren. 

Auch  der  Imperativ  Sg.  hat,  wie  in  allen  germanischen  Sprachen 
keine  Persoubezeichnung. 

3)  Das  Zeichen  der  3.  Sg.  ist  t  (ta  er),  im  Got.  ]?,  im  Alts,  d^ 
im  Ag'S.  ]?.  Dies  ist  immer  geblieben  im  Präs.  Ind.:  gsb-ä,  ber-e-d, 
sec-(e)d,  sealf-a-d.  Lac^.  hat  e)?  und  Orm  bezeichnet  ausdrücklich 
die  Flexionssilbe  als  kurz  in  -e)?)?.  Im  Ae.  behält  es  RG.  und  im 
Me.  Wycl.  Ch.  und  Mau.  —  Ne.  Ben.  Jons,  hat  nur  -eth  im  Präs., 
Wall,  -eth  und  s  und  wenn  es  die  Aussprache  erfordert,  -es.  Das 
Ne.  beschränkt  die  Endung  -eth,  sie  hat  etwas  Förmliches,  Feier- 
liches; daher  steht  sie  seltner  bei  Dramatikern,  wenn  sie  nicht  grade 
absichtlich  gewählt  wird,  wie  in  Armado's  Liebesbrief  Sh.  LL.  1,  1; 
in  den  Reden  des  Pedanten  4,2.  5,  1;  ferner  in  wirklich  erhabenen 
Darstellungen.  Sh.  zieht  durchaus  s  vor,  nur  in  doth  und  hath 
behält  er  th  häufig  ohne  alle  Rücksicht  auf  den  Sinn.  Spenser  wählt 
die  lauten  -eth -Formen  oft  nur  vor  den  stummen  es,  s  aus  rhyth- 
mischen Gründen.  Die  feierliche  Rede  liebt  die  vollere  Form,  die 
Sprache  des  Lebens  drängt  zur  Kürze  und  deshalb  ist  eth  fast  ver- 
drängt von  dem  vordringenden  s. 

Dieses  kömmt  schon  in  Durh.  vor:  forgefes  Mrc.  11,  26.  gescen- 
des  Luc.  12,  33.  singes  22,  34.  ingaas  Mt.  7,  21.  geheres,  does,  getim- 
bres  7,  24.  Hier  hat  es  sich  entweder  aus  altnord.  r  entwickelt  oder 
ist  aus  ags.  d  hervorgegangen,  es  ist  entweder  eingedrungen  oder  es 
ist  entartet.  Für  letzteres  spricht,  daß  es  auch  sonst  für  d  eintritt, 
dem  kein  altnordisches  r  gegenüberliegt:  für  d  im  Präsens  Plur.  (altn. 
-um,  -adh,  -and),  we  gesprecas  Job.  3,  11.  we  getrymes,  gie  onfo-a-s 
3,  11.  ge  infindes  Mt.  2,  8.  hi  gefreates,  ofdelfes  Mt.  6,  19;  im  Imper, 


336  Personenendung, 

§.  57.  (altn.  -adh):  alle  cymmes  Job.  .'},  26.  gaas  and  cnoadad  Mrc.  lO,  7.  ettes 
and  drincad  2,  16.  Und  Job.  2,  5.  doad  suai  buffid  be  to  iiib  gecuaedas 
(=  ags.  Conj.  secge).  —  Lan.  und  Orm  baben  es  nicbt.  Aber  im 
Ae.  tritt  es  bei  PL.  und  Ps.  in  ziemlicb  gleicbem  Umfange  auf:  be 
sendes  PL.  655.  bas  652.  it  biboues  33.  men  sais  4304.  gos  and  say 
7095.  men  say  and  wele  understondes,  and  knowes  7691.  singes  Ps. 
46,  7.  —  Im  Me.  läßt  Cbancer,  der  selbst  nur  etb  gebraucbt,  die 
Clerks  aus  dem  nördlicben  Strotber  s  sagen:  it  gas,  falles,  bas.  — 
Im  Ne.  bat  es  etb  fast  verdrängt,  be  find-s,  bear-s.  Als  Längezei- 
cben  ist  e  binter  o  und  i  eingetreten:  to  go  he  go-e-s,  to  fly  he 
fli-e-s.  Ist  die  Länge  schon  anderweit  bezeichnet,  so  steht  es  nicht 
to  play  he  play-s.  to  woo  she  woo-s.  Sh.  Dagegen  Thoms.  the  stock- 
dove  coo-es.  Um  die  Aussprache  zu  ermöglichen,  mulo  hinter  Zisch- 
lauten e  eingeschoben  werden:  pass-e-s,  match-e-s  etc. 

Das  noch  hörbare  -etb  verlangt  die  Verdopplung  der  einfachen 
Consonanz  im  Auslaute  kurzsilbiger  Stämme  (wie  est)  he  beggeth, 
putteth;  in  Somm.  ist  e  stumm  geworden  he  lov'th,  he  read'th. 
Bosw. 

4)  Die  Personenbezeichnungen  im  PI.  (masi,  tasi,  anti)  zeigen 
Got.  und  Abd.  noch  am  deutlichsten.  Im  Alts,  und  Ags.  findet  sich 
für  die  drei  Personen  nur  ein  Zeichen,  jenes  hat  im  Präs.  Ind.  d, 
dieses  d;  im  Prät.  und  in  den  Conj.  baben  beide  n. 

Alts,  -d  entspricht  got.  and  und  daher  wohl  auch  ad;  ags.  würde 
in  der  2.  PI.  gotischem  i]>  entsprechen  und  auffallend  wäre  hier  nur, 
dal^  in  dem  älteren  Got.  i  geschwächt  erscheint,  während  das  Ags. 
a]?  behält.  —  Dieses  ]?  oder  d  behält  Lag.  im  PI.  bei,  Orm  selten 
crisstne]?)?  13257;  gewöhnlich  gebraucbt  letzterer  -enn:  crisstnenn 
13251.  —  Im  Ae.  bat  RG.  e]?,  PL.  auch  es  und  Ps.  en  und  die 
beiden  letztern  werfen  die  Endung  oft  ab:  we  kalle  PL.  1244  )7ei  luf 
592.  —  Im  Me.  hat  Wycl.  gewöhnlich  en,  seltener  etb:  goon  und 
gooth,  beren  und  bereth;  Ch.  ebenso  ye  riden  782;  you  liketh  779. 
you  thinketh  1869  ist  die  3.  Pers.;  Mau.  -en  und  PP.  en  und  etb.  — 
Im  Ne.  nur  bei  den  ältesten  Schriftstellern:  they  marchen  Sp.  1,4,  37. 
wee  sporten  etc.,  auch  bei  Sh.  all  perisben  etc.;  jetzt  ist  die  Endung 
weggefallen.     Bon.  Jons,  erklärt  sie  schon  für  veraltet. 

Der  Wegfall  des  pluralen  ]?  kömmt  schon  im  Ags.  vor  bei  nach- 
stehendem Pronomen:  ne  gä  ge  (so  gebt  ihr  nicbt,  Durb.  ne  ingaes 
ge),     Me.  5,  20.  und  dauert  auch  später  fort. 


t 


Personenendung-.  337 

Die    zweite    pliiralo   Bezeichnung  n    steht   im   Prät.   Ind.   b«r-on,  §.  57. 
nered-on,  sOht-on,  im  Präs.  und  Prät.   Conj.  ber-cn,  bifer-en,  nored-en, 
söht-en.     Dieses  u  hat  sich  aus  der  3.  PI.  entwickelt. 

Das  u  des  Prät.  Ind.  wird  im  Ae.  unsicher,  besonders  bei  PL. 
und  Ps.:  heo  a-rjse  KG.  1151.  bigonue  202.  grew  495;  doch  herrscht 
selbst  im  Me.  noch  en  vor.  —  Im  Ne.  fällt  es  ab. 

Das  n  im  Conj,  fehlt  schon  oft  im  Ags.,  wenn  das  Pronomen 
nachsteht:  hw^et  ete  we,  hwißt  drince  we?  Mt.  6,  31  (huaet  walla  ue 
eatta.  Durh.).  Fare  we  Mrc.  1,  3S.  geonga  we.  D.  =  uton  gän  Joh.  11, 
15.  —  Bei  Lag.  lete  we  3319,  doch  wird  oft  n  der  Flexion  beige- 
fügt, wie  in  1.  Sg.  Präs.  Ind.  ich  ageuen  A.  16920.  ich  ibiden  A- 
ibide  B.  3321;  in  der  2.  Sg.  Prät.  J?u  drogen  A.  droge  B.  16529.  }?u 
tugen  A.  1605S;  im  Imp.  Sg.  lien  A.  li  B.  (liege)  21431.  im  PL  ge 
bidden  A.  bidde  B.  12684;  im  Präs.  Conj.  Sg.:  J^at  ich  beren  A.  bere 
B.  30591.  }?at  ]>\i  leten  A.  10782.  aelc  mon  nimen  A.  nime  B.  18391. 
Daher  auch  im  Conj.:  leten  (lete)  we  us  rseden  18388.  biden  ge  19326. 
—  Im  Ae.  und  Me.  steht  n  selten  im  Conj.  wie:  dien  we.  Gen.  43,  8 
(laßt  uns  sterben).  —  Im  Ne.  fehlt  jede  Flexion. 

Im  Imperativ  PL  steht  ebenfalls  d,  das  sich  noch  im  Me.  erhält: 
biggith  Gen.  42,  2.  seeth  Mt.  28,  6.  goth  ge  10,  5.  riseth  ge  Ch.  MeL 
Die  nördlichen  Dialecte  haben  s:  Ags.  strionas  gie  striona.  D.  Mt.  6, 
20.  ae.  gos,  singes  Ps.  —  Im  Ne.  fällt  es  weg. 

Auch  hier  beginnt  der  Wegfall  schon  im  Ags.  vor  nachstehendem 
Pronomen:  ne  slea  ge.  Luc.  3,  14.  wene  ge.  C.  270,  12.  —  Im  Ae.  oft: 
gos  and  say.  PL.  7693.  help,  knyghtes.  1039.  singe  ghe  etc.  Das  da- 
nebenstehende Pronomen  oder  Substantiv  machte  die  Bezeichnung  über- 
flül^ig;  und  da  später  der  Sg.  aul^er  Gebrauch  kam,  so  reichte  die 
einfachere  und  bequemere  Form  aus. 

In  der  2.  und  3.  Sg.  Präs.  Ind.  fällt  der  Bindevocal  oft  aus,  die  §.  58. 
Personenendung  tritt  an  den  Stamm  und  übt  Einflufi  auf  Vocale  und 
Consonanten  desselben. 

1)  Die  synkopierte  Form  bewahrt  in  den  ags.  starken  Verben 
den  altern  Umlaut,  während  die  vollere  denselben  zurückgehen  läiU. 
Daher  steht 

e  neben  a:  bace,  bec-st,  bec-d;  bac-ad. 

e  neben  ea:  fealle,  fel-st,  fel-d;  feall-ad. 

se  neben  ä:  häte,  hset-st,  hset;  hät-ad. 

e  neben  ö:  gröwe,  grew-st,  grew-d;  gröw-ad. 

y  neben  eo:  fleohe,  flyh-st,  flyh-d;  fleoh-ad. 

Koch,  engl.  Grammalik,    I.    2.  Aufl.  22 


338  Synkope  und  ihr  Einfluli. 

§.  58.  Der  Umlaut   mul^   hier    zuerst  in   den  vollem  Formen  durch  den 

Bindevocal   i   bewirkt  worden   sein,   die  kürzeren  synkopierten  Formen 
hielten  ihn  fest;  selten  j^u  cym-est  B.  1382.  ho  cyraed  C.  2S,  20. 

Ob  dieser  Umlaut  bei  Lag.  noch  bleibt,  lill^t  sich  in  den  Laut- 
schwankungen desselben  nicht  erkennen;  vielleicht  hat  er  selbst  zu 
diesen  beigetragen,  indem  er  in  andere  Formen  eindrang.  Orm  hat 
entschieden  keinen  Umlaut,  freilich  auch  nur  volle  Formen:  cumenn 
J7U  cumesst  10662.  cume]?|?  4359.  Ebenso  im  Ae.  cometh  RG.  28  neben 
com)?  10445. 

2)  Eine  zweite  Wirkung,  die  Synkope  im  Ags.  hat,  besteht  darin, 
daß  sie  das  ältere  i  (schlecht  y)  erhält,  das  zu  e  (eo)  geschwächt 
ist,  also  in  den  ersten  Klassen  der  starken  Verben:  helpe,  hilpst 
hilpd  Luc.  5,  36.  beorge  byrhd.  Gr.  Ps.  16,  8;  ic  brece,  )?u  bricst  Oros.  2,  4. 
brycd  Luc.  5,  37.  ic  sprece,  f>u  sprycst  Joh.  16,  29.  he  sprycd  7,  18;  ic 
ete,  ]?u  itst  Gen.  3,  8.  he  ytt  Joh.  13,  18;  ic  bere  he  ber-ed,  byrd  Mt.  7, 
17.  Selten  erhält  sich  i  in  der  vollen  Form:  briced  Exon.  232,  10. 
forbirsted  236,  2.  spricest  12,  2.  spriced  3,  9. 

Auch  hier  schwindet  der  ältere  Laut  im  Nags.,  Ae.  )?ou  est  RG. 
4932    und  der  Präsensvocal  unterliegt  keinen  ferneren  Schwankungen. 

3)  In  Folge  eingetretener  Synkope  häufen  sich  die  Consonanten 
und  es  treten  im  Ags.  folgende  Vereinfachungen  ein. 

a)  Hinter  auslautendem  t  fällt  d  ab:  J^yrst  ()?yrsted)  Joh.  6,  35. 
lyst  (lysted)  Bo.  39,  10.  slit  (=  slited)  C.  50,  2.  besmit  Mt.  15,  11.  yt 
(eted)  Luc.  14,  15  oder  t  verdoppelt  sich;  sited  C.  17,  16  =  sitt  Luc. 
22,  27.  ytt  Marc.  2,  16.     Dagegen  bid  (=  bited)  Ex.  97,  30. 

b)  Auslautendes  d  vor  st  fällt  aus  und  wird  mit  d  zu  t:  ridst 
wird  rist,  rsetst  (liesest,  rsed-est)  Luc.  10,  26,  doch  bitst  (für  biddest) 
Mrc.  6,  23.  rit  (rided)  Mt.  2  l,  5.  bytt  (bidded)  Luc.  14,  32  und  bit  Apoll. 
14.  sended  sent  Luc.  14.  32.  )?u  laedest  l^tst  Gen.  6,  19.  gelseded  gel^t 
Mt.  7,  13.  feded  fet  6,  26. 

c)  Auslautendes  d  fällt  vor  st  und  d  aus;  cwedest  becwist  A.  193, 
304.  cwyd  C.  36,  34.  weorded  B.  2913.  weord  C.  33,  13.  wyrd  35,  9. 

d)  Auslautendes  d  in  nd  wird  mit  d  zu  t:  stand-ed  stent  Luc. 
11,  18.  fint  (finded)  Mt.  16,  25.  Dagegen  die  2.  P.  schwankt:  under- 
stenst.  Fid.  fintst  Mt.  17,  27.  bebindst  16,  19. 

e)  Auslautendes  s  fällt  vor  st  aus  und  mit  d  wird  es  zu  st: 
(forleos-ed)  forlyst  Luc.  15,  4.  arlst  Mt.  17,  23. 

f)  Auslautendes  st  duldet  gewöhnlich  weder  st  noch  d:  birst  steht 
für  berst-est  und  berst-ed,  selten  berst-ed  Exon.  387,  21. 


Synkope  und  ihr  Einfluß.  339 

g)  Geminierte  Liquida   vereinfacht   sich:   winned  wind  Mt.  24,  7.   §.  58. 
äblind  Sept.  cend.  Mt.  1,  21.  feist  feld.     Ebenso  gemiuiertes  g,  t,  p: 
ic  liege,  )ni  liegest  ligst  C.  45,  30.  settest  setst  Bo.  7,  5.  dypped  bedypd 
Mt.  26,  23.     Sogar  nemst  Mt.  1,  22  für  nemn-est. 

li)  Einfaches  g  und  in  lg,  rg  gebt  vor  st  und  d  nach  b  über: 
leogan  (lügen),  he  lybd  B.  1048. 

Im  Nags.  findet  ähnliche  Consonantenverminderung  statt:  aswint 
(nded)  La^.  17940.  stont  (nded)  staunt  A.  steond  B.  18850,  gilt  21071. 
bifalt  (lled)  etc.;  bihallt  für  bihalde]?!?  ^^^  13408,  finnt  für  finde)?)? 
53SS,  bitt  für  bidde]?)?  5396.  stannt  für  stannde)?)?  3643.  —  Ae.  halt 
für  balde]?  RG.  7943.  he  stont  für  stonde]?  3.  )?ou  est  (il^est)  4942.  — 
Me.  fynt  (findeth)  Mau.  5.  fint  Ch.  4069.  stont  15641.  stant  3677.  holt 
Mau.  1.  rytt  (rydeth)  4.  slit  (slideth)  Ch.  16150.  smytt  Mau.  5.  sytt 
(sitteth)  1,  5,  19.  —  Das  Ne.  meidet  solche  Abkürzungen,  es  hat  findeth 
oder  finds.  Dagegen  in  dem  vollen  est  wird  e  bisweilen  ausgestol^en, 
wenn  es  die  Aussprache  zuläl^t:  putt'st  Sh.  L.  1,  4.  sitt'st  4,  2.  M.  pl. 
3,  376.  defend'st  Pope  H.  10  337.  build'st  etc.  Da  schon  Wallis  und 
Gil  die  Aussprache  des  e  in  das  Belieben  des  Sprechenden  stellen, 
so  empfiehlt  sich,  um  die  Lautlosigkeit  des  e  zu  bezeichnen,  die  ein- 
fachere Schreibung:  putst,  sitst,  runst  Sh.  Mm.  3,  1.  shrugst  T.  1,  1. 
forgetst  3,  1. 

Manche  Verben    erleiden  Synkope,    die   sich  nach   und  nach   be-  §.  59. 
festigt. 

1)  Ags.  sleahan  sleän  slän  (schlagen),  slae  D.  Mt.  24,  49.  Präs. 
ic  sleahe  slea,  )?u  sleahest  siehst  slyhst,  he  sleahed  slehd  slihd;  pl. 
slead  Bo.  35,  5.  Imp.  sleah  sieh  C.  204,  12.  slyh  Mt.  5,  21.  Part,  slea- 
hende  sleande  Ors.  1,  10.  —  Nags.  slaen  Lag.  13549.  slan  Orm  4450. 
Präs.  )?u  slast  6752.  he  sla)?  4439.  slae)?  9761.  Imp.  sla  14685.  —  Ae. 
sie  RG.  1186.  slo  PL.  736.  1040.  —  Me.  sie  Mt.  10,  28.  slee  (slea)  5, 
21.  —  Ne.  slay,  slay-est,  slays. 

2)  Ags.  seon  (für  siohwan,  seohwan,  sehwan,  got.  saihvan  sehen), 
Präs.  ic  seo,  )?u  sihst  (siihst  D.),  he  sihd;  pl.  seod.  Imp.  sioh  Exon.  4, 
27.  seoh  seh  sih.  —  Nags.  iseon  A.  isee  B.  Lag.  2872.  seon  0.  318. 
sen  2449.  Präs.  ich  iseo  ise  Lag.  7247.  isihst  A.  sehste  B.  5195.  iseod 
A.  4193.  sid  A.  siht  B.  4380;  pl.  iseod  A.  27402.  Orm  ic  seo  7623 
und  se  14998.  seost  4163  und  sest  13590.  seo);  3829  und  se)?665; 
pl.  sen  7032.  —  Ae.  yse  RG.  9.  sen  12.  Präs.  I  se,  thou  ses  PL.  1695. 
syst  RG.  2303.  he  sees  PL  1190.  pl.  yse]?  RG.  7740.  —  Me.  seeygen 
A.  se  B.  Deut.  28,  10.  sene,  seen,  sen,  see,  se.  —  Ne.  to  see. 

22* 


340  Synkope.     Infinitiv. 

g.  59.  3)  Ags.   fleolian   fleon   (fliehen).    Präs.  ic  fleo,    )7ii  flyst,    he  flyd, 

pl.    fleod.    Imp.    fleob.  —  Nags.   fleon.   Präs.   he  flicd  Lag.  21343  und 
fliged  A.  flio)?  B.  2135G.  flef»  Orm  17792.  pl.  fled  A.  fleo)?  B.  Lag.  5894. 

—  Ae.   fle  RG.  4572.    PL.  392    etc.   —  Me.    flen    flee    fle.   —  Ne. 
to  fleo. 

Ebenso  mögen  andere  mit  auslautendem  h  verlaufen,  wie  leaban 
lean  (tadeln),  J?weaban  )?wean  (waschen),  teohan  teön  (ziehen). 

4)  Ags.  fangan  fön  [foa  D.]  (fangen,  fahen).  Präs.  ic  fö,  J^u 
fehst,  fest,  he  febd,  fed;  pl.  föd.  Der  Stamm  ist  hier  fab,  got.  fahan, 
so  daii  fangan  Erweiterung  der  Wurzel  und  Synkope  nur  scheinbar 
ist.  Daher  hat  Durh.  auch  Part.  foen.  —  Nags.  fOn.  Präs.  he  fop», 
]7egg  onn-fon  Orm  11130.  Part.  Pass.  ifon  Lag.  28137. 

5)  Ebenso  ags.  hangan  hon  (got.  hahan,  hangen).  Präs.  ic  hob 
hö,  ]?u  hebst,  he  hehd;  pl.  höd.  Imp.  höh.  —  Nags.  ahon.  Lag.  20878. 
Nur  hang  bleibt  im  Engl. 

6)  Ags.  licgan  (liegen).  Präs.  he  licged  liged  Bed.  1,  1.  Exon.  210, 
7.  ligd  SC.  792.  lid  Mt.  8,  6.  —  Nags.  liggen  lin  0.  6020.  Präs.  ich  ligge, 
J7U  list  0.  19854.  he  lid  1238.  pl.  ligge]?,  lin  17783.  Imp.  lig  A.  ly  B. 
Lag.  18097.  —  Ae.  ligge  lie  PL.  214.  Präs.  he  ligges  89.  160.  lies  5767. 
lis  183.  ly]?  RG.  5346  etc.  —  Me.  liggen  lin.  Präs.  liggist  lijst  Josb. 
liggeth  B.  lieth  A.  Gen.  49,  31.  pL  liggen' lin.  Part,  liggynde  und  liende 
Mt.  9,  2.  —  Ne.  to  lie. 

Infinitiv. 

§.  60.  Das  Zeichen   desselben  ist  n.     Daher  I.  Ags.  gä-n,   dö-n,   Durh. 

stöIH  n  bisweilen  ab:  ingae  Mt.  18,  8.  Nags.  gan,  gon,  don.  —  Ae. 
done  RG.  7905.  do  2427.  PL.  68.  —  Me.  goon,  gon,  goo,  go,  don, 
do,  —  Ne.  to  go,  to  do. 

IL  Die  starken  Verben  laßen  n  an  den  Bindevocal  antreten: 
ber-a-n,  sprec-a-n,  Durh.  stößt  es  ab:  geslepae  Mt.  13,  23.  gecumae  14, 
28.  cume  Job.  8,  22.  cuma  21.  —  Nags.  Lag.  A.  hat  n,  B.  stößt  es 
ab,  Orm  -nn.  —  Ae.  selten  n,  gewöhnlich  verkürzt:  bere  RG.  167. 
fygte  502.  helpe  48.  blowe  168.  com  PL.  250.  fynd  283.  —  Me.  Ch. 
hat  noch  oft  n,   Wycl.  meist  e:   breke,  drawe,  giue,  falle,  holde  etc. 

—  Ne.  ohne  Bezeichnung:  to  break. 

III.     Ebenso  die  schwachen  Verben:    ner-ja-n,  sec-a-n,  dwel-ja-n, 

sealf-ja-n,   dort   ist  j  organisch,    hier  eingedrungen.     Die  langsilbigen 

erster  Kl.  stoßen  es  aus.  Beides  unterliegt  einer  zwiefachen  Verän- 
derung. 


Infinitiv.  341 

1)  Manche   langsilbige  Stilmme  bewahren  es  noch  in  e:   söc-öa-n   §.  GO. 
C.  104,  10,  ge-Ic-ea-n,  drenc-ea-n  und  es  erweitert  sich  selten  zu  ig, 

ige:  sceaw-ja-n  C.  106,  33.  scefiw-igea-n  Num.  13,  3.  fer-ja-n,  fer-ige-an 
A.  825.  swerigean  Ps.  101,  G.  Diese  Erweiterung  findet  sonst  haupt- 
sächlich nach  r  und  vor  e  statt. 

2)  In  Ij,  mj,  uj,  fj,  sj  assimiliert  j  und  es  entsteht  11,  mm,  nn,  bb 
(weil  ff  nicht  stehen  kann)  und  ss:  cweljan  cwellan,  fremjan  frem- 
man,  dynjan  dynuan,  onswefjan  onswebban  etc.  Ebenso  sind  die 
Geminaten  dd,  cg,  cc  durch  Assimilation  des  j  entstanden. 

Im  Nags.  erhält  sich  dieses  i  noch  vielfach  bei  Lag.  hanlie  A.  han- 
deli  B.  to  handle  489S,  axien  A.  axi  B.  to  ask,  bannien  A.  banni  B.,  fondien 

A.  fondi  B.,  harpien  A.  harpi  B.,  huntien  A.  hunti  B.,  halgien  A.  halgi  B., 
lokien  A.  loki  B.  etc.;  anideri  (erniedrigen),  cneoli  (ags.  cneowjan)  to  kneel, 
haremi  (ags.  hearmjan)  to  härm  etc.  Sicherlich  wurde  i  in  seiner  Bedeu- 
tung nicht  gefühlt,  da  daneben  aach  fonden,  bannen  etc.  stehen. 
Auch  romanische  i  treten  hinzu,  wie  granti  B.  14152.  Lag.  A.  hat 
ie-n,  B.  i.  —  Orm.  hat  nur  e-nn:  lokenn,  handlenn,  hunntenn. 

Im  Ae.  fällt  n  meist  ab,  i  oder  ie  erhält  sich  in  manchen  Ver- 
ben. So  hat  KG.  helle  (heilen)  3190,  makie  11118,  honty  361  und 
honte  368,  knely  7764,  wonye,  f'olye,  answerye,  sparie,  ba]:>y,  endy 
etc.;  ferner  in  romanischen  Wörtern:  amendy  1323,  robby  2142,  sacri 
10871,  crouni  2395,  confermi  11180.  PL.  hat  selten  ie,  wie  to  askie 
491;  Ps.  nur  e. 

Im  Me.  schwinden  allmählig  i,  PP.  hat  noch  hatien  (haßen)  5794. 
wonyen,  knely  Cred,  245  und  knele  658;  n,  en  steht  noch  häufig, 
doch  auch  to  hunt  Ch.  192.  knit  1130. 

Das  Ne.  hat  en  noch  bei  Sp.  wie  lenden,  matchen,  passen  und 
im  veralteten  Style  auch  bei  Sh.  to  killen  Per.  2;  jetzt  ohne  alle  En- 
dung to  lend,  match,  kiU.  —  In  Somerset:  sewy,  reapy,  nursy. 
Bosw.  Dors. 

Neben  dem  nackten  Infinitiv  steht  im  Ags.  der  Ueberrest  eines 
flectierten  Infinitivs,  ein  alter  Dativ  auf  e  mit  verdoppelter  Liquida, 
in  Verbindung   mit   der  Präp.   tö:   tö  gänne,    tö  dönne,   tö  gebidanne 

B.  2445,  auch  tö  geceosenne  1851.  Diese  Form  artet  in  spätem  mss. 
in  -ende  aus:  tö  sprecende  SC.  694  F.  —  Im  Nags.  mischt  sich  bei 
Lag.  Infinitiv  und  Part.  Präs.:  to  fleonne  A.  to  flende  B.  1570.  6407 
und  Orm  hat  hier  die  einfache  Infinitivform,  Gemination  ist  bei  ihm 
Zeichen  der  Kürze:  to  sen  2951.  to  cummenn  10639.  wi)?)?  to  letenn 
6362. 


342  Particip  des  Präsens. 

§.  00.  Im  Ae.  und  Me.  erhalten  sich  Spuren  der  alten  Form:  to  comene 

KG.  305G,  4G09.  to  wytone  Mau.  G.  to  comene  8.  to  cumme  Mt.  3,  7; 
meist  aber  steht  t  o  bei  der  gewöhnlichen  lufinitivform.  Im  Ne.  ist 
keine  Spur  der  alten  Form:  to  como,  to  go. 

Particip    des    Präsens. 

§.61.  Es  wird  mit  -nd  gebildet.     Daher 

1)  von  gä  und  dO  sollte  es  heilten  gä-nd,  dO-nd,  aber  das  fin- 
det sich  nicht.  Von  gä  findet  sich  die  erweiterte  Form  gangende, 
gongende,  und  statt  dö-nde  hat  Durh.  do-ando  oder,  da  er  doa  für 
dö  hat,  doa-ndo.  —  2)  Die  starken  Verben  laßen  nde  an  den  Binde- 
Yocal  treten:  ber-e-nde,  feoht-e-nde;  Durh.  hat  hier  oft  a.  —  3)  Ebenso 
die  schwachen  Verben:  ner-je-nde,  sec-e-nde,  sealf-ige-nde  für  sealf- 
je-nde;  Durh.   clsens-a-nde,  cliopp-a-nde,  sceäw-a-nde,  bod-a-nde. 

Nags.  Fühlt  man  schon  den  Vocal  vor  nd  im  Ags.  nicht  mehr 
als  Bindevocal,  so  ist  das  noch  weniger  im  Nags.  der  Fall,  man  be- 
trachtet ihn  als  zur  Bildungssilbe  gehörig  und  hier  stehen  ende  und 
in  de  neben  einander  und  letzteres  neigt  sich  schon  zu  Inge;  nur  nörd- 
liche Urkunden  behalten  an  de:  ne  goinde  ne  ridinge  B.  und  das  son- 
derbare (wohl  für  ganginde)  ne  ganninde,  ne  ridende  A.  Lag.  1582. 
ganninde  A.  g